Unterstützung des Bürgerentscheids

Pressemitteilung vom 10. September 2018

Die parteiunabhängige und basisdemokratische Wählervereinigung Freiburg Lebenswert (FL) unterstützt das Bürgerbegehren, das zum Ziel hat, bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit herbeizuführen, um den am 24.7.2018 gefassten Gemeinderatsbeschluss zum geplanten Stadtteil im Dietenbach aufzuheben. Das Bürgerbegehren wird derzeit von einem breit aufgestellten „RegioBündnis Pro Landwirtschaft, Natur & ökosoziales Wohnen“ vorbereitet.

Mitglieder dieses Bündnisses sind: AbL Arbeitsgem. bäuerliche Landwirtschaft B-W. e.V., AGUS Arbeitsgem. Umweltschutz Markgräflerland eV, AK Wasser im BBU e.V., Antiatomgruppe Freiburg, BLHV OV Freiburg-St. Georgen, BLHV OV Freiburg-Tuniberg, BUND OV Freiburg, BI Pro Landwirtschaft und Wald in Freiburg-Dietenbach & Regio, ECOtrinova e.V., GartenLeben Freiburg, Klimabündnis Freiburg, Lernort Kunzenhof e.V., NABU Freiburg e.V., NABU Gruppe Dreisamtal e.V., Plan B e.V., Manfred Kröber und weitere Privatpersonen.

Schon allein aufgrund seines basisdemokratischen Selbstverständnisses, seiner programmatischen Forderungen nach Bürgerbeteiligung und aufgrund seines grundsätzlichen Eintretens für direkte Demokratie, unterstützt FL einen Bürgerentscheid zum Thema Dietenbach.

Die Argumente und Bedenken, die gegen den geplanten Stadtteil auf dem Dietenbachgelände sprechen, sind bekannt: Es sind dies z. B. die angestrebten Enteignungen der Landwirte, deren Existenz dadurch bedroht wird, die erheblichen Eingriffe in Natur und Ökologie, das Zubauen der zentralen Luftschneise mit Auswirkungen auf das Freiburger Klima und manches mehr. Vor allem aber ist das Argument hervorzuheben, dass angesichts der enormen Kosten durch die erforderlichen Aufschüttung des gesamten Geländes (um bis zu 3 m Erdreich!) wegen Hochwassergefahr, der Verlegung der Hochspannungsleitungen oder durch die (6 m hohen!) Schallschutzmauern zur geplanten Autobahn (die quer durch Freiburg führen wird und schon jetzt die Randbebauung des Rieselfeldes beschallt), kaum „bezahlbarer Wohnraum“ auf dem Gelände entstehen kann.

Das Dietenbachgelände wird durch die erforderlichen Maßnahmen VIEL ZU TEUER werden, um den benötigten, sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ zu ermöglichen. FL ist für bezahlbaren Wohnraum, aber es ist ein Irrglaube, dass durch die Bebauung von Dietenbach mehr „bezahlbarer Wohnraum“ entstehen würde. Die Gemeindeträte der Fraktion FL/FF waren die einzigen, die auf die Missstände aufmerksam gemacht hatten und sich aus diesen Gründen in der Gemeinderatssitzung am 24.7.2018 gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen hatten.

Siehe dazu auch: https://freiburg-lebenswert.de/dietenbach-wird-den-zuzug-nach-freiburg-noch-verstaerken/ sowie: https://freiburg-lebenswert.de/gruene-enteignung-statt-erhalt-der-oekologie/ und https://freiburg-lebenswert.de/quo-vadis-freiburg/.

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Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de
www.freiburg-lebenswert.de




Aktionsbündnis will Bürgerentscheid zu Dietenbach

Am gestrigen Montag, dem 9. September 2018 veranstaltete das „Aktionsbündnis rettet Dietenbach“ eine Pressekonferenz,  in der sie begründete, warum sie einen Bürgerentscheid zu der Frage anstrebt: „Soll das Dietenbachgebiet unbebaut bleiben?“ Ulrich Glaubitz, sprach für den Verein „Mehr Demokratie!“, der sich an dem Bündnis beteiligt, und betonte, dass der Bürgerentscheid – im Gegensatz zu den vielen anderen Formen der „Bürgerbeteiligung“ – ein verbindliches Instrument der Demokratie ist.

Das Bündnis sei sehr zuversichtlich, die mindestens rund 12.000 Original-Unterschriften bis zum 26. Oktober 2018 zusammen zu bekommen, um ein Bürgerbegehren. Die drei verantwortlichen Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens gemäß § 21 (§) der baden-württembergischen Gemeindeordnung sind Manfred Kröber (Mitglied der „Grünen“ und OB-Kandidat im 1. Wahlgang), Ralf Schmidt (vom RegioBündnis in dem eine Vielzahl von Organisationen und Vereine organisiert sind) und Ulrich Glaubitz (örtlicher Vorsitzender des Vereins „Mehr Demokratie“).

Freiburg Lebenswert (FL) ist nicht Teil des Bündnisses, unterstützt aber grundsätzlich das Bürgerbegehren und den Bürgerentscheid zum Thema Dietenbach. Siehe dazu die Presseerklärung von FL.

Pressekonferenz der „Aktion Bürgerentscheid Rettet Dietenbach“ am 10.09.2018 (Foto: M. Managò)

Stichwortartig zählte Manfred Kröber die Nachteile auf, die aus Sicht des Bündnisses gegen die Bebauung des Dietenbachgeländes sprechen:

  • Das Verschwinden des ökologisch wichtigen Lebensraums und des grünen Naherholungsgebieten bei viel zu wenig Ausgleichsflächen,
  • das Verdrängen der regionalen Landwirtschaft, die regionale Lebensmittel erzeugt,
  • das Zubauen der Frischluftschneise, die im Fünffingerplan ausgewiesen ist sowie
  • die gestiegenen Baukosten, die kaum bezahlbaren Wohnraum und auch nicht die geforderten 50% ermöglichen werden.

Mehr Infos zum Aktionsbündnis sowie praktische Informationen zum Bürgerbegehren (so z.B. auch das Unterschriften-Blatt zum Herunterladen) findet man unter: http://www.rettet-dietenbach.de

Siehe auch: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/das-buergerbegehren-ist-gestartet

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)

 

 




„Dem Flächenverbrauch Einhalt gebieten“!

Jeden Tag geht in Deutschland eine Fläche von rund 85 Fußballfeldern verloren. Viel zu viel, kritisieren Experten, denn der Boden übernimmt wichtige ökologische Funktionen. Ein sehr sehenswerter Beitrag des ARD-Magazins „Report Mainz“ greift das Thema Flächenverbrauch in Deutschland auf und zeigt, was systembedingt im Argen liegt und wo die Versäumnisse ihren Ursprung haben. Experten kritisieren, wie die Gemeinden (als letztes Glied der Verwaltungskette) – in ihren Augen – verantwortungslos mit den letzten grünen Flächen auf ihren Gemarkungen umgehen, und sie beklagen eine fehlende Bereitschaft der Landes- und Bundespolitik, den enormen Flächenverbrauch zu stoppen.

Prof. Manfred Niekisch, Experte für internationalen Naturschutz und vom Bundeskabinett in den Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berufen, nimmt in der Sendung zum Flächenfraß in Deutschland eindeutig Stellung: „Das Thema Boden ist ein sehr schwieriges. Da sind nämlich zu Viele zuständig, dass sich am Ende keiner richtig zuständig fühlt. Deshalb greift auch niemand steuernd ein, sondern es sind letztendlich die ganz unten in der Hierarchie der Bodenverteilung stehen, die entscheiden, was in ihrem Ort passiert oder nicht passiert. Da brauchen wir eine sehr viel bessere Planung. (…) Man kann ganz klar sagen, dass das Thema Boden von der Bundesregierung und den zuständigen Resorts sehr stark vernachlässigt wird. Die Bundesregierung muss dringend handeln, um dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten.“

Siehe: https://www.ardmediathek.de/tv/REPORT-MAINZ/Deutschland-wird-f%C3%BCr-Gewerbegebiete-zube/Das-Erste/Video?bcastId=310120&documentId=55750836 (04.09.2018, 7 Min., Quelle: SWR).

Das Thema Dietenbach zeigt, dass dies auch in Freiburg der Fall ist: Die Argumente und Bedenken, die gegen den geplanten Stadtteil auf dem Dietenbachgelände sprechen, sind seit Langem bekannt: Es sind dies z. B. die angestrebten Enteignungen der Landwirte, deren Existenz dadurch bedroht wird, die erheblichen Eingriffe in Natur und Ökologie, das Versiegeln und Zubauen der zentralen Luftschneise mit Auswirkungen auf das Freiburger Klima und manches mehr. Vor allem aber ist das Argument hervorzuheben, dass angesichts der enormen Kosten durch die erforderlichen Aufschüttung des gesamten Geländes (um bis zu 3 m Erdreich!) wegen Hochwassergefahr, der Verlegung der Hochspannungsleitungen oder durch die (6 m hohen!) Schallschutzmauern zur geplanten Autobahn (die quer durch Freiburg führen wird und schon jetzt die Randbebauung des Rieselfeldes beschallt), KEIN „bezahlbarer Wohnraum“ auf dem Gelände entstehen kann.

Das Dietenbachgelände wird durch die erforderlichen Maßnahmen VIEL ZU TEUER werden, um den benötigten, sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ zu ermöglichen. Auch Freiburg Lebenswert (FL) ist für bezahlbaren Wohnraum, aber es ist ein Irrglaube, dass durch die Bebauung von Dietenbach mehr „bezahlbarer Wohnraum“ entstehen würde. Die Gemeindeträte der Fraktion FL/FF waren die einzigen, die auf die Missstände aufmerksam gemacht haben und sich aus diesen Gründen in der Gemeinderatssitzung am 24.7.2018 gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen haben.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)




„Preistreiber und Profiteure“

So lautet die Überschrift über einem ganzseitigen Artikel in der Badischen Zeitung (BZ, Magazin, Sa. 08.09.2018) von deren Herausgeber Thomas Hauser. Er bezeichnet darin den Immobilienmarkt als „fehleranfällig“, der sich selbst „als Teil der Lösung gibt, aber auch Teil des Problems ist“. Und er schreibt den vernichtenden Satz: „Die Formel „bauen, bauen, bauen“ führt zu steigenden Baupreisen, weil Handwerker rar und damit teuer werden. Auch Grundstücke werden teurer. “ Worüber Freiburg Lebenswert (FL) seit seiner Gründung spricht, ist offensichtlich nun bei denen angekommen, die darüber immer nur gelächelt haben.

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden (Foto: U. Glaubitz)

Hauser bezeichnet auch den Staat als „Profiteur und Preistreiber“, der mit Bürokratie, Grunderwerbsteuer und als Immobilienverkäufer Profiteur der Preisentwicklung wird. „Kommunale Baugesellschaften wurden zu Profit-Centern umgewidmet, wenn sie denn nicht ebenfalls an Privatinvestoren verkauft wurden.“ Er schreibt in der BZ, als hätte er im Programm von FL abgeschrieben und fordert nun, die Kommunen sollten „zu einer aktiven Grundstückspolitik zurückkehren. Das kostet zwar Geld, bringt sie aber in der Lage, Bauvorhaben zu steuern. Ziel muss es sein, nicht den potentesten Käufern mit den höchsten Renditeerwartungen den Zuschlag zu geben, sondern Genossenschaften, kommunale Bauträgern oder ortsansässigen Familien.“

Und außerdem liest man von ihm: „Es gibt zwar ein Recht auf Wohnen, aber es gibt kein Recht auf 40 qm pro Person in großzügig geschnittenen, modern ausgestatteten Räumen mit großem Südbalkon in der Nähe öffentlicher Verkehrsmittel mit guter Versorgung, aber gleichwohl ruhig – und das für vier Euro pro Quadratmeter.“ Man könnte/sollte ergänzen: Auch nicht jeder, der seinen Lebensabend in Freiburg verbringen möchte, muss sich hier eine Luxuswohnung kaufen können und hier leben, nur weil es vielleicht etwas wärmer ist, als in Hamburg oder Hannover. Denn, so schreibt Hauser: „Ohne Bauen wird es nicht gehen, aber das muss bedarfsgerechter geschehen.“ Sprich: Bezahlbarer Wohnraum, z.B. für Freiburger Familien.

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/die-immobilienwirtschaft-ist-zu-einer-grossen-umverteilungsmaschine-geworden

Bauwahn: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)

Auch andere Medien, die durchaus nicht im Verdacht stehen sozialistische Propaganda zu betreiben, schreiben inzwischen über das Thema „Mietpreisexplosion“. So z.B. das Handelsblatt, das in einem lesenswerter Artikel feststellt: „Der stark gestiegene Preis des Wohnens in Deutschland ist zu einem heißen politischen Thema geworden. Fast alle Parteien wollen etwas für bezahlbaren Wohnraum tun, vermitteln aber den Eindruck von Ratlosigkeit.“

Siehe: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohnungsbau-wie-sich-die-mietpreisexplosion-bremsen-laesst/22949892.html?ticket=ST-3748229-HJzPLisb7Ql2z31Ul0Ud-ap1

Dies alles sind Dinge, die FL immer wieder angesprochen hat und dafür – auch von der BZ, der Salomon-Administration und der sie unterstützenden Koalition aus „Grünen“ und CDU – immer wieder gescholten wurde. Dass nun die Einsicht eingetreten ist, dass das, was FL gesagt hat, so falsch nicht war, bestätigt uns in unserem Bemühen, mit stetem Tropfen, den Stein der Erkenntnis weiter zu höhlen. Eines Tages wird man auch in Bezug auf die Bebauung des Dietenbach-Geländes und des Wolfswinkels auch zu der Einsicht kommen, dass die am 24.07.2018 im Gemeinderat eingeschlagene Politik in die falsche Richtung führt.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.




Hässlich wohnen

„Wie wirkt es sich auf die Laune der Menschen aus, wenn Wohnraum immer knapper, teurer – und hässlicher wird?“ so der Untertitel einer Kolumne der Schriftstellerin und Dramaturgin Sibylle Berg, die am 1. September 2018 bei SPIEGEL Online veröffentlicht wurde. Die Presse scheint die Hässlichkeit und Durchschnittlichkeit moderner Architektur in unseren Städten entdeckt zu haben, denn immer mehr Autoren kommen zu Wort und beschäftigen sich damit, was viele Bürger in unseren Städten schon lange stört.

So schreibt Sibylle Berg bei SPIEGEL Online: „Der Mensch formt seine Umgebung, die Umgebung formt den Menschen. Meist ein Perpetuum des Grauens. Oft demonstrieren Gebäude klischeeverstärkende Realität: die Eleganz vieler italienischer Menschen, die solide quadratische Durchschnittlichkeit in Deutschland und der Schweiz. (…) Doch meist sieht man die Mehrzahl der Gebäude, die heute entstehen, der Effektivität und den größtmöglichen Gewinnaussichten für die Bauherren folgen.“

Und sie beklagt die Unehrlichkeit von angeblichem Umweltbewusstsein bei den Bauvorschriften: „Natürlich irgendwie ökologisch, aber nicht zu sehr, nicht so sehr, dass man hängende Gärten errichten wollte. Man polstert einfach viereckige Kästen gut ab. Setzt luftdichte Fenster in die Boxen ein, nicht zu groß, wegen des Energieverlusts.“

Die Autorin benennt auch das soziale Problem, das dahinter steckt: „Die Gebäude, die meisten, die heute entstehen, sind zweckdienliche Zweckbauten, dem Zweck der Unterbringung von Konsumenten geschuldet, und formen den Menschen der Jetztzeit, der kontaktgestört durch ein Leben eiert, in dem Überleben das höchste Gut ist, Mittelmaß der Status quo, denn alles, was aus dieser Mitte ragt, wird vom Schnitter erwischt. Die neuen, in jeder Hinsicht effizienten Menschenverwahrungsboxen sind Ausdruck einer an Verachtung grenzenden Lieblosigkeit. Was gibt es für ein Land praktischeres als saubere, gut verstaute, mittelmäßige Menschen, die Angst vor dem Verlust ihrer Fußbodenheizung haben, und keine Vision davon, was Schönheit sein könnte…“

Harte Worte sind das! Vielleicht zu hart?

Sie machen jedenfalls deutlich, woran es heute in der Stadtplanung fehlt: Für die Menschen lebenswert zu planen und zu bauen, mit Sinn für die Schönheit in den Städten. Jeder möchte gerne in einem Altbau wohnen oder in kleinen, individuellen (Reihen-)Häusern mit einem Dach und etwas Garten und Grün drum herum. Doch Architekten meinen heute, nur graue oder weiße Schuhschachteln entwerfen zu müssen – was den Bauträgern entgegen kommt, da dies einfach und billig ist, aber gewinnbringend teuer verkauft werden kann.

Siehe: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/wohnen-moderne-wohnarchitektur-macht-auch-nicht-gluecklich-a-1225083.html#ref=rss

Sibylle Berg (geboren 1962 in Weimar) ist eine bekannte deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin. Sie schrieb bereits zahlreiche Romane, Essays, Kurzprosa, Theaterstücke, Reisereportagen, Künstlerporträts, Glossen und Hörspiele und ist auch als Kolumnistin tätig. Sie gehört zu den Unterstützern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union und hat einen Lehrauftrag an der Zürcher Hochschule der Künste. Siehe auch: https://www.sibylleberg.com/de/es

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt bald das Münster (Foto: U. Glaubitz)

Austauschbare Baukisten, hier z.B. in der Baslerstraße (Foto: K. U. Müller)




Für oder gegen den Erhalt der Natur?

Lesenswert ist der folgende Leserbrief, der am 15. August 2018 in der Badischen Zeitung (BZ) erschienen ist. In ihm bedankt sich die Autorin ausdrücklich für die eindeutige Haltung von FL/FF im Gemeinderat. Deren Stadträte hatten sich als einzige gegen Zerstörung der letzten landwirschaftlichen Flächen im Dietenbach ausgesprochen. Angelika Sesuan, im Beruf als Sozialarbeiterin bei der Stadt angestellt, schreibt in der BZ:

„Ja zu 6000 Wohnungen“: Unter dieser Überschrift betitelte die BZ die gefallene Entscheidung des Gemeinderats für die Bebauung des Dietenbachgeländes, obwohl in acht Jahren vermutlich gar keine neuen Geschosswohnungen mehr benötigt werden.

Denn werden die in der städtischen Statistik doppelten Anmeldungen von Studentinnen und Studenten und die abklingende Anzahl von Geflüchteten herausgerechnet, benötigt Freiburg laut Empirica-Gutachten (Anlage zum TOP 7 zur Vorlage GT15-024 des Ratsinfosystems, Tab. 34, Mai 2015, online nachzulesen) ab 2021 deutlich weniger neue Geschosswohnungen als prognostiziert und ab 2026 gar keine mehr und nur noch 900 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Hinzu kommt, dass der Wohnbedarf, statt wie der Entscheidung zugrunde gelegt, nicht ansteigt, sondern in Freiburg trotz vieler Wohnungssuchender leicht absinkt – so geschehen von 2011 auf 2017 um ein Quadratmeter auf nur noch 37,2 Quadratmeter, was etwa 2500 Wohnungen á 90 Quadratmeter entspricht.

Ich behaupte nicht, dass wir bis dahin nicht mehr Wohnraum als heute benötigen, zumal der Zuzug von EU-Bürgerinnen und -Bürgern möglicherweise noch zunimmt und keiner weiß, wie sich der Flüchtlingszuzug entwickelt. Die Zunahme scheint mir jedoch, auch schon der Alterspyramide wegen, weit kleiner als man uns suggeriert und kann langfristig sicherlich preiswerter geschehen – durch Ausbau der städtischen Innenentwicklung, indem zum Beispiel Geschosse aufgesetzt (statt zweigeschossige Baumärkte auf der Haid zugelassen) oder vorhandene Parkflächen überbaut werden. Ich bin nicht einverstanden, wenn die Freiburger Klimaziele und unsere Steuergelder hochpreisigen Bauvorhaben geopfert werden, deren Grundstücke zu allem Überfluss noch um drei Meter aufgeschüttet werden müssen, da sonst Überflutung droht.

Wir haben bei vielen unserer Entscheidungen als Menschen die Wahl: ob wir uns für oder gegen die Erhaltung der Natur positionieren. Manchmal scheint es auf den ersten Blick nötig zu sein, diese zu bebauen – im Fall des Dietenbachgeländes scheint mir dieses weder nötig noch sinnvoll und angemessen.

Nicht nur wegen der uns ernährenden landwirtschaftlichen Flächen und wichtigen Habitate für Greif- und andere Vögel, sondern auch für das Wohl der uns nachfolgenden Generationen plädiere ich sehr dafür, diese in Zeiten der Klimaveränderung so wichtige kühlende Schneise nicht zu bebauen!

Auch ohne FL/FF-Wählerin zu sein, danke ich den Stadträten dieser Partei für ihre vier Gegenstimmen.

Angelika Sesuan, Freiburg

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/ich-bin-nicht-einverstanden-wenn-klimaziele-und-steuergelder-hochpreisigen-bauvorhaben-geopfert-werd–155775097.html

Dass sich ausgerechnet die Grünen in Freiburg für die Versiegelung, Bebauung und Zerstörung der ökologisch wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und für ein „Bauen auf Teufel komm raus“ samt Enteignung der Bauern im Dietenbach einsetze, das stößt mittlerweile auch bei deren treuer Wählerschaft übel auf.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)

Einige der betroffenen Landwirte im Dietenbach (Foto: M. Falkner)




Moderne Architektur, die nicht gut tut

„Gebaute Umwelt beeinflusst die Stimmung. Nicht immer zum Besseren, wenn es sich dabei um moderne Architektur handelt. Psychologen können diese Effekte messen und belegen. Architekten interessiert das anscheinend nicht. Der Weg hin zu einer menschenzentrierten Baukunst ist noch weit.“ So ist es in der „Immobilien-Zeitung, der Fachzeitschrift für die Immobilienwirtschaft“, unter der Überschrift „Diese Architektur tut nicht gut“ nachzulesen. Was viele von uns schon lange wissen, wurde mittlerweile in einer Vielzahl von wissenschaftlichen, psychologischen Studien untersucht und nachgewiesen.

Die Ergebnisse der Untersuchen sind eindeutig: „Das Unbehagen beim Betrachten der Fassaden von neuen Wohngebäuden ist deutlich höher als bei Häusern, die vor 100 Jahren gebaut wurden“ schreibt beispielsweise Arnold Wilkins von der Universität Essex. Wilkins erklärt solche Ergebnisse mit der menschlichen Informationsverarbeitung. „Über Jahrzehntausende hinweg hat sich das Gehirn weiterentwickelt, indem es Reize aus der natürlichen Umwelt verarbeitete. Die Muster des Großstadtdschungels sind für das Hirn viel schwieriger zu verdauen, da sie sehr viel repetitiver sind.“

Ideologien spielen neben wirtschaftlichen Zwängen ebenfalls eine Rolle. „Seit dem Beginn der Moderne wird die Ablesbarkeit der inneren Funktion eines Gebäudes an der Außenfassade an vielen Architekturfakultäten hochgehalten“, erklärt Riklef Rambow, der das Fachgebiet Architekturkommunikation am Karlsruher Institut für Technologie leitet undin Berlin das Psyplan Institut für Architektur- und Umweltpsychologie betreibt. Die Architektenzunft hege leider eine gewisse Abneigung gegen „Verhübschungsmaßnahmen“.

Siehe: https://www.immobilien-zeitung.de/147523/architektur-tut-nicht-gut

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.

Monotone Strukturen seien aber oft auch das Ergebnis städtebaulicher Vorgaben. Als Beispiel für eine erstebenswerte Vielfalt in der Architektur, wird von den Experten immer wieder die neue Frankfurter Altstadt genannt. Sie würde das bieten, was die Bürger schön finden, die in den Städten leben müssen – oft im Gegensatz zu Architekten und Stadtplanern.

„Monotonie schafft ein beengendes Gefühl“, sagt auch der Vorstandschef des Iwap (Institut für Wohn- und Architektur-Ppsychologie), Harald Deinsberger. Er hat sich der „menschlichen Qualität“ gebauter Räume verschrieben. Empirisch gut belegt ist die Tatsache, dass hohe, monotone Fassaden Menschen eher stressen als kleinteilige und nicht ganz so hohe. Trotzdem werden auch in diesem Jahrhundert monströse Wohnriegel wie in der Frankfurter Europa-Allee hochgezogen und teuer verkauft. Auf die Frage, wie sich das erklärt, meint Deinsberger im Interview: „Die ästhetische Intention der von Ihnen genannten Gebäude ist sichtlich eine der Repräsentation. Das hat natürlich herzlich wenig mit menschlichen Wohnbedürfnissen zu tun.“

Siehe dazu: https://www.immobilien-zeitung.de/147531/monotonie-schafft-beengendes-gefuehl

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden

 




Grüne Enteignung statt Erhalt der Ökologie

Maria Viethen, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Freiburger Gemeinderat sagte am 24.7.2018 zum neuen Stadtteil Dietenbach: „Meine Fraktion wird im Übrigen dem Beschlussantrag Ziff. 5 der Drucksache G 18/114 zustimmen, wonach gegen die GrundstückseigentümerInnen, die bis zum 31.12.2018 nicht verbindlich ihre Mitwirkungsbereitschaft erklärt haben, die erforderlichen Enteignungsverfahren einzuleiten sind. Das Grundgesetz der Bundesrepublik enthält eine Eigentumsgarantie. Es bestimmt jedoch in Art. 14 Abs. 2 auch, dass Eigentum verpflichtet. Der Gebrauch des Eigentums, so heißt es dort ausdrücklich, soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Und wir sind überzeugt, dass der neue Stadtteil im Dietenbach genau dies tun wird: dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“ Weiter führte sie aus: „Das Gebiet, auf dem der neue Stadtteil Dietenbach errichtet werden soll, ist teilweise von hohem ökologischen Wert. Es gibt Waldflächen mit altem Baumbestand als Lebensraum für geschützte Vogel- und Fledermausarten, den naturnahen Gewässerlauf Dietenbach und geschützte Biotope.“

Wenn man diese Aussagen liest, dann ist man einfach nur sprachlos und stellt sich die Frage, mit welchem Recht diese Partei noch die Bezeichnung „Die Grünen“ in ihrem Namen trägt. Zum einen hat man kein Problem damit, GrundstückseigentümerInnen zu enteignen, um dieses ökologisch wertvolle Gelände zu bebauen. Zum anderen wird als Berechtigung für die Enteignungen das Allgemeinwohl aufgeführt. Man bezieht sich dabei auf das Grundgesetz, während bei anderen Fragestellungen der Hinweis auf dieses ins Lächerliche gezogen wurde.

Was ist eigentlich mit den Hauseigentümern, die ihre Wohnungen leer stehen lassen? Die Gebäude dienen entweder als Abschreibungs- und Renditeobjekte oder werden als denkmalgeschützte Gebäude nicht saniert und solange dem Verfall preisgegeben, bis eine Abbruchgenehmigung erteilt wird. Wenn man schon das Wohl der Allgemeinheit als Rechtfertigung für Enteignung heranzieht, dann wären rechtliche Maßnahmen doch wohl eher bei Leerstand angesagt als bei den Landwirten, die uns mit regionalen Lebensmitteln versorgen.

Dieser Beitrag wurde von der Fraktionsgemeinschaft FL/FF für das „Amtsblatt“ der Stadt Freiburg verfasst.




Die unabhängige, nicht-kommerzielle Suchmaschine

metager_suchmaschineHeute möchten wir das sprichwörtliche „Sommerloch“ nutzen und einmal eine Empfehlung abgeben – ganz unabhängig vom Alltagsgeschäft der Freiburger Lokalpolitik. Wir möchten eine Suchmaschine empfehlen, die ähnliche Werte vertritt, wie wir: Unabhängigkeit, Transparenz und Bürgernähe. Es handelt sich um eine Suchmaschine, die sich gegen das Monopol von Google und dessen Daten-Sammelwut zwecks Kommerzialisierung stemmt und die Privatsphäre seiner Nutzer schützt. Gerne möchten wir deshalb empfehlen, diese Suchmaschine bei Internet-Recherchen zu nutzen.

Die deutsche Suchmaschine MetaGer wird betrieben und stetig weiterentwickelt von „SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang“. Dieser gemeinnützig anerkannte Verein, dessen Ziel  unter anderem die Entwicklung und der Betrieb von Suchmaschinen ist, ist Garant für die Unabhängigkeit und den Schutz der Nutzerdaten. MataGer erhält auch keine öffentlichen Fördergelder und ist daher auf Spenden, Sponsoren und Kooperationen angewiesen, was offenbar erstaunlich gut funktioniert. Ziel ist es, freie Suchmaschinen und freier Wissenszugang im Internet eine Chance zu geben. Zum freien Wissenszugang gehört, dass die Daten der Nutzer weder überwacht, noch deren Internet-Adressen und Verbindungsdaten gespeichert werden.

MetaGer wurde 1996, also vor mehr als 20 Jahren, von dem Ingenieur Thomas Dominikowski erfunden und gegründet. Er war an der Leibniz Universität Hannover angestellt und später dort auch Dozent. Auch dank der Programmierkunst eines seiner Uni-Mitarbeiter, dem Programmierer Mario Schomburg, kam das Projekt einer unabhängigen Meta-Suchmaschine schnell aus dem Experimentierstadium heraus. Die Uni Hannover hatte durch ihre technische Unterstützung wohl schon immer einen großen Anteil am Erfolg der Suchmaschine. Heute ist MetaGer aus der Uni Hannover ausgegründet und wird von dem gemeinnützig anerkannten Verein SUMA-EV betrieben. Der Name MetaGer bedeutet: Meta für Meta-Suche und Ger für Germany.

Was ist das Besondere an MetaGer und wie funktioniert sie?

Die sogenannte Mata-Suchmaschine fragt viele andere Suchmaschinen über das Internet in Echtzeit ab. Dominikowski erklärt das so: „Das kann man sich so vorstellen, wie man es als normaler Nutzer auch tun würde: Man ruft die einzelnen Suchmaschinen nacheinander auf, speichert dann die Ergebnisse, fasst alles zusammen, eleminiert doppelte Ergebnisse und bringt den Rest nach eigenen Bewertungskriterien in eine neue Reihenfolge. Diese Schritte macht die Meta-Suchmaschine genau so, mit dem Unterschied, dass die Abfragen an die Suchmaschinen parallel erfolgen und die Verarbeitung der Ergebnisse um Größenordnungen schneller geht.“ Der Vorteil ist, dass die anderen abgefragten Suchmaschinen Adresse und Daten des Endnutzers nicht kennen; er bleibt anonym.

MetaGer versteht sich heute „als ein netz- und gesellschaftspolitischer Anstoßgeber und ein Gegengewicht zur zunehmend monopolisierten Suchmaschinenlandschaft. Seit sich der Suchmaschinenmarkt zu einem Quasi-Monopol entwickelt hat, entscheidet der Ranking-Algorithmus des Monopolisten, welche Inhalte des digitalen Weltwissens noch wahrgenommen werden. Die Tendenz zur Einschränkung der Wahrnehmung wird verstärkt durch die mittlerweile fortgeschrittene Personalisierung der Suchergebnisse. Nach den Snowden-Enthüllungen, die massive Internet-Überwachungen durch US-Geheimdienste ins öffentliche Bewusstsein rückten, und dem in Folge stark gestiegenen Bewusstsein für Privatsphäre hat MetaGer mit seiner schon seit Jahren verfolgten Privacy-Policy eine enormen Steigerung der Nutzerzahlen erfahren.“ So beschreiben die Verantwortlichen selbst ihr Selbstverständnis.

Siehe: https://metager.de/

metager_suchergebnisse




Wenn Mieter mit wenig Eigenkapital das Haus kaufen

Als Mieter das Haus kaufen – und das noch dazu mit wenig Eigenkapital! Davon träumen so manche Mieter, die schon seit vielen Jahren beispielsweise in einem Altbau leben. Drängend wird das Problem, wenn das Haus nach dem Tod der Eigentümer plötzlich von der Erbengemeinschaft verkauft werden soll. So gerade geschehen in der Guntramstraße 38 im Stadtteil Stühlinger. Möglich wurde der Kauf dann aber doch durch die Unterstützung des „Mietshäusersyndikats“, einer Institution in Freiburg, die sich in Zeiten des Mangels an bezahlbarem Wohnraum, zu einem vorbildlichen, nicht-profitorientierten Akteur auf dem Immobilienmarkt entwickelt hat.

Die Badische Zeitung hat über den Fall Guntramstraße 38 ausführlich berichtet, weshalb wir das hier nicht wiederholen möchten. Dort heißt es am Schluss: „Am Freitag, 27. Juli, war es dann soweit: Notartermin. Die Mieter unterschrieben den Kaufvertrag. Am 15. September werden sie den Kaufpreis überweisen, am selben Tag wird sie die Mitgliederversammlung des Mietshäusersyndikats als 131. Projekt unter dem Dach des Syndikats begrüßen. Das Haus Guntramstraße 38 kann nun nie Spekulationsobjekt werden. Und die Mieter? Sie werden ihre Mieten nun stufenweise auf 7,50 Euro anheben, um die Bank- und günstigen Direktkredite abzubezahlen. Und nach einem turbulenten halben Jahr erstmal Luft holen: „Dass alles so gut läuft, hätten wir niemals gedacht.“

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wenn-mieter-ihr-haus-selbst-kaufen–155323326.html

Dieses Modell ist enorm wichtig in einer Stadt wie Freiburg. Freiburg Lebenswert (FL) hatte dies schon früh angeregt, um stadtbildprägende Häuser zu erhalten. Das Mietshäusersyndikat bietet hier eine hervorragende und vorbildliche Möglichkeit, mit der sich Mieter ggf. frühzeitig beschäftigen sollten. Vor einigen Jahren hatte das Mietshäusersyndikat z. B. in der Johann-Sebastian-Bach-Str. in Herdern Vorschläge unterbreitet, die dort stehenden Häuser zu erhalten und zu sanieren. Die Stadtverwaltung unter der damaligen Salomon-Administration hatte das strikt abgelehnt, um sie an Bauträger verkaufen und zum Abriss freigeben zu können. Solche Sünden sollten sich heute nicht wiederholen.

Mehr zum Miethäusersyndikat und deren Projekte in ganz Deutschland (in Freiburg sind des derzeit 17 von insgesamt 130 bundesweit realisierten Projekten und 19 Projektinitiativen), finden Sie hier: https://www.syndikat.org/de/

Oder bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mietsh%C3%A4user_Syndikat

Beitrag in der BZ zum Projekt Guntramstr. 38 im Stühlinger.