Die immer gleichen Fehler beim Städtebau

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden

„Um wirklich lebenswerte Stadtquartiere zu schaffen, braucht es mehr, als nur Wohnraum zu schaffen“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ) in einem Beitrag vom 16.08.2017 unter der Überschrift „Zwölf Gebote für den Münchner Wohnungsbau“. München hat unter den gleichen Wachstums-Problemen wie Freiburg zu leiden. Während Freiburgs OB und Baubürgermeister sowie eine Mehrheit aus Grünen, CDU Freien Wählern und Teilen der SPD im Gemeinderat aber nach wir vor ein „Bauen auf Teufel komm raus“ propagieren, will man in München aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

„Das Desaster besteht vor allem darin, dass die meisten neueren Wohnviertel, die in den letzten Jahren in München entstanden sind, so armselig schlecht geplant wurden. (…) Kein Wunder: Egal, was gebaut wird – es lässt sich an der Isar im Sekundentakt verkaufen. Sei es auch noch so schäbig. (…) Vielleicht wären die Baupolitiker, Architekten und Investoren doch gut beraten, die üblichen Moderne-Floskeln einmal beiseite zu lassen, um darüber nachzudenken, was es denn ist, was die Menschen zu einem Ort sagen lässt: Hier möchte ich leben (…) Dabei sind es heute fast immer die gleichen Fehler, die so beratungsresistent perpetuiert werden, dass man am guten Willen der beteiligten Planer und Politiker zweifeln muss.“ So beschreibt die SZ das Problem und man fühlt sich beim Lesen sehr stark an Freiburg erinnert.

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt nicht nur das Münster, sondern ignoriert auch die Gefahren einer Immobilienblase (Foto: U. Glaubitz)

Aus den „Zehn Geboten für den Wohnungsbau“, die die SZ dann auflistet, um diese „immer gleichen Fehler“ zu vermeiden, möchten wir die folgenden vier wichtigen Punkte herausgreifen, die der Autor des Beitrags, Gerhard Matzig, in der SZ sehr treffend so formuliert:

„Bei der Fassadengestaltung möchte man den Architekten zurufen: Müsst ihr euch denn immer wieder neu erfinden? Muss jedes kleine Ding immer auch ein großes Spektakel sein? Die besten Fassaden sind die, die man lesen kann – und die sich in den Dienst der Sache und des Viertels fügen. Etwas mehr Demut wäre hier gleichbedeutend mit wahrem Mut.

Schmuckvolle Texturen und Architekturen, die Kunst der Ornamentik also, sind längst rehabilitiert – und nicht alles, was schmucklos “modern” ist, ist auch schon “Bauhaus”. Das heißt: Häuser dürfen auch “schön” in einem unexzentrischen, normalen Sinn sein. Wer Angst vor dem Mittelmaß hat, ist schon mittelmäßig. Das Verbindliche, nicht das Provozierende ist die Kunst der Stadt.

Wertvolle Glücks- und Grünräume sind das Ergebnis sorgfältiger Freiflächenplanung. Und nicht das, was man am Ende, wenn das Budget erschöpft ist, mit ein bisschen grüner Farbe noch eilig auf den Plan kringelt. Gerade weil sich die Städte verdichten, müssen sie auch viel grüner und freiräumlicher werden. Das ist kein Widerspruch, sondern Logik und eine dringend gebotene Antwort auf den Klimawandel.

Identität ist der Rohstoff der Gegenwart. Das hat mit Zeit zu tun. Häuser und Viertel müssen wachsen und eine Identität entwickeln können. Wo sie aber schon wohnt, muss man sie bewahren. Heute wird im Dienst der Gentrifizierung, des Renditestrebens und unfassbar närrischer Baugesetze viel zu schnell abgerissen, um möglichst alles neu, alles energieeffizient und alles rentabel zu machen. Das Gegenteil ist richtig. Nur Häuser und Stadtteile mit unterschiedlichen Gebrauchsspuren und der Fähigkeit zur Patina können so etwas wie Heimat sein. Und nur Städte, die auch ihrer Vergangenheit wegen geliebt werden, haben Zukunft.

Sätze wie diese gehören Stadtvätern und Stadtplanern landauf-landab ins Stammbuch geschrieben – vor allem aber in Freiburg, wo nach wir vor schützenswerte und denkmalgeschützte Häuser rücksichtslos und skrupellos abgerissen werden!

Siehe: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wohnungsbau-zwoelf-gebote-1.3628161

Interessant und ebenso vergleichbar mit Freiburg ist auch dieser Beitrag des gleichen Autors in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/architektur-grosses-desaster-kleine-lichtblicke-1.3464426

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier sollen die letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs überbaut werden.




Ruft denn da niemand “Halt!”?

Auf einen beachtenswerten Leserbrief in der Badischen Zeitung (BZ) vom 21. Juli 2017 möchten wir aufmerksam machen: Unter der Überschrift “Ruft denn da niemand ‘Halt’?” beschreibt Ingeborg Lambert-Sennrich aus Badenweiler die Siedlungs- und Bauwut in Freiburg und Umgebung, die mit “renditegetriebener Investorenarchitektur” Stadt- und Dorfbilder zerstört.  Gerne möchten wir einige Passagen aus ihren Leserbriefen zitieren:

“Immer mehr Orte verlieren ihren dörflichen Charakter, und eine ganze Region ist dabei, ihre Identität preiszugeben, mit immer sichtbarer werdenden Symptomen: Abriss Ortsbild und Ortsgeschichte prägender Gebäude, Neubau überdimensionierter, oft unpassender Gebäude im Ortskern im Zuge der eigentlich richtigen Nachverdichtung, Verödung von Ortskernen, auch durch Wegzug des Detailhandels in die Industriegebiete, Ansiedlung riesiger Supermärkte auf der grünen Wiese , Zersiedlung der Landschaft durch Ausweisung immer neuer Bau- und Industriegebiete, (Donut-Effekt), Zusammenwachsen der Orte und industrielle Nutzung der Natur durch Windräder. (…)

Was für ein Verlust! Ruft denn da niemand “Halt!”? Und obwohl einige Stimmen sich erheben gegen den Ausverkauf einer Landschaft, schweigt die Mehrheit. Weil sie gewohnt ist, zu schweigen? Weil sie von dieser Entwicklung profitiert? Man muss sich einmal klarmachen, wie viele Menschen an dem Bauboom verdienen.”

Hier der Leserbrief im Wortlaut: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-68/ruft-denn-da-niemand-halt–139615842.html

In anderem Zusammenhang schrieb Frau Lambert-Sennrich zu Beginn des Jahres: “Liest man die Berichte über die Neujahrsempfänge in unserer Gegend, so geht es nach den Bürgermeistern dorfauf dorfab, pardon stadtauf stadtab, nur noch um Wachstum mit Hilfe der Erschließung weiterer Baugebiete, ohne Rücksicht auf gewachsene Ortsstrukturen, deren Charakter, Charme und Behaglichkeit und ohne Hemmungen vor der Zersiedlung heimatlicher Landschaften.”

Und sie erinnert an ein Beispiel aus Franken, über das wir auf dieser Homepage auch berichtet hatten: “Ein gutes Beispiel für eine andere Art der Ortsentwicklung gibt es in Franken. Dort haben sich sieben Bürgermeister zu der sogenannten “Hofheimer Allianz” zusammengeschlossen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels machen sie sich für eine Ortsentwicklung stark, die ohne das übliche Lockmittel Neubaugebiet auskommt. Im Auftrag der Gemeinden werden Leerstände ermittelt, Besitzer überzeugt, sich von ungenutztem Eigentum zu trennen, potenzielle Käufer erhalten als Anreiz kostenlose Architekturberatung sowie bis zu 10 000 Euro aus der Gemeindekasse für Renovation und Umbau im Ortskern. Mit Erfolg: 230 leerstehende Gebäude konnten so neu belebt und bezogen werden. Im Gegenzug wurden Bauplätze auf der grünen Wiese kassiert.”

Siehe diesen Leserbrief: http://www.badische-zeitung.de/sulzburg/leserbriefe-xvsgbiuax–133618538.html

Und siehe den Bericht auf unserer Homepage: https://freiburg-lebenswert.de/altbausanierung-statt-neubau-und-leerstand/

Seit ihrer Gründung gehört die Wählervereinigung Freiburg Lebenswert zu den Wenigen, die sich gegen den Raubbau an Grünflächen und Natur sowie gegen die Zerstörung des Stadtbildes in Freiburg wehen – leider gegen eine Mehrheit im Gemeinderat, die ausgerechnet von einer Partei  angeführt wird, die sich “Die Grünen” nennt. Es wird Zeit, dass auch in Freiburg mehr Menschen “Halt!” rufen und die Stadt vor der Zerstörung bewahren.




„Stadtteil Dietenbach ist nicht notwendig“

Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto: M. Falkner)
Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto:  M. Falkner)

Dass der neu geplante Stadtteil Dietenbach viel zu teuer werden wird und schon aufgrund der jetzigen Berechnungen ein Defizit von über 50 Mio. Euro aufweist, ist mittlerweile allgemein bekannt und wird auch von niemandem bestritte. Dass es dadurch unmöglich sein wird, den benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist auch klar und unbestreitbar. Nun kommt aber noch der Aspekt hinzu, dass die Grundlage für den errechneten Wohnflächenbedarf, der als Begründungsgrundlage dient, unrealistisch und offensichtlich “herbeigerechnet” ist.

In einem Schreiben an den Gemeinderat vom 24.09. und in einer Presseerklärung vom 26.09.2016 fordert die gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft ECOtrinova einen Stopp des städtebaulichen Wettbewerbs Dietenbach, um der Stadt unnötige Millionen-Kosten zu ersparen. Dietenbach, so der Verein, sei “nicht notwendig”. Der angebliche Bedarf für den Neubau des Stadtteils Dietenbach beruhe auf einer “seltsamen”, unrealistischen Berechnung, bei der Wohnflächen für alle in Freiburg jedes Jahr bis 2030 erhöht werden.

Dazu schreibt der Verein ECOtrinova:

„Gemeinderatsmehrheit und Stadt wollen den Neubaustadtteil Dietenbach bauen für den Luxus, die Wohnflächen pro Kopf für alle Freiburger bis 2030 um 18 mal jährlich um 0,2 qm zu erhöhen, also um 3,6 qm, für eine 4- Personen-Familie sind das rund 14 qm mehr oder typisch monatlich 140 Euro höhere Warmmiete. Wer kann das bezahlen?“

„Die Aufgabe, Wohnraum für eine wachsende Einwohnerschaft zu schaffen, umfasst nicht die Aufgabe, den Wohnraum pro Kopf für alle in Freiburg jährlich zu vergrößern. Gerade das haben jedoch Stadt und Gemeinderat zu einer entscheidenden Grundlage für den angeblichen Bedarf für Dietenbach gemacht“, so ECOtrinova-Vorsitzender Dr. Georg Löser.

Der Verein ECOtrinova riet dem Gemeinderat und der Stadt nun, den jährlichen Pro-Kopf-Wohnflächenzuwachs für alle Freiburger als Hauptgrundlage für Dietenbach abzuschaffen, den anstehenden städtebaulichen Wettbewerb für Dietenbach zu stoppen, die hohen Kosten zu sparen und sich auf die Alternativen zu konzentrieren. Weit über 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen würden sonst bei Dietenbach unnötig vernichtet, und es würde von der Stadt versucht, Landwirte zu enteignen für ein angebliches Gemeinwohl, das unter den von der Stadt angeführten Voraussetzungen gar nicht vorliege.

Siehe dazu: ECOtrinova Brief an Gemeinderat und OB zu Wohnflaechen und Dietenbach

Und: ECOtrinova zu Bedarfsnachweis Dietenbach

ECOtrinova e.V. ist eine Arbeitsgemeinschaft in Freiburg und Region ansässiger Umweltinstitute, Vereine, Fach-Büros und Bürger. Sie ist organisiert als ein gemeinnütziger kooperativer Verein für Umwelt- und Verbraucherschutz, Energie und Klimaschutz, insbesondere am südlichen Oberrhein.




FL-FF-Ortsbesichtigung im Mooswald

Fotomontage des Bürgervereins mit neuer Bebauung im Mooswald
Fotomontage des Bürgervereins mit neuer Bebauung im Mooswald

Bericht zur Fahrrad-Rundfahrt von FL/FF im Mooswald am 18. August 2016

Am 18.08.2016 lud die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) zu einer Fahrradtour durch den Stadtteil Mooswald ein, um aufzuzeigen, welch starken Veränderungen dieses Quartier in letzter Zeit ausgesetzt ist und aufgrund der derzeitigen Bauplanungen noch ausgesetzt sein wird.

Die Rundfahrt wurde von Lucia Henseler (BV Mooswald) und Stadträtin Gerlinde Schrempp (Freiburg Lebenswert) geleitet und begann um 17:00 Uhr am Treffpunkt „Am Hägle 15“ vor der Markusgemeinde. Obwohl es im Vorfeld der Veranstaltung stark regnete, hatte Petrus ein Einsehen und verschonte die ca. 20 Teilnehmer während der zweistündigen Fahrt.

Vom Treffpunkt aus ging es über einen Fahrradweg zum ersten Haltepunkt Falkenbergerstraße, Ecke Elsässer Straße. Von hier aus hat man einen guten Blick über das Baugebiet Carl-Sieder-Weg und das geplante Baugebiet „Elsässer Straße Mitte“. Im Carl-Sieder-Weg sollen 39 Wohneinheiten mit Sozialstation und Kita entstehen. Das als „Elsässer Straße Mitte“ bezeichnete Gebiet erstreckt sich vor allem Richtung Norden entlang der Elsässer Straße von der Kreuzung Elsässer Straße/ Almendweg/ Weidweg im Westen bis zum Kreuzungsbereich Elsässer Straße/Falkenbergerstraße im Osten.

Weiter ging es entlang der Elsässer Straße zum Wohnquartier „Sternenhof“. Hier wurden in 11 Gebäuden 147 Eigentumswohnungen, 1 Kita und Studentenwohnungen errichtet.

Die Strecke führte weiter durch den „Sternenhof“ über die Berliner Allee zur Flaniermeile zwischen den Gebäuden der Westarkaden, dem „Gäßle“. Hier konnten sich die Teilnehmer einen Überblick über die Ausmaße dieses Bauprojektes mit dem „Türmle“ (13 Etagen, 44 m hoch), seinen 280 Wohnungen und 27 Einzelhandelsläden verschaffen.

An den Westarkaden
An den Westarkaden

Der nächste Haltepunkt war in der Dunantstraße, wo die geplante Bebauung des Aldi- und Norma-Geländes sowie die geplante Überbauung der Dunantstraße (Rotes Kreuz) angesprochen wurde. Für dieses Gelände wird im Moment ein Gesamtkonzept von der Firma Unmüssig erstellt, auf das wir gespannt sein dürfen.

Danach Stop im Breisacher Hof. Hier wurde berichtet, dass die Gebäude 2f und 2g saniert werden und ein Ballspielplatz inmitten des Ensembles erhalten bleiben soll.

Durch den „Breisacher Hof“, die Heidenhofstraße und Querung der Berliner Allee kam die Gruppe zum Elefantenweg. Hiervon ausgehend wurden die Teilnehmer zum Gebiet zwischen Drachenweg und Elsässer Straße (Im Ochsenstein) geführt. Dort plant die Freiburger Stadtbau, der die Wohnanlage gehört, das Gelände neu und dichter zu bebauen, wenn Ende 2019 die Belegungsrechte auslaufen. In den 162 Wohnungen leben vor allem ältere Menschen, die sich teure Wohnungen nicht leisten können. Die Nachverdichtung bzw. Neubebauung des Geländes wird dazu führen, dass der wunderschöne Baumbestand, der hier vorhanden ist, der Säge zum Opfer fallen wird und wahrscheinlich wieder einmal günstiger Wohnraum zerstört wird.

An dieser Stelle schloss sich Frau Gisela Maas der Gruppe an und übernahm die weitere Führung. Mit ihr ging es wieder zurück zum Elefantenweg und dann zum Wolfswinkel. Frau Maas führte die Teilnehmer in den Mooswald hinein, unter anderem zu einer jahrhundertealten Eiche. Das gesamte Areal hat für viele Bürger der Stadt Freiburg einen großen Wert als Erholungsgebiet. Es sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Wald einen immensen Wert für den Erhalt des Klimas besitzt, zu einer Verbesserung der Luftqualität beiträgt, als Lärmschutz dient und vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bietet. Es ist kaum vorstellbar, welche Konsequenzen die geplante Abholzung dieses unter Landschaftsschutz stehenden Waldstückes für den Stadtteil Mooswald haben würde.

Am Mooswald
Am Mooswald

Aus dem Mooswald heraus ging es zurück Richtung Elsässer Straße bis zum Gebiet „Obere/Untere Lachen“. Auch hier ist angedacht, nachzuverdichten, allerdings plant die Verwaltung jetzt eine Geschosshöhe von fünf Stockwerken plus Attikawohnungen, bisher war von vier Stockwerken plus Attikawohnungen die Rede. Außerdem soll das Gebiet als allgemeines Wohngebiet (WA) deklariert werden, was zur Konsequenz hätte, dass u.a. die Lärmschutzgrenzwerte heraufgesetzt würden.

Der letzte Haltepunkt befand sich kurz vor der Kreuzung Elsässer Straße/Granada-, Paduaallee. Hier wurde nochmals deutlich, wie groß das Mooswald-Waldstück ist, welches der Wohnbebauung weichen soll.

Elsässer Straße/ Granada-, Paduaallee
Elsässer Straße/ Granada-, Paduaallee

Zum Schluss trafen sich die Teilnehmer der Rundfahrt in der Mooswaldbierstube, in der die Radtour bei Gesprächen und Diskussionen ihren Ausklang fand.

Fazit:
Alles zusammen genommen wird es bei dieser Planung zu enormen Eingriffen in die Natur und die gewachsene Siedlungsstruktur des Stadtteils Mooswald kommen, wie dies in keinem anderen Stadtteil bisher so der Fall war.

Dr. Wolfgang Deppert




Aufruf zur Rettung des Landschaftsschutzgebiets Mooswald

Aufruf/Plakat der AG Mooswald
Aufruf/Plakat der AG Mooswald

Schon seit einiger Zeit sammelt die Bürgerinitiative AG Mooswald, ein Bündnis verschiedener Organisationen um den  Bürgerverein Mooswald, Unterschriften gegen die geplante Abholzung eines großen Areals des Mooswalds im Westen von Freiburg. Mittlerweile wurde auch zur Unterzeichnung einer Petition “Hände weg vom Mooswald” aufgerufen, mit folgender Begründung:

“Die Stadt Freiburg beabsichtigt 13 ha = 130.000 m2 heimischen Mooswald zu roden. Diese Fläche entspricht der Größe von ca. 30 Fussballfeldern. Dieses Areal ist gemäß §26  Bundesnaturschutz-Gesetz ein rechtsverbindlich festgesetztes Landschaftsschutz-Gebiet, für dessen Natur und Landschaft ein besonderer Schutz gilt. Die Natur ist ein einzigartiger Schatz! Es liegt in unserer Verantwortung, sie zu schützen! Schließen Sie sich unserer Petition an und helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift den Mooswald zu retten.”

Siehe unter https://www.openpetition.de/petition/bestaetigen/haende-weg-vom-mooswald-petition-fuer-den-erhalt-des-mooswaldes-in-freiburg-west können Sie die Petition unterzeichnen.

“Die Petition ist unabhängig von der Unterschriftenaktion und kann/sollte ebenfalls unterschrieben werden. Die Petition richtet sich an den Landtag Baden-Württembergs, die Unterschriften werden dem OB der Stadt Freiburg überreicht.”

Die Initiatife fordert auch dazu auf, den Link über möglichst viele Verteiler weiter zu vereitel mit der schönen Begründung:
“Menschen sind die einzigen Kreaturen auf diesem Planeten, die Bäume fällen, Papier daraus machen und dann “Rettet die Bäume” draufschreiben!”

Weiterführende Information zur AG Mooswald finden Sie unter: https://www.facebook.com/ag.mooswald

Das Gebiet des Mooswals, um das es geht.
Das Gebiet des Mooswals, um das es geht.




Viel Kritik an der Baupolitik der Stadt

Fl-FF-Vortragsveranstaltung am 28.09.2016 mit Daniel Fuhrhop
Fl-FF-Vortragsveranstaltung am 28.09.2016 mit dem Bauexperten und Autor Daniel Fuhrhop

Fast hundert Zuhörer und Interessenten kamen am 28. September zum Vortrag und zur Buchpräsentation des Bauexperten und Autors Daniel Fuhrhop unter dem Motto “Alternativen zur Bauwut”. Zu der Veranstaltung, die die erste einer Reiher solcher Info-Veranstaltungen werden soll, hatte die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) in das Fritz-Hüttinger-Haus im Mooswald eingeladen.

Herr Fuhrhop hat in seinem Vortrag nicht nur das Festhalten an der alten, durch Zahlen und Studien längst widerlegte Überzeugung kritisiert, dass je mehr gebaut würde, desto würde sich die Wohnsituation verbessern. Er hat auch Wege aufgezeigt, wie man es besser machen kann und “50 Werkzeuge, die Neubau überflüssig machen” benannt: Modernisieren statt abreißen, Altes und Neues richtig bewerten, Leerstand erfassen, nutzen und beseitigen oder z.B. gemeinschaftliche Wohnprojekte stärker fördern, um nur einige wenige “Alternativen zur Bauwut” zu nennen.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich viele Bürger zu Wort, die ihren Unmut über die Baupolitik der Stadt sehr deutlich zum Ausdruck brachten. Vor allem die Planlosigkeit und das Fehlen eines schlüssigen Gesamtkonzepts der Stadtpolitik wurden kritisiert. Der Perspektivplan, der dies eigentlich leisten sollte, wurde als reine Alibiveranstaltung bezeichnet, der nur als Begründung für ein weiteres “Bauen auf Teufel komm raus” diene.

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Vortrag von Daniel Fuhrhop (Bild: Dr. W. Deppert)
Vortrag von Daniel Fuhrhop (Bild: Dr. W. Deppert)

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Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.
Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.

Hier ein Interview, das die Freiburger “Zeitung am Samstag” im Anschluss an unsere Veranstaltung mit Herrn Fuhrhop geführt hat (Ausgabe 210 vom 08.10.2016):

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Alternativen zur Bauwut

plakat_alternativen-zur-bauwut_28-09-2016Die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) lädt ein zu einer Vortragsveranstaltung und Diskussion unter dem Titel “Alternativen zur Bauwut” mit einem Vortrag und einer Buchpräsentation des Autors und Bauexperten  Daniel Fuhrhop, der sein Buch „Verbietet das Bauen“ präsentieren und auch sein neues Buch “Die Willkommensstadt” präsentieren wird.

Termin ist der 28. Sept. 2016 um 19.00 Uhr im Fritz-Hüttinger-Haus im Stadtteil Mooswald (neben der „Mooswaldbierstube“, Am Hägle 1/Ecke Elsässer Straße). Der Eintritt ist frei. Über Ihr Kommen und Ihr Interesse würden wir uns sehr freuen.

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Expertenmeinung: “Alte Häuser nicht leichfertig abreißen”

Der Bauexperte und Buchautor Daniel Fuhrhop erklärt in einem Interview mit dem “Münchner Merkur” am 22.09.2016 , warum er Neubauten für unnötig hält – auch in Zeiten starker Zuwanderung. Das Problem sei oft nicht die mangelnde Aufnahmebereitschaft der Bürger, sondern bürokratische Hürden. Außerdem erklärt er, dass Nachverdichtung die Vernichtung der letzten Freiflächen bedeutet und plädiert dafür, leeren Büroraum zu nutzen und alte Häuser nicht leichtfertig abzureißen. Weiter sagt er:

“Unsere Städte sind nicht schlecht gebaut. Wir haben eine gewisse Mischung der sozialen Schichten, der Herkunft, von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen. Wir sollten das nicht kaputt machen, indem wir immer wieder im Sinne überkommener städtebaulicher Irrbilder neu bauen – neue Shoppingcenter, Fachmarktzentren, öde Wohnsiedlungen, reine Bürotürme. Obwohl wir wissen, dass lebendige Städte anders aussehen, wird so weitergebaut. Wir sollten das mehr wertschätzen, was wir haben. (…)

Zweifellos brauchen wir günstige Wohnungen, doch die finden wir in Altbauten. Aber leider erleben wir einen massenhaften Neubau von Großsiedlungen. Zum Beispiel Freiham, wo mal 20 000 Menschen leben sollen. Würde man stattdessen alle Reserven in bestehenden Häusern nutzen, könnten wir ebenso viele unterbringen! Und wenn man unbedingt neu bauen will – das Französische Viertel in Tübingen stammt aus den 90er-Jahren und hat eine hochmoderne Mischung geschaffen: In den Erdgeschossen sind Ladenlokale, Werkstätten, Kindergärten. Doch hinter diesen Standard fällt man mit Freiham meilenweit zurück. Dort ist immer noch Gewerbe links, Wohnen rechts. Das führt auch zu meiner radikalen Haltung: dass die Art, wie gebaut wird, die beste Werbung dafür ist, es lieber sein zu lassen.”

Siehe: http://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/experte-fluechtlingsunterbringung-haben-genug-wohnungen-alle-6777040.html

Daniel Fuhrhop kommt auch nach Freiburg, wo er auf Einladung der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) einen Vortrag  unter dem Titel „Alternativen zur Bauwut“ hält: Am 28. Sept. 2016 um 19.00 Uhr im Fritz-Hüttinger-Haus im Stadtteil Mooswald (neben der „Mooswaldbierstube“, Am Hägle 1/Ecke Elsässer Straße). Der Eintritt ist frei.

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/alternativen-zur-bauwut

Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.
Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.




“Von Haus aus missglückt”

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“Bauherren und Architekten im Würgegriff des Bebauungsplans: Warum nur ist uns die Fähigkeit abhandengekommen, schöne und bewohnbare Städte zu bauen? Ein Denkanstoß von Christoph Mäckler.” So lauten Überschrift und der Untertitel eines sehr lesenswerten Artikels des Architekten Christoph Mäckler, der in Freiburg unter anderem das Augustinermuseum ausgebaut hat, im Feuilleton der FAZ vom 1. Sept. 2016.

Mäckler beginnt seinen Beitrag bewußt provokant: “Warum eigentlich sind unsere alten Städte in Europa schöner als alles, was Planer und Architekten je in den vergangenen  Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an Neuem entwickelt haben? Ist das normal? Sind Städte, wie der eine oder andere Kritiker im Brustton der Überzeugung öffentlich vertritt, unplanbar? Oder beruht der desolate Zustand der neuen Stadtviertel mit ihren traurig-tristen Straßen, denen jede Anmutung und Aufenthaltsqualität fehlt, einfach nur auf einem fatalen Unwissen der Fachleute, Straßen und Plätze als städtische Aufenthaltsräume zu planen?”

Den Grund benennt Mäckler unmissverständlich: “Die Gestalt des Straßen- und Platzraumes in unseren Stadtplanungsämtern bleibt ungeplant. Sie wird der Willkür und dem Unwissen einer privatwirtschaftlich orientierten Bauherrenschaft überlassen.”

Und er stellt gegen Ende seiner Anhandlung fest, was “Kern der Misere” ist: “Die Verantwortlichen planen zumeist aneinander vorbei. Architekten entwerfen Einzelbauten in Form, Farbe und Material, so als gäbe es keinen Stadtraum, in den sie sich einzufügen hätten. Stadtplaner setzen vor allem Planungsprozesse auf, statt Stadträume zu entwickeln und zu zeichnen. Verkehrsplaner errechnen Verkehrsströme und legen Verkehrstrassen fest, statt Stadtstraßen zu planen.”

Am Schluss zitiert Mäckler den Kunsthistoriker A. E. Brinckmann, der schon 1908 den Architekten ins Stammbuch schrieb: “Es ist notwendig, dass Architekt und Publikum aufhören, den einzelnen Bau als ein in sich abgeschlossenes Gebilde zu betrachten. Jeder Bau hat eine Verpflichtung gegen seine Umgebung, gegen die gesamte Stadt, wie der Einzelne gegen seine Familie. Nicht Einzelnes allein zu sehen, sondern Relationen zu geben, dies ist das erste Bemühen des Stadtbaues.”

Bleibt zu wünschen, dass solche Appelle auch endlich in Freiburg gehört werden, einer Stadt, in der nach wie vor ein Klima des unkontrollierten “Bauens auf Teufel komm raus” herrscht, bei dem sich Bauträger ohne Rücksicht auf das Stadtbild austoben dürfen.

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden
Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden




Die Folgen des ungebremsten Neubaus

“Tag für Tag verschwinden in Deutschland rund 74 Hektar Freifläche unter Beton und Asphalt, ökologisch wertvoller Boden wird zu Bau- und Straßenland. Daniel Fuhrhop formuliert mit seiner Initiative ‘Verbietet das Bauen!’ einen Lösungsvorschlag. Seit 2013 dokumentiert er in einem Blog die Folgen des ungebremsten Neubaus und zeigt, wie es anders gehen könnte”, so die Journalistin Elisabeth Schwiontek auf der Homepage des Goethe Instituts.

Uns sie stellt am Schluss fest: “Ob effiziente Flächennutzung, Umzugsbonus oder Zertifikatehandel: Wer anfängt, nach Alternativen zum Neubau zu suchen, findet erstaunlich viele. Die Forderung von Daniel Fuhrhops Initiative, das Bauen komplett zu verbieten, mag vorallem eine Provokation sein. Aber schon Albert Einstein wusste: ‘Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.‘“

Hier der Link zu dem lesenswerten Beitrag: https://www.goethe.de/de/kul/arc/20478498.html