Schlagwort-Archive: Wohnraumbedarf

Pressemitteilung von FL/FF zum Leerstand in der Mozartstraße 3

Mit Verärgerung reagiert die Fraktionsgemeinschaft FL/FF auf die Räumung des Hauses Mozartstraße 3 im Stadtteil Neuburg. Dieses Haus steht seit vielen Jahren leer. Es wurde daher letztes Jahr von FL/FF sowohl der Stadt für die Aufnahme ins Leerstandskataster gemeldet als auch der örtlichen Presse für eine Reportage bekannt gemacht; und Stadtrat Wolf-Dieter Winkler hatte vor diesem Haus dem SWR ein Interview gegeben, um gegen diesen unhaltbaren Zustand Stellung zu beziehen. In einer Rede im Gemeinderat am 10. Juli 2018 hatte Winkler dieses Haus ebenfalls genannt. Die Rede ist unter der Überschrift „Leerstand und Zweckentfremdungsverbot“  auf der Homepage von Freiburg Lebenswert nachzulesen. Dort ist auch ein Foto des Hauses zu sehen (siehe das Bild oben und die Rede unter: https://freiburg-lebenswert.de/leerstand-und-zweckentfremdungsverbot/). Weiterlesen

“Was macht die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag?”

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Im Gemeinderat am 27.11.2018 stand auch das Thema Projektgruppe neue Wohnbauflächen, kurz ProWo (TOP 6, Drucksache G-18/127), auf der Tagesordnung. Siehe dazu die folgende Rede von Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL), die er für die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) im Gemeinderat gehalten hat. Er spricht von “beschönigenden Wortkrationen” bei der Erstellung der Rahmenpläne, von “Dilettantissmus” bei der Auswahl möglicher Baugebiete und fragt provokant, was die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag macht?

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir werden der Druckvorlage zustimmen, weil die Beschlüsse zunächst unkritisch sind. Dass die Flächen im Mooswald und auf den Dreisamauen derzeit nicht weiterverfolgt werden sollen, ist natürlich sinnvoll. Aber wir werden diese Flächen auch künftig für die Bebauung ablehnen, unabhängig davon, ob Dietenbach kommt oder nicht. Die Bebauung der Wendeplatte in Vauban lehnen wir zwar auch ab, stimmen aber einer vertiefenden Untersuchung im Zusammenhang mit dem dortigen Gebiet Sportpark St. Georgen erstmal zu. Auch dem Rahmenplan Tuniberg werden wir zustimmen, uns aber kritisch mit den zu erwartenden Ergebnissen auseinandersetzen. Wir haben uns immer für den Erhalt der Kleingärten im Stühlinger ausgesprochen, werden uns also einer Verlängerung ihrer Nutzungszeit nicht verschließen.

Aber zur Ausgangslage und zur allgemeinen Zielsetzung der ProWo ist doch einiges zu sagen. Fangen wir mit Stühlinger West an. Wir haben die dortige Wohnbebauung abgelehnt, weil sie die Beseitigung der meisten Kleingärten zur Folge hat. Aber nach dem, zugegebenermaßen schwammigen, Antrag der SPD, möglichst viele Kleingärten zu erhalten, sind wir dann doch überrascht, dass in den Bebauungs-Entwürfen von möglichst vielen Kleingärten eigentlich keiner übrig geblieben ist. Haben Sie das im Preisgericht nicht angesprochen, liebe Kollegen von der SPD? Und wir sehen in diesem Zusammenhang – wie viele Bewohner des Westens – auch den Wegfall der Sundgauallee kritisch, weil die jetzt schon überlasteten Parallelstraßen wie die Breisacher Straße dann noch mehr Verkehr aufnehmen müssten. Und wir sind weiterhin gegen die Erweiterung der Kleingartenanlage Moosacker in St. Georgen, weil dies zu Lasten der Landwirte gehen würde.

Bei der theoretischen Bebauung des Mooswaldes wird vor allem aus ökologischen Gründen ein enormer finanzieller und zeitlicher Aufwand vorausgesagt. Die ProWo will von einer Bebauung erstmal absehen. Trotzdem, schränkt sie ein, sei die Eignung dieser städtischen Fläche für den Wohnungsbau unbestritten. Diese Aussage kann man eigentlich angesichts des massiven Widerstandes nur noch als rechthaberisch bezeichnen.

In Littenweiler ergäbe sich laut ProWo die Chance, den Wohnbaubestand in Verbindung mit dem Ausbau der Dreisamaue „sensibel“ zu ergänzen. Es könnte ein „attraktiver“ Stadteingang mit durch die Nähe zur Dreisam qualitativen Wohnungen entstehen. Ich vermute, das Ganze wird dann so sensibel und attraktiv sein wie bei Hornbühl-Ost, wo die Bauverwaltung mit den geplanten mehrstöckigen Häusern halb Ebnet gegen sich aufgebracht hat. Eine derart bedeutende und schöne Landschaft zuzubetonieren, wäre ein schwerer Verlust und alles andere als sensibel. Nein, hier sollen Häuser entstehen zu Gunsten einiger weniger zahlungskräftiger Kunden und zu Lasten des Gemeinwohls von Vielen, die diese Auen zur Stadtranderholung nutzen.

Ähnliche beschönigende Wortkreationen werden beim Rahmenplan Tuniberg bemüht. Da ist von lebendigen Dorfrändern und einem Leitmotiv die Rede, das eine Öffnung der Tuniberg-Dörfer zu den Bachauen forciert. Hab ich da was verpasst? Waren die Dorfränder bisher tot – was immer das heißen mag – und die Dörfer von den Bachauen durch eine Mauer getrennt? Wir sind überhaupt überrascht, dass man nun offensichtlich die Tuniberg-Dörfer mit diesem Rahmenplan baulich erweitern will. Bisher war doch immer das Credo von Verwaltung und großen Teilen des Gemeinderates, dass man die Kernstadt beispielsweise durch Dietenbach erweitern will, weil hier mit mehr Geschossen geplant werden kann, während auf den Dörfern durch die geringe Geschossigkeit der Flächenbedarf zu hoch wäre. Und vor allem sollte doch entlang der ÖPNV-Achsen geplant werden. Stundenlange Busfahrten von den Tuniberg-Dörfern in die Kernstadt kann man nun wahrlich nicht als attraktive ÖPNV-Verbindungen bezeichnen. Mit dem Rahmenplan Tuniberg will man also gegen die eigenen Forderungen verstoßen?

Und jetzt muss ich noch einen Kommentar zu Zähringen Nord loswerden. Ich habe bereits vor Jahren gesagt, die Flächenauswahl für eine Bebauung hätte man auch eine Grundschulklasse machen lassen können. Innerhalb einer Schulstunde hätten die vermutlich dieselben fünf Grünflächen wie Mooswald-West, Dreisamauen oder die Kleingärten im Stühlinger anhand eines Stadtplanes identifiziert, die auch die Prowo „entwickelt“ hat. Aber wir sind zugunsten der ProWo natürlich davon ausgegangen, dass in der ca. dreijährigen Zwischenzeit zu den fünf Flächen vertiefende Untersuchungen stattgefunden haben. In den letzten Tagen wurde ich jedoch mehrmals von fassungslosen Bürgern angesprochen, wie es denn sein könne, dass den verantwortlichen Planern von Zähringen Nord erst jetzt auffiel, dass der Störfallbetrieb Micronas nicht weit vom Baugebiet entfernt liegt. „Dilettantisch“ war noch eines der harmloseren Worte, die da geäußert wurden. Es wurde die Frage gestellt, was macht die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag? Ich gebe die Frage mal an Sie weiter Herr Baubürgermeister.

Unser vorweggenommenes Fazit: Wir würden lieber heute als morgen die Vollzeitstellen der ProWo dem Baubereich übertragen, der sich mit den Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen befasst.

Anfrage zu Einwohnerzahlen und Wohnbaupolitik bzgl. Dietenbach

Zum Thema Einwohnerzahlen und Wohnbaupolitik in Bezug auf einen geplanten neuen Stadtteil Dietenbach, hat die Fraktionsgemeinschaft FL/FF folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an die Stadtverwaltung, namentlich an den Oberbürgermeister gestellt:

Bezüglich des neuen Stadtteils Dietenbach und den damit verbundenen Themen „Einwohnerzahlen und Wohnbaupolitik“ haben wir folgende Fragen:

  • Welche Folgerungen und Konsequenzen zieht die Stadtverwaltung aus den durchweg ablehnenden Stellungnahmen der Umwelt- und Naturschutzverbände/-vereinigungen, des Landesnaturschutzverband-Arbeitskreises Breisgau Hochschwarz-wald/Freiburg und des Verkehrsclubs Deutschland-Regionalverband Südbaden zum neuen Stadtteil Dietenbach?
  • Welche Folgerungen zieht die Stadt aus der in Gutachten und Stellungnahmen zur strategischen Umweltprüfung (SUP) Dietenbach nachgewiesenen bzw. dargelegten Gefährdung geschützter Vogelarten aus dem Naturschutzgebiet Rieselfeld, dem Vogelschutzgebiet Fronholz, dem Langmattenwäldchen und deren Umfeld?
  • Wird es zu den unter 1-2 aufgeführten Themen eine öffentliche Anhörung geben, zu der auch die Natur- und Umweltschutzverbände/-vereinigungen als Referenten ein-geladen werden?
  • Welche Gutachten zu welchen Themen wurden zu Dietenbach in 2018 vergeben und wann werden diese voraussichtlich den Ausschüssen und der Öffentlichkeit bekannt-gemacht?
  • Wann findet die im 1. Halbjahr 2017 und im November 2017 verschobene Debatte um die Wohnungs- und Baupolitik statt?
  • Welche Folgen hat der starke Rückgang des Wanderungsgewinns in 2016 und 2017 auf die Wohnungs- und Wohnbaupolitik?
  • Wann findet ein Zensus zu Wohnraum, Leerstand und Zweckentfremdung in Freiburg statt?
  • Wie hoch war der Leerstand im zweiten Halbjahr 2017 bei Neubauwohnungen in Abhängigkeit von der Art der Wohnung, Größe und Preislage?
  • Gibt es quantitative Erkenntnisse darüber, welcher Anteil des Wohnungsleerstandes in Freiburg darauf beruht, dass Wohnungseigentümer nicht vermieten wollen und was sind deren Gründe dafür? Wie groß ist der Anteil der Wohnungseigentümer, die nicht vermieten können (z. B. aus Alters- oder Gesundheitsgründen)? Und was wird die Stadt in diesem Bereich aktiv tun, um solche Wohnungen verfügbar zu machen?
  • Wann findet in Freiburg eine gebäudeweise Erhebung des Potenzials an Wohnungen bzw. Wohnraum aus Dachgeschossausbauten und Aufstockungen statt, ebenso für Wohnbau/Wohnanbau usw. auf mittleren (ab ca. 200 qm) und größeren Parkplatzgeländen sowie auf Gebäuden von Gewerbe und Handel und Dienstleistungen?
  • Wie entwickelte sich die Wohnfläche pro Person in Freiburg jährlich seit 2010 bis ein-schließlich 2017?
  • Ist angedacht, bei Planungen und Stadtumbau die Geschossflächenzahl zu erhöhen?
  • Wird bei kommenden Flächennutzungsplanänderungen und dem künftigen neuen Flächennutzungsplan ein virtueller Einwohnerzuwachs durch steigende Wohnfläche pro Person beantragt, und wenn ja, in welcher Höhe und bis wann?
  • Wie groß ist der Anteil/die Anzahl von Wohnungen, deren Eigentümer in Freiburg ansässig sind, aufgegliedert nach sinnvollen Kategorien (Privatpersonen, Genossenschaften, Stadtbau)?
  • Wieviel Prozent der Neubauwohnungen im Jahr 2017 wurden von Freiburgern er-baut, wie viele von Investoren (Bauherren) aus Deutschland, aus EU-Staaten und wie viele von Investoren von außerhalb der EU (Kategorien: siehe Frage 15).
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    Einfach anders Wohnen

    Der Autor des Blogs sowie des Buches „Verbietet das Bauen“, Daniel Fuhrhop, der dazu im vergangenen Jahr auch ein für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF einen sehr gut besuchten Vortrag in Freiburg gehalten hatte, hat ein neues Buch veröffentlicht: „Einfach anders Wohnen“. Er präsentiert darin „66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte.“

    Seine These: „Wenn jeder nur ein Zehntel weniger Raum benötigen würde, könnten nicht nur alle bezahlbaren Wohnraum finden. Kieze und Viertel würden auch viel lebendiger: Jung und Alt kämen sich wieder näher, Zugereiste und Alteingesessene könnten sich gegenseitig bereichern. Vom Zusammenrücken profitieren alle.“

    Interessant für uns in Freiburg sind vor allem Tipps, wie man alte Häuser erhalten und renovieren kann (Raumwunder 51 f.) oder wie man gemeinsam mit Nachbarn oder im Kollektiv Häuser kaufen und somit erhalten kann (Raumwunder 53 ff.). So schreibt Fuhrhop: „Stört es Sie auch, wenn in der Nachbarschaft Investoren alte Häuser kaufen, sie abreißen und durch große Neubauten ersetzen, die nicht ins Stadtviertel passen? Dann kaufen Sie es gemeinsam mit Nachbarn, um es zu erhalten!“

    Tatsächlich fehlt es in Zeiten niedriger Zinsen nicht am Geld, sondern an Ideen und am Mut. Das Mietshäuser-Syndikat in Freiburg hat bewiesen und beweist immer wieder, dass das Modell gut funktionieren kann. Fuhrhop nennt das „Bürgerbeteiligung fürs Nichtbauen“, denn Renovierung und kollektive Sanierung schafft genauso Wohnraum, wie Neubauten durch Bauträger. Und durch Dachausbau, Umbauten großer Wohnungen in kleine Einheiten, Untervermietung etc. im Bestand, können Grünflächen erhalten und bewahrt werden.

    Weniger provokativ, aber letztlich ebenso radikal wie „Verbietet das Bauen!“ wirbt der Ratgeber dafür, alte Häuser besser zu nutzen, Abriss zu vermeiden und Leerstand zu beseitigen.

    Siehe dazu: http://www.verbietet-das-bauen.de/bauverbot-einfach-anders-wohnen-weichgespuelt-subversiv/

    Das Buch kann man beim Verlag direkt bestellen. Siehe: https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/einfach-anders-wohnen.html

    Neue Wohnbauflächen – Rede von Dr. W.-D. Winkler

    Logo_Fraktion_FL_FF

    18.10.2016

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
    meine sehr geehrten Damen und Herren,

    ich schlage ein Experiment vor. Man setze eine Grundschulklasse vor einen Freiburger Stadtplan, erläutere ihnen kurz die Legende, dass rote und graue geometrische Figuren Wohnhäuser bzw. Gewerbe- und Fabrikgebäude sind, grüne Flächen Wald und gelbe Flächen Wiesen und Äcker darstellen. Und nun sollen sie erarbeiten, wo man ihrer Meinung nach noch Häuser hin bauen könnte. Ich bin mir sicher, dass die Schüler innerhalb einer Schulstunde u.a. auch mindestens vier der fünf Flächen vorschlagen würden, für deren Identifizierung sich die Stadt teuer bezahlte Stadtplaner der sogenannten ProWo leistet.

    Meine Damen und Herren, diese fünf Flächen wurden nicht aus dem Perspektivplan entwickelt, sondern sie wurden einzig und allein deswegen ausgewählt, weil sie der Stadt gehören und weil es relativ leicht ist, auf Grünflächen Wohnbau zu planen. Mittlerweile hat sich in der ganzen Stadt herumgesprochen, dass der sogenannte Perspektivplan nur dazu dient, potentielle Wohnflächen ausfindig zu machen und nicht, um eine positive Entwicklung Freiburgs zu fördern. Es wäre daher gegen über der Freiburger Bürgerschaft ehrlicher, man würde diesen Perspektivplan als das bezeichnen, was er ist, nämlich ein Bauflächen-Akquirierungsplan.

    Denn was die fünf Flächen mit perspektivischer Stadtplanung – im Sinne von stadtplanerischer Verbesserung für Stadt und Bürger – zu tun haben sollen, bleibt ein Geheimnis der Verantwortlichen im Baudezernat. Wir können jedenfalls nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Kleingärtner im Stühlinger haben soll, wenn man ihnen ihre Gärten zubaut und ihnen – vielleicht – weit entfernte Ersatzflächen irgendwo am Stadtrand anbietet. Wir können nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Bürger im Stadtteil Mooswald haben könnte, dass man den Lärmschutzwall Mooswald an der Paduaallee gegen einen Betonriegel austauscht, in dem finanzschwache Haushalte nun die Funktion des Lärmschutzes übernehmen sollen. Wir können nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Bürger in Littenweiler und Ebnet haben soll, wenn man ihnen eines der meistfrequentierten Naherholungsgebiete der Stadt an den Dreisamauen zubaut. Wir können keinen Sinn darin erkennen, die Wendeschleife im Vauban zu bebauen, da die dortige Staudenvegetation bereits als Ausgleichsmaßnahme für den Stadtbahnbau an der Merzhauser Straße dient. Einzig bei der baulichen Entwicklung in Zähringen-Nord auf dem Gelände von MöMaxx und Real lässt sich eine städtebauliche Verbesserung erahnen. Deren riesige Parkplatzflächen sind in der Tat verschenkter Raum. Allerdings treten wir auch dort für den Erhalt der Grünflächen ein. Denn wenn dort mehrere tausend Leute neuen Wohnraum finden sollen, dann brauchen sie Grünflächen für ihre Naherholung. Außerdem ist es durchaus erstrebenswert, den Grünriegel – wie beispielsweise das Wäldchen nördlich des Real – als Abgrenzung zwischen den Gemeinden Freiburg und Gundelfingen zu erhalten.

    Es überrascht, dass in der Vorlage bei einigen Flächen so getan wird, als würden die Bürgervereine hinter den Bebauungswünschen stehen. Wenn eine Bereitschaft zu Zusammenarbeit signalisiert wurde, wie im Stühlinger, in Vauban und Zähringen, dann wird dies in der Vorlage schon als weitgehende Zustimmung zu den Bebauungen umgedeutet. Die Briefe des Bürgerverein Stühlinger vom 4.10. und des Stadtteilverein Vauban vom 16.10. verwahren sich eindeutig gegen eine solche Vereinnahmung.

    Am letzten Mittwoch gab es ein Gespräch zwischen den 18 Bürgervereinen und einigen Stadträten, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine eingeladen hatte. Tenor des Abends war, dass die Bürgervereine durchaus die Problematik des Mangels an bezahlbaren Wohnungen sehen und in ihren Stadtteilen bereit sind, weitere Bebauung zu akzeptieren, solange es nicht massiv zu Lasten der Bewohnerschaft geht. Es muss für die Stadtteile verträglich sein. Für großen Verdruss sorgt, dass weitgehend fertige Pläne vorgestellt werden, nur noch wenige Möglichkeiten der Einflussnahme bestehen und Änderungswünsche nicht berücksichtigt werden. Insbesondere verärgert, dass nach jeder neu ins Spiel gekommenen Fläche sofort darauf hingewiesen wird, dass aber auch mit dieser Fläche noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird und selbst wenn von hunderten neu hinzukommenden Wohnungen die Rede ist, auch diese immer nur als ein Tropfen auf dem heißen Stein bezeichnet werden. Wie ein BV-Vorsitzender sagte, es scheint beim Bauen nur eine Aufwärtsspirale ohne absehbares Ende zu geben. Keinerlei Verständnis wurde insbesondere für die Bebauung des Mooswaldes und der Dreisamauen aufgebracht. Offen kritisiert wurde, dass Freiburg aktiv Menschen nach Freiburg zieht und damit andere Städte und landwirtschaftliche Regionen kannibalisiert und damit die Wohnungsprobleme in Freiburg und Leerstände in anderen Gemeinden befeuert. Soweit die Äußerungen der Bürgervereine.

    Meine Damen und Herren, angesichts einer übermächtigen Phalanx von Baulobbyisten in Stadtspitze, Bauverwaltung und Gemeinderat stellen sich immer mehr Menschen die bange Frage, was gerade mit ihnen und ihrer Stadt passiert. Es irritiert und ängstigt viele, dass diese gigantische Naturvernichtung in einer weitgehend grün regierten Stadt ermöglicht wird. Und immer mehr Bürger fragen sich, warum ihre Sorgen bezüglich des maßlosen Bauens keinen entsprechenden Widerhall in der Freiburger Presse findet, sondern diese einer dominanten Bauträgergemeinschaft das Wort redet, warum auch die Presse so tut, als wäre es ein unumstößliches Naturgesetz, dass gebaut werden muss.

    Mit der Zustimmung unserer Fraktion wurden in den letzten zweieinhalb Jahren tausende Wohnungen neu gebaut oder zumindest auf den Weg gebracht. Für die hier in der Vorlage genannten fünf Flächen können wir nur die in Zähringen Nord in gewissem Maße mittragen. Wir lehnen eine weitere maßlose Zubetonierung Freiburgs und damit die Vorlage ab!

     

    Peinlich für Stadtverwaltung und Bürgermeister Haag

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    Blamabel genug war es für die Stadtverwaltung und für den zuständigen Bürgermeister Haag bereits, dass sie nicht wussten, wieviel Wohnungen in Freiburg überhaupt pro Jahr gebaut werden. Nun hat man nachgezählt und kommt zu dem Ergebnis, dass die gebauten Wohneinheiten den derzeitigen Bedarf völlig abdecken. Bürgermeister Otto Neideck (CDU) meinte laut Stadtkurier, dass “damit nach der städtischen Statistik etwa so viel neue Wohnungen hinzu kommen wie die Bevölkerung zunimmt”.

    Peinlich  ist angesichts dieses Ergebnisses aber vor allem das ganze Lamentieren um den mangelnden Wohnraum. Und das ganze hysterische Geschrei vom angeblich so nötigen “Bauen auf Teufel komm raus” ist ad absurdum geführt. Der Bürger reibt sich erstaunt die Augen und fragt sich nun, wer denn ein Interesse an der Aufrechterhaltung dieses Lamentierens aufgrund falscher Tatsachen hatte?  Die Grünen, CDU und Freie Wähler im Gemeinderat waren sich ja mit den politisch Verantwortlichen und der Bauindustrie in dieser Frage immer erstaunlich einig. Nun ist manches dazu Gesagte Makulatur und hinterlässt beim Bürger und Wähler einen etwas unangenehmen Nachgeschmack.

    Siehe dazu den folgenden Artikel im Stadtkurier:

    Pressemitteilung zum Wohnraumbedarf

    Sozialen Wohnungsbau schaffen durch

    Pressemitteilung der Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg zum Wohnraumbedarf in Freiburg

    Die Fraktion Freiburg Lebenswert (FL) / Für Freiburg (FF) warnt immer wieder vor Wachstumswahn und dem von der Stadt  propagierten „Bauen auf Teufel komm raus“.  Diese Befürchtungen werden nun durch die von der Stadt vorgestellte „Wohnungsmarktanalyse“ in beängstigender Weise bestätigt. Bis 2030 soll die gigantische Zahl von 14.600 neuen Wohneinheiten realisiert werden! Selbst wenn jede noch freie Fläche zugebaut (incl. größerer Baugebiete wie Zinklern, Güterbahnhof Nord, Gutleutmatten, ECA-Siedlung, Götz- und Moriz-Gelände, Ruhbankweg) und ein neuer Stadtteil Dietenbach erstellt würde, würden laut dieser Prognose danach immer noch 5.700 Wohneinheiten fehlen! Dies würde weitere Stadtteile wie beispielsweise in St. Georgen West zwingend nach sich ziehen!

    Bezeichnend ist, dass die Wohnungsnachfrageprognose des Amtes für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (ABI) und die des Statistischen Landesamtes sich erheblich unterscheiden. Die Darstellung des ABI zeigt einen linearen ungebremsten Anstieg der Bevölkerung. Die Prognose des statischen Landesamtes geht in wenigen Jahren schon in eine „Sättigungskurve“ über, mit nur noch geringem Zuzug. Als Grund wurde von Herrn Willmann vom ABI und von Bürgermeister Haag die unterschiedlichen Annahmen beider Ämter genannt. Während das ABI von der Realisierung eines neuen Stadtteil Dietenbach ausgeht, ist ein solcher bei der Landesamt-Prognose nicht berücksichtigt. Damit wird klar und wurde von Bürgermeister Haag auch so ausgesprochen: Freiburg wächst, weil es baut!

    Und es zeigt vor allem Eines: Ein neuer Stadtteil wird nahezu ausschließlich für einkommensstarke „Neubürger“ gebaut. In seinem Buch „Mietenwahnsinn“ stellt der bekannte Experte für Stadtentwicklung und Gentrifizierung, Andrej Holm, genau dies fest. Die viel beschworene Wohnungsnot in Freiburg wird damit nicht gelindert. Die Kostenmiete für Neubauwohnungen liegt nach Aussage des Immobilienverbandes IVD im Bereich von 9 – 12 €/m². Das sind Preise, die sich die untere bis mittlere Mittelschicht in Freiburg nicht leisten kann. So gehören die ehemals neuen Stadtteile Vauban und Rieselfeld laut Mietspiegel heute zu den teuersten Stadtteilen in Freiburg, teurer als die Stadtteile Wiehre oder Herdern. Mit jedem Abriss preisgünstigen Wohnraums und Ersatz durch teure Neubauten verschärft sich die Wohnsituation für die Freiburger Bevölkerung – die Notfallkartei wird aufgefüllt, statt geleert. Letztlich bleibt Haushalten mit niedrigem Einkommen nur Eines: Freiburg zu verlassen. Mit dem Handlungsprogramm Wohnen wird genau das erreicht, was zu man zu verhindern vorgibt: Wohnen in Freiburg werden sich bald nur noch „Reiche“ leisten können.

    Berücksichtigt werden muss auch der Hinweis von Statistik-Experten, die bereits jetzt vor Leerstand warnen: In Freiburg sei der so oft beschworene Zuwachs an Einwohnern in Wahrheit viel geringer als behauptet. Langfristig gebe es mehr Angebot als Nachfrage, so Stefan Flaig (Ökonsult) in einem Vortrag beim Forum Planen-Bauen zum Thema „Flächensparen und Innenentwicklung – Anspruch und Wirklichkeit“ am 11.12.2014 im Bürgerhaus am Seepark.”

    Fazit ist daher für FL/FF: Es wird höchste Zeit sich von diesem „Bauen auf Teufel komm raus“ zu lösen. Statt einer willkürlich geforderten Zahl von 1.000 neuen Wohnungen pro Jahr sollten die vorhandenen Flächen unter den Kriterien der Nachhaltigkeit behutsam bebaut werden. Und Freiburg sollte den Erhalt preiswerten Wohnraums zum Ziel haben, um einkommensschwachen Haushalten ein Wohnen in Freiburg zu ermöglichen.

    Dr. Wolf-Dieter Winkler (Fraktionsvorsitzender, FL)
    Gerlinde Schrempp (Stellvertr. Fraktionsvorsitzende, FL)
    Karl-Heinz Krawczyk (Stadtrat, FL)
    Prof. Dr. Klaus-Dieter Rückauer  (Stadtrat, FF)

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