Quäkerstraße: Erfolg für Bürgerinitiative und Bewohner

Für das Quartier Quäkerstraße gibt es jetzt ein Moratorium bis 2029. Somit hat sich der jahrelange Widerstand der Bewohner und ihrer Bürgerinitiative „Wiehre für alle“ gegen Abrisspläne der Baugenossenschaft Familienheim gelohnt. Stadtverwaltung und Familienheim haben einen seit Jahren bestehenden Streit mit einem Kompromiss beigelegt. Demnach sollen die Pläne für die weitere Entwicklung des Quartiers bis 2029 auf Eis gelegt werden, wohingegen die Stadt auf die bereits beschlossenen Erhaltungssatzungen verzichtet. Dem muss der Gemeinderat allerdings noch zustimmen.

Die Vorgeschichte

Die Genossenschaft Familienheim Freiburg wollte 2017 einen Teil ihres Objekts an der Quäkerstraße/Adalbert-Stifter-Straße abreißen und neu bebauen. Im Innenhof sollte zusätzlich ein Neubau entstehen. Die Gebäude seien, so die Genossenschaft damals, nicht mehr in gutem Zustand. Dies sahen die Bewohner anders. Es bildete sich die Initiative „Wiehre für alle“. Im Jahr 2019 beschloss der Gemeinderat eine soziale und eine städtebauliche Erhaltungssatzung für das Quartier. Ein Gutachten der LPG Landesweite Planungsgesellschaft mbH Berlin vom März 2021, von der Stadt in Auftrag gegeben, hat ergeben, dass die Voraussetzungen für eine Erhaltungssatzung vorliegen. Demgemäß befürwortete das Gutachten diese Satzung: „Ohne eine Soziale Erhaltungssatzung nach § 172 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 BauGB mit den damit verbundenen Genehmigungsvorbehalten würde eine Verdrängung der ansässigen Wohnbevölkerung stattfinden”.

Bewertung der Vereinbarung

OB Horn zeigte sich mit dem nun erarbeiteten Kompromiss zufrieden. Die Initiative „Wiehre für alle“ begrüßte es, dass in der Vereinbarung zwischen Stadtverwaltung und Familienheim Aspekte sozialer und baulicher Erhaltungssatzungen für das Quartier zwischen den Wiehrebahnhöfen aufgenommen worden seien; sie beklagte jedoch gleichzeitig, dass diese lediglich als nicht nachprüfbare Absichtserklärungen formuliert wurden. Klare und damit überprüfbare Kriterien fehlten. Dazu gehöre insbesondere, dass der Erhalt der Gebäude nicht als wesentliches Ziel enthalten sei.

Mit dieser Vereinbarung haben zwar die Bewohner wenigstens die nächsten Jahre die Gewissheit, in ihren Wohnungen zu bleiben. Doch auf lange Sicht bleibt die Unsicherheit, denn ein Abriss ist für die Zeit danach keineswegs ausgeschlossen. Befürchtet wird vor allem, dass die Gebäude in den kommenden Jahren nicht instandgehalten werden, was eine kontinuierliche Verschlechterung der Gebäudesubstanz zur Folge hätte und damit ein Abriss wahrscheinlicher würde. Dies hätte für die eher geringverdienenden Bewohner, die bereits jetzt einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen, eine finanziell nicht mehr tragbare Mieterhöhung zur Folge. Auch städtebaulich wären die Auswirkungen eines Abrisses auf das Quartier alles andere als positiv. Dass die Befürchtungen nicht unberechtigt sind, zeigt der Abriss des ehemaligen St.-Luitgard-Wohnheims auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die städtebaulich eher eintönigen und nichtssagenden Blöcke haben vor allem eins geschaffen: Teuren Wohnraum.

Fazit

Bei genauer Betrachtung kann man nur von einem Teilerfolg für die Bewohner und die Bürgerinitiative sprechen. In diesem Jahrzehnt ist der Erhalt der Gebäude und damit der Wohnraum immerhin gesichert. Langfristig ist dies leider nicht in trockenen Tüchern. Wenigstens sollen die Bewohner am Planungsprozess beteiligt werden. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Metzgergrün. Dort hat sich die Freiburger Stadtbau in Basta-Manier über die Belange der Bewohner hinweggesetzt.

Die austauschbaren Blöcke auf der Straßenseite gegenüber bieten teuren Wohnraum.

Siehe auch: https://www.wiehre-für-alle.de/

https://freiburg-lebenswert.de/inakzeptables-verhalten-der-fsb-im-metzgergruen/

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