Stadttunnel

Mit diesen Anmerkungen möchten wir zur Diskussion anregen und auf eine Reihe von Problemen im Zusammenhang mit dem geplanten Stadttunnel aufmerksam machen. Wir fragen uns, inwieweit die Planung eine „Verschlimmbesserung“ der jetzigen Verkehrssituation ist. Wir sind überzeugt, dass bei der Planung, auch wenn diese grundsätzlich beschlossen worden ist, Veränderungen und Verbesserungen noch möglich sind, wie uns Stellungnahmen der verantwortlichen Behörden bestätigen.

Autobahn mit
Vollanschluss

Der geplante Stadttunnel, 1,8 km lang,
soll den Durchgangsverkehr schnell vom Schützenalleetunnel
im Osten bis zum Autobahnzubringer im Westen durch die Innenstadt
bringen und somit zu einer Entlastung der derzeitigen Verkehrssituation führen.

Die Planung des Stadttunnels mit dem geplanten Vollanschluss am “Ganterknoten”.

Aber es ist kein Tunnel wie der
bisherige, sondern ein Autobahntunnel mit Vollanschluss mitten in der Stadt.
Sowohl im Bereich der Ganterbrauerei („Ganterknoten“), als auch in der Nähe des
Faulerbades soll jeweils eine Auf- und Abfahrt realisiert werden. Die B 31 wird
zur Autobahn A 860. Dabei unterschreitet die am Ganterknoten
(Vollanschluss)  verfügbare Breite von
ca. 30 m die eigentliche erforderliche Breite von 39 m, was bedeutet, dass keine
Ein- oder Ausfahrtsrampe regelkonform ausgebildet werden kann. Zudem müssen
diese Rampen aus Raumgründen stärker geneigt sein als in den Richtlinien für
die Anlage von Autobahnen (RAA) vorgeschrieben ist.

Diese Platzenge bedeutet gleichzeitig,
dass jede Fahrbahnröhre in einer unterschiedlichen Höhe verläuft, was den
baulichen Aufwand für den Vollanschluss wesentlich erhöht.

Die Planung des Stadttunnels mit dem geplanten Vollanschluss am “Ganterknoten”.

Um den überirdischen Verkehr
aufrechterhalten zu können, müssen neben den Dichtsohlen für die einzelnen
Röhren entsprechende Hilfsdeckel errichtet werden. Diese zusätzlichen
Anforderungen bedingen einen erheblichen 
Mehraufwand, dessen Kosten heute noch nicht abgeschätzt werden können.
Die bisher anvisierten 325 Millionen Euro dürften dafür bei weitem nicht
ausreichen.

Geplante
Baudurchführung

Der Bau der beiden Tunnelröhren wird etwa 5-7 Jahre dauern. Aufgefahren wird der Tunnel  durch eine Tunnelbohrmaschine, die zunächst die linke Tunnelröhre  (aus westlicher Sicht) vom Faulerbad bis zum Ganterknoten bohrt und dort wendet, um dann die zweite Tunnelröhre in Richtung Westen zu bohren. Um eine ausreichende Überdeckung beim Unterqueren der Dreisam zu haben,  werden die Tunnelröhren bis 30 m unter Geländeoberfläche verlaufen. Der gesamte Aushub soll über die innenstadtseitige Röhre nach Westen entsorgt werden.

Die Bauausführung des Ganterknoten wird so erfolgen, dass zunächst ein Baugrubenverbau bis 30 m Tiefe hergestellt wird. Dabei muss auf die Standsicherheit der bestehenden Bebauung Rücksicht genommen werden. Dieser Schacht soll überdeckelt werden, um einen fließenden Verkehr zu ermöglichen. Dies gilt insbesondere auch für die Stadtbahn. Der Bodenaushub soll dann ebenfalls über die im Rohbau bestehende Tunnelröhre entsorgt werden. Während dieser Zeit ist mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, insbesondere auch durch den Baustellenverkehr.

Der Traum vom „Dreisamboulevard“

Neben dem beschleunigten
Durchgangsverkehr war mit diesem Projekt ursprünglich auch eine Entlastung und
ein Rückbau der Dreisamuferstraßen beabsichtigt worden. Doch schon 2011 hat
sich diese Zielsetzung als unrealistisch erwiesen. So schreibt  die Badischen Zeitung  am 14.10.2011: „Die
Hoffnung, ein Stadttunnel beruhige die Dreisamuferstraßen, wird sich nicht
erfüllen. Auch wenn der Transitverkehr irgendwann einmal in Röhren durch
Freiburg rollt, werden immer noch mehr als 30 Tausend Autos überirdisch
fahren.“ … „Die Statistiker prognostizieren bis zum Jahr 2025 unter bestimmten
Rahmenbedingungen rund 60 000 Fahrzeuge in beide Richtungen.“

Im Herbst
2018 hat sich diese Einschätzung nicht geändert. Aufgrund der prognostizierten
Zunahme des Verkehrs ist ein Rückbau der Uferstraßen auf jeweils eine Fahrbahn
unrealistisch. Der
Traum vom grünen Dreisamboulevard ist ausgeträumt. Selbst bei einem
Vollanschluss werden auch in Zukunft mehr als 20 Tausend Fahrzeuge entlang der
Ufer- und Parallelstraßen unterwegs sein, insbesondere dann, wenn eine Umleitung
aufgrund von Tunnelsperrungen erforderlich ist. Wie diese Umleitung aussehen
soll, ist noch nicht geklärt. Eine Klärung dieser Frage ist eine „conditio sine
qua non“, da ohne zuverlässige und leistungsfähige Umleitungen ein
Verkehrschaos vorprogrammiert ist.

Finanzierung

Auf unsere Anfrage
an das Regierungspräsidium vom 7.3.2017 zur Finanzierung des Stadttunnels für
den Fall, dass die B 31 als Bundesstraße fortbestehen und kein Vollanschluss am
Ganterknoten errichtet würde, antwortet dieses am 23.3.2017 folgendermaßen: „Eine
Finanzierung durch den Bund für die von Ihnen angesprochene Variante ohne Vollanschluss wäre zwar grundsätzlich möglich (….).“ Ein
Verkehrsgutachten kam aber zu dem Ergebnis, dass bei einem Vollanschluss am
„Ganterknoten“ die Effizienz des Tunnels und damit zugleich die Chance, in den
vordringlichen Bedarf (VB) des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP) aufgenommen
zu werden, erheblich höher wäre.“

Das
Verkehrsgutachten geht von 65.800 Kfz/ 24 h aus. Bei einem Halbanschluss würde
demnach die Verkehrsentlastung nur 52 %, bei einem Vollanschluss 68 % betragen.
Eine Finanzierung des Vollanschlusses durch den
Bund ist wiederum nur bei einer Aufstufung der B31 zur Autobahn möglich.

Verlagerung der
Kompetenzen

Im Laufe der
Planungen findet nun eine Verlagerung der Kompetenzen vom Regierungspräsidium
zur Autobahn GmbH statt. Die
Finanzierung durch den Bund hat weitgehende Folgen. Im Jahr 2017 wurde aufgrund
einer Grundgesetzänderung die Zuständigkeit für die Autobahnen neu geregelt.
Dabei wurde die Verlagerung der Verantwortlichkeiten weg von den Ländern hin zu
einer neu gegründeten Autobahngesellschaft (IGA), in die auch private
Kapitalanleger einsteigen können, beschlossen. Ab Januar 2021 werden Planung,
Bau, Betrieb, Erhaltung, Finanzierung und Verwaltung in der IGA zusammengeführt
(Die Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen,
kurz IGA  heißt nun Autobahn GmbH und ist eine bundeseigene GmbH).

Für Freiburg bedeutet dies, dass das
Regierungspräsidium seine bisherige Federführung bei der Planung abgeben wird,
bevor es das Planfeststellungsverfahren (Baugenehmigungsverfahren) auf den Weg
gebracht hat.

Abriss des
Dreikönigshauses.

Eines scheint jedoch jetzt schon
festzustehen: der Abriss des Dreikönigshauses. Argumentiert wird mit den sehr
beengten Platzverhältnissen, die scheinbar keine andere Trassenführung
zulassen. Und zum wiederholten Male wird ein für das Stadtbild wertvolles
Gebäude geopfert.

Der Mittelteil des Dreikönigshauses
ist bereits 2015 nach einem Brand abgerissen worden. Nach dem Brand sprach die
Polizei von „Brandstiftung oder einem billigend in Kauf genommenen Feuer“ (so
wörtlich zitiert aus der Badischen Zeitung). Die Stadt will nun, gegen den
Widerstand vieler Bürger in der Wiehre und in Freiburg, den gesamten
denkmalgeschützten Gebäudekomplex abreißen.

In Freiburg gefährden vermeintliche
Sachzwänge leider immer wieder Baudenkmäler. Die Erhaltung historischer
Bausubstanz genießt leider weder in Teilen des Freiburger Gemeinderats noch in
der Stadtverwaltung einen besonders hohen Stellenwert. Die Liste der
Baudenkmäler, die in den vergangenen Jahren weichen mussten, ist beträchtlich.
Dies kann so nicht weitergehen! Das Dreikönigshaus ist das letzte noch
vorhandene barocke Baudenkmal in diesem Quartier. Es steht daher unter
Denkmalschutz und muss auch weiterhin diesen hohen Schutz genießen.

Das denkmalgeschützte “Dreikönigshaus” will die Stadtverwaltung nach wie vor abreißen, um eines Tages vielleicht dem Stadttunnel Platz zu machen (Foto: M. Managò).

Fazit

Die Frage ist, ob bei den
konstruktiven Unwägbarkeiten, den zu erwartenden erheblichen
Verkehrsbehinderungen, bei den langjährigen Bauarbeiten und  der unzureichenden Einflussnahme durch
kommunale Entscheidungsträger der Bau des Stadttunnels gerechtfertigt ist. Dies
gilt insbesondere für den geplanten Vollanschluss, der in offener Bauweise
gebaut werden soll. Unzureichend einbezogen in die Planungen ist auch die betroffene
Gemeinde Buchenbach mit ihren vorgelagerten Ortsteilen Falkensteig und
Himmelreich. Dem zu erwartenden zunehmenden Verkehr auf der B 31 wird nicht
Rechnung getragen. Die gesamte Abluft aus dem Dreisamtal wird mit dem
„Dreisamtäler“ durch Freiburg geführt. Für Freiburg selbst wird der
innerstädtische Verkehr während der Bauphase und sicherlich auch danach
deutlich zunehmen und für weitere Lärm- und Luftbelastungen der Anwohner
sorgen. Denn gut ausgebaute Straßen ziehen den Verkehr an.

Grundsätzlich bräuchte Freiburg ein
umfassendes Verkehrskonzept, denn auch die Nord- und Südachse sind zu
Stoßzeiten völlig überlastet. So erscheint die Tunnellösung allenfalls eine
Teillösung, wobei der geplante Vollanschluss bei Ganter einen nicht
unerheblichen Eingriff in die Stadtstruktur bedeutet und städtebaulich äußerst
bedenklich ist.

Christa Gronbach und Dr. Dieter Kroll
Stand: 11.04. 2019