Quo vadis Freiburg?

Dietenbach_Luftbild
Ein Diskussions-Beitrag zu den Plänen eines neuen Stadtteils Dietenbach  von Dr. Dieter Kroll

Schaut man in die Geschichte der Stadtentwicklung zur√ľck, dann wird man¬† ein st√§ndiges Anwachsen der Siedlungsbereiche beobachten k√∂nnen. Dabei entstanden und entstehen namentlich in den Entwicklungs- und Schwellenl√§nder st√§dtische Agglomerationen von kaum beherrschbarer Gr√∂√üe: Mexico City. Mumbai, Cairo, in China insbesondere, aber auch in Teilen Europas mit zentralen Siedlungssystem wie beispielsweise Paris und London mit jeweils etwa 12 Millionen Einwohnern.

Dagegen zeichnet sich die Bundesrepublik Deutschland durch ein dezentrales Siedlungssystem aus, das aus Zentralen Orten mit besonders zugewiesenen Aufgaben besteht (siehe Abb.).

Quo_vadis_Freiburg_Abb1Freiburg ist dort als ‚ÄěGro√üstadt‚Äú und zugleich als ‚ÄěGro√üstadtregion‚Äú aufgef√ľhrt. Dies wird raumplanungstechnisch auch als ‚ÄěVerdichtungsraum‚Äú bezeichnet, das sind St√§dte und ihre Einzugsbereiche, den Stadtregionen. Dabei ist Stadtentwicklung¬† nicht mehr nur in den bisherigen administrativen Stadtgrenzen zu verstehen. Dies gilt insbesondere f√ľr Gro√üregionen, also auch f√ľr Freiburg.

Stadtteil Dietenbach…

In Freiburg schlagen die Wellen hoch: neuer Stadtteil ja oder nein und wo. Die Stadtverwaltung und Teile des Gemeinderates wollen einen neuen Stadtteil: Dietenbach (Gewannname!) zwischen Autobahn und Westrandstra√üe und in einem √úberschwemmungs-gebiet(Weite Teile des f√ľr eine Siedlungsentwicklung vorgesehenen Gebietes der Dietenbachniederung liegen ausweislich der aktuellen Hochwassergefahrenkarten des Landes Baden-W√ľrttemberg im √úberschwemmungsgebiet eines hundert-j√§hrigen sowie in Teilen eines zehnj√§hrigen Hochwasserereignisses (HQ 100 bzw. HQ 10)¬† und damit in einer formalen Bauverbotszone gem. WasserHaushaltsGesetz (WHG)) ist die Wahl Nr. 1. Und was macht die Stadtverwaltung?

Sie versucht es √ľber ein wasserwirtschaftliches Fachgutachten

Ein gro√üer Teil der Gebietsalternative Dietenbach liegt im √úberflutungsbereich eines 10-j√§hrigen Hochwassers, ein noch gr√∂√üerer Teil wird bei einem 100-j√§hrigen Hochwasser √ľberflutet. Dies bedingt, dass dort derzeit ein wasserrechtliches Bauverbot besteht. Die Verwaltung pr√ľft mit Hilfe eines externen Gutachters, ob in Form von Gew√§sserausbau- und Hochwasserschutzma√ünahmen die Voraussetzungen f√ľr eine Ausnahmegenehmigung vom Bauverbot geschaffen werden k√∂nnen.
Die Stadt hat damit Erfahrungen: Stadtteil Landwasser: Geb√§ude stehen im Grundwasser mit feuchten Kellern (Wer ist schuld daran? Die planende Stadt nicht! So der Oberb√ľrgermeister), Stadtteil Hochdorf entwickelt sich auch in die Richtung! Auch hier tr√§gt der B√ľrger die Folgen alleine! Und der Gemeinderat oder der Teil des Gemeinderates, der ja diese Bebauungspl√§ne beschlossen hat, tr√§gt nat√ľrlich auch keine Verantwortung. Man kann, ohne besondere F√§higkeiten zu mobilisieren, davon ausgehen, dass der Standort Dietenbach nahezu den ‚ÄěWorst Case‚Äú darstellt, auch was die k√ľnftige Erschlie√üung angeht. Diese wird vermutlich¬† auch wieder √ľber die Westrandstra√üe mit Freiburg-Typischer Gro√ü-Signalanlage gef√ľhrt und eine zus√§tzliche Stadtbahnlinie mit Vorrangschaltung beinhalten und so diese Umfahrungsstra√üe endg√ľltig zur Stopp-and-go-Allee degenerieren (Siehe geplanter Stadionanschluss). Und zur L√§rmbel√§stigung durch Autobahn und Westrandstra√üe:

Macht man eine schalltechnische Voruntersuchung…

Analyse und Bewertung der Immissionssituation (u.a. Verkehrslärms durch Straßen und Schienen) und Empfehlungen zu Möglichkeiten des Lärmschutzes, um eine bauliche Entwicklung trotz der Emissionsbelastungen gewährleisten zu können.

Quo_vadis_Freiburg_Abb2Übrigens: die blauen Flächen sind Überflutungsflächen!

Und zum L√§rm eine Entscheidung des OVG M√ľnster:
Weist ein Bebauungsplan neue Wohngebiete aus, die aufgrund
vorhandener Stra√üen L√§rmbelastungen ausgesetzt sind, die tags und nachts (deutlich) mehr als 10 db (A) √ľber den Orientierungs-werten der DIN 18005 liegen, sind gesunde Wohnverh√§ltnisse nicht schon dann gewahrt, wenn die neue Wohnbebauung passiv (L√§rmschutzfenster) gesch√ľtzt wird (Soziale L√§rmschutzw√§nde sind in Freiburg sehr beliebt).

Dr. Dieter Kroll

Eine ausf√ľhrliche Fassung des hier ver√∂ffentlichten Diskussions-Beitrags von Dr. Dieter Kroll (Mitglied im Vorstand von Freiburg Lebenswert)¬† finden Sie hier:¬† „Quo vadis Freiburg?“ (PDF-Datei)