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„Die Städte verstopfen und die Dörfer veröden“

Ja, auch Freiburg Lebenswert (FL) setzt sich für bezahlbare Wohnungen in Freiburg – vor allem im Bestand – ein. Und: Ja, auch wir haben schon Maßnahmen befürwortet, die die Mieten in Freiburg möglichst niedrig halten sollen. Aber: Wir haben uns auch immer dafür eingesetzt, dass Metropolen nicht auf Kosten der ländlichen Regionen wachsen. Nun bestätigt diese zweite Aussage eine sehr interessante und lesenswerte Kolumne von Henrik Müller bei SPIEGEL ONLINE. Er hält andererseits aber auch die erste Aussage, Mieten künstlich niedrig zu halten, für falsch. Es lohnt sich, seine Argumentation zu lesen und zumindest darüber zu diskutieren. Weiterlesen

Freiburg im Focus der Immobilien-Investoren

Im Auftrag der Deutsche Invest Immobilien GmbH (d.i.i.) untersuchte das deutsche Analyse- und Beratungsunternehmen Bulwiengesa in einem Marktreport das Rendite-Risiko-Verhältnis für Wohninvestments in deutschen Städten. Untersucht wurden dabei sogenannte A-, B- und C-Standorte. „Geografisch deckt die Studie damit 43 Städte in allen Teilen Deutschlands mit über 21 Mio. Einwohnern ab. Diese Städte wurden auf das bestehende Marktrisiko und zu erwartender Renditen untersucht und die Ergebnisse gerankt“, so die Beschreibung der Untersuchung. Weiterlesen

Grüne, SPD, JPG und UL verweigern Grunderwerb

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Am 23.10.2018 wurde im Gemeinderat über den Tagesordnungspunkt Erbpachtverwaltung/Verkauf mehrheitlich zugunsten der Verkaufsgegner abgestimmt. Aus unserer Sicht eine schlimme Entscheidung für die Betroffenen! Grüne, SPD, JPG und UL (Linke) verweigern damit den Freiburgern mit kleineren Einkommen, die auf einem Erbbaugrundstück der Stadt ein Einfamilienhaus gebaut haben, den Kauf dieser Grundstücke.  Sie verweigern diesen Menschen damit die Schaffung von Eigentum.

Freiburg Lebenswert wollte diesen Menschen (und zwar nur in diesem speziellen Fall der kleinen Grundstücke mit Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften) den Erwerb der Erbbaugrundstücke ermöglichen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, so müsste man meinen. Aber…

Die Grünen, die sich hier plötzlich ganz links geben, haben sich anders entschieden. Vor der OB-Wahl, unter Salomon, hätten sie niemals so abgestimmt. Und SPD und Linke, die immer behaupten, für die “kleinen Leute” mit geringeren Einkommen da zu sein, verweigern nun genau vielen von diesen, ihren Herzenswunsch, das kleine Grundstück zu erwerben, auf dem ihr Haus steht. Es ist eine Schande und ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen!

Zu diesem Thema (“Information zur Erbbaurechtsverwaltung” und in dem Zusammenhang  zum  “Verkauf von stadteigenen Erbbaugrundstücken”, GR-Drucksache G-18/232.1) hat unsere Stadträtin und FL-Vorsitzende Gerlinde Schrempp am 23.10.2018 im Freiburger Gemeinderat für die Fraktion FL/FF – vor der Entscheidung – folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg unterstützt den Vorschlag, die Verwaltung zu beauftragen, die Grundsätze der Erbbaurechtsverwaltung zu überarbeiten und einen Sachstandsbericht sowie einen Vorschlag über das weitere Vorgehen zur Entscheidung vorzulegen.

Es ist aus unserer Sicht vor allem im Hinblick auf den interfraktionellen Antrag von Grünen, SPD, UL und JPG dringend geboten, einmal über Sinn und Zweck des Erbbaurechtes zu sprechen.

Schon seit 1920 vergibt die Stadt Freiburg Grundstücke im Erbbaurecht. Die Gründe sind einfach: Das Erbbaurecht ist gegenüber dem Grundstückskauf gerade für viele Familien mit Kindern und mit geringem Einkommen die Möglichkeit, Eigentum zu schaffen, das nicht zuletzt der Sicherung der Familie und auch der Alterssicherung dient, wie Kollege von Kageneck schon ausführte.  

Der Gemeinderat hat 2014 die Grundsätze der Erbbaurechtsverwaltung beschlossen und darin u.a. den Erwerb des bisherigen Erbbaugrundstücks geregelt, sofern es sich um Ein- bzw. Zweifamilienhäuser  handelt. Es ist dabei auch geregelt, dass der Kaufpreis sich nach dem jeweiligen Bodenrichtwert je m² abzüglich der bereits entrichteten Erschließungskosten  zu richten hat.

Maßgebliche Erwerbsvoraussetzungen wurden im März diesen Jahres dahingehend konkretisiert, dass neben Gebäudetypologie, also Ein- bzw. Zweifamilienhäuser, die tatsächliche Nutzung des Objektes, nämlich Eigennutzung des Objektes durch den Erwerber besteht. Bei großen Grundstücken ist dies nicht der Fall, deshalb hier unsere Zustimmung zum Nichtverkauf.

Die Spekulationsklausel von 10 Jahren, die in die Grundstückskaufverträge seit Mitte 2013 von der Stadt aufgenommen worden ist, darf sehr gerne auf 30 Jahre verlängert werden, sodass Käufe, die spekulative Ziele verfolgen, ausgeschlossen werden können. Auch das Rückkaufsrecht der Grundstücke durch die Stadt bietet eine höchstmögliche Sicherheit, Spekulationsgeschäfte zu verhindern.

Warum sollen nun, Zitat: “künftig im Grundsatz keine bestehenden städtischen Erbbaugrundstücke mehr zu veräußern sein“, wie der interfraktionelle Antrag dies fordert.

Wir können darin keinen Sinn sehen, denn bei einem bestehenden Erbbaumietzins  von 120 bis 150 € pro Jahr ist das für die Stadt ein gewaltiges Verlustgeschäft. Die meisten städtischen Erbbauverträge werden noch weitere 50 Jahre andauern, sodass die Stadt in diesen verbleibenden knapp 50 Jahren zwischen 7.000 und 8.000 € pro Grundstück einnehmen wird. Nochmal: In den gesamten 50 Jahren 7.000 bis 8.000 €!  Jedes dieser kleinen Grundstücke, die zwischen 200 und 300 m² liegen, brächte andererseits zwischen 70.000 und 100.000 € in die Stadtkasse und die kann diese Einnahmen gut vertragen.

Das Argument der späteren planerischen Möglichkeiten bei Nichtverkäufen von Erbpachtgrundstücken ist ebenfalls aus unserer Sicht absolut nicht stichhaltig. In Landwasser, wo ursprünglich fast alle Grundstücke  in Erbpacht vergeben wurden, sind heute in jeder Reihenhaus- oder Bungalowreihe viele Grundstücke im Eigenbesitz, sodass die noch bestehenden Erbpachtgrundstücke einen Streubesitz darstellen, der nicht überplanbar ist. Leider ist diese Tatsache in den anhängenden Karten nicht ersichtlich, darauf habe ich schon früher hingewiesen. Auf andere Stadtteile trifft das genauso zu. Aufgrund dieser Tatsachen kann es doch überhaupt keinen Sinn machen, diese Kleingrundstücke nicht zu veräußern. Also alle Argumente, dass mehr Wohnraum durch Nichtverkauf dieser Erbbaugrundstücke geschaffen werden kann, sind widerlegt.

Ein ganz anderer, sehr wichtiger  Gesichtspunkt wird beim interfraktionellen Antrag ebenfalls außer Acht gelassen. Die Menschen, die jetzt ihr Grundstück kaufen können, also Eigentum und Sicherheit für ihre Familie schaffen wollen, sind ein Garant für eine gute Durchmischung in den Stadtteilen, sie fühlen sich für den Stadtteil verantwortlich und sind sehr oft in den Vereinen und Initiativen zum Wohl des Stadtteils tätig. Dass vier Fraktionen dieses Gemeinderates die Menschen mit kleineren Einkommen darin hindern wollen, auch Eigentum zu schaffen, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Vielen Dank!

Die größten Preistreiber auf dem Immobilienmarkt

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt das Münster und erzeugt v. a. hochpreisige Immobilien (Foto: U. Glaubitz)

Wiederholt sind wir an dieser Stelle auf die Tatsache eingegangen, dass Politiker zwar beklagen, dass es zu wenig Wohnraum gäbe, dass andererseits aber der Staat selbst der größte Preistreiber auf dem Immobilienmarkt ist. Jetzt im Bundestagswahlkampf hat die Politik die Notwendigkeit zum Handeln offenbar erkannt. Fragt sich wie viel nach der Wahl von den Versprechungen übrig bleibt.

Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen steht das Thema Steuererleichterungen (beispielsweise bei der Grunderwerbsteuer, zumindest für eigengenutzte Immobilien) tatsächlich auf der Tagesordnung und ließe sich ohne Schuldenaufnahme realisieren. Im Jahr 2016 überstiegen die Einnahmen des Landes BW die Ausgaben um über 3,5 Mrd. Euro und auch 2017 liegen die Steuereinnahmen höher als bisher geplant. Es wäre also Zeit, die Bürger zu entlasten. So schreibt der Bund der Steuerzahler in seinem Wirtschaftsmagazin „Der Steuerzahler“ (Sept. 2017, S. 5):

„Der Staat ist mittlerweile der größte Preistreiber auf dem Immobilienmarkt. Neben den permanent gestiegenen Anforderungen und Auflagen beim Bauen durch den Gesetzgeber macht auch die ständig gestiegene Steuerbelastung von Besitz und Erwerb von Immobilien bezahlbaren Wohnraum zu einem Luxusgut. Es wird Zeit, dass sich hier etwas ändert. Zumindest Teile der Politik haben dies mittlerweile erkannt. Ob die Aussagen und Zusagen während des Wahlkampfs sich auch im politischen Handeln wiederspiegeln werden, wird sich zeigen.“

Freiburg Lebenswert (FL) hat immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vor allem im Bestand notwendig ist. Eine Entlastung bei der Grunderwerbsteuer würde vor allem Familien oder Baugemeinschaften entlasten. Erleichterungen beim Erwerb von Bestandsimmobilien, bei Dachausbau, Altbausanierung oder  Kulturdenkmälern wären hier effektive Mittel. Stattdessen setzen die Verantwortlichen in Freiburg vor allem auf Bauträger, die höchstpreisige Luxuswohnungen bauen.

Sehr problematisch ist in diesem Zusammenhang das Zitat von OB Dieter Salomon in der BZ, „dass er gerne vier oder fünf Projektentwickler vom Kaliber Unmüßigs in der Stadt hätte“ (siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/warum-ob-salomon-gerne-mehr-unmuessigs-in-freiburg-haette–125011183.html). Auch diese Politik trägt zur Preistreiberei in Freiburg bei.

Weiterhin steigende Miet- und Immobilienpreise

Ein Monstrum in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden

Wer darauf gehofft hat, dass die Immobilienpreise in deutschen Ballungszentren demnächst wieder fallen würden, der wird wohl enttäuscht werden, wie der Genossenschaftsbanken-Verband (BVR) festgestellt hat. Mittelfristig – so eine jetzt veröffentlichte Studie des Verbandes – werde sich nichts ändern, obwohl die Preise deutlich übertrieben sein.

Laut der Studie des BVR legten die Preise in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um mehr als 50 Prozent zu. Die Einkommen der Haushalte seien dagegen nur um etwas mehr als sechs Prozent gestiegen, zitiert die “Welt am Sonntag” (WamS) aus der Studie des Verbandes. Besserung scheint nicht in Sicht: „Diese Entwicklung ist ein Zeichen von zum Teil deutlichen Preisübertreibungen in einzelnen Stadtvierteln der Metropolen“, sagt BVR-Vorstand Andreas Martin in der WamS. Trotzdem rechnet er nicht mit sinkenden Preisen: „Eine scharfe Preiskorrektur ist mittelfristig nicht zu befürchten“, sagt er. Aber er erwartet auch keine Preisblase auf dem deutschen Immobilienmarkt: “Sowohl im städtischen als auch im ländlichen Bereich haben sich die Preise seit 2007 weitestgehend im Einklang mit den Mieten und den verfügbaren Einkommen entwickelt”.

Siehe: https://www.welt.de/wirtschaft/article164989229/Grossstaedte-werden-fuer-Normalverdiener-unbezahlbar.html

Und: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/immobilienpreise-103.html

Freiburg Lebenswert (FL) beklagt schon lange, dass die Stadt Freiburg mit ihrer Baupolitik diese Situation noch weiter fördert: Statt des benötigten, preisgünstigen Wohnraums (der oft durch Abriss vernichtet wird) wird vor allem teurer Neubau geschaffen. Die neuen Stadtteile Vauban und Rieselfeld sind heute die teuersten bzw. die sich am schnellsten verteuernden Stadtteile Freiburgs geworden. Es ist jetzt schon klar, dass der geplante Stadtteil Dietenbach (würde er wirklich gegen besseres Wissen gebaut) durch seine außerordentlich teure Entstehungsgeschichte sogar noch viel teurer werden würde. Eigentlich sollte jeder wissen: Wer viel teuren Neubau plant, zieht wie ein Magnet zusätzlichen Zuzug in die Metropolen und treibt selbst die Preise weiter nach oben – zum Wohle der Investoren und zum Schaden der Bevölkerung, die sich die Preise nicht mehr leisten kann.

Im Programm von FL steht dazu:

„Die hohen Mieten aufgrund hoher Neubaukosten und die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums durch Abriss oder Modernisierung führen dazu, dass weniger einkommensstarke Bevölkerungsschichten sowie inzwischen auch durchschnittlich verdienende Familien sich die Stadtlage in Freiburg nicht mehr leisten können und in das Umland der Stadt ziehen müssen. (…) Beschleunigt wird dieser Effekt dadurch, dass Freiburg annähernd doppelt so schnell wächst wie jede andere Großstadt in Baden-Württemberg. Es ist empirisch bewiesen, dass die Mieten umso schneller steigen, je schneller eine Stadt wächst. Und je schneller eine Stadt wächst, umso interessanter wird sie für Kapitalanleger und Bauträger, die lukrative Bauprojekte mit sicheren und langfristig steigenden Mieterträgen suchen.“

Siehe:

https://freiburg-lebenswert.de/unser-programm/wohnungspolitik-2/ Weiterlesen

Experten warnen vor der Immobilienblase

Bauwahn vor der Immobilienblase: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)
Bauwahn vor der Immobilienblase: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)

Unter der Überschrift “Im Beton-Wahn” warnen Wirtschafts- und Immobilien-Experten im SPIEGEL (44/2016 vom 29.10.2016) vor einer Immobilienblase – weltweit, aber vor allem auch in deutschen Städten.  Niedrige Zinsen und dadurch aufgetürmte Schulden würde wie eine Droge wirken. “Sie lösen nicht das Problem – sie sind das Problem.” Dieses Problem sei, so der Berliner Ökonom Daniel Stelter, nicht – wie viele meinen – kleiner, sondern größer geworden. Der Immobilienboom erfasst bekanntermaßen nicht nur Metropolen wie Berlin und München, sondern “auch die deutsche Provinz” mit Orten wie Erfurt, Weimar, Kassel – und in besonderer Weise eben leider auch Freiburg.

“Noch mag der Wohnraumbedarf in den Mittelstädten wachsen, doch der Aufschwung ist trügerisch. Er speist sich vielfach nur durch Zuzügler”, so der SPIEGEL. Die Experten stellen dabei fest, was Freiburg Lebenswert schon lange sagt, was in der Stadtpolitik und Bauwirtschaft aber sonst niemand hören will:

“Der demographische Wandel wird auf dem deutschen Immobilienmarkt tiefe Spuren hinterlassen, diese Perspektive blenden Investoren allerdings meist aus. Laut Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung steigt die Zahl der Haushalte in den kommenden Jahren kaum noch an – ab 2025 geht es bergab. Weniger Einwohner bedeuten weniger Wohnungsbedarf, mithin sinkende Kaufpreise und fallende Mieten.”

Vielerorts habe der Immobilienmarkt das Gleichgewicht bereits verloren. Analysten und Experten der Berliner Beratungsfirma Empirica beobachten schon seit längerer Zeit, dass die Wohnungspreise schneller steigen als die Mieten. Dies sei ein typisches Indiz für spekulative Übertreibungen. In 209 von 402 Städten und Landkreisen würden Preise und Mieten bereits deutlich auseinander driften. Das Phänomen kann man auch in Freiburg beobachten. Die Gefahr einer Immobilienblase ist laut Empirica “noch lange nicht gebannt.” Sie bestehe in gleichem Maße auch für Hotels, Gewerbe- oder Handelsflächen.

In Freiburg werden derzeit zahlreiche große Hotels (am Siegesdenkmal und auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs) sowie große Gewerbeflächen (in der Heinrich-von-Stephan-Straße und ebenfalls auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs) gebaut oder geplant (z.B. in der Bismarckallee). Vom geplanten neuen Stadtviertel Dietenbach ganz zu schweigen, das überhaupt erst begonnen würde, wenn laut Prognose der Experten der Bedarf bereits einbrechen wird.

Irgendwann, so die Experten, werde die Luft entweichen, die Schulden aber würden bleiben. Dies wäre zu verkraften, “wenn das Geld in produktive Projekte geflossen wäre: in Forschung und Entwicklung, in Schulen und Ausbildung oder in den Ausbau der Infrastruktur.” Das wären dann “gewissermaßen nützliche Schulden”, die den Wohlstand steigern und die Zukunft sichern würden. “Stattdessen”, so die Experten, “investieren die Anleger in Beton”. Damit würden sie das Kapital “denkbar unproduktiv einsetzen” und die Banken würden sie dabei noch unterstützen.

Das Problem sei jedoch, dass die Spekulations- und Immobilienblase “erst zweifelsfrei zu identifizieren” sei, wenn sie schon geplatzt ist. Die Politik könne dann gar nicht mehr reagieren und täte es auch jetzt, angesichts der ersten Anzeichen, nicht oder bereits zu spät.

So leider auch in Freiburg: OB Salomon und Baubürgermeister Haag predigen im Verbund mit den Grünen, der CDU und den Freien Wählern im Gemeinderat ein “weiter so” beim “Bauen auf Teufel komm raus”. Salomon wünscht sich – entgegen den Warnungen der Experten –  “noch mehr Unmüßigs”, die die Stadt mit Großprojekten zubauen sollen, während Deutschland im “Beton-Wahn” und “in Schulden versinkt”, wie der SPIEGEL schreibt, und “der Häuserboom zur Gefahr für die Konjunktur wird .” Ganz zu schweigen von dem Schaden für die Natur, das Stadtklima und das Wohlbefinden in unseren Städten.

Siehe auch:  https://freiburg-lebenswert.de/stadtteil-dietenbach-ist-nicht-notwendig/

Und:  https://freiburg-lebenswert.de/stoppt-den-neubauwahn/

Sowie in unserem Programm den Beitrag zum “Wachstumswahn”, in dem wir schon 2014 die heutige Entwicklung vorausgesagt haben, die nun von den Experten bestätigt wurde:  https://freiburg-lebenswert.de/unser-programm/wohnungspolitik/

Schönheit und Wert von Wohnimmobilien

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Sehr lesenswert ist ein Beitrag auf der Homepage des  Bundesverbands der Immobilienverwalter e.V. über die “Wahrnehmung und Bewertung von Schönheit bei Immobilien”. Das Thema war Ziel einer wissenschaftlichen Forschungsstudie, die an der TU Chemnitz erstellt wurde. Dort schreiben Dr. Nicole Küster und Prof. Dr. Friedrich Thießen unter anderem:

“Städteplaner, Kapitalanleger, aber auch Eigennutzer stellen sich die Frage, welche Wohnquartiere als schön empfunden werden, und inwiefern Schönheit einen absatzfördernden und damit werterhöhenden Faktor darstellt. Dass Schönheit wertsteigernd sein kann, ist unumstritten. Häufig wird aber vermutet, dass sie auf rein subjektiven Empfindungen beruhe. Wäre dies der Fall, könnte man keine allgemeinen Regeln für den Städtebau ableiten. Die andere Sichtweise geht dahin, Schönheit als definierbare Eigenschaft eines Gebäudes anzusehen, die für die große Masse an Nutzern Wert hat. Welche der beiden Sichtweisen ist richtig? Diese Frage drängt sich gerade heute auf, da ein anhaltender Bauboom zu großen Veränderungen in Wohnsiedlungen führt.

Die Wahrnehmung und Bewertung von Schönheit bei Immobilien war Ziel einer wissenschaftlichen Forschungsstudie, die an der TU Chemnitz erstellt wurde. Um zu überprüfen, ob Schönheit individuell wahrgenommen wird oder ob es einen allgemeinen Konsens über sie gibt, wurden demographische und psychographische Daten abgefragt und mit Schönheitsurteilen verglichen. Zusätzlich wurde, um die Urteile abzusichern, nicht nur das Schönheitsempfinden erhoben. Es wurde vielmehr auch gefragt, ob die Menschen in ein Wohnquartier als Mieter einziehen und welchen finanziellen Beitrag sie leisten würden.  (…)

Aus den Resultaten dieser Untersuchung ergeben sich folgende Handlungsempfehlungen für Architekten, Bauträger und Stadtplaner:

  • Städte sollten den Mut haben, Gestaltungssatzungen zu erlassen. Es gibt objektive Schönheit, und die Menschen fühlen sich wohler und haben eine höhere Zahlungsbereitschaft.
  • Die Sanierung eines verwahrlosten Altbaus führt zu einem besseren ästhetischen Resultat als dessen Abriss und Errichtung eines Neubaus. Losgelöst von der aktuell dominierenden Debatte um Energieeffizienz sollte der Erhalt der innerstädtischen Altbau-Gebäudesubstanz daher als ästhetischer Wert an sich in den Fokus rücken und z. B. durch Zurückhaltung beim Ausweisen von Neubaugebieten gefördert werden.
  • Avantgardistische Neubauten – insbesondere aber in den 70er Jahren erbaute Nachkriegsgebäude – werden als deutlich weniger attraktiv wahrgenommen als der klassische Altbau. Eine modische Gestaltung erweist sich im Langfristtrend somit als nicht wertstabil. Vor dem Hintergrund einer absehbaren Verschlechterung der Optik im Zeitablauf sollten avantgardistische Bauten daher nur zurückhaltend, in keinem Fall aber in noch bestehenden homogenen Ensembles, genehmigt werden.”
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    Hedgefond Black Rock

    Wohnblocks von Black Rock in der Auwaldsiedlung in Freiburg-
    Wohnblocks von Black Rock in der Auwaldsiedlung in Freiburg (Foto: aus ARD-Sendung).

    Freiburg ist durch seine hohen Preise zu einem Tummelplatz für Investoren geworden. Die Firma Black Rock, die beispielsweise in Landwasser ihr “Unwesen” treibt und dort Gebäude aufkauft, um sie – wie Mieter in der ARD-Sendung “Geld regiert die Welt” berichteten – völlig zu vernachlässigen.

    Black Rock  (http://www.blackrockinvestments.de) mit Sitz in New York ist der größte Vermögensverwalter überhaupt und hat viele Subunternehmen. Denen sind regelmäßig die Anliegen von beispielsweise Mietern der Wohnungen relativ gleichgültig! Nicht viel anders sieht das bei Investoren wie Gagfah usw. aus. Man erinnere sich an Weingarten. Unser Vorstandsmitglied Dr. Dieter Kroll berichtet dazu: „Gerade wurde die früher von meiner Tochter gemietete Wohnung in London (ca. 80 m²) für 1,5 Mill. Pfund verkauft, nun geschieht wohl ähnliches in Berlin. Ich bin Anhänger von “My home is my castle“, eine Wohnung soll den Menschen eine gewisse Sicherheit und damit gesellschaftliche Stabilität bieten, um das Leben zu meistern. Daher auch der besondere Schutz in Art. 13 Grundgesetz. Sie sollte nicht zu einem beliebigen Wirtschaftsgut degenerieren.“ Der OB und wohl auch ein Teil des Gemeinderates (der immer mehr zu einem Hort von Ergebenheitsadressen an den OB mutiert) scheinen dies aber anders zu sehen!

    Auch muss man sich wohl intensiver mit den Aufgaben der Freiburger Stadtbau beschäftigen, die in Günterstal Reihenhäuser für 1 Mio. € meint unter die Leute bringen zu müssen. Auch in anderen Teilen des Stadtgebietes greifen Investoren auf Wohnungen zu, die beispielsweise mal der Stadtbau als Mietwohnungen gehörten.

    Link zur ARD-Sendung “Geld regiert die Welt” (in der auch die Auwaldsiedlung in Freiburg ab der 7. Minute thematisiert wird).

    Betongold zahlt sich nicht immer aus

    Ein Monstrom in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden
    Ein Monstrom in Beton für Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden

    Viele Anleger legen ihr Geld momentan lieber in  Immobilien an. In Zeiten in denen die Zinsen so niedrig liegen wie derzeit ist das verständlich . Das ist sicher und bringt Rendite, denken sie. Doch für Millionen Deutsche geht das Kalkül nicht auf, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt.

    Wollen wir wirklich unsere Stadt für Investoren aus aller Welt zubauen lassen, nur weil diese sich derzeit in Freiburg hohe Renditen versprechen? Bis sie eines Tages feststellen, dass dies möglicherweise eine Fehlinvestition war und uns dann Betonruinen hinterlassen?

    Link zu einem Beitrag in der FAZ zu der oben genannten Studie.

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