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Reden zu Bebauungsplan Stadtteilzentrum Landwasser und Milieuschutz in der Auwaldstraße

Die beiden folgenden Reden hat Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF vorbereitet, im Gemeinderat am 23.07.2019 aber nicht gehalten, da sie ohne Diskussion (oD) verabschiedet wurden. Dennoch möchten wir sie hier dokumentieren, damit gegebenenfalls interessierte Bürger unsere Positionen zu diesen beiden Sachverhalten nachvollziehen können: Weiterlesen

Leben in Landwasser

Podiumsdishussion in Landwasser mit Gerlinde Schrempp (ganz rechts); Foto: M. Managò

Am 8. März 2018 fand – organisiert von der Badischen Zeitung in der Reihe “BZ hautnah” – in Landwasser eine Podiumsdiskussion statt, in der es um das Leben in diesem Stadteil ging. Unter der Moderation von BZ-Redakteur Joachim Röderer diskutieren Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon, Dieter Dormeier vom Bürgerverein Landwasser, der Schüler Ibrahim El-Khalil, die Polizeihauptkommissare Michael Reichenbach und Spencer Diringer, Stephan Schoeller von der Fa. Unmüssig sowie Gerlinde Schrempp, Stadträtin von Freiburg Lebenswert und seit vielen Jahrzehnten Bewohnerin im Stadtteil Landwasser.

Gerlinde Schrempp kennt die Situation vor Ort besonders und hat alle relevanten Aspekte angesprochen und ist auf die Anliegen aller Beteiligten in besonderer Weise eingegangen, wofür die anderen Redner auf der Bühne ihr dankbar waren. Hier deshalb Ihre Ausführungen, die sie zwar nicht wörtlich so gehalten hat, da sie auch frei gesprochen hat, die aber dennoch vorgetragenen Aspekte, die Landwasser betreffen, enthalten:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Danke zuerst der BZ, dass ich hier  die Situation in meinem Stadtteil – insgesamt bin ich über 25 Jahre hier – sprechen darf.

Ich fange mit dem Positiven an. Der Stadtteil ist schön, er hat alles, was ein tolles Naherholungsgebiet ausmacht, einen Badesee, Wald, Sportflächen, Spazierwege am und im Wald, einen hervorragenden ÖPNV-Anschluss. Wenn man nicht gerade an der Elsässer Str. wohnt, ist es sehr ruhig. Wir haben tolle Spielplätze, auch Bolzplätze, die pädagogische Schulsituation ist gut, bei den Aufnahmekapazitäten in den Kindergärten gibt es wohl noch Probleme, wir haben gute Angebote für ältere Menschen (AWO, Pflegeheime, Diakoniekrankenhaus, Praxisklinik, Ärzte).

Ich bin Ende 70er Anfang 80er zum ersten Mal nach Landwasser gezogen – in ein Hochhaus – und es war wunderbar. Tolle Wohnung, super  Hausgemeinschaft,  der Stadtteil hatte ein funktionierendes EKZ mit sehr guter Versorgung, Metzger, Bäcker, Haushaltswarengeschäft, Schuhladen, Modeboutique, Drogerie, Optiker, drei Banken, Post, usw. Dann habe ich familiär bedingt einen 12 jährigen Ausflug nach Hochdorf gemacht und kam ca. 2002 wieder zurück nach Landwasser, sicherlich waren dafür auch meine guten Erinnerungen an den Stadtteil ausschlaggebend.

So und jetzt komme ich zu den Problemen. Das EKZ ist ein marodes Bauwerk, die Versorgung der Menschen hier ist nicht mehr gewährleistet, alles was ich oben genannt habe, gibt es nicht mehr. Die wunderbar ruhigen teilweise autofreien Bereiche sind inzwischen durch hohe Hecken, 2-3 m, viele nicht einsehbare Nischen, zu gefühlten unsicheren Bereichen  geworden. Zahlreiche gelungene Einbrüche, viele Einbruchsversuche (bei mir in einem Vierteljahr zweimal) sorgen ebenfalls nicht gerade für eine Wohlfühlatmosphäre. Die anwesenden Polizisten werden mir mit  statistischen Erhebungen wahrscheinlich widersprechen, aber das Sicherheitsgefühl der Bürger kann man nicht per Statistik wiederherstellen.

Weiteres Beispiel: Das Zentrum ist nachts zu einem schwierigen Ort geworden, laute Musik bis in die frühen Morgenstunden, auf dem Schulhofparkplatz findet sich morgens jede Menge Müll, und der stammt nicht von Lehrern oder Schülern, nicht selten hört man nachts Knaller, aber auch Schüsse, man kann in Landwasser Lärm zwar schlecht lokalisieren, aber sie sind eindeutig dem Zentrum zuzuordnen. (Zeuge dafür ist Dom-Pfarrer Gaber !)                               

Der Heimweg nachts von der Haltestelle Moosgrund zu den Häusern oder von der Endhaltestelle in die Wirthstraße oder auch in den Bussard- oder Habichtweg ist dunkel, die Hauseingänge oft nicht einsehbar, weit weg von der Straße, weshalb übrigens auch das Nachttaxi nicht die Lösung bringen kann. Das alles trägt zu dem gefühlten oder auch tatsächlichen Unsicherheitsgefühl bei, das viele Bürger im Stadtteil empfinden. 

Ich gehe jetzt zuerst auf die Bevölkerungsstruktur ein: Hier leben sehr viele ältere oder sehr alte Menschen, Fußgänger sind deshalb zumindest abends selten. Es fehlt an einer guten Durchmischung. Wir haben in Landwasser einen Anteil von Leistungsempfängern, das muss nicht Hartz-IV sein,  der ungefähr 77% über dem städtischen Mittel liegt (Stadtbezirksatlas). Natürlich hat eine Stadtverwaltung  nur begrenzt Möglichkeiten, die Bevölkerungsstruktur zu steuern. Es ist nicht gut, dass man auf den Straßen oder im EKZ sehr oft nur russisch oder arabische Sprachen hört. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Zweisprachigkeit ist ein Geschenk, aber wenn mein Lebensmittelpunkt dauerhaft hier ist, dann sollte auch im Interesse der Kinder die deutsche Sprache Priorität haben. Deshalb bedaure ich sehr, dass das Integrationsbestreben vieler Mitbürger mit Migrationshintergrund sehr wenig ausgeprägt ist. Das gipfelte vor einiger Zeit darin, dass in einem der Pflegeheime gefordert wurde, nur noch russisch sprechende Bewohner und ebensolches Personal einzustellen. Für eine solche Forderung fehlt mir jegliches Verständnis. Eine Möglichkeit besteht aber darin, bei Neubauten darauf zu achten, welches Wohnungsangebot ergänzend hinzu kommt. Deshalb verspreche ich mir auch sehr viel vom neuen EKZ. Stichworte dazu sind auch Barrierefreiheit, altersgerechte Wohnungen

Dann nenne ich als zweites Problem die Baustruktur. Was in den 60ern 70ern bis zu den 80ern gut war, ist heute schwierig. Die Dunkelwege sind ein Problem, da könnte man Abhilfe schaffen, mehr Licht, Heckenhöhe begrenzen. Mit dem geplanten neuen EKZ verspreche ich mir auch wieder eine Belebung des Zentrums, eben dadurch, dass hier neue Wohnungen entstehen, mehr Gastronomie, Geschäfte usw. die Menschen anziehen.Zum schlechten baulichen Zustand der Schulen äußere ich mich hier nicht, das überlasse ich gerne Herrn El Khalil, ich erinnere aber an das Schreiben aller drei Schulleitungen vom 01.06.2017 an Sie, Herr Oberbürgermeister.

Dann das Grundwasserproblem, das seit 15 Jahren existiert. Da lässt die Stadt die betroffenen Menschen alleine. Obwohl viele der betroffenen Bürger sehr viel Geld für die Innenabdichtung ausgegeben haben – 50-80.000 € – ist das Problem nicht beseitigt. Da alles hat zu einem gewaltigen Imageschaden für Landwasser geführt. Ich spreche hier von einem großen Immobilienwertverlust für die Häuser, ich beziehe mich auf einen Bericht der BZ, der auf Zahlen aus dem Städt. Immobilienbericht beruht. Landwasser erzielt den niedrigsten durchschnittlichen Kaufpreis pro Quadratmeter in Freiburg. Das ist sowohl auf die Baustruktur, aber auch durch die Bevölkerungsstruktur zu erklären.

Was brauchen wir hier? Weiterlesen

Antrag zum Grundwasser in Landwasser

Die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) hat zusammen mit anderen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen einen Antrag eingebracht, die Problematik des Grundwassers in Landwasser auf die Tagesordnung des Gemeinderats zu setzen.

Zum Hintergrund:  Aufgrund eines durch einen Einzelkläger erwirkten negativen Urteilspruches, der von Stadt Freiburg Schadenersatz wegen der Grundwassereintritte in sein Haus verlangte, scheint die Stadt von ihrer Absicht abgerückt zu sein, ein numerisches Grundwassermodell in Form einer förderfähigen Studie erstellen zu lassen. Die unterzeichnenden Fraktionen beantragen nun aber, das ursprüngliche Vorhaben wieder aufzugreifen und das Thema auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu setzen.

Siehe hier den Antrag im Wortlaut:  Interfraktioneller Antrag Grundwasser in Landwasser

Rede zum Einkaufzentrum Landwasser

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)
Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Für viel Diskussionen hat die Neubauplanung des Einkaufzenrums (EKZ) Landwasser und deren geplante Vergabe an den Projektentwickler Unmüssig gesorgt. Unsere Stadrätin Gerlinde Schrempp ist als Bewohnerin des Staddteils Landwasser besonders berufen, dazu etwas zu sagen. In ihrer Rede im Freiburger Gemeinderat am 6. Dezember 2016 plädiert sie für eine bessere soziale Durchmischung in diesem Quartier und bittet deshalb um Verständnis dafür, beim EKZ nicht zwingend die 50%-Regelung einhalten zu müssen. Hier ihre Rede zur Drucksache G-16/249 :

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

eigentlich sind alle Positionen zum geplanten EKZ in Landwasser schon aufgeführt, ich möchte das Thema aber aus der Sicht einer Bewohnerin des Stadtteiles angehen und deshalb bitte ich um Ihre Geduld.

Das jetzige Einkaufszentrum in Landwasser ist in einem erbärmlichen Zustand, wie dies ja schon mehrfach geschildert wurde. Die TAG als jetzige Betreiberin hat das EKZ verkommen lassen. Es ist in einem baulich maroden Zustand, Wasser läuft von den Wänden, es ist verdreckt, eine absolute Zumutung für die zahlreichen Praxen und Dienstleister im Obergeschoss, manche Mieter lassen die Zugänge aussehen wie kurz vor einem Sperrmülltermin und das monatelang. Die Verträge der Mieter werden mit den aus meiner Sicht übelsten Methoden ausgehebelt, das ist aber nicht nur im EKZ die Praxis der TAG, Mieter von Wohnungen sind solchen Machenschaften ebenso ausgesetzt, wie ich das schon mehrfach erlebt habe. Telefonisch landet man in Warteschleifen, bei AB’s, schriftliche Anfragen werden nicht beantwortet, glauben Sie mir, meine Damen und Herren, ich kenne genügend verzweifelte Mieter in Landwasser.

Der Zustand dieses Einkaufszentrums, das früher einmal ein angenehmer Stadtteiltreff war mit allen notwendigen und gut sortierten Geschäften, einem Metzger, einem Schuhgeschäft, drei Bankfilialen, einem Haushaltswarengeschäft, einer tollen Modeboutique, einem Hotel mit Restaurant, zwei Supermärkten, Drogerie  usw. ist heute so, dass nicht nur ich dieses Stadtteilzentrum meide, nachts sowieso, tagsüber aber ebenfalls. In manchen Geschäften ist die deutsche Sprache die Ausnahme, leider auch auf den Straßen und Wegen rund um die Schule und das HdB. Um nicht missverstanden zu werden: Zweisprachigkeit ist eine wunderbare Sache, die ich in jedem Fall unterstütze, aber wenn mein Lebensmittelpunkt Deutschland ist, muss ich – vor allem nach 15 oder 20 Jahren – auch die deutsche Sprache beherrschen, um eine Chance im Berufsleben und in der Gesellschaft zu haben.

Aus all den obengenannten Gründen begrüße ich es außerordentlich, dass die TAG das Vorhaben „neues EKZ in Landwasser“ nicht verwirklichen wird, weil ich diese Firma zu einem großen Teil für die Zustände als Verursacher in der Verantwortung sehe, sondern dass sich der Freiburger Investor Unmüßig um dieses Zentrum, nach meiner Information bundesweit als einziger Interessent, bemüht. So wird die Nahversorgung der  Bevölkerung wiederhergestellt werden können, die jetzt nicht mehr gegeben ist.

Herr Kollege Moos ging in seiner Rede auf das Schreiben des HdB-Geschäftsführers ein, deshalb mache ich das jetzt auch, obwohl so ausführlich nicht vorgesehen.

Nun wird von in diesem Mail davon geschrieben, dass der geplante Gebäudekomplex auf ein „menschenwürdiges Maß“ verkleinert werden soll. Mir war als langjährige Bewohnerin eines Hochhauses in Landwasser nicht bewusst, dass große Gebäudekomplexe unmenschlich sind, das Gegenteil war  bei meinen Erfahrungen der Fall. Ich selbst habe wunderbar in Auwaldstraße 1 gewohnt, und ich konnte außergewöhnlich gute  Nachbarschaftsverhältnisse  dort wahrnehmen. Allerdings waren nach Entlassung aus der Mietbindung die guten Nachbarn nahezu alle Eigentümer ihrer früheren Mietwohnungen geworden.

In dieser Mail lesen wir weiterhin davon, dass eine Durchmischung der Bewohnerschaft ermöglicht werden soll. Meine Damen und Herren, das muss man mir erklären. Die Landwasseraner kennen die Durchmischung der Bewohnerstruktur sehr genau, weshalb sich der Bürgerverein auch dankenswerterweise in die Diskussion eingeschaltet hat. Ich will nicht alle Argumente, die Herr Dormeier dem Gemeinderat hat zukommen lassen, nochmals aufführen, diese sind alle richtig und unbedingt zu unterstützen.  Aber die Anhebung des sozialen Milieus durch neue Mieter im Wohnbereich, bei gleichzeitiger Steigerung der Kaufkraft, Schaffung von kleineren Wohnungen für Paare oder Singles, natürlich auch für Ältere, ist absolut notwendig und kann Landwasser wieder in die richtige Spur bringen. An die Adresse der Geschäftsführung des HdB möchte ich Folgendes sagen: Wenn Geförderter Wohnungsbau im neuen EKZ verwirklicht werden soll, dann muss höher gebaut werden, um das Projekt finanzierbar zu machen. Ich habe damit keine Probleme. Aber das ist ja, wie oben ausgeführt,  auch nicht gewollt. Wenn man von Seiten der genannten Geschäftsführung Vorschläge hat, dieses zu verwirklichen, sind sie sicher willkommen, vom Diktat des Investors zu sprechen, ist einfach nur peinlich. In Anbetracht der Erfahrungen, die wir in Landwasser mit Firmen wie TAG und leider zum Teil auch mit Vonovia gemacht haben, wäre es fatal, wenn der einzige interessierte Investor abspringen würde.

Ich habe im Hauptausschuss schon darauf hingewiesen, dass durch das Auslaufen der Mietpreisbindung beispielsweise in der Wirthstraße wohl kaum jemand ausziehen muss. Die Stadt wird die Erhöhung der Mietpreise in den meisten Fällen zu zahlen haben, und das dürfte auch jedem hier bekannt sein.

Meine Fraktion unterstützt alle drei Punkte des Beschlussantrages, wir sind ausgesprochen dankbar, dass die Organisation und die finanzielle Zwischenentwicklung in der Verantwortung des Planungsbegünstigten steht. Hier ist vor allem die Aufrechterhaltung der Nahversorgung des Stadtteils in der ca. zweijährigen Abbruch- und Neubauphase von ganz besonderer Bedeutung.

Noch ein paar Worte zum Abweichen vom 50%-Beschluss. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass dieser GR-Beschluss von 2015 für die Stadt Freiburg von großer Wichtigkeit ist. Wir haben diesen Beschluss aber ausdrücklich mit der Maßgabe der Ausnahmemöglichkeit gefasst. Für Stadtteile wie Landwasser ist diese Ausnahmeregel aus unserer Sicht zwingend geboten.

Bei vielen Neubauvorhaben in anderen Stadtteilen ist eine soziale Durchmischung der Bevölkerungsstruktur absolut gewünscht und sicher auch machbar. In Landwasser muss die Durchmischung aber in einer anderen Richtung erfolgen, wie das der 50%-Beschluss ursprünglich begründete.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Hier die Rede auch als PDF-Datei: rede-von-gerlinde-schrempp-zum-ekz-landwasser-drucksache-g16-249-dez-2016

Gerlinde Schrempp aus Landwasser: „Ich schäme mich“

Die Container-Siedlung für Flüchtlinge in Weingarten - Nach den Anschlägen von Paris, mit Plakaten
Die Container-Siedlung für Flüchtlinge in Weingarten – Nach den Anschlägen von Paris, mit Plakaten “Wir sind vereint” in der Ablehnung der Anschläge und in der Trauer um die Opfer. (Foto: M. Managò)

Die Bürgerinformation zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen in Landwasser wurde von der rechtspopulistischen AfD genutzt, um ihre menschenverachtenden Parolen und ihr primitives (übrigens auch unchristliches) Menschenbild in die Öffentlichkeit zu tragen. Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der die Versammlung leitete und der mit seiner Behörde bei der Unterbringung von Flüchtlingen sehr engagiert und bis an die Grenzen der Belastbarkeit gehend, sehr viel geleistet hat, hat solche Reaktionen nicht verdient.

Dass diese gezielte Aktion der AfD nicht die Grundstimmung in Landwasser widerspiegelt, darüber waren sich am Ende der Veranstaltung alle einig. „Ich schäme mich,“ sagte zum Beispiel Stadträtin Gerlinde Schrempp, die auch Vorsitzende von Freiburg Lebenswert ist. Sie wohnt seit vielen Jahrzehnten in Landwasser und ist entsetzt darüber, dass ihr Stadtteil nun zu einer Hochburg der AfD geworden ist.

Lange Zeit war sie die einzige Stadträtin im Saal. Frau Schrempp hat eine lange Rede gehalten, die sehr oft von Beifall unterbrochen wurde. Zunächst aber musste sie permanent kreischende, pöbelnde Personen darauf hinweisen, dass sie sich in Mitteleuropa befänden, wo man sich an Regeln zu halten habe und Anstand gefordert würde. In ihrer Rede hat sie sich mit dem Flugblatt der AfD auseinandergesetzt und deutlich gemacht, dass die in diesem Flyer  aufgeführten Zahlen absolut falsch und unseriös sind und nur der Hetze dienten. Dabei führte sie aus, dass Bund und Land für alle Flüchtlingskosten aufkommen und der städtische Haushalt damit nicht belastet wird. Weiterhin sprach Frau Schrempp über den dramatischen Anstieg der Zuweisungen von Flüchtlingen im vergangenen Jahr sowie dem den Zuweisungen zugrunde liegenden Königsteiner Schlüssel. Sie hat die AfD-Anhänger gefragt, wo denn ihrer Meinung nach die Menschen, die in Bussen nach Freiburg gebracht worden sind,  hätten untergebracht werden sollen. Selbstverständlich hätte auch sie, wie wohl alle Menschen, den Wunsch, dass es keine Flüchtlinge gäbe, doch die Welt sei so, wie sie ist, und man müsse damit leben und mithelfen, sie positiv zu verändern. Sie sprach über ihre Aufgabe als Stadträtin: Für Integration, Sprache und Schulbildung, menschenwürdige Unterkünfte, medizinische Hilfe der Menschen zu sorgen, die integrationswillig sind. In dem Zusammenhang sagte sie auch, dass jene, die unsere Lebensordnung, die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft oder unsere Gesetze nicht akzeptieren, ihr Bleiberecht verwirkt hätten.

Dann wurde sie auch emotional:  Wir hätten doch alle einfach nur Glück, dass wir hier in diesem Teil der Welt geboren und aufgewachsen seien, oder jene, denen es ermöglicht wurde, hierherziehen zu können. Was hätte denn jeder Einzelne dafür getan, dass er in dieser glücklichen Situation sei, hier in einem sozialen Rechtsstaat leben zu können?

Sie berichtete weiterhin von ihrem zweijährigen Aufenthalt als Lehrerin in Nordafrika, vom unvorstellbaren Elend, das sie dort gesehen habe. Wäre sie als Mutter zweier Kinder in einer solchen Situation gewesen, hätte auch sie nichts anderes getan, als ihre Kinder unter den Arm zu nehmen, zu fliehen, um die Kinder  zu schützen und ihnen ein Überleben zu ermöglichen. Welche Mutter hier im Saal würde anders handeln?

Weiter hat die Stadträtin von Freiburg Lebenswert über die geleistete Arbeit des Dezernates von Bürgermeister von Kirchbach gesprochen. Nicht nur der Chef, sondern auch die Mitarbeiter hätten bis zur völligen Erschöpfung gearbeitet. Kaum ein Anwesender im Raum könne die unglaubliche Leistung nachvollziehen.

„Ich kann nur sagen, dass ich in fast 40 Jahren politischer Betätigung noch nie so eine Veranstaltung erlebt habe“, so Frau Schrempp. Es gelte nun, dass alle demokratischen politischen Kräfte zusammenstehen, um den ausländerfeindlichen, rassistischen Umtrieben Einhalt zu gebieten. Mit Agitation und Hetze, wie auf dem Flugblatt  oder Redebeiträgen von AfD-Akteuren wird kein einziges Problem zu lösen sein.

Siehe dazu den Beitrag in der Badischen Zeitung (BZ), in dem die Rede von Frau Schempp aber leider nicht vorkommt: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/afd-laesst-buerger-info-zu-fluechtlingswohnheim-eskalieren

und den Kommentar im „Münstereck“:

http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/entgleiste-buerger-info-zu-fluechtlingsheim-in-freiburg-beleidigungen-statt-argumente–122693582.html Weiterlesen

FL Stadtteilbegehung in Landwasser

Gerlinde Schrempp zeigt uns das in der Diskussion stehende Einkaufzentrum.
Gerlinde Schrempp zeigt uns das in der Diskussion stehende Einkaufzentrum…

Am 16. Juli 2015 fand unter der Führung von Stadträtin Gerlinde Schrempp und unseren Mitgliedern Martin und Liane Schemp eine Führung durch den Stadtteil Landwasser statt. Diesmal nahmen etwa 20 Mitglieder von Freiburg Lebenswert mit dem Fahhrad an der Begehung teil und ließen sich von den Ortsansässigen ihren Stadtteil, bereits sanierte Wohnhäuser, problematische Quariere und die Grünflächen zeigen. So auch den idyllischen und bei dem heißen Wetter als Erholungsbebiet sehr beliebten Moosweiher.

Anschließend wurden wir bei Gerlinde Schrempp  und ihrer Tochter Catharina zu einem reichhaltigen Imbiss mit vielen Köstlichkeiten und zu kühlen Getränken in den häuslichen Garten eingeladen. Es war ein sehr lehrreicher, schöner und gemütlicher Abend, der für manche bis in den späten Abend andauerte.

Vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten für die großzügige Einladung und kulinarische Verwöhnung!

“Wir sind das Katz- und Mausspiel leid!”

Wappen_Landwasser

Angesichts der unnachgibiegen Haltung der Stadtverwaltung zur Grundwasser-Situation in Landwassen haben sich der Bürgerverein Landwasser und die IG Grundwasser in einem “offenen Brief an die Verwaltungsspitze und den Gemeinderat” gewandt.
Siehe dazu: Offener Brief vom 10.08.2014

In dem Brief, aus dem die berechtigte Ohnmacht und Verzweiflung der betroffenen Bürger spricht, heißt es am Schluss:

“Es gibt neben dem Gutachten weitere Unterlagen, Dokumentationen und Erfahrungen, die belegen, dass unsere Forderungen (finanziell) machbar sind und eine Verbesserung der Situation bringen. Die eindeutige Aussage des Herrn Oberbürgermeisters, dass unabhängig der Rechtslage hier eine politische Entscheidung getroffen werden muss, wird offensichtlich vom Umweltschutzamt so nicht gesehen. Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger werden krank. Nicht nur wegen der feuchten und schimmligen Keller, sondern auch wegen des Ärgers und der Ohnmacht gegenüber der Stadt. Wir hoffen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, dass jetzt zeitnah klare Entscheidungen getroffen werden. Wir sind das Katz- und Mausspiel leid!”

Die Bewohner und Mitbürger in Landwasser verdienen es, nun endlich von der Verwaltung nicht nur angehört, sondern auch ernst genommen werden. Es ist an der Zeit, dass der Stadtrat von Freiburg als Interessenvertretung der Bürger das zuständige Umweltamt entsprechend anweist und “an die Leine nimmt”.

Grundwasser in Landwasser

Listenplatz 01 Schrempp

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Stuchlik,
sehr geehrter Herr Reuss,
sehr geehrter Herr Zähringer,

als Teilnehmerin des Bürgergesprächs am 02.07.2014 war ich erfreut, sowohl von Herrn Zähringer, wie auch von Herrn Reuss  zu hören, dass die Stadt jetzt endlich Maßnahmen ergreifen wird, den Bürgern im Stadtteil Landwasser, vor allem Bussardweg und Habichtweg zu helfen, die nassen Keller endlich trocken zu bekommen.
Vor allem die Aussage von Herrn Zähringer, das Wasser aus dem Bereich der Albert-Schweitzer-Schule ab sofort nicht mehr in den Wald einzuleiten, wurde von den Versammlungsteilnehmern erfreut zur Kenntnis genommen.

Leider war das wieder nur eine der leeren Versprechungen, denn nach den Starkregen der letzten Tage konnte man wieder den schnellen Anstieg des Wassers im Wald beobachten. Das Wasser der ASS wird wieder in den Wald gepumpt!  Entsprechend sind wieder viele Keller meiner Nachbarn nass.  Es ist nicht hinnehmbar, dass die Stadt Freiburg in zwölf Jahren – so lange existiert die Grundwasserproblematik im Stadtteil – nichts unternommen hat, um die Situation in den Griff zu bekommen. Wie in vielen anderen Bereichen sind die Menschen auch hier auf die Aktivität einer Interessengemeinschaft angewiesen.

In den letzten drei Monaten hat sich gezeigt, dass auch viele Stadträte von der Grundwasserproblematik in Landwasser  zum ersten Mal gehört und ihre Hilfe zugesagt haben. Ich erinnere Sie ein weiteres Mal daran, dass in den meisten der betroffenen Häuser die Stadt Freiburg Erbpachtgeberin, also Grundstückseignerin ist und insofern in einer  ganz besonderen Verantwortung steht. Ich verzichte darauf, Zahlen und Uhrzeiten von Messergebnissen zu wiederholen, die Interessensgemeinschaft Grundwasser in Landwasser hat Ihnen diese bereits bekanntgegeben.

Sofortige Maßnahmen sind nötig, dies ist die in der Versammlung angesprochene Querdrainage neben dem Weg zwischen Wald und Besiedelung zwischen der Schule und der Gärtnerei Vonderstraß.  Damit müsste kein Baum gefällt werden, kein Wasser der Natur entzogen und keine weiteren Leitungen müssten angelegt werden. Auch das bisher in den Wald gepumpte Wasser der Schule könnte über diese Querdrainage abgeleitet werden.

Wie lange will die Stadt die betroffenen Bürger noch hinhalten, bevor sie die längst überfälligen Maßnahmen ergreift. Ich bitte um eine sehr zeitnahe Stellungnahme zu diesem Schreiben im Interesse der betroffenen Bürgerinnen und Bürger.

Mit freundlichen Grüßen

Gerlinde Schrempp, Stadträtin
Für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF

Grundwasser-Probleme in Landwasser ungelöst

Feuchte Wände und Wasser im Keller des Ehepaares Schempp in Landwasser (Foto: M. Schempp)
Feuchte Wände und Wasser im Keller der Familie Schempp in Landwasser (Foto: M. Schempp)

Die Probleme mit dem Grundwasser in Landwasser sind seit Jahren bekannt. Schon der Name des Freiburger Stadtteils verrät, dass dies früher ein Sumpfgebiet war. Später wurden einige Häuser an Privatpersonen verkauft mit der verheißungsvollen Aussage, dass alles trocken sein und das Grundwasser keine Probleme mehr bereiten würde. Heute, da wir wissen, dass diese Aussage falsch war, da in vielen Kellern das Wasser steht, stielt die Stadt sich aus der Verantwortung und überlässt die Kosten den Eigentümern.

Zu den Berichten “Viele Ursachen für nasse Keller” in der Badischen Zeitung (BZ) vom 4. Juli und “Unzufrieden mit Gutachten” in der BZ vom 31. Mai über die Probleme, die mit dem hohen Grundwasserstand in Landwasser verbunden sind, hat unser Mitglied Martin Schempp folgenden Leserbrief verfasst, der die Probleme deutlich macht:

“Der Eindruck, nicht ernst genommen zu werden”

Das Umweltschutzamt hatte mitgeteilt, dass die Rechtsabteilung keine rechtliche Handlungsverpflichtung sieht. Das kann man auch anders sehen: Die unsachgemäße Verdolung eines Regenwasserablaufs, der einen großen Teil des Regenwassers des Lehener Berges auffangen muss, und dessen mangelhafte Pflege sind städtische Aufgaben der Entwässerung. Wenn eine Schule Pumpen installiert, um das Wasser aus dem Keller in den Wald zu pumpen, das wiederum ein wenig später in anderen Kellern austritt, wenn der Wasserspiegel des mit Grundwasser gefüllten Moosweihers aus angeblichen “Trinkwasserschutzgebietsgründen”, die das Umweltschutzamt nicht weiter belegen konnte, um einen Meter angehoben wurde: Dann bin ich doch sehr verwundert, wenn man hier von einer “natürlichen Grundwassererhöhung” spricht, die man nicht zu verantworten habe.

Ich kann nicht nachvollziehen, wieso der Grundwasserspiegel steigen soll, wenn die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in den vergangen Jahren nicht angestiegen ist. Tatsache ist, dass die Regenschauer und Trockenzeiten intensiver wurden und somit die Pegel kurzzeitig stärker ansteigen. Es gilt also nur, diese Peaks (Spitzenwerte) mit geeigneten Mitteln abzufangen.

Man hatte den Eindruck, als betroffener Bürger, nicht ernst genommen zu werden. Das Umweltschutzamt hat es nicht für nötig gehalten, den Zusammenhang zu erklären und zu belegen, warum das Niveau des Moosweihers aus Trinkwasserschutzgründen nicht gesenkt werden könne. Es hat vielmehr die Eigentümer belehrt, dass man beim Bau vor 40 Jahren besser eine “weiße Wanne” hätte einbauen sollen. Wir haben unser Haus 2008 gekauft, mit “weißer Wanne”, und haben jetzt auch Wasser im Keller. Die Keller-Abdichtung hat bei einigen Nachbarn bereits über 20 000 Euro gekostet und ist kein Garant, dass das Problem endgültig erledigt ist.

Falls die Stadt Freiburg den neuen Stadtteil Dietenbach bauen sollte, könnten wir in nicht allzu langer Zeit ein Déjà-vu erleben, da auch hier ähnliche Grundwasserverhältnisse existieren und die Stadt sich in 20 Jahren auch nicht mehr in der Verpflichtung sieht.

Martin Schempp, Landwasser

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