Schlagwort-Archive: Naturschutz

Auf die Zukunft bauen – Planen, Sanieren, Wohnen im 21. Jh.

Der bekannte Autor und ehem. Fernseh-Journalist Dr. Franz Alt, der bereits am 12. Februar zu einem Vortrag in Freiburg war, wird am kommenden Dienstag, den 19. Februar um 19.30 Uhr ins Bürgerhaus Zähringen (Lameystr. 2) auf Einladung der “Bürgeraktion Rettet Dietenbach” zu einem weiteren Vortrag mit anschließender Diskussion nach Freiburg kommen. Der Eintritt beträgt diesmal 5,- Euro, alternativ kann auch eine Spende geleistet werden. Weiterlesen

Naturschutzbeauftragte sehen „deutliche Schieflage“

Zwei langjährige ehrenamtliche, vom Gemeinderat bestellte Naturschutzbeauftragten der Stadt Freiburg, haben sich zu Wort gemeldet und ihre sonst geübte Zurückhaltung aufgegeben, weil sie bezüglich Dietenbach eine „deutlichen Schieflage“ und „Seilschaften“ in der Stadt beobachtet haben. Es ist sogar von „Gleichschaltung bei Wortmeldungen, Berichterstattung, Wahlkampf“ und von einem „erheblichen Ungleichgewicht (…) bei der Interessen- und Meinungsvertretung von Pro und Contra der Dietenbach-Bebauung“ die Rede. Weiterlesen

Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt!

Begrünung an Gebäuden: hier in Wien (Foto: Conrad Amber)

Jeder Wald, jeder neu gepflanzte Baum ist ein wichtiger Beitrag zu einem besseren Leben auf unserem Planeten. Engagiert und mitreißend wirbt der bekannte Autor und Naturphotograph Conrad Amber dafür, sich für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen. Am Beispiel von 30 ganz konkreten Ideen zeigt er, wie einfach es oft ist, im eigenen Umfeld etwas zu verändern. Denn mehr Grün ist fast überall vorstellbar und realisierbar: in der Stadt, auf dem Hausdach und an Straßen.

Conrad Amber, der Autor von “Baumwelten”, hat zu dem Thema ein neues, optimistisches und inspirierendes Lesebuch für alle geschrieben, die anpacken und aktiv werden möchten, um sich für den Erhalt von Grünflächen und Bäumen in der Stadt einzusetzen. Es trägt den etwas provozierenden und wachrüttelnden Titel “Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt!”

Conrad Amber wird dazu auf Einladung der Fraktionsgemeinschaft FL/FF am 16. Mai 2018 um 19 Uhr im Hörsaal 3044 im KG III der Universität einen Vortrag dazu halten, zu dem wir Sie schon jetzt herzlich einladen möchten. Weiterlesen

Großbaumverpflanzung statt Abholzen

Pflanzmaschinen für große Bäume (Foto: Mit freundl. Genehmigung der Fa. Opitz)

Anfrage der Fraktion FL/FF nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen:

In Freiburg kommt es immer wieder zur Fällung gesunder Bäume, die einer Baumaßnahme im Wege stehen, wie kürzlich beim Neubau der Volksbank zum Entsetzen der Freiburger Bürgerschaft geschehen. Als Alternative für die Fällung von vitalen Bäumen gibt es aber auch die Möglichkeit der Großbaumverpflanzung, so dass diese an einem neuen Standort weite-ren Generationen erhalten bleiben. So bietet beispielsweise die Fa. Opitz GmbH & Co. KG (Industriepark 1, 91180 Heideck), die europaweit tätig ist, solche Verpflanzungen an.

Hier ein paar Beispiele für von dieser Firma durchgeführte Großbaumverpflanzungen:  In Unterschleißheim bei München wurden zwölf Bäume auf den Waldfriedhof versetzt.  Knapp 30 Bäume wurden von Obersendling nach Neuried verpflanzt. 20-jährige Eichen, Kirschen und Spitzahorne, die sonst gefällt worden wären, bilden nun einen kleinen Wald entlang einer Straße.  An der Nationalbibliothek in Paris wurden ebenfalls  Großbaumverpflanzungen durchgeführt.  Im Zoo der ungarischen Hauptstadt wurden im Zuge der Umgestaltung drei stattliche Bäume erfolgreich versetzt. Die beiden “kleineren” Platanen hatten eine Ballengröße von 4,5 x 4,5 Meter und ein Gewicht von jeweils 65 Tonnen.

Laut Auskunft der Fa. Opitz wurden kürzlich in Weil am Rhein Großbäume versetzt und auch in der Gemeinde Denzlingen werden immer wieder solche Verpflanzungen durchgeführt. Jeder Baumverpflanzung geht eine ausführliche Analyse und Bewertung der zu verpflanzenden Bäume voraus. Aus unserer Sicht wäre die Baumverpflanzung eine sinnvolle Alternative zur Neupflanzung von Bäumen und sollte auch in der Stadt Freiburg in Betracht gezogen werden, statt gesunde Bäume zu fällen.

Setzlinge oder junge Bäume müssen unter erheblichem Aufwand erst zu Großbäumen mit dann hoher Sauerstoffproduktion aufgezogen werden. Sie erreichen ihre volle ökologische Wirkung erst nach Jahrzehnten, während die verpflanzten Bäume an ihrem neuen Standort nach kurzer Anpassungszeit in gleichem Umfang Sauerstoff produzieren und CO2 fixieren wie bisher. Es ist zudem davon auszugehen, dass eine Verpflanzung bei der Freiburger Bürgerschaft auf eine wesentlich höhere Akzeptanz als eine Fällung stoßen würde.

Für uns stellen sich dabei in Bezug auf Freiburg folgende Fragen:  Warum macht die Stadt Freiburg bislang von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch?  Welche Hindernisse sieht die Verwaltung gegen einen Einsatz dieses Verfahrens?  Gibt es Kontakte zu Firmen, die Großbaumverpflanzungen durchführen?

Hier die vollständige Anfrage der Fraktion FL/FF: Großbaumverpflanzungen 16. 01. 2018

Und hier die Antwort der Verwaltung, namentlich von Baubürgermeister Martin Haag, vom 12.03.2018:  2018_03_12_Ab_GuT_FL_FF__Grossbaumverpflanzung

Anfrage zum Bolzplatz auf dem Güterbahnhof-Areal

Das Areal Güterbahnhof-Nord im Jahr 2013, vor dessen Bebauung (Foto: Dr. W.-D. Winkler)

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) hat sich mit einer Stellungnahme an das Stadtplanungsamt und die Gemeinderatsfraktionen gewandt. Laut Drucksache G-17/190 bestehen Planungsüberlegungen, einen Bolzplatz innerhalb des Baugebiets „Güterbahnhof Nord“ auf der bisher als Ausgleichsfläche festgesetzten Fläche anzulegen, wogegen sich der LNV ausspricht. Diese Ausgleichsfläche wurde vor mehreren Jahren von der Stadt angelegt, insbesondere für Eidechsen und Schlingnattern, aber auch für Wildbienenarten, und gilt als ein Musterbeispiel für Ausgleichsmaßnahmen.

In Ihrer Anfrage an OB Salomon und die Stadtverwaltung stellte die Fraktion FL/FF folgende Fragen:  Wieso sollte dieses Musterbeispiel eines funktionierenden Biotops zerstört werden?  Ist die Fläche aufgrund der dort vorkommenden Tierarten nicht geschützt?  Warum soll der Bolzplatz nicht an einer anderen Stelle innerhalb des Baugebietes angelegt werden?  Welche möglichen anderen Standorte für den Bolzplatz kommen innerhalb des Güter-bahnhofs-Geländes in Betracht?  Wo ist die Ersatzfläche für die wegfallende Ausgleichsfläche geplant?  Welche Kosten würden für die notwendige Ersatzfläche und das Fangen und das sichere Verbringen der besonders geschützten Tierarten anfallen?

Siehe hier die ganze Anfrage:  Anfrage Bolzplatz Güterbahnhof

Dem Insektensterben entgegenwirken

Pressemitteilung vom 27. Dezember 2017
Insektensterben: Fraktion FL/FF unterstützt den Vorstoß des LNV

 Am 17.12.2017 erhielten die Gemeinderatsfraktionen ein Schreiben des Landesnaturschutzverbandes (LNV) Baden-Württemberg. Darin werden viele detaillierte Vorschläge gemacht, die dem Insektensterben auf Freiburger Gemarkung entgegenwirken und zu einer Verbesserung der Biodiversität beitragen können.

Unter anderem sollten als Ausgleich von Baumfällungen, wie sie kürzlich beim Neubau der Volksbank zum Entsetzen der Freiburger Bürgerschaft durchgeführt wurden, blütentragende Bäume neu gepflanzt werden (z.B. Winterlinden). Bei unvermeidlichen Neubauten und Neubebauungen soll die Grünplanung stärker an Naturschutzzielen ausgerichtet werden. Zu verpachtende kommunale landwirtschaftliche Nutzflächen sollten an ökologisch wirtschaftende Betriebe vergeben werden, da gut belegt ist, dass der ökologische Landbau erheblich zum Ressourcenschutz beiträgt.

Auch wird in dem Schreiben auf vermeidbare Fehler hingewiesen, die in der Vergangenheit gemacht wurden, z.B. bei der Neubebauung des Güterbahnareals (unnötige Flächenversiegelung, keine Fassadenbegrünung, Verkehrsinseln mit Steinen, fremdländische Pflanzenarten). Solche Fehler sollten in Zukunft vermieden werden bzw. könnten mit einfachen Maßnahmen rückgängig gemacht werden.

Die Faktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) tritt für eine umweltschonende Landwirtschaft, für den Erhalt von Grünflächen, Wald- und Naherholungsgebieten und gegen eine zügellose Nachverdichtung/Flächenversiegelung ein. Würde in Freiburg mehr auf diese Aspekte eingegangen werden, wäre dies ein wichtiger Beitrag, um etwas gegen das Insektensterben und für die Artenvielfalt zu tun. Auch die vom Landesnaturschutzverband gemachten Vorschläge sind solche Mosaiksteine, weshalb FL/FF über dessen Vorstoß erfreut ist und diesen vollumfänglich unterstützt.

Glyphosat ist schon lange ein Thema von FL

Wir treten für eine umweltschonende Landwirtschaft ein (Foto: Familie Kroll)

Das Thema Glyphosat ist seit der kürzlich erfolgten Entscheidung der EU-Kommission, die Zulassung des Pestizids um fünf Jahre zu verlängern, wieder in aller Munde. Die Fraktionsgemeinschaft FL/FF hatte bereits im Januar 2016 eine Anfrage zum “Glyphosatverbot auf städtischen Flächen” gestellt (siehe: https://freiburg-lebenswert.de/glyphosatverbot-auf-staedtischen-flaechen).

In der Antwort der Stadtverwaltung wurde schon damals mitgeteilt, dass seit vielen Jahren durch einen Gemeinderatsbeschluss Anfang der 1990 Jahre die Anwendung von Pestiziden auf städtischen Flächen durch städtische Mitarbeiter ausgeschlossen ist. Auch wird darin darauf eingegangen, wann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überhaupt erlaubt werden kann.

Weiterhin wurden alle Pächter städtischer landwirtschaftlicher Flächen auf das gesundheitliche Risiko der Anwendung von Glyphosat hingewiesen, die durch eine Studie der Weltgesundheitsorganisation offenbar wurde. Vor dem Hintergrund des Beschlusses aus Brüssel ist dies beachtenswert.

Siehe: Anfrage an die Stadtverwaltung von FL/FF vom 25.12.2016: https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2016/01/Anfrage-zu-Glyphosat.pdf

Und hier die Antwort der Stadtverwaltung:

https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2016/01/AE_Abt-II_Verwendung-Glyphosat_20161802_FLFF_Vorsitzenden.pdf Weiterlesen

Zur Verantwortung für den Kahlschlag vor der Volksbank

Leserbrief in der BZ vom 22.11.2017

Groß ist die Empörung in der ganzen Stadt und darüber hinaus über den Kahlschlag, den die Volksbank (mit Genehmigung der Stadtverwaltung) an fast 50, größtenteils gesunden, teilweise geschützten Bäumen an der Bismarck-Allee, gegenüber vom Hauptbahnhof, durchführen lässt. Viele wütende Leserbriefe in der Badischen Zeitung (BZ) zeugen von dem Unverständnis, das die Bürger für diese Aktion haben.

Die Volksbank selbst wird da an ihre Verantwortung erinnert. Will Sie bei den Freiburgern wirklich ihren Ruf derart aufs Spiel setzen? In den Leserbriefen ist von “der Macht des Geldes” die Rede, ja sogar von der “Möglichkeit, seine Konten bei dieser Bank zu kündigen” . Auch erschließt sich einem Leser das Motto der Bank “Wir machen den Weg frei” heute ganz neu. Und ein anderer Leser fragt sich: “Ist da igendjemand nicht ganz bei Trost?”

Aber auch die Stadtverwaltung und der OB werden an ihre Verantwortung erinnert. “Dass die Stadt auch noch mitspielt” und beschönigend von “Stilllegungen” spricht empört eine andere Leserin.  Und dem OB sowie den Freiburger Grünen wird vorgeworfen,  in Sonntagsreden den Klimaschutz zu beschwören, in der Praxis aber immer wieder das Gegenteil davon zu tun. Sie werden für den Kalschlag “mitverantwortlich” gemacht.

Ein Leserbrief bringt das alles auf den Punkt, den wir hier deshalb gerne vollständig widergeben möchten:

“Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen”

Aufruf/Plakat u. a. der AG Mooswald

Was Freiburg Lebenswert seit seiner Gründung sagt und immer wieder vorgebracht hat, was die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft FL/FF im Gemeinderat immer wieder betonen und wofür sie (auch von OB Dieter Salomon) immer wieder angegangen worden sind, das scheint sich nun endlich auch an der Stadtspitze durchgesetzt zu haben. Bei BZ-Online ist in einem am 17.11.2017, also erst vor ca. zweieinhalb Stunden veröffentlichten Beitrag der erstaunliche und begrüßenswerte Satz zu lesen: “Wir können auf Dauer nicht jedem Bedarf hinterherbauen”.

Dieter Salomon hat auch seine Meinung zu Flächen im Stadtteil Mooswald geändert: “Mooswald abholzen – das ist ein Symbolthema”, sagte er in der Mitgliederversammlung der Grünen zum Thema OB-Wahl über die Waldflächen, die dort für eine Bebauung abgeholzt weerden sollten und verwies dabei auf den großen Widerstand im Stadttei.  Nachhaltige Politik heiße, dass man Politik mit den Menschen mache, so Salomon laut BZ.

Und in der BZ lesen wir weiter: “Er wisse, so der OB, dass die Bauverwaltung und auch die grüne Fraktion eine andere Meinung zum möglichen Baugebiet im Mooswald habe. Salomon sprach sich am Donnerstagabend zudem noch gegen eine zweite Fläche aus der Perspektivplan-Liste aus: Er will das Hektar große Gebiet einer Dreisamwiese an der Kappler Straße in Littenweiler nicht bebauen.”

Ist da wirklich ein Umdenken und ein Richtungswechsel im Gange angesichts der bevorstehenden OB-Wahl? Spürt Salomon endlich den wachsenden Widerstand in der Stadt? Es wäre ein Lichtblick und eine erfreuliche Nachricht. Der Verdacht, dass dies nur ein wahltaktisches Manöver ist und dass er nach der Wahl wieder zur alten Politik des “Bauens auf Teufel komm raus” zurückkehrt, bleibt. Hoffen wir, dass Letzteres nicht so kommt.

Oder hängt der Sinneswandel des OB ganz einfach damit zusammen, dass sein neuer Finanzbürgermeister aus dem Stadtteil Mooswald stammt und sein Elternhaus nicht weit des Waldes steht, dessen Abholzung droht(e)?

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ob-salomon-rueckt-von-mooswald-bebauung-ab–145211156.html

Die Mooswälder bei Freiburg

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Am 14.11.2017 stand im Gemeinderat auch der Tagesordungspunkt “Managementplan Natura 2000 (Mooswälder bei Freiburg)” auf der Agenda. Dazu hat unser Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Dr. Wolf-Dieter Winkler für die Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF)  folgende Rede gehalten. Im Ortschaftsrat Waltershofen wurde von einigen Ortschaftsräten kurz darauf übrigens dieselbe Kritik an der städtischen Vorlage vorgebracht.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

diese 15seitige Stellungnahme der städtischen Naturschützer zu dem 227seitigen Entwurf des Managementplans des Regierungspräsidiums ist ein interessanter Diskurs. Das RP hat viel Zeit aufgewendet, um den Zustand von Flora und Fauna der Freiburger Mooswälder zu beschreiben und Erhaltungsmaßnahmen vorzuschlagen. Genauso hat sich aber auch das städtische Umweltschutzamt sehr intensiv mit den Ausführungen des RP beschäftigt, um seinerseits in bestimmten Bereichen andere Bewertungen vorzunehmen und konstruktive Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Dabei wurde sichtbar, dass es selbst bei diesen regional beschränkten Waldbereichen eine solche Fülle an Daten zu Fauna und Flora gibt, dass wir hier nur einen verschwindend kleinen Teil präsentiert bekommen können. Und es ist klar, dass selbst diese Datenflut nur sehr oberflächlich das Leben in den Mooswäldern streifen kann. Die 15seitige Replik der Stadt zeigt aber auch, dass selbst diese „oberflächlichen“ Beschreibungen der natürlichen Zusammenhänge durch die verschiedenen wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht immer eindeutig sind. Sie können unterschiedlichen Natur-Beobachtungen der jeweiligen Personen zugrunde liegen, unterschiedliche Schlussfolgerungen nach sich ziehen und auch in unterschiedliche Handlungsempfehlungen münden. Insbesondere Prognosen, wie sich beispielsweise das Eschentriebsterben oder der Klimawandel auf die komplexen Ökosysteme auswirken werden, lassen viel Raum für Interpretationen. Der seitenlange Diskurs beider Ausarbeitungen ist für den Leser, so er sich denn etwas intensiver mit der Materie beschäftigen möchte, interessant, macht ihn aber natürlich auch unsicher, welcher Darstellung bzw. Einschätzung er als Laie im Zweifelsfall den Vorzug geben soll.

So wird vom RP beispielsweise gefordert, die Gewässerunterhaltung aus ökologischen Gründen beim Neunaugenbach oder dem Mühlebach zu verringern. Dem entgegnet die Stadt, dass es bei einer Verringerung der Gewässerunterhaltung zu Überflutungen kommen kann, beim Mühlebach vor allem durch Substrat- und Bodeneintrag vom Tuniberg. Und das Umweltschutzamt hält auch aus ökologischen Gründen eine gelegentliche Sohlräumung für sinnvoll. Welcher Einschätzung soll man nun da den Vorzug geben?

Durch die doppelte Draufsicht von RP und Stadt auf die natürlichen Zusammenhänge werden aber auch ganz klar Verbesserungen aufgezeigt bzw. fehlende Sachverhalte beschrieben. So bemängelt das Umweltschutzamt zu Recht, dass das RP die Schäden durch Wildschweine oder das Aufkommen von Neophyten zwar beschreibt, aber keinerlei Vorschläge unterbreitet, wie dem beizukommen ist. Hier wird das RP folgerichtig zur Ausarbeitung von Maßnahmen aufgefordert. Zustimmung gibt es bei uns beispielsweise auch für den Hinweis der Stadt, dass es besser ist die Population einer Art weiter zu entwickeln, statt nur zu erhalten. Entwickeln bedeutet ja eine Verbesserung des Erhaltungszustandes oder Vergrößerung der Fläche eines Artvorkommens.

Bemerkenswert aber ist, dass sich die städtische Stellungnahme ausführlich an dem Thema Dietenbach reibt und vehement sämtliche Ausführungen des RP dazu für unzutreffend oder sachfremd erklärt. So wird der vom RP gemachte Vorschlag, dass neben anderen Gebiete auch in der Dietenbachniederung Kiebitz-Fenster vorgesehen werden sollten, von der Stadt wortreich und in fast scharfer Wortwahl abgelehnt. Des weiteren wird die Aussage des RP, dass die Weißstörche des Mundenhofs in den Ackergebieten des Dietenbaches wichtigere Nahrungsflächen vorfinden als im Naturschutzgebiet Rieselfeld ebenfalls bestritten. Das RP äußert weiterhin „den begründeten Verdacht, dass Weißstörche, Schwarzmilan und Rotmilan durch zahlreiche geplante Bauprojekte, welche zu einem Offenlandverlust im Umfeld des Vogelschutzgebietes führen würden, durch überwiegend negative Summationswirkungen in naher Zukunft beeinträchtigt werden.“ Meine Damen und Herren, man braucht kein Ornithologe sein, um diesen Satz ohne Bedenken als richtig zu erkennen! Selbstverständlich ist der Wegfall von Nahrungsräumen nachteilig für eine Tierpopulation, da sich auch Tiere nicht nur von Luft und Liebe ernähren können. Die Stadt möchte aber diese Sätze „streichen, da es sich nicht um eine Bewertung des aktuellen Erhaltungszustandes handelt. Prognostisch einen schlechteren Erhaltungszustand anzunehmen und das mit planungsrechtlich noch nicht gesicherten Vorhaben zu begründen, scheint an dieser Stelle fragwürdig.“ Meint die Stadt. Nächstes Beispiel, nochmal zum Rotmilan, zu dem die Stadt folgendes schreibt: „Aus den Erhebungen in der Dietenbachniederung und den Erhebungen zum Stadionneubau In Freiburg geht hervor, dass die Dietenbachniederung und die Flugplatzfläche sporadisch genutztes Nahrungshabitat des Rotmilans sind. Da der Rotmilan solche kurzfristig günstigen Nahrungsflächen großräumig sucht und gezielt anfliegt, kann diese zeitweilige Funktion wahrscheinlich auch durch andere Flächen erfüllt werden. Nach der aktuellen Datenlage ist somit eine besondere Bedeutung der Nahrungshabitate der Dietenbachniederung und des Flugplatzes für den Fortpflanzungserfolg des Rotmilans wenig wahrscheinlich.“ Zitatende. Das ist eine Behauptung, die ich für äußerst gewagt halte! Wo sollen denn die Flächen für den Rotmilan sein? Sie werden doch immer weniger eben durch die Ausweisung ständig neuer Baugebiete. Meine Damen und Herren vom Umweltschutzamt, all diese Ausführungen zu Dietenbach und Flugplatz erwecken den Eindruck, als hätten nicht Sie, sondern der Baubürgermeister diese Passagen geschrieben. Sie erscheinen nicht fachlich neutral, sondern folgen der vorgegebenen politischen Linie.

Es ist schade, Ihre wirklich in weiten Teilen sehr gute Ergänzungs- oder auch Änderungsvorschläge des RP-Entwurfs werden durch Ihre Einlassungen zu Dietenbach abgewertet. Wenn sich die Sachbearbeiter im RP nicht zu der baulichen Zukunft des Dietenbachs und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Vogelwelt äußern dürfen, dann würde das in Erweiterung bedeuten, dass auch Sie keine Prognosen zu den Auswirkungen von Eschentriebsterben und Klimawandel machen dürfen, denn auch diese betreffen die Zukunft. Sehen Sie, wie absurd Ihre Forderung ist?

Meine Damen und Herren, wegen der für uns zu tendenziösen Ausführungen zu Dietenbach können wir dieser ansonsten sehr guten Vorlage nicht zustimmen und werden uns enthalten.

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