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Quartiersarbeit Metzgergrün

Zum Thema Quartiersarbeit Metzgergrün (Drucksache G-22/111) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 17. Mai 2022 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrte Damen und Herren
!

Metzgergrün: Ein Quartier mit Charme und toller Natur (Foto: K. U. Müller).

Es ist bezeichnend, wie die erneute Implementierung von Quartiersarbeit im Metzgergrün in der Vorlage begründet wird. Sie soll als „Unterstützung für die gelingende Realisierung des begonnenen Bauvorhabens“ dienen. Kein Wort davon, dass man das Bauvorhaben, sprich den Abriss der gut erhaltenen Bestandsgebäude und die brutale Zerstörung der Hausgärten, endlich mal kritisch hinterfragt. Kein Wort davon, dass man die Sorgen und Ängste der Bewohner, ihre verständliche Wut über das rücksichtslose Vorgehen der Stadtbau endlich ernst nimmt. Kein Wort davon, dass man die ökologischen und denkmalschützerischen Argumente der Bewohner, ihre Hinweise auf die hohe Artenvielfalt in den Gärten, die CO2-Bindungskraft der Bäume und des Bodens, den Einsatz von enormen Mengen an grauer Energie bei Abriss und Neubau der Gebäude, die Zerstörung gewachsener Nachbarschaften, ihren Wunsch nach Unterschutzstellung dieser Arbeitersiedlung – ähnlich der der Knopfhäusle – auch nur annähernd einbezieht. Es soll einfach so weitergehen wie bisher. Diese Arroganz von Stadt und Stadtbau nach dem Motto: „Wir wissen was gut für Euch ist. Kapiert das endlich!“ ist einfach unerträglich. Es ist vor allem auch deswegen unerträglich, weil die globale Situation wie Artensterben, Klimawandel oder Ressourcenknappheit, nicht zuletzt ausgelöst durch den Krieg gegen die Ukraine, ein Umdenken im Sinne der Bewohnerschaft dringend erforderlich macht. 40 % der weltweiten CO2-Emissionen und über 50 % des Abfalls gehen auf die Bauwirtschaft zurück!

Und jetzt soll im Metzgergrün ausgerechnet die Stadtbau mit ihrem unsensiblen Vorgehen auch noch die soziale Beratung der Bewohner übernehmen. Und sie wird in der Vorlage zudem für die erfolgreiche Einführung von Formaten wie beispielsweise für moderierte Gespräche bei Konflikt- und Dissenz-Haltungen gelobt. Dieses Lob können die Bewohner nach den mir vorliegenden Rückmeldungen überhaupt nicht nachvollziehen. Und die Quartiersarbeit soll ausgerechnet wieder dem Nachbarschaftswerk übertragen werden, das die Quartiersarbeit, die nach Aussage der Bewohner in den letzten Jahren allenfalls rudimentär stattgefunden hat, im Metzgergrün von sich aus beendet hat. Nicht ohne die Bewohner über die Medien nochmal pauschal als „konfliktbehaftet“ zu verunglimpfen. Und ihnen vorzuwerfen, sie würden Mitarbeiter des Nachbarschaftswerkes „verheizen“. Und diese beiden Institutionen, die jegliches Vertrauen bei den Bewohnern verloren haben, sollen jetzt eine Befriedung herbeiführen? Unsensibler kann man gegenüber der Bewohnerschaft nicht auftreten.

Ich bin für die Wiederaufnahme der Quartiersarbeit, aber erwarte endlich eine von der Quartiersarbeit moderierte Diskussion von Verwaltung, Stadtbau und Bewohnerschaft auf argumentativer Augenhöhe. Und im Sinne der Bewohnerschaft muss das gesamte Bauvorhaben unter Berücksichtigung der negativen globalen Veränderungen unbedingt nochmals kritisch durchleuchtet und ergebnisoffen überprüft werden.

Abriss und Entgrünung. Klimaschutz fängt vor der eigenen Haustür an (Foto: K. U. Müller).



Reden zu Stühlinger West

Zu Stühlinger West (Drucksache G-21/164) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 26. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Reden gehalten:

Zur Bebauung und zur Verkehrsplanung:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Mit dem Baugebiet Stühlinger West geht wieder mal eine Kleingarten-Idylle zu Ende. Vielen Kleingärtnern wird ihr grünes Sommer-Wohnzimmer zerstört. Dies betrifft besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund, von denen die meisten ein sehr inniges Verhältnis zu einem Garten haben und den Verlust somit intensiv erleiden. Es ist für mich immer wieder ein unverständlicher Widerspruch, dass sich auf der einen Seite viele hier im Gemeinderat erfreulicherweise für Flüchtlinge engagieren. Aber wenn diese dann anfangen, sich hier ihre kleine Existenz aufzubauen, wozu für viele eben auch die Bewirtschaftung eines Garten gehört, dann haben dieselben Stadträte überhaupt kein Problem damit, die Interessen dieser Menschen zu negieren, wenn es einem vermeintlich besseren Ziel entgegensteht, nämlich Freiburg wachsen oder treffender krankhaft wuchern zu lassen. Diese verquere Logik kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Aber, meine Damen und Herren, das müssen Sie mit Ihrem Gewissen ausmachen.

Jetzt zu dem Neubauvorhaben: Beim Energiekonzept besteht noch erheblicher Abstimmungsbedarf mit Energieexperten und den Projekt -Initiativen von Klein-Eschholz – daher meine Absetzungsforderung dieses Punktes (siehe folgende Rede). Die sonstige Planung hat, was die Gebäude und Freiflächenplanung betrifft, prinzipiell die Zustimmung von Freiburg Lebenswert. Bis auf eine Ausnahme: Es ist erklärtes und längst überfälliges Ziel des Gemeinderates, den privaten motorisierten Verkehr zurückzudrängen, auch um Wohngebiete von Lärm und Autos zu entlasten. Nun ist aber geplant die bisher städtebaulich recht gut angelegte Sundgauallee – wohlgemerkt eine Durchgangsstraße, wenn auch mit relativ geringem Verkehrsaufkommen – durch zwei nahezu rechtwinklige Kurven in dieses neue Wohngebiet hinein und auch wieder hinauszuführen. Statt wie bisher die Sundgauallee auf der bisherigen Diagonale, der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks, an dem Wohngebiet vorbeizuführen, wird der Verkehr nun auf den beiden Katheten dieses Dreiecks mitten durch das Wohngebiet geführt. Das ist nur noch grotesk zu nennen! Ziel muss es doch sein, Verkehre möglichst gerade und zeitsparend zu führen. Offensichtlich sollen mit einer solchen S-Schikane mitten durch ein Wohngebiet Autofahrer zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel animiert werden. Und das unter Inkaufnahme erhöhten Schadstoffausstoßes zum einen beim Bremsen und Beschleunigen in den beiden Kurven und zum andern durch die längere Fahrstrecke, durch den Eintrag erhöhter Lärmimmissionen in das Wohnquartier und durch erhöhte Verkehrsgefährdung der Anwohner. Die Autos fahren direkt am Quartiersplatz vorbei, der doch Aufenthaltsqualität bekommen soll. Aufenthaltsqualität mit durchfahrenden Autos? Meine Damen und Herren, das ist Denken der 1960er Jahre! Mit einer solchen hanebüchenen Verkehrsplanung könnte Freiburg es locker in die Satire-Sendung „extra 3 Spezial“ als Schildbürgerstreich des Jahres schaffen. Herr Verkehrsbürgermeister, wenn Sie nicht schon sitzen würden, würde ich aus meiner Schulzeit den geflügelten und von uns Gymnasiasten gefürchteten Lehrerausruf verwenden: „Setzen! Sechs!“.

Tut mir Leid, aber einer solchen Verkehrsplanung kann ich nicht zustimmen. Ich werde die Vorlage ablehnen!

Stühlinger West Absetzungsantrag:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Von den Projekt-Initiativen Kleineschholz werden zu recht verschiedene Punkte zum Energiekonzept als noch nicht entscheidungsfähig bezeichnet. Die Weltwetterorganisation (WMO) hat erst gestern alarmierende Zahlen genannt. Trotz Corona-Pandemie stieg die CO2-Konzentration 2020 um 2,5 ppm auf nun 413,2 ppm und liegt damit um erschreckende 49 % über dem vorindustriellen Niveau. Es muss dringend gehandelt werden. Neue Wohnquartiere oder gar Stadtteile mit Effizienzhausstandard 55 zu planen ist nicht mehr akzeptabel. Wenn schon mit diesen Quartieren riesige Naturflächen versiegelt werden, dann ist mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforscher Passivhaus- oder Plusenergiestandard ein absolutes Muss!

Mit dem weltweiten Temperaturanstieg verschiebt sich auch das Hauptaugenmerk immer mehr von der winterlichen Heizung weg hin zur sommerlichen Kühlung. Wie den Projekt-Initiativen ist auch mir völlig unklar, wie Sie die sommerliche Kühlung ermöglichen wollen. Ebenso kann ich wie diese die Präferenz der Vorlage für eine zentrale Lösung zum Nachteil dezentraler Lösungen, die über ein Quartiers-Leitungsnetz verbunden werden könnten, zunächst mal nicht nachvollziehen, wenngleich eine solche Lösung wegen der geringen Größe des Quartiers weniger nachteilige Auswirkungen hätte wie in Dietenbach.

Bevor gemäß Ziffer 3 der Vorlage ein Wärmeliefer-Contracting EU-weit ausgeschrieben wird, müssen solche Randbedingungen unbedingt vorher geklärt sein. Wenn schon die Projekt-Initiativen von sich aus höhere Energiestandards fordern, dann sollte man dieses Angebot doch erfreut wahrnehmen. Ich beantrage Ziffer 3 der Beschlussvorlage abzusetzen und sich vor der Ausschreibung mit lokalen Energieexperten an einen Tisch zu setzen und bezüglich der Kritikpunkte einvernehmliche Lösungen zu erarbeiten.




Rede zum Metzgergrün

Zum Metzgergrün (Drucksachen G-21/166 und 167) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 5. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Das Metzgergrün hat sich seit seinem Bau in den 50er Jahren zu einer grünen und sozialen Idylle entwickelt. Viele Wildtiere wie Füchse, Marder, Vögel, Fledermäuse und zahlreiche Insektenarten sind in den Hausgärten zu finden, sogar eine kleine Schar von Hühnern streift durch die offenen Gärten. Metzgergrün ist eine der wenigen richtigen grünen Oasen, die diese Stadt noch hat. Aber das Metzgergrün ist nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine soziale. Seit Jahrzehnten werden Arbeitslose, Menschen mit psychischen und Suchtproblemen von der Stadt und der Stadtbau in das Metzgergrün abgeschoben. Die Bewohner nahmen all diese problembeladenen Menschen auf und integrierten sie in die Quartiersgesellschaft, so gut es ging. Die Bewohnerschaft trifft sich oft draußen zum Reden, Kaffeetrinken, einfach zum gemütlichen Beisammensein. Da ist eine Gemeinschaft entstanden, wie ich sie mir in anderen Stadtquartieren auch wünschen würde. Anwohnerinnen – es sind in erster Linie Frauen, die sich um ihre Mitbewohner kümmern – berichteten mir, dass sie sich als ehrenamtliche Sozialarbeiterinnen der Stadt Freiburg fühlen. Diese Kümmerinnen haben der Stadt ganz viel Geld gespart, die diese sonst für professionelle Hilfe hätte ausgeben müssen. Und zum Dank wird ihnen nun ihr Quartier platt gemacht, Häuser mit guter Bausubstanz abgerissen und die oftmals liebevoll hergerichteten Gärten zerstört. Damit, meine Damen und Herren, vernichten Sie auch Existenzen, die mit diesem barbarischen Akt der Zerstörung nicht zurechtkommen. Und wofür das Ganze? Damit Freiburg weiter wachsen kann in einer Zeit, wo nicht nur Zukunftsforschern, sondern langsam allen klar wird, dass Wachsen in einem endlichen Lebensraum letztlich zum Untergang der Menschheit führen wird!

Vor dem Bürgerentscheid zu Dietenbach wurde immer wieder behauptet, dass mit dem Bauen auf der Grünen Wiese der Druck zu Nachverdichtung im Innenbereich genommen würde. Bewohner des Metzgergrüns, aber auch die der BIMA-Gebäude in der Colmarer Straße haben sich darauf verlassen und oftmals für Dietenbach gestimmt. Aber sie wurden genauso enttäuscht wie die vielen, die der Aussage „Für Dietenbach wird kein einziger Baum gefällt“ geglaubt hatten. Mit solchen Lügen konnte man 2019 den Bürgerentscheid gewinnen.

Für mich ist es unbegreiflich, dass Sie, Frau Umweltbürgermeisterin, und die Grünen überhaupt kein Problem darin sehen, eine solch grüne Idylle zu zerstören. Dafür sind die Grünen doch 1980 gegründet worden, um für den Erhalt genau solcher Naturräume auch in der Stadt zu kämpfen. Zumindest war das uns Grünen der ersten Stunde, damals, hier in Freiburg, ein oberstes Anliegen. Was ist aus den Grünen in dieser Stadt nur geworden? Und es ist für mich weiter unbegreiflich, dass Sie, Herr Sozialbürgermeister, und die mit Ihnen verbundenen Parteien SPD und ESFA (Eine Stadt für alle) über die Befürchtungen und Existenzängste mehrerer hundert Bewohner letztlich doch einfach mit einem Achselzucken hinweggehen.

Ich werde mich der großen Koalition aus Metzgergrün-Zerstörern nicht anschließen und diese Vorlage ablehnen!

Metzgergrün – ein grünes Idyll (Foto: K. U. Müller).



Anfrage zur Schließung Schülerhort Herz-Jesu

Zur geplanten Schließung des Schülerhorts Herz-Jesu hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 7. August 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

aus Sicht der Eltern und auch meiner ist nicht nachvollziehbar, warum der Schülerhort Herz-Jesu im Stühlinger geschlossen wird, da hier ein hervorragendes pädagogisches Konzept und sehr gut ausgebildete Fachkräfte vorhanden sind. Die Kinder des Hortes sollen in Zukunft in die Schulkindbetreuung (SKB) der Hebelschule integriert werden. Das Problem ist jedoch, dass diese sich noch im Aufbau befindet und Fachkräfte Mangelware sind. Laut Elternvertretung kommt und geht Betreuungspersonal, da die Arbeit sehr anspruchsvoll ist und verlässliche Strukturen fehlen. Es ist nicht zu verstehen, dass der Vorschlag, eine Zusammenarbeit zwischen der SKB an der Hebelschule und dem Schülerhort zu initiieren, vom Amt für Schule und Bildung abgelehnt wurde. Damit hätten die Erfahrungen aus mehr als 50 Jahren in die städtische Schulkindbetreuung integriert werden können. Laut des Amtes für Schule und Bildung sei kein Plan für den Übergang der Hortkinder nötig. Viele Hortkinder würden auf Grund der Coronapandemie bereits in der SKB betreut, was ausreichend sei.

Hierzu meine Fragen:

  1. Den Eltern ist es wichtig, dass ein kontinuierlicher Übergang gesichert wird. Wie wird dies gewährleistet?
  2. Wird das Amt für Schule und Bildung in einen konstruktiven Dialog mit den Eltern, den Mitarbeitern des Hortes und den Betreuungsteams der SKB eintreten, um das Bestmögliche für die Kinder zu gewährleisten?
  3. Warum wird kein Elternabend veranstaltet, um die Eltern über die zukünftige Entwicklung zu informieren?
  4. Was spricht gegen die Gründung einer Elternvertretung in Zusammenarbeit mit der SKB?
  5. Nachmittagsbetreuungsangebote für Schulkinder sind stärker gefragt denn je und auch die Kinder aus dem Schülerhort Herz-Jesu sollten von der SKB aufgenommen werden. Wie kann die SKB gewährleisten, dass ein erhöhtes Aufkommen an zu betreuenden Kindern bewältigt wird?
  6. Laut Auskunft der Elternvertreter des Schülerhortes Herz-Jesu konnten Kinder aufgrund des Erreichens der Kapazitätsgrenze nicht mehr in der SKB aufgenommen werden. Der Schülerhort musste Betreuungsanfragen der Eltern dieser Kinder abschlägig bescheiden, da dieser ja geschlossen wird. Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um auch diesen Kindern eine Betreuung zukommen zu lassen? Gibt es Pläne für Alternativen?
  7. Im Schülerhort ist hoch qualifiziertes Personal mit akademischer Ausbildung in Pädagogik und Psychologie tätig. Momentan ist immer wieder von Fachkräftemangel die Rede. Möchte die Stadt, dass die Mitarbeiter des Hortes in die Arbeitslosigkeit entlassen werden? Wäre es nicht richtiger, diese zu übernehmen bzw. in geeignete Strukturen in der SKB einzubinden?

Es ist wichtig, dass Kinder nicht die Leidtragenden sein werden! Dass gespart werden muss, ist unabdingbar, aber ob dies die richtige Stelle ist, erscheint doch mehr als fraglich.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler




Mängel am Schulhaus der Hansjakob-Realschule

Die Elternbeiratsvorsitzenden der Hansjakob-Realschule haben in einem Schreiben an die Fraktionen im Gemeinderat ausführlich dargestellt, welche Mängel das Schulhaus aufweist. So müssten die Toiletten dringend saniert, die Klassenzimmer neu gestrichen, die Teppichböden erneuert und eine Lüftungsanlage installiert werden. Aus der Außenfassade auf der Südseite fallen Steinbrocken heraus. Dieses Problem besteht seit mehr als 10 Jahren, aber anstelle einer Fassadensanierung wurde zum Schutz der Kinder ein Bauzaun aufgestellt, der schon dreimal erneuert werden musste. Hinter dem Bauzaun – für die Kinder also unzugänglich – befinden sich die Fahrradständer der Schule. Ersatzplätze wurden trotz mehrfacher Bitten der Schulleitung nicht geschaffen.

Hinzu kommt, dass sich etliche Kinder aus benachteiligten Familien an der Schule befinden, die Unterstützung durch die Schulsozialarbeit brauchen. Aber für derzeit 486 Schülerinnen und Schüler steht leider nur eine 75%-Stelle zur Verfügung, die bei weitem nicht ausreicht.

In einer Anfrage der Fraktion FL/FF vom 14.11.2018 werden dazu folgende Fragen an den OB und die Stadtverwaltung gestellt:

Warum wurden die Toiletten der Hansjakob-Realschule nicht in die erste Gruppe des Sanierungsprogramms aufgenommen?  Wie hoch wären die Kosten einer Sanierung der Toiletten?  Für wann ist die Sanierung der Toiletten vorgesehen? Wann werden die Klassenzimmer gestrichen und die Teppichböden erneuert?  Ist geplant, eine Lüftungsanlage zu installieren und wenn ja, in welchem Zeitrahmen?

Das Problem mit der Außenfassade ist schon seit langem bekannt. Deshalb außerdem dazu die folgenden Fragen:  Wie hoch wären die Kosten einer Sanierung?  Warum wird die Sanierung der Außenfassade verschoben?

Die Aufstellung des Bauzaunes und dessen Erneuerung ist auch mit Kosten verbunden, und vor allem löst sie das Problem nicht. Auch der Bedarf einer weiteren Schulsozialarbeiterin ist offenkundig. Deshalb die folgenden Fragen: Ist für die Schulsozi-alarbeit an der Hansjakob-Realschule eine Erhöhung der Stunden-/Stellenanzahl geplant? Wenn ja, wann? Und wenn nein, aus welchem Grund?

Hier die Anfrage von FL/FF im Original:
Anfrage von FL/FF zur Hansjakob-Realschule

Die Hansjakob-Realschule nach der Fertigstellung 1908 (Alte Postkarte)

Die Fraktion FL/FF im Freiburger Gemeinderat (Foto: Creative Commons)




Wenn Mieter mit wenig Eigenkapital das Haus kaufen

Als Mieter das Haus kaufen – und das noch dazu mit wenig Eigenkapital! Davon träumen so manche Mieter, die schon seit vielen Jahren beispielsweise in einem Altbau leben. Drängend wird das Problem, wenn das Haus nach dem Tod der Eigentümer plötzlich von der Erbengemeinschaft verkauft werden soll. So gerade geschehen in der Guntramstraße 38 im Stadtteil Stühlinger. Möglich wurde der Kauf dann aber doch durch die Unterstützung des „Mietshäusersyndikats“, einer Institution in Freiburg, die sich in Zeiten des Mangels an bezahlbarem Wohnraum, zu einem vorbildlichen, nicht-profitorientierten Akteur auf dem Immobilienmarkt entwickelt hat.

Die Badische Zeitung hat über den Fall Guntramstraße 38 ausführlich berichtet, weshalb wir das hier nicht wiederholen möchten. Dort heißt es am Schluss: „Am Freitag, 27. Juli, war es dann soweit: Notartermin. Die Mieter unterschrieben den Kaufvertrag. Am 15. September werden sie den Kaufpreis überweisen, am selben Tag wird sie die Mitgliederversammlung des Mietshäusersyndikats als 131. Projekt unter dem Dach des Syndikats begrüßen. Das Haus Guntramstraße 38 kann nun nie Spekulationsobjekt werden. Und die Mieter? Sie werden ihre Mieten nun stufenweise auf 7,50 Euro anheben, um die Bank- und günstigen Direktkredite abzubezahlen. Und nach einem turbulenten halben Jahr erstmal Luft holen: „Dass alles so gut läuft, hätten wir niemals gedacht.“

Siehe: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wenn-mieter-ihr-haus-selbst-kaufen–155323326.html

Dieses Modell ist enorm wichtig in einer Stadt wie Freiburg. Freiburg Lebenswert (FL) hatte dies schon früh angeregt, um stadtbildprägende Häuser zu erhalten. Das Mietshäusersyndikat bietet hier eine hervorragende und vorbildliche Möglichkeit, mit der sich Mieter ggf. frühzeitig beschäftigen sollten. Vor einigen Jahren hatte das Mietshäusersyndikat z. B. in der Johann-Sebastian-Bach-Str. in Herdern Vorschläge unterbreitet, die dort stehenden Häuser zu erhalten und zu sanieren. Die Stadtverwaltung unter der damaligen Salomon-Administration hatte das strikt abgelehnt, um sie an Bauträger verkaufen und zum Abriss freigeben zu können. Solche Sünden sollten sich heute nicht wiederholen.

Mehr zum Miethäusersyndikat und deren Projekte in ganz Deutschland (in Freiburg sind des derzeit 17 von insgesamt 130 bundesweit realisierten Projekten und 19 Projektinitiativen), finden Sie hier: https://www.syndikat.org/de/

Oder bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mietsh%C3%A4user_Syndikat

Beitrag in der BZ zum Projekt Guntramstr. 38 im Stühlinger.




Zum Bauvorhaben der BauUnion im Stühlinger

Blick auf den Stadtteil Stühlinger (Foto: W.-D. Winkler)
Luftbild mit Blick auf Bahnhof und den Stadtteil Stühlinger (Foto: W.-D. Winkler)

Der Stühlinger ist neben der Wiehre der am dichtest besiedelte Stadtteil Freiburgs. Auch wenn viele Bewohner des Stühlinger sich dort trotz oder vielleicht auch gerade wegen der hohen Bevölkerungsdichte sehr wohl fühlen, wird doch der geringe Grünflächenanteil von ihnen als ein ernster Nachteil wahrgenommen. Bis vor wenigen Jahren war der Stühlinger im Bereich der ehemaligen Kreispflegeanstalt, heute Campus des psychologischen Instituts, noch mit viel Grün gestaltet. Dies änderte sich, als vor ca. fünf Jahren eine mit Bäumen bestandene Wiese des Campus mit einem zusätzlichen Studentenwohnheim bebaut wurde – trotz massiver Proteste von Bürgerverein Stühlinger, Studenten und Anwohnern. Inzwischen hat auch die BauUnion direkt neben das neue Studentenwohnheim einen weiteren Neubau auf einer ehemaligen Grünfläche mit Kinderspielplatz platziert.

Das nun geplante Bauvorhaben der BauUnion betrifft das direkt daran angrenzende Gebäude Eschholzstraße 94-96. Dieses soll einem Gebäude weichen, das nahezu doppelte Grundfläche und fast doppelte Höhe im Vergleich zum bisherigen Bestandsgebäude haben soll. Das kann man nur als einen städtebaulichen Affront gegenüber dem Bürgerverein und der Nachbarschaft bezeichnen. Dieses Gebäude würde die Wohnqualität der Nachbarn erheblich beeinträchtigen, die bisher verbliebenen Restgrünflächen würden nochmals abnehmen. Wir teilen daher die ablehnende Haltung des Baurechtsamtes und des Bürgervereins zu dem eingereichten Bauantrag.

Die Fraktion FL/FF verschließt sich nicht dem Neubau von Gebäuden und auch nicht einer Verdichtung der Innenstadtbereiche, da nur so einem Ausweiten der Stadtgrenzen in den Grüngürtel um die Stadt herum Einhalt geboten werden kann. Die meisten Freiburger Bürger sind durchaus ebenfalls für eine maßvolle Nachverdichtung zu haben. Entscheidend ist allerdings, dass die neuen Gebäude eine hohe städtebauliche Qualität haben und sich maßvoll in die Umgebung einfügen. Dies kann durchaus auch bedeuten, dass ein Gebäude mal höher ausfallen kann. Das ist von Fall zu Fall abzuwägen. Unförmige, massige Gebäude, die einzig darauf angelegt sind, Wohnraum „auf Teufel komm raus“ zu generieren, ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft, sind nur dazu angetan den sozialen Frieden in der Stadt zu gefährden.

Ein Einräumen von mehr Baurecht im Tausch von Belegungsrechten ist für die Fraktion FL/FF im Einzelfall vorstellbar, wenn die oben genannten Kriterien eingehalten werden. Was Freiburg braucht ist preisgünstiger Wohnraum. Wir gehen davon aus, dass die jetzigen Wohnungen in dem Bestandsgebäude (4.000 m²) der BauUnion preisgünstige Wohnungen sind. Wird das Gebäude abgerissen, sollen Wohnungen auf 8.000 m² entstehen, von denen Herr Kleiner der Stadt Belegungsrechte auf 2.000 m² einräumen will. Aufgrund der hohen Kostenmiete kann in einem Neubau kein preisgünstiger Wohnraum entstehen. Folglich beinhaltet der Vorschlag von Herrn Kleiner eine Reduzierung von preisgünstigem Wohnraum um 2.000 m². Wo liegt da der Vorteil für die Stadt? Der Vorschlag kann nur dann sinnvoll sein, wenn das Bestandsgebäude mit seinen preisgünstigen Wohnungen erhalten bleibt und durch Anbauten erweitert wird. Eine Veränderung der Wohnungszuschnitte im Bestandsgebäude unter Einbezug der Anbauten kann vorgenommen werden, solange die baulichen Veränderungen nicht zu massiven Mietsteigerungen für die Bestandswohnungen führen. Für die neu hinzukommenden Wohnungen gilt ohnehin der 50%-Beschluss des Gemeinderates bzgl. gefördertem Mietwohnungsbau – ob mit oder ohne Belegungsrecht.

Was oftmals vernachlässigt wird, ist die bei Abbruch und Neubau aufgewendete „graue Energie“. Da ist zum Einen der mit dem Abriss alter Gebäude anfallende Bauschutt, der entsorgt werden muss. Zum Zweiten braucht es zur Erstellung eines neuen Gebäudes zahlreiche verschiedene Baumaterialien, die energieintensiv, oft umweltzerstörend aus Rohstoffen hergestellt und transportiert werden müssen. Viele scheinbar auf neustem energetischem Stand produzierte Gebäude haben unter diesen Betrachtungen eine weit schlechtere Ökobilanz, als gemeinhin angeführt wird. Als Vorbild sehen wir daher die Sanierungen der Freiburger Stadtbau, die die Wohnfläche ihrer Bestandsgebäude, beispielsweise in Weingarten, durch Anbauten erheblich vergrößert, was sich auf die dazu benötigten Grünflächen aber nur marginal auswirkt.

Für FL/FF wäre es daher akzeptabel, wenn unter diesen Gesichtspunkten die BauUnion ihr Bestandsgebäude in der Grundfläche vergrößert und durchaus auch die Höhe an das Gebäude Eschholzstraße 90-92 anpasst, um mehr Wohnraum zu generieren. Mit ausgebauten Dachgeschossen und Erdgeschoss wären dies dann sieben Geschosse. Nicht zum Vergleich kann das Eckgebäude Eschholzstraße 100 dienen, da diesem an dieser exponierten Stelle an der Dreisam eine andere Stellung zukommt.

Unter Berücksichtigung der Umgebungsbebauung halten wir folgendes Zugeständnis an die BauUnion für möglich:  Ausweitung der Grundfläche um maximal ein Drittel bevorzugt Richtung Süden und eine Aufstockung um ein zusätzliches Geschoss unter Erhalt des Bestandsgebäudes und unter Beibehaltung des Satteldaches.

Für die neu hinzukommenden Wohnungen gilt der 50%-Beschluss des Gemeinderates bzgl. gefördertem Mietwohnungsbau.

Dieses Statement ist Teil einer Antwort der Fraktionsgemeinschaft FL/FF auf Fragen der Badischen Zeitung (BZ) an alle Gemeinderatsfraktionen. Hier das ganze Schreiben an die BZ im Wortlaut: Antwort_auf_Fragen_der_BZ_um_Bauvorhaben_BauUnion_Stuehlinger