SC-Stadion

Folie28SC-Stadionneubau nur ohne Übernahme von Kostenrisiken und Folgekosten durch die Stadt Freiburg

Der SC Freiburg hat deutschlandweit den Ruf ein etwas anderer, ein sympathischer Verein zu sein. Dies hängt sicher zum Einen mit dem Umstand zusammen, dass die Vereinsführung sich nie dazu hat verleiten lassen, Schulden zu machen, um attraktive Spieler einzukaufen, sondern stattdessen eine solide finanzielle Grundlage zur obersten Maxime erhoben hat. Und trotz dieser Beschränkung hat es der SCF geschafft – von kurzen Ausflügen in die zweite Liga abgesehen – sich mit meist erfrischendem Fußballspiel in der ersten Liga zu behaupten. Zum Zweiten war der SCF immer ein Familienverein, weil durch die relativ gute Anbindung an den ÖPNV und aufgrund recht kurzer Rad- und Fußwege es auch Eltern mit ihren Kindern erlaubt ist, sich zum Stadion aufzumachen.

Durch die Forderung nach einem neuen Stadionstandort droht dem SC nun ein Imageschaden, da er sich mit dieser Forderung in die Großmannssucht-Fantasien anderer Fußballvereine einreihen würde. Insbesondere „Umfragen“, die aufgrund ihrer suggestiven Fragestellung eine breite Zustimmung zu einem neuen Stadionstandort signalisieren sollen, sind dem Ansehen des Vereins kaum förderlich.

Die momentane Stadion-Situation des SC Freiburg ist sicher alles andere als optimal. Insbesondere die leichte Neigung und die etwas zu geringe Länge des Spielfelds erfordern Ausnahme-genehmigungen des Spielbetriebs durch die Deutsche Fußball Liga (DFL), die der SCF allerdings auch in Zukunft erhalten wird. Andererseits wurden in den letzten 25 Jahren viele Millionen DM bzw. Euro in das Stadion investiert, um die Zuschauerkapazitäten zu erhöhen, insgesamt etwa 18 Mio. €. Es verwundert, dass die Nachteile bei dieser Gelegenheit nicht mit beseitigt wurden! Ebenso hat man die Tribünen scheinbar wahllos und unzusammenhängend erstellt. Auch hier wurden sie nicht so konzipiert, dass sie im Endausbau ein Stadion aus einem Guss darstellen – mit genügend Platz für VIP-Bereiche ebenso wie für die Kamerastandorte, mit zufriedenstellenden Verköstigungs- wie Sanitärbereichen. Stattdessen hat man nun eine unschöne, beengte, aber doch auch „gemütliche“ „Vereinigte-Tribünen-Werke“-Situation, die natürlich keinen Ästheten zufriedenstellen kann.

Insofern ist zwar verständlich, dass man seitens des SCF eine neue Situation herbeiführen will, in der all diese Nachteile  beseitigt sind. Das Problem ist jedoch, dass alle aus Sicht des SCF geeigneten Standorte im Westen der Stadt liegen. In allen Fällen muss wertvolles landwirtschaftliches Gelände oder ökologisch erhaltenswerter Magerrasen wie auf dem Flugplatz in Anspruch genommen werden. Hinzu kommt, dass bei der Bevölkerung im Westen der Stadt der allzu berechtigte Eindruck vorherrscht, dass alle Belastungen den Bewohnern im Westen der Stadt aufgebürdet werden. Sei es die unsägliche Bebauung im weiteren Umfeld der Berliner Allee, die durch nicht ausgeübte Stadtplanung ermöglicht wurde, die Lärmemissionen und Flächenzerschneidungen durch das dritte und vierte Gleis der Bahn, der Autobahn und ihrer Zubringer, sowie der Westrandstraße, die Belastungen durch den motorisierten Flugbetrieb, die Planung neuer Baugebiete oder gar Stadtteile auf den Freiflächen jenseits der Westrandstraße und gigantischer Universitätsneubauten auf dem Flugplatz, die Platzierung riesiger Möbelhäuser entlang der Möbelmeile, sowie der Messe mit all ihren Begleiterscheinungen – und jetzt noch die im Zusammenhang mit dem Bau eines Stadions zu erwartenden Zumutungen. Im Gegenzug wurden den Weststadtbewohnern ihre kleinen Lebensqualitäten wie beispielsweise der Außenbereich des Westbades genommen.

Freiburg Lebenswert sieht sich daher solidarisch mit dem Anliegen der Weststadtbewohner, ein SC-Stadion im Westen der Stadt zu verhindern. Viele Argumente für einen Stadion-Neubau entpuppen sich nach Meinung von Freiburg Lebenswert bei genauerem Hinsehen als nicht stichhaltig:

Angesichts der Tatsache, dass das jetzige Stadion meist nur dann ausverkauft ist, wenn Bayern München aufläuft, ist eine Kapazitätserweiterung durchaus fragwürdig. Selbst bei Auftritten inter-nationaler Gastmannschaften blieben viele Sitzplätze leer. Dabei ist für eine gute Stimmung ein nahezu oder gänzlich ausverkauftes Stadion unabdingbar. Ebenso sind VIP-Logen für Firmen nicht mehr so interessant, seit die Ausgaben nicht mehr in dem Maße steuerlich geltend gemacht werden können wir früher.

Die als K.O.-Argument angeführte fehlende Wirtschaftlichkeit eines Umbaus am bisherigen Standort gilt genauso für den Abriss des bestehenden Stadions und eines Neubaus im Westen. Auch hier ist keine Wirtschaftlichkeit zu erwarten, sondern ein Bau nur durch massive öffentliche Subventionen von Stadt und Land möglich. Bereits jetzt scheint klar zu sein, dass sich eine Beteiligung der Stadt im mindestens zweistelligen Millionenbereich bewegen müsste. Es stellt sich ohnehin die Frage nach der Vereinbarkeit mit geltendem EU-Recht, nach dem solche Subventionen oder auch Bürgschaften der öffentlichen Hand verboten sind. Angesichts der enormen zusätzlichen Kosten für die Straßen- und ÖPNV-Anbindung des Stadions bezweifelt Freiburg Lebenswert, dass ein Stadion im Westen der Stadt überhaupt preisgünstiger zu erstellen ist als ein Umbau am jetzigen Standort.

Die von Seiten der SCF-Verantwortlichen immer wieder ins Spiel gebrachten hohen Steuerabgaben des SCF in Millionenhöhe, aus denen man sich ein Recht auf ein neues Stadion offensichtlich ableitet, sind billige Effekthascherei. Mit diesem Argument könnte jeder Industrie- und Gewerbebetrieb, sogar jeder Privatmann in Freiburg ähnliche Forderungen für sich geltend machen. Die wirtschaftliche Bedeutung des SCF ist nicht größer als die vieler anderer Betriebe in Freiburg.

Ebenso ist die von SCF und Stadt immer wieder hervorgehobene „Systemrelevanz“ des SCF für Freiburg keinesfalls gegeben. Argumente, dass der SCF wichtig für die Attraktivität Freiburgs sei, laufen ins Leere. Denn Freiburg ist ja heute schon so attraktiv, dass es die Folgen dieser Attraktivität kaum mehr verkraftet (z.B. massiver Wohnungsmangel). Es gibt somit keine Notwendigkeit, Gelder in die weitere Erhöhung der Attraktivität Freiburgs zu stecken.

Freiburg Lebenswert unterstützt den SCF in seinem Bemühen um ein attraktiveres Stadion. Allerdings muss sich diese Suche am Konsens aller Beteiligten orientieren. Angesichts der Nichteignung des Standortes Wolfswinkel und der Ungeschicklichkeiten der Stadtspitze und der SC-Verantwortlichen gegenüber den betroffenen Bürgern im Westen der Stadt, scheint ein solcher Konsens dort auf längere Sicht nicht möglich.

Freiburg Lebenswert ist strikt gegen jegliche finanzielle Beteiligung der Stadt am Bau des Stadions, solange beispielsweise wegen fehlenden Geldes Wohnstraßen oder das Freibad im Westen der Stadt nicht saniert werden können. Ein Prestigeobjekt auf Kosten des Steuerzahlers lehnt Freiburg Lebenswert ab.

Engagierte Bürger in den Gemeinderat