“Nie abreißen, nie einen Baum fällen“

Die französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal wurden mit dem Pritzker Architekturpreis, der renommierteste Auszeichnung für Architekten, ausgezeichnet. Das Duo hat in seiner Arbeit vor allem einen Vorsatz: Nichts abreißen!

Auf diese Art und Weise haben die beiden viele bestehende Gebäude in neue, oft auch erschwingliche Wohnanlagen umgebaut. “Nie abreißen, nie einen Baum fällen, nie eine Reihe Blumen herausnehmen”, sagt Vassal. Sondern, so meint er: “Die Erinnerungen an die Dinge, die da waren, bewahren und den Menschen, die dort leben, zuhören.”

Siehe mehr bei:  https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-pritzker-preis-fuer-architektur-duo-lacaton-und-vassal-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210316-99-847515!amp

Jean-Philippe Vassal ist auch Professor für Architektur an der Universität der Künste (UDK) in Berlin. Der Pritzker-Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung der Architektur-Branche (sozusagen „der Nobelpreis“ für Architekten) und ist mit 100 000 Dollar dotiert. Frühere Preisträger waren unter anderen Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster oder Peter Zumthor.

In der Begründung der Jury heißt es: “Indem sie die Verbesserung des menschlichen Lebens durch eine Perspektive der Großzügigkeit und Benutzungsfreiheit priorisieren, sind sie in der Lage dem Individuum sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu nützen und der Entwicklung einer Stadt zu helfen”.

“Nie abreißen, nie einen Baum fällen, nie eine Reihe Blumen herausnehmen. Die Erinnerungen an die Dinge, die da waren, bewahren und den Menschen, die dort leben, zuhören.”

Unserer Stadt helfen, das wünschen wir uns auch für Freiburg: von dem ewig gestrigen, antiquierten Weg, alles abreißen und neu bauen zu wollen, endlich abzurücken. Es wäre an der Zeit, denn meist wird die „graue Energie“, die auch bei Abriss und Neubau entsteht, unterschlagen, wenn der klimafreundliche Neubau beleuchtet werden soll.

So sieht das Gelände in der Sternwaldstraße aus, auf dem ein schweizer Investor auf engstem Raum nachverdichten will: Die Bäume sind allesamt gefällt, obwohl noch keine Baugenehmigung vorliegt (Foto: Peter Vogt).
Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen! (Foto: H. Sigmund)



Erhaltungssatzung für die Quäkerstraße

Folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) hat unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler für die Wählergemeinschaft Freiburg Lebenswert (FL) zum Thema Erhaltungssatzung Wiehre, Quäkerstraße, am 10. Januar 2021 an den Freiburger Oberbürgermeister bzw. die Stadtverwaltung gestellt:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit Schreiben vom 18.12.2020 bedankt sich Baubürgermeister Prof. Dr. Haag bei den Mit-gliedern der Initiative „Wiehre für Alle“ für das konstruktive Gespräch am 3.11.20. Darin erklärt er, dass er davon überzeugt sei, dass ein gemeinsames Vorgehen von Familienheim Freiburg, Stadt und Mieterinnen und Mietern der Familienheim, den Interessen der Letztgenannten und des gesamten Quartiers am besten dient. Die Genossenschaft Familienheim habe auch Mitte letzten Jahres ihre Bereitschaft zu einem gemeinsamen Prozess öffentlich bekundet.

Bei dem Gespräch am 3.11.2020 teilte Prof Dr. Haag mit, dass sowohl die Voraussetzungen für die Soziale Erhaltungssatzung als auch für die Städtebauliche Erhaltungssatzung für das Quartier Quäkerstraße vorlägen. Dennoch wolle die Stadtverwaltung weiterhin einen konsensualen Verfahrensprozess mit dem Familienheim-Vorstand führen, um einen eventuell möglichen Konflikt in der Zukunft zu vermeiden. Dieser solle ohne jegliche sachliche Zielvor-gaben durchgeführt werden und könne bis zu sieben Jahre andauern.

Hierzu nun meine Fragen:

1.  Wenn die Voraussetzungen für die Soziale Erhaltungssatzung und die Städtebauliche Erhaltungssatzung vorliegen, warum sollten dann Verhandlungen ohne Zielvorgaben geführt werden?

2.  Das bedeutet, dass sich die Stadtverwaltung überlegen sollte, welche Ziele sie hat. Was will sie denn erreichen?

3.  Unter der Prämisse, dass ein gemeinsames Vorgehen von der Familienheim Freiburg, der Stadt und den Mieterinnen und Mietern gewünscht wird und die Genossenschaft ihre Bereitschaft zu einem gemeinsamen Prozess öffentlich bekundet hat, warum werden dann die Mitglieder der Initiative „Wiehre für Alle“ nicht bei den Verhandlungen direkt einbezogen?

Für eine baldige Beantwortung der Fragen bin ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/fuer-eine-soziale-erhaltungssatzung-in-der-quaekerstrasse/

Sowie: https://freiburg-lebenswert.de/rettet-das-haeuser-ensemble-an-der-quaekerstrasse/

Die Familienheim-Siedlung in der Quäkerstraße (Bild: 2018 Google Kartendaten, 2018 GeoBasis DE/BKG 2009)
Solidarität mit betroffenen Bürgern. Hier: Protest der Anwohner gegen des Abriss der intakten, schützenswerten Gebäude de Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)



Denkmalschutz vs. Energie-Einspar-Verordnung

Die beiden Dachdeckermeister Michael Zimmermann und Karl-Heinz Krawczyk haben zusammen einen interessanten „Dachdecker-Podcast“ auf den Weg gebracht. Darin geht es in der neuesten, aktuellen Folge um das Thema „Denkmalschutz versus Energie-Einspar-Verordnung“. Michael Zimmermann ist Dachdeckermeister, Sachverständiger und Vizepräsident des Zentralverbands des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Karl-Heinz Krawczyk ist Mitglied bei FL und war von 2014 bis 2019 Stadtrat der Fraktion FL/FF in Freiburg. Auch er ist Dachdeckermeister, Energieberater und Landesinnungsmeister des Landesverbandes in Baden-Württemberg.

Denkmalschutz ist ja eines der zentralen Themen von Freiburg Lebenswert. Deshalb möchten wir Ihnen diese Folge des Podcast empfehlen. Karl-Heinz Krawczyk berichtet darin auch über sehr interessante Details zu den Problemen beim Denkmalschutz allgemein sowie ganz konkret zu einem Projekt in der Innenstadt von Freiburg, das seine Firma gerade renoviert.

Siehe den Dachdecker-Podcast: https://dachdecker-podcast.podigee.io/5-denkmalschutz-versus-energieeinsparverordnung

Beim dem Podcast für selbständige Handwerker und Unternehmer erhält man 14 täglich News, Infos und Interviews zu den Themen Technik, Organisation und Digitalisierung. Wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie alle Folgen auf der Homepage des Podcasts:

Siehe  http://www.dachdecker-podcast.de

Photovoltaik und Denkmalschutz müssen sich nicht in jedem Fall gegeseitig ausschließen!

Dachdeckermeister und FL-Stadtrat von 2014 bis 2019, Karl-Heinz Krawczyk



„Bankrotterklärung der Denkmalschutzbehörde“

Wieder einmal kann man von
einem Totalversagen der Denkmalschutzbehörden sprechen, diesmal in Staufen. Denn
was dort passiert ist und worüber sich Bürgermeister und Gemeinderat von Staufen
zur Recht so einmütig empören, ist kein Einzelfall, sondern in solchen Fällen leider
die Regel – auch hier in Freiburg.

Die Vorgänge rund um ein mittelalterliches Gehöft am Rande von Wettelbrunn, einem Ortsteil von Staufen, zeigen dies deutlich: Das Gebäudeensemble beherbergte schon ein bekanntes Gasthaus und zuletzt die Diskothek „Hazienda“. Die Badische Zeitung (BZ) berichtete am 30. April 2020 darüber unter anderem: „Nun verfallen die Überreste, der Denkmalschutz ist perdu und Rat und Bürgermeister sehen einerseits eine “Unverfrorenheit des Investors” und andererseits “eine Bankrotterklärung des Denkmalschutzes”. Und in dem Artikel heißt es weiter: „Bürgermeister Michael Benitz beklagte den Niedergang des Denkmalschutzes im Land.“

Siehe in der BZ: https://www.badische-zeitung.de/fruehere-diskothek-hazienda-sorgt-erneut-fuer-heftigen-aerger

Es ist nicht das erste Mal, dass der Denkmalschutz vor Investoren einknickt, die Ihre denkmalgeschützten Gebäude vorsätzlich verfallen lassen, um sie dann abreißen zu können. Jeder erinnert sich noch daran, wie sich die Behörden und auch das Verwaltungsgericht, vor dem der Fall verhandelt wurde, beim Abriss des denkmalgeschützten Hauses in der Wintererstraße 28 in Freiburg vom Investor über den Tisch ziehen ließen.

Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/beim-denkmalschutz-muss-sich-was-aendern/

und: https://freiburg-lebenswert.de/wieder-ein-wertvolles-kulturdenkmal-in-gefahr/

Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen! (Foto: H. Sigmund)

Um solche Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden, hatte sich Freiburg Lebenswert (FL) bereits im Jahr 2017 mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes beschäftigt und viele Änderungs-Vorschläge ausformuliert. Ziel war es, den Denkmalschutz zu stärken, denn der Vergleich mit anderen Bundesländern macht deutlich, dass das Denkmalschutzgesetz in Baden-Württemberg dringend einer Novellierung bedarf. Es hinkt inhaltlich moderneren Gesetzen in anderen Bundesländern, wie in Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, um nur einige anzuführen, hinterher. FL möchte deshalb die Formulierung im Koalitionsvertrag der Stuttgarter Regierungskoalition aufgreifen, in dem es heißt, man wolle den Denkmalschutz „stärken“ und „weiterentwickeln“. Leider sind unsere Bemühungen aber in Stuttgart verschleppt und nicht weiterverfolgt worden.

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/fl-stellt-plaene-zur-novellierung-des-dschg-in-bw-vor/

Auszug aus dem grün-schwarzen Koalitionsvertrag 2016

Vielleicht ist der Fall in
Staufen nun Grund, dieses Anliegen erneut aufzugreifen. Die Einmütigkeit, mit
der Bürgermeister und Gemeinderat dort die “Unverfrorenheit des
Investors” (so Bürgermeister Benitz) verurteilen, ist zumindest ermutigend.
Denn schon jetzt ist der Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes
verpflichtet, seiner Erhaltungspflicht nachzukommen. Dass die Denkmalbehörden ihrer
Pflicht, das zu kontrollieren nicht nachkommen und Investoren gewähren lassen, ist
ein Skandal.

Es ist deshalb wichtig noch einmal daran zu erinnern, dass die untere Denkmalschutzbehörde so ausgestattet sein muss, dass sie ihrer Aufsichtspflicht nachkommen kann und Eigentümer von Denkmälern, die nicht ausreichend unterhalten werden, zur Denkmalspflege zwingen kann. Wer ein Denkmal kauft, sollte sich der besonderen Verantwortung bewusst sein und Interesse und Freude an der Pflege haben. Dafür stellt der Staat ja auch einige finanzielle Anreize zur Verfügung.




Erhalt der Gebäude auf dem Schützenareal

Im März 2017 wurde öffentlich bekannt,
dass die Areal Projektentwicklung GmbH aus Waldkirch die Gebäude in der
Schwarzwaldstraße 36-38 durch einen Neubau ersetzen wolle. Doch die Vorschläge
des Investors gefielen weder der Stadtverwaltung noch dem Bürgerverein
Oberwiehre-Waldsee.

Zur gleichen Zeit teilte das
Baurechtsamt der Stadt Freiburg mit, dass die
Gebäude nicht als Kulturdenkmäler inventarisiert seien. Deshalb sei davon
auszugehen, dass eine Denkmaleigenschaft der Gebäude nicht gegeben ist.  Die Überprüfung der Denkmaleigenschaft wurde
an das Landesamt für Denkmalspflege übertragen. Dabei stellt sich die Frage,
warum dies  nicht schon früher veranlasst
wurde?

Die zweigeschossige Häusergruppe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gasthaus Schützen, Lycée Tyrenne und Maria-Hilf-Kirche gehört zu den Siedlungskernen des alten Dorfes Wiehre. Es handelt  sich mit dem ehemaligen Ökonomiegebäude um insgesamt vier historische und geschichts-trächtige Gebäude, die zur ältesten Bausubstanz der Wiehre zählen.

Das Lycee Turenne (Luftaufnahme aus dem Jahr 2013 von Dr. W.-D. Winkler)

Da in Freiburg in
den vergangenen Jahren der Verlust zahlreicher historischer Gebäude durch
Abbruch zu beklagen ist, war es für uns inakzeptabel, ohne Not diese wenigen
aus der Spätbarockzeit und der ersten Hälfte des 19. Jh. übriggebliebenen
Bauten abzureißen. Bis im Juni 2017 gab es keine Rückmeldung bezüglich der
Denkmaleigenschaft der Gebäude, weshalb die  damalige Fraktionsgemeinschaft Freiburg
Lebenswert/Für Freiburg bei der Stadt nachfragte.

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/anfrage-zum-schuetzenareal/

Ergebnis dieser
Anfrage war, dass die Denkmalbehörde das Gebäude Nummer
38 nicht für  schutzwürdig hielt, da nicht
mehr genügend originale Bausubstanz da sei. Im Gegensatz dazu stufte die
Behörde das Gebäude Nummer 36 aus stadtbau-, stadt- und kulturgeschichtlichen
Gründen als  Kulturdenkmal ein. Die Folge
davon war, dass das Gebäude nicht abgerissen werden darf, sondern nur
denkmalverträglich um- oder ausgebaut werden kann.

Freiburg Lebenswert hat sich immer für den Erhalt  denkmalgeschützter und stadtbildbildprä-gender Gebäude eingesetzt. Sehr oft blieben unsere Bemühungen erfolglos, z. B. beim Ratsstüble,  Schwarzwaldhaus in der Wintererstraße 28 oder Amerika-Haus. Im vorliegenden Fall konnte aber erfolgreich ein Abriss der Gebäude gestoppt werden. Freiburg Lebenswert wird sich auch weiterhin für den Erhalt historisch wichtiger Gebäude einsetzen.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/erfolg-fuer-fl-und-fuer-den-denkmalschutz/

Sowie: https://freiburg-lebenswert.de/das-gesicht-der-wiehre-wahren/

Und: https://freiburg-lebenswert.de/abriss-hiobsbotschaften-aus-der-wiehre/

Protest der Anwohner gegen des Abriss der intakten, schützenswerten Gebäude de Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)
Das denkmalgeschützte “Dreikönigshaus” will die Stadtverwaltung nach wie vor abreißen, um eines Tages vielleicht dem Stadttunnel Platz zu machen (Foto: M. Managò).



Denkmalensemble Knopfhäuslesiedlung

Zum Thema Knopfhäusle
(Drucksache G-20/011) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 4.
Februar 2020 im Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Schreiben an die Stadtverwaltung vom 27.
September 2019 habe ich den Vorschlag zum Bau von Photovoltaikanlagen auf den
Dächern der Kopfhäusle-Siedlung gemacht und dies in der Gemeinderatssitzung vom
1. Oktober 2019 nochmals explizit dargelegt. Ich will hierauf nochmals
eingehen. Die Häuser stehen unter Denkmalschutz. Und es ist klar, dass diese
Tatsache wesentliche Veränderungen an den Gebäuden eigentlich ausschließt,
insbesondere was das äußere Erscheinungsbild betrifft.

Aber nochmal: angesichts des Klimawandels ist nun
ein dringender, schneller Umbau der Energieversorgung hin zu regenerativen
Energieträgern überfällig, wenn die ehrgeizigen Zielmarken Freiburgs hin zur
Klimaneutralität bis spätestens zum Jahr 2050 eingehalten werden sollen. Es ist
für mich daher nicht nur unbefriedigend, sondern inakzeptabel, wenn in der
Vorlage lapidar gesagt wird, dass die Installation einer Photovoltaikanlage aus
Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich ist.

Und ich muss mich schon wundern, wie die Stadt und
die Denkmalbehörden die Kriterien des Denkmalschutzes schon sehr eigenwillig
auslegen. Ich will mal die Denkmäler Knopfhäuslesiedlung und das
Denkmalensemble um das Dreikönigshaus einander gegenüber stellen. Ich verweise
in diesem Zusammenhang auf den Brief der Arbeitsgemeinschaft Freiburger
Stadtbild vom 3. November 2019. Das östliche Gebäude des Dreikönigshauses wurde
zuerst unbewohnbar gemacht, indem die Sanitär- und Heizungsanlagen zerstört
wurden, um eine Besetzung zu verhindern. Und nun wurde es vor einigen Wochen in
einer Art Nacht- und Nebelaktion abgerissen und ist nun für immer verloren, was
selbst im Stadtplanungsamt wütende Reaktionen hervorrief. Schließlich ist die
Realisierung des Stadttunnels in weiter Ferne, wie die gestrige
Pressemitteilung des „forum dreisamufer“, die sich auf Aussagen des Regierungspräsidiums
bezieht, eindrücklich belegt. Man hätte also das Gebäude noch für lange Zeit
preisgünstig vermieten können – vor allem angesichts der Wohnungsknappheit an
bezahlbarem Wohnraum.

Und im Gegensatz dazu steht der Bau einer
Photovoltaik-Aufdachanlage auf der Knopfhäuslesiedlung. Diese beeinträchtigt
zwar dieses Denkmal in seinem Erscheinungsbild. Allerdings nur marginal und nur
temporär. Schafft es die Stadt beispielsweise bis zum Jahr 2050 CO2-frei zu
werden, wäre dies ein geeigneter Zeitpunkt, um die Photovoltaik-Anlage
innerhalb weniger Tage wieder abzubauen und den ursprünglichen Zustand des
Denkmals wiederherzustellen.

Es macht mich wütend, wenn auf der einen Seite stadtbildprägende, erhaltenswerte Häuser mit bezahlbarem Wohnraum unwiederbringlich zerstört werden und auf der anderen Seite keinerlei Entgegenkommen gezeigt wird und eine die Denkmaleigenschaft kaum tangierende, temporäre Lösung in Basta-Manier verhindert wird. Das ist für alle, die sich um das Klima sorgen, ein Schlag ins Gesicht. Ich appelliere daher nochmals an die Dezernenten und die beteiligten Behörden, hier eine Lösung zur Installation von Photovoltaik zu finden, die dem überzuordnenden Ziel Klimaschutz gerecht wird.

Photovoltaik und Denkmalschutz müssen sich nicht in jedem Fall gegeseitig ausschließen!



Drohender Abriss des Gebäudes in der Habsburgerstr. 91

Bezüglich des drohenden Abrisses des Gebäudes Habsburgerstraße 91 hatte unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt. Es handelt sich um das Gebäude zwischen Elztäler Hof und der Gisinger-Neubebauung, das nach Meinung Winklers und des Bürgervereins Herdern als ein denkmalschutzwürdiges Gründerzeit-Gebäude anzusehen ist und vom Abriss verschont werden sollte.

Auf diese Anfrage (aus dem BaUStA vom 06.11.2019) hat Baubürgermeister Dr. Martin Haag nun mit folgendem Schreiben geantwortet:

Sehr geehrter
Herr Dr. Winkler,

bezüglich des
Gebäudes Habsburgerstr. 91 ist derzeit folgender Sachstand gegeben:

Seitens der
Gisinger Wohn- und Gewerbebau GmbH wurde bereits im März 2018 der Abbruch des
bestehenden Gebäudes Habsburgerstr. 91, Grundstück Flurstück-Nr. 2327,
beantragt.

Das Gebäude
ist nicht in der Liste der Kulturdenkmale inventarisiert. Die Fragestellung der
Denkmaleigenschaft war bereits im Sommer 2017 durch das hierfür zuständige
Landesamt für Denkmalpflege überprüft und abschlägig beschieden worden.

Seit
Abschluss des Kenntnisgabeverfahrens am 17.04.2018 kann daher das Gebäude
Habsburgerstr. 91 abgebrochen werden.

Das
Grundstück soll neu bebaut werden; ein Bauantrag ist derzeit anhängig. Dieser
ist nach Einschätzung der Bauverwaltung noch nicht genehmigungsfähig.

Mit
freundlichen Grüßen

Büro des
Bürgermeisters
Prof. Dr. Haag

Stadt Freiburg im Breisgau
– Dezernat V –
Rathaus im Stühlinger – Gebäude A
Fehrenbachallee 12, 79106 Freiburg im Breisgau
Tel.: +49761/201-4001, Fax: +49761/201-4099
E-Mail: dez-V@stadt.freiburg.de

Internet : www.freiburg.de

Proteste gegen den Abriss der denkmalwürdigen Gebäude des ehem. “Gasthaus zu Amerika” (Artikel im Stadtkurier vom 19.02.2015). Diese Gebäude, die in unmittelbarer Nähe zum Haus in der Habsburgerstr. 91 standen, sind inzwischen längst abgerissen. Das Gelände ist inzwischen durch unansehnliche Betonklötze neu bebaut worden.



“Extrem unbefriedigende Umgang” der Stadt mit Baudenkmalen

Schon lange beschäftigt uns der geplante Abriss des Dreiköngshauses in der Schwarzwaldstraße, den viele Freiburger Bürger und so auch wir als Organisation, die sich für den Schutz denkmalgeschützter Häuser einsetzt, nicht hinnehmen möchten. Nun hat sich anlässlich des Abrisses des Hauses Schwarzwaldstr. 31 die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V. zu Wort gemeldet und protestiert gegen das Vorgehen der Stadt. Gerne möchten wir hier die “Stellungnahme zum laufenden / geplanten Abriss der Häuser Schwarzwaldstraße 29-31” der sogen. “Arge Stadtbild” im vollen Wortlaut veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

zum aktuell laufenden Abriss des Hauses Schwarzwaldstraße 31 sowie dem angekündigten Abbruch des Dreikönigshauses (Schwarzwaldstr. 29) nehmen wir wie folgt Stellung:

Mit Bedauern und Befremden haben wir den überraschend kurzfristig umgesetzten Beschluss der Stadt, das Haus Schwarzwaldstr. 31  abzureißen, zur Kenntnis genommen.

Die Schwarzwaldstr. 31 gehört zu den Gebäuden, die zu Beginn der 1970er Jahre eine großangelegte, in Zusammenhang mit dem verkehrsgerechten Ausbau des „Ganter-Knotens“ und dem Bau der Leo-Wohleb-Straße stehende Abrissaktion überstanden haben. Damals wurden für den Umbau zur „autogerechten Stadt“ zahlreiche in gutem Bauzustand befindliche historische Gebäude abgebrochen, darunter eine damals östlich an das Hau anschließende gründerzeitliche Doppelvilla sowie ein Haus aus der Biedermeierzeit. Der die Villa Ganter umgebende Park wurde deutlich verkleinert.

Das Haus Schwarzwaldstr. 31 kann unserer Ansicht als unentdecktes Kulturdenkmal angesprochen werden. Als heute vom Verkehr umflossene bauliche Insel stellt das formschöne Gebäude zusammen mit dem benachbarten Dreikönigshaus ein Relikt dar, das an die bauliche Situation vor dem verkehrstechnischen Ausbau des Areals erinnert. Im Verbund mit dem Dreikönigshaus und der Villa Ganter ist es ein wichtiges baugeschichtliches Zeugnis der Zeit vor der verkehrsgerechten Umgestaltung der Stadt. Verwundert und irritiert sind wir über die Tatsache, dass die Stadt fast zeitgleich mit der Bekanntgabe des Abbruchs bereits die ersten Abbrucharbeiten in die Wege geleitet hat. Die Öffentlichkeit wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wir kritisieren dieses Vorgehen auch deshalb mit Nachdruck, weil es in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem aus denkmalpflegerischer Sicht extrem unbefriedigenden Umgang mit dem benachbarten Dreikönigshauses steht: 

In der Öffentlichkeit wenig bekannt ist die Tatsache, dass das Dreikönigshaus bis ins Jahr 2011 ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ nach §12 DSchG war. Damit stand es in einer Reihe mit bedeutenden Gebäuden wie beispielsweise dem Historischen Kaufhaus oder den Rathäusern der Stadt. Zu dieser Tatsache in deutlichem Widerspruch stand die Art und Weise, wie die Stadt mit diesem Kulturdenkmal in den vergangenen Jahrzehnten umging: Obgleich ihr als Eigentümerin eine besondere Sorgfaltspflicht beim Gebäudeerhalt oblag, wurden jahrzehntelang nur unzureichende Maßnahmen zur Substanzerhaltung durchgeführt. Zuletzt war der mittlerweile abgerissene Ostteil des Gebäudes derart marode, dass er als einsturzgefährdet galt.

Das denkmalgeschützte “Dreikönigshaus” will die Stadtverwaltung nach wie vor abreißen, um eines Tages vielleicht dem Stadttunnel Platz zu machen. Auf dem älteren Bild steht der inzwischen schon abgerissene Mittelteil noch. Hinten (rot) ist die Schwarzwaldstraße 31 zu sehen, deren Abriss derzeit im Gange ist (Foto: M. Managò).

Im Jahre 2011 traten bei einer baulichen Untersuchung statische Mängel zu Tage, die angeblich auf „frühere (historische) Eingriffe in die Bausubstanz“ zurückzuführen waren. Diese Feststellung führte dazu, dass

a) die Stadt eine Erhaltung der Substanz bei gleichzeitigem Wiederherstellen der Statik als „nicht darstellbar“ bezeichnete

b) das Regierungspräsidium als höhere Denkmalbehörde am 19.12.2011 mitteilte, es habe dem Dreikönigshaus das Merkmal „besonderes Kulturdenkmal“ aberkannt und es zu einem „normalen“ Kulturdenkmal zurückgestuft. Das Gebäude erfülle nicht mehr die Kriterien eines Kulturdenkmales nach §12 DSchG; auch sei das hierfür erforderliche gesteigerte öffentliche Erhaltungsinteresse nicht mehr gegeben. Zudem fehle es dem Objekt auf Grund der Umbauten an der notwendigen hohen Originalität und Integrität. Details zu diesem Gutachten wurden nicht veröffentlicht, und es gab für die Öffentlichkeit keine Möglichkeit, die Stichhaltigkeit der Begründungen zu verifizieren.

Im Jahre 2015 brach im Ostteil des Hauses aus bis heute ungeklärten Gründen ein Brand aus, der das Gebäude so stark beschädigte, dass es die Stadt in einer Nacht-und-Nebelaktion abreißen ließ.

Für uns ist die Art und Weise, wie in der Vergangenheit mit dem Dreikönigshaus umgegangen und die Öffentlichkeit über den Gebäudezustand informiert wurde, unbefriedigend und nicht akzeptabel. Insbesondere befremdet uns der aktuelle Umgang mit dem verbliebenen und nach wie vor denkmalgeschützten Westteil in Zusammenhang mit den Planungen für den Stadttunnel. Anstatt aktiv für den Erhalt dieses einzigartigen Gebäudes einzutreten, das bis vor kurzem ein „12er-Denkmal“ war und zu den ältesten Häusern der Wiehre und der Oberau zählt, geben die verantwortlichen Behörden das Haus bereits jetzt für den Fall des Baus des Stadttunnels preis. Wir befürchten, dass der Abriss der Schwarzwaldstr. 31 die Position des Dreikönigshauses weiter schwächen und einer weiteren Abrissaktion im Schnellverfahren Vorschub leisten wird.

Wir bitten Sie, sich mit Nachdruck für eine Bestandssicherung und einen Erhalt des Dreikönigshauses sowie einen Abbruchstopp der Schwarzwaldstr. 31 einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Dierdorf    und     Joachim Scheck
Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.




Stellungnahme zur ehemaligen Stadthalle

Den folgenden Beitrag hat unsere Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) als Stellungnahme zur Immobilie „Alte Stadthalle“ auf Anfrage für die Badische Zeitung (BZ) geschrieben. Die BZ möchte in der kommenden Freitagsausgabe einen Beitrag dazu bringen. Die Stadträte von Freiburg Lebenswert (FL) sehen in der ehemaligen Stadthalle, die weitgehend leer steht, grundsätzlich ein großes Potenzial. Favorit für eine weitere Verwendung ist für die Stadträte von FL deshalb die Idee des Freiburger Filmemachers Weiland, da für diese Idee vor allem keine teuren Folgekosten anfallen würden.

„Wir hätten es gerne gesehen, dass von der benachbarten Musikhochschule
Vorschläge gekommen wären. Auch sollte das ‚Eco-Mobileum‘ von Konrad-Otto
Zimmermann aufgrund der sich rasant verändernden Mobilität der Freiburger eine
Chance erhalten. Allerdings ist das eine Frage der Folgekosten und hier stehen
die Stadträte von Freiburg Lebenswert an der Seite der Stadt, die keine
Folgekosten tragen will und kann. Der Haushalt ist bekanntermaßen auf Kante
genäht und in der Zukunft wird das absehbar noch erheblich enger.

Also ist nach unserer Meinung die Idee der Freiburger Filmemacher Weiland die interessanteste Vermarktungsmöglichkeit für die begehrte Immobilie. Damit entstünden keine Folgekosten für die Stadt sondern Einnahmen. Auch zahlreiche andere Medienschaffende, aber auch Gastronomie und Gewerbe in und um Freiburg könnten von der Umsetzung dieser Idee partizipieren. Insgesamt könnte dieses Konzept ein Gewinn für die Stadt sein.“

Die Stadthalle in Freiburg, als sie noch als Ausweichquartier für die Unibibliothek diente (Foto: Wikipedia, siehe die Quellenangaben: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Stadthalle_Freiburg.jpg)



Sanierungsverfahren Knopfhäusle-Siedlung

Zum Thema „Sanierungsverfahren
Soziale Stadt Knopfhäusle-Siedlung
“ (TOP 10, Drucksache G-19/194) hat unser
Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 1. Oktober 2019 im Gemeinderat
folgende Rede gehalten.

Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst
möchte ich mich dem Dank meiner Vorredner an die Freiburger Stadtbau und an die
Stadtverwaltung anschließen. Wir sehen es insbesondere als ein großes
Entgegenkommen an, dass die Mieter der Knopfhäusle Siedlung weitgehendes
Mitsprachrecht an der Grundrissplanung ihrer Wohnungen bekommen sollen. Das ist
alles andere als selbstverständlich. Denn die Ausarbeitung individueller
Lösungen erfordert natürlich einen höheren Aufwand als eine standardisierte
Sanierungslösung. Das zeugt von einer hohen Wertschätzung der Mieter.

Photovoltaik und Denkmalschutz müssen sich nicht in jedem Fall gegeseitig ausschließen!

Mit Schreiben
vom 27.9.2019 an die Stadtverwaltung haben wir den Vorschlag zum Bau von
Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Kopfhäusle Siedlung gemacht. Ich will
hierauf nochmals eingehen. Die Häuser stehen unter Denkmalschutz und uns ist
natürlich klar, dass diese Tatsache wesentliche Veränderungen an den Gebäuden
ausschließt, insbesondere was das äußere Erscheinungsbild betrifft.

Aber
angesichts des Klimawandels ist nun ein dringender, schneller Umbau der
weltweiten Energieversorgung hin zu regenerativen Energieträgern überfällig.
Der Gemeinderat der Stadt Freiburg hat sich aus diesem Grund äußerst ehrgeizige
Zielmarken gesetzt. So soll Freiburg bis zum Jahr 2030 eine 50%ige CO2
Reduzierung gegenüber dem Jahr 1990 erreichen und bis 2050 klimaneutral sein.
Die Bewegung „Fridays for Future“ geht noch darüber hinaus und fordert
Klimaneutralität bereits bis 2030.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Wir haben daher vorgeschlagen, dass die Stadt und die Freiburger Stadtbau Verhandlungen mit den Denkmalschutzbehörden aufnimmt mit dem Ziel, für die Häuser der Knopfhäusle Siedlung eine Ausnahmegenehmigung bezüglich der Installation von Photovoltaik Anlagen zu erlangen. Würden diese als Aufdachanlagen ausgeführt, wäre ein Rückbau prinzipiell jederzeit möglich, ohne die Denkmaleigenschaft beeinträchtigt zu haben. Insbesondere die vier östlichen Gebäuderiegel sind ideal geeignet. Ihre Nord Süd Firstausrichtung erlaubt die Belegung sowohl der östlichen als auch der westlichen, weitgehend unverschatteten Dachflächen, wodurch über den Tag eine relativ gleichmäßige Stromerzeugung realisiert werden kann. Begünstigt würde das Vorhaben durch die geplante zentrale Wärmeenergieversorgung, wodurch die Einzel Kamine auf den Häusern künftig sicher entfallen werden.

Aber selbst wenn die Dach Aufbauten beispielsweise wegen ihrer Denkmaleigenschaft nicht zur Disposition stehen sollten, können aufgrund der heutigen Technik die Dächer weitgehend mit Solarmodulen belegt werden. Vor wenigen Jahren war die Verschattung von PV Modulen ein Problem, weil verschattete Module die Leistung der gesamten Anlage massiv beeinträchtigten. Diese Probleme sind inzwischen hinfällig durch den Einsatz von sogenannten Optimierern. Sie sorgen dafür, dass verschattete Module individuell „abgeschaltet“ werden und damit den Rest der Anlage nicht beeinträchtigen.

Denkbar wäre
die Durchführung eines Mieterstrommodells analog zu dem von „Freiburg
Lebenswert“ angeregten und inzwischen auf den Weg gebrachten Modell für die
Stadtbau–Gebäude Belchenstraße 12-34.

Wir können
diesen Vorschlag natürlich auch als – ich hoffe dann interfraktionellen –
Antrag stellen, um ihm eine Legitimität über den Gemeinderat zu geben.
Vielleicht können Sie, Herr Oberbürgermeister oder Herr Baubürgermeister, zu
diesem Vorschlag nach Installation von Photovoltaik Stellung nehmen.

Siehe dazu auch:  Photovoltaik auf die Dächer der Knopfhäusle-Siedlung