Auftaktveranstaltung Perspektivplan

Folie17Kommentar und Leserbrief unserer Vorsitzenden Gerlinde Schrempp

Grunds├Ątzlich ist das Bem├╝hen um einen Perspektivplan zur Stadtentwicklung in Freiburg nat├╝rlich zu begr├╝├čen. Ich m├Âchte deshalb nicht von Vorneherein alles schlecht reden, bevor der Prozess richtig begonnen hat. Dennoch seien mir aber auch einige kritische Anmerkungen zur Auftaktveranstaltung ÔÇ×Perspektivplan Freiburg ÔÇô Ein Kompass f├╝r die Baupolitik der StadtÔÇť am 30. Juli 2014 im E-Werk erlaubt.

Sp├Ątestens durch den Kommunalwahlkampf in diesem Fr├╝hjahr┬á m├╝sste eigentlich jeder in Freiburg wissen, dass die B├╝rger mit der Baupolitik in der Stadt in gro├čem Ausma├č unzufrieden sind. Man erf├Ąhrt aus der Zeitung, was gerade verwirklicht wird. Ein Projekt folgt dem anderen, mit nachhaltiger Stadtplanung hatte das zumindest bisher nichts zu tun. Aus meiner Sicht ist es also nicht nachzuvollziehen, dass man ├╝ber die gro├če Anzahl interessierter B├╝rger verwundert war und viele interessierte B├╝rger nach Hause schicken musste. Dies erzeugt nat├╝rlich ├ärger, den man h├Ątte vermeiden k├Ânnen ÔÇô wenn man sich schon um verlorengegangenes Vertrauen wieder bem├╝hen m├Âchte.

Sehr w├╝nschenswert w├Ąre es, wenn bei der n├Ąchsten Veranstaltung die Moderation von einer Person ├╝bernommen w├╝rde, die dieser Aufgabe gerecht w├╝rde. Wenige Diskutanten aus dem Publikum zuzulassen, alles Gesagte zu wiederholen, Schaubilder zu zeigen, die kein Mensch lesen konnte und diese nach entsprechenden Zwischenrufen trotzdem nicht zu erkl├Ąren, w├╝rde man einem Studenten nicht durchgehen lassen.

Trotzdem betrachte ich es als Licht am Ende des Tunnels, dass ein Perspektivplan in Angriff genommen wurde. Warum aber ausgerechnet die achtmal gr├Â├čere Stadt Hamburg als Vergleich oder Anregung ausgew├Ąhlt wurde, entzieht sich meinem Verst├Ąndnis. Hamburg: Hafenstadt, Berge weit und breit nicht in Sicht, nicht vergleichbare Infrastruktur, lediglich 90.000 Studenten bei knapp 1,8 Mio. Einwohner. Hamburg leidet ÔÇô wie Freiburg ÔÇô unter Wohnungsknappheit. Auch hier fehlt preiswerter Wohnraum, deshalb baut man derzeit pro Jahr 6.000 Wohnungen. Auf Freiburger Verh├Ąltnisse herunter gerechnet w├╝rde das bedeuten, dass man j├Ąhrlich zwischen 700 und 800 Wohnungen bauen m├╝sste. Das hat OB Salomon den Besuchern vorgerechnet und betont, dass dies in Freiburg l├Ąngst geschehe. Das ist richtig! Unsere Stadt will aber allem Anschein nach die Millionenstadt Hamburg einholen. In diesem Jahr werden ├╝ber 1.500 Wohnungen am G├╝terbahnhof Nord fertiggestellt. Hinzu kommen Hunderte neuer Wohnungen im Bereich Berliner Allee/Els├Ąsser Stra├če (Sternenhof). Das Gebiet Schildacker (50 ha), das fl├Ąchenm├Ą├čig gr├Â├čer ist als Vauban, Gutleutmatten und zahlreiche kleinere Baufl├Ąchen sind in der Planung.

Es w├Ąre wirklich w├╝nschenswert, wenn die f├╝r uns wichtigste Aussage der Hamburger Stadtplanerin auch in Freiburg verwirklicht w├╝rde, n├Ąmlich endlich Transparenz und echte B├╝rgerbeteiligung zu schaffen. Die Stadtverwaltung, vor allem nat├╝rlich Stadtplanungs- und Baub├╝rgermeisteramt sollen endlich die tats├Ąchlichen Zahlen herausr├╝cken, wie viele Wohnungen in diesem und n├Ąchstem Jahr gebaut┬á bzw. fertiggestellt werden. Dann w├╝rde auch jedem einleuchten, dass ein neuer Stadtteil, der fr├╝hestens 2020 bewohnbar w├Ąre, eine absolute Fehlplanung darstellt ÔÇô vor allem bei dann zu erwartenden r├╝ckl├Ąufigen Bev├Âlkerungszahlen.

Deutlich wurde jedenfalls in der Diskussion, dass ein Perspektivplan f├╝r Freiburg ├╝berf├Ąllig war. F├╝r diese Vers├Ąumnisse mindestens der letzten 10 Jahre sind Politiker und Verwaltung verantwortlich und der bisherige Gemeinderat hat es mindestenst vers├Ąumt, einen solchen Perspektivplan einzufordern.

Gerlinde Schrempp

Siehe auch: Beitrag in der Badischen Zeitung