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Anfrage zum Bauvorhaben Stefan-Meier-Straße / Sonnenstraße

Zum Bauvorhaben Stefan-Meier-Straße/Sonnenstraße hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 24. November 2021 folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) an OB Martin Horn bzw. die Stadtverwaltung gerichtet:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Anwohner und Naturschützer haben sich bei einer Vor-Ort-Begehung bezüglich des Bauvorhabens Stefan-Meier-Straße 131 erneut Gedanken gemacht, wie einerseits das Bauvorhaben umgesetzt werden kann und wie andererseits sowohl die Rotbuche als auch die dortigen Eiben erhalten werden können. Dabei kam der folgende Vorschlag aus der Anwohnerschaft. Im nördlich an das Baugrundstück anschließenden Gebäude des Finanzamtes Freiburg Land besteht bereits eine Tiefgarage. Deren Zufahrtsrampe befindet sich unmittelbar neben dem Baugrundstück. Von der Rampe gehen die Stellplätze links ab. Rechts befindet sich nur die Fundamentmauer. Wenn nun durch diese Fundamentmauer ein Durchbruch gemacht würde, könnte der Bauherr seine Tiefgarage über die Zufahrt des Finanzamtes erschließen. Diese Zufahrt besteht aus einer Ein- und einer davon getrennten Ausfahrtsrampe, ist also sehr komfortabel angelegt. Hinzu kommt, dass der Bauherr sich eine eigene Rampe in seine Tiefgarage und damit Kosten spart und der damit freiwerdende Platz für zusätzliche Stellplätze genutzt werden könnte. Alle vom Bauherrn beantragten Stellplätze könnten problemlos Platz finden. Die Tiefgarage könnte dennoch schmaler gebaut werden, wodurch der gesamte Grünstreifen mit Rotbuche und Eiben erhalten werden könnte. Eine solche gemeinsame Zufahrtslösung gibt es bei einer Reihe von benachbarten Tiefgaragen, beispielsweise gerade in der Heinrich-von-Stephan-Straße 21 umgesetzt.

Hierzu meine Frage:

Wurde diese naheliegende und alle Interessen berücksichtigende Lösung bereits mit dem Bauherrn und dem Finanzamt erörtert bzw. wird sich die Stadt für diese Lösung einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)




Rotbuche Baum des Jahres 2022

Als erste Baumart wurde die Rotbuche zum zweiten Mal von der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung zum Baum des Jahres gekürt. Mit dieser Auszeichnung wird der Wert eines Baumes in der Gesellschaft hervorgehoben. „Die letzten Jahre haben allen Wald-, Stadt- und Parkbäumen stark zugesetzt. Auch der Zustand der Altbuchen ist kritisch“, so der Präsident der Stiftung.

Diese prächtige Rotbuche in der Sonnenstraße soll der Bebauung weichen (Foto: K. U. Müller).

In Freiburg soll nun ein prächtiges Exemplar dieses Baums des Jahres einem Bauvorhaben zum Opfer fallen. Und zwar in einem Innenhof in der Sonnenstraße in Herdern. Der Baum hat laut Anwohner einen Stammumfang von 2,40 Metern und würde damit unter die Baumschutzsatzung fallen. Die Anwohner sind empört. Auf der einen Seite rede die Stadtverwaltung von Klimaschutz und mehr Grün in der Stadt, dann aber werde doch wieder ein bestehendes Kleinbiotop zerstört. Auch FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler hat sich bereits bei der Stadt eingeschaltet. Diese sieht jedoch keine rechtliche Handhabe, die Fällung zu verhindern.

Tatsächlich könnte der Baum erhalten bleiben, würde der Bauherr deutlich kleiner planen, sowohl beim Wohngebäude als auch bei der Tiefgarage. „Ein klassischer Zielkonflikt“, so der Bauherr, durch die Verkleinerung würde schließlich weniger Wohnraum entstehen. Ein Gutachter habe zudem bestätigt, dass der Baum ohnehin eingehen würde.

Freiburg Lebenswert setzt sich mit Nachdruck für eine Verbesserung der Baumschutzsatzung ein. Baumschutz muss in Zeiten der Klimakrise und des dramatischen Artenschwundes dem Baurecht unbedingt vorgehen. Ein Baum dieses Ausmaßes erzeugt so viel Kühlung wie 10 Klimaanlagen, zudem bietet er Lebensraum für etliche Tierarten. Der angeführte Zielkonflikt ist bei marginalem Wohnraumgewinn lediglich vorgeschoben, dem Bauherrn geht es vor allem um Profitmaximierung. Und die Aussage, der Baum sei nicht mehr zu retten, muss doch stark bezweifelt werden; wenigstens ein neutraler Gutachter sollte noch hinzugezogen werden.

Klima- und Artenschutz sind manchmal sogar zum Nulltarif zu haben, dazu müssen nur bestehende Biotope erhalten bleiben. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt endlich Maßnahmen ergreift, um solchen Eingriffen in Zukunft rechtlich begegnen zu können.