Pressemitteilung zum Wohnraumbedarf

Sozialen Wohnungsbau schaffen durch

Pressemitteilung der Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg zum Wohnraumbedarf in Freiburg

Die Fraktion Freiburg Lebenswert (FL) / Für Freiburg (FF) warnt immer wieder vor Wachstumswahn und dem von der Stadt  propagierten „Bauen auf Teufel komm raus“.  Diese Befürchtungen werden nun durch die von der Stadt vorgestellte „Wohnungsmarktanalyse“ in beängstigender Weise bestätigt. Bis 2030 soll die gigantische Zahl von 14.600 neuen Wohneinheiten realisiert werden! Selbst wenn jede noch freie Fläche zugebaut (incl. größerer Baugebiete wie Zinklern, Güterbahnhof Nord, Gutleutmatten, ECA-Siedlung, Götz- und Moriz-Gelände, Ruhbankweg) und ein neuer Stadtteil Dietenbach erstellt würde, würden laut dieser Prognose danach immer noch 5.700 Wohneinheiten fehlen! Dies würde weitere Stadtteile wie beispielsweise in St. Georgen West zwingend nach sich ziehen!

Bezeichnend ist, dass die Wohnungsnachfrageprognose des Amtes für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (ABI) und die des Statistischen Landesamtes sich erheblich unterscheiden. Die Darstellung des ABI zeigt einen linearen ungebremsten Anstieg der Bevölkerung. Die Prognose des statischen Landesamtes geht in wenigen Jahren schon in eine „Sättigungskurve“ über, mit nur noch geringem Zuzug. Als Grund wurde von Herrn Willmann vom ABI und von Bürgermeister Haag die unterschiedlichen Annahmen beider Ämter genannt. Während das ABI von der Realisierung eines neuen Stadtteil Dietenbach ausgeht, ist ein solcher bei der Landesamt-Prognose nicht berücksichtigt. Damit wird klar und wurde von Bürgermeister Haag auch so ausgesprochen: Freiburg wächst, weil es baut!

Und es zeigt vor allem Eines: Ein neuer Stadtteil wird nahezu ausschließlich für einkommensstarke „Neubürger“ gebaut. In seinem Buch „Mietenwahnsinn“ stellt der bekannte Experte für Stadtentwicklung und Gentrifizierung, Andrej Holm, genau dies fest. Die viel beschworene Wohnungsnot in Freiburg wird damit nicht gelindert. Die Kostenmiete für Neubauwohnungen liegt nach Aussage des Immobilienverbandes IVD im Bereich von 9 – 12 €/m². Das sind Preise, die sich die untere bis mittlere Mittelschicht in Freiburg nicht leisten kann. So gehören die ehemals neuen Stadtteile Vauban und Rieselfeld laut Mietspiegel heute zu den teuersten Stadtteilen in Freiburg, teurer als die Stadtteile Wiehre oder Herdern. Mit jedem Abriss preisgünstigen Wohnraums und Ersatz durch teure Neubauten verschärft sich die Wohnsituation für die Freiburger Bevölkerung – die Notfallkartei wird aufgefüllt, statt geleert. Letztlich bleibt Haushalten mit niedrigem Einkommen nur Eines: Freiburg zu verlassen. Mit dem Handlungsprogramm Wohnen wird genau das erreicht, was zu man zu verhindern vorgibt: Wohnen in Freiburg werden sich bald nur noch „Reiche“ leisten können.

Berücksichtigt werden muss auch der Hinweis von Statistik-Experten, die bereits jetzt vor Leerstand warnen: In Freiburg sei der so oft beschworene Zuwachs an Einwohnern in Wahrheit viel geringer als behauptet. Langfristig gebe es mehr Angebot als Nachfrage, so Stefan Flaig (Ökonsult) in einem Vortrag beim Forum Planen-Bauen zum Thema „Flächensparen und Innenentwicklung – Anspruch und Wirklichkeit“ am 11.12.2014 im Bürgerhaus am Seepark.”

Fazit ist daher für FL/FF: Es wird höchste Zeit sich von diesem „Bauen auf Teufel komm raus“ zu lösen. Statt einer willkürlich geforderten Zahl von 1.000 neuen Wohnungen pro Jahr sollten die vorhandenen Flächen unter den Kriterien der Nachhaltigkeit behutsam bebaut werden. Und Freiburg sollte den Erhalt preiswerten Wohnraums zum Ziel haben, um einkommensschwachen Haushalten ein Wohnen in Freiburg zu ermöglichen.

Dr. Wolf-Dieter Winkler (Fraktionsvorsitzender, FL)
Gerlinde Schrempp (Stellvertr. Fraktionsvorsitzende, FL)
Karl-Heinz Krawczyk (Stadtrat, FL)
Prof. Dr. Klaus-Dieter Rückauer  (Stadtrat, FF)

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