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Hände weg vom Dietenbachwald!

Man weiß nicht, worüber man sich mehr empören soll. Ist es die Trotzigkeit, wonach die Stadt keinen Änderungsbedarf sieht, obwohl die Hochwasserkatastrophe 2021 deutlich vor Augen geführt hat, dass in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden sollte? Oder sind es die Grünwasch-Argumente, mit denen die Stadt den neuen Stadtteil Dietenbach als grandiosen Beitrag zum Klimaschutz anpreist? So soll Dietenbach zu weniger Pendlerverkehr führen und den Flächenverbrauch im Umland eindämmen. Oder ist es die Dreistigkeit, welche die Stadt beim Dietenbachwald an den Tag legt? So hieß es vor dem Bürgerentscheid noch, für Dietenbach müsse kein Baum gefällt werden. Frei nach dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, sollen nun jedoch rund 4 ha Wald für den Bau des neuen Stadtteils geopfert werden. Dies jedoch nicht nur für die Fortführung der Stadtbahntrasse, sondern auch für zusätzliche Wohnbebauung und Sportflächen. Selbst für die Trasse gibt es eine Alternativplanung von der Paduaallee aus, wie Ralph Schmidt vom NABU bei einem seiner immer sonntags um 14:00 Uhr stattfindenden Informationsspaziergängen zum Dietenbachwald ausführte.

2. Vorsitzender FL Prof. Dr. med. Michael Wirsching (vorne links) und FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (2. v. l.) bei der Demonstration am 10.10.2021. Die Anwesenheit on FL wurde mehrfach gewürdigt (Foto: K. Langosch).

Am Sonntag, den 10.10.2021 protestierten rund 300 Menschen gegen die geplanten Baumfällungen im Dietenbachwald. Zu der Demonstration hatte der BIV Rieselfeld zusammen mit anderen Organisationen wie dem NABU, BUND oder Parents for Future aufgerufen. Die Demonstranten warfen der Stadt vor, das Thema Klimaschutz zu ignorieren. Die Klimakrise mache einen grundlegenden Wandel des Denkens notwendig, so eine Vertreterin von Parents for Future. Zudem habe die Stadt 2019 ein Arten- und Klimaschutzkonzept beschlossen und müsse sich auch daran halten. Auch wurde seitens des NABU darauf hingewiesen, dass der Dietenbachwald höhlenreich und voller Totholz sei und damit Platz für Artenvielfalt biete. Schwerlich könne man auch von anderen Walderhalt fordern, wenn man nicht fähig sei, den eigenen Wald zu erhalten.

Einige Mitglieder von Freiburg Lebenswert nahmen an der Demonstration teil, so auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler, was mehrfach gewürdigt wurde. Freiburg Lebenswert hat sich als einzige Gruppierung im Gemeinderat gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen und ist nun auch die einzige im Gemeinderat vertretene Gruppierung, die sich gegen die Abholzung des Waldes einsetzt.

Kritisiert wurde bei der Demonstration auch die „Diskrepanz zwischen den hohen Ansprüchen, Green City zu sein und dem Umgang mit berechtigten Einwänden“. So sieht die Stadt keinerlei Notwendigkeit eines Umdenkens. Wozu auch, schließlich werde sparsam mit Grund und Boden umgegangen, wobei die klimatische Situation nicht verschlechtert werde. Und zudem würde doch der Verzicht auf Dietenbach im Umland ein Vielfaches an Flächenverbrauch und Pendelverkehr auslösen, so die Stadtverwaltung. Diese Grünwasch-Argumente machen einfach nur sprachlos. Tatsächlich wird der innerstädtische Verkehr mit 16.000 Neubürgern drastisch zunehmen, einige Naherholungsgebiete wie z. B. der angrenzende Mundenhof sind jetzt schon stark überlastet. Selbst wenn man großzügigerweise annimmt, dass durch Dietenbach unter dem Strich ein paar Pendelkilometer gespart werden, dürfte klar auf der Hand liegen, dass mit solchen Maßnahmen der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden kann.

Viel wurde in den letzten Jahren im Umland gebaut. Hier: Neubaugebiet in March (Foto: K. U. Müller).

Und was den Flächenverbrauch anbelangt, stellt sich die Frage, wo der ganze Aushub zur Aufschüttung auf dem Überschwemmungsgebiet herkommen soll, wenn nicht durch Bautätigkeiten aus dem Umland. Auch dort wurde den letzten Jahren enorm viel gebaut, z. B. in Niederrimsingen, March,  Kirchzarten oder Ebringen. Und ein Ende des Baubooms ist keineswegs absehbar. Dabei sei die Frage erlaubt: Warum wurde dann nicht von Freiburg ein Zeichen gegen den Flächenverbrauch gesetzt und auf die Bebauung Hinter den Gärten in Tiengen, der Eingemeindung im Umland, verzichtet?

Neubaugebiet in Ebringen: Viel Flächenversiegelung, wenig Grün, in schönster Weinberglandschaft (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/demo-gegen-baumfaellungen-haende-weg-vom-dietenbachwald–205490998.html

Auch hat Freiburg Lebenswert bereits mehrfach zum Thema berichtet.




FL vor Ort im Betzenhausener Obergrün

Freiburg erhielt die Auszeichnung „StadtGrün naturnah“ in Gold, wie die BZ am 6.10.2021 berichtete. Für Baubürgermeister Haag ist das eine verdiente Ehrung: „Freiburg tut viel, um städtisches Grün möglich zu machen“, zitiert ihn eine städtische Pressemitteilung und als Beispiel nannte er u. a. das „Urban Gardening“.

Für Freiburg Lebenswert steht diese Preisverleihung in krassem Widerspruch zur real existierenden Umweltpolitik der Stadt, die sich nicht scheut, riesige Grünflächen durch Bebauung zu versiegeln.

Am Samstag, den 2.10.2021, fand im Gewann Obergrün eine Ortsbegehung statt, zu der Freiburg Lebenswert eingeladen hatte. Cora und Kerstin Geigenbauer vom Verein „Bauernhoftiere für Stadtkinder e. V“ stellten bei einer naturkundlichen Führung die Arbeit des Vereins vor und zeigten die wertvollen Grünflächen mit ihrer biologischen Vielfalt. Für viele Kinder im Stadtteil ist hier auch ein Spielotop. Diese Grünflächen wurden vor längerer Zeit schon von der Bauwirtschaft und der Stadtverwaltung für ein neues Baugebiet ausgewählt, das seither zielstrebig vorangetrieben wird.

Freiburg tut viel, um naturnahes städtisches Grün möglich zu machen, so der Baubürgermeister. Doch im Obergrün wie auch an vielen Orten in Freiburg wird wertvoller Naturraum durch Bebauung vernichtet (Foto: K. U. Müller)

Die ursprüngliche Planung 2015 sah 20 Wohneinheiten vor. Daraus wurden in der Folge 35 und zuletzt 48 Einheiten. Durch diese aktuelle Planungsvariante wird der Kinderbauernhof eine starke Beeinträchtigung erfahren. Durch den Verzicht auf eine der geplanten Häuserreihen direkt neben dem Bauernhof wäre der Konflikt entschärft und den Betroffenen glaubhaft signalisiert worden, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Diesen Vorschlag einer geringeren Bebauung hat Einzelstadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert immer wieder ins Feld geführt, während die anderen Gemeinderatsfraktionen dies ablehnen und das Totschlagargument der Schaffung von Wohnraum bemühen, obwohl die Einwohnerzahl derzeit eher stagniert. Dabei verkennen die Baubefürworter auch völlig, dass sich durch die Brisanz der Klimakrise die Prioritäten beim Bemühen um Nachhaltigkeit verschoben haben. Die Aufgabe des Naturschutzes rangiert ganz oben, weil eine ausreichende Wohnraumversorgung auf einem unbewohnbar gewordenen Planeten Erde zur Absurdität wird.

Fazit: Viel Zerstörung für wenig – wenn überhaupt – bezahlbaren Wohnraum.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/widerstand-im-obergruen/




Nun aber los!

Deutschland hat gewählt, die Koalitionsverhandlungen sind in vollem Gange. Wer immer am Ende die Regierung bildet sieht sich einer Herkulesaufgabe gegenüber, die keinen Aufschub mehr duldet: Der Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel. Diplomatie, Zögern und Kompromisse, fast immer zugunsten der Wirtschaft, waren bisher ständige Begleiter einer halbherzigen bis hin zu vollkommen lustlosen Klimapolitik. Die verlorenen Jahre sind nicht wiedergutzumachen. Angela Merkel hinterlässt der Nachfolgeregierung eine riesige Bürde.

Sicher, Kompromisse werden auch in der neuen Regierung Teil des politischen Alltags sein. Dies darf jedoch in Zukunft nicht weiter dazu führen, dass man sich irgendwo in der Mitte zwischen (fast) keinem Klimaschutz und wenig Klimaschutz findet. Solche Kompromisse hat es leider in der Vergangenheit zuhauf gegeben mit dem Ergebnis, dass die Welt nun dem Abgrund entgegensieht. Möglicherweise ist die neue Regierung die letzte, die das Schlimmste überhaupt noch verhindern kann.

Bauen ist klimaschädlich, was von der Politik gerne unter den Teppich gekehrt wird (Foto: K. U. Müller).

Um die Mammutaufgabe zu stemmen, eine Industrienation wie Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, müsste endlich der Bevölkerung gegenüber klar kommuniziert werden, dass Klimaschutz nicht zum Nulltarif und nicht ohne Änderung eines gewohnten Lebensstils zu erreichen ist. Am Ende ist dies allerdings immer noch billiger und angenehmer als nichts zu tun. Auch die Politik muss sich neu erfinden: Sämtliche Maßnahmen müssen in Zukunft den Klimaschutz im Blick haben. Die bisherige Praxis, hier ein Schräubchen zugunsten des Klimas zu drehen, an anderen Stellen aber die Schleusen zu dessen Lasten zu öffnen, muss der Vergangenheit angehören. So ist es einigermaßen bizarr, dass im Verkehrssektor die Emissionen trotz weit verbesserter Technik gestiegen sind. Nicht weniger bizarr ist, dass es im Bausektor nach Ansicht vieler Politiker keine Änderungen geben soll und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum weiterhin mit dem altunbewährten Mittel des Bauens auf Teufel komm raus erzielt werden soll. Dabei müsste doch längst bekannt sein, dass Bauen extrem klimaschädlich ist: Allein bei der Zementherstellung, weltweit sind es gut vier Milliarden Tonnen im Jahr, entsteht viel Kohlendioxid: 2,8 Milliarden Tonnen, rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Von den weiteren Emissionen, dem gigantischen Flächenverbrauch und den Auswirkungen auf das Artensterben gar nicht erst zu reden.

Neubaugebiet Hornbühl-Ost (Foto: K. U. Müller).

Auch Freiburg wird sich nicht länger aus dieser Verantwortung stehlen können. Der Verkehr macht 20 % der CO2-Emissionen in Freiburg aus und ist „das Sorgenkind der Klimaschutzpolitik“, so Baubürgermeister Martin Haag. Leider ist der Einfluss begrenzt. Ohne Anstrengungen auf Bundesebene wird eine Verkehrswende nicht zu schaffen sein. Anders hingegen im Bausektor. Das Potenzial zur Einsparung von CO2 wird von der Stadt nicht erwähnt. Aus gutem Grund, stehen doch die geplanten Baugebiete wie Dietenbach, wo ganz nebenbei im Überschwemmungsgebiet gebaut werden soll, Obergrün, Kleineschholz, Metzgergrün oder die Zähringer Höhe, wo wertvoller Naturraum zerstört wird, um nur ein paar Beispiele zu nennen, diesen Herausforderungen diametral entgegen.

Nicht nur die neue Bundesregierung ist in der Pflicht. „Global denken, lokal handeln“ ist einer der Leitsprüche von Freiburg Lebenswert. Die Stadt sollte sich diesen Spruch ebenfalls zu eigen machen.

An Lippenbekenntnissen fehlt es nicht, an der Umsetzung hat es bisher stets gehapert. Für die neue Regierung, wie auch für Freiburg gilt: Nun aber los!

Das Langmattenwäldchen. Hier sollen für den neuen Stadtteil Dietenbach ca. 4 Hektar Wald abgeholzt werden (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/der-verkehr-verhagelt-freiburg-die-co2-bilanz–print




FL vor Ort im Obergrün am 2.10.2021 – Bauernhoftiere für Stadtkinder eV

Am Samstag, den 2.10.2021 findet in Betzenhausen im Obergrün eine Begehung vort Ort statt zum Thema: Naturnaher Park Obergrün – was würde für ein weiteres Neubaugebiet geopfert?

Die Initiatorinnen und Gestalterinnen Cora und Kerstin Geigenbauer werden in einer naturkundlichen Führung die Schutzfläche (Naherholungsgebiet, artenreicher Lebensraum, Naturerlebnisraum, Spielotop) und die Vereinsarbeit vorstellen. Beide sind durch aktuelle Baupläne gefährdet.

Die Begehung findet statt am 2.10.2021 ab 11:00 Uhr. Treffpunkt: Lichtenbergstraße 19, (Bank hinter der Anne-Frank-Schule, am Vereinsgelände).

Es gibt die Möglichkeit zum Gespräch und den Erhalt dieses für Freiburg einmaligen Kleinods zu unterstützen.

Alle Interessierte sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns über rege Teilnahme!




Anfrage zur Lärmproblematik Industriegebiet Nord/Fa. Cerdia

Zum Thema Lärmproblematik Industriegebiet FR-Nord, Firma. Cerdia hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 27. September 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Bürger aus Herdern und Zähringen sind an uns herangetreten, da von Ventilatoren/Kühlaggregaten (?) der Fa. Cerdia ausgehender Lärm ihnen nachts den Schlaf raubt bzw. sie ihre Fenster geschlossen halten müssen, um überhaupt schlafen zu können.    

Hierzu meine Fragen:

1. Ist diese Lärm-Problematik der Stadt bekannt?

2. Wenn ja, wird etwas unternommen, um dieses Problem zu lösen? Hat man z. B. Kontakt zur Fa. Cerdia aufgenommen, um gemeinsam an einem Lösungskonzept zu arbeiten? 

3. Können nachts Lärmmessungen in Herdern oder Zähringen bei den Betroffenen durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die Werte im jeweiligen Gebiet über den Grenzwerten liegen?

4. Wäre es nicht möglich, durch eine Lärmschutzwand oder Einhausung der Aggregate/Ventilatoren die Lärmbelastung zu reduzieren?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)




Trauer um unser Mitglied Helmut Stolz

Mit großer Trauer haben wir vom Tod unseres langjährigen Mitglieds Helmut Stolz am 5. September 2021 erfahren.

Wir verlieren in ihm einen sehr engagierten und aufrichtigen Mitstreiter und Ratgeber. Seine Geradlinigkeit und sein Eintreten für Dinge, die ihm wichtig und wert waren, haben uns stets beeindruckt. Er war ein wichtiger Unterstützer von Freiburg Lebenswert, seine besonnenen und klugen Beiträge werden uns sehr fehlen.

Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie. Auch wir sind dankbar für den Weg, den wir im Engagement für die Belange unserer Stadt mit ihm gehen durften. Wir werden ihn in besonderer Erinnerung behalten und sein Andenken ehren. 




Anfrage zur Lärmbelästigung am Seepark

Zum Thema Lärmbelästigung am Seepark/Elektrobeat-Picknick hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 15. September 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

viele Anwohner am Seepark sind die alltägliche Lärmbelastung mit nächtlichen Ruhestörungen leid. Nun kam noch hinzu, dass seitens der Stadt am Wochenende vom 13. bis zum 15.8.21 ein „Elektrobeat-Picknick (Sunset Vibes)“ genehmigt worden war, so dass den Bürgern zusätzlich sechs Stunden lang eine ununterbrochene ohrenbetäubende Dauerbeschallung zugemutet wurde.  Die Anwohner beklagen, dass sich der Aufenthalt im Freien zur unerträglichen Dauerbelastung mit physischem und psychischem Stress entwickelte, was eine große Gefahr gesundheitlicher Schäden in sich birgt. Messungen ergaben, dass der Lärmpegel weit über den erlaubten Werten lag.

Zahlreiche Anrufe wegen Ruhestörung bei der Polizei wurden nur achselzuckend mit Hinweis auf die städtische Genehmigung beantwortet und man auch keine Möglichkeiten habe, den Lärmpegel zu messen.

Allgemein wird moniert, dass eine solche Veranstaltung eine Zumutung für die nach einer arbeitsreichen Woche Ruhe suchenden Anwohner ist, deren Bedürfnisse die Stadt nicht im Blick habe. Hier sei ein allgemeines Wohngebiet missbraucht, ein ganzer Stadtteil extrem belastet worden zugunsten eines kommerziellen Groß-Events zur Bespaßung von einigen 100 Teilnehmern. Der Entscheid, laute Veranstaltungen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten zu genehmigen, ist im Ansatz schon widersinnig und nicht mit der Fürsorgepflicht einer Stadtverwaltung vereinbar, zumal sie damit die Polizei in ihren Möglichkeiten zum Eingreifen behindert.

Inzwischen ist die Verärgerung, man muss schon sagen Verzweiflung der Anwohner so groß, dass sich immer mehr mit dem Gedanken tragen, vom Seepark wegzuziehen, wie vom Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde und von der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine berichtet wird.

Hierzu folgende Fragen:

1. Vor dem Hintergrund, dass uns allen die Lärmbelästigungen am Seepark bekannt und auch vielen ein Dorn im Auge sind, stellt sich die Frage, wieso die Stadt eine Genehmigung für ein solches Großevent erteilt und somit die Bürger im Mooswald einer zusätzlichen Lärmquelle ausgesetzt hat?

2. Sind weitere Veranstaltungen dieser Art im Seepark geplant?

3. Falls ja, wird die Stadt diese genehmigen oder wurden bereits Genehmigungen erteilt?

4. Wäre es nicht sinnvoller, Großveranstaltungen nur außerhalb von Wohngebieten zuzulassen?

5. Wie steht die Stadt zu der Aussage, sie habe die Bedürfnisse der Bürger nicht im Blick? Macht das nicht betroffen?

6. Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um die Bürger endlich vor den Lärmbelästigungen zu schützen?

7. Wurden während solcher Großveranstaltungen schon mal die Lärmpegel bei den Anwohnern gemessen?  Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie hoch waren die Werte?

Freiburg Lebenswert schließt sich der Meinung der Freien Wähler an, dass die Stellenkürzungen beim Vollzugsdienst zu Lasten eines großen Teils der Freiburger Bürgerschaft beschlossen wurden, nämlich zu Lasten von Anwohnern, die das Pech haben, dass sich in der Nachbarschaft zu ihren Wohnungen nächtliche Treffpunkte gebildet haben. Unter den gegebenen Umständen halten wir es für angebracht, dass fürTreffpunkte in der Nähe von Wohngebieten zumindest eine klare zeitliche Beschränkung insbesondere „musikalischer Darbietungen“ eingeführt wird, um einen Anreiz zur Auflösung der Besuchermassen zu geben. Wir denken da an ein Musikverbot an Freitag- und Samstagabenden ab 24 h und an allen anderen Tagen ab 22 h. Bei Zuwiderhandlungen sollte man auch die Beschlagnahme entsprechender Lärmquellen durch den VD bzw. die Polizei erwägen.

8. Was hält man in der Verwaltung von einer solchen klaren zeitlichen Beschränkung mit entsprechender rigoroser Umsetzung?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)




Nein zur B 31 West

Freiburg Lebenswert (FL) schließt sich den Gegnern der B31 West vollumfänglich an und plädiert für eine Null-Variante plus. Diese beinhaltet die Ablehnung der B31 West-Trasse. Als „plus“ werden aber Verbesserungen angeboten, wie z. B. ein teilweiser Ausbau der alten B31, eine kleine Umfahrung Ihringens durch den Ausbau weitgehend schon vorhandener Straßen  oder der Ersatz der zeitfressenden Ampelanlagen bei der Autobahnausfahrt Hausen durch leistungsfähige Kreisel.

Zunächst als Hintergrundinformation: Die ursprüngliche B31 kommt vom Bodensee und führt durchs Dreisamtal bis zur Stadtmitte Freiburgs. Ab da verläuft sie parallel zur B3 bis St. Georgen und ab St. Georgen bis zum Zubringer Freiburg-Süd wieder als B31. Ihr Verlauf ist dann über die A5 bis Hausen, von wo aus sie wieder bis Breisach als B31 firmiert. Mit dem Bau des Zubringer Mitte wurde eine neue B31 a geschaffen, die inzwischen bis Gottenheim verlängert wurde und dort in einem Brückentorso endet. Diese B31 a soll nun als B31 West von Gottenheim bis Breisach mit einer neuen Trasse versehen werden.

An dieser Brücke endet die B31 a (Foto: K. U. Müller).

Damit würden zwei parallele Bundestraßen mit dem Namen B31 von Freiburg nach Breisach führen. Freiburg Lebenswert hält dies angesichts der bereits vorhandenen B31-Führung über die A5 für einen Schildbürgerstreich, zumal mit der neuen Trasse kaum Zeitgewinn verbunden wäre.

Dazu FL-Stadtrat Wolf-Dieter Winkler: „Diese neue Trasse ist für die Region völlig unnötig, würde aber große landwirtschaftliche Flächen vernichten und Naturräume zwischen dem Tuniberg und dem Kaiserstuhl zerschneiden. So würde beispielsweise das Naherholungsgebiet mit dem Gottenheimer Riedweiher massiv beeinträchtigt.“

Der Klimawandel mit spürbaren Folgen wie Dürren und Waldbrände auf der einen und Hochwasserzerstörungen auf der anderen Seite, der ungezügelte Flächenverbrauch, der Naturräume zerstört und das Artensterben befeuert, fordert ein Umdenken in eine zukunftsgewandte Verkehrspolitik. So versucht der Freiburger Gemeinderat unter Einsatz enormer finanzieller Mittel das Auto zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs und des Fahrrades zurückzudrängen. All diese Anstrengungen sollen nun durch den Bau einer neuen Straßentrasse konterkariert werden.

Die Frage, wie viele neue Fernstraßen nicht nur die Region, sondern ganz Deutschland noch braucht, ist schnell beantwortet: Keine. FL lehnt daher den Bau dieser Straße ab und fordert die Verantwortlichen auf, von einer solch antiquierten Verkehrspolitik Abstand zu nehmen und Lösungen zu finden, die einer Verkehrswende nicht entgegenstehen. Dabei sei an den Satz von Daniel Goeudevert, einem ehemaligen Vorstandsmitglied des Volkswagen-Konzerns, erinnert: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“




IAA – FL unterstützt Kritik

Am Dienstag hat unsere Autokanzlerin Angela Merkel wieder mal eine IAA eröffnet. Diesmal allerdings mit neuem Konzept und an neuem Ort. Sie ist nicht mehr nur Automesse, sondern „IAA Mobility“ und findet nicht mehr in Frankfurt, sondern in München statt. Nicht mehr nur Autohersteller und deren Zulieferindustrie stellen aus, sondern auch z. B. 70 Fahrradhersteller, wie die Badische Zeitung in ihrer Berichterstattung zum Thema meldete. Hat also die Autoindustrie die Zeichen der Klimawandel-Zeit frühzeitig erkannt und sich vom Saulus zum Paulus gemausert?

Greenpeace ist skeptisch und hält das neue Klimakonzept für ein „Schauspiel“; hinter den Kulissen finde man „dasselbe schmutzige Geschäft“.

Was konnte man in dieser Hinsicht der Eröffnungsrede der Kanzlerin entnehmen? Bekenntnisse auf dem Weg zur Klimaneutralität, aber gleichzeitig die Mahnung, den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht zu gefährden.

Das Bündnis „Aussteigen“ plant diverse Maßnahmen, um Druck zu erzeugen, damit diese Schlüsselbranche der deutschen Industrie schneller umstrukturiert.

Diese Politik auf der Straße wurde vom bayerischen Innenminister schon im Vorfeld mit Warnungen vor Gewalt diskreditiert. Klima-Aktivisten haben allerdings klar betont, dass von ihnen keine Gewalt ausgehen werde. FL verurteilt diese Kriminalisierungsversuche und unterstützt das Bündnis der Zivilgesellschaft bei ihren Bemühungen, die Klimaschutzpolitik zu stärken, denn auch in Freiburg besteht großer Handlungsbedarf im Verkehrssektor. Sollte die Autobranche tatsächlich einen Umschwung hinbekommen, dann könnten sich die Entscheidungsträger der Freiburger Kommunalpolitik einer echten Verkehrswende auch nicht mehr verschließen. Nicht mehr nur aufs Auto setzten, mehr Flächengerechtigkeit wäre ein schöner Kollateralnutzen. Städte wie Paris, Kopenhagen oder Utrecht machen dies bereits vor.




Wenn der Abrissbagger kommt…

Das denkmalgeschützte historische Ratsstüble war angeblich nicht mehr zu retten und wurde 2016 abgerissen (Foto: K. U. Müller).

Wenn historische Gebäude abgerissen werden, ist die Bestürzung in der Öffentlichkeit oft groß. In Freiburg passiert dies wahrlich nicht selten. So wurden in der Nachkriegszeit und leider verstärkt in den letzten Jahren etliche stadtbildprägende Gebäude zum Abriss freigegeben. Häufig geht es um Gebäude, die nicht dem Denkmalschutz unterliegen, aber dennoch Charme, Identität und Geschichte eines Quartiers repräsentieren und daher schützenswert sind. Doch auch der Denkmalschutz kann den Abriss historischer Gebäude keineswegs zuverlässig verhindern. Zu einfach sind die Möglichkeiten, diesen auszuhebeln, zu gering das Interesse bei den Verantwortlichen der Stadt Freiburg, Kulturdenkmale zu erhalten. In aller Regel werden die abgerissenen Gebäude dann durch fade und einfallslose Neubaukuben ersetzt. Ein Straßenzug kann auf diese Weise komplett entwertet werden, unsere Städte – leider auch Freiburg – werden immer gesichtsloser.

Lorettostraße 14. Trotz historischem Wert 2018 abgerissen (Foto: K. U. Müller).

Dass dabei nicht einmal vor baulich intakten Vierteln Halt gemacht wird, ist besonders bedauerlich. So musste der Stadtteil Wiehre in den letzten Jahren den Verlust etlicher historischer Gebäude beklagen, von Juli 2017 bis Juli 2018 wurden sogar sage und schreibe fünf (!) Altbauten dem Erdboden gleichgemacht. Dass dies dem Stadtteil enorm geschadet hat, liegt auf der Hand. Andere Stadtteile wie z. B. Herdern oder Waldsee können ebenfalls ein Lied davon singen.

Die Bußstraße in der Oberwiehre mit intaktem Altbaubestand – unbedingt schützenswert (Foto: K. U. Müller).

Ließ man bei der Stadt Freiburg achselzuckend Bauträger und abrisswillige Eigentümer gewähren, keimt nun doch wenigstens ein Mindestmaß an Hoffnung auf. So hat der Gemeinderat im Jahr 2018 städtebauliche Erhaltungssatzungen beschlossen, mit denen die Stadtteile Waldsee, Herdern, Wiehre, Stühlinger und Brühl, die eine hohe Dichte alter Bauten aufweisen, gegen die Gefahren des hohen Abriss- und Neubaudrucks in der Stadt geschützt werden sollen. Freiburg Lebenswert war damals Initiator und konnte mit viel Überzeugungsarbeit die Mehrheit im Gemeinderat von der Notwendigkeit solcher Satzungen überzeugen.

Habsburger Straße 91. Das seltene frühgründerzeitliche Gebäude ist wohl bald Geschichte – leider im doppelten Wortsinne (Foto: K. U. Müller).

Seit zwei Jahren arbeitet das Projekt „Rettung von Kulturdenkmalen“ im Rahmen der Arge Freiburger Stadtbild an der Erstellung einer Datenbank mit schützenswerten und gleichzeitig gefährdeten Gebäuden. Rund 70 Datensätze sind in bislang in der Datenbank zusammengefasst, weitere sollen dazukommen (die BZ berichtete am 9.8.2021). Dabei enthält jeder Eintrag Fotos und Lageplan des jeweiligen Gebäudes sowie eine Beschreibung, was bei einem Abriss verloren ginge. Leider steht die Zukunft des Projekts in den Sternen, denn dessen Förderung läuft nun aus.

Bleibt zu hoffen, dass das Projekt erfolgreich weitergeführt werden kann. Die Liste bereits abgerissener Gebäude ist wahrlich lang: Ratsstüble, Villa in der Winterer Straße 28, Erwinstraße oder Lorettostraße 14, eines der letzten Häuser des alten Adelhausen. Akut abbruchgefährdet ist das Haus Habsburger Straße 91, eines der wenigen verbliebenen frühgründerzeitlichen Gebäude – die Liste ließe sich problemlos verlängern.

Diese wiehretypische Hinterhofwerkstatt wurde durch einen faden und austauschbaren Neubau ersetzt (Foto: K. U. Müller).

Freiburg Lebenswert setzt sich stets für den Erhalt historischer Gebäude und damit auch für das Stadtbild ein. Wir dürfen die Entscheidung, wie die Stadt aussehen und wie mit unserer Geschichte umgegangen werden soll, nicht allein den Bauträgern überlassen. Wir alle haben eine Verantwortung unseren Kulturgütern gegenüber. Hoffen wir, dass die Stadt sich endlich dieser Verantwortung bewusst wird!

Abriss eines nicht denkmalgeschützten Altbaus 2017 in der Erzherzogstraße. Der Neubau wirkt wie ein Fremdkörper in der Umgebung (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/entsetzen-ueber-abriss-einer-villa-in-der-wiehre/

https://freiburg-lebenswert.de/liste-denkmalgeschuetzter-gebaeude/

https://freiburg-lebenswert.de/denkmalschutz-statt-geschichtsvergessener-funktionsarchitektur/

https://freiburg-lebenswert.de/das-gesicht-der-wiehre-wahren/