Rede zu beruflichen Schulen

Zur Sanierung/Neubau berufliche Schulen (Drucksache G-23/066) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 27. Juni 2023 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberb├╝rgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren
!

Diese Druckvorlage muss den geneigten Leser verwundern und irritieren.

├ťber das Geb├Ąudeensemble der Friedrich-Weinbrenner-, der Gertrud ÔÇôLuckner-Gewerbe- und der Edith-Stein-Schule in der Bissierstra├če steht in der Vorlage, dass dieses Ensemble aus den 1980er Jahren mit seinen attraktiven R├Ąumen aufgrund seiner besonderen Bauweise architektonisch ansprechend sei.

Der Berufsschulbau an der Friedrichstra├če mit der Walther-Rathenau- und der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule stammt aus den 1960er Jahren und steht sogar unter Denkmalschutz. Auch diesem wird in der Vorlage hohe architektonische Qualit├Ąt bescheinigt. Trotzdem wird in der Vorlage allen Ernstes ein Abriss der Schulen zumindest diskutiert.

60 bzw. 40 Jahre sind f├╝r Geb├Ąude eigentlich kein Alter, zumindest galt das noch f├╝r Geb├Ąude, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Aber auch bei diesen Berufsschulen kann ich beim besten Willen nicht erkennen, dass sie am Ende ihres Lebens angekommen sein sollen. Zumal ich die Schulen an der Friedrichstra├če kenne und bisher nie auf den Gedanken gekommen bin, dass sie marode sein k├Ânnten. Diese Diskussion in der Vorlage, ob die Schulen saniert oder unsinnigerweise abgerissen und an der Messe als gro├čes Berufsschulzentrum neu gebaut werden sollen, ist daher f├╝r mich v├Âllig absurd.

Hinzu kommt, dass beide Berufsschulzentren fu├čl├Ąufig vom Hauptbahnhof erreicht werden k├Ânnen. Angesichts dessen, dass viele Sch├╝ler von ausw├Ąrts kommen, ist dies ein nicht zu untersch├Ątzender Standortvorteil. Wenn dagegen 7.000 Sch├╝ler ihr Berufsschulzentrum an der Messe h├Ątten, w├╝rde dies den Individualverkehr ansteigen lassen und den ├ľPNV an seine Grenzen bringen. Und nat├╝rlich beleben die Sch├╝ler an den jetzigen, innenstadtnahen Standorten in ihren Pausen oder nach Schulende auch die Innenstadt, was bei einer Lage an der Messe kaum der Fall w├Ąre. Sich beklagen ├╝ber fehlende Akzeptanz der Innenstadt und dann 7.000 Sch├╝ler von ihr zwangsweise fernhalten zu wollen, das ist eine Logik, die sich wohl nur wenigen erschlie├čt.

Wir brauchen auch keine Machbarkeitsstudie, sondern eigentlich den sofortigen Beginn der Umbauma├čnahmen. Ausweichquartier k├Ânnte der Westfl├╝gel des Lyc├ęe Turenne sein, der allerdings seit nunmehr 30 Jahren immer noch nicht saniert ist und f├╝r diese Option nun schmerzlich fehlt. Also m├╝sste erst das Turenne saniert werden, bevor die Berufsschulen angegangen werden k├Ânnten. Oder man mutet den Berufssch├╝lern zu, jahrelang auf einer Baustelle zu lernen. Egal wie, das Turenne muss endlich saniert werden. Am Samstag war ich auf dem Schulfest der Richard-Mittermaier-Schule und wurde mit Vorw├╝rfen an die Stadt seitens Schulleitung und Elternbeirat konfrontiert, dass auch dieser Schule f├╝r behinderte Sch├╝ler hinten und vorne die R├Ąume des Westfl├╝gels fehlen.

Als Fazit also, weniger teure Machbarkeitsstudien in Auftrag geben, sondern Sanierungspl├Ąne erarbeiten und dann endlich loslegen!