Zum Tourismuskonzept Freiburgs

Am 26.2.2019 hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL), der auch Fraktionsvorsitzender von FL/FF ist, im Gemeinderat je eine Rede zu den Themen „Tourismuskonzept“ (TOP 12, Drucksache G-19/012) sowie „Freiburg-S-Wirtschaftsimmobilien“ (Drucksache G-19/040) möchten wir hier dokumentieren.

Hier zunächst die Rede zum Freiburger „Tourismuskonzept“:

Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt bei
diesem Tourismuskonzept einige Maßnahmen, die wir für unterstützungswürdig
halten wie beispielsweise die Schaffung eines Routen- und Wegeleitsystem auf
dem Schlossberg, für Sicherheit und Sauberkeit in der Innenstadt zu sorgen,
Stadtbegrünung und Stadtschmuck auszubauen, Sitzgelegenheiten zu schaffen, die
Beschilderung kultureller Gebäude und Kunstwerke oder den Ausbau von
öffentlichen Sanitäranlagen. Die Ausschilderungen und Hinweise gerne auch im
digitalen Format!

Aber wieso
man beispielsweise eine Gesundheits-Infrastruktur in Freiburg schaffen will, um
einen Medizin- und Gesundheitstourismus zu fördern, erschließt sich uns nicht.
Und wozu braucht man einen Infopavillon für die Green City Freiburg, wenn sich
doch im Alten Rathaus bereits die Tourist Information befindet? Vor allem ist
die Freiburger Bürgerschaft inzwischen eher genervt von den Tourismusströmen.
Eine positive Tourismusgesinnung der Bürger zu sichern und zu erhalten, wie es
in der Vorlage so schön heißt, dürfte daher ein ambitioniertes Ziel sein mit
eher enttäuschendem Ausgang bezüglich des Zielerreichens.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Vor allem
aber gibt es auch eine Reihe von vorgeschlagenen Maßnahmen, die einem entweder
nichts sagen oder einfach nur Tourismus-Ankurbelungs-Aktionismen sind. Was muss
man sich beispielsweise unter Erlebnisräumen in der Innenstadt vorstellen, was
tun erlebnisweltspezifische Kompetenzgruppen? Anglizismen-Vokabular wie Green
Trails, Green Meetings, Storytelling, Storyline, Green Spots des Clusters Green
City versteht der geneigte Leser nicht und die Schaffung solcher Ausdrücke in
der Provinzstadt Freiburg ist nur als krampfhaft weltoffene Möchte-Gern-Dabei-Sein-Wichtigtuerei
zu bezeichnen.

Überhaupt ist
in der Vorlage sehr oft von Green City die Rede. Wenn man angesichts des Bauens
auf Teufel komm raus auf innerstädtischen Grünflächen oder außerstädtischen
landwirtschaftlichen Feldern in der Bürgerschaft von Green City redet, dann
erntet man inzwischen nur noch verächtlich-höhnisches Gelächter. Es wird also
höchste Zeit, dass man sich von dieser Bezeichnung verabschiedet. Sie ist nur
noch peinlich!

Richtig
ärgerlich ist aber, dass diese Tourismus-Ankurbelungs-Ideen anscheinend unter
der Leitung eines externen Gutachters kreiert wurden. Wozu, um alles in der
Welt, brauche ich einen teuren Gutachter, um festzustellen, dass sich die
innerstädtischen Besucher, egal ob sie aus Freiburg stammen oder aus der Ferne
kommen, über mehr Sitzbänke und Blumenschmuck in der Innenstadt freuen würden?

Sehr geehrte
Damen und Herren, einen nicht unerheblichen Teil der vorgesehenen 1,7 Mio. €
für die Tourismus-Ankurbelung halten wir für rausgeschmissenes Geld. Dieses Geld
wäre sinnvoller in Klimaschutzmaßnahmen investiert. Wir werden der Vorlage
daher nicht zustimmen!

Und hier seine kurze Stellungnahme zum Thema „Freiburg-S-Wirtschaftsimmobilien“:

Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir können den Sinn dieser Gesellschaft Freiburg-S-Wirtschaftsimmobilien nicht so recht erfassen. Wenn man im Internet diese Gesellschaft aufruft, so werden dort als Referenzen Wirtschaftsimmobilien wie der Freiburger Hauptbahnhof, der Keplerpark, das Kasernenareal St. Gabriel usw. aufgeführt. Das sind alles mindestens 20 Jahre alte Projekte. Da stellen wir uns schon die Frage, wie sinnvoll es ist, eine solche Gesellschaft am Leben zu erhalten, wenn ihre Daseinsberechtigung – zumindest auf den ersten Blick – nicht mehr erkennbar ist. Aktive Gewerbeflächenbedarfs-planung und Gewerbestandortentwicklung war bis in die 80er und 90er Jahre hinein sicher sinnvoll. Ob es das heute noch ist, können wir anhand der uns vorliegenden Informationen momentan nicht entscheiden. Wir können daher der Vorlage zum jetzigen Zeitpunkt nicht zustimmen.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler spricht bei der Schülerdemo am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)