Umstrittenes Bauvorhaben in Herdern genehmigt

Bebauungsplanverfahren ohne Einbeziehung des Gemeinderats heimlich still und leise beerdigt

An diesem Hang sollen die Neubauten entstehen

Gro├če Bedenken bestanden bereits 2020 nachdem ein Bauherr ein Bauvorhaben f├╝r zwei Geb├Ąude mit insgesamt 16 Wohnungen eingereicht hatte. Diese wollte er an einem bewaldeten Hang in der Eichhalde errichten. Die Stadt befand jedoch die geplanten Neubauten „zu massiv“ und aufgrund der Hanglage ÔÇ×im Stadt- und Landschaftsbild auch aus der Ferne wahrnehmbar und pr├ĄgendÔÇť, insbesondere in der kalten Jahreszeit, wenn die entlaubten B├Ąume die Sicht freihalten. Um „eine st├Ądtebauliche Fehlentwicklung“ zu vermeiden und das Bauvorhaben zu verhindern, schlug die Stadt einen steuernden Bebauungsplan vor. Dem stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Soweit so gut. Doch nun wurde die Baugenehmigung auf Grundlage des ┬ž 34 BauGB erteilt ÔÇô ohne dass das Bebauungsplanverfahren je fortgef├╝hrt worden w├Ąre. Nicht nur die Anwohner, auch der B├╝rgerverein Herdern zeigen sich irritiert. Und das erst recht der Gemeinderat, der nicht einmal ├╝ber die Ma├čnahme der Stadt informiert worden war. So hat selbst die FDP-Fraktion einen Antrag ans Rathaus gestellt, denn schlie├člich habe es ja einen triftigen Grund f├╝r das Bebauungsplanverfahren gegeben.

Die Stadt sieht das freilich anders. Schon ├Âfters habe man sich mit einem Bauherrn g├╝tlich geeinigt, so auch in diesem Fall. Im Vergleich zur Bauvoranfrage sei nun „eine erhebliche Reduzierung der Kubatur erfolgt“, auch w├╝rden die Geb├Ąude weniger massiv in Erscheinung treten. Der Erhalt des alten Baumbestands sei ebenfalls gepr├╝ft worden, was auch im weiteren Verfahren ber├╝cksichtigt w├╝rde (was immer das hei├čen mag). So widerspr├Ąchen die nun genehmigten Geb├Ąude nicht den Zielen des Aufstellungsbeschlusses.

Transparenz allerdings gehe anders, so der Vorsitzende des B├╝rgervereins Herdern, der nach wie vor die „Riesenkl├Âtze“ kritisch sieht. Freiburg Lebenswert schlie├čt sich dem an und kritisiert das Vorgehen der Stadt aufs Sch├Ąrfste. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Bauvorhaben, die lediglich auf Grundlage des ┬ž 34 BauGB genehmigt werden, selten von ├Ąsthetischer und architektonischer G├╝te sind, wie man es sich in Freiburg w├╝nscht. Und diese Art st├Ądtebaulicher Abkommen wurde bereits bei der Pferdewiese und Sonnhalde 13 angewandt. Letzteres war ├╝brigens Anlass f├╝r den Bebauungsplan Sonnhalde S├╝d, der allerdings ebenfalls in der Schublade verschwunden ist.

Die ebenfalls von Anwohnern und B├╝rgerverein ge├Ąu├čerte Bef├╝rchtung, dass an der Eichhalde weitere Investoren auf den Plan kommen und damit eine negative Entwicklung in Gang gesetzt wird, ist in Herdern l├Ąngst Realit├Ąt: Nachverdichtungen mit v├Âllig unpassenden Baukisten in der Winterer Stra├če, Sonnhalde, J├Ągerh├Ąusleweg oder an der Vorderen Steige st├Âren inzwischen massiv das einst so stimmige und harmonische Bild des Stadtteils. Trauriger H├Âhepunkt waren die Kl├Âtze der St-Urban-Bebauung, die den einst so herrlichen Blick Richtung Norden f├╝r immer verunstaltet haben.

St├Ądtebaulicher Tiefpunkt in Freiburg war die St.-Urban-Bebauung in Herdern

Allzu gespannt darf man also nicht sein, was die ├ästhetik des Neubaus an der Eichhalde anbelangt, trotz ÔÇ×g├╝tlicherÔÇť Einigung mit dem Bauherrn. Und was den Erhalt alter B├Ąume betrifft, auch da hat man in Freiburg so seine Erfahrungen gemacht. Eines allerdings ist sicher: Bezahlbarer Wohnraum wird in der Eichhalde nicht entstehen.

Wieder verschwindert eine herrliche Idylle in Freiburg. Bei Bebauung mit gigantischen Kuben wird das nette H├Ąuschen zum Ger├Ąteschuppen degradiert. Freiburg verliert sein Gesicht – weil immer wieder falsche Bauten am falschen Platz entstehen

Siehe auch: Bericht in der BZ vom 5.10.2023