Wohnen über Parkplätzen und Supermärkten

In der ARD-Wirtschaftsendung „PlusMinus“ wurde am 04. April 2018 ein sehr interessanter Beitrag gezeigt, den es sich lohnt in der Mediathek noch einmal anzuschauen: „Wohnen über dem Lebensmittelmarkt – Mit Aldi, Lidl und Co. gegen Wohnungsnot.“ Es geht um den großflächigen Flächenverbrauch durch einstöckige Lagherhallen und Supermärkte sowie um die Flächerversiegelungen durch Parkplätze in Gewerbegebieten – einen enormen Luxus, den wir uns angesichts mangelden Wohnraums in unseren Städten (so auch in Freiburg) leisten.

Der Bericht beginnt mit einer auch für Freiburg gültigen Feststellung: „Jahrelang waren ausufernde Bauschriften und die Energiewende der Bremsklotz für mehr Wohnungsbau. Mittlerweile sind es vor allem die fehlenden Bauplätze in Großstädten und in boomenden Regionen, die die Neubaustatistik für Mietwohnungen verhageln – statt mehr werden es weniger.“ Verwiesen wird dabei auf die Initiative eines Diskounters: „Was in diesen Wochen werbewirksam von Aldi verkündet wird, „Aldi baut jetzt Wohnungen“, ist kein Discounter-Coup, sondern vielmehr Not-Strategie von Städteplanern. Aufstocken – heißt die Lösung des Baulandproblems. Wohnen über dem Supermarkt oder Discounter – längst Realität – aber ausbaufähig.“ Aber auch andere Lebensmittelhändler springen auf diesen Zug auf, denn die Strategie lohnt sich.

Und weiter heißt es in dem Bericht: „So zu bauen, lohne sich nicht nur in Berlin, sondern überall, wo Städte wachsen, sagt Karsten Tichelmann. Der Architektur-Professor von der technischen Universität in Darmstadt erforscht seit langem ungenutzte Flächen in Stadtgebieten. Für „Plusminus“ hat er exklusiv das Wohnraumpotential auf Supermärkten für ganz Deutschland berechnet. Blickt man nur auf die Zentren der 70 größten Städte, gibt es 11.000 Supermärkte. 3.700 davon sind für Wohnungsbau geeignet – ein Potential für bis zu einer Millionen Wohnungen. Genau diese eine Million fehlt in Deutschland schon jetzt. „Das meiste Potential, um kostengünstige Flächen und vor allem Wohnraum zur Verfügung zu stellen, ist natürlich auf den vorhandenen Gebäuden. Ich brauche keine Infrastruktur mehr bauen, keine neuen Straßen erschließen. Ich brauche kein Grundstück mehr auf den Mietpreis umlegen – die kostengünstigsten Flächen liegen auf dem Gebäudebestand“, erklärt Architektur-Professor Tichelmann.“

Siehe Video: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/hr/discounter-wohnungen-100.html (verfügbar bis 04.04.2019)

Siehe auch den Beitrag zu diesem Thema in der Zeitschift „Wirtschafts-Woche“ (WiWo):  https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/wohnen-beim-discounter-platzmangel-laesst-supermaerkte-kreativ-werden/21149906.html

Großflächiger, einstöckiger Flächenverbrauch in Gewerbegebieten (Foto: W.-D. Winkler)

Großflächiger Flächenverbrauch in Gewerbegebieten (Foto: W.-D. Winkler)