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Rotbuche Baum des Jahres 2022

Als erste Baumart wurde die Rotbuche zum zweiten Mal von der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung zum Baum des Jahres gekürt. Mit dieser Auszeichnung wird der Wert eines Baumes in der Gesellschaft hervorgehoben. „Die letzten Jahre haben allen Wald-, Stadt- und Parkbäumen stark zugesetzt. Auch der Zustand der Altbuchen ist kritisch“, so der Präsident der Stiftung.

Diese prächtige Rotbuche in der Sonnenstraße soll der Bebauung weichen (Foto: K. U. Müller).

In Freiburg soll nun ein prächtiges Exemplar dieses Baums des Jahres einem Bauvorhaben zum Opfer fallen. Und zwar in einem Innenhof in der Sonnenstraße in Herdern. Der Baum hat laut Anwohner einen Stammumfang von 2,40 Metern und würde damit unter die Baumschutzsatzung fallen. Die Anwohner sind empört. Auf der einen Seite rede die Stadtverwaltung von Klimaschutz und mehr Grün in der Stadt, dann aber werde doch wieder ein bestehendes Kleinbiotop zerstört. Auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler hat sich bereits bei der Stadt eingeschaltet. Diese sieht jedoch keine rechtliche Handhabe, die Fällung zu verhindern.

Tatsächlich könnte der Baum erhalten bleiben, würde der Bauherr deutlich kleiner planen, sowohl beim Wohngebäude als auch bei der Tiefgarage. „Ein klassischer Zielkonflikt“, so der Bauherr, durch die Verkleinerung würde schließlich weniger Wohnraum entstehen. Ein Gutachter habe zudem bestätigt, dass der Baum ohnehin eingehen würde.

Freiburg Lebenswert setzt sich mit Nachdruck für eine Verbesserung der Baumschutzsatzung ein. Baumschutz muss in Zeiten der Klimakrise und des dramatischen Artenschwundes dem Baurecht unbedingt vorgehen. Ein Baum dieses Ausmaßes erzeugt so viel Kühlung wie 10 Klimaanlagen, zudem bietet er Lebensraum für etliche Tierarten. Der angeführte Zielkonflikt ist bei marginalem Wohnraumgewinn lediglich vorgeschoben, dem Bauherrn geht es vor allem um Profitmaximierung. Und die Aussage, der Baum sei nicht mehr zu retten, muss doch stark bezweifelt werden; wenigstens ein neutraler Gutachter sollte noch hinzugezogen werden.

Klima- und Artenschutz sind manchmal sogar zum Nulltarif zu haben, dazu müssen nur bestehende Biotope erhalten bleiben. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt endlich Maßnahmen ergreift, um solchen Eingriffen in Zukunft rechtlich begegnen zu können.




Hände weg vom Dietenbachwald!

Man weiß nicht, worüber man sich mehr empören soll. Ist es die Trotzigkeit, wonach die Stadt keinen Änderungsbedarf sieht, obwohl die Hochwasserkatastrophe 2021 deutlich vor Augen geführt hat, dass in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden sollte? Oder sind es die Grünwasch-Argumente, mit denen die Stadt den neuen Stadtteil Dietenbach als grandiosen Beitrag zum Klimaschutz anpreist? So soll Dietenbach zu weniger Pendlerverkehr führen und den Flächenverbrauch im Umland eindämmen. Oder ist es die Dreistigkeit, welche die Stadt beim Dietenbachwald an den Tag legt? So hieß es vor dem Bürgerentscheid noch, für Dietenbach müsse kein Baum gefällt werden. Frei nach dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, sollen nun jedoch rund 4 ha Wald für den Bau des neuen Stadtteils geopfert werden. Dies jedoch nicht nur für die Fortführung der Stadtbahntrasse, sondern auch für zusätzliche Wohnbebauung und Sportflächen. Selbst für die Trasse gibt es eine Alternativplanung von der Paduaallee aus, wie Ralph Schmidt vom NABU bei einem seiner immer sonntags um 14:00 Uhr stattfindenden Informationsspaziergängen zum Dietenbachwald ausführte.

2. Vorsitzender FL Prof. Dr. med. Michael Wirsching (vorne links) und FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (2. v. l.) bei der Demonstration am 10.10.2021. Die Anwesenheit on FL wurde mehrfach gewürdigt (Foto: K. Langosch).

Am Sonntag, den 10.10.2021 protestierten rund 300 Menschen gegen die geplanten Baumfällungen im Dietenbachwald. Zu der Demonstration hatte der BIV Rieselfeld zusammen mit anderen Organisationen wie dem NABU, BUND oder Parents for Future aufgerufen. Die Demonstranten warfen der Stadt vor, das Thema Klimaschutz zu ignorieren. Die Klimakrise mache einen grundlegenden Wandel des Denkens notwendig, so eine Vertreterin von Parents for Future. Zudem habe die Stadt 2019 ein Arten- und Klimaschutzkonzept beschlossen und müsse sich auch daran halten. Auch wurde seitens des NABU darauf hingewiesen, dass der Dietenbachwald höhlenreich und voller Totholz sei und damit Platz für Artenvielfalt biete. Schwerlich könne man auch von anderen Walderhalt fordern, wenn man nicht fähig sei, den eigenen Wald zu erhalten.

Einige Mitglieder von Freiburg Lebenswert nahmen an der Demonstration teil, so auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler, was mehrfach gewürdigt wurde. Freiburg Lebenswert hat sich als einzige Gruppierung im Gemeinderat gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen und ist nun auch die einzige im Gemeinderat vertretene Gruppierung, die sich gegen die Abholzung des Waldes einsetzt.

Kritisiert wurde bei der Demonstration auch die „Diskrepanz zwischen den hohen Ansprüchen, Green City zu sein und dem Umgang mit berechtigten Einwänden“. So sieht die Stadt keinerlei Notwendigkeit eines Umdenkens. Wozu auch, schließlich werde sparsam mit Grund und Boden umgegangen, wobei die klimatische Situation nicht verschlechtert werde. Und zudem würde doch der Verzicht auf Dietenbach im Umland ein Vielfaches an Flächenverbrauch und Pendelverkehr auslösen, so die Stadtverwaltung. Diese Grünwasch-Argumente machen einfach nur sprachlos. Tatsächlich wird der innerstädtische Verkehr mit 16.000 Neubürgern drastisch zunehmen, einige Naherholungsgebiete wie z. B. der angrenzende Mundenhof sind jetzt schon stark überlastet. Selbst wenn man großzügigerweise annimmt, dass durch Dietenbach unter dem Strich ein paar Pendelkilometer gespart werden, dürfte klar auf der Hand liegen, dass mit solchen Maßnahmen der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden kann.

Viel wurde in den letzten Jahren im Umland gebaut. Hier: Neubaugebiet in March (Foto: K. U. Müller).

Und was den Flächenverbrauch anbelangt, stellt sich die Frage, wo der ganze Aushub zur Aufschüttung auf dem Überschwemmungsgebiet herkommen soll, wenn nicht durch Bautätigkeiten aus dem Umland. Auch dort wurde den letzten Jahren enorm viel gebaut, z. B. in Niederrimsingen, March,  Kirchzarten oder Ebringen. Und ein Ende des Baubooms ist keineswegs absehbar. Dabei sei die Frage erlaubt: Warum wurde dann nicht von Freiburg ein Zeichen gegen den Flächenverbrauch gesetzt und auf die Bebauung Hinter den Gärten in Tiengen, der Eingemeindung im Umland, verzichtet?

Neubaugebiet in Ebringen: Viel Flächenversiegelung, wenig Grün, in schönster Weinberglandschaft (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/demo-gegen-baumfaellungen-haende-weg-vom-dietenbachwald–205490998.html

Auch hat Freiburg Lebenswert bereits mehrfach zum Thema berichtet.




FL vor Ort im Betzenhausener Obergrün

Freiburg erhielt die Auszeichnung „StadtGrün naturnah“ in Gold, wie die BZ am 6.10.2021 berichtete. Für Baubürgermeister Haag ist das eine verdiente Ehrung: „Freiburg tut viel, um städtisches Grün möglich zu machen“, zitiert ihn eine städtische Pressemitteilung und als Beispiel nannte er u. a. das „Urban Gardening“.

Für Freiburg Lebenswert steht diese Preisverleihung in krassem Widerspruch zur real existierenden Umweltpolitik der Stadt, die sich nicht scheut, riesige Grünflächen durch Bebauung zu versiegeln.

Am Samstag, den 2.10.2021, fand im Gewann Obergrün eine Ortsbegehung statt, zu der Freiburg Lebenswert eingeladen hatte. Cora und Kerstin Geigenbauer vom Verein „Bauernhoftiere für Stadtkinder e. V“ stellten bei einer naturkundlichen Führung die Arbeit des Vereins vor und zeigten die wertvollen Grünflächen mit ihrer biologischen Vielfalt. Für viele Kinder im Stadtteil ist hier auch ein Spielotop. Diese Grünflächen wurden vor längerer Zeit schon von der Bauwirtschaft und der Stadtverwaltung für ein neues Baugebiet ausgewählt, das seither zielstrebig vorangetrieben wird.

Freiburg tut viel, um naturnahes städtisches Grün möglich zu machen, so der Baubürgermeister. Doch im Obergrün wie auch an vielen Orten in Freiburg wird wertvoller Naturraum durch Bebauung vernichtet (Foto: K. U. Müller)

Die ursprüngliche Planung 2015 sah 20 Wohneinheiten vor. Daraus wurden in der Folge 35 und zuletzt 48 Einheiten. Durch diese aktuelle Planungsvariante wird der Kinderbauernhof eine starke Beeinträchtigung erfahren. Durch den Verzicht auf eine der geplanten Häuserreihen direkt neben dem Bauernhof wäre der Konflikt entschärft und den Betroffenen glaubhaft signalisiert worden, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Diesen Vorschlag einer geringeren Bebauung hat Einzelstadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert immer wieder ins Feld geführt, während die anderen Gemeinderatsfraktionen dies ablehnen und das Totschlagargument der Schaffung von Wohnraum bemühen, obwohl die Einwohnerzahl derzeit eher stagniert. Dabei verkennen die Baubefürworter auch völlig, dass sich durch die Brisanz der Klimakrise die Prioritäten beim Bemühen um Nachhaltigkeit verschoben haben. Die Aufgabe des Naturschutzes rangiert ganz oben, weil eine ausreichende Wohnraumversorgung auf einem unbewohnbar gewordenen Planeten Erde zur Absurdität wird.

Fazit: Viel Zerstörung für wenig – wenn überhaupt – bezahlbaren Wohnraum.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/widerstand-im-obergruen/




Nein zur B 31 West

Freiburg Lebenswert (FL) schließt sich den Gegnern der B31 West vollumfänglich an und plädiert für eine Null-Variante plus. Diese beinhaltet die Ablehnung der B31 West-Trasse. Als „plus“ werden aber Verbesserungen angeboten, wie z. B. ein teilweiser Ausbau der alten B31, eine kleine Umfahrung Ihringens durch den Ausbau weitgehend schon vorhandener Straßen  oder der Ersatz der zeitfressenden Ampelanlagen bei der Autobahnausfahrt Hausen durch leistungsfähige Kreisel.

Zunächst als Hintergrundinformation: Die ursprüngliche B31 kommt vom Bodensee und führt durchs Dreisamtal bis zur Stadtmitte Freiburgs. Ab da verläuft sie parallel zur B3 bis St. Georgen und ab St. Georgen bis zum Zubringer Freiburg-Süd wieder als B31. Ihr Verlauf ist dann über die A5 bis Hausen, von wo aus sie wieder bis Breisach als B31 firmiert. Mit dem Bau des Zubringer Mitte wurde eine neue B31 a geschaffen, die inzwischen bis Gottenheim verlängert wurde und dort in einem Brückentorso endet. Diese B31 a soll nun als B31 West von Gottenheim bis Breisach mit einer neuen Trasse versehen werden.

An dieser Brücke endet die B31 a (Foto: K. U. Müller).

Damit würden zwei parallele Bundestraßen mit dem Namen B31 von Freiburg nach Breisach führen. Freiburg Lebenswert hält dies angesichts der bereits vorhandenen B31-Führung über die A5 für einen Schildbürgerstreich, zumal mit der neuen Trasse kaum Zeitgewinn verbunden wäre.

Dazu FL-Stadtrat Wolf-Dieter Winkler: „Diese neue Trasse ist für die Region völlig unnötig, würde aber große landwirtschaftliche Flächen vernichten und Naturräume zwischen dem Tuniberg und dem Kaiserstuhl zerschneiden. So würde beispielsweise das Naherholungsgebiet mit dem Gottenheimer Riedweiher massiv beeinträchtigt.“

Der Klimawandel mit spürbaren Folgen wie Dürren und Waldbrände auf der einen und Hochwasserzerstörungen auf der anderen Seite, der ungezügelte Flächenverbrauch, der Naturräume zerstört und das Artensterben befeuert, fordert ein Umdenken in eine zukunftsgewandte Verkehrspolitik. So versucht der Freiburger Gemeinderat unter Einsatz enormer finanzieller Mittel das Auto zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs und des Fahrrades zurückzudrängen. All diese Anstrengungen sollen nun durch den Bau einer neuen Straßentrasse konterkariert werden.

Die Frage, wie viele neue Fernstraßen nicht nur die Region, sondern ganz Deutschland noch braucht, ist schnell beantwortet: Keine. FL lehnt daher den Bau dieser Straße ab und fordert die Verantwortlichen auf, von einer solch antiquierten Verkehrspolitik Abstand zu nehmen und Lösungen zu finden, die einer Verkehrswende nicht entgegenstehen. Dabei sei an den Satz von Daniel Goeudevert, einem ehemaligen Vorstandsmitglied des Volkswagen-Konzerns, erinnert: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“




IAA – FL unterstützt Kritik

Am Dienstag hat unsere Autokanzlerin Angela Merkel wieder mal eine IAA eröffnet. Diesmal allerdings mit neuem Konzept und an neuem Ort. Sie ist nicht mehr nur Automesse, sondern „IAA Mobility“ und findet nicht mehr in Frankfurt, sondern in München statt. Nicht mehr nur Autohersteller und deren Zulieferindustrie stellen aus, sondern auch z. B. 70 Fahrradhersteller, wie die Badische Zeitung in ihrer Berichterstattung zum Thema meldete. Hat also die Autoindustrie die Zeichen der Klimawandel-Zeit frühzeitig erkannt und sich vom Saulus zum Paulus gemausert?

Greenpeace ist skeptisch und hält das neue Klimakonzept für ein „Schauspiel“; hinter den Kulissen finde man „dasselbe schmutzige Geschäft“.

Was konnte man in dieser Hinsicht der Eröffnungsrede der Kanzlerin entnehmen? Bekenntnisse auf dem Weg zur Klimaneutralität, aber gleichzeitig die Mahnung, den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht zu gefährden.

Das Bündnis „Aussteigen“ plant diverse Maßnahmen, um Druck zu erzeugen, damit diese Schlüsselbranche der deutschen Industrie schneller umstrukturiert.

Diese Politik auf der Straße wurde vom bayerischen Innenminister schon im Vorfeld mit Warnungen vor Gewalt diskreditiert. Klima-Aktivisten haben allerdings klar betont, dass von ihnen keine Gewalt ausgehen werde. FL verurteilt diese Kriminalisierungsversuche und unterstützt das Bündnis der Zivilgesellschaft bei ihren Bemühungen, die Klimaschutzpolitik zu stärken, denn auch in Freiburg besteht großer Handlungsbedarf im Verkehrssektor. Sollte die Autobranche tatsächlich einen Umschwung hinbekommen, dann könnten sich die Entscheidungsträger der Freiburger Kommunalpolitik einer echten Verkehrswende auch nicht mehr verschließen. Nicht mehr nur aufs Auto setzten, mehr Flächengerechtigkeit wäre ein schöner Kollateralnutzen. Städte wie Paris, Kopenhagen oder Utrecht machen dies bereits vor.




Endlich: Das Lycée Turenne wird saniert

Freiburg Lebenswert hatte sich immer wieder für den Erhalt dieses Kulturdenkmals eingesetzt, zuletzt Anfang Juli 2021 in einem Beitrag im Amtsblatt. Auch hat FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler in mehreren Reden immer wieder darauf hingewiesen, dass das Geld für einen geplanten Anbau des nahegelegenen Berthold-Gymnasium (BG) doch viel besser in der Sanierung des Lycée Turenne und damit in der Rettung eines Kulturdenkmals und der Nutzung leerstehender Räumlichkeiten investiert sei.

Das Lycée Turenne – ein Prachtbau im Stil der Neorenaissance (Foto: K. U. Müller).

Als wären unsere Bitten endlich erhört, gab es nun die guten Nachrichten. Nicht nur zur umfassenden Sanierung des Gebäudes, auch wurden neue und originelle Ideen von der neuen Schulbürgermeisterin Christine Buchheit entwickelt. Über diese angedachte Schulrochade berichtete die BZ am 21. Juli 2021. Demnach würde das Deutsch-Französische Gymnasium (DFG) ins Lycée Turenne umziehen, wodurch der Westflügel saniert würde. Lediglich eine neue Sporthalle müsste am Lycée Turenne gebaut werden, die alte Turnhalle könnte als Cafeteria genutzt werden. Die Außenstelle des Walter-Eucken-Gymnasium (WEG) würde dann in Räumen des DFG unterkommen. Das Berthold-Gymnasium (BG) könnte vier zusätzliche Räume im Pavillon des DFG-Gebäudes erhalten. Damit würde sich eine Erweiterung am jetzigen Standort des Berthold-Gymnasium erübrigen, was die Stadt finanziell deutlich entlastet. Ein weiterer positiver Effekt wäre der Zeitgewinn: Würde ein Erweiterungsbau am BG erst 2027 zur Verfügung stehen, könnten die Räume des Lycée Turenne bereits Mitte der 2020er-Jahre bezogen werden.

Baukunst pur auch im Inneren des Gebäudes (Foto: K. U. Müller).

Freiburg Lebenswert begrüßt die neue Entwicklung beim Lycée Turenne und sieht sich in dem jahrelangen Engagement für dieses herrliche Kulturdenkmal bestätigt. Ausdrücklich muss auch der Umstand hervorgehoben werden, dass die neue Schulbürgermeisterin Christine Buchheit kurz nach Amtsantritt etwas angegangen hat, was in der 24jährigen Amtszeit ihrer Vorgängerin einfach nicht gelingen wollte. Vielleicht waren die hartnäckigen Forderungen von Freiburg Lebenswert dafür ein Anstoß.

Die Schüler dürfen sich auf stilvolle Klassenräume freuen (Foto: K. U. Müller).

Als spontane Reaktion hatte FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler verkündet, nun bei FL die Sektkorken knallen zu lassen. OB Horn würde dies gerne als Sektumtrunk im Gemeinderat ausgeweitet sehen. Wenn die Sanierung abgeschlossen ist und die Schüler ihre neuen Räumlichkeiten beziehen, wird FL gerne den Sekt stiften, um dies zu feiern.

Siehe auch den Kommentar in der BZ: https://www.badische-zeitung.de/manchmal-bewegt-sich-doch-etwas




Klimaneutralität nicht ohne Schutz des Überschwemmungsgebiets Dietenbach

Schreckliche Nachrichten erreichten uns aus  Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Tief Bernd brachte Starkregenfälle mit verheerenden Folgen: Mehr als 150 Tote, verwüstete Dörfer, Menschen, die ihr gesamtes  Hab und Gut verloren haben. Seit dieser verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 ist jedoch bei der öffentlichen Debatte zum Thema Klimawandel, Klimaschutz und Erderwärmung ein deutlicher Wandel spürbar. Das ist kaum verwunderlich, denn der Klimawandel  lässt sich im Zusammenhang mit solchen Naturkatastrophen schlichtweg nicht ignorieren. In weiten Teilen der Politik sucht man zwar noch nach Schuldigen und man will  die Effizienz des Katastrophenschutzes verbessern, was zwar für sich genommen kein Fehler ist, aber in der heutigen globalen Klimalage  die Katastrophe selbst nicht verhindert hätte. Allerdings  mehren sich die Stimmen, die ein grundsätzliches Umdenken in unserer noch immer vom Wachstumsmythos geprägten Gesellschaft und Wirtschaft verlangen. Und kaum ein Experte, welcher derzeit nicht auf die zügellose Flächenversiegelung hinweist.

Zügellose Flächenversiegelung muss der Vergangenheit angehören (Foto: K. U. Müller).

So hat auch der Chefredakteur der Badischen Zeitung in einem Leitartikel am 20.07.2021 daran erinnert, dass mit dem Klimawandel das Risiko solcher Katastrophen wächst und er nennt „keine Bauten mehr in gefährdeten Zonen, weniger versiegelte Flächen“ als „zwei von vielen Streitfragen“ (ebenda).

Freiburg Lebenswert begrüßt diesen Wandel, weil echter und wirksamer Naturschutz schon immer ein zentrales  Ziel im politischen Programm war und FL als einzige Gruppierung im Gemeinderat das Bestreben vieler Freiburger Bürger unterstützt hat, das  Überschwemmungsgebiet Dietenbach von Bauten freizuhalten. FL stützt sich bei dieser Haltung auf die Expertise von prominenten Fachleuten wie dem Freiburger Hochwasserschutz-Experten Rolf Baiker (siehe BZ-Berichte, u. a. am 19.02.2019). Baiker fasst die Quintessenz seiner  wissenschaftlichen  Recherchen in die Formel: „Die Aue gehört dem Fluss“.

Freiburg Lebenswert richtet den dringenden Appell an alle Freiburger und insbesondere an die Entscheidungsträger der Freiburger Kommunalpolitik, das Dietenbach-Projekt vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse erneut kritisch zu beleuchten und zugunsten der Sicherheit der Bevölkerung und ihrer Enkelgenerationen  zu begraben.

Hochwasser nach starkem Regen im Überschwemmungsgebiet Dietenbach, der einzigen Flussaue als Wasserabfluss-Schneise mit dem gesamten Einzugsgebiet Schauinsland.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/ueberschwemmungsgebiet-dietenbachgelaende/




Es wird heiß

Klimaschutz müsse prioritär behandelt werden, so Hartmut Fünfgeld vom Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie an der Universität Freiburg in einer Sitzung des Bad Krozinger Gemeinderats (die BZ berichtete). Für die Kurstadt Bad Krozingen wird ein Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um ein Grad auf etwa 12 Grad bis 2050 prognostiziert. Bis Ende des Jahrhunderts soll bei der aktuellen Entwicklung der Mittelwert sogar um vier Grad ansteigen. Auch die Anzahl der Tropennächte über 20 Grad, derzeit sind das maximal fünf Nächte pro Jahr, soll ab 2050 auf 15 bis 20 Nächte ansteigen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Folgen für die Natur sind bei dieser Entwicklung beträchtlich. „Der Oberrhein ist Hotspot der Klimafolgen“, so Hartmut Fünfgeld. Neben der Hitze werden nach Prognosen von Klimaforschern auch die Starkregenfälle zunehmen.

In Bad Krozingens Nachbarschaft, in Freiburg,  blieben diese Zeichen nicht unbemerkt. So wurde ein Förderprogramm zur Entsiegelung und Förderung von Fassaden- und Dachbegrünung (GebäudeGrünhoch3) auf den Weg gebracht. Auch stellen Stadtplaner und Umweltschützer im Freiburger Rathaus nun Überlegungen an, wie die von Hitze besonders betroffene Gebiete abgekühlt werden können.  

Mit solchen Backöfen wie dem Platz der Alten Synagoge lassen sich Städte nicht herunterkühlen (Foto: K. U. Müller).

Das ist durchaus lobenswert, doch wäre nicht das Bewahren der bestehenden Biotope, Grünflächen und Bäume um ein Vielfaches wirksamer und auch günstiger? Nicht nur eine Ertüchtigung der Baumschutzsatzung steht an; dringend notwendig ist es auch, dass  die Stadt und die Mehrheit im Gemeinderat  in der Baupolitik endlich umsteuern. Dietenbach, Metzgergrün, Klein-Eschholz, Obergrün, um nur einige der geplanten Baugebiete zu nennen,- überall werden Grünflächen zubetoniert und damit gerade diese wichtigen kühlenden Flächen in Wärmestrahler umgewandelt. Die Notwendigkeit dieser zahlreichen  Neubaugebiete darf angesichts sinkender Bevölkerungszahlen deutschlandweit und auch in Freiburg durchaus angezweifelt werden.

Klimaschutz und Bauen sind untrennbar miteinander verbunden. Man kann nicht das eine wollen und gleichzeitig das andere vorantreiben. Oder wie von Klaus Riexinger in einem Kommentar der BZ vom 01.07.2021 auf den Punkt gebracht: „Eine hohe Flächenversiegelung ist der maximale Widerspruch des natürlichen Zustands.“ Weiter führt er aus: „Vor diesem Hintergrund sollten sich Städte auch gut überlegen, ob Nachverdichtungen das geeignete Mittel zur Lösung der Wohnungsnot sind.“ Recht hat er.

Kleineschholz im Stühlinger: Die Kleingärten werden ebenfalls dem Wohnungsbau geopfert (Foto: K. U. Müller).



Nicht schon wieder: Abriss und Neubau

Kaum hat in der Wiehre die Mieterschaft der Familienheim nach hartem Ringen ein Moratorium erreicht, damit ihr von den Abrissbaggern nicht buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, da bahnt sich ein neuer, ähnlich gelagerter Konfliktherd im Stadtteil Stühlinger an. Dort soll im Bereich Colmarer- und Kreuzstraße ein ganzes Quartier, bestehend aus 80 preiswerten Wohnungen plattgemacht und neu aufgebaut werden. Eine breite öffentliche Debatte zu diesen Plänen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat es bisher noch nicht gegeben. Freiburg Lebenswert unterstützt vehement den Versuch des Vorstands von Eine Stadt für alle (ESFA), durch eine Eilanfrage an die Stadt, Licht in das Dunkel zu bekommen und Transparenz zu schaffen.

Wieder einmal soll bezahlbarer Wohnraum abgerissen weden. Diesmal im Stühlinger das Quartier Colmarer-/Kreuzstraße (Foto: K. U. Müller).

Ein Abriss hätte für die Bewohner unzumutbare Folgen. Längst müsste bekannt sein, dass bezahlbarer Wohnraum nicht durch Abriss und Neubau geschaffen wird. Unabhängig von den sozialen Folgen für die Bewohner muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Stadt alles dafür tun muss, um eine erneute klimaschädliche Baumaßnahme zu verhindern. Es ist doch bekannt, dass in Deutschland der Löwenanteil am gesamten Abfallaufkommen, nämlich ca. 52%, auf das Konto der Bau- und Abbruchabfälle geht. Zudem sind die großzügigen Grünflächen zwischen den Wohngebäuden sowohl ökologisch wie auch sozial wertvoll. Auch ist es nicht verwunderlich, dass die Bewohner die Frage umtreibt, warum für Dietenbach enorm viel Fläche vor den Toren der Stadt geopfert wird, wenn im Innenbereich dann doch alles zubetoniert wird. Der Klimawandel ist auch in Freiburg deutlich zu spüren. Da sollte der Erhalt von Grünflächen und ganz nebenbei auch von bezahlbarem Wohnraum im Vordergrund stehen.

Höchste Zeit, dass Freiburgs Stadtplaner auf der Höhe der Zeit ankommen und sich gegen solche aus der Zeit gefallenen Projekte wehren.

Enorm viel Abbruchabfall fällt bei den zahlreichen Gebäudeabrissen an (Foto: K. U. Müller).



Stadtbegrünung

Der Freiburger Gemeinderat hat am 15.6.2021 das neue Förderprogramm zur Stadtbegrünung, GebäudeGrün hoch3 einstimmig verabschiedet. Dies wurde von OB Horn bei der Eröffnung der neuen Veranstaltungsreihe FL Online erstmals am 22.4. öffentlich gemacht (die BZ hat berichtet).

Nach Energie- und Mobilitätswende ist ein weiterer Baustein zum städtischen Klimaschutzprogramm hinzugekommen. Dies ist für die am Oberrhein lebenden Menschen besonders wichtig, denn sie sind in einer der wärmsten Regionen Deutschlands von den Hitzefolgen besonders betroffen. Jeder bekommt die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebensqualität zu spüren, wenn die Zahl der Hitzetage weiter steigt. Die verstärkte Begrünung von Dächern und Fassaden sowie die Entsiegelung von Höfen und Plätzen soll lindern.

Freiburg Lebenswert wird das von uns mit angestoßene Programm konstruktiv begleiten.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/erfolgreiches-webinar-zur-stadtbegruenung/