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Rede zum Metzgergrün

Zum Metzgergrün (Drucksachen G-21/166 und 167) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 5. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Das Metzgergrün hat sich seit seinem Bau in den 50er Jahren zu einer grünen und sozialen Idylle entwickelt. Viele Wildtiere wie Füchse, Marder, Vögel, Fledermäuse und zahlreiche Insektenarten sind in den Hausgärten zu finden, sogar eine kleine Schar von Hühnern streift durch die offenen Gärten. Metzgergrün ist eine der wenigen richtigen grünen Oasen, die diese Stadt noch hat. Aber das Metzgergrün ist nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine soziale. Seit Jahrzehnten werden Arbeitslose, Menschen mit psychischen und Suchtproblemen von der Stadt und der Stadtbau in das Metzgergrün abgeschoben. Die Bewohner nahmen all diese problembeladenen Menschen auf und integrierten sie in die Quartiersgesellschaft, so gut es ging. Die Bewohnerschaft trifft sich oft draußen zum Reden, Kaffeetrinken, einfach zum gemütlichen Beisammensein. Da ist eine Gemeinschaft entstanden, wie ich sie mir in anderen Stadtquartieren auch wünschen würde. Anwohnerinnen – es sind in erster Linie Frauen, die sich um ihre Mitbewohner kümmern – berichteten mir, dass sie sich als ehrenamtliche Sozialarbeiterinnen der Stadt Freiburg fühlen. Diese Kümmerinnen haben der Stadt ganz viel Geld gespart, die diese sonst für professionelle Hilfe hätte ausgeben müssen. Und zum Dank wird ihnen nun ihr Quartier platt gemacht, Häuser mit guter Bausubstanz abgerissen und die oftmals liebevoll hergerichteten Gärten zerstört. Damit, meine Damen und Herren, vernichten Sie auch Existenzen, die mit diesem barbarischen Akt der Zerstörung nicht zurechtkommen. Und wofür das Ganze? Damit Freiburg weiter wachsen kann in einer Zeit, wo nicht nur Zukunftsforschern, sondern langsam allen klar wird, dass Wachsen in einem endlichen Lebensraum letztlich zum Untergang der Menschheit führen wird!

Vor dem Bürgerentscheid zu Dietenbach wurde immer wieder behauptet, dass mit dem Bauen auf der Grünen Wiese der Druck zu Nachverdichtung im Innenbereich genommen würde. Bewohner des Metzgergrüns, aber auch die der BIMA-Gebäude in der Colmarer Straße haben sich darauf verlassen und oftmals für Dietenbach gestimmt. Aber sie wurden genauso enttäuscht wie die vielen, die der Aussage „Für Dietenbach wird kein einziger Baum gefällt“ geglaubt hatten. Mit solchen Lügen konnte man 2019 den Bürgerentscheid gewinnen.

Für mich ist es unbegreiflich, dass Sie, Frau Umweltbürgermeisterin, und die Grünen überhaupt kein Problem darin sehen, eine solch grüne Idylle zu zerstören. Dafür sind die Grünen doch 1980 gegründet worden, um für den Erhalt genau solcher Naturräume auch in der Stadt zu kämpfen. Zumindest war das uns Grünen der ersten Stunde, damals, hier in Freiburg, ein oberstes Anliegen. Was ist aus den Grünen in dieser Stadt nur geworden? Und es ist für mich weiter unbegreiflich, dass Sie, Herr Sozialbürgermeister, und die mit Ihnen verbundenen Parteien SPD und ESFA (Eine Stadt für alle) über die Befürchtungen und Existenzängste mehrerer hundert Bewohner letztlich doch einfach mit einem Achselzucken hinweggehen.

Ich werde mich der großen Koalition aus Metzgergrün-Zerstörern nicht anschließen und diese Vorlage ablehnen!

Metzgergrün – ein grünes Idyll (Foto: K. U. Müller).



Rede zur Klimazukunft Baden-Württemberg

Zur Klimazukunft Baden-Württemberg (Drucksache G-21/159) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 5. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

1982, ich war damals der erste Diplomand in dem gerade neu gegründeten  Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), habe ich in einem Vortrag des damaligen Leiters des ISE, Professor Adolf Götzberger, zum ersten Mal davon gehört, dass die Zunahme des CO2 in der Atmosphäre sehr kritisch werden wird für das weltweite Klima. Das war also vor fast vierzig Jahren! Spätestens seit dieser Zeit hätten auch Politiker aller Couleur sich über die zunehmende Problematik dieses Gases schlau machen und gegensteuern können. Passiert ist aber praktisch – nichts! Und das, obwohl alle bisherigen Negativ-Prognosen bezüglich Abschmelzen der Pole und Gletscher, der Starkregen und Dürren, des Auftauens der Permafrostböden sogar noch übertroffen wurden. Das zeigt ja nun auch sehr deutlich die alarmierende Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zur „Klimazukunft Baden-Württemberg“.

Eine grundlegende Forderung von Wissenschaftlern, die sich mit dem Klima befassen, ist, dass wir die CO2-Speicherfähigkeit natürlicher Böden nicht weiter durch Versiegelung zerstören dürfen. Wir müssen im Gegenteil alles tun, um mit Hilfe der Böden CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Leider ist diese Binsenweisheit bis heute auch bei den meisten von Ihnen noch nicht angekommen. Es geht jetzt erstmal nur zweitrangig darum, uns an den Klimawandel anzupassen, wie es in dieser Vorlage hier vorrangig thematisiert ist. Entscheidend ist zunächst den Klimawandel, soweit es geht, auf- und das 1,5°K-Ziel einzuhalten. Wenn wir das nicht schaffen, dann wird das Klima uns kaltlächelnd zeigen, dass die Menschheit ihm gegenüber nur zweiter Sieger sein wird. Soviel Klimaanpassung, dass wir den Klimawandel bei einem „Weiterso“, wie auch hier in Freiburg praktiziert, halbwegs schadlos überstehen, ist völlig illusorisch!

Da diesbezügliche Warnungen aber bei Ihnen auf taube Ohren stoßen und Sie weiter bauen wollen, ohne Rücksicht auf kommende Generationen, mahne ich Sie dringend, wenigstens die gröbsten Klimasünden zu vermeiden. Da sollte zum einen darauf verzichtet werden, Teile des Dietenbachwaldes abzuholzen. Und es sollten die Energiekonzepte von Dietenbach, Kleinescholz, Metzgergrün usw. dringend auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden. Das, was dort bisher mit einer Dinosaurier-Energiezentrale und warmen Nahwärmenetzen vorgesehen ist, ist bei gut gedämmten Häusern Technik von vorgestern. Hier waren Verfahrenstechniker am Werk, denen es offensichtlich an thermodynamischen Kenntnissen mangelt. Von den Siegern des städtebaulichen Wettbewerbs Dietenbach wurden doch die richtigen Vorschläge zu modular aufgebauten kalten Nahwärmenetzen gemacht, angepasst an den Baufortschritt des Stadtteils und offen für vielleicht noch bessere zukünftige Energiegewinnungs-Techniken. Sie legen auch mehr den Fokus – zusätzlich zu  Wärme im Winter – auf Kühlung im Sommer, was nur mit einem kalten Nahwärmenetz funktioniert, wenn man den Betrieb stromfressender Klimaanlagen in heißen Sommern vermeiden will. Wieso werden diese Vorschläge der Entwurfssieger nicht umgesetzt? Vorschläge, die übrigens auch bei der Veranstaltung des Architekten Forum Freiburg und der Architektenkammer Baden-Württemberg von Matthias Gütschow aus Tübingen (am Donnerstag, dem 30.9.2021) aus Baugebieten anderer Städte vorgestellt wurden.

Meine Damen und Herren, nochmals zusammengefasst: Eigentlich müssten wir wegen des Klimawandels sofort aufhören auf der Grünen Wiese zu bauen. Da Sie davon nicht zu überzeugen sind, lassen Sie uns wenigstens den Dietenbachwald komplett erhalten und wirklich zukunftsfähige Energiekonzepte umsetzen.




Rede zur schulischen Inklusion

Zum Thema Schulische Inklusion (Drucksache G-21/173) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 5. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Grundsätzlich benötigen Eltern eines Kindes mit Behinderung Beratung und Unterstützung, welche Schulart für ihr Kind die beste sein könnte. Dazu gehören vor allem Informationen, was die Regelschule leisten kann. Qualifiziertes Personal für individuelle Betreuung ist eine Grundvoraussetzung für gelingende Inklusion. Inklusion gibt es nicht umsonst. Bislang waren die Regelschulen jedoch weitgehend auf sich selbst gestellt, was meist zu einer Überforderung sowohl der Lehrer als auch der Schüler führte.

In dem interfraktionellen Antrag wird daher für mich der Schwerpunkt zu sehr auf Inklusion an einer Regelschule gelegt, während wohl der Großteil der betroffenen Eltern die Schulform der Sonderpädagogischen Schule der Regelschule vorzieht, wie von der CDU ganz richtig festgestellt wird. Es gilt aber auch, dass nicht der Elternwille, wie von der CDU weiter angeführt, allein entscheidend sein kann.

Entscheidend ist für mich, dass jedes Kind das schulische Angebot erhält, das seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen am ehesten gerecht wird. Also, gerecht werden den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes, nicht den oftmals zu ehrgeizigen Wünschen der Eltern oder den dogmatischen Vorstellungen von Stadträten. Ich kenne Kinder, die mit der ihnen zugemuteten Schulform, beispielsweise des Gymnasiums, überhaupt nicht zurechtkamen und völlig frustriert waren, weil sie dem Niveau nicht gewachsen waren. Und die nach einem Wechsel auf die Realschule sichtlich aufgeblüht sind.

Überforderte Kinder geben leicht auf und verweigern dann völlig. Dasselbe, was für Kinder ohne Behinderung gilt, gilt natürlich auch für Kinder mit Behinderung. Hier ist die Gefahr sogar noch größer, dass sie in ihren Möglichkeiten überschätzt werden. Manche Kinder kommen in einer Klasse der Regelschule gut zurecht, andere überhaupt nicht. Das hängt auch ganz entscheidend von der Art ihrer Behinderung ab.

Jedes Kind muss eben individuell nach seinen Anlagen und Fähigkeiten betrachtet und beschult werden. Es wäre also völlig falsch, dogmatisch festzulegen, dass nur die Regelschule oder nur die Sonderpädagogische Schule die allein seligmachende Schulform ist.

Und noch was Grundsätzliches, rein Praktisches: Die Bündelung der städtischen Eingliederungshilfen würde sowohl den Eltern, den Schulen als auch den KiTas (Kindertagesstätten) helfen. Eine Unterscheidung beispielsweise von Hilfen vom KSD (Kommunaler Sozialer Dienst), der im AKI (Amt für Kinder, Jugend und Familie) angesiedelt ist, oder Hilfen vom ASS (Amt für Soziales und Senioren), oftmals für dasselbe Kind, ist sehr verwirrend und zeitraubend. Die Wege für Eltern und Institutionen müssen vereinfacht werden und zwar zeitnah und nicht erst, wie wohl vorgesehen, 2028.

Und es müssen bereits die KiTas mit einbezogen werden. Es gibt bislang nur im Seepark eine offiziell inklusiv arbeitende städtische KiTa. Aber alle KiTas arbeiten inklusiv wie beispielsweise die von meiner Frau geleitete KiTa Wirbelwind in Weingarten, ohne dass man ihnen die benötigten Ressourcen wie eigene Heilpädagogen zugesteht. Hier liegt noch einiges im Argen.




Hände weg vom Dietenbachwald!

Man weiß nicht, worüber man sich mehr empören soll. Ist es die Trotzigkeit, wonach die Stadt keinen Änderungsbedarf sieht, obwohl die Hochwasserkatastrophe 2021 deutlich vor Augen geführt hat, dass in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden sollte? Oder sind es die Grünwasch-Argumente, mit denen die Stadt den neuen Stadtteil Dietenbach als grandiosen Beitrag zum Klimaschutz anpreist? So soll Dietenbach zu weniger Pendlerverkehr führen und den Flächenverbrauch im Umland eindämmen. Oder ist es die Dreistigkeit, welche die Stadt beim Dietenbachwald an den Tag legt? So hieß es vor dem Bürgerentscheid noch, für Dietenbach müsse kein Baum gefällt werden. Frei nach dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, sollen nun jedoch rund 4 ha Wald für den Bau des neuen Stadtteils geopfert werden. Dies jedoch nicht nur für die Fortführung der Stadtbahntrasse, sondern auch für zusätzliche Wohnbebauung und Sportflächen. Selbst für die Trasse gibt es eine Alternativplanung von der Paduaallee aus, wie Ralph Schmidt vom NABU bei einem seiner immer sonntags um 14:00 Uhr stattfindenden Informationsspaziergängen zum Dietenbachwald ausführte.

2. Vorsitzender FL Prof. Dr. med. Michael Wirsching (vorne links) und FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (2. v. l.) bei der Demonstration am 10.10.2021. Die Anwesenheit on FL wurde mehrfach gewürdigt (Foto: K. Langosch).

Am Sonntag, den 10.10.2021 protestierten rund 300 Menschen gegen die geplanten Baumfällungen im Dietenbachwald. Zu der Demonstration hatte der BIV Rieselfeld zusammen mit anderen Organisationen wie dem NABU, BUND oder Parents for Future aufgerufen. Die Demonstranten warfen der Stadt vor, das Thema Klimaschutz zu ignorieren. Die Klimakrise mache einen grundlegenden Wandel des Denkens notwendig, so eine Vertreterin von Parents for Future. Zudem habe die Stadt 2019 ein Arten- und Klimaschutzkonzept beschlossen und müsse sich auch daran halten. Auch wurde seitens des NABU darauf hingewiesen, dass der Dietenbachwald höhlenreich und voller Totholz sei und damit Platz für Artenvielfalt biete. Schwerlich könne man auch von anderen Walderhalt fordern, wenn man nicht fähig sei, den eigenen Wald zu erhalten.

Einige Mitglieder von Freiburg Lebenswert nahmen an der Demonstration teil, so auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler, was mehrfach gewürdigt wurde. Freiburg Lebenswert hat sich als einzige Gruppierung im Gemeinderat gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen und ist nun auch die einzige im Gemeinderat vertretene Gruppierung, die sich gegen die Abholzung des Waldes einsetzt.

Kritisiert wurde bei der Demonstration auch die „Diskrepanz zwischen den hohen Ansprüchen, Green City zu sein und dem Umgang mit berechtigten Einwänden“. So sieht die Stadt keinerlei Notwendigkeit eines Umdenkens. Wozu auch, schließlich werde sparsam mit Grund und Boden umgegangen, wobei die klimatische Situation nicht verschlechtert werde. Und zudem würde doch der Verzicht auf Dietenbach im Umland ein Vielfaches an Flächenverbrauch und Pendelverkehr auslösen, so die Stadtverwaltung. Diese Grünwasch-Argumente machen einfach nur sprachlos. Tatsächlich wird der innerstädtische Verkehr mit 16.000 Neubürgern drastisch zunehmen, einige Naherholungsgebiete wie z. B. der angrenzende Mundenhof sind jetzt schon stark überlastet. Selbst wenn man großzügigerweise annimmt, dass durch Dietenbach unter dem Strich ein paar Pendelkilometer gespart werden, dürfte klar auf der Hand liegen, dass mit solchen Maßnahmen der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden kann.

Viel wurde in den letzten Jahren im Umland gebaut. Hier: Neubaugebiet in March (Foto: K. U. Müller).

Und was den Flächenverbrauch anbelangt, stellt sich die Frage, wo der ganze Aushub zur Aufschüttung auf dem Überschwemmungsgebiet herkommen soll, wenn nicht durch Bautätigkeiten aus dem Umland. Auch dort wurde den letzten Jahren enorm viel gebaut, z. B. in Niederrimsingen, March,  Kirchzarten oder Ebringen. Und ein Ende des Baubooms ist keineswegs absehbar. Dabei sei die Frage erlaubt: Warum wurde dann nicht von Freiburg ein Zeichen gegen den Flächenverbrauch gesetzt und auf die Bebauung Hinter den Gärten in Tiengen, der Eingemeindung im Umland, verzichtet?

Neubaugebiet in Ebringen: Viel Flächenversiegelung, wenig Grün, in schönster Weinberglandschaft (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/demo-gegen-baumfaellungen-haende-weg-vom-dietenbachwald–205490998.html

Auch hat Freiburg Lebenswert bereits mehrfach zum Thema berichtet.




FL vor Ort im Betzenhausener Obergrün

Freiburg erhielt die Auszeichnung „StadtGrün naturnah“ in Gold, wie die BZ am 6.10.2021 berichtete. Für Baubürgermeister Haag ist das eine verdiente Ehrung: „Freiburg tut viel, um städtisches Grün möglich zu machen“, zitiert ihn eine städtische Pressemitteilung und als Beispiel nannte er u. a. das „Urban Gardening“.

Für Freiburg Lebenswert steht diese Preisverleihung in krassem Widerspruch zur real existierenden Umweltpolitik der Stadt, die sich nicht scheut, riesige Grünflächen durch Bebauung zu versiegeln.

Am Samstag, den 2.10.2021, fand im Gewann Obergrün eine Ortsbegehung statt, zu der Freiburg Lebenswert eingeladen hatte. Cora und Kerstin Geigenbauer vom Verein „Bauernhoftiere für Stadtkinder e. V“ stellten bei einer naturkundlichen Führung die Arbeit des Vereins vor und zeigten die wertvollen Grünflächen mit ihrer biologischen Vielfalt. Für viele Kinder im Stadtteil ist hier auch ein Spielotop. Diese Grünflächen wurden vor längerer Zeit schon von der Bauwirtschaft und der Stadtverwaltung für ein neues Baugebiet ausgewählt, das seither zielstrebig vorangetrieben wird.

Freiburg tut viel, um naturnahes städtisches Grün möglich zu machen, so der Baubürgermeister. Doch im Obergrün wie auch an vielen Orten in Freiburg wird wertvoller Naturraum durch Bebauung vernichtet (Foto: K. U. Müller)

Die ursprüngliche Planung 2015 sah 20 Wohneinheiten vor. Daraus wurden in der Folge 35 und zuletzt 48 Einheiten. Durch diese aktuelle Planungsvariante wird der Kinderbauernhof eine starke Beeinträchtigung erfahren. Durch den Verzicht auf eine der geplanten Häuserreihen direkt neben dem Bauernhof wäre der Konflikt entschärft und den Betroffenen glaubhaft signalisiert worden, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Diesen Vorschlag einer geringeren Bebauung hat Einzelstadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert immer wieder ins Feld geführt, während die anderen Gemeinderatsfraktionen dies ablehnen und das Totschlagargument der Schaffung von Wohnraum bemühen, obwohl die Einwohnerzahl derzeit eher stagniert. Dabei verkennen die Baubefürworter auch völlig, dass sich durch die Brisanz der Klimakrise die Prioritäten beim Bemühen um Nachhaltigkeit verschoben haben. Die Aufgabe des Naturschutzes rangiert ganz oben, weil eine ausreichende Wohnraumversorgung auf einem unbewohnbar gewordenen Planeten Erde zur Absurdität wird.

Fazit: Viel Zerstörung für wenig – wenn überhaupt – bezahlbaren Wohnraum.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/widerstand-im-obergruen/




Nun aber los!

Deutschland hat gewählt, die Koalitionsverhandlungen sind in vollem Gange. Wer immer am Ende die Regierung bildet sieht sich einer Herkulesaufgabe gegenüber, die keinen Aufschub mehr duldet: Der Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel. Diplomatie, Zögern und Kompromisse, fast immer zugunsten der Wirtschaft, waren bisher ständige Begleiter einer halbherzigen bis hin zu vollkommen lustlosen Klimapolitik. Die verlorenen Jahre sind nicht wiedergutzumachen. Angela Merkel hinterlässt der Nachfolgeregierung eine riesige Bürde.

Sicher, Kompromisse werden auch in der neuen Regierung Teil des politischen Alltags sein. Dies darf jedoch in Zukunft nicht weiter dazu führen, dass man sich irgendwo in der Mitte zwischen (fast) keinem Klimaschutz und wenig Klimaschutz findet. Solche Kompromisse hat es leider in der Vergangenheit zuhauf gegeben mit dem Ergebnis, dass die Welt nun dem Abgrund entgegensieht. Möglicherweise ist die neue Regierung die letzte, die das Schlimmste überhaupt noch verhindern kann.

Bauen ist klimaschädlich, was von der Politik gerne unter den Teppich gekehrt wird (Foto: K. U. Müller).

Um die Mammutaufgabe zu stemmen, eine Industrienation wie Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, müsste endlich der Bevölkerung gegenüber klar kommuniziert werden, dass Klimaschutz nicht zum Nulltarif und nicht ohne Änderung eines gewohnten Lebensstils zu erreichen ist. Am Ende ist dies allerdings immer noch billiger und angenehmer als nichts zu tun. Auch die Politik muss sich neu erfinden: Sämtliche Maßnahmen müssen in Zukunft den Klimaschutz im Blick haben. Die bisherige Praxis, hier ein Schräubchen zugunsten des Klimas zu drehen, an anderen Stellen aber die Schleusen zu dessen Lasten zu öffnen, muss der Vergangenheit angehören. So ist es einigermaßen bizarr, dass im Verkehrssektor die Emissionen trotz weit verbesserter Technik gestiegen sind. Nicht weniger bizarr ist, dass es im Bausektor nach Ansicht vieler Politiker keine Änderungen geben soll und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum weiterhin mit dem altunbewährten Mittel des Bauens auf Teufel komm raus erzielt werden soll. Dabei müsste doch längst bekannt sein, dass Bauen extrem klimaschädlich ist: Allein bei der Zementherstellung, weltweit sind es gut vier Milliarden Tonnen im Jahr, entsteht viel Kohlendioxid: 2,8 Milliarden Tonnen, rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Von den weiteren Emissionen, dem gigantischen Flächenverbrauch und den Auswirkungen auf das Artensterben gar nicht erst zu reden.

Neubaugebiet Hornbühl-Ost (Foto: K. U. Müller).

Auch Freiburg wird sich nicht länger aus dieser Verantwortung stehlen können. Der Verkehr macht 20 % der CO2-Emissionen in Freiburg aus und ist „das Sorgenkind der Klimaschutzpolitik“, so Baubürgermeister Martin Haag. Leider ist der Einfluss begrenzt. Ohne Anstrengungen auf Bundesebene wird eine Verkehrswende nicht zu schaffen sein. Anders hingegen im Bausektor. Das Potenzial zur Einsparung von CO2 wird von der Stadt nicht erwähnt. Aus gutem Grund, stehen doch die geplanten Baugebiete wie Dietenbach, wo ganz nebenbei im Überschwemmungsgebiet gebaut werden soll, Obergrün, Kleineschholz, Metzgergrün oder die Zähringer Höhe, wo wertvoller Naturraum zerstört wird, um nur ein paar Beispiele zu nennen, diesen Herausforderungen diametral entgegen.

Nicht nur die neue Bundesregierung ist in der Pflicht. „Global denken, lokal handeln“ ist einer der Leitsprüche von Freiburg Lebenswert. Die Stadt sollte sich diesen Spruch ebenfalls zu eigen machen.

An Lippenbekenntnissen fehlt es nicht, an der Umsetzung hat es bisher stets gehapert. Für die neue Regierung, wie auch für Freiburg gilt: Nun aber los!

Das Langmattenwäldchen. Hier sollen für den neuen Stadtteil Dietenbach ca. 4 Hektar Wald abgeholzt werden (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/der-verkehr-verhagelt-freiburg-die-co2-bilanz–print




FL vor Ort im Obergrün am 2.10.2021 – Bauernhoftiere für Stadtkinder eV

Am Samstag, den 2.10.2021 findet in Betzenhausen im Obergrün eine Begehung vort Ort statt zum Thema: Naturnaher Park Obergrün – was würde für ein weiteres Neubaugebiet geopfert?

Die Initiatorinnen und Gestalterinnen Cora und Kerstin Geigenbauer werden in einer naturkundlichen Führung die Schutzfläche (Naherholungsgebiet, artenreicher Lebensraum, Naturerlebnisraum, Spielotop) und die Vereinsarbeit vorstellen. Beide sind durch aktuelle Baupläne gefährdet.

Die Begehung findet statt am 2.10.2021 ab 11:00 Uhr. Treffpunkt: Lichtenbergstraße 19, (Bank hinter der Anne-Frank-Schule, am Vereinsgelände).

Es gibt die Möglichkeit zum Gespräch und den Erhalt dieses für Freiburg einmaligen Kleinods zu unterstützen.

Alle Interessierte sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns über rege Teilnahme!




Anfrage zur Lärmproblematik Industriegebiet Nord/Fa. Cerdia

Zum Thema Lärmproblematik Industriegebiet FR-Nord, Firma. Cerdia hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 27. September 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Bürger aus Herdern und Zähringen sind an uns herangetreten, da von Ventilatoren/Kühlaggregaten (?) der Fa. Cerdia ausgehender Lärm ihnen nachts den Schlaf raubt bzw. sie ihre Fenster geschlossen halten müssen, um überhaupt schlafen zu können.    

Hierzu meine Fragen:

1. Ist diese Lärm-Problematik der Stadt bekannt?

2. Wenn ja, wird etwas unternommen, um dieses Problem zu lösen? Hat man z. B. Kontakt zur Fa. Cerdia aufgenommen, um gemeinsam an einem Lösungskonzept zu arbeiten? 

3. Können nachts Lärmmessungen in Herdern oder Zähringen bei den Betroffenen durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die Werte im jeweiligen Gebiet über den Grenzwerten liegen?

4. Wäre es nicht möglich, durch eine Lärmschutzwand oder Einhausung der Aggregate/Ventilatoren die Lärmbelastung zu reduzieren?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)




Trauer um unser Mitglied Helmut Stolz

Mit großer Trauer haben wir vom Tod unseres langjährigen Mitglieds Helmut Stolz am 5. September 2021 erfahren.

Wir verlieren in ihm einen sehr engagierten und aufrichtigen Mitstreiter und Ratgeber. Seine Geradlinigkeit und sein Eintreten für Dinge, die ihm wichtig und wert waren, haben uns stets beeindruckt. Er war ein wichtiger Unterstützer von Freiburg Lebenswert, seine besonnenen und klugen Beiträge werden uns sehr fehlen.

Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie. Auch wir sind dankbar für den Weg, den wir im Engagement für die Belange unserer Stadt mit ihm gehen durften. Wir werden ihn in besonderer Erinnerung behalten und sein Andenken ehren. 




Anfrage zur Lärmbelästigung am Seepark

Zum Thema Lärmbelästigung am Seepark/Elektrobeat-Picknick hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 15. September 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

viele Anwohner am Seepark sind die alltägliche Lärmbelastung mit nächtlichen Ruhestörungen leid. Nun kam noch hinzu, dass seitens der Stadt am Wochenende vom 13. bis zum 15.8.21 ein „Elektrobeat-Picknick (Sunset Vibes)“ genehmigt worden war, so dass den Bürgern zusätzlich sechs Stunden lang eine ununterbrochene ohrenbetäubende Dauerbeschallung zugemutet wurde.  Die Anwohner beklagen, dass sich der Aufenthalt im Freien zur unerträglichen Dauerbelastung mit physischem und psychischem Stress entwickelte, was eine große Gefahr gesundheitlicher Schäden in sich birgt. Messungen ergaben, dass der Lärmpegel weit über den erlaubten Werten lag.

Zahlreiche Anrufe wegen Ruhestörung bei der Polizei wurden nur achselzuckend mit Hinweis auf die städtische Genehmigung beantwortet und man auch keine Möglichkeiten habe, den Lärmpegel zu messen.

Allgemein wird moniert, dass eine solche Veranstaltung eine Zumutung für die nach einer arbeitsreichen Woche Ruhe suchenden Anwohner ist, deren Bedürfnisse die Stadt nicht im Blick habe. Hier sei ein allgemeines Wohngebiet missbraucht, ein ganzer Stadtteil extrem belastet worden zugunsten eines kommerziellen Groß-Events zur Bespaßung von einigen 100 Teilnehmern. Der Entscheid, laute Veranstaltungen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten zu genehmigen, ist im Ansatz schon widersinnig und nicht mit der Fürsorgepflicht einer Stadtverwaltung vereinbar, zumal sie damit die Polizei in ihren Möglichkeiten zum Eingreifen behindert.

Inzwischen ist die Verärgerung, man muss schon sagen Verzweiflung der Anwohner so groß, dass sich immer mehr mit dem Gedanken tragen, vom Seepark wegzuziehen, wie vom Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde und von der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine berichtet wird.

Hierzu folgende Fragen:

1. Vor dem Hintergrund, dass uns allen die Lärmbelästigungen am Seepark bekannt und auch vielen ein Dorn im Auge sind, stellt sich die Frage, wieso die Stadt eine Genehmigung für ein solches Großevent erteilt und somit die Bürger im Mooswald einer zusätzlichen Lärmquelle ausgesetzt hat?

2. Sind weitere Veranstaltungen dieser Art im Seepark geplant?

3. Falls ja, wird die Stadt diese genehmigen oder wurden bereits Genehmigungen erteilt?

4. Wäre es nicht sinnvoller, Großveranstaltungen nur außerhalb von Wohngebieten zuzulassen?

5. Wie steht die Stadt zu der Aussage, sie habe die Bedürfnisse der Bürger nicht im Blick? Macht das nicht betroffen?

6. Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um die Bürger endlich vor den Lärmbelästigungen zu schützen?

7. Wurden während solcher Großveranstaltungen schon mal die Lärmpegel bei den Anwohnern gemessen?  Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie hoch waren die Werte?

Freiburg Lebenswert schließt sich der Meinung der Freien Wähler an, dass die Stellenkürzungen beim Vollzugsdienst zu Lasten eines großen Teils der Freiburger Bürgerschaft beschlossen wurden, nämlich zu Lasten von Anwohnern, die das Pech haben, dass sich in der Nachbarschaft zu ihren Wohnungen nächtliche Treffpunkte gebildet haben. Unter den gegebenen Umständen halten wir es für angebracht, dass fürTreffpunkte in der Nähe von Wohngebieten zumindest eine klare zeitliche Beschränkung insbesondere „musikalischer Darbietungen“ eingeführt wird, um einen Anreiz zur Auflösung der Besuchermassen zu geben. Wir denken da an ein Musikverbot an Freitag- und Samstagabenden ab 24 h und an allen anderen Tagen ab 22 h. Bei Zuwiderhandlungen sollte man auch die Beschlagnahme entsprechender Lärmquellen durch den VD bzw. die Polizei erwägen.

8. Was hält man in der Verwaltung von einer solchen klaren zeitlichen Beschränkung mit entsprechender rigoroser Umsetzung?

Für eine zeitnahe Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)