Rede zum Stadtteilzentrum Landwasser

Zum Thema Stadtteilzentrum Landwasser (Drucksache G-20/152) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) im Freiburger Gemeinderat am 28. Juli 2020 folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberb├╝rgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Es wird h├Âchste Zeit, dass das marode und unattraktive Einkaufszentrum abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird, der der neuen Bezeichnung ÔÇ×StadtteilzentrumÔÇť besser gerecht wird. Allerdings hat das geplante neue Zentrum zwei erhebliche Nachteile gegen├╝ber dem bisherigen Bau.

Zum einen ist die Barrierefreiheit zum Platz der Begegnung hinunter nur ├╝ber einen Fahrstuhl sichergestellt. Das ist sicher nicht das, was sich Familien mit Kinderwagen und gehbehinderte Menschen zum Flanieren w├╝nschen. K├╝nftig soll es wohl nur zur Auwaldstra├če hin eine Rampe f├╝r Rollstuhlfahrer geben. Dies sei auch heute schon nur so, wurde im Bauausschuss behauptet. Allerdings ist das eine Fehlinformation, auf die ich schon im Bauausschuss hinwies. Zwar ist der direkte Zugang zum Platz der Begegnung auch heute nur ├╝ber die gro├če Freitreppe m├Âglich. Allerdings befinden sich auf der S├╝dseite des heutigen EKZ eine und auf der Nordseite zwei Rampen. Und diese s├╝dliche und eine der n├Ârdlichen Rampen befinden sich im Westbereich des EKZ, so dass heute der barrierefreie Zugang zum Platz der Begegnung mit nur geringen Umwegen m├Âglich ist. Diese drei Rampen sollen k├╝nftig entfallen und durch einen Aufzug ersetzt werden. Aufz├╝ge sind aber ein beliebtes Ziel von Vandalismus und auch im Normalbetrieb st├Âranf├Ąllig, wie Aufz├╝ge der Deutschen Bahn oft genug belegen. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass Barrierefreiheit meistens nur ├╝ber die Ostseite, zur Auwaldstra├če hin, gew├Ąhrleistet sein wird.

Der zweite Nachteil ist das Problem der Verschattung insbesondere des Achtst├Âckers Auwaldstra├če 21 ÔÇô 25. Die Achtst├Âcker Landwassers haben aber einen extremen baulichen Nachteil, wie ich aus eigener Erfahrung wei├č, da ich in einem dieser Geb├Ąude gro├č geworden bin. ├ťbliche Fensterbr├╝stungen haben eine H├Âhe von 80 cm bis 90 cm, je nach Geb├Ąudeh├Âhe. Die Br├╝stungen auf der Westseite der Achtst├Âcker haben eine H├Âhe von 1 m. Auf der Ostseite haben jedoch alle Fenster eine Br├╝stungsh├Âhe von 1,40 m. Wei├č der Himmel, warum man einen solchen Unsinn verbockt hat. Da schaut man selbst als gro├č gewachsener Mensch nur wie Killroy aus dem Fenster. Die Aufenthaltsqualit├Ąt dieser R├Ąume geht gegen ÔÇ×nicht vorhandenÔÇť und kommt der einer Gef├Ąngniszelle sehr nahe. Nichts f├╝r Leute mit Klaustrophobie! Aus diesem Grund liegen auf der Ostseite die Schlafzimmer und die Kinderzimmer. Letztere, weil Kinder sich gegen gravierende Einbu├čen von Lebensqualit├Ąt weniger gut artikulieren k├Ânnen und solche Unbillen eher zu akzeptieren bereit sind. Wenn also hier in der Vorlage gesagt wird, dass die Ostr├Ąume ja auch k├╝nftig unver├Ąndert von der Vormittagssonne beschienen werden, dann ist das angesichts der Tatsache, dass man sich in diesen R├Ąumen nicht aufhalten will, f├╝r die betroffenen Bewohner kein wirklicher Trost.

Ich verstehe ohnehin nicht, warum man den Zw├Âlfst├Âcker an der S├╝dostecke des Zentrums platzieren will, wo er ja auch das Stadteilzentrum selbst um die Mittagszeit massiv verschattet. W├╝rde man ihn an die Nordostecke setzen, dann w├╝rde er im Wesentlichen die Zufahrt nach Landwasser und den Roten Otto beschatten. Und ich bin mir sicher, dass der rote Otto dagegen keine Einw├Ąnde vorbringen w├╝rde.

Diese augenscheinlichen Fehlplanungen machen es mir unm├Âglich, dieser Vorlage zuzustimmen.