Kritik an der Planung moderner Vorstädte

“Warum schaffen wir es eigentlich nicht, einen Städtebau zu machen, in dem sich unsere Gesellschaft wohl fühlt?”

Das fragt Professor Christoph Mäckler, Architekt und Stadtplaner mit Weltruf, sehr kritisch nach. Er hat in Freiburg zum Beispiel den oft gelobten Umbau des Augustinermuseums verwirklicht. In einem Beitrag des MDR vom 20. Februar 2019 verbindet er diese Kritik an der modernen Architektur mit der Kritik an der Bauhaus-Tradition, die in Deutschland leider vorherrsche. Anlass ist des 100-jährige Jubiläum des Bauhauses.

So heißt es im MDR-Beitrag: „Ein Blick in die heutige
Stadt zeigt auch: Die Menschen wollen nicht in weißen Klötzen oder abweisenden
Vorstädten wohnen. Sie ziehen in gut sanierte Altbauten, bevorzugen
geschlossene Plätze und sitzen dort gern im Café. Architekt Mäckler wünscht
sich deshalb die Stilelemente zurück, die das Bauhaus ablehnte: “Wir
müssen versuchen, Elemente, die es in den Jahrhunderten vor dem Beginn des 20.
Jahrhunderts gab, wieder in unserer Architektur zurückzuerobern.”

„Quadratisch, praktisch und schlicht – so sieht Architektur heute oft aus.“

Ohne das Bauhaus wäre diese Idee nicht denkbar gewesen. Im Beitrag kommt auch der Architekturexperte Dankwart Guratzsch zu Wort. Er ist sich sicher, „dass durch die Bauweise in Satellitenstädten samt Plattenbauten viele Probleme entstehen – sowohl soziale als auch ökologische“. Bewohner würden aus der eigentlichen Stadt ausgegliedert. Dazu käme: “Die serielle Bauweise erzieht den Einzelnen zur Gleichförmigkeit und macht ihn zu einer Ameise im Stadtganzen. Der Individualismus geht verloren, der noch in der Gründerzeit in jedem einzelnen Baublock gepflegt wurde”.

Das Bauhaus habe, so Guratzsch, versucht, das Bauen zu
industrialisieren. Damit habe es aber auch die Grundlagen für anonymisiertes
Wohnen geschaffen. Er hält die traditionelle Blockbauweise aus der Gründerzeit
jedoch für viel geeigneter – „mit den untereinander verbundenen und reich
verzierten Häusern, die Wand an Wand gebaut sind“, wie er in dem MDR-Beitrag feststellt.
Wolfgang Thöner, Leiter der Sammlung der Stiftung Bauhaus, betont, dass die „Bauhaus-Idee“
ein Experiment gewesen sei. Wichtig sei es, „dass man jedes Experiment
hinterher einschätzt und die richtigen Schlussfolgerungen zieht“ – und Fehlentwicklungen
korrigiert.

Auch der Entwurf für Dietenbach sieht wieder genau so
aus, wie die Experten es kritisieren: „Einförmig, eckig und schlicht – vier
Wände, Glas, Stahl, Beton und ein Flachdach.“ Auf Mäckler wirken diese
einheitlichen Vorstädte, „in denen heute zehntausende Menschen leben, klinisch
und abweisend“.

Es lohnt sich, den Beitrag zu lesen: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/dessau-rosslau/kritik-an-bauhaus-architektur-100.html

…und das Video anzuschauen: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/dessau-rosslau/video-276546_zc-2080e25c_zs-a8eb16dc.html

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen im Bauhaus-Stil, in der Sebastian-Kleipp-Straße in Herdern. (foto: M. Managò)




“Was macht die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag?”

Im Gemeinderat am 27.11.2018 stand auch das Thema Projektgruppe neue Wohnbauflächen, kurz ProWo (TOP 6, Drucksache G-18/127), auf der Tagesordnung. Siehe dazu die folgende Rede von Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL), die er für die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) im Gemeinderat gehalten hat. Er spricht von “beschönigenden Wortkrationen” bei der Erstellung der Rahmenpläne, von “Dilettantissmus” bei der Auswahl möglicher Baugebiete und fragt provokant, was die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag macht?

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir werden der Druckvorlage zustimmen, weil die Beschlüsse zunächst unkritisch sind. Dass die Flächen im Mooswald und auf den Dreisamauen derzeit nicht weiterverfolgt werden sollen, ist natürlich sinnvoll. Aber wir werden diese Flächen auch künftig für die Bebauung ablehnen, unabhängig davon, ob Dietenbach kommt oder nicht. Die Bebauung der Wendeplatte in Vauban lehnen wir zwar auch ab, stimmen aber einer vertiefenden Untersuchung im Zusammenhang mit dem dortigen Gebiet Sportpark St. Georgen erstmal zu. Auch dem Rahmenplan Tuniberg werden wir zustimmen, uns aber kritisch mit den zu erwartenden Ergebnissen auseinandersetzen. Wir haben uns immer für den Erhalt der Kleingärten im Stühlinger ausgesprochen, werden uns also einer Verlängerung ihrer Nutzungszeit nicht verschließen.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Aber zur Ausgangslage und zur allgemeinen Zielsetzung der ProWo ist doch einiges zu sagen. Fangen wir mit Stühlinger West an. Wir haben die dortige Wohnbebauung abgelehnt, weil sie die Beseitigung der meisten Kleingärten zur Folge hat. Aber nach dem, zugegebenermaßen schwammigen, Antrag der SPD, möglichst viele Kleingärten zu erhalten, sind wir dann doch überrascht, dass in den Bebauungs-Entwürfen von möglichst vielen Kleingärten eigentlich keiner übrig geblieben ist. Haben Sie das im Preisgericht nicht angesprochen, liebe Kollegen von der SPD? Und wir sehen in diesem Zusammenhang – wie viele Bewohner des Westens – auch den Wegfall der Sundgauallee kritisch, weil die jetzt schon überlasteten Parallelstraßen wie die Breisacher Straße dann noch mehr Verkehr aufnehmen müssten. Und wir sind weiterhin gegen die Erweiterung der Kleingartenanlage Moosacker in St. Georgen, weil dies zu Lasten der Landwirte gehen würde.

Bei der theoretischen Bebauung des Mooswaldes wird vor allem aus ökologischen Gründen ein enormer finanzieller und zeitlicher Aufwand vorausgesagt. Die ProWo will von einer Bebauung erstmal absehen. Trotzdem, schränkt sie ein, sei die Eignung dieser städtischen Fläche für den Wohnungsbau unbestritten. Diese Aussage kann man eigentlich angesichts des massiven Widerstandes nur noch als rechthaberisch bezeichnen.

In Littenweiler ergäbe sich laut ProWo die Chance, den Wohnbaubestand in Verbindung mit dem Ausbau der Dreisamaue „sensibel“ zu ergänzen. Es könnte ein „attraktiver“ Stadteingang mit durch die Nähe zur Dreisam qualitativen Wohnungen entstehen. Ich vermute, das Ganze wird dann so sensibel und attraktiv sein wie bei Hornbühl-Ost, wo die Bauverwaltung mit den geplanten mehrstöckigen Häusern halb Ebnet gegen sich aufgebracht hat. Eine derart bedeutende und schöne Landschaft zuzubetonieren, wäre ein schwerer Verlust und alles andere als sensibel. Nein, hier sollen Häuser entstehen zu Gunsten einiger weniger zahlungskräftiger Kunden und zu Lasten des Gemeinwohls von Vielen, die diese Auen zur Stadtranderholung nutzen.

Ähnliche beschönigende Wortkreationen werden beim Rahmenplan Tuniberg bemüht. Da ist von lebendigen Dorfrändern und einem Leitmotiv die Rede, das eine Öffnung der Tuniberg-Dörfer zu den Bachauen forciert. Hab ich da was verpasst? Waren die Dorfränder bisher tot – was immer das heißen mag – und die Dörfer von den Bachauen durch eine Mauer getrennt? Wir sind überhaupt überrascht, dass man nun offensichtlich die Tuniberg-Dörfer mit diesem Rahmenplan baulich erweitern will. Bisher war doch immer das Credo von Verwaltung und großen Teilen des Gemeinderates, dass man die Kernstadt beispielsweise durch Dietenbach erweitern will, weil hier mit mehr Geschossen geplant werden kann, während auf den Dörfern durch die geringe Geschossigkeit der Flächenbedarf zu hoch wäre. Und vor allem sollte doch entlang der ÖPNV-Achsen geplant werden. Stundenlange Busfahrten von den Tuniberg-Dörfern in die Kernstadt kann man nun wahrlich nicht als attraktive ÖPNV-Verbindungen bezeichnen. Mit dem Rahmenplan Tuniberg will man also gegen die eigenen Forderungen verstoßen?

Und jetzt muss ich noch einen Kommentar zu Zähringen Nord loswerden. Ich habe bereits vor Jahren gesagt, die Flächenauswahl für eine Bebauung hätte man auch eine Grundschulklasse machen lassen können. Innerhalb einer Schulstunde hätten die vermutlich dieselben fünf Grünflächen wie Mooswald-West, Dreisamauen oder die Kleingärten im Stühlinger anhand eines Stadtplanes identifiziert, die auch die Prowo „entwickelt“ hat. Aber wir sind zugunsten der ProWo natürlich davon ausgegangen, dass in der ca. dreijährigen Zwischenzeit zu den fünf Flächen vertiefende Untersuchungen stattgefunden haben. In den letzten Tagen wurde ich jedoch mehrmals von fassungslosen Bürgern angesprochen, wie es denn sein könne, dass den verantwortlichen Planern von Zähringen Nord erst jetzt auffiel, dass der Störfallbetrieb Micronas nicht weit vom Baugebiet entfernt liegt. „Dilettantisch“ war noch eines der harmloseren Worte, die da geäußert wurden. Es wurde die Frage gestellt, was macht die ProWo eigentlich den lieben, langen Tag? Ich gebe die Frage mal an Sie weiter Herr Baubürgermeister.

Unser vorweggenommenes Fazit: Wir würden lieber heute als morgen die Vollzeitstellen der ProWo dem Baubereich übertragen, der sich mit den Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen befasst.

Die Fraktion FL/FF im Freiburger Gemeinderat (Foto: Creative Commons)




Ruft denn da niemand “Halt!”?

Auf einen beachtenswerten Leserbrief in der Badischen Zeitung (BZ) vom 21. Juli 2017 möchten wir aufmerksam machen: Unter der Überschrift “Ruft denn da niemand ‘Halt’?” beschreibt Ingeborg Lambert-Sennrich aus Badenweiler die Siedlungs- und Bauwut in Freiburg und Umgebung, die mit “renditegetriebener Investorenarchitektur” Stadt- und Dorfbilder zerstört.  Gerne möchten wir einige Passagen aus ihren Leserbriefen zitieren:

“Immer mehr Orte verlieren ihren dörflichen Charakter, und eine ganze Region ist dabei, ihre Identität preiszugeben, mit immer sichtbarer werdenden Symptomen: Abriss Ortsbild und Ortsgeschichte prägender Gebäude, Neubau überdimensionierter, oft unpassender Gebäude im Ortskern im Zuge der eigentlich richtigen Nachverdichtung, Verödung von Ortskernen, auch durch Wegzug des Detailhandels in die Industriegebiete, Ansiedlung riesiger Supermärkte auf der grünen Wiese , Zersiedlung der Landschaft durch Ausweisung immer neuer Bau- und Industriegebiete, (Donut-Effekt), Zusammenwachsen der Orte und industrielle Nutzung der Natur durch Windräder. (…)

Was für ein Verlust! Ruft denn da niemand “Halt!”? Und obwohl einige Stimmen sich erheben gegen den Ausverkauf einer Landschaft, schweigt die Mehrheit. Weil sie gewohnt ist, zu schweigen? Weil sie von dieser Entwicklung profitiert? Man muss sich einmal klarmachen, wie viele Menschen an dem Bauboom verdienen.”

Hier der Leserbrief im Wortlaut: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-68/ruft-denn-da-niemand-halt–139615842.html

In anderem Zusammenhang schrieb Frau Lambert-Sennrich zu Beginn des Jahres: “Liest man die Berichte über die Neujahrsempfänge in unserer Gegend, so geht es nach den Bürgermeistern dorfauf dorfab, pardon stadtauf stadtab, nur noch um Wachstum mit Hilfe der Erschließung weiterer Baugebiete, ohne Rücksicht auf gewachsene Ortsstrukturen, deren Charakter, Charme und Behaglichkeit und ohne Hemmungen vor der Zersiedlung heimatlicher Landschaften.”

Und sie erinnert an ein Beispiel aus Franken, über das wir auf dieser Homepage auch berichtet hatten: “Ein gutes Beispiel für eine andere Art der Ortsentwicklung gibt es in Franken. Dort haben sich sieben Bürgermeister zu der sogenannten “Hofheimer Allianz” zusammengeschlossen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels machen sie sich für eine Ortsentwicklung stark, die ohne das übliche Lockmittel Neubaugebiet auskommt. Im Auftrag der Gemeinden werden Leerstände ermittelt, Besitzer überzeugt, sich von ungenutztem Eigentum zu trennen, potenzielle Käufer erhalten als Anreiz kostenlose Architekturberatung sowie bis zu 10 000 Euro aus der Gemeindekasse für Renovation und Umbau im Ortskern. Mit Erfolg: 230 leerstehende Gebäude konnten so neu belebt und bezogen werden. Im Gegenzug wurden Bauplätze auf der grünen Wiese kassiert.”

Siehe diesen Leserbrief: http://www.badische-zeitung.de/sulzburg/leserbriefe-xvsgbiuax–133618538.html

Und siehe den Bericht auf unserer Homepage: https://freiburg-lebenswert.de/altbausanierung-statt-neubau-und-leerstand/

Seit ihrer Gründung gehört die Wählervereinigung Freiburg Lebenswert zu den Wenigen, die sich gegen den Raubbau an Grünflächen und Natur sowie gegen die Zerstörung des Stadtbildes in Freiburg wehen – leider gegen eine Mehrheit im Gemeinderat, die ausgerechnet von einer Partei  angeführt wird, die sich “Die Grünen” nennt. Es wird Zeit, dass auch in Freiburg mehr Menschen “Halt!” rufen und die Stadt vor der Zerstörung bewahren.




Altbausanierung statt Neubau und Leerstand

“Eine fränkische Erfolgsgeschichte. Sieben Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, und kämpfen gegen Landflucht und demographischen Wandel: Statt neues Bauland auf der grünen Wiese auszuschreiben, sollen die alten Häuser im Ortskern bewohnt bleiben.” Dies ist eine der Kernaussagen eines Beitrags, der am  09.02.2017 in der Sendung “Quer” im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks (BR) gesendet wurde .

“In einem Zeitalter, in dem bekannt ist, dass die Bevölkerung nicht mehr wächst, dass die stagniert, da macht es keinen Sinn, zu vorhandenen Gebäuden noch weitere dazuzubauen. Dann hab ich irgendwann einen dermaßen großen Gebäudeüberschuss, dass ich zwangsläufig Leerstände produziere.” So einer der fränkischen Bürgermeister, die sich zusammengeschlossen haben, um ein Umdenken in der Gesellschaft herbei zu führen. Statt neu zu bauen, was früher – und leider bei vielen Bürgermeistern heute noch – als Patentrezept galt, wollen sie Altbauten sanieren. Und sie fördern das mit Zuschüssen und weiteren Anreizen entsprechende Immobilien zu erwaerben bzw. beispielsweise an sanierungswillige Familien zu verkaufen.

Auch in Freiburg herrschen Leerstände, während gleichzeitig Neubaugebiete ausgewiesen oder geplant werden. Die Stadt gibt zu, dass diese zwar existieren, dass man über deren Ausmaße aber nichts weiß, weil sie nirgends erfasst werden. Man sollte sich an den fränkischen Gemeinen ein Beispiel nehmen, die dafür einen “Leerstandsmanager” engagiert haben.

Siehe dazu den sehr interessanten Beitrag des BR:

Beitrag in der Sendung “Quer” des BR vom 09.02.2017

Link: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/quer/170209-quer-bundorf-100.html




FL/FF als Bauverhinderer? Von wegen!

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 wird der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) immer wieder vorgeworfen, sie sei ein „Bauverhinderer“. Aussagen wie „Sie wollen eine Mauer um Freiburg bauen“ oder „Sie wollen eine Käseglocke über Freiburg stülpen“ werden immer wieder in den Raum gestellt. Dabei wird wider besseres Wissen bewusst unterschlagen, dass FL/FF vielen Bauprojekten zugestimmt hat. Diese Pauschalisierungen können durch Fakten leicht widerlegt werden. Die folgende Tabelle zeigt Bauprojekte, die FL/FF unterstützt hat (WE = Wohneinheiten, ungefähre Angaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Baugebiet WE ca.
Belchenstr. 8-10 (+ Sanierung) 110
Binzengrün 34 (+ Sanierung) 120
Breisacher Hof (+ Sanierung) 60
Breisacher Straße (Aldi, Norma) 70
Ebnet-Hornbühl Ost 100
Güterbahnareal 1.300
Innere Elben 50
Kronenmühlebach 70
Röderhof 340
Schildacker 300
Uni-Carré (Friedrich-Ebert-Platz) 140
Zinklern (Lehen) 550
3.210

FL/FF betrachtet Bauprojekte differenziert. Aus diesem Grund sind wir strikt gegen solche, die Naherholungsgebiete, Kleingärten, landwirtschaftliche Nutzflächen oder den Mooswald zerstören. Bei den fünf neuen Wohnbauflächen, die im Dezember vorgestellt wurden, ebenso beim neuen Stadtteil Dietenbach können wir daher einer Bebauung nicht zustimmen. Die vielen Probleme, die bei Dietenbach vorliegen, sind keineswegs ausgeräumt. Hier soll u.a. ein Wall entlang des Zubringers Mitte und der Besanconallee mit einer Höhe von 6 m und einer Länge von etwa 1,5 km gebaut werden, um die Bewohner vor Lärm zu schützen. Wer baut denn nun tatsächlich Mauern um Freiburg? Als geradezu unanständig empfinden wir, wenn eine Mauer aus sozialem Wohnungsbau entlang der Paduaallee anstelle des Mooswaldes als Lärmschutz für einen Stadtteil fungieren soll.

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt nicht nur das Münster, sondern ignoriert auch die Gefahren einer Immobilienblase (Foto: U. Glaubitz)
Der Bauwahn in Freiburg verdeckt nicht nur das Münster, sondern ignoriert auch die Gefahren einer Immobilienblase (Foto: U. Glaubitz)




Alibi-Veranstaltung Perspektivplan

Im Freiburger Stadtentwicklungsausschuss am 8. November 2016 wurde der Perspektivplan Freiburgs gelobt. Leider sieht ein Großteil der Freiburger Einwohner den Perspektivplan weit weniger positiv. Er wurde ganz offensichtlich und nach Meinung vieler Bürger einzig und allein ins Leben gerufen, um Bauflächen zu akquirieren. Die ersten fünf Flächen, die angeblich aus dem Perspektivplan entwickelt wurden und die der Gemeinderat nun abnicken soll, wurden nach Aussage von Bürgern, die an den entsprechenden Gesprächen teilgenommen hatten, in den Sitzungen überhaupt nicht angesprochen. Von diesen fünf Flächen stehen vier bei der Bürgerschaft massiv in der Kritik.

So sollen bei einer bereits beschlossenen Fläche im Stadtteil Stühlinger zig Kleingärten, bei einer zweiten die als Naherholungsfläche sehr beliebten Dreisamauen und bei einer dritten die bereits als natürliche Ausgleichmaßnahme dienende Grünfläche einer Straßenbahn-Wendeschleife für Wohnbebauung geopfert werden. Auf einer Bürgerversammlung im Stadtteil Mooswald, kritisierten knapp dreihundert erboste Einwohner dieses Stadtteils massiv die vorgesehene Abholzung von 10 ha Mooswald  für die vierte Baufläche entlang einer vierspurigen Umgehungsstraße mit der riesigen Straßenkreuzung (Paduaallee/Elsässerstraße) . Einzig die Fläche “Längenloh” im Stadtteil Zähringen ist, zumindest soweit es die dortigen riesigen Parkplatzflächen betrifft, einigermaßen unstrittig.

Die Freiburger Bürger fragen sich zurecht, was für eine “Perspektive” das sein soll, die ihnen ihre Kleingärten, Naherholungsgebiete und Wälder nimmt. Viele Bürger haben sich von der Mitarbeit beim Perspektivplan zurückgezogen, weil sie offensichtlich nur als Alibi-Beteiligte dazu dienen sollen, die Bauwünsche der Stadt, eines Großteils des Gemeinderates und der Bauträger zu legitimieren.

Ein Blick in die Beiträge auf dieser Homepage zu den Auftaktveranstaltungen zeigt, wie groß die Erwartungen an den Perspektivplan damals waren und wie groß die Enttäuschung darüber heute ist, dass von dem anfangs Gesagten (z. B. “auch Erhalt von Freiräumen und Grünflächen“ oder „Räume für das Stadtklima freihalten“ oder „bestimmte Quartiere schützen“) so gut wie nichts übriggeblieben ist. Einzig und allein die Suche nach Bebauungsflächen wurde realisiert. Dies war offensichtlich der einzige Zweck des “Perspektivplans” und nur eine vorgeschobene Alibi-Veranstaltung, unter dem Deckmantel einer sogenannten “Bürgerbeteiligung”. In Wirklichkeit stand das Ergebnis – mal wieder – vorher längst fest: Möglichst viele neue Bauflächen zu finden.

Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/zur-auftaktveranstaltung-perspektivplan/

Und: https://freiburg-lebenswert.de/perspektivplan-freiburg/

Und: https://freiburg-lebenswert.de/pressemitteilung-zur-bauflaechendiskussion/

Siehe auch in unserem Programm: https://freiburg-lebenswert.de/unser-programm/stadtentwicklung/

Eine der vielen Aufforderungen während der Perspektivplan-Veranstaltungen, seine Meinung abzugeben. Doch wo sind die Ergebnisse dieser Befragungen geblieben?
Eine der vielen Aufforderungen während der Perspektivplan-Veranstaltungen, seine Meinung abzugeben. Doch wo sind die Ergebnisse dieser Befragungen geblieben?




„Stadtteil Dietenbach ist nicht notwendig“

Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto: M. Falkner)
Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto:  M. Falkner)

Dass der neu geplante Stadtteil Dietenbach viel zu teuer werden wird und schon aufgrund der jetzigen Berechnungen ein Defizit von über 50 Mio. Euro aufweist, ist mittlerweile allgemein bekannt und wird auch von niemandem bestritte. Dass es dadurch unmöglich sein wird, den benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist auch klar und unbestreitbar. Nun kommt aber noch der Aspekt hinzu, dass die Grundlage für den errechneten Wohnflächenbedarf, der als Begründungsgrundlage dient, unrealistisch und offensichtlich “herbeigerechnet” ist.

In einem Schreiben an den Gemeinderat vom 24.09. und in einer Presseerklärung vom 26.09.2016 fordert die gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft ECOtrinova einen Stopp des städtebaulichen Wettbewerbs Dietenbach, um der Stadt unnötige Millionen-Kosten zu ersparen. Dietenbach, so der Verein, sei “nicht notwendig”. Der angebliche Bedarf für den Neubau des Stadtteils Dietenbach beruhe auf einer “seltsamen”, unrealistischen Berechnung, bei der Wohnflächen für alle in Freiburg jedes Jahr bis 2030 erhöht werden.

Dazu schreibt der Verein ECOtrinova:

„Gemeinderatsmehrheit und Stadt wollen den Neubaustadtteil Dietenbach bauen für den Luxus, die Wohnflächen pro Kopf für alle Freiburger bis 2030 um 18 mal jährlich um 0,2 qm zu erhöhen, also um 3,6 qm, für eine 4- Personen-Familie sind das rund 14 qm mehr oder typisch monatlich 140 Euro höhere Warmmiete. Wer kann das bezahlen?“

„Die Aufgabe, Wohnraum für eine wachsende Einwohnerschaft zu schaffen, umfasst nicht die Aufgabe, den Wohnraum pro Kopf für alle in Freiburg jährlich zu vergrößern. Gerade das haben jedoch Stadt und Gemeinderat zu einer entscheidenden Grundlage für den angeblichen Bedarf für Dietenbach gemacht“, so ECOtrinova-Vorsitzender Dr. Georg Löser.

Der Verein ECOtrinova riet dem Gemeinderat und der Stadt nun, den jährlichen Pro-Kopf-Wohnflächenzuwachs für alle Freiburger als Hauptgrundlage für Dietenbach abzuschaffen, den anstehenden städtebaulichen Wettbewerb für Dietenbach zu stoppen, die hohen Kosten zu sparen und sich auf die Alternativen zu konzentrieren. Weit über 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen würden sonst bei Dietenbach unnötig vernichtet, und es würde von der Stadt versucht, Landwirte zu enteignen für ein angebliches Gemeinwohl, das unter den von der Stadt angeführten Voraussetzungen gar nicht vorliege.

Siehe dazu: ECOtrinova Brief an Gemeinderat und OB zu Wohnflaechen und Dietenbach

Und: ECOtrinova zu Bedarfsnachweis Dietenbach

ECOtrinova e.V. ist eine Arbeitsgemeinschaft in Freiburg und Region ansässiger Umweltinstitute, Vereine, Fach-Büros und Bürger. Sie ist organisiert als ein gemeinnütziger kooperativer Verein für Umwelt- und Verbraucherschutz, Energie und Klimaschutz, insbesondere am südlichen Oberrhein.




Empfehlswerter Film: Die Stadt als Beute

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Ab Donnerstag, den 20. Oktober zeigt das Kommunale Kino den hervorragenden Film Die Stadt als Beute von Andreas Wilcke. Die Offenheit mit der Investoren, Makler und Bauherren über den skrupellosen Ausverkauf von Wohnraum in Berlin sprechen, lässt den Zuschauer fassungslos und bedrückt zurück. Obwohl hier Berlin im Mittelpunkt steht, ist die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und letztendlich danach, wem eine Stadt gehört und wer sie gestaltet auch in Freiburg hochaktuell. Der Film ist dabei ein brisantes, wichtiges Zeitdokument. (Text von: Florian Fromm, Kommunales Kino Freiburg e.V.)

Der Film läuft am 20. / 26. / 27. / 28. / 30. Oktober (Eintritt: 7 € / 5 €) im Kommunalen Kino (im Alten Wiehrebahnhof).

Infos und Vorbestellungen siehe unter:
https://www.koki-freiburg.de/filme/5729/die_stadt_als_beute

Hier außerdem zwei interessante Beiträge aus Print und Fernsehen über diesen außergewöhnlichen Film:

ttt, Titel–Thesen–Temperamente, ARD:
https://vimeo.com/179827260

und Süddeutsche Zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-stadt-als-beute-im-kino-wenn-investoren-dreckig-lachen-1.3142244

Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.
Zugebaute Stadt: Hier in der Elsässer Straße.




Alternativen zur Bauwut

plakat_alternativen-zur-bauwut_28-09-2016Die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) lädt ein zu einer Vortragsveranstaltung und Diskussion unter dem Titel “Alternativen zur Bauwut” mit einem Vortrag und einer Buchpräsentation des Autors und Bauexperten  Daniel Fuhrhop, der sein Buch „Verbietet das Bauen“ präsentieren und auch sein neues Buch “Die Willkommensstadt” präsentieren wird.

Termin ist der 28. Sept. 2016 um 19.00 Uhr im Fritz-Hüttinger-Haus im Stadtteil Mooswald (neben der „Mooswaldbierstube“, Am Hägle 1/Ecke Elsässer Straße). Der Eintritt ist frei. Über Ihr Kommen und Ihr Interesse würden wir uns sehr freuen.

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“Die Stadt als Beute”

Sehr sehenswert ist ein Dokumentarfilm, der derzeit in den Kinos läuft und den bezeichnenden Titel “Die Stadt als Beute” trägt. Der Filmemacher Andreas Wilcke beschreibt darin, wie die Bundeshauptstadt Berlin “zur Beute” von Investoren und Bauträgern wird.  Die Internetseite des Dokumentarfilms (www.diestadtalsbeute.com) beschreibt den Inhalt so:

“Von London bis New York gilt Berlin plötzlich als “the place to be“. Das weckt Begehrlichkeiten. Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit „zu Hause“ – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungsbestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf.

Andreas Wilcke hat diesen Vorgang vier Jahre lang durchleuchtet. Mit seiner Kamera ist er überall in der Stadt unterwegs; befragt die verschiedenen Akteure, begleitet Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei der Schnäppchenjagd und Mieter beim Gang durch die Institutionen. Der Zuschauer ist quasi live dabei, wenn im Zeitraffertempo eine ganze Stadt umgekrempelt wird.”

Die ARD-Sendung ttt hat dazu einen sehenswerten Beitrag ausgestrahlt: Siehe unter https://vimeo.com/179827260

Im Kommunalen Kino Freiburg läuft der Film am:
Donnerstag, 20.10.2016 um 21:30 Uhr
Mittwoch, 26.10.2016 um 21:45 Uhr
Donnerstag, 27.10.2016 um 19:30 Uhr
Freitag, 28.10.2016 um 19:30 Uhr
Sonntag, 30.10.2016 um 19:30 Uhr
siehe: https://www.koki-freiburg.de/filme/5729/die_stadt_als_beute

Auch der studentische AKA Filmclub in Freiburg zeigt den Film noch einmal im November.

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