Bauwut ist kein Allheilmittel gegen Wohnungsnot

„Dass massive Bebauung das Allheilmittel gegen Wohnungsnot ist, ist ein Wunschtraum. Solange der extreme Zuzug anhĂ€lt, wird sich nichts Ă€ndern. Im Gegenteil: Es werden immer noch mehr Menschen angelockt und die LebensqualitĂ€t wird extrem sinken. Und was ist, wenn alle Reserven verbaut sind?“ So schreibt die MĂŒnchner BĂŒrgerinitiative „Heimatboden“ und verweist auf einen Beitrag, der die Situation im Neubaugebiet in Freiham beschreibt.

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sollten in Freiham viele Wohnungen fĂŒr Genossenschaften entstehen. Doch es fand sich kein einziger Interessent, weil die Preise viel zu hoch sind. Eigentlich entziehen Genossenschaften Wohnraum dauerhaft dem Spekulanten-Markt. Genossen engagieren sich in ihrer Nachbarschaft und ermöglichen – selbst im teuren MĂŒnchen – Menschen mit wenig Geld, in neuen Wohnungen zu wohnen. Deshalb ist das Ziel (fast) aller MĂŒnchner Politiker, Genossenschaften zu fördern. (Siehe dazu die Anmerkung unten.)

Siehe: https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.aufgerufene-preise-zu-hoch-wohnungsnot-die-stadt-verprellt-die-genossenschaften.f6b152ea-9c2e-41a8-a9a9-eda596a6e75d.html

Die Initiative „Heimatboden MĂŒnchen“ (siehe: http://www.heimatboden-muenchen.de) ist ein ĂŒberparteiliches BĂŒndnis von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, die sich – Ă€hnlich wie hier in Freiburg die Landwirte im Dietenbach – sich gegen die von der Stadt geplanten „stĂ€dtebauliche Entwicklungsmaßnahmen“ (SEM) zur Wehr setzt. Die Initiative möchte die von der Stadt geplanten SEMs stoppen, um auf bestimmten FlĂ€chen auf das sozialgerechte Bodennutzungsverfahren (SoBoN) zu verweisen. Dieses Verfahren garantiere ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Landwirtschaft, Erholung und Naturschutz.

Protest gegen den Landverbrauch auf dem Dietenbach-GelÀnde (Foto: W. Deppert)

Vielleicht kann Freiburg von einem solchen Konzept etwas lernen? Denn auch in Freiburg wehren sich die Landwirte gegen den geplanten Stadtteil auf dem Dietenbach-GelĂ€nde. Den Landwirten geht es um ihre Existenz, die durch den geplanten Stadtteil bedroht ist. Außerdem wird dieser Stadtteil nicht das bringen, was er verspricht. So wird aufgrund der hohen Kosten an diesem Standort wohl nicht der benötigte bezahlbare, sondern nur außerordentlich teurer Wohnraum entstehen. Und Freiburg sowie der betroffene Stadtteil St. Georgen wĂŒrden – Ă€hnlich wie in MĂŒnchen – ihre letzten landwirtschaftlichen FlĂ€chen verlieren.

Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/tag/dietenbach/

Eine Anmerkung noch zu den Genossenschaften: Dass leider auch diese nicht immer ihrer sozialen Aufgabe treu bleiben, zeigt in Freiburg das Beispiel der Familienheim Genossenschaft, die in der Wiehre bezahlbaren, stilvollen, denkmalwĂŒrdigen Wohnraum abreißen und durch teure, triste Neubauten ersetzen will – zu Lasten der Bewohner und Mieter, die mit dem Zustand der jetzigen Wohnungen zufrieden sind und sich die neuen nicht mehr leisten könnten. Genossenschaften sollten nicht zu Spekulanten werden, sonst verlieren sie ihre berechtigte Sonderstellung.

Die HĂ€user der Familienheim-Genossenschaft in der QuĂ€kerstraße (Foto: M. ManagĂČ)