Erhaltungssatzung im Stadtteil Waldsee

Zum Thema Erhaltungssatzung im Stadtteil Waldsee (TOP 13, G-19/227) hat unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 12. November 2019 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberb√ľrgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen sind f√ľr eine Stadt, die ihr Erscheinungsbild nicht durch Fehlentwicklungen beeintr√§chtigt haben will, essentiell. Insofern ist f√ľr Freiburg, das ja gerade wegen seines Stadtbildes nicht nur f√ľr seine B√ľrger immer noch attraktiv und lebenswert ist, sondern beispielsweise auch auf Touristen eine Anziehungskraft aus√ľbt, das Erstellen solcher Satzungen zwingend notwendig.

Dabei kommt es immer wieder zu Missverst√§ndnissen sowohl bei den betroffenen Hauseigent√ľmern, aber offensichtlich auch bei einigen Stadtr√§ten. Es geht bei einer solchen Satzung einzig und allein um das √§u√üere Erscheinungsbild der Geb√§ude und die sie umgebende Freiraumstruktur. Beispiel energetische Sanierung: Wenn ein Hauseigent√ľmer seine √Ėl-Heizung auf Gas oder Pellets umstellen will, dann kann er das selbstverst√§ndlich tun, er braucht es auch nicht anzuzeigen. Etwas schwieriger ist das bei au√üen sichtbaren Ma√ünahmen wie thermischen oder photovoltaischen Solaranlagen, bei der Aufbringung einer W√§rmed√§mmung oder dem Einbau von Fenstern mit einem besseren W√§rmedurchgangskoeffizienten. Das gilt insbesondere dann, wenn es um die einsehbare Stra√üenseite eines Geb√§udes geht. Aber auch in diesen F√§llen ist eine Ver√§nderung ja nicht ausgeschlossen, sondern es ist einfach mit der Stadt abzukl√§ren, wie die Ver√§nderung vorgenommen werden kann, ohne dass das Erscheinungsbild des Geb√§udes beeintr√§chtigt wird. Da wird es in den meisten F√§llen L√∂sungen geben, die sowohl den Hauseigent√ľmer, als auch das Stadtplanungsamt zufrieden stellen!

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Nach meinem Daf√ľrhalten sollten beispielsweise Photovoltaikanlagen auch zur Stra√üenseite hin genehmigungsf√§hig sein, wenn sie √§sthetisch eingebunden werden. Also nicht grunds√§tzlich, wie es der Antrag von ‚ÄěEiner Stadt f√ľr alle‚Äú vorschl√§gt. Das hei√üt beispielsweise, dass bei einem aus mehreren H√§usern bestehenden Block dann eben nicht nur ein Haus mit einer PV-Anlage versehen wird, sondern der gesamte Block. Dazu braucht es Koordinierungen durch den Innenentwicklungsmanager. Wir halten das selbst bei denkmalgesch√ľtzten H√§usern wie der Knopfh√§usle-Siedlung f√ľr akzeptabel. Denn es wird ja nicht wie bei einem Anbau oder durch die Ver√§nderung einer Gaube praktisch unumkehrbar in die Bausubstanz des Geb√§udes eingegriffen, sondern eine PV-Anlage k√∂nnte theoretisch innerhalb weniger Stunden wieder abgebaut werden und damit w√§re der urspr√ľngliche Zustand unver√§ndert wiederhergestellt.

Ich will allerdings auch nicht verhehlen, dass es energetische Ma√ünahmen gibt, die sich nicht umsetzen lassen. Dazu geh√∂rt, dass man eben in aller Regel keine W√§rmed√§mmung wird aufbringen k√∂nnen, wenn die Fenstergew√§nder beispielsweise aus Sandstein bestehen und die Gew√§nder dann in der W√§rmed√§mmung verschwinden w√ľrden. Damit w√ľrde ein Haus massiv verunstaltet. Da muss man eben versuchen, die W√§rmeenergie durch einen regenerativen Energietr√§ger bereit zu stellen. Insofern bin ich mit dem Stadtplanungsamt einer Meinung, dass eine Abweichung in der Geb√§udekubatur um bis zu zwanzig Zentimeter, um eine W√§rmed√§mmung zu erm√∂glichen, kritisch zu sehen ist. In Einzelf√§llen wird das ohne √§sthetische Beeintr√§chtigungen m√∂glich sein. In aller Regel jedoch nicht. Hier kann man nur auf die √úberzeugungsk√ľnste des Innenentwicklungsmanagers und die Einsicht von Hauseigent√ľmern hoffen.

Was aber √ľberhaupt nicht geht und einer Erhaltungssatzung v√∂llig zuwider laufen w√ľrde, ist ein Vorschlag, der im Bauausschuss ge√§u√üert wurde. Man m√∂ge doch Geb√§ude in zweiter Reihe in den G√§rten erm√∂glichen. Wer einen solchen Vorschlag macht, hat offensichtlich den Sinn und Zweck von Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen nicht verstanden. Damit w√ľrde man ja erheblich in die Freiraumstruktur eines solchen Gebietes eingreifen, die ja nun gerade erhalten werden soll.

Meine Damen und Herren, wir freuen uns, dass mit diesem Satzungsbeschluss endlich die erste Erhaltungssatzung Freiburgs auf den Weg gebracht werden soll.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/erhaltungs-und-gestaltungssatzungen-fl-ff-war-initiator/

Sowie in unserem Programm: https://freiburg-lebenswert.de/unser-programm/erhaltungs-satzungen-etc/

Unter Denkmalschutz: Die Gartenstadt in Freiburg Haslach.