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Es wird heiß

Klimaschutz müsse prioritär behandelt werden, so Hartmut Fünfgeld vom Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie an der Universität Freiburg in einer Sitzung des Bad Krozinger Gemeinderats (die BZ berichtete). Für die Kurstadt Bad Krozingen wird ein Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um ein Grad auf etwa 12 Grad bis 2050 prognostiziert. Bis Ende des Jahrhunderts soll bei der aktuellen Entwicklung der Mittelwert sogar um vier Grad ansteigen. Auch die Anzahl der Tropennächte über 20 Grad, derzeit sind das maximal fünf Nächte pro Jahr, soll ab 2050 auf 15 bis 20 Nächte ansteigen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Folgen für die Natur sind bei dieser Entwicklung beträchtlich. „Der Oberrhein ist Hotspot der Klimafolgen“, so Hartmut Fünfgeld. Neben der Hitze werden nach Prognosen von Klimaforschern auch die Starkregenfälle zunehmen.

In Bad Krozingens Nachbarschaft, in Freiburg,  blieben diese Zeichen nicht unbemerkt. So wurde ein Förderprogramm zur Entsiegelung und Förderung von Fassaden- und Dachbegrünung (GebäudeGrünhoch3) auf den Weg gebracht. Auch stellen Stadtplaner und Umweltschützer im Freiburger Rathaus nun Überlegungen an, wie die von Hitze besonders betroffene Gebiete abgekühlt werden können.  

Mit solchen Backöfen wie dem Platz der Alten Synagoge lassen sich Städte nicht herunterkühlen (Foto: K. U. Müller).

Das ist durchaus lobenswert, doch wäre nicht das Bewahren der bestehenden Biotope, Grünflächen und Bäume um ein Vielfaches wirksamer und auch günstiger? Nicht nur eine Ertüchtigung der Baumschutzsatzung steht an; dringend notwendig ist es auch, dass  die Stadt und die Mehrheit im Gemeinderat  in der Baupolitik endlich umsteuern. Dietenbach, Metzgergrün, Klein-Eschholz, Obergrün, um nur einige der geplanten Baugebiete zu nennen,- überall werden Grünflächen zubetoniert und damit gerade diese wichtigen kühlenden Flächen in Wärmestrahler umgewandelt. Die Notwendigkeit dieser zahlreichen  Neubaugebiete darf angesichts sinkender Bevölkerungszahlen deutschlandweit und auch in Freiburg durchaus angezweifelt werden.

Klimaschutz und Bauen sind untrennbar miteinander verbunden. Man kann nicht das eine wollen und gleichzeitig das andere vorantreiben. Oder wie von Klaus Riexinger in einem Kommentar der BZ vom 01.07.2021 auf den Punkt gebracht: „Eine hohe Flächenversiegelung ist der maximale Widerspruch des natürlichen Zustands.“ Weiter führt er aus: „Vor diesem Hintergrund sollten sich Städte auch gut überlegen, ob Nachverdichtungen das geeignete Mittel zur Lösung der Wohnungsnot sind.“ Recht hat er.

Kleineschholz im Stühlinger: Die Kleingärten werden ebenfalls dem Wohnungsbau geopfert (Foto: K. U. Müller).



Stadtbegrünung

Der Freiburger Gemeinderat hat am 15.6.2021 das neue Förderprogramm zur Stadtbegrünung, GebäudeGrün hoch3 einstimmig verabschiedet. Dies wurde von OB Horn bei der Eröffnung der neuen Veranstaltungsreihe FL Online erstmals am 22.4. öffentlich gemacht (die BZ hat berichtet).

Nach Energie- und Mobilitätswende ist ein weiterer Baustein zum städtischen Klimaschutzprogramm hinzugekommen. Dies ist für die am Oberrhein lebenden Menschen besonders wichtig, denn sie sind in einer der wärmsten Regionen Deutschlands von den Hitzefolgen besonders betroffen. Jeder bekommt die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebensqualität zu spüren, wenn die Zahl der Hitzetage weiter steigt. Die verstärkte Begrünung von Dächern und Fassaden sowie die Entsiegelung von Höfen und Plätzen soll lindern.

Freiburg Lebenswert wird das von uns mit angestoßene Programm konstruktiv begleiten.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/erfolgreiches-webinar-zur-stadtbegruenung/




Anfrage zur Bebauung des Gartens an der Oelmühle

Zur geplanten Bebauung des Gartens an der Oelmühle hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 29. April 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

uns erreichte eine Mail von Anwohnern bezüglich der Bebauung eines Gartens an der Oelmühle. Das Haus Oelmühle, Insel 1 A, wurde wohl an den Besitzer der Sichelschmiede, Insel 1, verkauft. Dieser hat einen Bauantrag eingereicht, um einen Schuppen auf dem Gärtchen der Oelmühle zu errichten, der von außen mit Metall verkleidet werden soll. Die Nachbarn befürchten, dass das Vorhaben genehmigt wird und dadurch eine wichtige innerstädtische Sichtachse verschandelt wird, die ein sehr beliebtes Fotomotiv darstellt und im Repertoire vieler Stadtführungen ist.

Hierzu meine Fragen:

1. Viele Gebäude im Bereich der „Insel“ sind als Kulturdenkmäler eingestuft oder gelten als erhaltenswert (s. Anlage). Gilt dieser Schutz auch für Außenflächen wie den Garten?

2. Ist das geplante Bauvorhaben überhaupt genehmigungsfähig?

3. Wurde bereits über das Bauvorhaben entschieden und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)




Anfrage zu Bauvorhaben in der Sonnenstraße

Zu einem Bauvorhaben in der Sonnenstraße hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 1. Mail 2021 Folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an Oberbürgermeister Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gestellt. Es ist nicht nur schade um die Grünfläche, es ist auch kaum ersichtlich, wie man darauf noch ein 9-Familienhaus unterbringen will, ohne das komplette Grün zu zerstören.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

besorgte Anwohner wendeten sich an uns wegen eines Bauvorhabens zwischen Stefan-Meier-Straße und Sonnenstraße. Der Eigentümer des Hauses Stefan-Meier-Straße 131, ein bekannter Freiburger Unternehmer, plant nach Aussage der Anwohner auf dem dahinterliegenden Grundstück zur Sonnenstraße hin ein Neunfamilienhaus zu platzieren. In diesem Bereich stehen eine große Blutbuche mit einem Stammumfang von 2,40 m und einige Eiben.

Nicht das Haus an sich ist der „Stein des Anstoßes“, sondern die mitgeplante Tiefgarage mit mindestens neun Stellplätzen. Würde diese in dieser Größenordnung realisiert, würde die Buche gefällt werden müssen, die die Anwohner als unbedingt erhaltenswert bezeichnen. Neben den üblichen Eigenschaften eines solch großen Baumes wie Verbesserung des Kleinklimas, O2-Lieferant, CO2-Absorber, Schattenspender, Temperaturregulator im Sommer, etc. sei sie auch Heimat unzähliger Vögel, Insekten, Eichhörnchen….

Die Anwohner weisen darauf hin, dass ein Stellplatzschlüssel von eins mitten in der Stadt im Widerspruch steht für eine Stadt, die sich die Verkehrswende auf die Fahnen geschrieben hat.

Hierzu meine Fragen:

1.         Ist eine Tiefgarage in der angegebenen Größenordnung mit einem Stellplatzschlüssel von mindestens eins geplant?

2.         Was unternimmt die Stadtverwaltung, um zumindest die Rotbuche zu erhalten?

3.         Wurde bereits über das Bauvorhaben entschieden und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler




Erfolgreiches Webinar zur Stadtbegrünung

Die Eröffnungsveranstaltung unserer Webinar-Reihe „FL-Online“ war ein großer Erfolg: Über 80 Teilnehmer hatten sich zugeschaltet und den sehr interessanten Vortrag des Direktors des Dt. Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, Peter Cachola Schmal, sowie der Kuratorin der dort stattfindenden Ausstellung „Einfach Grün“, Dr. Hilde Strobl, verfolgt.

Die 1. Vorsitzende von FL, Forst-Ingenieurin Hilke Schröder, hatte die Veranstaltung eröffnet und wies auf die Bedeutung, ja Unerlässlichkeit von Stadtbegrünungen in den Städten angesichts des dramatischen Klimawandels hin. Oberbürgermeister Martin Horn kündigte dann in seinem Grußwort das Vorhaben der Stadt „Gebäudegrün hoch 3“ an, um mehr Dach- und Fassadenbegrünung sowie Flächenentsiegelung zu ermöglichen und zu fördern.

In der Podiumsdiskussion mit Jutta Herrmann-Burkart (stellv. Leiterin Garten u. Tiefbauamt-Freiburg), Karl-Heinz Krawczyk( FL-Altstadtrat, Dachdeckermeister, 1. Vors. Dachdeckerinnung BW), Hilke Schröder (Dipl. Forst-Ingenieurin (FH), 1. Vorsitzende FL) und Beni Schwarzenbach (Präsident des Vereins Stadtgrün, Zürich) konnten die Zuschauer Fragen stellen. Von dieser Möglichkeit wurde, unter der Moderation Prof. Dr. med. Michael Wirsching reichlich Gebrauch gemacht. Prof. Wirsching hat das Webinar maßgeblich vorbereitet und mitgestaltet; dafür ist FL ihm außerordenlich dankbar.

Siehe auch die Berichterstattung in der Badischen Zeitung (BZ) zu diesem Webinar: https://www.badische-zeitung.de/freiburg-lebenswert-will-mehr-gruen-in-der-stadt

Für alle, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte oder sich das Webinar noch einmal anschauen möchten, hier das Video auf unserem YouTube-Kanal:

Video der Veranstaltung in der Reihe “FL-Online”: Stadtbegrünung – Greening the Green City.

Und hier – mit freundlicher Genehmigung des des Frankfurter Deutschen Architekturmuseums (DAM) – einige Bilder aus der Ausstellung “Einfach Grün” des DAM in Frankfurt (siehe dazu: https://dam-online.de/pr/einfach-gruen-greening-the-city/):

Vertical-Forest in Mailand, Architekten Boeri-Studio (Foto: Dimitar-Harizanov)
Komplett mit Haimbuche-Hecken bepflanzes Gebäude in Düsseldorf, Archtektenbüro: Ingenhoven Architects (Foto: HG Esch)
Der “Gruen Tower 25” des Architektenbüros Atelier Jean Nouvel (Foto: Yiorgis Gero lymbos)
Stadtbegrünung durch Fassadenbegrünung: hier vor dem Caixa Forum in Madrid (Foto: M. Managò)



Webinar Stadtbegrünung am 22.4.2021 um 18 Uhr

Ganz herzlich möchten wir Sie zur Eröffnungsveranstaltung unserer neuen Webinar-Reihe „FL-Online“ einladen:

“Stadtbegrünung – Greening the Green City”
am Donnerstag, 22.4.2021 von 18.00 bis 19.30 Uhr.

Oberbürgermeister Martin Horn wird die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen! Herr Peter Cachola Schmal und Frau Dr. Hilde Strobl vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt werden die Einführungsvorträge halten.

Die Möglichkeiten und Vorteile der Begrünung von Straßen und Plätzen sowie von Dächern und Fassaden werden an zahlreichen Beispielen gezeigt. Im Mittelpunkt stehen der Klimaschutz, die Lebensqualität und die Gesundheit der Stadtbewohner*innen. Wir wollen in Zeiten des Klimawandels und der gesundheitlichen Belastung einen Impuls geben für eine klimagerechte und lebenswerte Entwicklung unserer Stadt.

Bitte melden Sie sich frühzeitig an:
Per E-Mail: webinar@freiburg-lebenswert.de.
Oder hier auf unserer Homepage:
https://freiburg-lebenswert.de/anmeldung-zum-webinar/

Kurz vor der Veranstaltung wird dann ein Zoom-Link versandt, über den Sie sich einloggen können. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte hier der Einladung: Einladung Veranstaltung FL-online STADTBERUENUNG am 22.04.2021.pdf




Beispielhafte Stadtgrün-Initiative in Zürich

Die Zeit des Abwartens und Hinhaltens sei abgelaufen, so der Verein Stadtgrün, der mit Unterstützung von Stadt Zürich eine Volksinitiative Stadtgrün lanciert hat, die am 12. März mit über 4300 Unterschriften bei der Stadtkanzlei eingereicht wurde. Diese Initiative deckt sich mit den Zielen des Vereins Freiburg Lebenswert e.V. (FL). Wir möchten die Initiative als beispielhaft, auch für Freiburg hervorheben und werden uns, zusammen mit Experten, in Kürze mit einem Webinar mit der Thematik beschäftigen!

„Der Klimawandel ist keine abstrakte Bedrohung mehr, die vielleicht in ferner Zukunft eintreffen könnte, sondern bereits heute spürbare Realität“, schreiben die Verantwortlichen der Stadtzürcher Volksinitiative Stadtgrün. Besonders in den Städten mit ihren versiegelten Flächen sei der Hitzeinseleffekt immer stärker spürbar. „Ihn zu minimieren und die Lebensqualität langfristig zu erhalten, ist eine dringende Herausforderung“, so die Initianten.

Siehe: https://www.lokalinfo.ch/news/artikel/stadtgruen-initiative-eingereicht

Siehe auch: https://www.stadtgruen.jetzt/




Entsetzen über Baumfällungen in der Sternwaldstraße

Mit blankem Entsetzen und Fassungslosigkeit haben Anwohner auf die neuerlichen Baumfällungen früh morgens am Samstag, den 27.2.2021 im Bereich Sternwald-/Nägeleseestraße in der Oberwiehre reagiert. Dort soll in den beiden Flurstücken hinter der Sternwaldstraße 7 und 9 ein Gebäude aus zwei zusammengebauten dreigeschossigen Wohnhäusern plus Attikageschosse entstehen. Das Ganze freilich unter maximaler Auslotung der Baugrenzen ohne Rücksicht auf Anwohner und Natur. War zunächst nur das Gartengrundstück hinter der Sternwaldstraße 7 für die Bebauung vorgesehen, wurde später noch die Gartenfläche hinter der Sternwaldstraße 9 dazugekauft. Bei den Anwohnern formierte sich Widerstand, ein Anwalt wurde eingeschaltet.

Doch rechtlich ist wohl mal wieder nichts zu machen, wie leider sehr oft. Bestand zunächst noch die Hoffnung, dass sich das Bauvorhaben mangels Zugang zum Grundstück nicht realisieren lässt, der Investor war auf diese Weise bereits zuvor in der Wiehre mit einem Bauvorhaben gescheitert, wurden nun mit den Baumfällungen vollendete Tatsachen geschaffen. Dabei war die Fällgenehmigung an die Baugenehmigung geknüpft, welche offensichtlich noch gar nicht vorliegt. Offenbar wurde die Fällung jedoch am Vortag (Freitag, den 26.2.2021) gerichtlich für rechtens erklärt. Der Investor zögerte keine Sekunde, das Baumfällkommando rückte am Samstag früh morgens um 7:00 Uhr unter Polizeibegleitung (!) an.  

Der Investor ist übrigens kein Unbekannter. Es lebt in der Schweiz und besitzt in Freiburg mehrere Immobilien. Er war auch der Kläger gegen die Stadt betreffs des Zweckentfremdungsgesetztes, das eine Umwandlung von Wohnungen in Gewerbe verhindern soll. Die Tatsache, dass nun statt der ursprünglich geplanten Ferienwohnungen (teurer) Wohnraum entsteht, dürfte die Anwohner kaum über die Naturzerstörung vor ihrer Haustüre hinwegtrösten. Die Auswirkungen auf das Stadtbild dürften in diesem hochsensiblen Gebiet ohnehin verheerend sein. Denn nach wie vor fehlen rechtliche Vorgaben zur Gestaltung von Neubauten auch in hochsensiblen Gebieten. Da hilft es auch wenig, dass die Stadt dem Bauprojekt ebenfalls kritisch gegenübersteht und die fehlende Kooperationsbereitschaft des Investors beklagt (BZ vom 22.10.2019).

Am Ende muss sich die Stadt wohl auch in diesem Fall mal wieder der rechtlichen Situation beugen. Eine Situation, müsste jedoch keinesfalls gottgegeben sein. Wenn allerdings die Stadt beharrlich auf ihre Gestaltungsinstrumente z. B. in Form von Bebauungsplänen verzichtet, wird sie auch in Zukunft stets das Nachsehen haben. Die Vergangenheit hat schon mehrmals gezeigt, dass Investoren oder bauwillige Eigentümer unter Berufung auf § 34 BauGB ihre häufig kritischen bis hin zu völlig inakzeptablen Bauvorhaben am Ende eben doch genehmigt bekamen.

Freiburg Lebenswert setzt sich seit Jahren für eine maßvolle Baupolitik ein und steht Anwohnern gerade bei derart fragwürdigen Bauprojekten bei. Leider verfolgt die Stadtverwaltung und die große Mehrheit im Gemeinderat, vor allem auch die Grünen, nach wie vor eine Politik des Bauens auf Teufel komm raus. Auch setzt sich Freiburg Lebenswert für eine Novellierung der Baumschutzsatzung ein, um den dringenden Herausforderungen im Klima- und Artenschutz und vor allem lokal den Auswirkungen des Klimawandels auf das Stadtklima zu begegnen.

In stark versiegelten, dicht bebauten Bereichen entstehen im Sommer Wärmeinseln, denn hier speichern Beton, Asphalt und Stein tagsüber die Wärme und geben sie nachts ab. Ein Abkühlen in der Nacht findet, mit den entsprechenden Folgen für die Gesundheit, nicht mehr statt. Doch nicht nur das. Auch für unsere Psyche sind Grünflächen und Bäume erheblich besser als Beton. Natur vor der Haustür wirkt beruhigend. In Straßenzügen, in denen mehr Bäume stehen, wurden weniger Medikamente zur Linderung psychischer Krankheiten verschrieben, so eine Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena (https://www.uni-jena.de/210126_Strassenbaeume).

Angesichts dessen ist der Erhalt der Freiburger Stadtbäume und Grünflächen von immenser Bedeutung. Gerade die Freiflächen in den halbwegs intakten Quartieren bieten wichtig Naturflächen. Eben diese Funktion müssen sie auch in Zukunft erfüllen und nicht die Funktion als Baugrund.

An Lippenbekenntnissen zum Klimaschutz fehlt es in Freiburg nicht. An der Umsetzung allerdings hapert es gewaltig. Klimaschutz lässt sich nicht mit unvermindertem Bauboom vereinbaren. Zeit, dass diese Erkenntnis in Freiburg Einzug hält. Die neuerlichen Baumfällungen in der Sternwaldstraße sind ein gigantischer Akt von Umweltzerstörung. Sie sind ein Riesenschritt in die falsche Richtung.

So sah das Areal vor den Baumfällungen aus. Natur pur. (Fotos: Peter Vogt)
Das Areal Sternwaldstraße vor den Baumfällungen (Foto: Peter Vogt).
So sieht es jetzt aus. Die Bäume sind allesamt verschwunden. Einkompletter Kahlschlag (Foto: Peter Vogt).
Selbst auf dem Nachbargrundstück wurde (unberechtigterweise) gewütet. Kahlschlag überall (Foto: Peter Vogt).



Auf die Baumschutz-Satzung können die Anwohner nicht hoffen

Pressemitteilung vom 18. 01. 2021

Die mit Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler im Gemeinderat vertretene Wählervereinigung Freiburg Lebenswert (FL) unterstützt die Bemühungen der neuen Bürgerinitiative in der Wiehre, um den Baumbestand in den Hintergärten zwischen Sternwald- und Nägeleseestraße zu erhalten. “Natur- und Umweltschutz als Belange des Gemeinwohls müssen Vorrang haben vor den Partikularinteressen von Investoren”, so Stadtrat Dr. Winkler in einer Presse-Erklärung von FL am 15.01.2021.

Gleichzeitig weist FL darauf hin, dass die Freiburger Baumschutzsatzung dringend reformiert werden muss. Der aktuelle Konflikt zeigt überdeutlich, dass aufgrund der viel zu lockeren Ausnahmeregelungen im §6 der Satzung, deren Schutz-Zweck ein zahnloser Tiger ist, weil letztlich die Bauinteressen gegenüber dem Naturschutz stärker gewichtet werden. FL wird den Fall zum Anlass nehmen, eine Novellierung der Baumschutzsatzung mit dem Ziel zu erarbeiten, den Bäumen gegenüber den Bauinteressen Priorität zu gewähren.

Im Hinblick auf die medizinische und psychische Gesundheit der Freiburger Stadtbevölkerung kann ausreichend innerstädtisches Grün, das gut über die Stadt verteilt ist, erheblich dazu beitragen, Stress zu minimieren und psychische Erkrankungen zu verhindern. Urbanes Grün und auch gerade alte Bäume, leisten aufgrund ihrer Möglichkeit zum Temperaturausgleich, Lärmdämpfung und Luftreinhaltung einen positiven Beitrag für die Gesundheit und das Wohlbefinden jedes Einzelnen und werten ganz nebenbei sogar das Wohnumfeld, also auch den Immobilienwert auf.

In stark versiegelten, dicht bebauten Bereichen entstehen im Sommer Wärmeinseln, denn hier speichern Beton, Asphalt und Stein tagsüber die Wärme und geben sie nachts ab. Ein Abkühlen in der Nacht findet, mit den entsprechenden Folgen für die Gesundheit, nicht mehr statt. Der Erhalt der Freiburger Stadtbäume und Grünflächen wird uns Stadtbewohner aufgrund des Klimawandels und dem damit verbundenen Hitze- und Trockenstress der Pflanzen vor immer größeren gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Dies und unsere Verantwortlichkeit zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen, verpflichtet die Stadtverwaltung, den Gemeinderat aber auch die gesamte Freiburger Bevölkerung sich für den Erhalt von Bäumen und Grünflächen einzusetzen.

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Freiburg Lebenswert e.V.
www.freiburg-lebenswert.de
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de

So grün sah der Platz der alten Synagoge einmal aus, bevor er u.a. mit den Stimmen der Grünen zugepflastert und in eine Steinwüste verwandelt wurde. Dafür wurden viele Bäume gefällt! (Foto: K.-H. Krawczyk)



„Unsere Städte müssen grüner werden!“

Hitzewellen treffen Deutschland immer härter. Zu viel Beton und geteerte Straßen heizen Städte unsere Städte systematisch auf. Dies ist eine zunehmende Gefahr für die Gesundheit. In drei Extremsommern sind in Deutschland fast 20 000 Menschen an den Folgen dieser besonders heißen Tage und Nächte gestorben.

Doch es gibt Ideen für ein kühleres Klima in der Innenstadt. In der ZDF-Sendung “plan b” kommen Architekten und Landschaftsgärtner zu Wort, die der Hitze mit Pflanzen auf und an Gebäuden den Kampf ansagen. Beispiele in Deutschland, vor allem aber international zeigen, dass das geht und wie erfolgreich die Effekte auf Klima, Gesundheit und Wohlbefinden in Städten sind.

In Singapur müssen Neubauten die Grünfläche, die sie verbrauchen, an oder auf dem Gebäude wieder neu schaffen. Das bedeutet: Es müssen (!) grüne Gärten auf den Dächern, Planzungen auf den Balkonen und Begrünungen an den Fassaden geschaffen werden. Mit sichtbarem Erfolg: Die Tierwelt erobert die Stadt zurück und sie wird messbar deutlich kühler. Auch auf das Leben und die Gesundheit der Bewohner haben die Maßnahmen eine positive Wirkung.

Angesichts der zunehmenden Klimaerwärmung ist die Begrünung der Städte ein absolutes Muss. Freiburg, die sogenannte „Green City“ hinkt hier deutlich hinterher und hat keinerlei Konzept. Im Gegenteil: immer mehr Windschneisen des einstmals aufgestellten „Fünf-Finger-Plans“ werden zugebaut (z.B. durch das Stadion). Der zugepflasterte Platz der alten Synagoge ist dafür ein weiteres, besonders abschreckendes Beispiel.

Insofern sollte die Forderung, dass unsere Städte “grüner werden” müssten, nicht politisch missverstanden werden. Im Gegenteil! Schließlich plädieren “Die Grünen” in Freiburg dafür, auf dem Dietenbach-Gelände 3700 gesunde Bäume zu fällen. „Für Dietenbach wird kein einziger Baum gefällt werden“, so die Aussage der Stadt vor dem Bürgerentscheid 2019. Ein Jahr später bereits will man nichts mehr davon wissen: fast 5 ha Waldflächen zwischen Rieselfeld und Dietenbach stehen auf der Rodungsliste – mit Zustimmung der “Grünen”.

Gegen Ende der ZDF-Sendung sagt der Architekt Christoph Ingenhoven: “Es gibt keine Stadt, die nicht noch ein paar Millionen Bäumchen gebrauchen könnte. Ja, das muss man einfach fordern – dann wird es passieren.”

Hier der Link zur Sendung „Cool & clever – Abkühlung für die City“ (30 min) vom 17.10.2020. der ZDF-Sendereihe „plan b“ (online verfügbar bis 16.10.2021): https://www.zdf.de/gesellschaft/plan-b/plan-b-cool–clever-102.html

Begrünung an Gebäuden: hier in Wien (Fotos: Conrad Amber)