Denkmalschutz fĂŒr das „Siegesdenkmal“

Die „Viktoria“ des Siegesdenkmals bei deren Demontage im MĂ€rz 2016 (Foto: Dr. W. Deppert)

Auf der letzten Sitzung des Gemeinderats am 26. September 2017 war auch das Siegesdenkmal und dessen Wiedererrichtung am historischen Standort auf dem Platz vor der ehem. Karlskaserne Thema (Tagesordnungspunkt 13, Drucksache G-17/178) . Dazu hat  unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr OberbĂŒrgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es gibt ja immer wieder Stellungnahmen von einigen Wenigen aus der Freiburger BĂŒrgerschaft und aus dem Gemeinderat, man möge doch auf ein unzeitgemĂ€ĂŸes Denkmal in unserer heutigen Zeit verzichten. Diese Haltung kann ich nicht nachvollziehen. Es ist richtig: Das Denkmal wurde in einer Zeit errichtet, die wenig mit unserer heutigen Zeit zu tun hat. Es ist richtig: Das damalige Denken ĂŒber das eigene Land als Vaterland, dem man zu Ruhm und Ehre verhelfen muss, entspricht nicht mehr unserem heutigen Denken in einem demokratischen Staat, der in ein Umfeld partnerschaftlicher oder gar freundschaftlicher europĂ€ischer Staaten eingebettet ist. Es ist richtig: Unser Handeln ist seit ĂŒber 70 Jahren nicht mehr geprĂ€gt von Handeln, das einer autoritĂ€ren, hierarchischen oder gar militaristischen Erziehung entspringt.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Aber heißt das denn auch, dass wir unsere Geschichte, also die Geschichte unserer VorvĂ€ter und -mĂŒtter möglichst auslöschen oder zumindest unsichtbar machen mĂŒssen, nur weil sie ein völlig anderes Denken hatten? Die Äußerung eines Stadtrats im Hauptausschuss, er wĂŒrde es begrĂŒĂŸen, wenn das Denkmal beim Transport hin zu seinem neuen Standort einen irreparablen „Transportschaden“ erleiden wĂŒrde, ist völlig deplaziert. Aber noch befremdlicher ist es, dass diese peinliche Bemerkung auch noch GelĂ€chter bei einigen Ausschussmitgliedern auslöste. Was zeichnet uns Ururenkel eigentlich aus, dass wir uns ĂŒber das fĂŒr uns fremdartige Denken unserer UrurgroßvĂ€ter lustig machen dĂŒrfen? Mal abgesehen von der Auszeichnung, dass wir in einen anderen gesellschaftlichen Kontext hineingeboren wurden. Wir können alle froh sein, dass uns ein Leben in diesem Umfeld erspart wurde und wir die VorzĂŒge des Lebens in einem demokratischen Staat und seit ĂŒber 70 Jahren in einer friedvollen europĂ€ischen Umgebung genießen dĂŒrfen. Man kann nicht oft genug daran erinnern: Mitteleuropa erlebt mit ĂŒber 70 Jahren Frieden die vermutlich lĂ€ngste Friedensphase seit Jahrtausenden.

Und, meine Damen und Herren, die Menschen wollen die Geschichte ihrer Vorfahren „nach“-erleben. Warum sind denn gerade Burgen, Schlösser und mittelalterlichen StĂ€dte touristische Anziehungspunkte? Auch die Touristen, die nach Freiburg kommen, wollen in erster Linie die wenigen Überbleibsel der Vorkriegsstadt besichtigen. Die kommen doch nicht um HochhĂ€user aus den 60er und 70er Jahren anzuschauen. Und deswegen sind ja die historischen StadtfĂŒhrungen, bei denen die StadtfĂŒhrer im mittelalterlichen Gewand, mit Hellebarde und Handlaterne StadtfĂŒhrungen machen, der Renner. Und in diesen ganzen Kontext der deutschen Geschichte gehören eben auch DenkmĂ€ler aus allen zeitlichen Epochen wie das Siegesdenkmal, das eines der von Touristen meistfotografierten Objekte Freiburgs ist.

Die „Viktoria“ des Siegesdenkmals bei deren Demontage im MĂ€rz 2016 (Foto: Dr. W. Deppert)

Man sollte zudem mal festhalten, dass in diesem Denkmal durch den dargestellten tödlich getroffenen Kanonier zumindest ansatzweise auch die todbringende Seite des Krieges thematisiert wird, also sicher keine reine Glorifizierung eines kriegerischen Sieges stattfindet. Und man hat in diesem Zusammenhang, um das besiegte Frankreich nicht unnötig zu provozieren, schon damals bewusst darauf verzichtet, die Viktoria gen Frankreich auszurichten. Selbst 1945 haben die französischen Besatzungstruppen keinen Anstoß am Siegesdenkmal genommen.

NatĂŒrlich kann man zu weiteren ErlĂ€uterungen des geschichtlichen Zusammenhangs beispielsweise noch eine Tafel im Boden vor dem Denkmal einlassen. Ich persönlich hĂ€tte es begrĂŒĂŸt, wenn das Denkmal in der ursprĂŒnglichen Fassung wieder errichtet worden wĂ€re, wie ich sie selbst noch als Kind vor der Versetzung im Jahr 1962 erlebt habe – also mit gußeisernem Gitter und einer GrĂŒnflĂ€che mit niedrig geschnittenen Hecken und StrĂ€uchern. Mit dieser eindeutigen Abtrennung vom Straßenraum hĂ€tte auch rĂ€umlich deutlich gemacht werden können, dass es fĂŒr uns eine geistige Distanzierung von der ursprĂŒnglichen Intention des Denkmals gibt. FĂŒr uns ist es heute ein kulturhistorisch bedeutendes Bauwerk, mehr nicht.

Den Vorschlag der Kunstkommission dagegen, die Viktoria um ca. 15° aus der Achse zur Kaiser-Joseph-Straße herauszudrehen, mit der abenteuerlichen BegrĂŒndung, dass damit möglichst wenig Passanten bekrĂ€nzt werden, können wir beim besten Willen nicht ernst nehmen.

FL/FF befĂŒrwortet den Aufbau des Siegesdenkmals, wie er in der Druckvorlage vorgeschlagen wird und wie ihn auch das Landesdenkmalamt als wĂŒnschenswert erachtet.

Das Siegesdenkmal wird im MĂ€rz 2016 demontiert (Foto: Dr. W. Deppert)