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Anfrage zu Vorgartensatzung

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) hat am 27. April 2020 die folgende Anfrage (nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen) zum Thema „Vorgartensatzung“ für die Stadt Freiburg gestellt:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

laut Badischer Zeitung vom 2. Februar 2011 wurde die sogenannte Vorgartensatzung von der Stadtverwaltung Freiburgs aus finanziellen und personellen Gründen komplett von der Agenda gestrichen. Eine solche Satzung ist dazu gedacht, Vorgärten als nicht bebaute Flächen nach Maßgabe zu gestalten. Vorgärten sind dabei definiert als unbebaute Flächen, die zwischen der Grundstücksgrenze und der Baufluchtlinie der Gebäude liegen.

Aufgrund der Tatsache, dass es in Freiburg eine solche Satzung nicht gibt, ist es anscheinend möglich, einen Vorgarten komplett zu versiegeln und/oder mit Garagen/ Stellplätzen zu bebauen. In Zeiten des Klimawandels und des Insektensterbens ist dies einer Stadt, die sich als „Green City“ bezeichnet, unwürdig, da dringend benötigte Grünflächen vor den Häusern einer Bebauung zum Opfer fallen können.

In vielen Städten Deutschlands wurden Vorgartensatzungen erlassen, u. a. in Frankfurt, München, Oelde, Stralsund, Wiesbaden. Die Stadt Wiesbaden z.B. möchte damit den Stein-wüsten in den Vorgärten den Kampf ansagen (s. unten: ink). München rühmt sich damit, dass die Gestaltung von Vorgärten in ihrer Stadt eine besondere Tradition hat. Hier steht zu diesem Thema eine besondere Broschüre zur Verfügung (s. unten: Anhang).

Hierzu meine Fragen:

1. Was unternimmt die Stadt gegen eine komplette Versiegelung von Vorgärten?
2. Gibt es eine Vorgabe, der zufolge ein bestimmter Prozentsatz unversiegelt bleiben muss?
3. Gibt es angesichts des fortschreitenden Klimawandels Überlegungen in der Stadtverwaltung doch noch eine Vorgartensatzung in Freiburg einzuführen?
4. Sollte das Thema nicht in den entsprechenden Ausschüssen/im Gemeinderat behandelt werden?

Für eine baldige Beantwortung der Fragen bin ich Ihnen dankbar.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolf-Dieter Winkler (Stadtrat)

Link: https://merkurist.de/wiesbaden/trend-stadt-sagt-steinwuesten-in-wiesbadener-vorgaertenden-kampf-an_N6g (12.5.2019)

Siehe Anhang (PDF): Broschüre „Vorgärten in München“

Negativ-Beispiel Mehrfamilienhaus im Stockmattenweg 19, Eckhaus zur Tränkestraße:




Corona und Klimawandel

Innerhalb weniger Tage wurde weltweit gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben durch ein Virus massiv beeinträchtigt. Und man ist sich einig, dass das Leben nach Corona ein anderes sein wird als davor. Aber wie ist es denn beim Klimawandel? Auch das Leben nach dem Erreichen des Kipppunktes in wenigen Jahren, ab dem sich der Klimawandel selbst verstärken und damit unumkehrbar sein wird, wird ein anderes sein als davor. Nur wird sich dieser für Mensch und Natur zu einem immer weiter zunehmenden Höllentrip entwickeln.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

So erschreckend die Vorstellung von Millionen Tote durch Corona ist: Beim ungebremsten Klimawandel ist das Überleben der Menschheit an sich bedroht. Gegen das Virus werden einschneidende Maßnahmen ergriffen und Billionen € zur Bekämpfung ausgegeben. Dasselbe konsequente Dagegenhalten würde man sich beim weit gefährlicheren Klimawandel wünschen.

Dass das nicht passiert, liegt wohl an der unterschiedlichen Wahrnehmung im menschlichen Zeithorizont. Bei Corona sind es wenige Wochen, also eine relativ kurze Zeitspanne für uns Menschen, innerhalb derer uns die Auswirkungen erreichten. Beim Klimawandel dagegen waren es einige Jahrzehnte bis man nun die ersten unangenehmen Auswirkungen wahrnimmt.

Diesen Text hat FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler für das Amtsblatt der Stadt Freiburg eschrieben, das am 23.04.2020 erschienen ist.

Verbrannte Reasenflächen, ausgetrocknete Böden und Hitzewellen durch den Klimawandel und durch fortdauernde Flächenversiegelungen (Foto: M. Managò)



Subventionen, die den Klimazielen widersprechen

Ein schon am 29.2. in der Badischen Zeitung (BZ) erschienenes Interview mit dem Nachhaltigkeitsexperten Kai Niebert von der Universität Zürich ist zu Unrecht kaum beachtet worden. Wir möchten hier noch einmal drauf aufmerksam machen und das Interview zur Lektüre empfehlen. Es beschäftigt sich mit Zukunftsfragen in Bezug auf eine möglicherweise notwendige Verkehrswende, mit denen wir uns auch bei FL beschäftigen.

Einer
der Kerne des Interviews ist der folgende Aspekt:

„Der
deutsche Staat gibt schon heute jährlich 28 Milliarden Euro an
Subventionen aus, die den Umwelt- und Klimazielen widersprechen und
sozial fragwürdig sind. Dazu gehören Steuervergünstigungen für
Flüge, Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg oder
Dieselsubventionen. Der gesamte öffentliche Verkehr in Deutschland
kostet hingegen nur zwölf Milliarden Euro. Rund sechs Milliarden
Euro im Jahr steuern die Nutzer bei, die andere Hälfte trägt die
öffentliche Hand. Würde man die Dieselsubventionen und die
Pendlerpauschale abschaffen, hätte man zwölf Milliarden Euro im
Jahr zur Verfügung. Nimmt man sechs davon, könnte man den
öffentlichen Verkehr kostenlos gestalten. Weitere sechs Milliarden
wären für Investitionen übrig“.

Niebert
hält in dem BZ-Interview grundsätzlich auch einen kostenlosen
öffentlichen Nahverkehr in Deutschland für möglich. Luxemburg hat
dies gerade realisiert, was auch Anlass für das Interview der BZ mit
dem Nachhaltigkeitsexperten war. Dies müsste aber, so Niebert,
„zusätzliche
Investitionen in Elektrobusse, neue Gleise, mehr Züge und Trams“
zur Folge haben, was angesichts der derzeit existierenden
Investitionsstaus schwierig würde.

Siehe das ganze Interview in der BZ unter: https://www.badische-zeitung.de/nachhaltigkeitsexperte-haelt-kostenlosen-nahverkehr-in-deutschland-fuer-moeglich–183279246.html




Abriss und Neubau schadet dem Klima

In der NDR-Sendung „DAS!“ plädiert der Architekt und
Autor Daniel Fuhrhop zusammen mit der Hamburger Denkmalschützerin Kristina
Sassenschscheidt dafür, beim Thema Abriss und Neubau die Klimabilanz, in den
Blick zu nehmen. Die sogenannte „graue Energie“ wird regelmäßig nicht beachtet
und nicht berechnet, wenn es um den Abriss von Gebäuden geht, um Platz für
Neubauten zu schaffen. Würde man das tun, müsste man genauso wie beim Fahren
Benzinfressender Autos „Bauscham“ empfinden, statt Stolz auf den Neubau großer
Häuserblocks zu empfinden, so Daniel Fuhrhop. Denn der Verbrauch an Energie und
CO2 ist beim Neubau enorm hoch.

Siehe dazu aus der Sendung: DAS! vom 09.03.2020, Länge: 3 Min., verfügbar bis 09.06.2020: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Schadet-der-Bauboom-dem-Klima,dasx21128.html?fbclid=IwAR254MNLOFT0HHrdMYBsXBXXG78ypvUPUOhrPoLh7jUyudXbDpjLr2tqChU

Daniel Fuhrhop, der Autor des Buches „Verbietet das Bauen“, das bald in einer zweiten, erweiterten und überarbeiteten Neuauflage erscheinen wird, beschreibt die Klimasünde Neubau wie folgt: „Zwar kann man vermeintliche „Energiesparhäuser“ bauen, doch sollte man sich von dieser Bezeichnung nicht verwirren lassen: Energiesparhäuser sparen keine Energie, sie verbrauchen nur weniger Betriebsenergie (vor allem Heizenergie) als andere Häuser. In einer ganzheitlichen Lebenszyklusanalyse ergibt sich daraus aber, dass der größte Energieaufwand und die größte Treibhausgasemission durch das Bauen selbst entsteht, durch die Erstellung von Gebäuden. Darum gilt: Massiver Neubau ist massive Klimazerstörung!“

Siehe: http://www.verbietet-das-bauen.de/bauscham-klimaschutzgesetze-bauwut/?fbclid=IwAR0mgFKjKSI7knrS_X6StCfpzbZtxB-bNvvaYpYnObzU7_ldCJWyYfP4UY8

Auch der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat ein
radikales Umdenken beim Bauen gefordert und plädiert für eine
„Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten
Lebenszyklus“. So spricht der Präsident des BDA, Heiner Farwick, ganz deutlich
aus, was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die
Wachstumsfixierung der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘
angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben
können.“

Siehe dazu: „Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen!“
und: Bauen im Bestand ist wichtiger als Neubau

Der Klimaschutz ist zu einer Frage des Überlebens geworden! (Foto: Pixabay)



BDA fordert: „Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen!“

Auf die Aussagen des Präsidenten des Bundes der Deutschen Architekten (BDA) zu den Grenzen des Wachstums hatten wir vor einem halben Jahr schon einmal hingewiesen. In einem Interview mit der FAZ, das am 8. August 2019 erschienen ist, äußert sich Heiner Farwick unter der Überschrift „Umbau muss Vorrang vor Neubau haben“ über die Verantwortung der Architekten in Bezug auf ökologisches Bauen (siehe: https://freiburg-lebenswert.de/bauen-im-bestand-ist-wichtiger-als-neubau/).

„Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss.“

Der BDA hat dazu vor Kurzem auch sein Positionspapier
neu aufgelegt, das den Titel trägt:  „Das Haus der Erde – Positionen für eine
klimagerechte Architektur in Stadt und Land
“. Darin enthalten sind zentrale
Kernaussagen, auf die Freiburg Lebenswert (FL) seit seinem Bestehen immer
wieder hingewiesen hat. So zum Beispiel: „Der Traum vom ewigen Wachstum ist
geplatzt. Reduktion ist keine modische Attitüde, sondern
Überlebensnotwendigkeit. Ökologisches Umsteuern braucht Ideen und Kreativität.“
Außerdem fordert es eindringlich zur „Achtung des Bestands“ auf:

So steht in dem Positionspapier ganz deutlich
geschrieben: „Bauen muss vermehrt ohne
Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie
konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem
Abriss. Die „graue Energie“, die vom Material über den Transport bis zur
Konstruktion in Bestandsgebäuden steckt, wird ein wichtiger Maßstab zur
energetischen Bewertung sowohl im Planungsprozess als auch in den gesetzlichen
Regularien. Wir brauchen eine neue Kultur des Pflegens und Reparierens.“

Siehe hier das Positionspapier des BDA: https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2020/01/BDA-Positionen-für-eine-klimagerechte-Architektur-in-Stadt-und-Land.pdf

Diese Argumente werden jedoch in Freiburg immer noch negiert
und vergessen. Die Rechnungen werden immer ohne die angesprochene „graue
Energie“ gemacht. Weiterhin wird in Freiburg lieber abgerissen und neu gebaut,
weil die Bauindustrie und das viele Geld, das in Betongold angelegt werden
möchte, es so wollen. Und Stadtverwaltung, die Bürgermeister und eine überwiegende
Mehrheit im Gemeinderat folgen diesem Begehren. Auch die Diskussionen um den
neuen Megastadtteil Dietenbach und dessen Flächenverbrauch haben gezeigt, dass
man in Freiburg lieber auf Neubau setzt. Dabei waren die warnenden Stimmen seit
langem bekannt:

Schon vor zehn Jahren haben Architekten, Stadtplaner
und Ingenieure mit dem Klimamanifest „Vernunft
für die Welt
“ eine Selbstverpflichtung formuliert, um gemeinsam mit
Bauindustrie und Bauherren einen ökologischen Wandel im Planen und Bauen zu
erreichen (siehe dazu: www.klima-manifest.de). Der BDA
beklagt nun, dass nur äußerst wenig erreicht wurde und spricht von „mangelndem
Mut für eine radikale Änderung unserer Lebenswirklichkeit“.

„Der Traum vom ewigen Wachstum ist geplatzt. Reduktion ist keine modische Attitüde, sondern Überlebensnotwendigkeit.“

Die Forderungen zum Erhalt alter Bestandsgebäude sind also keine Partikularinteressen oder Träumereien einiger ewig Gestriger, wie zu Unrecht immer wieder behauptet wird, sondern es sind grundsätzliche, globale, ökologische Notwendigkeiten, um dem Klimawandel zu begegnen. Auch Fridays for future und die „Grünen“ in Freiburg müssten sich diese Forderungen von BDA und FL deshalb eigentlich zu Eigen machen. Hinzu kommt die – in Freiburg ebenso negierte – Warnung von Immobilienexperten und Wissenschaftlern, dass teurer Neubau (wie in Dietenbach) langfristig zu einer weiteren, zusätzlichen Verteuerung der ohnehin schon hohen Mieten führen wird.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.
Laut Sudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermöglicht teurer Neubau, angesichts der hohren Kosten, kaum bezahlbaren Wohnraum.



Rede im Gemeinderat zum Klima- und Artenschutz

Zu den Themen Klima-
und Artenschutzmanifest
(G-19/216) und Klimaschutzkonzept
(G-19/212) hat unser Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 10. Dezember 2019
im Freiburger Gemeinderat (zu den TOPs 7 und 8) folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

Im Freiburger
Nachhaltigkeitsbericht von 2014 steht unter dem Politikfeld 5 mit dem Titel
„Stadtplanung und Stadtentwicklung“ als erste Forderung folgendes:
„Schrittweise Reduzierung des Flächenverbrauchs im Außenbereich gegen Null“.
Gegen Null – ohne Wenn und Aber! Seltsamerweise steht davon in den folgenden
Berichten späterer Jahre wie z.B. dem von 2018 nichts mehr. Da sind dann unter
der derselben Ziffer nur noch unverbindliche Worthülsen wie „flächensparende
Entwicklung“ oder „effektive Flächenausnutzung“ zu finden.

Da hatte man
sich wohl 2014 zu weit aus dem Fenster gelehnt und in den folgenden Jahre dann
erschreckt festgestellt, dass man ja noch die Zähringer Höhe, Zinklern,
Dietenbach usw. bebauen will. Die im Sinne des Klima- und Artenschutzes wichtige
und dringende Forderung eines Flächenverbrauchs von Null im Außenbereich würde
ja der geplanten massiven Ausweisung von Bauflächen diametral entgegenstehen.
Also weg mit dieser lästigen Forderung nach null Flächenverbrauch!

Auch unter
dem Politikfeld 11 „Klima und Energie“ steht im Bericht von 2014 klar das Ziel
„Nutzung aller Potentiale für erneuerbare Energien“. Im Bericht 2018 steht dazu
nur noch das unverbindliche „wir verpflichten uns, der Verantwortung für
Klimaschutz, Energieeinsparung und der nachhaltigen Energieerzeugung
nachzukommen“. Der Verantwortung nachzukommen? Was soll denn dieses
„nachzukommen“ in seiner Unbestimmtheit bedeuten? Übernehmen wir nun die
Verantwortung für unser Tun oder nicht? Wollen wir nun alle Potentiale – und
die Betonung liegt auf alle – nutzen oder nicht? Auch hier ist wohl eher
Taktieren und Verhindern denn Aufbruch das erklärte neue Ziel.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Beispiel
SC-Stadion: Mein Vorschlag, auf ein herkömmliches teures Tribünendach zu
verzichten und stattdessen ein reines Solardach zu installieren, wurde von
allen Entscheidungsträgern einhellig abgelehnt. Nicht so in Schaffhausen (Man
braucht also gar nicht bis Antalya schauen). Dort hat man genau diesen
Vorschlag eines Solardachs auf dem dortigen Fußballstadion umgesetzt. Für das 8200
Zuschauer fassende Stadion hat dessen Dach eine 1,4 MWp-Anlage bekommen, die
jährlich ca. 1,3 Mio. kWh Energie liefert. Das ist 50 % mehr als für den
Gesamtenergiebedarf des Stadions für Elektrizität, Warmwasser und Heizung –
inklusive des integrierten Einkaufs- und Gewerbezentrums – benötigt wird. Sie
können sich nun überlegen, was das für das 4- bis 5-mal so große SC-Stadion
bedeutet hätte. 3 – 4 MWp wären als untere Grenze möglich gewesen. Allein mit
diesen 3 – 4 MWp hätte die Anlage so viel Nenn-Leistung gehabt wie zwei der
Windkraftanlagen auf dem Roßkopf und hätte mindestens 3 Mio. kWh Energie pro
Jahr geliefert. Nun feiert man sich in Freiburg, dass die – nach langem Zögern
– nun doch geplante größere Photovoltaik-Aufdachanlage auf dem Stadiondach wenigstens
1,5 MWp haben soll und die SC-Arena dann klimaneutral sein wird. Über so viel
Zurückhaltung und Bedenkenträgerei bei gleichzeitigem gegenseitigem
Schulterklopfen in Freiburg wird man in Schaffhausen sicher allenfalls müde
lächeln.

Meine Damen
und Herren, wenn wir weiterhin die ökologischen Ziele und Forderungen
verwässern, bis sie uns in den Kram passen, und wir durch unsere
Unentschlossenheit und Zurückhaltung – insbesondere bei der Energiegewinnung –
wertvolle Zeit verplempern und Machbares verhindern, dann werden wir die
Klimaneutralität nie erreichen. Da können wir so viele Manifeste verabschieden
wie wir wollen. Wenn, wie in der Vorlage beschworen, bei allen politischen
Entscheidungen des Gemeinderates der Klima- und Artenschutz vorrangig Berücksichtigung
finden soll, dann müssten wir beispielsweise sofort alle Bauvorhaben im
Außenbereich stoppen. Allein die Aufschüttungen für Dietenbach und für die
beiden zusätzlich notwendigen Regenrückhaltebecken, die zigtausende von
LKW-Fahrten verursachen werden, werden alle unsere Bemühungen nach
Klimaneutralität zunichtemachen. Und wie die Umweltverbände in Ihrem
Zusatz-Antrag zu diesem Manifest vor wenigen Tagen kritisch feststellen:

Zitat: „Ein Klimaschutzplan muss in Anbetracht der Lage wesentlich progressiver sein. Die Sicherung der Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen hat in Zukunft bei allen Entscheidungen der Stadt prioritär zu sein. Klimaneutralität ist in allen Bereichen, auf die die kommunale Gestaltungshoheit zugreifen kann, bis 2035 zu erreichen. Klima- und Artenschutz sind im Kern eine Gerechtigkeitsfrage und kein Ziel unter vielen!“ Zitatende. Dem ist von mir nichts hinzuzufügen!




„Bauscham“ für die Klimasünde Neubau

Anlässlich der Demonstrationen am kommenden Freitag, dem 20. September 2019, an denen in Freiburg auch viele Mitglieder von Freiburg Lebenswert (FL) aus tiefster Überzeugung teilnehmen werden, möchten wir hier einen Text unseres Freundes Daniel Fuhrhop als Diskussionsbeitrag veröffentlichen. Der Autor, Architektur- und Bauexperte plädiert darin für ein Maßhalten beim Bauen – so wie derzeit allseits für ein Maßhalten beim Fleischessen, beim Fliegen oder beim Kreuzfahrtreisen gefordert wird. In seinem Blog „Verbietet das Bauen“ schreibt er:

Wenn ab dem 20. September „fridays for future“ zu
Aktionstagen aufruft und die Bundesregierung über Klimaschutzgesetze
verhandelt, dann wird zweifellos wieder vom Fliegen geredet, von SUVs
und vom Fleischessen. Das spiegelt sich in Begriffen wie Flugscham,
und bei Websuchen findet man auch SUV-Scham und Kreuzfahrtscham.
Bisher fehlte allerdings #Bauscham: Niemand sollte stolz darauf sein,
gebaut zu haben – wegen des Klimas kann man sich dafür ebenso
schämen wie für Autofahren und Fleischessen.

Fridays-for-future-Demo in Freiburg am 24. Mai 2019 (Foto: Michael Managò)

Zum Sündenregister des Bauens zählt:

  • Der Abbau von Sand für die
    Betonherstellung zerstört die Natur, teilweise verschwinden Strände
    und ganze Inseln versinken.

  • Um Kies für Beton zu bekommen,
    werden Wälder abgeholzt, wie
    zum Beispiel nahe bei München
    geplant im Planegger Holz und im
    Forst Kasten.

  • Nicht zuletzt belastet die Betonherstellung das Klima
    durch die energieaufwändige Zementherstellung: Sie verursacht zwei
    Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen und acht Prozent der
    globalen, sagt der WWF in seiner aktuellen Publikation „Klimaschutz
    in der Beton- und Zementindustrie“ (online verfügbar, pdf
    öffnet direkt
    ).

Zwar kann man vermeintliche „Energiesparhäuser“ bauen,
doch sollte man sich von dieser Bezeichnung nicht verwirren lassen:
Energiesparhäuser sparen keine Energie, sie verbrauchen nur weniger
Betriebsenergie (vor allem Heizenergie) als andere Häuser. In einer
ganzheitlichen Lebenszyklusanalyse ergibt sich daraus aber, dass der
größte Energieaufwand und die größte Treibhausgasemission durch
das Bauen selbst entsteht, durch die Erstellung von Gebäuden. Darum
gilt: Massiver Neubau ist massive Klimazerstörung!

Deswegen ist nicht nur #Bauscham
angesagt, sondern #Bauverbot.
Das ist nicht so unrealistisch, wie mancher meinen mag, denn wir
haben bereits genug gebaut: im Jahr 2018 gab es sogar einen
#Bauüberfluss,
es entstanden in Deutschland mehr neue Wohnungen, als für Zuwachs
der Bevölkerung nötig gewesen wäre. Der Platz würde für alle
reichen, wenn wir das Wachstum beenden – auch das Wachstum der
Wohnfläche pro Person. Um Wohnraum zu schaffen, ist es das
klimafreundlichste, den unsichtbaren Wohnraum zu entdecken, etwa
ungenutzte ehemalige Kinderzimmer. Als Teil der Klimaschutzgesetze
brauchen wir darum ein Programm für Umbau, Umzugsmanagement und
Untermiete, um bestehenden Raum besser zu nutzen.“

Siehe:
http://www.verbietet-das-bauen.de/bauscham-klimaschutzgesetze-bauwut/?fbclid=IwAR0mgFKjKSI7knrS_X6StCfpzbZtxB-bNvvaYpYnObzU7_ldCJWyYfP4UY8

Siehe auch den Beitrag bei N-TV dazu: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bauen-schadet-Klima-wie-Autos-und-Fleisch-article21280049.html

Auch der Bund deutscher Architekten (BDA) hat ein radikales Umdenken beim Bauen gefordert und plädiert für eine „Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten Lebenszyklus“. So spricht der Präsident des BDA, Heiner Farwick, ganz deutlich aus, was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die Wachstumsfixierung der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben können.“

Siehe dazu: Bauen im Bestand ist wichtiger als Neubau

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spricht bei der Schülerdemo „Friday for future“ in Freiburg am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)



Möglichkeit zum Erhalt der bestehenden Bäume

„Ein Thema das gerade in der ‚Grünen Stadt‘ Freiburg
hohe Wellen schlägt: Baumfällungen in Zeiten des Klimawandels. Das soll ja für
neue Parkplätze am Eugen-Keidel-Bad passieren. Immer mehr Stadträte fordern
jetzt von Freiburgs Oberbürgermeister Horn, das Vorhaben zu überdenken.“ So schreibt
Baden-TV-Süd in der Ankündigung eines Beitrags vom 16. August 2019. Darin wird
unsere Pressemeldung „Baumfällungen in Zeiten des Klimawandels“ vom 10.08.2019
aufgegriffen und unser Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) kommt in einem
ausführlichen Interview zu Wort.

Siehe: https://baden-tv-sued.com/alternativen-gegen-abholzung-finden-trotzdem-parkplatzsituation-optimieren/

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) im Interview mit Baden-TV-Süd

Sie nimmt in dem Interview auch zu den speziellen Bedingungen beim Eugen-Keidel-Bad Stellung und schlägt konkrete Alternativen vor, die einen großen Teil der zur Fällung vorgesehen Bäume erhalten könnten. Denn die Fläche, die am Eugen-Keidel-Bad für den Parkplatz vorgesehen ist, wurde schon vor 30 Jahren an die Stadtbau verkauft. Bereits damals wurde die Aufforstung von gesetzlich vorgeschriebenen Ersatzflächen vorgenommen. Insofern ist die Abholzung der dort stehenden Bäume tatsächlich rechtlich korrekt, da die Fläche schon immer für eine Erweiterung des Keidel-Bads vorgehalten war.

Insofern sollte aus unserer Sicht nun überlegt werden,
welche anderen Stellplatzmöglichkeiten denkbar sind. So z.B. ein Parkhaus in
Leichtbauweise (siehe Fraunhofer-Institut Tullastraße oder
Diakoniekrankenhaus), da ein solches Parkhaus mehr Parkmöglichkeiten auf
engerem Raum ermöglichen würde und dies vielleicht weniger Bäume kosten könnte.
Die Stadtverwaltung kann hier sicher Vorschläge machen, wie ein Teil der
bestehenden Bäume auf diese oder ähnliche Weise erhalten werden kann.

Siehe dazu unsere Pressemitteilung: https://freiburg-lebenswert.de/baumfaellungen-in-zeiten-des-klimawandels/

Zur Information hier auch ein „Positionspapier“ der Freiburger Stadtbau bzw. Bäder GmbH mit weitergehenden Hintergrundinformationen. Es wurde „aufgrund der Vielzahl an Fragen bezogen auf die neuen Parkmöglichkeiten am Keidel Bad und den damit verbundenen Baumfällungen in Abstimmung mit der Stadtverwaltung“ und „zuständigkeitshalber auf Bitte des Oberbürgermeisters“ erstellt.

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2019/08/20190820_Positionspapier_Keidel-Bad-1.pdf




Baumfällungen in Zeiten des Klimawandels

Pressemitteilung vom 10 .08. 2019
(Siehe dazu auch die nachtträgliche Korrektur unten!)

Wieder
sollen in Freiburg Bäume in großem Ausmaß gefällt werden: Beim Eugen-Keidel-Bad
sollen für eine Erweiterung der Stellplatzanlage 190 Bäume gefällt werden und
für den Neubau der Staudinger-Gesamtschule sollen weitere 150 Bäume weichen. Insgesamt
ist das ein kleiner Wald von 340 Bäumen. In der Badischen Zeitung (BZ) steht
nun, dass „sachlich-rechtlich der Fall klar“ sei. „Soweit bekannt, lagen
und liegen die notwendigen Fällgenehmigungen der zuständigen Behörde vor.“

Siehe:
https://www.badische-zeitung.de/freiburg-naturschutzbeauftragte-warnt-vor-folgen-von-340-baumfaellungen-an-staudinger-gesamtschule-u

Gleich
auf der nächsten Seite derselben Ausgabe der BZ vom 9. August 2019 wird über
die Grünen berichtet: „Grüne wollen größere Anstrengungen der Stadt für
den Klimaschutz“. Was für eine Schizophrenie! Was haben diese Grünen denn
konkret dafür getan, Baumfällungen, die Bebauung von Grünflächen oder Ackerland
zu verhindern? Entgegen anderslautender Vermutungen in einem Leserbrief in der
BZ, sind es vor allem die Grünen, die massiv für die jüngsten Abholzungen
eingetreten sind.

Eigentlich
müssten wir doch alle wissen, welche Bedeutung Bäume für den Klimaschutz haben.
Die Warnungen zum Klimawandel, zum Landverbrauch, zur Zerstörung unserer
natürlichen Ressourcen sind eindeutig und unüberhörbar geworden. Eine
Klimakonferenz folgt der anderen und jedes Mal wird festgestellt, dass es kurz
vor 12 ist und dass man unter keinen Umständen so weitermachen darf. Jeder
müsse vor seiner Haustür beginnen! „Global denken und regional handeln“ lautet
ein beliebtes, richtiges und immer wieder zitiertes Motto. Und was macht
Freiburg? Genau das Gegenteil!

Auch
bezüglich der Bedeutung der Bäume gibt es mittlerweile eindeutige Studien und
Belege für deren Notwendigkeit im Hinblick auf eine bessere CO2-Bilanz. Eine viel
beachtete Studie der ETH Zürich hat aufgezeigt, dass Aufforstung der effektivste
Klimaschutz wäre. Doch was macht die angebliche „Green City“ Freiburg? Auch
hier und zum wiederholten Male genau das Gegenteil! Siehe: https://www.tagesschau.de/ausland/klimawandel-aufforstung-eth-101.html

Allerdings:
Für eine sehr große Anzahl der Besucher ist das Eugen-Keidel-Bad eine
therapeutische Maßnahme. Auch aus der weiteren Umgebung kommen viele kranke
Menschen ins Thermalbad nach Freiburg. Deshalb sollte nicht gegen eventuell
kranke Besucher, die mit eigenem Auto anreisen müssen, vorgegangen werden, sondern
überlegt werden, welche anderen Stellplatzmöglichkeiten man andenken kann. Die Stadtverwaltung
sollte vom Gemeinderat gebeten werden, Vorschläge zu machen, wie die
bestehenden Bäume bei gleichzeitiger Ausweitung der Parkmöglichkeiten größtenteils
erhalten werden können.

Nachträgliche Korrektur vom 13. 08. 2019
zur oben genannten Pressemitteilung:

Inzwischen haben wir von einigen neue Sachverhalte zum
oben genannten Artikel bezüglich Eugen-Keidel-Bad erfahren, die einige Aussagen
im Artikel und der Pressemitteilung relativieren, weshalb wir darüber an dieser
Stelle berichten möchten:

So haben wir erfahren, dass die Fläche, die am
Eugen-Keidel-Bad für den Parkplatz vorgesehen ist, vor 30 Jahren an die
Stadtbau verkauft wurde. Bereits damals wurde die Aufforstung von gesetzlich
vorgeschriebenen Ersatzflächen vorgenommen. Insofern ist die Abholzung der dort
stehenden Bäume tatsächlich rechtlich korrekt, da die Fläche schon immer für
eine Erweiterung des Keidel-Bads vorgehalten war.

Insofern sollte aus unserer Sicht nur überlegt werden,
welche anderen Stellplatzmöglichkeiten denkbar sind. So z.B. ein Parkhaus in
Leichtbauweise (siehe Fraunhofer-Institut Tullastraße oder
Diakoniekrankenhaus), da ein solches Parkhaus mehr Parkmöglichkeiten auf
engerem Raum ermöglichen würde und dies vielleicht weniger Bäume kosten könnte.
Die Stadtverwaltung kann hier sicher Vorschläge machen, wie ein Teil der
bestehenden Bäume auf diese oder ähnliche Weise erhalten werden kann.

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Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de
www.freiburg-lebenswert.de

Der Wert eines Baumes (Foto und Text: Conrad Amber)



FL unterstützt Fridays for Future und sagt „Ja“ zum Klimaschutz

Pressemitteilung
vom 20. Mai 2019

Mit den Aktionen, Zielen und
Forderungen der Schüler von Fridays for Future (FfF) sympathisiert Freiburg
Lebenswert (FL) grundsätzlich sehr. Der Klimaschutz ist von Anfang an im
Programm der Wählervereinigung verankert. Deshalb wandte sich FL schon frühzeitig
gegen eine Bebauung von Grünflächen und Kleingärten und hat sich als Fraktion
FL/FF im Gemeinderat als Einzige gegen die Bebauung des großen
Dietenbach-Areals ausgesprochen. Auch den Stadion-Standort im Wolfswinkel, an
dem die letzte große Abkühlfläche und der Magerrasen derzeit vernichtet werden,
hat die parteiunabhängige Bürgerliste FL unter anderem aus stadt-klimatischen
Gründen abgelehnt.

FL betont, dass „Global
denken und lokal handeln“ für sie keine Floskel ist. „Nun plötzlich haben alle
den Klimaschutz entdeckt. Alle anderen Fraktionen im Gemeinderat und
ausgerechnet auch Bündnis 90/Die Grünen, handeln hier in der Stadt aber genau
gegensätzlich. Hinsichtlich Dietenbach, Stadionstandort, Bebauen von
Grünflächen und Kleingärten etc. treffen sie äußerst klimaschädliche
Entscheidungen“, so Stadträtin Gerlinde Schrempp, Vorsitzende und
Spitzenkandidatin von FL.

Zu den Forderungen von FfF
sieht die Wählervereinigung im Einzelnen sicherlich noch Gesprächsbedarf, da
dies teilweise ja auch Maximalforderungen sind, die erheblichen Folgen haben
können. Betonen möchte FL allerdings, dass ihre grundsätzliche Sympathie dem
Engagement und den grundsätzlichen Zielen von FfF gilt. Sie verweist in dem
Zusammenhang auf ihre Slogans, die einige ihrer Kandidaten im Wahlkampf derzeit
plakatieren: „Lokal handeln, Klima schützen“, „Klimaschutz jetzt“ und
CO2-Ausstoß senken“. Verweisen möchte sie zudem auf die Reden, die Stadtrat Dr.
Wolf-Dieter Winkler für die Fraktion FL/FF im Gemeindetrat gehalten hat: siehe
dazu vor allem https://freiburg-lebenswert.de/zur-klimaschutzbilanz-in-freiburg/
und https://freiburg-lebenswert.de/einsatz-fuer-den-klimaschutz/.

Freiburg Lebenswert e.V.
Pressesprecher: Michael Managò
E-Mail: presse@freiburg-lebenswert.de

Das Dietenbach-Gelände ist für Ökologie, Stadtklima und Landwirtschaft wichtig (Foto: M. Falkner)
Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spricht bei der Schülerdemo „Friday for future“ in Freiburg am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)