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Roden und bauen ohne Baugenehmigung

Elon Musk baut für Tesla eine Mega-Fabrik in Brandenburg. Das Gelände ist Wasserschutzgebiet, in dem ein Bauvorhaben in dieser Größenordnung eigentlich verboten ist. Das vorhandene Wasser wird angesichts der Trockenheit in Brandenburg für die Bevölkerung und Fabrik ganz sicher nicht ausreichen, denn das Tesla-Werk wird so viel Wasser verbrauchen wie eine 40.000-Einwohner-Stadt.

Eine endgültige Baugenehmigung liegt bis heute nicht vor. Dennoch wurden bereits 60 ha Wald gefällt und die Fabrik ist schon fast fertig, da das Landesamt für Umweltschutz Tesla immer wieder vorzeitige Befreiungen von Auflagen und vorläufige Vorabgenehmigungen ausstellt. Das Amt untersteht dem grünen Brandenburgischen Umweltminister Axel Vogel. Damit sind grüne Politiker für eine gigantische Umweltzerstörung im Wasserschutzgebiet verantwortlich.

Der Steuerzahler soll außerdem umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen bezahlen. Musk hat schon angekündigt, keine Gewerkschaften im Unternehmen zulassen zu wollen. Auch in Amerika setzt sich Musk über geltende Gesetze zu Gesundheits- und Arbeitsschutz hinweg. Er ist außerdem ein Corona-Leugner und -Verharmloser, bekam aber jüngst von Gesundheitsminister Jens Spahn einen Preis des Axel-Springer-Verlags überreicht.

Bauen und Bäume fällen ohne Baugenehmigung, Sondergenehmigungen für Bau- und Prestigeobjekte, das sich Hinwegsetzen über Bedenken und Einsprüche von Experten und Anwohnern… so Manches erinnert an Vorgänge in Freiburg, auch wenn hier die Dimensionen kleiner sein mögen.

Siehe dazu das Video zu einer Sendung mit dem Titel „Turbo, Tempo, Tesla“ des Magazins Frantal21 in der ZDF-Mediathek (verfügbar bis 16.03.2022):

https://www.zdf.de/politik/frontal-21/dokumentation-turbo-tempo-tesla-elon-musk-in-brandenburg-100.html

Kiefernwald in Brandenburg: so sah das Gelände vor dem Bau der Tesla-Megafabrik aus (Foto von Christopher Winkler auf Pixabay)
Nun wurde im Wasserschutzgebiert gerodet und gebaut: bis heute ohne Baugenehmigung! (Foto von Siggy Nowak auf Pixabay)



Der Langmattenwald muss erhalten bleiben!

Pressemitteilung vom 02.12.2020

Der Wald, so wie wir ihn kennen, bietet uns Menschen kostenfrei seine wichtigsten Funktionen an. Er schützt uns vor Gefahren, speichert das für die Umwelt schädliche CO2 und sein Holz kann regional als nachwachsender Rohstoff zum Beispiel für den Möbel- und Hausbau genutzt werden. Wir können uns in ihm frei bewegen und seine entspannende Wirkung erspüren. Tiere beobachten und Pflanzen bestaunen. Wir Menschen müssen gerade im Hinblick auf den Klimawandel und im Rahmen der Umweltvorsorge und zum Schutz des Gemeinwohls dafür Sorge tragen, alles für seinen Erhalt zu tun! 

Auch Forstexperten sind alarmiert:
Der Wald im Dietenbach muss als Ganzes erhalten bleiben!

Dies hat, bei einer von Freiburg Lebenswert unter Einhaltung der geltenden Coraonaregeln durchgeführten Waldbegehung, deren erste Vorsitzende Hilke Schröder, von Beruf selbst Försterin, den interessierten Teilnehmenden erklärt. Mit dabei waren FL-Stadtrat Wolf-Dieter Winkler, aber auch Andreas Roessler, Vorsitzender des BürgerInnenvereins Rieselfeld, und Vertreter der Bürgerinitiativen.

FL-Waldbegehung im Langmattenwald auf dem Dietenbach-Gelände (Foto: M. Managò)

Die Waldstücke entlang der Mundenhofener Straße werden, wenn der neue Stadtteil Dietenbach tatsächlich gebaut wird, zwischen diesen beiden Stadtteilen liegen. Und genau diese Lage, macht sie so besonders schützens- bzw. erhaltenswert. „Denn das, was uns dieser Wald an dieser Stelle alles bietet, kann nicht durch sogenannte Ausgleichsmaßnahmen oder Wiederaufforstung an anderer Stelle ersetzt werden“, so Hilke Schröder.

Das Besondere an diesem kleinen Wäldchen ist, dass sich beim Eintauchen in den Wald bereits nach nur wenigen Schritten das Gefühl einstellt, direkt im Wald zu sein. Die Erholungswirkung tritt hier sofort ein und die damit verbundenen Vorteile für den menschlichen Organismus sind schnell für jedermann spürbar. Er gleicht Extreme wie Hitze und Kälte, starken Wind, zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit und intensive Sonneneinstrahlung aus. Daher ist dieser Wald auch als Erholungswald 1a ausgewiesen, also als Wald mit sehr großer Bedeutung für die Erholung im urbanen Umfeld, und somit sind dessen Wirkungen und Leistungen hinsichtlich ihrer Gemeinwohlleistung dokumentiert.

In einer im Frühjahr 2020 von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und dem Städtischen Forstamt Freiburg durchgeführten Erhebung, wurden die Bürgerinnen und Bürger Freiburgs über die Bedeutung des Waldes als Erholungsraum während der Corona-Pandemie, bzw. während des Lockdowns befragt. Der Wald biete neben der Möglichkeit sich darin zu bewegen und etwas für die Gesundheit zu tun (98 Prozent), ein Ort der Ruhe und des Rückzugs (74 Prozent) aber und das insbesondere für jüngere Befragte, auch die Möglichkeit soziale Kontakte zu pflegen (58 Prozent). Für 91 Prozent der befragten Freiburger Bürgerinnen und Bürger, diente der Freiburg Wald zu Beginn der Corona-Maßnahmen der Bewältigung psychischer Belastungen.

„Wenn ich daran denke, dass hier im Rieselfeld um die 10.000 Einwohner leben und diesen Wald aufsuchen, wie wird dies erst werden, wenn nochmals 15.000 Dietenbacher hinzukommen. Dann müsste der Wald eigentlich größer statt kleiner werden!“ äußerte ein Teilnehmer, der bei der Waldbegehung dabei war.

Die geplante Reduzierung der bisherigen Waldfläche bereitet auch der Försterin Hilke Schröder große Sorge. Der Wald biete auch noch weitere gesundheitsrelevante Aspekte wie Luftreinhaltung und Lärmreduktion und die, vor allem für das Freiburger Klima besonders wichtige, Abkühlungswirkung für die angrenzenden Stadtteile Rieselfeld und Dietenbach. „Doch wenn der Wald an so vielen Stellen durch Fällungen aufgerissen und vielfach auf nur noch 30 m tiefe Streifen reduziert wird, dann schwächen wir die noch verbleibenden Bäume so stark, dass diese als intaktes Ökosystem Wald so nicht überleben werden“, so Schröder.

Försterin Hilke Schröder bei einer gesunden, alten Eiche im Langmattenwald auf dem Dietenbach-Gelände (Foto: M. Managò)

Diese Waldstücke dienen uns in niederschlagsarmen Zeiten, wie wir sie in den letzten Jahren kennengelernt haben, als Wasserspeicher und verbessern die Qualität des Grundwassers. Im Zusammenhang mit den Klimafolgenanpassungsstrategien versuchen viele Städte ihre Grün- und Wasserinfrastruktur als „Schwammstädte“ zu erhalten und auszubauen, um so für eine dringend notwendige Abkühlung in ihren Städten zu sorgen. Und hier, in der „Green City“, sollen Teile der bestehenden Waldfläche abgeholzt und dadurch so geschwächt werden, dass sie immer mehr austrocknen und mehr oder weniger zu Müllstreifen verkommen.

„Für Dietenbach muss kein einziger Baum gefällt werden.“ Dies versprach vor dem Bürgerentscheid 2019 der für die Projektleitung Dietenbach zuständige und ehemalige Leiter des Freiburger Baurechtsamt Rüdiger Engel und wurde selbst in diversen überregionalen Zeitungen, beispielsweise in der „Augsburger Allgemeine“ vom 22.2.2019, so zitiert. Nun will man davon nichts mehr wissen.

Freiburg Lebenswert kritisiert die waldschädigende Vorgehensweise bei der Planung des neuen Stadtteils. „Der Mindestabstand vom Wald zur Bebauung beträgt laut Landesbauordnung 30 Meter, das entspricht etwa einer Baumlänge, damit im Falle eines Sturms keine Gefahr vom Wald auf die Häuser ausgeht.“ erklärt Schröder. Dies macht, zum Schutz der Häuser, also durchaus Sinn. Da die Häuser jedoch bis an die jetzige Waldgrenze gebaut werden sollen, muss dieser Abstand auf Kosten der Waldfläche und des noch verbleibenden Baumbestandes wiederhergestellt und es müssen Bäume gefällt werden.

In Anbetracht der Tatsache, dass nur noch 20 % der Waldflächen in Baden-Württemberg ungeschädig ist und weltweit Menschen erkennen, wie wichtig der Wald für unsere Gesundheit und unser Fortbestehen ist und Bäume pflanzen, umso weniger nachvollziehbar ist es, dass die Stadt Freiburg mit Unterstützung der Grünen den Wald und die Bäume opfert, statt sie zu erhalten.

FL-Waldbegehung im Langmattenwald auf dem Dietenbach-Gelände: Försterin Hilke Schröder mit Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (Foto: K. Langosch)



„Dass das Leben lebenswert bleibt!“

Am 17. November 2020 veröffentlichte die Badische Zeitung (BZ) einen Artikel über die neu gegründete „Klimaliste“, in der sich junge Menschen, vor allem aus der Bewegung „Fridays for future“ (FFF), engagieren und nun im März 2021 zur Landtagswahl antreten möchten. Mit der Kandidatin Samira Böhmisch (23), die sich im Wahlkreis Lörrach für die Klimaliste zur Wahl stellen wird, hat die BZ gesprochen.

Die Aussagen, die Frau Böhmisch in dem Beitrag macht, erinnern uns sehr an die Anfangsjahre von Freiburg Lebenswert (FL). Da ist von dem „Ohnmachtsgefühl“ die Rede angesichts der Tatenlosigkeit der Politik und vom Nicht-gehört-werden. „Ich will später sagen können, dass ich alles versucht habe, dass das Leben lebenswert bleibt“, sagt Frau Böhmisch. Und: „Wir sind die erste Partei, die sich aus Notwehr gegründet hat.“

Siehe: https://www.badische-zeitung.de/die-klimaliste-macht-den-gruenen-ihr-kernthema-streitig–198051697.html

Tatsächlich waren wir mit FL damals in der gleichen Situation: Wir sahen uns als Bürger zügelloser Innenverdichtung und dem Wegfall vieler Grünflächen und Gärten in der Stadt ausgesetzt. Bäume wurden ohne jede Bedenken gefällt und den Bauinvestoren wurde fast immer freie Hand gelassen. Ökologische Aspekte, Stadtklima oder Stadtbild standen hinten an und über unsere Einsprüche (oder über die der Bürgervereine) wurde in der Regel hinweggegangen. Ein OB Salomon konnte noch sagen, „wer Bäume sehen will, soll doch in den Schwarzwald gehen“ und er wünsche sich „noch viel mehr Bauunternehmer wie Unmüßig“, die „auf Teufel komm raus bauen“ könnten. Solche Aussagen würde heute wohl niemand mehr machen.

Inzwischen hat sich Gott sei Dank einiges geändert. Im Ton ein wenig, im ökologischen Bewusstsein auch gelegentlich, aber leider noch nicht im grundsätzlichen Denken und – angesichts des Klimawandels – in der notwendigen Konsequenz. Nach wie vor werden die letzten landwirtschaftliche Flächen sowie Waldstücke mit vielen alten Bäumen für einen neuen Megastadtteil geopfert, oder es werden die letzten Frischluftschneisen für andere Bauvorhaben und den Bau eines neuen Stadions geopfert.

Deshalb sind wir uns mit FFF und der „Klimaliste“ einig: Ein grundsätzliches Umdenken ist notwendig. Die Zeiten des ewigen Wachstums sind vorbei. Wir müssen uns auf eine Zeit des „Postwachstums“ einstellen – global, überregional, aber gerade auch in unserer Stadt!

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/der-forderungskatalog-von-fff-fuer-freiburg/

Kein Wunder, dass „die Klimaliste, den Grünen ihr Kernthema streitig macht“, wie die BZ schreibt. Schließlich werden fast alle oben genannten Klimasünden mit Zustimmung der Grünen im Freiburger Gemeinderat vorangetrieben und abgesegnet. Ein konsequentes Umdenken kommt hier nur in Sonntagsreden vor, nicht im politischen Handeln.

Siehe dazu auch: https://freiburg-lebenswert.de/einknicken-vor-dem-lobbyismus/

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spricht bei der Schülerdemo „Friday for future“ in Freiburg am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)
Die Bäume auf dem Dietenbachgelände, die die Stadt – entgegen ihrem Versprechen vor dem Bürgerenscheid – nun doch fällen möchte (Foto: BI pro Landwirtschaft).



Der Forderungskatalog von FFF für Freiburg

Pressemitteilung vom 19. November 2020

Am vergangenen Freitag, dem 13.11.2020, hat Fridays for Future Freiburg (FFF) einen Forderungskatalog an die Freiburger Kommunalpolitik veröffentlicht und an Oberbürgermeister Horn und Umweltbürgermeisterin Stuchlik übergeben.

In den Forderungen sind unter anderem enthalten: Eine klimaneutrale Stadt und 100% erneuerbare Energien bis 2030 zu erreichen, die CO2-Einsparziele für die Jahre 2021-2030 festzulegen und die Überprüfung dieser Ziele öffentlich zugänglich zu machen, massive Investitionen in den Strukturwandel wie z.B. 100% der Konzessionsabgabe der Badenova für Klimaschutzprojekte und drastischer Ausbau von Fuß- und Fahrradwegen, ÖPNV, Renovierung nach modernen Dämmstandards und fossil-freie Wärme für alle Gebäude.

Den neuen Forderungskatalog finden Sie als Kurz- und Langversion auf derer Website unter: https://freiburgforfuture.de/forderungen/

Unsere Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler leitete vor 40 Jahren in Freiburg den Arbeitskreis Umwelt der damals gerade neu gegründeten Grünen. Viele der Forderungen von FFF, wurden damals schon aufgestellt; insofern kann er alle diese Forderungen nachvollziehen und hält sie für überfällig – nach 40 verlorenen Jahren. „Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und einen sofortigen Baustopp für Zähringer Höhe, Zinklern, Kleinescholz und Dietenbach fordern“, meint Winkler. Was das Überleben der Menschheit betrifft würde er „inzwischen äußerst pessimistische Prognosen anstellen, wenn wir nicht sofort radikal das Ruder herumreißen, vor allem auch im Baubereich.“

Der Verein Freiburg Lebenswert e.V. hat Programmschwerpunkte wie Umwelt, Ökologie und Stadtentwicklung in Zeiten des Postwachstums auf seiner Agenda und wird nun alle Forderungen im Einzelnen wohlwollend prüfen und bewerten. Grundsätzlich steht der Verein den Forderungen von FFF aber positiv gegenüber und kann vieles von dem, was darin formuliert wurde, sicher mittragen. Denn viele Forderungen decken sich mit den Zielen von Freiburg Lebenswert. So zum Beispiel:

„Grünflächensind nicht nur für den Artenschutz wichtig, sie spielen auch für die Klimaanpassung der Stadt Freiburg eine große Rolle und müssen erhalten bleiben.“ Oder: „Die notwendigen baulichen Änderungen müssen im Rahmen einer verantwortungsbewussten Ressourcenpolitik erfolgen. Der Betonverbrauch ist zugunsten von nachhaltigeren Baumaterialien zu stoppen, denn durch Betonverarbeitung entstehen jährlich 8% der globalen CO₂-Emissionen. (…) Es muss ein zukünftiges Wachstum der Stadt ohne weiteren Flächenverbrauch ermöglicht werden.“

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spricht bei der Schülerdemo „Friday for future“ in Freiburg am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)
Auf dem Gelände des geplanten neuen Stadtteils Dietenbach sollen – entgegen städtischer Zusagen vor dem Bürgerentscheid und mit Zustimmung der Grünen – nun doch über 3.000 Waldbäume gerodet werden. (Foto: BI Pro Landwirtschaft)



BDA fordert: „Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen!“

Auf die Aussagen des Präsidenten des Bundes der Deutschen Architekten (BDA) zu den Grenzen des Wachstums hatten wir vor einem halben Jahr schon einmal hingewiesen. In einem Interview mit der FAZ, das am 8. August 2019 erschienen ist, äußert sich Heiner Farwick unter der Überschrift „Umbau muss Vorrang vor Neubau haben“ über die Verantwortung der Architekten in Bezug auf ökologisches Bauen (siehe: https://freiburg-lebenswert.de/bauen-im-bestand-ist-wichtiger-als-neubau/).

„Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss.“

Der BDA hat dazu vor Kurzem auch sein Positionspapier
neu aufgelegt, das den Titel trägt:  „Das Haus der Erde – Positionen für eine
klimagerechte Architektur in Stadt und Land
“. Darin enthalten sind zentrale
Kernaussagen, auf die Freiburg Lebenswert (FL) seit seinem Bestehen immer
wieder hingewiesen hat. So zum Beispiel: „Der Traum vom ewigen Wachstum ist
geplatzt. Reduktion ist keine modische Attitüde, sondern
Überlebensnotwendigkeit. Ökologisches Umsteuern braucht Ideen und Kreativität.“
Außerdem fordert es eindringlich zur „Achtung des Bestands“ auf:

So steht in dem Positionspapier ganz deutlich
geschrieben: „Bauen muss vermehrt ohne
Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie
konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem
Abriss. Die „graue Energie“, die vom Material über den Transport bis zur
Konstruktion in Bestandsgebäuden steckt, wird ein wichtiger Maßstab zur
energetischen Bewertung sowohl im Planungsprozess als auch in den gesetzlichen
Regularien. Wir brauchen eine neue Kultur des Pflegens und Reparierens.“

Siehe hier das Positionspapier des BDA: https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2020/01/BDA-Positionen-für-eine-klimagerechte-Architektur-in-Stadt-und-Land.pdf

Diese Argumente werden jedoch in Freiburg immer noch negiert
und vergessen. Die Rechnungen werden immer ohne die angesprochene „graue
Energie“ gemacht. Weiterhin wird in Freiburg lieber abgerissen und neu gebaut,
weil die Bauindustrie und das viele Geld, das in Betongold angelegt werden
möchte, es so wollen. Und Stadtverwaltung, die Bürgermeister und eine überwiegende
Mehrheit im Gemeinderat folgen diesem Begehren. Auch die Diskussionen um den
neuen Megastadtteil Dietenbach und dessen Flächenverbrauch haben gezeigt, dass
man in Freiburg lieber auf Neubau setzt. Dabei waren die warnenden Stimmen seit
langem bekannt:

Schon vor zehn Jahren haben Architekten, Stadtplaner
und Ingenieure mit dem Klimamanifest „Vernunft
für die Welt
“ eine Selbstverpflichtung formuliert, um gemeinsam mit
Bauindustrie und Bauherren einen ökologischen Wandel im Planen und Bauen zu
erreichen (siehe dazu: www.klima-manifest.de). Der BDA
beklagt nun, dass nur äußerst wenig erreicht wurde und spricht von „mangelndem
Mut für eine radikale Änderung unserer Lebenswirklichkeit“.

„Der Traum vom ewigen Wachstum ist geplatzt. Reduktion ist keine modische Attitüde, sondern Überlebensnotwendigkeit.“

Die Forderungen zum Erhalt alter Bestandsgebäude sind also keine Partikularinteressen oder Träumereien einiger ewig Gestriger, wie zu Unrecht immer wieder behauptet wird, sondern es sind grundsätzliche, globale, ökologische Notwendigkeiten, um dem Klimawandel zu begegnen. Auch Fridays for future und die „Grünen“ in Freiburg müssten sich diese Forderungen von BDA und FL deshalb eigentlich zu Eigen machen. Hinzu kommt die – in Freiburg ebenso negierte – Warnung von Immobilienexperten und Wissenschaftlern, dass teurer Neubau (wie in Dietenbach) langfristig zu einer weiteren, zusätzlichen Verteuerung der ohnehin schon hohen Mieten führen wird.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.
Laut Sudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermöglicht teurer Neubau, angesichts der hohren Kosten, kaum bezahlbaren Wohnraum.



Interview mit W.-D. Winkler zum Thema „Lichtverschmutzung“

Gestern, am 16. September 2019, ist in der Wochenzeitung „Der Sonntag“ ein ausführliches Interview mit FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler zum Thema „Lichtverschmutzung“ erschienen. Die Stadträte von Freiburg Lebenswert (FL) im Gemeinderat hatten zuvor in einem Brief an die Stadtverwaltung darum gebeten, sich des Themas auch in Freiburg anzunehmen und ggf. dem Beispiel der Stadt Fulda zu folgen und ebenfalls einen Lichtschutzbeauftragten zu benennen.

Hier das Interview in „Der Sonntag“ (PDF): W. D. Winkler Interview zu Lichtverschmutzung in Der Sonntag am 15.09.2019.pdf

Und hier der Link zum Interview auf der Homepage der Badischen Zeitung: https://www.badische-zeitung.de/wie-und-warum-freiburg-aktiver-gegen-lichtverschmutzung-vorgehen-soll–177257290.html

„Freiburg leuchtet“ – Abendlicher Blick vom Schlossberg (Foto: M. Managò)

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/anfrage-zum-thema-lichtverschmutzung/




Der missbräuchliche „Ablasshandel“ mit Ökopunkten

In einem sehr interessanten Beitrag der ARD-Sendung „Report Mainz“ vom 20.08.2019 geht es darum, wie schlecht der rechtlich erforderliche ökologische Ausgleich für bauliche Eingriffe derzeit vom Gesetzgeber geregelt wird. Es werden darin auch Beispiele aus Freiburg gezeigt. Rechtsgrundlagen sind einerseits das Bundesnaturschutzgesetz, als auch die darauf beruhenden Landesnaturschutzgesetze. Die darin geregelte Aufrechnung mit Ökopunktren und deren Proporz ist allerdings „ein großes Ärgernis“, wie der Report-Beitrag zeigt.

Es gibt daran schon länger fundierte Kritik von Experten. Doch nun gerät er – gerade in Freiburg – wieder in den Focus. „Der Ökopunktehandel mag ja gut gedacht sein, aber in der Praxis sehen Umweltschützer darin eher eine Art Ablasshandel, um Baugebiete ganz leicht auszugleichen“, so ein Zitat aus dem Beitrag von „Report Mainz“. Es wird in dem Beitrag auch klar, dass ein paar „Ersatzbäume“ nicht wirklich etwas an der naturvernichtenden Wirkung von baulichen Eingriffen ändern.

Auch Freiburg beteiligt sich an diesem „Ablasshandel
für die Bauindustrie“. So werden für das Baugebiet Dietenbach Ökopunkte aus dem
Bau der Fischtreppe in der Dreisam buchstäblich „ins Feld geführt“. Denn damit
lassen sich die Felder im Dietenbach überbauen. Im Grunde ist dies ein Missbrauch,
da Fischtreppen von der EU längst vorgeschrieben sind und eigentlich nicht mehr
als Ökopunkte verwendet werden dürften. Trotzdem wird es getan und den Wählern
werden ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgegaukelt, wo gar keine stattfinden.

Siehe: https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExNDYwNjg/

Der „Missbrauch mit Ökopunkten“ findet auch in Freiburg statt: Bau der Fischtreppe in der Dreisam als Ausgleich für den Bau von Dietenbach (Foto: Report Mainz).



„Bauen im Bestand ist wichtiger, als Neubau“

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat ein radikales Umdenken beim Bauen gefordert. In einem Interview mit der FAZ, das dort am 8. August 2019 erschienen ist, äußert sich Heiner Farwick unter der Überschrift „Umbau muss Vorrang vor Neubau haben“ über die Verantwortung der Architekten in Bezug auf ökologisches Bauen und Verringerung des CO2-Ausstoßes. Er plädiert für eine „Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten Lebenszyklus“ und stellt dazu radikale Forderungen auf.

„Das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ hat angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr!“

So spricht der Präsident des BDA ganz deutlich aus,
was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die Wachstumsfixierung
der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ angesichts der
Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben können.“ Bei
Bauvorhaben sei eine „Gesamtbetrachtung der Energiebilanz erforderlich,
einschließlich der Berücksichtigung der grauen Energie, die im Bestand steckt.“
Der BDA plädiert deshalb für ein „Bauen im Bestand“ und hinterfragt die auch in
Freiburg so oft propagierten „Smart Houses“ oder „Smart Cities“, die zu einem „Übermaß
oftmals ökologisch fragwürdiger Dämmmaterialien“ und zu „nicht langlebigen und nicht
energetisch nachhaltigen Bauten“ führen würden.

„Der CO2-Austoß muss künftig Geld kosten — inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

„In einer Zeit, in der die Qualität unserer gebauten Welt zunehmend von quantitativen und ökonomischen Parametern bestimmt wird, wächst die Verantwortung der Architekten gegenüber der Gesellschaft“, betonte der Architekt Heiner Farwick bereits 2013 bei seiner Wahl zum Präsidenten des BDA. Als zentrale Aufgabe seiner Präsidentschaft erklärte er, sich für die „Wertigkeit der Baukultur als Ganzes zu engagieren.“ Das wiederholt er jetzt gegenüber der FAZ und weitet es aus: Ziel müsse eine „klimagerechte Architektur“ sein. Und er erwartet dabei eine „Unterstützung der Politik für diese Ziele.“ Der CO2-Austoß müsse künftig Geld kosten – „inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

FAZ-Interview mit dem Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) vom 08.08.2019
Einige Gebäude des Bauvereins am Aschoffplatz aus den Jahren 1922/23 sollen abgerissen werden, um Neubauten Platz zu machen (Foto aus der Zeit um 1930)
Die intakten Häuser der Familienheim-Genossenschaft in der Quäkerstraße, die abgerissen werden sollen, um Neubauten Platz zu machen (Foto: M. Managò)



Bundeskabinett beschließt „Masterplan Stadtnatur“

Das Bundeskabinett in Berlin hat am 6. Juni 2019 ein Konzept beschlossen, das mehr Natur in die Städte bringen soll. Stadtnatur leiste einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel, heißt es in dem sogenannten Masterplan. „Selbst kleinere Grünanlagen könnten die Temperaturen im Vergleich zur bebauten Umgebung bereits um 3 bis 4 Grad senken. Ziele seien mehr unversiegelte Flächen, mehr Natur in Stadtparks, Sportstätten, Schulen und Kindergärten“ so berichtet der Deutschlandfunk.

Dies ist eine Forderung, die Freiburg Lebenswert (FL) schon lange immer wieder angemahnt hat und weiter anmahnt. So z.B. bei der Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge, der schließlich fast komplett versiegelt wurde, oder beim Protest gegen die vielen Baumfällungen und Flächenversiegelungen (z.B. durch den Neubau der Finanzschule in der Rheinstraße). Nun zeigt der Druck seitens der Bundesregierung hoffentlich Wirkung und bewirkt bei der Stadtverwaltung vielleicht ein Umdenken.

In der Mitteilung des Bundesumweltministeriums heißt
es dazu:

„Mit
insgesamt 26 Maßnahmen will die Bundesregierung die Kommunen dabei
unterstützen, die Arten- und Biotopvielfalt in unseren Städten zu erhöhen. So
sollen natürliche, grüne Lebensräume geschaffen werden, die nicht nur Pflanzen
und Insekten nützen, sondern den Stadtbewohnern grüne Oasen der Erholung
bieten.

Bundesumweltministerin
Schulze: „Mehr Stadtnatur ist gut für die Menschen und für die Natur. Der
jüngste Bericht des Weltbiodiversitätsrates hat uns deutlich vor Augen geführt,
wie dramatisch der Schwund unserer biologischen Vielfalt voranschreitet. (…) Wir
wollen daher mehr Natur in unsere Städte bringen. Wir wollen mehr unversiegelte
Flächen, mehr Natur in Stadtparks, privaten Gärten, Sportstätten, Schulen und
Kindergärten, an Gewässern, an Gebäuden und auf Brachen mit Grün.“

Vorschlag zur Gestaltung des Platzes der alten Synagoge, den Freiburg Lebenswert im Juli 2014 eingebracht hatte (Visualisierung: K. Zipsin)

Der
Masterplan Stadtnatur unterstützt Kommunen dabei, natürliche Lebensräume zu
schaffen. Das ist gut für die Artenvielfalt, aber auch für die Menschen in den
Städten. Zu den Maßnahmen zählt unter anderem ein neuer Förderschwerpunkt
Stadtnatur beim Bundesprogramm Biologische Vielfalt des BMU. Das
Bundesnaturschutzgesetz soll geändert werden, um die kommunale
Landschaftsplanung zu stärken. (…)

All diese
Maßnahmen dienen dazu, dass Stadtbewohner mehr Grün zur Naherholung vor ihrer
Haustür finden und dass Deutschlands Tier-, Insekten- und Pflanzenarten auch in
Städten gedeihen können.“

Siehe dazu: https://www.bmu.de/stadtnatur/

Insekten benötigen Blütenvielfalt in den privaten und öffentlichen Gärten der Stadt..
… und auf möglichst vielen Grünstreifen, Verkehrsinseln oder Plätzen! (Fotos: M. Managò)



Regionale Wirtschaftskreisläufe und Vermarktungswege

Am 21. Mai 2019 hat Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL) im Gemeinderat zum Thema „Bio-Musterregion Freiburg, Kooperationsvereinbarung“ (TOP 2, Drucksache G-19/140) für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF folgende kurze, zustimmende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg hält es ebenfalls für sehr sinnvoll, regionale Wirtschaftskreisläufe durch biologische Qualitätsprodukte und regionale Vermarktungswege zu stärken. Dazu gehört für uns aber auch, die regionale Landwirtschaft zu stärken und aufzuhören, Ackerland in unserer unmittelbaren Umgebung zu vernichten. Wir werden der sehr guten Vorlage vollumfänglich zustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Einige der betroffenen Landwirte im Dietenbach, deren Pachtverträge nun gekündigt wurden (Foto: M. Falkner)