Blamabel: Martinstor ohne Martin

Das Martinstor mit St. Martin auf einem alten Foto.
Das Martinstor mit St. Martin auf einem alten Foto.

Als Ă€ußerst blamabel fĂŒr Freiburg kann man nur die jahrelange Diskussion und jetzt die Abstimmung im Gemeinderat zum Martinsbild am Martinstor bezeichnen.  Wie absurd die Entscheidung der Kunstkommission war, der die Mehrheit aus GrĂŒnen, CDU, SPD und Freien WĂ€hlern im  Gemeinderat nun leider gefolgt ist, zeigt das vernichtende Urteil, das der bekannte KĂŒnstler Prof. Franz Gutmann, MĂŒnstertal, dazu in der Badischen Zeitung (BZ) abgegeben hat: „Eine Kunstkommission, die die Kunst abschafft!“ Vernichtender kann Kritik an der Kommission kaum sein.

Sehr gut argumentiert dazu auch Dr. Eugen Baldas in einem Leserbrief in der BZ und kommt zu dem Schluss: „Die ersten Darstellungen zeigen Martin, wie er vom Pferd herabgestiegen den Mantel in Augenhöhe mit dem Bettler teilt – keine herablassende Geste vom hohen Ross. Schwer zu verstehen, dass es heute kein Martinsbild mehr geben könne, passend zum VerstĂ€ndnis heutiger Zeit, passend zum Stadtbild.“

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/die-entscheidung-kommt-im-1700-jahr-der-geburt-des-heiligen-martin-im-roemischen-sabaria–120604552.html

FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler hat dies in seiner Rede im Gemeinderat aufgegriffen und auch sein UnverstÀndnis zum Urteil der Kunstkommission zum Ausdruck gebracht. Hier seine Rede im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr OberbĂŒrgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist fĂŒr uns unverstĂ€ndlich, dass die Kunstkommission mehrheitlich der Meinung ist, auf ein Bild am Martinstor könne verzichtet werden. Es gibt aber auch andere Kriterien als die von einer Kunstkommission geĂ€ußerten.

Ich kann hier nur der Argumentation des gestern in der BZ veröffentlichten Leserbriefs von Eugen Baldas folgen, dessen Quintessenz war, dass es uns gut anstehen wĂŒrde, im 1700. Geburtsjahr des Martin von Tours – eines Bischofs, der Europas Kulturgeschichte entscheidend geprĂ€gt hat und dessen Geburtsjahr europaweit gefeiert wird – wieder ein Martinsbild am Martinstor zu platzieren. Dies umso mehr, als Martin durch seine Mantelteilung ein Zeugnis dafĂŒr abgelegt hat, wie selbstverstĂ€ndlich das Teilen des eigenen Besitzes mit BedĂŒrftigen sein sollte. Vor dem Hintergrund der FlĂŒchtlingskrise bekommt diese Haltung einen ganz aktuellen Bezug.

Ein weiterer Punkt ist, dass Freiburg – noch, muss man sagen – eine Touristenstadt ist. Und fĂŒr eine solche gehört auf einen historischen Turm ein historisches Bild, ein Bild, das dort ĂŒber Jahrhunderte auch vorhanden war. Man kann unschwer auch als Tourist erkennen, dass sich unterhalb des Zier-Dachansatzes – auf halber Höhe zwischen Turmuhr und Inschrift – ein Bild befunden haben muss und vermisst es folglich. Es spricht viel dafĂŒr, dass dies eine historisierende Darstellung sein sollte, da es sich schließlich um ein altes Stadttor handelt. Es kam ja auch niemand auf die Idee, fĂŒr die Kunst am Bau im neuen Verwaltungszentrum die GemĂ€lde „Madonna unter den Tannen“ oder „Venus mit Amor als Honigdieb“ von Lucas Cranach dem Älteren anzukaufen. Wir plĂ€dieren daher weiter dafĂŒr, dass das Martinstor ein Bild erhĂ€lt. Ob dies in Anlehnung an Wilhelm DĂŒrr dem Älteren oder an Simon Göser erfolgt, ist da erstmal zweitrangig.

In diesem Zusammenhang kann ich mir auch nicht verkneifen zu erwĂ€hnen, dass der auf dem Turm-NebengebĂ€ude aufgebrachte Schriftzug eines Billig-Fast-Food-Restaurants weder mit den Tugenden des Heiligen Martins, noch mit dem Aspekt des Tourismus in Einklang zu bringen ist und endlich beseitigt gehört. Es ist nur schwer ertrĂ€glich zu wissen, dass mit jedem Urlaubsfoto vom Martinstor ungewollt Werbung fĂŒr eine Fast-Food-Kette gemacht wird.