Der missbräuchliche “Ablasshandel” mit Ökopunkten

In einem sehr interessanten Beitrag der ARD-Sendung „Report Mainz“ vom 20.08.2019 geht es darum, wie schlecht der rechtlich erforderliche ökologische Ausgleich für bauliche Eingriffe derzeit vom Gesetzgeber geregelt wird. Es werden darin auch Beispiele aus Freiburg gezeigt. Rechtsgrundlagen sind einerseits das Bundesnaturschutzgesetz, als auch die darauf beruhenden Landesnaturschutzgesetze. Die darin geregelte Aufrechnung mit Ökopunktren und deren Proporz ist allerdings „ein großes Ärgernis“, wie der Report-Beitrag zeigt.

Es gibt daran schon länger fundierte Kritik von Experten. Doch nun gerät er – gerade in Freiburg – wieder in den Focus. „Der Ökopunktehandel mag ja gut gedacht sein, aber in der Praxis sehen Umweltschützer darin eher eine Art Ablasshandel, um Baugebiete ganz leicht auszugleichen“, so ein Zitat aus dem Beitrag von “Report Mainz”. Es wird in dem Beitrag auch klar, dass ein paar “Ersatzbäume” nicht wirklich etwas an der naturvernichtenden Wirkung von baulichen Eingriffen ändern.

Auch Freiburg beteiligt sich an diesem „Ablasshandel
für die Bauindustrie“. So werden für das Baugebiet Dietenbach Ökopunkte aus dem
Bau der Fischtreppe in der Dreisam buchstäblich „ins Feld geführt“. Denn damit
lassen sich die Felder im Dietenbach überbauen. Im Grunde ist dies ein Missbrauch,
da Fischtreppen von der EU längst vorgeschrieben sind und eigentlich nicht mehr
als Ökopunkte verwendet werden dürften. Trotzdem wird es getan und den Wählern
werden ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgegaukelt, wo gar keine stattfinden.

Siehe: https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExNDYwNjg/

Der “Missbrauch mit Ökopunkten” findet auch in Freiburg statt: Bau der Fischtreppe in der Dreisam als Ausgleich für den Bau von Dietenbach (Foto: Report Mainz).




„Bauen im Bestand ist wichtiger, als Neubau“

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat ein radikales Umdenken beim Bauen gefordert. In einem Interview mit der FAZ, das dort am 8. August 2019 erschienen ist, äußert sich Heiner Farwick unter der Überschrift „Umbau muss Vorrang vor Neubau haben“ über die Verantwortung der Architekten in Bezug auf ökologisches Bauen und Verringerung des CO2-Ausstoßes. Er plädiert für eine „Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten Lebenszyklus“ und stellt dazu radikale Forderungen auf.

„Das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ hat angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr!“

So spricht der Präsident des BDA ganz deutlich aus,
was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die Wachstumsfixierung
der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ angesichts der
Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben können.“ Bei
Bauvorhaben sei eine „Gesamtbetrachtung der Energiebilanz erforderlich,
einschließlich der Berücksichtigung der grauen Energie, die im Bestand steckt.“
Der BDA plädiert deshalb für ein „Bauen im Bestand“ und hinterfragt die auch in
Freiburg so oft propagierten „Smart Houses“ oder „Smart Cities“, die zu einem „Übermaß
oftmals ökologisch fragwürdiger Dämmmaterialien“ und zu „nicht langlebigen und nicht
energetisch nachhaltigen Bauten“ führen würden.

„Der CO2-Austoß muss künftig Geld kosten — inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

„In einer Zeit, in der die Qualität unserer gebauten Welt zunehmend von quantitativen und ökonomischen Parametern bestimmt wird, wächst die Verantwortung der Architekten gegenüber der Gesellschaft“, betonte der Architekt Heiner Farwick bereits 2013 bei seiner Wahl zum Präsidenten des BDA. Als zentrale Aufgabe seiner Präsidentschaft erklärte er, sich für die „Wertigkeit der Baukultur als Ganzes zu engagieren.“ Das wiederholt er jetzt gegenüber der FAZ und weitet es aus: Ziel müsse eine „klimagerechte Architektur“ sein. Und er erwartet dabei eine „Unterstützung der Politik für diese Ziele.“ Der CO2-Austoß müsse künftig Geld kosten – „inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

FAZ-Interview mit dem Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) vom 08.08.2019

Einige Gebäude des Bauvereins am Aschoffplatz aus den Jahren 1922/23 sollen abgerissen werden, um Neubauten Platz zu machen (Foto aus der Zeit um 1930)

Die intakten Häuser der Familienheim-Genossenschaft in der Quäkerstraße, die abgerissen werden sollen, um Neubauten Platz zu machen (Foto: M. Managò)




Bundeskabinett beschließt “Masterplan Stadtnatur”

Das Bundeskabinett in Berlin hat am 6. Juni 2019 ein Konzept beschlossen, das mehr Natur in die Städte bringen soll. Stadtnatur leiste einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel, heißt es in dem sogenannten Masterplan. „Selbst kleinere Grünanlagen könnten die Temperaturen im Vergleich zur bebauten Umgebung bereits um 3 bis 4 Grad senken. Ziele seien mehr unversiegelte Flächen, mehr Natur in Stadtparks, Sportstätten, Schulen und Kindergärten“ so berichtet der Deutschlandfunk.

Dies ist eine Forderung, die Freiburg Lebenswert (FL) schon lange immer wieder angemahnt hat und weiter anmahnt. So z.B. bei der Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge, der schließlich fast komplett versiegelt wurde, oder beim Protest gegen die vielen Baumfällungen und Flächenversiegelungen (z.B. durch den Neubau der Finanzschule in der Rheinstraße). Nun zeigt der Druck seitens der Bundesregierung hoffentlich Wirkung und bewirkt bei der Stadtverwaltung vielleicht ein Umdenken.

In der Mitteilung des Bundesumweltministeriums heißt
es dazu:

„Mit
insgesamt 26 Maßnahmen will die Bundesregierung die Kommunen dabei
unterstützen, die Arten- und Biotopvielfalt in unseren Städten zu erhöhen. So
sollen natürliche, grüne Lebensräume geschaffen werden, die nicht nur Pflanzen
und Insekten nützen, sondern den Stadtbewohnern grüne Oasen der Erholung
bieten.

Bundesumweltministerin
Schulze: “Mehr Stadtnatur ist gut für die Menschen und für die Natur. Der
jüngste Bericht des Weltbiodiversitätsrates hat uns deutlich vor Augen geführt,
wie dramatisch der Schwund unserer biologischen Vielfalt voranschreitet. (…) Wir
wollen daher mehr Natur in unsere Städte bringen. Wir wollen mehr unversiegelte
Flächen, mehr Natur in Stadtparks, privaten Gärten, Sportstätten, Schulen und
Kindergärten, an Gewässern, an Gebäuden und auf Brachen mit Grün.”

Vorschlag zur Gestaltung des Platzes der alten Synagoge, den Freiburg Lebenswert im Juli 2014 eingebracht hatte (Visualisierung: K. Zipsin)

Der
Masterplan Stadtnatur unterstützt Kommunen dabei, natürliche Lebensräume zu
schaffen. Das ist gut für die Artenvielfalt, aber auch für die Menschen in den
Städten. Zu den Maßnahmen zählt unter anderem ein neuer Förderschwerpunkt
Stadtnatur beim Bundesprogramm Biologische Vielfalt des BMU. Das
Bundesnaturschutzgesetz soll geändert werden, um die kommunale
Landschaftsplanung zu stärken. (…)

All diese
Maßnahmen dienen dazu, dass Stadtbewohner mehr Grün zur Naherholung vor ihrer
Haustür finden und dass Deutschlands Tier-, Insekten- und Pflanzenarten auch in
Städten gedeihen können.“

Siehe dazu: https://www.bmu.de/stadtnatur/

Insekten benötigen Blütenvielfalt in den privaten und öffentlichen Gärten der Stadt..

… und auf möglichst vielen Grünstreifen, Verkehrsinseln oder Plätzen! (Fotos: M. Managò)




Regionale Wirtschaftskreisläufe und Vermarktungswege

Am 21. Mai 2019 hat Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL) im Gemeinderat zum Thema „Bio-Musterregion Freiburg, Kooperationsvereinbarung“ (TOP 2, Drucksache G-19/140) für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF folgende kurze, zustimmende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg hält es ebenfalls für sehr sinnvoll, regionale Wirtschaftskreisläufe durch biologische Qualitätsprodukte und regionale Vermarktungswege zu stärken. Dazu gehört für uns aber auch, die regionale Landwirtschaft zu stärken und aufzuhören, Ackerland in unserer unmittelbaren Umgebung zu vernichten. Wir werden der sehr guten Vorlage vollumfänglich zustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Einige der betroffenen Landwirte im Dietenbach, deren Pachtverträge nun gekündigt wurden (Foto: M. Falkner)




Die Macht des Geldes

„Versiegelte Flächen, Bauboom, Gewerbeflächen und
Touristenattraktionen bei Umgehung von Umweltschutz, die Macht des Geldes und
der Investoren, vollendete Tatsachen schaffen, der Glaube an Aufschwung und ewiges
Wachstum, viele Versprechen der Politik, vorschnelle Entscheidungen „zugunsten
von Arbeitsplätzen und Wohnraum“, angeblich immer alternativlos, mangelnde
Bürgerbeteiligung, Entscheidungen an den Bürgern vorbei…“. All diese Stichworte
enthält ein außerordentlich sehenswerter Film aus dem Jahr 1991 (!) über die
Insel Rügen.

Nach über 25 Jahren scheint sich nicht viel geändert zu haben – und all die genannten Stichworte erinnern auch sehr an das Freiburg von heute. Aufmerksam wurden wir auf diesen Film übrigens durch die „BI Lebenswertes Göhren“, einer Bürgerinitiative auf Rügen (vgl. https://www.facebook.com/BI-Lebenswertes-G%C3%B6hren-638811916269780/).

Schönheit, Denkmal- oder Naturschutz – so mahnt Dieter
Wieland, der Autor des Films – ist bei all diesen angeblich so unvermeidlichen
Sachzwängen keine Kategorie die zählt. Und er mahnt: „Demokratie macht nur
Sinn, wenn wir uns bemerkbar machen.“ Sich gegen diese angeblichen Sachzwänge zu
wehren, sie zu hinterfragen und die endgültige Zerstörung der Landschaft und
der Städte zu verhindern, erfordert aber viel Energie, Unerschrockenheit und Ausdauer,
wie der Dialog mit dem Rügener Umweltschützer, dem Pastor und CDU-Politiker Frieder
Jelen, im Film zeigen.

Es lohnt sich, die Zeit von 45 Minuten zu investieren,
um diesen Film von Dieter Wieland zu sehen. Denn er ist ein Musterbeispiel
dafür, wie das große Geld die Politik und die Verwaltung in Geiselhaft nimmt,
und Landschaften, Ortschaften, Städte und Denkmäler vereinnahmt und zerstört –
im Osten, im Westen, in Rügen, in Freiburg und an vielen anderen Orten in
Deutschland.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=wn6V61OambQ&fbclid=IwAR3dPY7fUCCDic3ktNciVY14NkmTvmU5fhRzbbgx9JqbkRyJlC1RMWCzaGs

Bauboom und Landverbrauch halten ungemindert an. Obwohl laut Sudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) teurer Neubau angesichts der hohren Kosten kaum bezahlbaren Wohnraum ermöglicht.




Der grüne Sündenfall Dietenbach

Die Warnungen zum Klimawandel, zum Landverbrauch, zur
Zerstörung unserer natürlichen Ressourcen werden immer lauter. Eine
Klimakonferenz folgt der anderen und jedes Mal wird festgestellt, dass es kurz
vor 12 sei und dass man unter keinen Umständen so weitermachen dürfe. Jeder müsse
vor seiner Haustür beginnen! „Global denken und regional handeln“ lautet ein
beliebtes, richtiges und immer wieder zitiertes Motto. Und was macht Freiburg?

Sehr eindrucksvoll rief die 16 Jahre alte
Klimaaktivistin Greta Thunberg beim World Economic Forum in Davos zu sofortigen
Maßnahmen gegen den Klimawandel auf. Sie sagte: “Ich will eure Hoffnung
nicht. Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich will, dass ihr Panik
bekommt. (…) Ich will, dass ihr handelt, als stünde das Haus in Flammen. Denn
es steht bereits in Flammen.” Und was macht Freiburg?

Ausgerechnet und vor allem „Die Grünen“ in Freiburg wollen
die grünen Wiesen und letzten landwirtschaftlichen Flächen der Stadt überbauen,
und sie meinen allen Ernstes, das sei „ökologisch, sozial“ und der Stadtteil
habe „die Potenziale, (…) ein Reallabor für das urbane Wohnen der Zukunft zu
werden“. Dass dies alles angesichts der enormen Kosten gar nicht realisierbar
ist, wird mit ideologischen Träumereien verdrängt.

Viele Ortsverbände der Grünen in anderen Teilen
Deutschlands stehen nach wie vor zu den wahren Zielen ihrer Partei. So z.B. die
Grünen in Mülheim an der Ruhr, die in ihrem Programm formulieren: „Reaktivierung
der Innenstadt und Flächenentsiegelung und Rückbau von baulichen Leerständen.
(…) Für eine Zukunft der bäuerlichen und biologischen Landwirtschaft. Flächenverbrauch
und Zersiedelung stoppen!“ (Siehe: https://gruene-mh.de/wahlen/kommunalwahlprogramm/.)
Und die Grünen in München haben mit dem Spruch plakatiert, auf den die Grünen
in Freiburg schon sehr agressiv reagiert haben: „Grünflächen statt Luxusbeton“.

Plakat der Grünen in München 2018 (Foto: K.-H. Krawczyk)

Die Grünen in Bayern hatten bei der letzten
Landtagswahl in Bayern ihren Stimmenanteil unter anderem mit dem Argument
verdoppelt, dass der Flächenverbrauch im Land reduziert werden muss. Hier in
Freiburg sagen – auch die Grünen – das Gegenteil: Man benötige Wachstum und
müsse sich „das Land zu eigen machen“ (so die die Fraktionsvorsitzende der
Grünen im Gemeinderat, Frau Viethen, am 24.7.2018 im Gemeinderat) für Bebauung.

Dieselbe „grüne“ Frau Viethen sagte dann am 06.02.2019 auf dem Podium im Konzerthaus allen Ernstes: „Artenschutz bedeutet nicht, dass nicht mehr gebaut werden darf. (…) Ja, die Feldlerchen die dort brüten sind vom Aussterben bedroht, aber sie sind ja noch nicht verschwunden. (…) Sorry, es ist ein gefährdeter Vogel, aber er ist noch nicht tot.“ Man werde dafür vom Regierungspräsidium (mit einer ebenfalls grünen Regierungspräsidentin) eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Das sagen dieselben Grünen, die sich früher mal aus Naturschutz-Gründen gegen den Stadtteil Rieselfeld ausgesprochen hatten?!

Immer wieder fordern die Grünen zu Recht mehr
ökologische Landwirtschaft. Jeder weiß aber, dass gerade biologische
Landwirtschaft mehr Fläche benötigt und nicht weniger. Insofern ist es ein Anachronismus
zu glauben, man könne einerseits mehr Ökologie in der Landwirtschaft fordern
und andererseits den Landwirten gleichzeitig den Boden dafür wegnehmen.




Auf die Zukunft bauen – Planen, Sanieren, Wohnen im 21. Jh.

Der bekannte Autor und ehem. Fernseh-Journalist Dr. Franz Alt, der bereits am 12. Februar zu einem Vortrag in Freiburg war, wird am kommenden Dienstag, den 19. Februar um 19.30 Uhr ins Bürgerhaus Zähringen (Lameystr. 2) auf Einladung der “Bürgeraktion Rettet Dietenbach” zu einem weiteren Vortrag mit anschließender Diskussion nach Freiburg kommen. Der Eintritt beträgt diesmal 5,- Euro, alternativ kann auch eine Spende geleistet werden.

Vorstellen muss man den Referenten wohl nicht: In 22
Sprachen sind seine Bücher übersetzt und erreichen so ein Millionenpublikum. Kaum
ein Experte hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine solche Sachautorität erworben
wie er. Er ist in gewisser Weise zu einer “energ”ethischen Instanz
geworden. Am Beispiel der neuen Stadtteilplanung wird er am 19. Februar sein
Nachdenken über das Wachstum, unsere Erde, den Boden und das Klima vortragen.

Schon oft hat Franz Alt für eine andere Baupolitik und
eine Vision für schöpfungsgerechtes und kostengünstiges Bauen plädiert. Schon
in 20 Jahren wird, so argumentiert er, der Abriss eines herkömmlich gebauten
Hauses teurer sein als der Bau dieses Hauses. Wir müssen und werden völlig
anders bauen und wohnen lernen, meint auch der ehemalige Bundesbauminister
Klaus Töpfer. Dies, so die Voraussage, wird die Herausforderung der Zukunft
sein für Planer, Architekten, Bauherren, Ingenieure, Handwerker und Politiker.
Franz Alt zeigt auf, dass eine neue ökologische Wachsamkeit beim Bauen und
Sanieren im Einklang mit der ästhetischen Wahrnehmung und dem seelischen
Empfinden des Menschen stehen kann.

Eines der Themen, mit denen er sich vor allem in
jüngster Zeit beschäftigt hat, ist das Thema “Auf die Zukunft bauen –
Planen, sanieren, wohnen im 21. Jahrhundert”. Dabei stellt er neue
Leitbilder für das Bauen und Sanieren in der Zukunft vor und zeigt die
Vielfalt, aber auch die Kontroversen des ökologischen Bauens. Er präzisiert die
Kriterien für eine zukunftsfähige Baupolitik und macht deutlich, dass
ökologisches Bauen in vielen Fällen nicht bauen, sondern sanieren heißt. Mit
Hilfe einer Spezialkamera offenbart er, wie unglaublich energieverschwenderisch
bisher das Bauen war und belegt, dass umweltfreundliches Bauen mehrere hunderttausend
neue Arbeitsplätze schaffen kann.

Siehe auch: https://rettet-dietenbach.de/?page_id=2515

Und: http://www.sonnenseite.com/de/

Der bekannte Autor, Referent und ehem. Fernseh-Journalist Franz Alt ist zu einer “energ”ethischen Instanz geworden. (Foto: Bigi Alt)




Naturschutzbeauftragte sehen „deutliche Schieflage“

Zwei langjährige ehrenamtliche, vom Gemeinderat
bestellte Naturschutzbeauftragten der Stadt Freiburg, haben sich zu Wort
gemeldet und ihre sonst geübte Zurückhaltung aufgegeben, weil sie bezüglich
Dietenbach eine „deutlichen Schieflage“ und „Seilschaften“ in der Stadt
beobachtet haben. Es ist sogar von „Gleichschaltung bei Wortmeldungen,
Berichterstattung, Wahlkampf“ und von einem „erheblichen Ungleichgewicht (…) bei
der Interessen- und Meinungsvertretung von Pro und Contra der
Dietenbach-Bebauung“ die Rede.

So deutlich und offen hat das bisher noch niemand öffentlich zum Ausdruck gebracht. Wir möchten deshalb hier den gesamten Brief der beiden Naturschutzbeauftragten veröffentlichen:

„Abweichend
von unserer (gewünschten und gebotenen) Zurückhaltung bei öffentlichen
Wortmeldungen als Naturschutzbeauftragte, haben wir uns dazu entschlossen, zum
Bürgerentscheid Dietenbach einen Leserbrief an die Badische Zeitung zu
schreiben, den diese bisher (natürlich?) nicht veröffentlicht hat.

Anlass dazu
gibt unser Eindruck einer deutlichen „Schieflage“, a) fast Gleichschaltung bei
Wortmeldungen, Berichterstattung, Wahlkampf etc. sowie b) erhebliches
Ungleichgewicht bei den Kapazitäten, finanziell, personell und organisatorisch,
bei der Interessen- und Meinungsvertretung von Pro und Contra der
Dietenbach-Bebauung. Bemerkenswert ist dabei auch, wer sich nun alles zu
solchen Themen äußert und in welchen einzigartigen „Seilschaften“.

Allerdings
konnten wir in den letzten Tagen auch zunehmend feststellen, dass wir bei
weitem nicht so alleine da stehen, wie uns 43 Stadträte und eine überwältigende
Mehrheit von Plakaten (Propaganda) gerne glauben machen würden.

Schließlich
geschieht zurzeit genau das, wovon wir wegkommen müssen, nämlich dass Sozial,
Ökonomisch und Ökologisch gegeneinander ausgespielt werden, insbesondere
Ersteres gegen Letzteres. Die Einschränkung des Flächenverbrauchs wird zur
sozialen Frage gemacht, ja zur grundsätzlichen Zukunftsfrage für die Stadt
Freiburg. Sind diejenigen, die Bedenken gegen diese Art der Bebauung haben,
tatsächlich asozial, familienfeindlich, für unbezahlbare Wohnungen, gegen
Nachhaltigkeit und gegen Inklusion, wie (im Umkehrschluss) propagiert und
suggeriert wird?“

gez. Thomas Ludemann

„Am 30.1.2019
bei der Badischen Zeitung eingereichter Leserbrief von zwei
Naturschutzbeauftragten der Stadt Freiburg. Bezug des Leserbriefes: Diverse
Beiträge zum Bürgerentscheid Dietenbach der letzten Zeit, dazu der folgende
Leserbrief mit Gesichtspunkten von zwei langjährigen, ehrenamtlichen, vom
Gemeinderat bestellten Naturschutzbeauftragten und als Wortmeldung für die
Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen auf kommunaler und regionaler Ebene,
unserer ureigenen, gesetzlichen Aufgabe.

Text des
Leserbriefes:

Nie war ein
„Nein“ so wenig grün! Bevor die letzten, großen, wertvollen Landwirtschafts-
und Offenland-Flächen der Stadt in der Ebene-– angeblich (Wohnungs-)Not-wendig
und alternativlos – vernichtet werden, sollten Alternativen endlich ernsthaft
verfolgt werden:

(1) Sind die
bisherigen Bebauungspläne, insbesondere der Gewerbegebiete und des neuen
Stadions wirklich konsequent flächensparend? Hier ließe sich zum Beispiel auf
einfachste Weise fast 80 % des Flächenverbrauchs einsparen, wenn man ein
fünfstöckiges Parkhaus baut – statt ebenerdig. Die Pharmas in Basel machen es
uns vor!

(2) Wäre es
nicht vielleicht sogar gut, auch den Umlandgemeinden oder sogar anderen
Regionen einen Teil des Bevölkerungszuwachses zu „gönnen“, anstatt dies gemäß
„Kirchturmpolitik“ als (Bevölkerungs-)Verlust zu beklagen? Auch dort und nicht
nur in Freiburg können Bauvorschriften zum geringeren Flächenverbrauch erlassen
und gute Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden.

(3) Gibt es
nicht doch einen verträglichen, erfolgversprechenden Plan B, in dem man viele
kleine Baumaßnahmen nicht nur in den Quartieren, sondern vor allem auch auf
fehl- oder untergenutzten Flächen erzeugt?

(4) Müsste
nicht eine nachhaltige Gesellschaft auch auf kommunaler Ebene die
Sicherstellung landwirtschaftlicher Produktions- und Versorgungsmöglichkeiten
so weit wie möglich auf der eigenen Fläche anstreben? So wie es nur eine Erde
gibt, so hat auch die Stadt Freiburg nur eine Gemarkungsfläche.

(5) Wäre es
(wohnungs)notfalls nicht ein geringerer Verlust, einen relativ kleinen Teil des
riesigen Bergwaldes zu opfern, anstatt letzte, große Landwirtschafts- und
Offenland-Fläche in der Ebene?

(6) Gibt es
durch die verstärkte und weiter zunehmende Verstädterung (Urbanisierung) nicht
mehr Probleme als Lösungen – regional bis global?

Nie war ein „Ja“ so Zukunft für eine – sozial,
ökonomisch und ökologisch – nachhaltige Stadt Freiburg.“

Dr. Dagmar Reduth und Dr. Thomas Ludemann,
Naturschutzbeauftragte der Stadt Freiburg




Rede von Stadtrat Winkler bei Schülerdemo

Bei der großen Schülerdemonstration am 18.1.2019 auf dem Platz der Alten Synagoge gegen den Klimawandel bekam als einziger Ü30er, obwohl selbst schon Ü60, der Fraktionsvorsitzende von Freiburg Lebenswert / Für Freiburg, Dr. Wolf-Dieter Winkler, Gelegenheit, eine Rede zu halten. Er unterstrich damit als Mitglied von Freiburg Lebenswert auch deren Unterstützung für die Anliegen der demonstrierenden Schüler.

Er berichtete, dass er 1975, einen Tag vor seinem Chemie-Abitur, nach Wyhl gefahren ist, um mit 10.000 anderen Kernkraftgegnern den Bauplatz des dort geplanten Kernkraftwerkes zu besetzen. Dies sei für ihn kritisch gewesen, denn wenn er verhaftet worden wäre, hätte das nachteilige Auswirkungen auf sein Abitur gehabt. Aber das sei es ihm wert gewesen, um als Schüler gegen diese inakzeptable Energieform zu protestieren. Er stellte weiter fest, dass der Klimawandel womöglich eine noch größere Bedrohung des Lebens auf unserem Planeten sei, als es die Kernenergie ist. Und daher sei es wichtig, dass die Schüler heute und hier gegen die Ignoranz des Klimawandels durch die Politiker protestieren.

Er schilderte weiter, dass die momentane Konzentration an CO2 in der Atmosphäre etwa 410 parts per million (ppm) beträgt und diese stetig zunimmt. Die Zunahme stieg in den letzten Jahren auf über 3 ppm/Jahr an. Würde sich dieser Trend fortsetzen, dann hätten wir in etwa 13 Jahren die kritische Konzentration von 450 ppm erreicht. Bei etwa 450 ppm erwarte man den Kipppunkt des Klimawandels. Bei Überschreiten des Kipp-Punktes wird der Klimawandel unumkehrbar sein, er wird sich selbst verstärken. Dies wird vor allem durch das Auftauen der Permafrostgebiete verursacht. Dadurch werden Unmengen Methan freigesetzt, die den Klimawandel extrem beschleunigen werden. Methan ist als Klimagas etwa 30-mal schädlicher als CO2. Es müsse also alles getan werden, um die CO2-Zuwachsraten zu verringern, um Zeit zu gewinnen.

Es sei ungeheuerlich, dass die Politik nicht bereit ist, 40.000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie anzutasten, aber kein Problem damit hatte, vor rund sechs Jahren 120.000 neu geschaffene Arbeitsplätze in der Solarindustrie durch massive Verschlechterung des Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG) von heute auf morgen zu zerstören.

Er rief den Teilnehmern zu,
weiterzumachen, nicht locker zu lassen, ein Stachel im Fleisch der Politiker
und der Kohleindustrielobby zu sein. Statt sie zu sanktionieren, sollten Lehrer
und Eltern stolz auf die Schüler sein, dass sie sich für eine lebenswerte
Zukunft einsetzen. Er dankte ihnen abschließend für ihr Engagement.

Die Schüler quittierten seine
solidarischen Worte mehrmals mit großem Applaus.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler spricht bei der Schülerdem am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)

Die Schwedin Greta hat damit angefangen. Seither demonstrieren viele Schüler am Freitag gegen den Klimawandel. So auch in Deutschland, wo am Freitag Schüler – auch in Freiburg – auf die Straße gegangen sind. Siehe dazu: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/streik-gegen-den-klimawandel-100.html




Abseits von “Green City”

Vor dem Bürgerbegehren zum neuen Stadtteil Dietenbach am 24. Februar 2019 empfiehlt es sich, sich umfassend zu informieren! Dazu gehörte es, alle Seiten – vor allem die der Betroffenen – zu hören. In einem Film mit dem Titel “Im Abseits von GREEN CITY – Die Bauern vom Dietenbach und das Wohnen” kommen viele der betroffenen Landwirte, aber auch Umweltschützer und andere Experten zu Wort. Der Film ist ein sehenswertes Statement, für das man sich die entsprechende Zeit (49 Minuten) nehmen sollte.

Hier der Link zum Youtube-Video “Im Abseits von GREEN CITY”: https://www.youtube.com/watch?v=YVjun77jZLE

Einige der betroffenen Landwirte im Dietenbach (Foto: M. Falkner)

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert

Auch offline kann der Film angeschaut werden. Siehe: