Rede zum EMD-Kauf

Zum EMD-Kauf (Drucksache G-23/024 und G-23/025) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 31. Januar 2023 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberb├╝rgermeister,
meine sehr geehrte Damen und Herren
!

Dietenbach sollte in erster Linie bezahlbaren Wohnraum f├╝r Freiburger Familien generieren. Mit dieser Zusage wurde beim B├╝rgerentscheid 2019 massiv geworben. Und was ist davon geblieben, vier Jahre sp├Ąter?

Entlarvend ist, was auf S. 7 der Drucksache G-23/025 steht. Da sind f├╝r Vermarktung und ├ľffentlichkeitsarbeit wie Werbung, Brosch├╝ren, Faltbl├Ątter, Homepage usw. sage und schreibe 9,73 Mio. ÔéČ vorgesehen. Werbung f├╝r einen Stadtteil, der zur Wohnraumversorgung Freiburger Familien gebaut wird, die angeblich Schlange stehen? Frecher kann man nicht offenlegen, dass sich in Dietenbach nahezu ausschlie├člich Menschen von au├čerhalb Freiburgs ansiedeln sollen. Diese Intention habe ich schon im Juli 2018 angeprangert. Nach dem Schulentwicklungsbericht 2018, Zitat, ÔÇ×nimmt die Bev├Âlkerungszahl fortw├Ąhrend zu und erh├Ąlt Mitte der 2020er Jahre noch einmal einen Schub aufgrund des neuen Stadtteils Dietenbach.ÔÇť Zitatende. Wir bauen und deshalb kommen Menschen und nicht umgekehrt. F├╝r die Freiburger, die Wohnraum suchen, w├╝rde gen├╝gend Wohnraum geschaffen werden k├Ânnen im G├╝terbahnhof Nord, in Z├Ąhringen Nord, in Kleineschholz, in den vielen Verdichtungsgebieten. Wohnungen auf der ÔÇ×gr├╝nen WieseÔÇť werden f├╝r Freiburger Wohnungssuchende nicht gebraucht!

Im Dezember 2020 hatte ich im Zusammenhang mit dem Einfluss von Dietenbach auf den Freiburger Mietspiegel angemerkt, dass die 50 % frei finanzierten Wohnungen mit ihren hohen Mietpreisen den Mietspiegel f├╝r die Mietwohnungen in ganz Freiburg anheben werden. Denn nur diese teuren Wohnungen gehen in den Mietspiegel ein. Das Nachsehen h├Ątten alle Freiburger Mieter, die nicht in gef├Ârderten Wohnungen wohnen. Sie w├╝rden die Zeche f├╝r Dietenbach zahlen m├╝ssen. Inzwischen sollen im 1. Bauabschnitt sogar alle Wohnungen verkauft werden, also nicht nur 50 % frei finanziert werden, sondern 100 %. Damit kommen doppelt so viele teure Wohnungen auf den Markt, als von mir damals angenommen. Der Mietspiegel wird also noch h├Âher ausfallen.

Mit dem Verkauf der Grundst├╝cke im 1. Bauabschnitt sind also als Zielpersonen in erster Linie Menschen mit gro├čem Geldbeutel angesprochen. Glauben Sie allen Ernstes, potentielle Interessenten mit viel Geld wollen 15 Jahre auf einer riesigen Baustelle wohnen, bei weitgehend fehlender Infrastruktur? Weit ab vom Schuss zur Kernstadt, da man diesen 1. Abschnitt ja in unmittelbarer N├Ąhe zum Frohnholz erstellen will? In H├Âr- und Sichtweite zweier vierspuriger Stra├čen, m├╝hsam kaschiert von hohen L├Ąrmschutzw├Ąllen, die den Bewohner das Gef├╝hl eines Ghettos vermitteln m├╝ssen. Gehen Sie ins Internet, da werden st├Ąndig hunderte teurer H├Ąuser und Wohnungen in bester Freiburger Lage angeboten. Wenn man also Geld und die Wahl hat zwischen Freiburger Super-Lage und Dietenbach, f├╝r was werden sich die Interessenten wohl entscheiden?

Bisher war ich in erster Linie gegen Dietenbach, weil es mit seiner gigantischen grauen Energie, durch die Vernichtung landwirtschaftlicher Fl├Ąchen, durch Versiegelung usw. die ├Âkologische und klimatische Bilanz Freiburgs massiv verschlechtern wird. Inzwischen sind FL und ich auch dagegen wegen der unverantwortlichen zus├Ątzlichen Verschuldung Freiburgs und des hohen st├Ądtischen Risikos auf einer gro├čen Baubrache sitzen zu bleiben, auf der niemand bauen und in die niemand hinziehen will. Wenn das Baugebiet in die Hose geht – und die Wahrscheinlichkeit ist sehr gro├č -, m├Âchte ich f├╝r meinen Teil nicht in der Haut eines Bef├╝rworters stecken! Ich jedenfalls, liebe Traumt├Ąnzerinnen und Traumt├Ąnzer, werde die beiden Vorlagen ablehnen.