Tübingens OB Palmer spricht von „Grenzen des Wachstums“

Tübingens grüner OB Boris Palmer findet in einem Beitrag der Sendung SWR Aktuell vom 8. Februar 2019 deutliche Worte und macht deutlich, was in gleicher Weise auch für Freiburg gilt: „Tübingen wird unattraktiv weil es zu schnell wächst, weil es seinen Charakter verliert, die Mischung aus Wissenschaftsstadt und dörflicher Nachbarschaft. Ich glaube dass wir diesen Charakter erhalten müssen, gerade deswegen ist kontrolliertes und gebremstes Wachstum die richtige Antwort, nicht unkontrolliertes und extremes Wachstum.“

„Tübingen wird unattraktiv weil es zu schnell wächst, weil es seinen Charakter verliert.”

Palmer will mehr Lebensqualität für seine Stadt und macht deutlich, wie das zu erreichen ist: „Wenn wir das Wachstum bremsen wollen, ist das ganz einfach: Wir müssen nur einfach die Flächen zurückhalten, dann passiert das ganz von selbst.“ Tübingen stößt – genauso wie Freiburg – an seine topographischen Grenzen. Auch Palmer weiß, dass Wohnraum knapp ist, vor allem bezahlbarer Wohnraum. Er sagt aber zu Recht: „So viel Wohnraum können wir gar nicht bauen, dass der Preis sinkt. Da müssten wir alle Täler zubauen, das will aber niemand.“

Siehe: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Wachstumsbremse,av-o1093913-100.html

Palmer hat erkannt, dass jeder neue Stadtteil das Problem der hohen Mieten nicht löst, sondern es langfristig weiter verschärft. Und er zeigt auf, wie wahre grüne Politik eigentlich aussehen sollte: kein weiterer ungebremster Flächenverbrauch im großen Stil, sondern behutsame, gebremste und vor allem nachhaltige Stadtentwicklung, vor allem für bezahlbaren Wohnraum.

„So viel Wohnraum können wir gar nicht bauen, dass der Preis sinkt. Da müssten wir alle Täler zubauen, das will niemand.“

Für die Grünen in Freiburg ist das Statement des Parteikollegen Palmer ein Offenbarungseid, denn sie haben kein Problem damit, Grünflächen und Natur zu überbauen und sich gegen die erklärten Ziele von Nabu und BUND zu stellen. Überall wo Bäume gefällt, Wiesen bebaut und Wachstum generiert werden kann, sind die Grünen in Freiburg die ersten, die sich dafür einsetzen – in Dietenbach, im Wolfswinkel, auf den Zähringer Höhen, auf dem Gelände der Finanzschule in der Rheinstraße… eigentlich überall. Palmer zeigt, dass grüne Politik auch anders aussehen könnte bzw. sollte.

Protest der Eigentümer und Landwirte gegen die Vernichtung der landwirtschaftlichen Flächen im Dietenbach (Foto: W. Deppert)

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/dietenbach/

Hinzu kommt noch, dass die Schweizer am Wochenende über ein Ende der Zersiedelung abgestimmt haben. Die Jugendorganisation der Grünen in der Schweiz, die Grüne Jugend, wollte den Raum für die Landwirtschaft sichern. Auch wenn die Initiative in der Schweiz keinen Erfolg hatte, bleiben die Argumente dem Land erhalten – und sie gelten genauso für Freiburg.

So schreibt die Initiative er Grünen Jugend auf ihrer Website:

„In den vergangenen Jahrzehnten wurden tausende Hektaren Kulturland, naturnahe Landschaften und weitere Grünflächen überbaut. Nach wie vor geht jede Sekunde fast ein Quadratmeter Grünfläche verloren. Die Zersiedelung schreitet voran, weil das Bauland immer weiter vergrößert wird. Der Umgang mit dem Boden ist verschwenderisch. Die Zersiedelungsinitiative weist den Weg zu einer maßvollen Nutzung des Bodens. Sie stoppt die Zersiedelung, indem sie die Bauzonen nicht mehr weiterwachsen lässt. Gleichzeitig soll außerhalb der Bauzonen nur gebaut werden, was wirklich nötig ist. Die Zersiedelungsinitiative bewahrt die schönen Landschaften in der Schweiz und damit auch unsere Lebensqualität. Durch einen haushälterischen Umgang mit dem Boden wird auch weiterhin genug Wohnraum für alle geschaffen, ohne dass dafür Grünflächen geopfert werden müssen.“

Siehe: https://www.zersiedelung-stoppen.ch/

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