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Wohnwünsche erfüllen und das Klima retten

Auf dem Wohngipfel im September dieses Jahres wurde im Bundeskanzleramt die Umsetzung eines „umfassenden Maßnahmenbündels zur Stärkung des Wohnungsneubaus und zur Sicherung bezahlbaren Wohnens vereinbart“, so die Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums. Zweck sei es, „den Bau von 1,5 Mio. neuen Wohnungen zu ermöglichen und bezahlbaren Wohnraum zu sichern”. Dafür wolle man „in dieser Legislaturperiode allein für den sozialen Wohnungsbau, das Baukindergeld, das Wohngeld und die auf Rekordniveau fortgeführte Städtebauförderung mehr als 13 Mrd. € zur Verfügung stellen“.

Der Wohnungsbauexperte Daniel Fuhrhop sieht das kritisch und fragt nach den Konsequenzen: „Die Milliarden sollen einen Bauboom auslösen, der jedoch das Klima zerstört“, meint er. Er möchte Alternativen zu den Neubaumilliarden des Wohngipfels aufzeigen und fragt danach, „wo und wie Menschen wohnen“ könnten. Wir möchten zu diesem Thema hier den folgenden, auf seinem Blog veröffentlichten Text widergeben, der das Dilemma aufzeigt, in dem sich die die politischen Akteure befinden – nämlich Bauboom und Klimaziele unter einen Hut zu bekommen. Daniel Fuhrhop zeigt aber auch, wie man es anders und besser machen kann:

„Der lange und verdächtig heiße Sommer war noch in guter Erinnerung, da präsentierte die Regierung beim Wohngipfel ein Milliardenprogramm für Neubau, das aber den Klimawandel beschleunigen wird. Dieser Widerspruch fiel auch den Politikern auf, weshalb sie in den Wohngipfel-Ergebnissen schrieben: „Bezahlbares Bauen und Wohnen, Energieeffizienz und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“. Doch dieses Bekenntnis zum Klimaschutz blieb eine Phrase, denn der Wohngipfel bietet sonst nur Neubau, für den an die fünfzehn Milliarden Euro fließen (in Baukindergeld, sozialen Wohnungsbau und Sonderabschreibung), und der die Sommer noch heißer machen wird.

Die Milliarden sollen einen Bauboom auslösen, der jedoch das Klima zerstört: Weiterlesen

Den Bürgerentscheid zur Kurskorrektur nutzen

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier sollen die letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs überbaut werden.

Pressemitteilung der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) vom 2. November 2018

FL/FF begrüßt den Erfolg des Aktionsbündnisses „Rettet Dietenbach“. Das Erfüllen des Quorums mit mehr als 12.500 gültigen Unterschriften ist umso bemerkenswerter, als durch die Sommerferien wertvolle Zeit für das Sammeln der Unterschriften verloren ging. Das Gelingen ist ein Zeichen dafür, dass die Freiburger Bürgerschaft durch dieses demokratische Mittel stärker beteiligt sein möchte.

Einer der teuersten Stadtteile Freiburgs ist das Rieselfeld – und das, obwohl das Gelände im Eigentum der Stadt war und die Erschließung problemlos erfolgen konnte. Dietenbach ist ungleich schwieriger zu entwickeln. Große Flächen sind hochwassergefährdet und müssen bis zu 3 m aufgeschüttet werden. Entlang B31 und Besançon-Allee sind Lärmschutzwälle zu errichten, zwei Stromleitungen, eine Gasleitung und ein Funkturm müssen verlegt, die Landwirte mit 65 €/m² entschädigt bzw. mit Ersatzflächen versorgt und natürliche Ausgleichsflächen für die zu bebauenden Flächen geschaffen werden. Und die Sparkasse als „Mittler“ macht ihre Arbeit auch nicht umsonst. Dennoch ist die Finanzierung keineswegs gesichert. Gleichzeitig soll der Stadtteil – zumindest „im Betrieb“ – klimaneutral sein und es soll die 50%-Regelung für „sozialen Wohnungsbau“ erfüllt werden. Fraktionsvorsitzender Wolf-Dieter Winkler: „Das Ganze erinnert an eine eierlegende Wollmilchsau! Dieser Stadtteil wird aller Voraussicht nach der teuerste Freiburgs werden. Und das wiederum wird sich ganz entscheidend in einer Erhöhung des Freiburger Mietspiegels niederschlagen. Mit einem Stadtteil Dietenbach haben alle Freiburger Mieter eine Erhöhung ihrer Mieten zu befürchten.“

Inzwischen müssen solche riesigen Baumaßnahmen auch global bewertet werden.

Der Oktober-Bericht 2018 des Weltklimarates schlägt Alarm: Ab jetzt muss sofort dringend und umfassend gehandelt werden, ansonsten wäre eine weitreichende Zerstörung unseres Planeten kaum noch aufzuhalten. In die gleiche Kerbe schlägt der WWF-Report 2018 zum Sterben der Tiere. Der Ressourcenverbrauch der Menschen übersteigt die Belastbarkeit der Erde um das 1,7fache. Angesichts der Untergangsszenarien durch den Klimawandel wie Ab-schmelzen der Polkappen, Auftauen der Permafrostböden, zunehmende Wetterextreme, aber auch durch Plastikverschmutzung und Überfischung der Meere, massiven Pflanzen- und Tierartenschwund, usw. ist ein Weiterso des politischen Handelns, auch im kommunalen Bereich, absolut unverantwortlich. Wir haben nur noch wenige Jahre Zeit. Die Anbauflächen für Lebensmittel nehmen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs und aufgrund von Starkregen-Ereignissen auf der einen und Dürre auf der anderen Seite kontinuierlich ab, während gleich-zeitig die Weltbevölkerung massiv wächst.

Dies wird gigantische Flüchtlingsströme zur Folge haben. Bis zum Jahr 2100 werden bis zu 2 Milliarden Klimaflüchtlinge prophezeit, wenn nicht gegengesteuert wird. Das sind 2000mal mehr Flüchtlinge als die ca. 1 Million Flüchtlinge des Jahres 2015, die in Deutschland zu politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen geführt haben. Dazu Winkler: „Das bedeutet, dass die menschliche Gesellschaft auf das Wohlergehen des einzelnen Menschen künftig nur dann Rücksicht nehmen kann, wenn dieses nicht zum Nachteil der gesamten Menschheit geschieht. Wenn wir dazu nicht bereit sind, dann werden wir in wenigen Jahrzehnten globale Konflikte erleben, gegen die unsere heutigen Probleme wie bezahlbarer Wohnraum marginal sind. Die menschliche Zivilisation mit ihren Errungenschaften an sich ist bedroht“. Insofern ist ein Bauen „auf der grünen Wiese“, die Vernichtung landwirtschaftlicher Flächen ein absolutes „Geht-Nicht“.

Stadtrat Klaus-Dieter Rückauer: „Um soziale Verwerfungen bezüglich bezahlbaren Wohnraums zu verhindern und unserer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden, müssen endlich alle diejenigen Instrumentarien eingesetzt werden, welche die Schaffung oder Um-verteilung von Wohnraum nutzen, die sich nicht nachteilig auf die Zukunft der Menschheit auswirken.“ Viele Leute wie beispielsweise Daniel Fuhrhop mit seinem Buch „Verbietet das Bauen“ haben gezeigt, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um nicht noch mehr natürliche Flächen für Wohnbau zu opfern. Alle diese Maßnahmen sind zum Teil nicht so einfach umzusetzen wie ein Bauen „auf der grünen Wiese“. Und sie erscheinen, weil sie eher kleinteilig sind, nicht als große Lösungen. Aber in ihrer Summe sind sie mindestens genauso wirksam.

Fazit:

– Dietenbach wird vor allem für die dort wohnenden Mieter ein sehr teurer Stadtteil

– Dietenbach wird damit zu einem Anstieg des Mietspiegels und teuren Mieten in ganz Freiburg führen

– Aus globalen und regionalen ökologischen Erwägungen heraus ist ein neuer Stadtteil Dietenbach als unverantwortlich abzulehnen

FL/FF appelliert daher an die Freiburger Bürger, diesen Bürgerentscheid zu nutzen, um einen neuen Stadtteil Dietenbach zu verhindern. Weiterlesen

Freiburg ist keine Masterplankommune

Sind die Fußstapfen der Masterplankommunen für die sogenannte “Green City” Freiburg etwa zu groß? (Zeichnung von Mariano Managò)

Mit der „Masterplan-Richtlinie“ fördert das Bundesumweltministerium seit 2012 Kommunen, die bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 und den Endenergieverbrauch um 50 Prozent senken wollen. Jetzt wurden 19 Kommunen vom Bundesumweltministerium als Klimaschutz-Vorbild-Städte ausgezeichnet. Insgesamt 40 Masterplankommunen werden auf der Projektseite des Bundesumweltministeriums aufgeführt. Aber Freiburg ist weder unter den Preisträgern noch unter den Masterplankommunen gelistet, obwohl sich die Stadt der Klimaneutralität bis 2050 verschrieben hat und Veranstaltungen zur Klimaneutralität / zum Klimaschutz durchführt.

Hierzu hat die Fraktion FL/FF eine Anfrage an die Stadtverwaltung bzw. Oberbürgermeister Martin Horn und die zuständige Bürgermeisterin Gerda Stuchlik mit folgenden Fragen gestellt:

1. Hat sich Freiburg an den Ausschreibungen zur Förderung als Masterplankommune beteiligt?
2. Wenn ja, warum ist Freiburg nicht eine der 19 Klimaschutz-Vorbild-Städte bzw. nicht als Masterplankommune gelistet?
3. Wenn nein, warum nicht?
4. Die erste Runde der Förderung der “Masterplankommunen” läuft dieses Jahr aus. Im Jahr 2016 haben sich zudem weitere Kommunen für eine Förderung qualifiziert, die noch bis Mitte 2020 läuft. Ab dem 1. Januar 2019 gibt es aber für Kommunen und Akteure aus dem kommunalen Umfeld neue Fördermöglichkeiten zur Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen. Ist von der Stadt Freiburg geplant, sich daran zu beteiligen?

Siehe hier die Original-Anfrage:  Anfrage Masterplankommunen

Flächenversiegelung contra Klimaneutralität

Die derzeitige Hitzewelle treibt uns allen den Schweiß auf die Stirn,  lässt Felder, Rasenflächen und Wälder vertrocknen und führt in Deutschland zu massiven Ernteausfällen. Dass Freiburg nicht nur durch seine geographische Lage bei  Hitzewellen regelmäßig zu einer besonders heißen “Wärmeinsel” wird, haben wir an dieser Stelle schon beschrieben und Klima-Experten zitiert, die das bestätigt haben.

Sie stellten fest, dass die dabei mögliche maximale Lufttemperaturdifferenz zwischen der Stadt und dem kühleren Umland bis zu 10 °C betragen kann. Nicht nur die geografische Lage ist dafür verantwortlich, sondern auch die Versiegelung von Flächen. Denn Straßen, Plätze und Fassaden speichern die Hitze und auch nachts kommt es dann nicht zu einer echten Abkühlung.

Die Auswirkungen der städtischen Wärmeinsel sind vielfältig. In den Sommermonaten erhöht sich die Gefahr des Hitzestress für die Menschen in der Stadt. Bei Hitzeperioden kommt es durch den Einsatz von Kühlsystemen und Klimaanlagen zu einem erhöhten Energieverbrauch mit zusätzlichen Kosten und zu vermehrtem CO2-Ausstoß.

„Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“ wird als Hauptargument dafür genannt, dass in Freiburg landwirtschaftliche Flächen versiegelt (Dietenbach) und Wälder abgeholzt werden sollen (Mooswald). Auch eine Bebauung der  Dreisamauen, die zur Erholung genutzt werden, wird in Erwägung gezogen. Der „Fünf-Finger-Plan“, der entwickelt wurde, um eine Durchlüftung der Stadt zu gewährleisten, sei „veraltet“ und wird nicht mehr in Überlegungen einbezogen.

In anderen Städten (z.B. Stuttgart, Jena) werden klimaregulierende Frischluftschneisen bei der Stadtplanung berücksichtigt, während diese in Freiburg zugebaut werden. Wenn alle geplanten Bauvorhaben in Freiburg realisiert werden, wird sich die „Wärmeinsel Freiburg“ noch weiter aufheizen und es lässt sich vorhersehen, dass negative Folgen vermehrt eintreten werden. Es ist nur eine Frage der Zeit und des Ausmaßes.

Hier wird wider besseres Wissen gehandelt, mit gravierenden Nachteilen spätestens für die Generation unserer Kinder. Fraglich ist, wie so die vielbeschworene Klimaneutralität Freiburgs erreicht werden soll und ob tatsächlich bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann.

Dieser, hauptsächlich von FL/FF-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Deppert verfasste Beitrag der Fraktion FL/FF, wird demnächst im “Amtsblatt” von Freiburg (Nr. 725) erscheinen.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/rede-zum-klimawandel-in-freiburg/

Hitzerekorde in „Wärmeinseln“ wie Freiburg

Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto: M. Falkner)

Auch wenn es zurzeit fast überall in Deutschland heiß ist, so steigt das Thermometer in einigen Regionen dennoch besonders weit nach oben und erreicht fast regelmäßig höhere Grade als in anderen Teilen des Landes. “Man kann schon sagen, dass es einige Hitzepole in Deutschland gibt”, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes gegenüber dpa. Freiburg etwa und die Städte im Rhein-Neckar-Bereich seien schon aufgrund ihrer geografischen Lage Hitze-Kandidaten.

“Bei Hitzewellen werden die Städte regelmäßig zu Wärmeinseln”, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Städte werden zu “Wärmeinseln”, so die Experten. Kein Wunder, denn in städtischen Ballungsgebieten gäbe es besonders viele versiegelte Flächen. Straßen, Plätze und Fassaden speichern die Hitze und auch nachts kommt es dann nicht zu einer echten Abkühlung.

Hitzerekorde hätten in Europa über die vergangenen Jahrzehnte hinweg insgesamt mehr zugenommen, als ohne langfristigen Klimawandel zu erwarten gewesen wäre. Klimaforscher erwarten, dass es trockene Hitzeepisoden im Sommer in Europa künftig häufiger geben wird.

Siehe: https://web.de/magazine/panorama/wetter/hitzepole-deutschlands-heiss–33090630

Und was macht Freiburg?

Gerade während der derzeit anhalten Hitze hat der Gemeinderat von Freiburg am vergangenen Dienstag mit großer Mehrheit und nur gegen die Stimmen von FL/FF die Bebauung der, für das Stadtklima so wichtigen, Fläche im Wolfswinkels durch das SC-Stadion sowie die Bebauung der letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs in Dietenbach mit einem neuen Stadtteil beschlossen.

Die Mehrheit im Gemeinderat von Freiburg versündigt sich an der Zukunft unserer Stadt, ignoriert die Warnungen der Klima-Experten und offenbart, wie sehr der Begriff “Green City” nur Augenwischerei ist. Konkretes Handel, z. B. für den Erhalt des “Fünffingerplans” zur Durchlüftung der Stadt oder der letzten städtischen Grünflächen? Fehlanzeige!

Rede zum Klimawandel in Freiburg

Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

Zum Thema “Anpassung (Adaption) an die Folgen des Klimawandels im Stadtkreis Freiburg” hat unser Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk in der Gemeinderatssitzung am 10.07.2018 unter Top 5 folgende ausgezeichnete und viel beachtete Rede gehalten, die wir als Lektüre sehr empfehlen möchten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Klimawandel ist in aller Munde und kann auch nicht mehr verleugnet werden. Selbst wenn man nicht besonders oft Nachrichten sieht, kann man feststellen, dass Unwetter zunehmen. Das hat lokale Auswirkungen auf die Umwelt, denen wir uns nicht verschließen dürfen und können. Die Vorlage der Verwaltung ist der richtige Weg, den wir von FL/FF auch unterstützen werden. Nachdem meine Vorredner recht pauschal zum Klimawandel gesprochen haben und offenbar auch keine konkreten Konzepte vorlegen können, möchte ich doch etwas ausführlicher zum Thema sprechen.

In Deutschland, insbesondere aber auch in Freiburg, gibt es immer noch zu viele Alibibegrünungen, bei denen die Optik das einzige Argument für die Ausführung ist. Klimawandel, Stadtökologie und Biodiversität sind die Schlagworte, aus denen Argumente und Fakten für die Begrünung von Dächern und Fassaden abgeleitet werden können. Die Optik darf nur der Zusatznutzen einer Begrünung sein. Die Dachbegrünung 4.0 vom Biodiversitätsdach über Klimagrün- und Solardach bis Urban Farming ist in Freiburg noch nicht angekommen. Wir brauchen Dachbiotope mit Totholz und Sandbänken als Heimat für allerlei Insekten. Neueste Wasserspeichertechniken halten große Mengen Wasser auf dem Dach zurück und können so auch für die Kühlung eines Gebäudes verwendet werden. Jeder Liter Wasser, der nicht in einer Kläranlage ankommt, hilft dieser besser zu funktionieren. Insofern lohnt ein genauer Blick auf die Retention und Verdunstungsleistung einer Begrünung. Solaranlagen und Dachbegrünungen schließen sich übrigens nicht aus. Im Gegenteil. Der kühlende Effekt einer Dachbegrünung senkt die Temperatur der Solarzelle, was dazu führt, dass sie mehr Energie erzeugt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich schaue jetzt mal besonders in Richtung grüne Fraktion und Bürgermeisterbank, eigentlich aber auch zur Mehrheit dieses Gemeinderates…

wenn Sie schon unbedingt Schrebergärten und Grünflächen für Gebäude platt machen, dann sorgen Sie gefälligst dafür, dass diese oben auf dem Gebäude wiederhergestellt werden. Wie unsinnig ist es eigentlich, wenn man ökologisch wichtige Grün- und Kaltluftflächen vernichtet, Steinwüsten in die Innenstädte baut, Bäume und Landwirtschaft platt macht und dann feststellt, dass man Probleme bei der Biodiversität und dem Klimaschutz hat? Ökopunkte und Ausgleichsflächen, die weit weg sind, taugen auch nur, um das persönliche Gewissen zu beruhigen oder Subventionen an fraglich Bedürftige zu verteilen. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten, ein Zitat, das unser Kollege David Vaulont zuletzt in diesem Kreis erwähnt hat, stimmt. Es wird aber auch immer mehr Menschen in eine Stadt bringen. Das gilt für neue Baugebiete übrigens auch. Dabei stellt sich dann die Frage, ob die vorhandene Infrastruktur einer Stadt überhaupt geeignet ist, dies kapazitiv aufzunehmen. Wie naiv ist man eigentlich, wenn man glaubt, stark zunehmenden Verkehr alleine durch Verkehrsregelung und Verbote in den Griff zu bekommen? Und dass der Verkehr sich dramatisch reduziert oder durch Elektromobilität kurzfristig in den Griff zu bekommen ist, wird doch wohl auch niemand ernsthaft glauben und werden auch die wenigsten von uns erleben. Wie absurd erscheint da die Diskussion um Tempo 30 in ganz Freiburg? Mal abgesehen davon, dass wir dem als Fraktion noch lange nicht zugestimmt haben.

Ich selbst wäre schon recht froh, wenn man mindestens Tempo 30 durchgängig in Freiburg fahren könnte. Tatsächlich geht es oft nur in Schrittgeschwindigkeit in einer Blechlawine, die ebenfalls nicht unwesentlich zur Feinstaubbelastung und zur Erwärmung beitragen dürfte.

 Bezüglich des Klimawandels hat unsere Fraktion konkrete Vorschläge:

  • Ökologisch wichtige Grünflächen müssen erhalten bleiben. Alternativen sind zu prüfen und es muss sich auch die notwendige Zeit dafür genommen werden. Was sind jetzt ein paar Jahre sorgfältige Prüfung und nachhaltige Entwicklung im Vergleich zu den möglichen negativen Auswirkungen auf viele nachfolgende Generationen. Bürgerinnen und Bürger sind noch mehr zu beteiligen und Moderationsverfahren dürfen keine Alibiveranstaltungen sein.

  • Landwirtschaft unterstützen, fördern und nicht durch Enteignung und Verbote bestrafen und in ihrer Existenz gefährden.

  • Den Fünf-Finger-Plan wiederaufnehmen, weiterentwickeln und für Kühl- und Ausgleichsflächen sorgen und diese auch erhalten. Es kann nicht sein, dass sich die Stadt Freiburg immer mehr erwärmt, nur, weil der Baubürgermeister auf einem Kamel der Investoren durch die Betonwüsten reitet.

  • Eine Expertenkommission für Dach-, Fassadenbegrünungen und Solaranlagen im Bauamt einrichten, bestehend aus Stadtplanern, Rechtsamt, sachverständigen Handwerkern und Vertretern der Industrie.

  • Alle bestehenden Dächer, insbesondere die der Stadt Freiburg, prüfen und hinsichtlich Dachbegrünung 4.0 verbessern. Bei neuen Dächern dürfen die Kosten nicht der Ausschlussgrund für eine Dachbegrünung und/oder Solaranlagen sein.

  • Last but not least fordern wir, und das ist insbesondere für private Hauseigentümer ein wichtiger Anreiz, ein Förderprogramm „lebenswert Begrünen“ zu schaffen.
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    Zur Verantwortung für den Kahlschlag vor der Volksbank

    Leserbrief in der BZ vom 22.11.2017

    Groß ist die Empörung in der ganzen Stadt und darüber hinaus über den Kahlschlag, den die Volksbank (mit Genehmigung der Stadtverwaltung) an fast 50, größtenteils gesunden, teilweise geschützten Bäumen an der Bismarck-Allee, gegenüber vom Hauptbahnhof, durchführen lässt. Viele wütende Leserbriefe in der Badischen Zeitung (BZ) zeugen von dem Unverständnis, das die Bürger für diese Aktion haben.

    Die Volksbank selbst wird da an ihre Verantwortung erinnert. Will Sie bei den Freiburgern wirklich ihren Ruf derart aufs Spiel setzen? In den Leserbriefen ist von “der Macht des Geldes” die Rede, ja sogar von der “Möglichkeit, seine Konten bei dieser Bank zu kündigen” . Auch erschließt sich einem Leser das Motto der Bank “Wir machen den Weg frei” heute ganz neu. Und ein anderer Leser fragt sich: “Ist da igendjemand nicht ganz bei Trost?”

    Aber auch die Stadtverwaltung und der OB werden an ihre Verantwortung erinnert. “Dass die Stadt auch noch mitspielt” und beschönigend von “Stilllegungen” spricht empört eine andere Leserin.  Und dem OB sowie den Freiburger Grünen wird vorgeworfen,  in Sonntagsreden den Klimaschutz zu beschwören, in der Praxis aber immer wieder das Gegenteil davon zu tun. Sie werden für den Kalschlag “mitverantwortlich” gemacht.

    Ein Leserbrief bringt das alles auf den Punkt, den wir hier deshalb gerne vollständig widergeben möchten:

    Rede zur Standortbestimmung Klimaschutz

    Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

    Zu den folgenden Tagesordnungspunkten bzw. Themen hat unsere Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk  für die Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) am 25.10.2017 im Gemeinderat die unten wiedergegebene Rede gehalten: Freiburg klimaneutral bis 2050: Standortbestimmung Klimaschutz (hier: Klimabilanz für die Jahre 2013 und 2014 und Erfolgsmonitoring 2014 – 2016, vorläufiger Maßnahmenplan 2017–2022) sowie Fortschreibung Förderprogramm “Energiebewusst Sanieren” und Maßnahmen zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung.

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
    sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    die Unterlagen der Tagesordnungspunkte 3-4-5 sind umfangreich und von der Verwaltung gut und ausführlich aufbereitet. Vielen Dank an alle Beteiligten. Auch unsere Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg begrüßt es, dass Freiburg einen neuen Anlauf zum Klimaschutz nimmt. Klimaschutz in Freiburg ist ein Erfolgsmodell und man darf jetzt nicht anfangen zu schwächeln.

    Erfreulich ist die Absichtserklärung, die Bürgerschaft sowie Sach- und Fachverständige bei der Ausformung der Maßnahmen mit einzubeziehen. Es darf hier natürlich nicht bei einer Absichtserklärung bleiben.

    Wenn die geplanten Maßnahmen Erfolg haben sollen, müssen, wie damals bei der Gründung der Energieagentur Freiburg, alle interessierten Personen, Multiplikatoren und Institutionen mitgenommen werden. Ich denke da insbesondere an Energieberater, Architekten und Handwerker sowie die dazugehörigen Innungen und Verbände. Für diese, aber auch für die Bürgerin und den Bürger selbst sollten ausreichend und weiterführende Informationsveranstaltungen und Schulungen öffentlichkeitswirksam stattfinden. Ich stelle immer wieder fest, dass die Fördermittel der Stadt Freiburg nicht ausreichend bekannt sind, nicht entsprechend beraten oder erst gar nicht in Anspruch genommen werden.

    Um die weitere Entwicklung bei den Klimaschutzzielen besser verfolgen und gegebenenfalls zeitnah weiter verbessern zu können sind noch aktuellere Daten wie bisher erforderlich. Vielleicht kann die bisher schon sehr gute Internetseite der Stadt Freiburg bezüglich Klimaschutz weiter ausgebaut werden. Warum nicht mit einer online-Grafik, welche die geplanten und bereits erreichten Ziele tagesaktuell darstellt und auf welcher die Fördermittel noch übersichtlicher dargestellt werden?

    Ein wichtiger Punkt ist auch die dezentrale Stromversorgung. Bei Förderungen und Projekten ist darauf zu achten, dass Erzeugungsanlagen auch notstrom- bzw. inselbetriebsfähig werden. Die Speichertechnologie bei Solarstrom hat sich in den letzten Jahren insofern verbessert, dass dies sinnvoll ist. Insbesondere dann, wenn die Elektromobilität stark zunimmt und man seine eigene Solartankstelle am Haus nutzen kann. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob und warum nur Lithium-Batterien gefördert werden sollen? Hier wäre eine technologieneutrale Förderung sicherlich angebrachter.

    Der ungebremste Neubau in Freiburg und die Expansion der Stadt an sich machen die Erreichbarkeit der Klimaschutzziele leider nicht unbedingt einfacher. Große und neue Wohnflächen aber auch unwirtschaftliche oder energetisch schlechte Gebäude im Bestand bedeuten zunehmend mehr Heizenergie- und auch mehr Stromverbrauch. Insofern darf man sich nicht nur als Getriebener der Wohnungsnot fühlen und mit dem Bagger der Generalunternehmer über die Äcker der Bauern brettern, sondern muss sich auch für eine realistische, sinnvolle, nachhaltige und bezahlbare Bauentwicklung einsetzen.

    Das Potential sanierungsfähiger Gebäude im Bestand energetisch zu verbessern, um diese langfristig zu erhalten, ist bei weitem noch nicht ausgereizt. Dies insbesondere auch hinsichtlich der Schaffung von preiswertem Wohnraum. Um Ziele zu erreichen, gehört es auch dazu, gelegentlich innezuhalten, die bisherige Vorgehensweise zu hinterfragen und neue Bautechniken verbunden mit innovativen und ökologischen Materialien verstärkt in Betracht zu ziehen. Die Stadt Freiburg ist hier auf einem guten Weg. Wir konnten uns vor kurzem bei der Exkursion in Vorarlberg über entsprechende Entwicklungen informieren.

    Besonders beeindruckt hat der Umstand, dass ein Gebäude aus Holz heutzutage besser sein kann als ein konventionell gebautes Gebäude und dass es bei führenden Architekten bereits wieder ein Rückbesinnen auf maßvolle Dämmung und weniger Gebäudetechnik, z.B. weniger Lüftungsanlagen, gibt. Die manuelle Stoßlüftung durch ein einfaches Öffnen der Fenster scheint plötzlich wieder gesellschaftsfähig zu werden.

    Eine spannende und positive Entwicklung, die wir alle gemeinsam mit verstärkten Kräften, unabhängig von politischen Querelen, vorantreiben sollten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    Nachverdichtung und Dachbegrünung

    Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

    Laut Umweltbundesamt wurden im Jahr 2014 pro Tag 69 Hektar neu als Verkehrs- und Siedlungsflächen ausgewiesen. Das entspricht etwa 100 Fußballfeldern. Nachverdichtung und Bauen ohne Rücksicht auf das Stadtbild führt zu massivem Flächenverbrauch, Zersiedelung, Verlust von Grünflächen und alter Bausubstanz – typische Praxis in Freiburg. Die zunehmende Bodenversiegelung beeinflusst das Klima und gilt als Mitursache für immer häufiger auftretende Überschwemmungen.

    Zum einen muss die Freiburger Politik der Nachverdichtung korrigiert werden, zum anderen kann wenigstens ein Teil der Bodenversiegelung mit der Begrünung von Dächern ausgeglichen werden. Auf einem Dach kann sich ein Blütenteppich entwickeln und somit ein wertvoller Beitrag zur Umweltentlastung geleistet werden, da dadurch grüne Inseln und Mini-Biotope geschaffen werden. Gleichzeitig wird mit Gründächern ein verzögertes Versickern von Niederschlagswasser erreicht. Das Verdunsten des im Substrat der Gründächer gespeicherten Niederschlagswasser wirkt wie eine natürliche Null-Energie-Klimaanlage. Außerdem sorgt die relativ große Masse für einen guten Schallschutz. Daher gewähren bereits viele Kommunen finanzielle Anreize bei den Abwassergebühren, wenn ein begrüntes Dach einen Teil der Bodenversiegelung kompensiert.

    Je nach Voraussetzung kann ein Dach mit einem niedrigen Pflanzenteppich bis zu ganzen, begehbaren Garten- und Parklandschaften begrünt werden. In vielen Metropolen weltweit wird das Urban Farming als Zukunftstrend bereits erfolgreich praktiziert. Selbst die Haltung freilaufender Hühner und der Anbau von Gemüse für den Eigenbedarf haben sich schon durchgesetzt. Aber auch ohne gleich einen „Nutzgarten“ auf dem Dach anzulegen, sollten Bauherren die Dachbegrünung in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Und wenn es „nur“ für das Garagendach ist.

    Als Beitrag für das “Amtsblatt” verfasst von
    Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

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