Legale und illegale Graffiti

F├╝r die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / F├╝r Freiburg (FL/FF) hat Stadtrat Prof. Dr. Klaus-Dieter R├╝ckauer (FF) in der Sitzung des Gemeinderats am 12.┬á Dezember 2017 zum┬á Thema „legale und illegale Graffiti in Freiburg“ (Top 8, Drucksache G-17/181) folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberb├╝rgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

das Bild des ├Âffentlichen Raums bestimmt wesentlich das Lebensgef├╝hl der B├╝rgerInnen einer Stadt und ihrer Besucher. Insofern sind nicht nur die Geb├Ąude in ihrer Architektur pr├Ągend, sondern auch deren ├Ąu├čere Gestaltung.

Stadtrat Prof. Klaus-Dieter R├╝ckauer (F├╝r Freiburg)

Umso mehr ist es doch zu begr├╝├čen, wenn junge Leute ganz uneigenn├╝tzig und f├╝r die Eigent├╝mer kostenlos unter Einsatz von Spr├╝hdosen an dieser Gestaltung tatkr├Ąftig mitwirken und allerliebst f├╝r Ornamente an langweiligen B├╝rgerh├Ąusern oder B├╝rofassaden sorgen. Solches b├╝rgerschaftliches Engagement muss unbedingt gef├Ârdert werden. Da sollte man nicht so engstirnig auf ein paar ver├Ąrgerte Bewohner h├Âren. Schlie├člich sind wir doch eine weltoffene Stadt. Und einer freiz├╝gigen Jugendkultur sollten wir gro├čz├╝gig Raum verschaffen ÔÇô das haben wir ja eben mit anschaulicher Begr├╝ndung geh├Ârt. Alles andere w├Ąre spie├čb├╝rgerlich.

Ernst beiseite: Die Vielfalt von Graffiti ist beeindruckend, das Gleiche gilt f├╝r die Phantasie und k├╝nstlerische Gestaltung vieler der jungen Menschen, die sie spr├╝hen. Und die Ansehnlichkeit so mancher tr├╝ben Betonwand gewinnt erheblich durch ein solches Bild. Wir reden hier aber von Bildern und nicht von Tags, die nichts anderes sind als reichlich ├Âde Schmierereien. Dass sie einen Hintergrund und eine Bedeutung in der Ikonographie junger Leute haben, ist bekannt; das rechtfertigt dennoch in keinster Weise die Verunstaltung des ├Âffentlichen Raums.

Schlimmer noch ist das hemmungslose Bespr├╝hen von Verkehrsschildern oder gar von Spiegeln an Stra├čen oder Wegen in un├╝bersichtlichen Bereichen. Abgesehen vom Tatbestand der Sachbesch├Ądigung ist ein derart bescheuertes Verhalten wegen der Gef├Ąhrdung anderer Menschen verantwortungslos. Wenn dies Jugendkultur sein sollte, m├╝sste man es f├╝r ein Armutszeugnis halten. W├Ąhrend legale Graffiti durchaus als k├╝nstlerisch einzustufen sind, handelt es sich bei Tags schlicht um graphologisches Wildpinkeln.

Dass die B├╝rgerInnen unserer Stadt j├Ąhrlich ├╝ber eine Viertelmillion Euro aufbringen m├╝ssen, um solche Sch├Ąden zu beseitigen, ist im Grunde v├Âllig unhaltbar. Nachdem das kaum durchzusetzen sein d├╝rfte, was nach dem Verursacherprinzip dringend geboten ist, n├Ąmlich die jugendkulturellen Spr├╝her ihre Werke eigenh├Ąndig entfernen zu lassen, bleibt tats├Ąchlich keine andere L├Âsung als die Vorgehensweisen, wie sie in der Drucksache dargestellt sind, und man muss allen an diesem Weg Beteiligten Anerkennung aussprechen, dass sie dazu bereit sind.

W├╝nschenswert sind Fl├Ąchen, die f├╝r die Gestaltung von bildhaften Graffiti zur Verf├╝gung gestellt werden, und seien sie nur tempor├Ąr. Daf├╝r sollten wir mehr M├Âglichkeiten schaffen.

Prof. Dr. Klaus-Dieter R├╝ckauer (FF)

Das offiziell und legal bemalte Haus in der Kirchstra├če (Foto: Dr. W. Deppert)