Den Bürgerentscheid zur Kurskorrektur nutzen

Pressemitteilung der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) vom 2. November 2018

FL/FF begrüßt den Erfolg des Aktionsbündnisses „Rettet Dietenbach“. Das Erfüllen des Quorums mit mehr als 12.500 gültigen Unterschriften ist umso bemerkenswerter, als durch die Sommerferien wertvolle Zeit für das Sammeln der Unterschriften verloren ging. Das Gelingen ist ein Zeichen dafür, dass die Freiburger Bürgerschaft durch dieses demokratische Mittel stärker beteiligt sein möchte.

Einer der teuersten Stadtteile Freiburgs ist das Rieselfeld – und das, obwohl das Gelände im Eigentum der Stadt war und die Erschließung problemlos erfolgen konnte. Dietenbach ist ungleich schwieriger zu entwickeln. Große Flächen sind hochwassergefährdet und müssen bis zu 3 m aufgeschüttet werden. Entlang B31 und Besançon-Allee sind Lärmschutzwälle zu errichten, zwei Stromleitungen, eine Gasleitung und ein Funkturm müssen verlegt, die Landwirte mit 65 €/m² entschädigt bzw. mit Ersatzflächen versorgt und natürliche Ausgleichsflächen für die zu bebauenden Flächen geschaffen werden. Und die Sparkasse als „Mittler“ macht ihre Arbeit auch nicht umsonst. Dennoch ist die Finanzierung keineswegs gesichert. Gleichzeitig soll der Stadtteil – zumindest „im Betrieb“ – klimaneutral sein und es soll die 50%-Regelung für „sozialen Wohnungsbau“ erfüllt werden. Fraktionsvorsitzender Wolf-Dieter Winkler: „Das Ganze erinnert an eine eierlegende Wollmilchsau! Dieser Stadtteil wird aller Voraussicht nach der teuerste Freiburgs werden. Und das wiederum wird sich ganz entscheidend in einer Erhöhung des Freiburger Mietspiegels niederschlagen. Mit einem Stadtteil Dietenbach haben alle Freiburger Mieter eine Erhöhung ihrer Mieten zu befürchten.“

Inzwischen müssen solche riesigen Baumaßnahmen auch global bewertet werden.

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier sollen die letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs überbaut werden.

Der Oktober-Bericht 2018 des Weltklimarates schlägt Alarm: Ab jetzt muss sofort dringend und umfassend gehandelt werden, ansonsten wäre eine weitreichende Zerstörung unseres Planeten kaum noch aufzuhalten. In die gleiche Kerbe schlägt der WWF-Report 2018 zum Sterben der Tiere. Der Ressourcenverbrauch der Menschen übersteigt die Belastbarkeit der Erde um das 1,7fache. Angesichts der Untergangsszenarien durch den Klimawandel wie Ab-schmelzen der Polkappen, Auftauen der Permafrostböden, zunehmende Wetterextreme, aber auch durch Plastikverschmutzung und Überfischung der Meere, massiven Pflanzen- und Tierartenschwund, usw. ist ein Weiterso des politischen Handelns, auch im kommunalen Bereich, absolut unverantwortlich. Wir haben nur noch wenige Jahre Zeit. Die Anbauflächen für Lebensmittel nehmen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs und aufgrund von Starkregen-Ereignissen auf der einen und Dürre auf der anderen Seite kontinuierlich ab, während gleich-zeitig die Weltbevölkerung massiv wächst.

Dies wird gigantische Flüchtlingsströme zur Folge haben. Bis zum Jahr 2100 werden bis zu 2 Milliarden Klimaflüchtlinge prophezeit, wenn nicht gegengesteuert wird. Das sind 2000mal mehr Flüchtlinge als die ca. 1 Million Flüchtlinge des Jahres 2015, die in Deutschland zu politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen geführt haben. Dazu Winkler: „Das bedeutet, dass die menschliche Gesellschaft auf das Wohlergehen des einzelnen Menschen künftig nur dann Rücksicht nehmen kann, wenn dieses nicht zum Nachteil der gesamten Menschheit geschieht. Wenn wir dazu nicht bereit sind, dann werden wir in wenigen Jahrzehnten globale Konflikte erleben, gegen die unsere heutigen Probleme wie bezahlbarer Wohnraum marginal sind. Die menschliche Zivilisation mit ihren Errungenschaften an sich ist bedroht“. Insofern ist ein Bauen „auf der grünen Wiese“, die Vernichtung landwirtschaftlicher Flächen ein absolutes „Geht-Nicht“.

Das Dietenbach-Gelände ist für Ökologie, Stadtklima und Landwirtschaft gleichermaßen wichtig (Foto: M. Falkner)

Stadtrat Klaus-Dieter Rückauer: „Um soziale Verwerfungen bezüglich bezahlbaren Wohnraums zu verhindern und unserer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden, müssen endlich alle diejenigen Instrumentarien eingesetzt werden, welche die Schaffung oder Um-verteilung von Wohnraum nutzen, die sich nicht nachteilig auf die Zukunft der Menschheit auswirken.“ Viele Leute wie beispielsweise Daniel Fuhrhop mit seinem Buch „Verbietet das Bauen“ haben gezeigt, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um nicht noch mehr natürliche Flächen für Wohnbau zu opfern. Alle diese Maßnahmen sind zum Teil nicht so einfach umzusetzen wie ein Bauen „auf der grünen Wiese“. Und sie erscheinen, weil sie eher kleinteilig sind, nicht als große Lösungen. Aber in ihrer Summe sind sie mindestens genauso wirksam.

Fazit:

– Dietenbach wird vor allem für die dort wohnenden Mieter ein sehr teurer Stadtteil

– Dietenbach wird damit zu einem Anstieg des Mietspiegels und teuren Mieten in ganz Freiburg führen

– Aus globalen und regionalen ökologischen Erwägungen heraus ist ein neuer Stadtteil Dietenbach als unverantwortlich abzulehnen

FL/FF appelliert daher an die Freiburger Bürger, diesen Bürgerentscheid zu nutzen, um einen neuen Stadtteil Dietenbach zu verhindern.

Siehe auch: “Zu wenig Grünflaechen und zu enge Bebauung”

Hochwasser im Überschwemmungsgebiet Dietenbach.




Gärtnern und grüne Biodiversität in der Stadt

Zu den beiden Themenbereichen “Gärtnern in Freiburg” und “Grün in der Stadt” hat unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) für die Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) am 2. Oktober 2018 im Gemeinderat folgende Reden gehalten.

Beim ersten Thema “Gärtnern und Kleingärten” empfindet er es als “unsinnig und unverhältnismäßig viele Gemeinschaftsgärten zu erstellen” und plädiert dafür, den Fokus auf die Bereitstellung von entsprechend vielen Kleingärten zu legen, statt diese weiter zu reduzieren. Hier seine Rede im Wortlaut:

Gärtnern in Freiburg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

diese Vorlage enthält einige gute Ansätze, die sich in den vier Handlungsfeldern niederschlagen. Allerdings enthält sie auch einige Feststellungen und Forderungen, die wir kritisch hinterfragen müssen bzw. ablehnen.

So wird behauptet, dass als Ergebnis der Befragungen die Freiburger ganz unterschiedliche Gartenformen nutzen möchten. Etwa die Hälfte wünsche einen privaten Kleingarten nur für sich oder die Familie. Die andere Hälfte dagegen kann sich vorstellen, sich als Gruppe in Gemeinschaftsgärten zu engagieren. Festgestellt wird, dass die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Gärtnern am ehesten bei der Gruppe der 20 – 40-jährigen gegeben sei. Wen wundert es, denn jüngere Menschen sind weit eher bereit Experimente einzugehen und diesbezüglich Erfahrungen zu sammeln. Ich vermute mal, wenn man diese Gruppe nochmals in eine Gruppe der 20 – 30-jährigen und in eine Gruppe der 30 – 40-jährigen aufteilt, dass dann in der jüngeren Gruppe die Bereitschaft zum gemeinsamen Gärtnern nochmals größer ist als in der älteren Gruppe.

Die Erfahrungen im Miteinander Arbeiten sind aber oftmals nicht so, wie man sich erhofft, sondern beinhalten fast immer kleine und große Enttäuschungen. Wenn – nur als Beispiel – der eine sät, pflanzt und gießt und der andere diese Pflanzen für Unkraut hält und rausreißt oder sich in erster Linie auf das Ernten konzentriert, wird sich bald Ernüchterung breit machen und die Zusammenarbeit schnell beendet sein. Man wird dann die Vorzüge eines Privatgartens zu schätzen wissen. Diese Meinungsumschwünge eingerechnet würde ich die Prognose stellen wollen, dass sich – wohlgemerkt letztlich – 80% bis 90% der potentiellen Hobby-Gärtner einen Privatgarten wünschen. Es ist daher nach unserer Meinung unsinnig, unverhältnismäßig viele Gemeinschaftsgärten zu erstellen. Der Fokus sollte auf der Bereitstellung von entsprechend vielen Kleingärten liegen, statt diese weiter zu reduzieren.

Ein zweiter Knackpunkt ist die Begrenzung der Pachtdauer. Wenn ein junges Paar sich für die Bewirtschaftung eines Kleingartens entscheidet, dann werden in dem Garten die Kinder, oftmals später die Enkelkinder groß. Man identifiziert sich mit dem Garten, steckt in aller Regel in ihn viel Zeit, Arbeit und Geld. Es wäre daher unverhältnismäßig, diesen Familien die Pachtdauer zu begrenzen.

Weiterhin hat ein hoher Anteil der Kleingärtner einen Migrationshintergrund. Für sie ist ihr Garten ihr Ein und Alles. Sie kennen die Bewirtschaftung von Gärten aus ihrer alten Heimat. Will man allen Ernstes diesen Leuten ihre Gärten nach Ablauf der Pachtdauer wieder wegnehmen?

Hinzu kommt, dass die Begrenzung der Pachtdauer dazu führen würde, dass sich in den Jahren vor Ablauf der Pachtzeit niemand mehr engagiert. Wozu auch? Man hat ja keine gemeinsame Zukunft. Der Garten würde verwahrlosen. Die Fluktuation in den Kleingärten ist unserer Meinung nach hoch genug, dass man auf Zwangsmaßnahmen wie Begrenzung der Pachtdauer unbedingt verzichten sollte.

Dritter Knackpunkt: Nun sollen drei Maßnahmen vorgezogen werden. Mit der Anlage von Nachbarschaftsgärten „Am Lindenwäldele“ und mit urbanem Gärtnern auf der Gleistrasse in Littenweiler können wir uns anfreunden. Nicht jedoch mit der Anlage von Kleingärten auf den Äckern von  Landwirten im Moosacker. Hier werden Landwirte gegen Kleingärtner ausgespielt. Es wird das Erzeugen von sozialen Spannungen und Unfrieden billigend in Kauf genommen. Wir haben dies schon mehrfach kritisiert und ich will deshalb an dieser Stelle nicht nochmals darauf eingehen.

Bleibt festzuhalten: Diese Vorlage ist in Teilen gut, lässt bei bestimmten Forderungen aber erkennen, dass vom Bürostuhl aus praxisfern über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden soll. Wir können der Vorlage in dieser Form nicht zustimmen.

Kleingärten sind als grüne Oasen für die Stadt unverzichtbar!

Beim zweiten Thema “Grün in der Stadt” geht es um Aktivitäten zum Schutz von Bäumen und Grünflächen, zur Entwicklung von naturnahen Gewässerrandstreifen und Straßengrün, zur Erhöhung der Biodiversität vor allem bei Insekten und Vögeln:

Grün in Freiburg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Antrag der Grünen vom 29.11.2017 zum Thema „Grün in der Stadt“ ist zu begrüßen. In der Tat ist die Befürchtung von großen Teilen der Freiburger Bürgerschaft, dass das ungezügelte Wachstum der Stadt auf Kosten von Bäumen und Grünflächen geht, durchaus nachvollziehbar. Alle in der Vorlage genannten Aktivitäten zum Schutz von Bäumen und Grünflächen, zur Entwicklung von naturnahen Gewässerrandstreifen und Straßengrün, zur Erhöhung der Biodiversität vor allem bei Insekten und Vögeln usw. finden daher unsere ungeteilte Zustimmung.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Auch wir von FL/FF halten eine Verbesserung bei der verbindlichen Bauleitplanung für dringend notwendig. Durch die Innenverdichtung und den dadurch oftmals bedingten Wegfall von Grünflächen kommt den Dach- und Fassadenbegrünungen eine immer größere Bedeutung zu. Die in der Vorlage angesprochenen Bedenken von Hauseigentümern gegen die Fassadenbegrünung sind weitgehend irrational. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Unser Haus ist zu großen Teilen mit einem dichten, bis zu einem Meter dicken Bewuchs aus wildem Wein und Efeu bedeckt. Solange man den Bewuchs nicht herunter reißt, ist er für den Putz völlig unschädlich. Unser Bewuchs ist ein Paradies für alle möglichen Insekten und Vögel. Fast das ganze Jahr summt und brummt es darin, ganze Heerscharen von Wild- und Honigbienen, Hummeln, Hornissen, Schmetterlingen tummeln sich darin. Zwitschernde Vogelschwärme tollen in dem Blätterwerk umher. Dieses tierische Leben ist eine wahre Freude für jeden Naturliebhaber. Dafür nimmt man gerne in Kauf, dass man im Herbst die Blätter entsorgen, gelegentlich einen Rückschnitt vornehmen und irgendwelche naseweisen Insekten, die glauben, das Habitat auf die menschliche Wohnfläche ausdehnen zu können, hinausbefördern muss.

Bei der Nutzung von Dächern halten wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Naturdach einerseits und Stromgewinnung durch Photovoltaik andererseits für notwendig. Angesichts der Vorbehalte in Teilen der Bürgerschaft zur Windenergienutzung u.a. wegen des angeblich beeinträchtigten Landschaftsbildes kommt der Photovoltaik eine umso größere Bedeutung zu, um die städtische Energiewende vollziehen zu können.

Aber, meine Damen und Herren, die amtlich festgesetzten Dach- und Fassadenbegrünungen müssen endlich auch nachträglich überprüft und durchgesetzt werden. Und der verpflichtende Schutz von vorhandenen Bäumen auf Baugrundstücken muss bei Verstößen endlich empfindlich sanktioniert werden. Es kann doch nicht sein – wie beispielsweise vor wenigen Jahren bei einem Neubauprojekt an der Schinzinger Steige Ecke Wintererstraße -, dass ein Bauträger absichtlich stattliche, gesunde Bäume auf dem Grundstück beschädigen lässt, um sie anschließend fällen zu können. Um einen dieser Bäume erreichen und beschädigen zu können, musste der Baggerfahrer sogar umständlich in einen spitzen Winkel des Grundstücks fahren. Gerade mal 6.000 € hat dieser Baumfrevel den Bauträger gekostet. Das entspricht etwa dem Gegenwert von einem Quadratmeter Wohnfläche. Eine solche lächerliche Strafe bezahlt der Bauträger doch feixend aus der Portokasse, wenn er dafür ein Vielfaches an Wohnraumquadratmetern mehr verwirklichen kann.

Nach dem, was wir vor zwei Wochen in München erfahren durften, hat man dort, was Sanktionierungen von Bauherren und Bauträgern angeht, weit weniger Skrupel. Denn genau solche von der Stadt weitgehend tolerierten Unverfrorenheiten von Bauträgern und Bauherren bringen die Anwohnerschaft auf die Barrikaden.

Aber es gibt noch weitere Probleme beim Grün in der Stadt: Zu Sorge Anlass gibt beispielsweise, dass immer mehr Hauseigentümer ihre ehemals grünen Gärten in naturferne Steingärten umwandeln. Hier muss dringend seitens der Stadt entgegengewirkt werden.

Und nach dem heißen Sommer ist zu beobachten, dass gerade die Mammutbäume – beispielsweise an den Weiherhofschulen – massive Nadelverluste erlitten haben. Der Schaden durch den Verlust dieser Bäume wäre ungleich höher, als die Zusatzkosten für die Wässerung der Bäume. In trockenen, heißen Sommern muss im GuT eine Änderung der Priorisierung vorgenommen werden. Sollte neben dem in der Vorlage geforderten mehr Personal für den Baumschutz auch dafür mehr Personal benötigt werden, so werden wir uns diesen Forderungen nicht verschließen.

Grünflächen an Häuserfassaden (Foto: Conrad Amber)

 




Für oder gegen den Erhalt der Natur?

Lesenswert ist der folgende Leserbrief, der am 15. August 2018 in der Badischen Zeitung (BZ) erschienen ist. In ihm bedankt sich die Autorin ausdrücklich für die eindeutige Haltung von FL/FF im Gemeinderat. Deren Stadträte hatten sich als einzige gegen Zerstörung der letzten landwirschaftlichen Flächen im Dietenbach ausgesprochen. Angelika Sesuan, im Beruf als Sozialarbeiterin bei der Stadt angestellt, schreibt in der BZ:

“Ja zu 6000 Wohnungen”: Unter dieser Überschrift betitelte die BZ die gefallene Entscheidung des Gemeinderats für die Bebauung des Dietenbachgeländes, obwohl in acht Jahren vermutlich gar keine neuen Geschosswohnungen mehr benötigt werden.

Denn werden die in der städtischen Statistik doppelten Anmeldungen von Studentinnen und Studenten und die abklingende Anzahl von Geflüchteten herausgerechnet, benötigt Freiburg laut Empirica-Gutachten (Anlage zum TOP 7 zur Vorlage GT15-024 des Ratsinfosystems, Tab. 34, Mai 2015, online nachzulesen) ab 2021 deutlich weniger neue Geschosswohnungen als prognostiziert und ab 2026 gar keine mehr und nur noch 900 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Hinzu kommt, dass der Wohnbedarf, statt wie der Entscheidung zugrunde gelegt, nicht ansteigt, sondern in Freiburg trotz vieler Wohnungssuchender leicht absinkt – so geschehen von 2011 auf 2017 um ein Quadratmeter auf nur noch 37,2 Quadratmeter, was etwa 2500 Wohnungen á 90 Quadratmeter entspricht.

Ich behaupte nicht, dass wir bis dahin nicht mehr Wohnraum als heute benötigen, zumal der Zuzug von EU-Bürgerinnen und -Bürgern möglicherweise noch zunimmt und keiner weiß, wie sich der Flüchtlingszuzug entwickelt. Die Zunahme scheint mir jedoch, auch schon der Alterspyramide wegen, weit kleiner als man uns suggeriert und kann langfristig sicherlich preiswerter geschehen – durch Ausbau der städtischen Innenentwicklung, indem zum Beispiel Geschosse aufgesetzt (statt zweigeschossige Baumärkte auf der Haid zugelassen) oder vorhandene Parkflächen überbaut werden. Ich bin nicht einverstanden, wenn die Freiburger Klimaziele und unsere Steuergelder hochpreisigen Bauvorhaben geopfert werden, deren Grundstücke zu allem Überfluss noch um drei Meter aufgeschüttet werden müssen, da sonst Überflutung droht.

Wir haben bei vielen unserer Entscheidungen als Menschen die Wahl: ob wir uns für oder gegen die Erhaltung der Natur positionieren. Manchmal scheint es auf den ersten Blick nötig zu sein, diese zu bebauen – im Fall des Dietenbachgeländes scheint mir dieses weder nötig noch sinnvoll und angemessen.

Nicht nur wegen der uns ernährenden landwirtschaftlichen Flächen und wichtigen Habitate für Greif- und andere Vögel, sondern auch für das Wohl der uns nachfolgenden Generationen plädiere ich sehr dafür, diese in Zeiten der Klimaveränderung so wichtige kühlende Schneise nicht zu bebauen!

Auch ohne FL/FF-Wählerin zu sein, danke ich den Stadträten dieser Partei für ihre vier Gegenstimmen.

Angelika Sesuan, Freiburg

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/ich-bin-nicht-einverstanden-wenn-klimaziele-und-steuergelder-hochpreisigen-bauvorhaben-geopfert-werd–155775097.html

Dass sich ausgerechnet die Grünen in Freiburg für die Versiegelung, Bebauung und Zerstörung der ökologisch wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und für ein “Bauen auf Teufel komm raus” samt Enteignung der Bauern im Dietenbach einsetze, das stößt mittlerweile auch bei deren treuer Wählerschaft übel auf.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)

Einige der betroffenen Landwirte im Dietenbach (Foto: M. Falkner)




Grüne Enteignung statt Erhalt der Ökologie

Maria Viethen, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Freiburger Gemeinderat sagte am 24.7.2018 zum neuen Stadtteil Dietenbach: „Meine Fraktion wird im Übrigen dem Beschlussantrag Ziff. 5 der Drucksache G 18/114 zustimmen, wonach gegen die GrundstückseigentümerInnen, die bis zum 31.12.2018 nicht verbindlich ihre Mitwirkungsbereitschaft erklärt haben, die erforderlichen Enteignungsverfahren einzuleiten sind. Das Grundgesetz der Bundesrepublik enthält eine Eigentumsgarantie. Es bestimmt jedoch in Art. 14 Abs. 2 auch, dass Eigentum verpflichtet. Der Gebrauch des Eigentums, so heißt es dort ausdrücklich, soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Und wir sind überzeugt, dass der neue Stadtteil im Dietenbach genau dies tun wird: dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“ Weiter führte sie aus: „Das Gebiet, auf dem der neue Stadtteil Dietenbach errichtet werden soll, ist teilweise von hohem ökologischen Wert. Es gibt Waldflächen mit altem Baumbestand als Lebensraum für geschützte Vogel- und Fledermausarten, den naturnahen Gewässerlauf Dietenbach und geschützte Biotope.“

Wenn man diese Aussagen liest, dann ist man einfach nur sprachlos und stellt sich die Frage, mit welchem Recht diese Partei noch die Bezeichnung „Die Grünen“ in ihrem Namen trägt. Zum einen hat man kein Problem damit, GrundstückseigentümerInnen zu enteignen, um dieses ökologisch wertvolle Gelände zu bebauen. Zum anderen wird als Berechtigung für die Enteignungen das Allgemeinwohl aufgeführt. Man bezieht sich dabei auf das Grundgesetz, während bei anderen Fragestellungen der Hinweis auf dieses ins Lächerliche gezogen wurde.

Was ist eigentlich mit den Hauseigentümern, die ihre Wohnungen leer stehen lassen? Die Gebäude dienen entweder als Abschreibungs- und Renditeobjekte oder werden als denkmalgeschützte Gebäude nicht saniert und solange dem Verfall preisgegeben, bis eine Abbruchgenehmigung erteilt wird. Wenn man schon das Wohl der Allgemeinheit als Rechtfertigung für Enteignung heranzieht, dann wären rechtliche Maßnahmen doch wohl eher bei Leerstand angesagt als bei den Landwirten, die uns mit regionalen Lebensmitteln versorgen.

Dieser Beitrag wurde von der Fraktionsgemeinschaft FL/FF für das “Amtsblatt” der Stadt Freiburg verfasst.




Rede zum Klimawandel in Freiburg

Zum Thema “Anpassung (Adaption) an die Folgen des Klimawandels im Stadtkreis Freiburg” hat unser Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk in der Gemeinderatssitzung am 10.07.2018 unter Top 5 folgende ausgezeichnete und viel beachtete Rede gehalten, die wir als Lektüre sehr empfehlen möchten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Klimawandel ist in aller Munde und kann auch nicht mehr verleugnet werden. Selbst wenn man nicht besonders oft Nachrichten sieht, kann man feststellen, dass Unwetter zunehmen. Das hat lokale Auswirkungen auf die Umwelt, denen wir uns nicht verschließen dürfen und können. Die Vorlage der Verwaltung ist der richtige Weg, den wir von FL/FF auch unterstützen werden. Nachdem meine Vorredner recht pauschal zum Klimawandel gesprochen haben und offenbar auch keine konkreten Konzepte vorlegen können, möchte ich doch etwas ausführlicher zum Thema sprechen.

Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

In Deutschland, insbesondere aber auch in Freiburg, gibt es immer noch zu viele Alibibegrünungen, bei denen die Optik das einzige Argument für die Ausführung ist. Klimawandel, Stadtökologie und Biodiversität sind die Schlagworte, aus denen Argumente und Fakten für die Begrünung von Dächern und Fassaden abgeleitet werden können. Die Optik darf nur der Zusatznutzen einer Begrünung sein. Die Dachbegrünung 4.0 vom Biodiversitätsdach über Klimagrün- und Solardach bis Urban Farming ist in Freiburg noch nicht angekommen. Wir brauchen Dachbiotope mit Totholz und Sandbänken als Heimat für allerlei Insekten. Neueste Wasserspeichertechniken halten große Mengen Wasser auf dem Dach zurück und können so auch für die Kühlung eines Gebäudes verwendet werden. Jeder Liter Wasser, der nicht in einer Kläranlage ankommt, hilft dieser besser zu funktionieren. Insofern lohnt ein genauer Blick auf die Retention und Verdunstungsleistung einer Begrünung. Solaranlagen und Dachbegrünungen schließen sich übrigens nicht aus. Im Gegenteil. Der kühlende Effekt einer Dachbegrünung senkt die Temperatur der Solarzelle, was dazu führt, dass sie mehr Energie erzeugt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich schaue jetzt mal besonders in Richtung grüne Fraktion und Bürgermeisterbank, eigentlich aber auch zur Mehrheit dieses Gemeinderates…

wenn Sie schon unbedingt Schrebergärten und Grünflächen für Gebäude platt machen, dann sorgen Sie gefälligst dafür, dass diese oben auf dem Gebäude wiederhergestellt werden. Wie unsinnig ist es eigentlich, wenn man ökologisch wichtige Grün- und Kaltluftflächen vernichtet, Steinwüsten in die Innenstädte baut, Bäume und Landwirtschaft platt macht und dann feststellt, dass man Probleme bei der Biodiversität und dem Klimaschutz hat? Ökopunkte und Ausgleichsflächen, die weit weg sind, taugen auch nur, um das persönliche Gewissen zu beruhigen oder Subventionen an fraglich Bedürftige zu verteilen. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten, ein Zitat, das unser Kollege David Vaulont zuletzt in diesem Kreis erwähnt hat, stimmt. Es wird aber auch immer mehr Menschen in eine Stadt bringen. Das gilt für neue Baugebiete übrigens auch. Dabei stellt sich dann die Frage, ob die vorhandene Infrastruktur einer Stadt überhaupt geeignet ist, dies kapazitiv aufzunehmen. Wie naiv ist man eigentlich, wenn man glaubt, stark zunehmenden Verkehr alleine durch Verkehrsregelung und Verbote in den Griff zu bekommen? Und dass der Verkehr sich dramatisch reduziert oder durch Elektromobilität kurzfristig in den Griff zu bekommen ist, wird doch wohl auch niemand ernsthaft glauben und werden auch die wenigsten von uns erleben. Wie absurd erscheint da die Diskussion um Tempo 30 in ganz Freiburg? Mal abgesehen davon, dass wir dem als Fraktion noch lange nicht zugestimmt haben.

Ich selbst wäre schon recht froh, wenn man mindestens Tempo 30 durchgängig in Freiburg fahren könnte. Tatsächlich geht es oft nur in Schrittgeschwindigkeit in einer Blechlawine, die ebenfalls nicht unwesentlich zur Feinstaubbelastung und zur Erwärmung beitragen dürfte.

 Bezüglich des Klimawandels hat unsere Fraktion konkrete Vorschläge:

  • Ökologisch wichtige Grünflächen müssen erhalten bleiben. Alternativen sind zu prüfen und es muss sich auch die notwendige Zeit dafür genommen werden. Was sind jetzt ein paar Jahre sorgfältige Prüfung und nachhaltige Entwicklung im Vergleich zu den möglichen negativen Auswirkungen auf viele nachfolgende Generationen. Bürgerinnen und Bürger sind noch mehr zu beteiligen und Moderationsverfahren dürfen keine Alibiveranstaltungen sein.

  • Landwirtschaft unterstützen, fördern und nicht durch Enteignung und Verbote bestrafen und in ihrer Existenz gefährden.

  • Den Fünf-Finger-Plan wiederaufnehmen, weiterentwickeln und für Kühl- und Ausgleichsflächen sorgen und diese auch erhalten. Es kann nicht sein, dass sich die Stadt Freiburg immer mehr erwärmt, nur, weil der Baubürgermeister auf einem Kamel der Investoren durch die Betonwüsten reitet.

  • Eine Expertenkommission für Dach-, Fassadenbegrünungen und Solaranlagen im Bauamt einrichten, bestehend aus Stadtplanern, Rechtsamt, sachverständigen Handwerkern und Vertretern der Industrie.

  • Alle bestehenden Dächer, insbesondere die der Stadt Freiburg, prüfen und hinsichtlich Dachbegrünung 4.0 verbessern. Bei neuen Dächern dürfen die Kosten nicht der Ausschlussgrund für eine Dachbegrünung und/oder Solaranlagen sein.

  • Last but not least fordern wir, und das ist insbesondere für private Hauseigentümer ein wichtiger Anreiz, ein Förderprogramm „lebenswert Begrünen“ zu schaffen.

Grünflächen an Häuserfassaden (Foto: Conrad Amber)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist schön, dass sich die Mitglieder dieses Gemeinderates in Anbetracht der letzten OB-Wahl und kommenden Kommunalwahl wieder auf Ihren grünen Daumen zurück besinnen.

Das ist auch gut so. Rückblickend betrachtet, hatten wir in den letzten Jahren eher eine Politik des ungebremsten Wachstums und ein mangelndes Interesse an Verkehr, Biodiversität und Klimaschutz.

Als bestes Beispiel dafür können wir nur immer wieder auf das Flugplatzgelände verweisen. Besseren Wissens wird hier hochwertiger Naturraum und ein Kaltluftsee, der sich äußerst positiv auf die Klimaerwärmung auswirkt, platt gemacht. Wie verbohrt muss man eigentlich sein, dies alles in Kauf zu nehmen, nur um den Freiburger Flugplatz langfristig zu schließen?

Das wirklich Traurige daran ist, dass dies in all den Jahren auch noch von Mehrheiten im Freiburger Gemeinderat und der Bürgermeisterbank unterstützt wurde. Wo sind die ganzen Synergieeffekte geblieben? Die Spiegellösung ist schwieriger und dauert vielleicht etwas länger, bietet aber erhebliche Vorteile beim Lärmschutz, dem Klimaschutz, der Erhaltung wichtiger Ausgleichsflächen und der Flugsicherheit. Zu Beginn des Verfahrens waren dies alles eigentlich mal KO-Kriterien.

Herr Mauch von der Badischen Zeitung hat es im letzten Münstereck als Politshow bezeichnet. Ich möchte es gerne anders ausdrücken: Wenn Sie morgens am Flugplatz stehen und der Wind so ganz leise über den Kaltluftsee Richtung Freiburger Innenstadt streicht, können sie hören, wie die Bürgerinnen und Bürger veräppelt werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Der “Fünf-Finger-Plan” zum Stadt-Klima bzw. zur -Durchlüftung! Dieser, von der Verwaltung selbst aufgestellte und publizierte Plan, wird durch Neubauten (so z. B. auch durch die Stadion-Planung) immer wieder missachtet, ausgehebelt und durchkreuzt.




Großbaumverpflanzungen endlich thematisiert

Bereits am 16. Januar 2018 hatte die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) im Gemeinderat eine Anfrage zum Thema”Großbaumverpflanzungen” eingebracht. Am 12. März 2018, also erst zwei Monate später folgte die Antwort der Verwaltung, namentlich von Baubürgermeister Martin Haag. Erst jetzt, am 20. Juni 2018, also wiederum mehr als drei Monate später, hat die Badische Zeitung (BZ) das Thema aufgegriffen.

In der Anfrage schreibt FL/FF: “In Freiburg kommt es immer wieder zur Fällung gesunder Bäume, die einer Baumaßnahme im Wege stehen, wie kürzlich beim Neubau der Volksbank zum Entsetzen der Freiburger Bürgerschaft geschehen. Als Alternative für die Fällung von vitalen Bäumen gibt es aber auch die Möglichkeit der Großbaumverpflanzung, so dass diese an einem neuen Standort weite-ren Generationen erhalten bleiben. So bietet beispielsweise die Fa. Opitz GmbH & Co. KG (Industriepark 1, 91180 Heideck), die europaweit tätig ist, solche Verpflanzungen an.”

Siehe dazu:  Grossbaumverpflanzung statt Abholzen

Pflanzmaschinen für große Bäume (Foto: Mit freundl. Genehmigung der Fa. Opitz)

Als Gegenargument berichtet die Stadt von schlechten Erfahrungen mit Baumverpflanzungen. “Zur Landesgartenschau 1986 sei eine Linde vor den Forstpavillon verpflanzt worden – und seither kaum weitergewachsen. Jüngere Bäume hätten sie vor Jahren schon überragt”, so  die BZ zur Argumentation der Stadtverwaltung; und sie zitiert dazu Dr. Wolfgang Deppert: “FL/FF-Fraktionsgeschäftsführer Deppert kann die Argumente nicht alle nachvollziehen. Heute gebe es andere technische Mittel als 1986, sagt er.”

Siehe in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/das-thema-baumverpflanzung-wird-in-freiburg-kontrovers-diskutiert–153753240.html

Wichtig ist uns, dass das Thema (wenn auch mit reichlich Verspätung) endlich aufgegriffen und öffentlich diskutiert wird. Denn die Baumfällungen haben die Freiburger Bevölkerung Ende 2017 und Anfang 2018 sehr aufgewühlt. “Als im Herbst 2017 für den Neubau der Volksbank 47 Bäume gefällt wurden, war der Aufschrei in der Stadt groß. In Leserbriefen hagelte es Kritik an der Stadtverwaltung”, so die BZ. Das Thema hat wohl auch zur Stimmung gegen OB Salomon und zu dessen Niederlage im OB-Wahlkampf beigetragen.

Der Wert eines Baumes (Foto und Text: Conrad Amber)




Ein Plädoyer für mehr Bäume in der Stadt

Der Vortrag von Conrad Amber “Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt” am 16. Mai 2018 in Freiburg war ein großer Erfolg. Auf Einladung der Fraktionsgemeinschaft “Freiburg Lebenswert / Für Freiburg” (FL/FF) hielt der Autor und Naturfotograph vor ca. 220 Zuhörern in der Universität ein mitreißendes Plädoyer für mehr Grün im Städtebau. Er begeisterte seine Zuhörer mit eindrucksvollen Bildern und vielen kreativen Ideen für ein Leben mit mehr Bäumen in der Stadt.

Den kompletten Vortrag von Herrn Amber können Sie sich auf unserem YouTube-Kanal im Internet ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=pwYc-DxxxIg&t=516s

Veranstaltung von FL/FF mit Conrad Amber in der Universität in Freiburg (Fotos: M. Managò)

Der Autor und Naturfotograph Conrad Amber während seines Vortrags

Herr Amber mit Stadträten und Mitgliedern von Freiburg Lebenswert

Der Wert eines Baumes (Foto und Text: Conrad Amber)

(c) Foto: Conrad Amber




„Betriebsblindheit“ und „verlorene Bodenhaftung“

Ein Blick auf die Kommentare nach dem sensationellen Wahlsieg von Martin Horn zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung offensichtlich sein kann. Dies bezieht sich vor allem auf die Bürgernähe, mit der Martin Horn eine echte Alternative zum abgewählten Amtsinhaber geboten hat und mit der er einen ganz anderen, völlig neuen Politikstil gepflegt hat. Damit kamen die etablieren Parteien (Grüne und CDU) offenbar ebenso wenig zurecht, wie die in Freiburg etablierte Monopol-Presse (BZ).

Die überregionale Presseschau sowie Kommentare von Lesern, die unter Beiträge auf BZ-Online geschrieben wurden, zeigen, dass es auch ein ganz anderes Bild zum Wahlsieg von Martin Horn gibt, als das der „betriebsblinden“ lokalen Presse und das des Salomon-Lagers, dem offenbar „die Bodenhaftung verloren gegangen ist“ (Zitate aus Online-Kommentaren, s. u.).

Ein Beispiel für diese Betriebsblindheit ist z.B. der Kommentar von Kerstin Andreae, als sie in ihrem ersten Statement vor dem Rathaus nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses bedauerte, dass offensichtlich die Freiburger Wähler sich für Klimaschutz nicht mehr interessieren würden. Richtig ist da wohl eher, dass Martin Horn nicht gewonnen hat, weil die Wähler keine grünen Themen mehr wollen, sondern weil sie diese ihre grünen Anliegen bei der Partei der Grünen (zumindest in Freiburg) nicht mehr vertreten sehen.

Dass die grün geprägte Freiburger Wahlbevölkerung nicht mehr die sogenannten „Grünen“ als die besten Vertreter der grünen Themen ansehen, ist für Freiburg Lebenswert (FL) eine große Chance, denn schließlich hat diese basisdemokratisch-liberal ausgerichtete und Bürgerinteressen vertretende Wählervereinigung das Grün nicht nur in ihrem Logo sondern macht ganz wesentlich auch grüne Kommunalpolitik.

   

  

Hier einige ausgewählte Kommentare bei BZ-Online:

Von Werner Kohl.

„Wenn Salomon (nach dem ersten Wahlgang) argumentierte, es gäbe in der Stadt ja nur ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit, zeigt das, dass er die Bodenhaftung komplett verloren hatte und mit verbundenen Augen und verstopften Ohren durch die Stadt lief. Gewichtige Anliegen der Bürger perlten an ihm ab: Innenstadtbewohner, die durch nächtliche Sauforgien um den Schlaf gebracht werden, Geschäftsleute die beklagen, dass Passagen und Nebenstraßen zum Pissoir geworden sind und frühmorgens und am Wochenende die Stadt aussieht wie eine Müllhalde, Hoteliers die darauf hinweisen, dass der Colombi-Park zum Drogenumschlag- und Fixerplatz wurde und ihre Gäste Angst haben, ihn zu betreten, Hunderte von Bäumen die Bauprojekten geopfert wurden, eine verkorkste Wohnungsbaupolitik, ein völlig unsensibler Umgang mit dem jüdischen Erbe auf dem Platz der alten Synagoge. Die Liste der Fehlleistungen ließe sich beliebig fortsetzen bis hin zur Erklärung, die Hornwähler wollten eben gerne zum Siegerlager gehören: eine Beleidigung für alle, die aus den genannten Gründen Horn gewählt haben.“

Von Jürgen Steinke:

“(…) Betriebsblindheit droht allen, die längere Zeit mit Gleichem beschäftigt sind. Beschäftigten in Unternehmen, Politikern und Redakteuren in Zeitungen. Letztere sollten allerdings möglichst nicht in diese Falle tappen. Es war offenkundig, wie sehr auch die BZ vom Wahlausgang überrascht war. Und wer aufmerksam war, konnte auch die mediale Unterstützung für den Kandidaten Salomon aus einigen Texten herauslesen. Distanz und Unabhängigkeit sind allerdings Grundvoraussetzungen für guten, fairen und vor allem erkenntnisreichen Journalismus. (…)”.

Von unserem Mitglied Horst Dieter Akermann:

„Ich bin stolz auf unseren OB Martin Horn. Selbst am Höhepunkt seines spektakulären und kräftezehrenden Wahlkampfest, der durch die unerwartete Aktion eines kranken Menschen leicht hätte zum Tiefpunkt werden können, zeigte er Größe durch christliches Verhalten. Noch einmal ein Pluspunkt, auf dessen Demonstration wir lieber verzichtet hätten. Es ist kaum zu glauben, Martin Horn hat Freiburg verändert und zu einer unerwarteten Geschlossenheit geführt. Er wird ein erfolgreicher Oberbürgermeister werden.“

Und hier einige Ausschnitte aus Kommentaren und Beiträgen der überregionalen Presse:

Deutschlandfunk:

“Vordergründig sind dafür (für Salomons Abwahl; ug) lokale Gründe wie die extrem hohe Mieten und die große Wohnungsnot ausschlaggebend gewesen. Allerdings: Um Wohnungen zu bauen, und nebenher auch ein neues Fußballstadion, ließ Salomon schon mal Biotope zuschütten und Bäume fällen – und vergrätzte damit seine eigene Parteibasis. (…) Diejenigen, die einst euphorisch grün gewählt haben, wollen ihren Wählerwunsch nicht durch (…) Sachzwänge vernebelt sehen. Sie wünschen sich, dass grüne Werte deutlich im Regierungshandeln erkennbar bleiben, selbst wenn die CDU der Koalitionspartner ist. Ist dieser grüne Stempel nicht mehr erkennbar, wird es vielen grünen Wählern zu bunt  und sie machen ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel anderswo.”

DIE WELT:

“Die Niederlage Salomons kann nur auf den ersten Blick überraschen. Wer sich in jüngster Zeit in Freiburg umhörte, dem konnte weder entgehen, dass sich die Stadt immer mehr in Wechselstimmung befand, noch dass mit Martin Horn ein Kandidat bereitstand, der diesen Wechsel auch verkörpert. Horn verkörpert jene Jugendlichkeit und Aufbruchstimmung, nach der man sich in Freiburg sehnte. Horn konnte die Freiburger von sich überzeugen – und davon, dass 24 Jahre Salomon zu viele gewesen wären.”

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ):

“Salomon ist in den 16 Jahren die Nähe zu den Bürgern abhandengekommen, und auch für das in Freiburg wie nirgendwo sonst in der Republik gut verankerte grüne Kernmilieu hatte er manchmal nur noch Spott übrig. (…) Die Bürger wollten einen neuen Oberbürgermeister und ganz sicher auch einen Neuanfang in der Wohnungsbau- und Stadtentwicklungspolitik.”

Der Spiegel:

„Salomons Niederlage kommt zumindest für Freiburger Verhältnisse, einem politischen Erdbeben gleich. Zum Verhängnis wurde Salomon unter anderem, dass er lieber managte als erklärte und gelegentlich durchblicken ließ, wie sehr ihn das Klein-Klein und manche Befindlichkeitsdebatten nervten. Die drohende Niederlage sah er nicht kommen. Folgerichtig wird Salomon nun von einem Bewerber beerbt, der sich besonders als Zuhörer profiliert hat: Martin Horn setze im Kampf um die Stimmen vor allem auf Authentizität und Frische, flankiert durch einen professionellen Wahlkampf im Internet.”

Stuttgarter Zeitung:

“Die Ökohauptstadt Deutschlands schickt ihren grünen Oberbürgermeister in die Wüste. Was für eine Schmach! Wer glaubt, die Niederlage gründe allein in der Arroganz des Amtsinhabers Dieter Salomon, der irrt. Es mag ja sein, dass Salomon als südbadischer Provinzkönig mit der Zeit die Bodenhaftung verlor. Aber das Desaster ausschließlich mit dem herben Charme des Amtsinhabers zu erklären, greift dann doch zu kurz. Es scheint so, als ob die Transformation der Grünen in eine CDU mit Faible für den Insektenschutz ihre Grenzen erreicht hat.”

SWR:

“Viele, zu viele Freiburger haben auch richtige Probleme. Allen voran die, die eine bezahlbare Wohnung suchen. Dieses Problem hat der 16 Jahre lang amtierende grüne OB Dieter Salomon völlig unterschätzt. Ein schlimmer politischer Fehler, verbunden mit seinem persönlichen von manch einem als überheblich wahrgenommenen Stil hat den Erfolgsverwöhnten hart, sehr hart auf den Boden der Wirklichkeit fallen lassen.”

Südwest-Presse:

“Es ist die Tatsache, dass Salomon das, was gerade von einem grünen OB erwartet wird, offensichtlich aus den Augen verloren hat: bei den Menschen zu sein, mit ihnen zu sprechen und ihnen zuzuhören. Dafür hat er am Sonntag die Quittung bekommen. Die Freiburger wollten einen Wechsel. Den bekommen sie. Martin Horn ist zu wünschen, dass er es besser macht.”

Süddeutsche Zeitung:

„Letztlich war es wohl vor allem eine Anti-Establishment-Wahl, dagegen ist nichts einzuwenden. Demokratischer Wechsel ist ein Wert an sich. Für das Modell einer ökologisch-konservativen grünen Politik ist die Niederlage in Freiburg ein schwerer Schlag.”

Die Zeit:

“Der Wahlausgang hat symbolische Bedeutung über die kommunale Ebene hinaus und gilt als schlechtes Zeichen für die im Land zusammen mit der CDU regierenden Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.”

Focus-Online:

“Zu konservativ, nah an der CDU und arrogant sei Salomon gewesen, hieß es in ersten Analysen. Die Südwest-Grünen sprachen davon, dass die Wechselstimmung in Freiburg unterschätzt worden sei. Dass die selbst ernannte Öko-Hauptstadt Deutschlands in vielen Punkten links tickt, zeigte nicht nur Horns Erfolg mit sozialen Wahlkampfthemen. (…)

Die nächsten acht Jahre im Rathaus gehören nun dem parteilosen Horn, einem politischen Newcomer. Er hat in nicht einmal vier Monaten Wahlkampf in der badischen Universitätsstadt eine Wechselstimmung entfacht. Amtsinhaber Salomon, der sich von Beginn an als Favorit sah, konnte dem nichts entgegensetzen. „Die Welle des Wechsels war nicht mehr zu brechen“, sagt der Freiburger Politikwissenschaftler Ulrich Eith.”

(Teilweise entnommen aus der Presseschau, die Fabian Vögtle in der BZ zusammengestellt hat.)




Abholzung von 100.000 qm Mooswald geplant

Der betroffene Mooswald heute

Trump tritt aus dem Weltklimavertrag von Paris aus! Nahezu die gesamte Presse, die Politik, jeder vernunftbegabte Mensch regte sich über diese Meldung auf. Prof. Wolfgang Jäger nennt den Präsidenten der USA „einen bockigen Lehrling des amerikanischen Regierungssystems und der internationalen Beziehungen“. Völlig richtig, das ist auch unsere Meinung!

Aber wie geht die Stadtverwaltung der Green City Freiburg in Sachen Klimaschutz vor? Aufgrund der schwierigen Situation im Bereich bezahlbarer Wohnungen in Freiburg ist geplant, 100.000 m² Mooswald abzuholzen, eine geschützte Waldfläche innerhalb Freiburgs und innerstädtisches Naherholungsgebiet von der Größe des Mösle-Parks. Der betroffene Wald ist Landschaftsschutzgebiet, Lebensraum vieler seltener Vogelarten. Sogar Baubefürworter stimmen zu, dass es sich um einen gewichtigen ökologischen und klimatischen Eingriff handelt, der vermeidbar wäre.

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Alternativen zur Wohnbaufläche Mooswald existieren. Eine Liste der AG Mooswald zeigt auf, dass eine große Anzahl Wohnungen in diesem Stadtteil ermöglicht werden können, ohne Abholzung des Waldes. Die Fraktion FL/FF hat in ihrer jetzt dreijährigen Gemeinderatszugehörigkeit bereits über 1.500 Wohnungen im Stadtteil mitgenehmigt, das ist ein überproportionaler Anteil an der Gesamtbauflächenentwicklung in der Stadt. Denken wir an die Lärmbelastung durch die neue Bebauung entlang einer der meistbefahrenen Straßen der Stadt. Die Elsässer Straße und die gesamte Westrandstraße (Besancon-Allee, Padua-Allee, Granada-Allee) erleben täglich stop and go-Situationen, manchmal sogar stundenlange Staus. Die gesamte Infrastruktur des Stadtteiles Mooswald wäre überfordert mit der neuen Erweiterung.

Die Bürger stellen sich keineswegs grundsätzlich gegen eine Nachverdichtung ihres Stadtteiles, aber der Verlust des Waldes ist nicht hinnehmbar, seine Bedeutung für die Bürger ist in der Abwägung der Verwaltung nicht berücksichtigt. Die Bedeutung Wald für Ökologie und Klima, also den  wesentlichen Zukunftsproblemen der Menschheit, ist von der Verwaltung nicht einmal angedacht.

Nochmal zurück zu Trump: Wir sind alle entsetzt über dessen Vorgehensweise, aber wie sieht es denn vor unserer Haustür aus?

Gerlinde Schrempp
(geschrieben für das Amtsblatt der Stadt Freiburg)

Fotomontage des Bürgervereins mit neuer Bebauung im Mooswald




“Gleichgewicht statt weiteres Wachstum”

Prof. Dr. Albert Reif, vom Institut für Forstwissenschaften, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg hat, auch im Namen vieler weiterer  Personen bzw. Verbände, aus der Universität Freiburg und darüber hinaus, einen in großen Teilen lobens- und unterstützenswerten offenen Brief zum Thema “Flächenverbrauch und soziale Ungerechtigkeit in Freiburg” an Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon geschrieben. Wir möchten diesen Brief hier gerne der Öffentlichkeit zugänglich machen und zur Lektüre empfehlen:

Siehe hier den Original-Brief als PDF-Datei:  Flächenverbrauch und soziale Ungerechtigkeit in Freiburg-8-3-2017

Der Brief endet mit dem folgendem Fazit:

“Wir wünschen uns von allen Angesprochenen ein Umdenken. Mehr Einsicht, ja Bescheidenheit bei eigenem materiellem Wohlstand, den nicht alle MitbürgerInnen haben. Wir wünschen uns einen Konsens der Ächtung skrupelloser Ausnutzung ungleicher Besitzverhältnisse durch überhöhte Mieten. Die Stadtpolitik und -verwaltung sollten auch hier mit gutem Beispiel vorangehen und öffentlichkeitswirksam für mehr Fairness auf dem Mietmarkt werben. Wir wünschen uns Einsicht in den Zusammenhang zwischen ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit als Basis des Zusammenlebens der zukünftigen Generationen und damit auch der Unmöglichkeit ständig weiteren Flächenverbrauchs. Wir wünschen uns eine Politik der Umsetzung der Vision eines „Gleichgewichts“ anstelle von „weiterem Wachstum“, um die aktuelle Unvereinbarkeit von Markt einerseits sowie den sozialen und ökologischen Ansprüchen zu überwinden.”

Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.

Protest der Eigentümer und Bauern gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)