Bauschutz geht vor Baumschutz

Am 5.11.2021 hat FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler eine Anfrage an die Stadtverwaltung zum Thema ÔÇ×Baumf├Ąllungen und BaumschutzsatzungÔÇť gestellt. Grund der Anfrage war eine stattliche Rotbuche, die in der Sonnenstra├če in Herdern einem Bauvorhaben weichen muss, obwohl dieser Baum mit einem Stammumfang von 2,40 m unter die Baumschutzsatzung f├Ąllt. Dabei stellte sich die Frage, warum diese Baumschutzsatzung im konkreten Fall nicht angewendet wird. Daneben waren besonders die Fragen interessant, wie oft in den letzten Jahren eine Befreiung von der Satzung beantragt und wie oft diesem Antrag stattgegeben wurde. Auch wurde die Frage gestellt, wie oft Ersatzpflanzungen in den letzten Jahren verlangt wurden und wer die Durchf├╝hrung ├╝berpr├╝ft.

Auf diese Anfrage hat die Stadtverwaltung nun geantwortet, dar├╝ber berichtete auch die BZ. Demnach sind von 2018 bis 2021 beim st├Ądtischen Garten- und Tiefbauamt (GuT) 2500 Einzelantr├Ąge eingegangen, davon wurden 1817, also 73 % genehmigt. Bei Bauvorhaben wurden 188 Antr├Ąge zwischen 2018 und 2020 gestellt, davon wurden 158, also 84 %, genehmigt. F├╝r das Jahr 2021 liegen zu der Anzahl Genehmigungen noch keine abschlie├čenden Angaben vor. Bis zum 14.12.2021 wurden jedoch bereits 159 Antr├Ąge gestellt, was gegen├╝ber 2020 (60 Antr├Ąge) eine Zunahme um 165 % darstellt. Dieser deutliche Anstieg weist auf eine stark gestiegene Baut├Ątigkeit hin.

Was Ersatzpflanzungen anbelangt, so wurden von 2018 bis 2021 bei Einzelbefreiungsantr├Ągen 1497 Anordnungen erteilt mit der Auflage, 2392 neue B├Ąume zu pflanzen. Im Rahmen von Bauprojekten ergingen im gleichen Zeitraum 213 Anordnungen, wobei insgesamt 1349 neue B├Ąume zu pflanzen waren. Teilweise wurde auf die Anordnung ganz verzichtet, da bereits Ersatzpflanzungen in den jeweiligen Bebauungspl├Ąnen festgesetzt waren. Die Ersatzpflanzungen sind nachzuweisen, ansonsten erfolgt eine stichprobenartige Kontrolle. Auf die Frage, wie viele Ersatzpflanzungen trotz Anordnung nicht durchgef├╝hrt wurden und welche Konsequenzen die Nichtbefolgung hatte, musste die Stadt passen: ÔÇ×Hierzu k├Ânnen keine belastbaren Daten erhoben werden, da sich die Ersatzplanzungen je nach Sachverhalt (z. B. bei Sanierungsma├čnahmen) teilweise um Jahre verz├Âgern k├Ânnen.ÔÇť

Trotz Baumschutzsatzung keine M├Âglichkeit zur Rettung der Rotbuche (Foto: K. U. M├╝ller).

Wenig erfreulich war auch die Antwort in Bezug auf die Rotbuche in der Sonnenstra├če: Die Baumschutzsatzung sei im konkreten Fall nicht anwendbar, sofern ein Vorhaben im Innenbereich bauplanungsrechtlich zul├Ąssig ist, greife der Natur- und Baumschutz nicht. ÔÇ×Hier gilt Baurecht vor BaumschutzÔÇť, so die Stadtverwaltung.

Der Klimawandel, insbesondere die anthropogene globale Erw├Ąrmung, sorgt daf├╝r, dass sich St├Ądte immer mehr aufheizen. Wir erleben einen dramatische Artenschwund. Jeder Baum ist wichtig. Da ist die Rechtsgestaltung der Stadt Freiburg aus der Zeit gefallen. Deshalb setzt┬ásich Freiburg Lebenswert immer f├╝r eine Verbesserung der Baumschutzsatzung ein, die auch gegen├╝ber Baus├╝nden wirksam ist.