H├Ąnde weg vom Dietenbachwald!

Man wei├č nicht, wor├╝ber man sich mehr emp├Âren soll. Ist es die Trotzigkeit, wonach die Stadt keinen ├änderungsbedarf sieht, obwohl die Hochwasserkatastrophe 2021 deutlich vor Augen gef├╝hrt hat, dass in ├ťberschwemmungsgebieten nicht gebaut werden sollte? Oder sind es die Gr├╝nwasch-Argumente, mit denen die Stadt den neuen Stadtteil Dietenbach als grandiosen Beitrag zum Klimaschutz anpreist? So soll Dietenbach zu weniger Pendlerverkehr f├╝hren und den Fl├Ąchenverbrauch im Umland eind├Ąmmen. Oder ist es die Dreistigkeit, welche die Stadt beim Dietenbachwald an den Tag legt? So hie├č es vor dem B├╝rgerentscheid noch, f├╝r Dietenbach m├╝sse kein Baum gef├Ąllt werden. Frei nach dem Motto ÔÇ×was interessiert mich mein Geschw├Ątz von gesternÔÇť, sollen nun jedoch rund 4 ha Wald f├╝r den Bau des neuen Stadtteils geopfert werden. Dies jedoch nicht nur f├╝r die Fortf├╝hrung der Stadtbahntrasse, sondern auch f├╝r zus├Ątzliche Wohnbebauung und Sportfl├Ąchen. Selbst f├╝r die Trasse gibt es eine Alternativplanung von der Paduaallee aus, wie Ralph Schmidt vom NABU bei einem seiner immer sonntags um 14:00 Uhr stattfindenden Informationsspazierg├Ąngen zum Dietenbachwald ausf├╝hrte.

2. Vorsitzender FL Prof. Dr. med. Michael Wirsching (vorne links) und FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (2. v. l.) bei der Demonstration am 10.10.2021. Die Anwesenheit on FL wurde mehrfach gew├╝rdigt (Foto: K. Langosch).

Am Sonntag, den 10.10.2021 protestierten rund 300 Menschen gegen die geplanten Baumf├Ąllungen im Dietenbachwald. Zu der Demonstration hatte der BIV Rieselfeld zusammen mit anderen Organisationen wie dem NABU, BUND oder Parents for Future aufgerufen. Die Demonstranten warfen der Stadt vor, das Thema Klimaschutz zu ignorieren. Die Klimakrise mache einen grundlegenden Wandel des Denkens notwendig, so eine Vertreterin von Parents for Future. Zudem habe die Stadt 2019 ein Arten- und Klimaschutzkonzept beschlossen und m├╝sse sich auch daran halten. Auch wurde seitens des NABU darauf hingewiesen, dass der Dietenbachwald h├Âhlenreich und voller Totholz sei und damit Platz f├╝r Artenvielfalt biete. Schwerlich k├Ânne man auch von anderen Walderhalt fordern, wenn man nicht f├Ąhig sei, den eigenen Wald zu erhalten.

Einige Mitglieder von Freiburg Lebenswert nahmen an der Demonstration teil, so auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler, was mehrfach gew├╝rdigt wurde. Freiburg Lebenswert hat sich als einzige Gruppierung im Gemeinderat gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen und ist nun auch die einzige im Gemeinderat vertretene Gruppierung, die sich gegen die Abholzung des Waldes einsetzt.

Kritisiert wurde bei der Demonstration auch die ÔÇ×Diskrepanz zwischen den hohen Anspr├╝chen, Green City zu sein und dem Umgang mit berechtigten Einw├ĄndenÔÇť. So sieht die Stadt keinerlei Notwendigkeit eines Umdenkens. Wozu auch, schlie├člich werde sparsam mit Grund und Boden umgegangen, wobei die klimatische Situation nicht verschlechtert werde. Und zudem w├╝rde doch der Verzicht auf Dietenbach im Umland ein Vielfaches an Fl├Ąchenverbrauch und Pendelverkehr ausl├Âsen, so die Stadtverwaltung. Diese Gr├╝nwasch-Argumente machen einfach nur sprachlos. Tats├Ąchlich wird der innerst├Ądtische Verkehr mit 16.000 Neub├╝rgern drastisch zunehmen, einige Naherholungsgebiete wie z. B. der angrenzende Mundenhof sind jetzt schon stark ├╝berlastet. Selbst wenn man gro├čz├╝gigerweise annimmt, dass durch Dietenbach unter dem Strich ein paar Pendelkilometer gespart werden, d├╝rfte klar auf der Hand liegen, dass mit solchen Ma├čnahmen der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden kann.

Viel wurde in den letzten Jahren im Umland gebaut. Hier: Neubaugebiet in March (Foto: K. U. M├╝ller).

Und was den Fl├Ąchenverbrauch anbelangt, stellt sich die Frage, wo der ganze Aushub zur Aufsch├╝ttung auf dem ├ťberschwemmungsgebiet herkommen soll, wenn nicht durch Baut├Ątigkeiten aus dem Umland. Auch dort wurde den letzten Jahren enorm viel gebaut, z. B. in Niederrimsingen, March,┬á Kirchzarten oder Ebringen. Und ein Ende des Baubooms ist keineswegs absehbar. Dabei sei die Frage erlaubt: Warum wurde dann nicht von Freiburg ein Zeichen gegen den Fl├Ąchenverbrauch gesetzt und auf die Bebauung Hinter den G├Ąrten in Tiengen, der Eingemeindung im Umland, verzichtet?

Neubaugebiet in Ebringen: Viel Fl├Ąchenversiegelung, wenig Gr├╝n, in sch├Ânster Weinberglandschaft (Foto: K. U. M├╝ller).

Siehe auch: https://www.badische-zeitung.de/demo-gegen-baumfaellungen-haende-weg-vom-dietenbachwald–205490998.html

Auch hat Freiburg Lebenswert bereits mehrfach zum Thema berichtet.