Verhalten am Platz der Alten Synagoge

Innerstädtische Freiräume sind von erheblicher Bedeutung für das Befinden der Bürgerinnen und Bürger: Orte der Begegnung, der Erholung, der Weite in einer eng bebauten Stadt, der Offenheit in diesem architektonischen, aber auch im übertragenen Sinn; und nicht zuletzt als klimatisch stabilisierende Zone.

Der Platz der Alten Synagoge wäre bestens geeignet, diese Funktionen zu erfüllen. Die genannten Kriterien sind dort durchaus gegeben – bis auf die für das Klima abträgliche Gestaltung mit einer großen Fläche reflektierender Steinplatten. Deren negativer Einfluss war im Vorhinein klar absehbar, desgleichen der triste Gesamteindruck. Nach einem Jahr werden weitere Probleme erkennbar: die Beschädigungen durch Skateboards und Graffiti sowie vor allem der Müll.

Plakat aus der Schweizer Gemeinde Horgen (Foto: Prof. Klaus Rückauer)

Die Freizügigkeit des Aufenthalts auf einem solchen Platz wird leider von manchen missverstanden. Noch immer sollte es selbstverständlich sein, dass Kaffeebecher oder Verpackungen unaufgefordert im vorgesehenen Eimer entsorgt und Kaugummis oder Zigarettenstummel nicht achtlos auf den Boden geworfen
werden. Die Freiheit des Bürgers findet ihren Ausdruck nicht in solchem Verhalten, und umgekehrt muss die Erwartung an den Respekt vor Anderen und vor Regeln keineswegs als Einschränkung der Persönlichkeitsrechte gesehen werden. Immerhin gelingt selbst den teuren Spezialgeräten die Reinigung der Platten nicht. Hier wirkt sich Rücksichtslosigkeit Einzelner zum großen Nachteil für die Allgemeinheit aus. Gleichartig sollte ein natürliches Empfinden dafür bestehen, dass Bierkästen, die zum Kühlen in das den Grundriss der Synagoge symbolisierendeBecken abgestellt werden, eine grobe Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des Pogroms darstellen.

Es braucht wiederholte Appelle an die Öffentlichkeit, und leider braucht es auch deutlich vermehrt das freundlich lenkende Eingreifen des Vollzugsdienstes. Sollte dies erfolglos sein, müsste die erforderliche Verhaltensänderung durch wirksame Maßnahmen gefördert werden.

Beitrag für das Freiburger Amtsblatt von Stadtrat Prof. Klaus Rückauer




Gegen Umbenennung des “Platzes der alten Synagoge”

Bei der vom Oberbürgermeister Dieter Salomon befürworteten Frage zur Umbenennung des “Platzes der alten Synagoge” in “Platz der zerstörten Synagoge” schließt sich Freiburg Lebenswert (FL) der Stellungnahme der ARGE Freiburger Stadtbild an und lehnt eine Umbenennung ab. Die ARGE Stadtbild hat ihr Votum in einer Presseerklärung vom 06.08.2017 wie folgt begründet:

“Die alte Synagoge steht nicht mehr. Sie ist den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Auch nach dem Krieg ist in Freiburg vieles zerstört worden. Warum soll jetzt dieser Platz umbenannt werden? Jeder und jedem ist klar, dass die Synagoge zerstört wurde und der Name steht auch dafür. Er verschleiert nichts, jedem ist klar, dass sie nicht mehr ist. Wozu eine Umbenennung – und gegen den Wunsch der Israelitischen Gemeinde? Es gibt für die Stadt genügend Felder, in denen sie Zeitgefühl zeigen kann. Dieses ist ungeeignet.”

Auch die beiden jüdischen Gemeinden hatten eine Umbenennung ausdrücklich abgelehnt. Und auch  die Universität, die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine (AFB) sowie im Übrigen auch die Fraktion Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) hatten sich schon entsprechend geäußert.

Postkarte der Synagoge von Freiburg, um 1900 (Foto: Unbekannt – www.alt-freiburg.de)

Die Umbenennung würde den Begriff “Synagoge” als jüdisches Gebetshaus, in fataler Weise für immer mit dem Negativbegriff der “Zerstörung” in Zusammenhang bringen. Dies wäre genau das falsche Signal und kann nur als unerträglich empfunden werden in einer Zeit, in der Skrupel zu verschwinden drohen und Antisemiten sich in erschreckender Weise wieder ermutigt fühlen, ihre menschenverachtende Gesinnung an die Öffentlichkeit zu tragen.

Gefundene Mauerreste der Synagoge (Fotos: Dr. W. Deppert)




Der neue Backofen von Freiburg

Freiburg aus der Vogelperspektive mit dem neuen “Platz der Synagoge” (Foto: K.-H. Krawczyk)

Das bisher nur von OB und BZ so hoch gepriesene “neue Zentrum der Stadt” wird wohl eher der neue Backofen der Stadt werden. Die großen Befürchtungen von Fachleuten, Klimaexperten und Freiburger Bürgern haben sich bisher und werden sich leider wohl weiter bewahrheiten: Der völlig mit Granit- und Gneisplatten ausgelegte  Platz, ohne Grün (außer ein paar weniger verbliebener Bäume) wird nicht zur Abkühlung des aufgeheizten Stadtklimas beitragen. Und das kann man durchaus im doppelten Sinnes des Wortes verstehen…!

Schon nach wenigen Tagen ist der Platz mit Müll verdreckt und die Wärme staut sich, wie in einem Backofen. Bereits am 18.06.2014 hatten wir berichtet, wie  der geplante Umbau des Platzes der Alten Synagoge in der Presse “aus stadtökologischer Sicht” von allen Seiten als “Unsinn” bezeichnet wurde. Da die Entscheidung bereits gefällt sei, könne “diesen Irrsinn” – so der “Freiburger Wochenbericht” damals sinngemäß – nun leider nicht mehr aufgehalten werden (siehe: https://freiburg-lebenswert.de/irrsinnige-neugestaltung).

Der zugeplasterte und zubetonierte neue Platz der Synagoge (Foto: K.-H. Krawczyk)

Anlässlich einer Unterschriftensammlung gegen die Umwandlung des „Platzes der alten Synagoge“, hatte Herr Prof. Dr. Johann Georg Goldhammer im Juli 2014 in einem Leserbrief an die Badische Zeitung (BZ) geschrieben:

 “Der Klimawandel beschert uns bereits jetzt extreme Witterungsereignisse in Form von extremen Trockenzeiten, Hitzewellen und Starkniederschlägen. Die Reaktion der Stadtverwaltung unter dem Regime eines „grünen“ Oberbürgermeisters, in einer Koalition von Verwaltung, Politik, Unternehmen und lokalen Medien, ist Nachverdichtung und damit der zunehmender Wegfall dringend benötigter Grünflächen in der Stadt, und seien Sie noch so klein. Und das Spielen mit stadtarchitektonischen Experimenten, die der Stadt Freiburg das nimmt, was ihre Originalität und bis vor kurzem auch noch vorhandene Liebens- und Lebenswürdigkeit ausmachte, stößt nicht nur in Freiburg, sondern auch bei „Freunden Freiburgs“ außerhalb Freiburgs und weltweit auf Unverständnis.” (siehe den ganzen Leserbrief unter: https://freiburg-lebenswert.de/keine-chance-fuer-die-vernunft)

Erinnert sei auch an den Vorschlag von Freiburg Lebenswert vom Juli 2014, den unser Mitglied Herr Zipsin ausgearbeitet hatte: siehe

Neuvorschlag für den „Platz der Synagoge“




Alte Synagoge – Rede von Dr. W.-D. Winkler

15.11.2016

Logo_Fraktion_FL_FF

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zunächst vielen Dank, Herr Oberbürgermeister, dass Sie der in der Hauptausschusssitzung am 7.11. geäußerten Bitte meiner Fraktionskollegin Schrempp nach einer Zusammenstellung der chronologischen Abläufe zum Platz der alten Synagoge nachgekommen sind. Allerdings war die gestrige Übermittlung der Chronologie natürlich sehr kurzfristig und es ist für uns unverständlich, dass dieses Papier nichtöffentlich ist. Nach diesem Papier ist aber festzuhalten, dass die gesamte Planung des Platzes der Alten Synagoge in enger Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde in Freiburg erfolgte.

Ebenso wurde auf Hinweis meiner Fraktionsgemeinschaft hin der Landesehrenrabbiner Soussan um eine Stellungnahme gebeten, weil die insbesondere von Frau Katz und vielen Email-Schreibern vorgetragenen Einlassungen eher emotionaler Natur denn religiös fundiert einzuschätzen waren. Wobei wir für die Emotionen angesichts des grauenhaften geschichtlichen Hintergrunds völliges Verständnis haben. Aber auch vom Landesrabbiner und beim gestrigen Gespräch des Oberbürgermeisters mit dem Vorsitzenden des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Herr Suliman, erfolgte erneut der Hinweis, dass eine Synagoge kein sakraler Bau ist und die aufgefundenen Fundamentsteine somit keinen herausragenden religiösen Bezug haben.

Überrascht hat mich als Physiker, dass man nicht im Vorfeld durch die vorgenommenen Ultraschall- und Georadaruntersuchungen die ja nicht weit unter der Oberfläche befindlichen Fundamente erkennen konnte, wodurch wir erst in die jetzige unglückliche Situation kamen. Und was uns weiterhin irritierte ist, dass man angesichts der hohen Emotionalität bezüglich dieser Steine nicht mehr Sensibilität bei der Abtragung hat walten lassen. Sie können wieder und wieder erzählen, Herr Oberbürgermeister, dass bei der Bergung der Steine lauter denkmalschützerische Fachleute zum Einsatz kamen, die den Steinen auch den nötigen denkmalschützerischen Respekt erwiesen. Das von Frau Katz und Herrn Schwartz aufgenommene und im Internet kursierende Dokumentarfilmchen lässt leider einen anderen Schluss zu. Vor allem dient das an den Tag gelegte Verhalten der Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes nicht gerade der Deeskalation.

Fazit ist aber, dass es auch unter den jüdischen Beteiligten und in der Freiburger Bevölkerung keine einheitliche Meinung dazu gibt, wie nun mit den aufgefundenen Fundamentresten verfahren werden soll. Damit liegt sozusagen die Entscheidungshoheit wieder beim Gemeinderat. Aber egal, wie wir als Stadträte entscheiden, wir können nur verlieren, weil wir von der einen wie von der anderen Seite Prügel beziehen werden. Freiburg Lebenswert/Für Freiburg hat ja in den letzten Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass uns ein weitgehend pflanzenfreier Platz der Alten Synagoge schon aus klimatischen Gründen ein Dorn im Auge ist. Allerdings sind wir nun pragmatisch genug, dass wir den nun einmal beschlossenen Weg der Platzgestaltung nicht wieder neu aufrollen wollen. Wir halten die vom Landesdenkmalamt vorgeschlagene Sicherung der Fundamentreste im Boden für sinnvoll und sind für alle Lösungen offen, was mit den überstehenden und nun abgetragenen Fundamentsteinen geschehen soll. Insbesondere jedoch halten wir einen Brunnen oder besser Wasserfilm mit seinem ruhigen Dahingleiten in den Grundrissen der zerstörten Synagoge für ein sehr angemessenes Bild, um der jüdischen Freiburger Opfer des Nationalsozialismus würdig zu gedenken.




Anfrage von FL/FF zu Mauerresten der Synagoge

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Bezüglich der Frage, was mit den Mauerresten der alten Synagoge geschehen soll, wurde korrekterweise die Jüdische Gemeinde Freiburg zu Rate gezogen. Diese wird zwar vertreten durch die Vorsitzende, Frau Katz, die aber keinen geistlichen Vorstand darstellt. Wir sehen ein Problem in der Tatsache, dass unter der Naziherrschaft die damalige Gemeinde nicht aus der alten Synagoge mit allen Thorarollen usw. ausgezogen ist und die Synagoge somit keine heilige Stätte mehr war, sondern diese wurde mit allen heiligen Gütern verbrannt. Das verkompliziert den Sachverhalt, der ohne die Einschaltung eines Rabbiners nicht zu klären ist. Unseres Wissens wurde aber kein Rabbiner hinzu gezogen, der allein eine Aussage über einen religiösen Hintergrund machen könnte. Da die Freiburger Jüdische Gemeinde derzeit keinen Rabbiner angestellt hat, hätte die Möglichkeit bestanden, den langjährigen Freiburger Rabbiner Soussan zu kontaktieren, der in Kirchzarten wohnt.

Dazu stellen wir folgende Fragen: Ist es richtig, dass zur Klärung dieser Frage kein Rabbiner hinzugezogen wurde? Wenn dem so ist, warum wurde die Expertise eines Rabbiners nicht eingeholt?

Hier die Anfrage im Wortlaut:
Anfrage zu Mauern derSynagoge vom 24.10.2016

Gefundene Mauerreste der Synagoge (Fotos: Dr. W. Deppert)
Gefundene Mauerreste der Synagoge (Fotos: Dr. W. Deppert)

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Auf die oben genannten Anfrage der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) hin hat sich die Stadt offensichtlich doch noch mit dem Rabbiner Benjamin Soussan in Verbindung gesetzt, wie aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung, die am 27.10.2016 veröffentlicht wurde, hervorgeht. Offenbar hat OB Salomon persönlich die Anregung von FL/FF aufgegriffen und das Gespräch geführt (siehe unten den Link zu seiner Antwort auf die oben genannte Anfrage von FL/FF).

In der Pressemitteilung der Stadt heißt es unter anderem:

“Die Stadtverwaltung hat sich unterdessen beim ehemaligen Landesrabbiner und langjährigen Rabbiner der jüdischen Gemeinde Freiburg, Benjamin Soussan, rückversichert. Seiner Meinung nach bestehe keinerlei religiöser Grund, die Steine zu erhalten, allerdings sollte man, angesichts der Zerstörung der Synagoge durch die Nazis ihr in angemessener und ehrwürdiger Form gedenken, wie es die Stadt mit dem geplanten Brunnen ja auch vorhat.”

Andererseits steht dort auch der Satz:  “Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege hat die Fundstücke dokumentiert und vermessen und kam zu dem Ergebnis: ‘Es handelt sich hier um ein erhaltungswürdiges Kulturdenkmal.'” Warum dann also kein sichtbarer Erhalt, wie jetzt von der jüdischen Gemeinde und ursprünglich auch von Freiburg Lebenswert gefordert?

Das Votum der jetzigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde nun völlig zu ignorieren ist mindestens sehr problematisch — unabhängig davon, ob andere bzw. frühere Mitglieder der Gemeinde eine andere Meinung vertreten oder vertreten haben.

Hier die ganze Pressemitteilung der Stadt im Wortlaut:
27.10.16 PM Platz der alten Synagoge

Sowie hier die persönliche Antwort von OB Dieter Salomon vom 28.10.2016 auf die oben genannte Anfrage von FL/FF:
Antwort Platz der alten Synagoge 28.10.2016

Postkarte der Synagoge von Freiburg, um 1900 (Foto: Unbekannt - www.alt-freiburg.de)
Postkarte der Synagoge von Freiburg, um 1900 (Foto: Unbekannt – www.alt-freiburg.de)




Wichtige Entscheidungen im Gemeinderat

Im Gemeinderat von Freiburg sind am 7. Oktober 2014 wichtige Entscheidungen gefallen. Unter anderem zu diesen Themen:

Zum Kommunalen Ordungsdienst (KOD)

Der bereits in der vergangenen Legislaturperiode gefällte Beschluss zur Einführung eines KOD, der der Deescalation und Beruhigung der Innenstadt dienen sollte,  wurde wieder gekippt. Freiburg Lebenswert (FL) hatte sich immer für die Bewohner der Innenstadt eingesetzt und wollte deshalb dem KOD die Chance geben, die unhaltbaren Zustände – nicht nur am Augustinerplatz – zu entschärfen. Diese Chance wurde nun leider vertan.

Unser Faktionskollege, Prof. Klaus Dieter Rückauer (Für Freiburg), hat dazu im Gemeinderat einen bemerkenswerten Redebeitrag geleistet, den unsere FL-Vorsitzende mit einem zweiten Redebeitrag ergänzt hat: Redebeitrag von Gerlinde Schrempp  zum KOD.

Zur Umbenennung des SC-Stadions

Der SC Freiburg hat die Namensrechte am Dreisam-Stadion an ein Konsortium vergeben, in dem unter anderen auch die städtische Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM) sowie die Werbegemeinschaft Schwarzwald Tourismus GmbH, in der zahlreiche schwarzwälder Gemeinden vertreten sind. Freiburg Lebenswert kritsiert diese, aus ihrer Sicht unzulässige Querfinanzierung eines Profiklubs aus Steuermitteln.

Unser Fraktionsvorsitzender Dr. Wolf-Dieter Winkler hat dazu eine sehr fundierte Rede im Gemeinderat gehalten, die wir hier ebenfalls dokumentieren möchten: Redebeitrag von Dr. Wolf-Dieter Winkler zum Schwarzwaldstadion.

Außerdem standen in der Gemenderatssitzung Entscheidungen an zum Car-Scharing-Konzept der Stadt an, zu dem sich Gerlinde Schrempp im Gemeinderat geäußert hat (siehe: Redebeitrag von Gerlinde Schrempp zum Car-Sharing-Konzept) sowie zur  Umgestaltung und Stadtbahn Rotteckring. Unser Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk hat die Gelegenheit genutzt in diesem Zusammenhang noch einmal auf die schlimmen Folgen bei der Neugestaltung des “Platzes der alten Synagoge” hinzuweisen: Redebeitrag von Karl-Heinz Krawczyk zum Platz der Alten Synagoge.

Alle Beschlüsse und Tagesordnungspunkte der Sitzung im Gemeinderat vom 7. Oktober siehe unter: http://www.freiburg.de/pb/,Lde/694962.html




Kritik an BZ-Glosse

Einige Leserbriefe haben sich sehr kritisch mit Arneggers Glosse in der Badischen Zeitung (BZ) auseinandergesetzt. Am 25.08.2014 sind in der BZ gleich drei Leserbriefe erschienen, die sich mit Arneggers Anspielungen auf Freiburg Lebenswert (FL) kritisch auseinandersetzen: Ein Beitrag von Ulrich Glaubitz (“Damit haben Sie sich ins PR-Management der Mächtigen begeben”), einer von Horst Dieter Akermann (“In der Wortwahl total vergriffen”) und einer von Günter Neumaier (“Mit Entsetzen und größter Verwunderung habe ich den Artikel gelesen”)

Außerdem sind in der gleichen Ausgabe der BZ zwei Leserbriefe zu den Plänen der Neugestaltung des Platzes der alten Synagoge erschienen: Ein Beitrag von Ulrike Bause (“Einfach nur lebensfeindlich”) und einer von Hans Keppler (“Großer Bürgergarten mitten in der Stadt”).

Siehe: Leserbriefe in der BZ (PDF-Dokument)




Neuvorschlag für den „Platz der Synagoge“

Eine innerstädtische Parkanlage, statt einer Steinwüste!

Die freie Bürgerliste Freiburg Lebenswert möchte den beiliegenden Vorschlag ihres Mitglieds Klaus Zipsin für die Neugestaltung des „Platzes der alten Synagoge“ aufgreifen und der Öffentlichkeit als Anregung für ein Umdenken vorstellen. Herr Zipsin hat sich in bürgerschaftlichem Engagement Gedanken gemacht, Pläne und Zeichnungen gefertigt, die zu beachtenswerten Ergebnissen geführt haben. Wir glauben, dass Sie Grundlage für einen notwendige Neuplanung des Platzes seien können.

Vorschlag zur Gestaltung des Platzes der alten Synagoge (Visualisierung: K. Zipsin)
Vorschlag zur Neugestaltung des Platzes der alten Synagoge (Visualisierung: K. Zipsin)

Es kann nicht sein, dass das Zupflastern des Platzes, den mittlerweile alle Experten, die meisten Gemeinderäte, die Studentenvertreter und vor allem die meisten Bürger Freiburgs als falsch und für die Stadt schädlich beurteilen, ungeachtet aller Bedenken zugelassen wird. So wurde z.B. jüngst im Freiburger Wochenbericht vom 18.06.2014 auf der Titelseite der geplante Umbau des Platzes der Alten Synagoge aus stadtökologischer Sicht als Unsinn bezeichnet. Da die Entscheidungen bereits gefällt seien, könne diesen Irrsinn – so der Wochenbericht sinngemäß – nichts mehr aufhalten.

Wir fragen uns bei so viel “Schildbürger-Streich”: Wer steht eigentlich hinter den bisherigen Plänen? Will man bewusst den Platz so gestalten, dass sich möglichst niemand dort aufhält? Damit Ruhe herrscht? Welche Rolle spielt z.B. die Universität? Die Bürger von Freiburg fragen sich aber vor allem: Wer kann diesen irrsinnigen Schildbürger-Streich noch verhindern? Wer hat endlich ein Einsehen und kann der Vernunft doch noch zum Erfolg verhelfen? Es kann doch wohl nicht sein, dass ein Beschluss, der nicht nur von Experten, sondern inzwischen von allen Seiten als unsinnig und für die Stadt als schädlich angesehen wird, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die Stadt ist Auftraggeber und muss eine, inzwischen als falsch erkannte Planung, nicht gegen alle Vernunft durchziehen.

Die immer wieder erhobene Behauptung, es habe ja eine Bürgeranhörung gegeben und die Vorschläge seien im Entwurf des Architekten Rosenstiel aufgenommen worden ist in diesem Zusammenhang sehr irreführend (vgl. BZ vom 22-07.2014 „Kampagne ohne Chance“). Die Verwaltung sowie die anwesenden Bürgermeister hatten zwar in der Veranstaltung im historischen Kaufhaus am 07.10.2010 mehrfach zur Bürgerbeteiligung aufgerufen, eingereichte Vorschläge wurden dann aber weder aufgegriffen, noch in der Öffentlichkeit oder im Gemeinderat zur Diskussion gestellt. Beteiligte Bürger, wie z.B. der Architekt und Archäologe Immo Beyer, empfanden eine solche „Bürgerbeteiligung“ als Alibiveranstaltung.

Mehr als eine planerische Anregung kann und will die nun vorgelegte Arbeit von Herrn Zipsin nicht sein. Dass barrierefreie Zugangswege fehlen, keine Sitzgelegenheiten erkennbar sind, die Straßenbahn möglicherweise in einem anderen Bogen fährt als eingezeichnet, ist ihm durchaus bewusst. Alle planerischen Details sieht er offen und deren Umsetzung den Fachleuten überlassen. Auch der hier nicht sichtbare Brunnen der Erinnerung an die Synagoge lässt sich durchaus mit dem Neuvorschlag verbinden.

Freiburg Lebenswert dankt Herrn Zipsin für seinen konstruktiven und sehr ansprechenden Neuvorschlag und möchte diesen hiermit gerne der Öffentlichkeit, dem Gemeinderat und den Verantwortlichen der Stadt vorstellen.

Hier der Vorschlag von Herrn Zipsin (PDF-Datei).




Keine Chance für eine vernünftige Lösung?

Zu den Beiträgen „Kampagne ohne Chance“ und „Wer wollte, der konnte“ in der Badische Zeitung (BZ) vom 22.07.2014, in denen es um die Unterschriftensammlung gegen die Umwandlung des „Platzes der alten Synagoge“ ging, hat Herr Prof. Goldhammer folgenden Leserbrief an die BZ geschrieben:

Die einmütigen Kommentierungen der BZ, der Stadtverwaltung und der „großen Fraktionen“ im Gemeinderat manifestieren leider zum wiederholten Mal ein fundamentales Problem der Stadtentwicklung von Freiburg. Das seit Jahren anhaltende, nahezu ungebremste Wachstum der Stadt, die Stadtplanung und Stadtgestaltung ignorieren eine längst eingetretene Zeitenwende. Der Klimawandel beschert uns bereits jetzt extreme Witterungsereignisse in Form von extremen Trockenzeiten, Hitzewellen und Starkniederschlägen. Die Reaktion der Stadtverwaltung unter dem Regime eines „grünen“ Oberbürgermeisters, in einer Koalition von Verwaltung, Politik, Unternehmen und lokalen Medien, ist Nachverdichtung und damit der zunehmender Wegfall dringend benötigter Grünflächen in der Stadt, und seien Sie noch so klein. Und das Spielen mit stadtarchitektonischen Experimenten, die der Stadt Freiburg das nimmt, was ihre Originalität und bis vor kurzem auch noch vorhandene Liebens- und Lebenswürdigkeit ausmachte, stößt nicht nur in Freiburg, sondern auch bei „Freunden Freiburgs“ außerhalb Freiburgs und weltweit auf Unverständnis.

Die Berichterstattungen der BZ und auch der Wochenzeitung „Der Sonntag“ (vom 20. Juli 2014) bringen es nicht fertig, unterschiedliche Positionen von engagierten Bürgern zu vermitteln. Hingegen tönt es in erstaunlichem Gleichklang, dass in Sachen Gestaltung des Platzes der Alten Synagoge der Zug abgefahren sei, weil man sich vor nahezu einem Jahrzehnt grundsätzlich für diese Gestaltung entschieden habe. Sie negieren nicht nur die vordringlich werdende Notwendigkeit, alte Planungen vor neuen Herausforderungen auch neu zu überdenken. Darüber hinaus spiegeln sie die Stadtentwicklungspolitik der letzten Jahren wider, sicher eher an den subjektiven Bedürfnissen einer „selbst ernannten Elite“ aus Politik, Unternehmern, Stadtplanern und Architekten zu orientieren, anstelle an objektiven Bedarfen einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Dies ist nicht nur zynisch und ignorant, sondern auch traurig. Vor allem die Passage (Zitat) „Dass nun junge Leute mit dem Pech der späten Geburt eine Diskussion, die seit genau zehn Jahren läuft, noch mal auf den Kopf stellen wollen, ist …. nicht opportun“. Voilà, wenn sich jüngere Einwohner der Stadt in der Stadtpolitik zu Wort melden, Stimmen und Mitstreiter mobilisieren, dann ist es unbequem für die „Eliten“. Öffentlich wird stets fehlendes Interesse der jungen Generation an Politik bemängelt. Nun meldet sie sich zu Wort, will verantwortlich mitgestalten – und schon wird sie an die Wand geklatscht.

Zusammenfassend: Viele Freiburger und Freunde Freiburgs von außerhalb der Stadt stehen der Entwicklungspolitik der Stadt kritisch gegenüber. Die Presse sollte diesen Dialog befördern. Ich persönlich möchte meinen Respekt für die Arbeit der in Freiburg neu entstehenden politischen und freien Gruppen zollen, die sich nicht an Bedürfnissen von Gruppen, sondern an Bedarfen der gesamten Stadt orientieren.

Prof. Dr. Johann Georg Goldhammer

Siehe dazu den Beitrag in der Badischen Zeitung




Irrsinnige Neugestaltung

Im aktuellen Freiburger Wochenbericht vom 18.06.2014 wird auf der Titelseite der geplante Umbau des Platzes der Alten Synagoge aus stadtökologischer Sicht als Unsinn bezeichnet. Da die Entscheidungen bereits gefällt seien, könne diesen Irrsinn – so der Wochenbericht sinngemäß – nichts mehr aufhalten.

Wir fragen uns bei so viel “Schildbürger-Streich”: Wer steht eigentlich hinter diesen Plänen? Will man bewusst den Platz so gestalten, dass sich möglichst niemand dort aufhält? Damit Ruhe herrscht? Welche Rolle spielt also die Universität?

Die Bürger von Freiburg fragen sich nun: Wer kann diesen irrsinnigen Schildbürger-Streich noch verhindern? Wer hat endlich ein Einsehen und kann der Vernunft vielleicht doch noch zum Erfolg verhelfen? Es kann doch wohl nicht sein, dass ein Beschluss, der nicht nur von Experten, sondern inzwischen von allen Seiten als unsinnig und für die Stadt als schädlich angesehen wird, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.