Der Stadttunnel wird nicht weniger, sondern mehr Belastung bringen!

Zu der vom RegierungsprĂ€sidium Freiburg am Montag, den 3. August 2020 vorgestellten Verkehrsprognose zum neuen Stadttunnel möchte Freiburg Lebenswert (FL) einen konstruktiven und kritischen Beitrag ergĂ€nzen. FL möchte einerseits auf die jetzt schon bestehenden SchwĂ€chen der derzeitigen Planungen hinweisen. Außerdem sind wir uns bewusst, dass es im Sinne einer notwendigen Klima- und Verkehrswende wesentlich radikalere Forderungen brĂ€uchte.

Der geplante Stadttunnel – unterirdischer Teil der Autobahn 860 durch Freiburg – soll mehr Verkehrsentlastung bringen als ohnehin erwartet. So die vom RegierungsprĂ€sidium Freiburg am Montag, den 3. August 2020 vorgestellte Verkehrsprognose. 57.000 Fahrzeuge fahren tĂ€glich an der Ganterbrauerei vorbei, in zwei Jahrzehnten sollen es 63.000 Fahrzeuge sein, davon 10% Lastkraftwagen. 70% sollen – so die Prognose – spĂ€ter den geplanten Tunnel benutzen, der Schwerlastverkehr 80%.

Der Stadttunnel wird keine Verkehrsentlastung bringen, sondern weiteren Durchgangsverkehr anziehen und dadurch mehr Abgase in die Stadt bringen.

Der Stadttunnel, der im Bereich des Konrad-Guenther-Parks (SchĂŒtzenalleetunnel) beginnt und am Faulerbad enden soll, wird natĂŒrlich keine Verkehrsentlastung bringen, sondern weiteren Durchgangsverkehr anziehen. Denn gut ausgebaute Straßen ziehen Verkehr an, dies beweisen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Hiervon werden insbesondere die westlichen Stadtteile Freiburgs betroffen sein, die eine erheblich höhere Schall- und Abgasbelastung erfahren werden.

Auch das Dreisamtal wird durch den zunehmenden Verkehr mehr belastet und der fĂŒr Freiburg wichtige Frischluftwind „DreisamtĂ€ler“ wird mehr Abgase in die Stadt bringen. Verkehrsentlastungen sind lediglich im jetzigen Straßenverlauf zwischen Faulerbad und Bereich Alter Messplatz zu erwarten, nĂ€mlich den Straßen entlang der Dreisam (Lessingstr., Schillerstr., Dreisamstr.).

Der sogen. „Dreisamboulevard“ wird Wunschtraum bleiben.

Dies darf aber keinesfalls zu der irrigen Annahme fĂŒhren, dass durch RĂŒckbau der jetzigen B31 dort ein „Dreisamboulevard“ entstehen könne. Die in der Architekten-Visualisierung zu sehende grĂŒne Oase wird Wunschtraum bleiben. Denn: Jeder, der sich ein wenig im Straßenbau auskennt, weiß, dass fĂŒr NotfĂ€lle Umleitungen vorgehalten werden mĂŒssen. Dies gilt namentlich fĂŒr Autobahnen im erhöhten Maße. Es ist sogar eine „Conditio sine qua non“. FĂŒr die Rheintalautobahn ist es beispielsweise die Bundesstraße B3.

Ein ganz besonderes Problem ist der geplante Autobahn-Vollanschluss „Ganterknoten“, der zwar in Form „HollĂ€ndischer Rampen“ erfolgen soll, aber einen erheblichen Eingriff in die stĂ€dtbauliche Struktur dieses Bereiches bedeutet und – auch das darf doch nicht verschwiegen werden – der von der Stadt Freiburg geplanten „Verkehrswende“ diametral entgegensteht, nĂ€mlich weniger KFZ-Verkehr im Stadtzentrum zu haben. Auch die Kosten dieses Anschlusses sind aufgrund seiner baulichen Umgebung unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoch. Zudem muss wegen der baulichen Enge von einer regulĂ€ren Ausbildung dieses Knotens abgewichen und es mĂŒssen z.B. steilere Neigungen der Rampen vorgesehen werden.

Auch die KostenschĂ€tzung in Höhe von 325 Millionen Euro dĂŒrfte ĂŒberholt sein. Sie werden vom Bund (sprich: auch hier vom Steuerzahler) ĂŒbernommen. Auch dann, wenn der Vollanschluss bei Ganter nicht gebaut werden sollte! Und auf den sollte man aus stĂ€dtebaulichen GrĂŒnden unbedingt verzichten und damit Kosten einsparen.

FĂŒr weitere Details siehe: https://freiburg-lebenswert.de/unser-programm/stadttunnel/

Siehe den Beitrag in der der Badischen Zeitung (BZ) zur Verkehrsprognose des RegierungsprĂ€sidiums: https://www.badische-zeitung.de/der-freiburger-stadttunnel-soll-mehr-verkehrsentlastung-bringen-als-erwartet–190622674.html

Siehe hier die Visualisiung des RegierungsprĂ€sidiums Freiburg mit dem stĂ€dtebaulichen Alptraum Vollanschluss „Ganterknoten“:

https://www.youtube.com/watch?v=beH2hf5dW7w&feature=youtu.be