Die Konradstraße 9 als Wohnprojekt erhalten

Die Nachricht vom geplanten Verkauf einer Immobilie ist für die Bewohner häufig beunruhigend. Nicht selten droht Mieterhöhung oder die Umnutzung eines Gebäudes, was für die Mieter den Auszug zur Folge haben kann. Leider droht auch häufig ein Abriss mit gewinnbringendem Neubau, was für die Mieter ebenfalls in der Regel das Aus bedeutet. Der neugeschaffene Wohnraum ist hochpreisiger als der zuvor bestehende, für die Mieter ist dann die Rückkehr versperrt, denn viele können sich die höheren Mietpreise des Neubaus nicht mehr leisten.

“Die Liste abgerissener Kulturdenkmale in Freiburg ist leider sehr lang. Stadtbild, Anwohner und Mieter haben meist das Nachsehen.”

Doppelt beunruhigend ist eine solche Nachricht, wenn es sich bei den Gebäuden um schützenswerte, jedoch nicht denkmalgeschützte Häuser handelt. Erwirbt ein Bauträger die Immobilie, sind Abriss und gewinnbringender Neubau so gut wie sicher. Die Auswirkungen auf das Stadtbild sind fast immer gravierend – in negativer Hinsicht. Erfolgt ein solcher Abriss in städtebaulich hochsensibler Umgebung, ist der Charme eines Straßenzugs unwiederbringlich verloren.

An dieser Stelle in der benachbarten Kirchstraße stand bis 2017 eine wunderschöne Hinterhofwerkstatt. Wenn diese Art der Bebauung weiter um sich greift, ist bald der Charme des kompletten Stadtteils verschwunden (Foto: K. U. Müller).

Ein solcher geplanter Verkauf beschäftigt derzeit die Bewohner eines Quartiers in der Unterwiehre. Im Sommer 2020 haben die Bewohner des Vorder- und Rückgebäudes der Konradstraße 9 vom geplanten Verkauf der Immobilie erfahren. Um diese vor Umnutzung, Mieterhöhung oder gar Abriss zu bewahren, haben sich die Bewohner zur Projektinitiative k.neun (siehe: www.kneun.org) zusammengeschlossen mit der Absicht, die beiden Häuser, wobei eines davon seit 1985 die Fahrradwerkstatt in der Wiehre beherbergt, gemeinschaftlich zu erwerben. Mit Hilfe des Mietshäuser Syndikats (siehe: www.syndikat.org) versuchen die 11 Bewohner, nach Erwerb ein selbstverwaltetes Wohnprojekt zu werden.

Die Fahrradwerkstadt in der Wiehre. Ein typischer wiehremer Hinterhof, unbedingt schützenswert (Foto: K. U. Müller).

Das Mietshäuser Syndikat, gegründet 1992, ist ein Zusammenschluss selbstorganisierter Mietshäuser. Mittlerweile umfasst es mehr als 150 Projekte und eine Reihe von Projektinitiativen in ganz Deutschland. Ein Ziel ist es, dauerhaft Wohnraum zu schaffen, der nicht von Mietsteigerung, Abriss, Umnutzung und Hausverkauf bedroht ist. In Freiburg konnten bereits in den 90er-Jahren das Grether-Gelände im Grün oder im Jahr 2014 das Hausprojekt Loretta in der Wiehre als Gemeinschaftsprojekt des Mietshäuser Syndikats dem Immobilienmarkt entzogen werden und damit den Bewohnern erhalten bleiben.

Für die Finanzierung benötigen die Syndikatsprojekte Unterstützung durch Privatdarlehen in Form von Direktkrediten. Mit Unterstützung des Wohnprojekts k.neun in Form von Direktkrediten wird solidarisches Wohnen und die Erhaltung sozialverträglicher Mieten ermöglicht. Dabei besteht Gewissheit, dass das Geld für einen sozialen Zweck statt für eine Bank arbeitet.

Die Konradstraße ist baulich intakt. Die architektonische Einheit aus historischer Bausubstanz wird bisher nicht durch unpassende Neubauten unterbrochen und so ist auch das Ensemble an der Konradstraße 9 unbedingt schützenswert.

Gerade der Hinterhof mit der Fahrradwerkstatt versprüht wiehretypischen Charme. In den letzten 10 Jahren wurden in der näheren Umgebung (Günterstalstraße 2011 und Kirchstraße 2017) zwei typische Hinterhofbauten abgerissen und durch fade und austauschbare Neubauten ersetzt. Ohne Denkmal- oder Ensembleschutz besteht auch bei schützenswerten Häusern bisher leider keine Handhabe, einen bauwilligen Eigentümer oder Investor am Abriss eines Gebäudes zu hindern.

Freiburg Lebenswert setzt sich seit Jahren für einen verbesserten Denkmalschutz und für Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen in schützenswerten Quartieren ein. Die Liste abgerissener Kulturdenkmale in Freiburg ist leider sehr lang. Stadtbild, Anwohner und Mieter haben meist das Nachsehen. Es ist an der Zeit, dass sich die Stadt endlich ihrer Verantwortung nachkommt und nicht länger wertvolle, historische Bausubstanz den Partikularinteressen der Bauwirtschaft opfert.

Autor: Klaus Ulrich Müller (FR-Wiehre)

Wiehre pur. Die Konradstraße ist baulich intakt und wird nicht durch unpassende, fade und sterile Neubauten unterbrochen (Foto: K. U. Müller).
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