Die Zahl der Sozialwohnungen schwindet weiter

„In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der
Sozialwohnungen fast halbiert. Auch im vergangenen Jahr gab es einen Rückgang“,
so schreibt die FAZ in einem Beitrag vom 14-08.2019 und bezieht sich auf eine dpa-Meldung.
„Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland“ so heißt es in dem Artikel
weiter „schrumpft weiter. Auch im vergangenen Jahr sind deutlich mehr Wohnungen
für Menschen mit geringem Einkommen weggefallen, als neu gebaut wurden. So gab
es zum Jahresende 2018 fast 42.500 Sozialwohnungen weniger als noch ein Jahr
zuvor, ein Minus von 3,5 Prozent. (…) Insgesamt wurden zum Jahreswechsel fast
1,18 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland vermietet.“

Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit und in der
Tatsache, dass die Sozialbindung nach einer festgesetzten Zeit (in der Regel
nach 30 Jahren) wegfällt. Seit den achtziger Jahren sind nur wenige
Sozialwohnungen neu gebaut worden. Somit fehlt es heute an Ersatz und die Zahl der
Sozialwohnungen hat sich in den vergangenen 15 Jahren etwa halbiert. Zwar würden
mit staatlicher Förderung heute wieder vermehrt solche Wohnungen gebaut, doch
das reiche längst nicht aus, um die Gesamtzahl konstant zu halten.

„Allein im vergangenen Jahr fielen der Statistik
zufolge bundesweit rund 70.000 Sozialwohnungen aus der Bindung, etwa 27.000
wurden neu gebaut“, so der FAZ-Bericht weiter. Rückläufig seien die Zahlen fast
in allen Bundesländern – so auch in Baden-Württemberg. Lediglich in Bayern und
Sachsen würden etwas mehr neue Sozialwohnungen gebaut, als alte aus der
Sozialbindung fallen.

Siehe: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/rueckgang-um-42-000-deutschland-hat-weniger-sozialwohnungen-16332499.html

FL ist gegen den Abriss von günstigem Wohnraum in Altbauten zugunsten teuererer Neubauten! (Foto: K. Langosch)




„Die Städte verstopfen und die Dörfer veröden“

Ja, auch Freiburg Lebenswert (FL) setzt sich für
bezahlbare Wohnungen in Freiburg – vor allem im Bestand – ein. Und: Ja, auch
wir haben schon Maßnahmen befürwortet, die die Mieten in Freiburg möglichst
niedrig halten sollen. Aber: Wir haben uns auch immer dafür eingesetzt, dass
Metropolen nicht auf Kosten der ländlichen Regionen wachsen. Nun bestätigt
diese zweite Aussage eine sehr interessante und lesenswerte Kolumne von Henrik
Müller bei SPIEGEL ONLINE. Er hält andererseits aber auch die erste Aussage,
Mieten künstlich niedrig zu halten, für falsch. Es lohnt sich, seine
Argumentation zu lesen und zumindest darüber zu diskutieren.

Die zwei zentralen Aussagen des promovierten Volkswirts
und Professors für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen
Universität Dortmund lauten: “Eine widersinnige Politik: Es ist absurd,
einerseits zu beklagen, dass gleichwertige Lebensverhältnisse nicht mehr
bundesweit zu gewährleisten sind, und andererseits jenen Preismechanismus außer
Kraft zu setzen, der genau dieser raumwirtschaftlichen Entwicklung
entgegenwirkt. (…) Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält,
verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte
diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.”

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier soll auf den letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs der Mega-Stadtteil Dietenbach entstehen.

Zu Recht beklagt Müller, was jeder weiß und auch alle
politischen Parteien beklagen: „Die Großstädte wachsen immer weiter, kleinere
Städte und ländliche Regionen verlieren Bevölkerung, und zwar teilweise
dramatisch.“ Er stellt aber auch fest: „Dass unter diesen Bedingungen Wohnraum
in den Metropolen knapp – und teuer – ist, und es zugleich Gegenden gibt, wo
Immobilien quasi wertlos sind, sollte niemanden verwundern.“ In einer
Untersuchung des Ifo-Instituts vom 12.06.2019 heißt es gar: „In einigen
ländlichen Regionen haben die Bevölkerungszahlen den Stand von Mitte des 19.
Jahrhunderts erreicht, mit weiter rückläufiger Tendenz.“ (siehe: https://www.ifo.de/publikationen/2019/aufsatz-zeitschrift/die-wucht-der-deutschen-teilung-wird-voellig-unterschaetzt)

Müller weist auf die Gesetze des Marktes hin: „Der wichtigste Wettbewerbsvorteil der kleineren Städte und des flachen Lands sind die niedrigeren Lebenshaltungskosten, vor allem günstiger Wohnraum. Aus der Perspektive dieser Gegenden sind steigende Mieten und Immobilienpreise in den Großstädten eine Chance. Dadurch erhöht sich ihre relative Attraktivität – für die ansässige Bevölkerung und für potenzielle Zuzügler.“ Diesem Dilemma, dass die Städte auf Kosten der ländlichen Räume wachsen, muss man sich stellen und kann es nicht als unabänderlich hinstellen.

Sehr idyllisch, natrverbunden, ruhig und vor allem bezahlbar, aber eben auch abgelegen – hier Gresgen im Schwarzwald (Foto: M. Managò)

Und er erinnert an ganz natürliche Gesetze, die in manchen
Metropolen und Boom-Städten wie Freiburg niemand hören will: „Hohe Mieten für
Metropolen-Zuzügler setzen deshalb die richtigen Anreize. Kein Bürger hat ein
Anrecht darauf, dort, wo er hinziehen möchte, billigen Wohnraum vorzufinden.
Junge, gut ausgebildete Beschäftigte sollten von ihren Arbeitgebern
Gehaltszuschläge wegen hoher Wohnkosten verlangen – oder sich Jobs in
billigeren Gegenden suchen. Studenten müssen nicht nach München, Düsseldorf
oder Berlin gehen, sondern können nach Kiel, Bochum oder Greifswald ausweichen.“

Und was ist mit der Gentrifizierung, die auch wir bei
FL immer wieder beklagen? Was ist, wenn die alt eingesessene Bevölkerung sich
die hohen Mieten nicht mehr leisten kann? Sie ist hier nicht gemeint, schreibt Müller:
„Für die Eingesessenen, insbesondere für ältere Metropolenbewohner, für die
nach Jahrzehnten in gewohnter Umgebung ein Umzug aufgrund steigender Wohnkosten
nicht mehr zumutbar ist, sieht die Sache naturgemäß anders aus. Sie bedürfen
des Schutzes durch das Mietrecht und gegebenenfalls staatlicher Unterstützung.“

Protest der Anwohner gegen des Abriss der intakten, schützenswerten Gebäude de Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)

Wie gesagt: Man muss sich seine Argumente nicht zu eigen
machen. Es lohnt sich aber, sie zu lesen und zu diskutieren, vielleicht ist ja
doch etwas dran. Denn Müller schreibt auch: „Das Beste an der Marktwirtschaft
ist der Preismechanismus. Was knapp ist, wird teurer. Es gibt keinen
eleganteren Weg, Bedürfnisse und Kapazitäten auszubalancieren. (…) Um
Ungleichgewichte abzumildern, gibt es Gesetze, die die Position von
Arbeitnehmern oder Mietern schützen (Kündigungsschutz, Mindestlöhne,
Mietpreisbremse). Staatliche Sozialleistungen sollen soziale Härten abfedern
(Wohngeld, Sozialhilfe). (…) Welches Maß an Ausgleich gerecht und notwendig
ist, darum dreht sich ein Großteil der politischen Debatten,
verständlicherweise.“ Der Preismechanismus selbst, so Müller, wurde aber bisher
prinzipiell nicht außer Kraft gesetzt.

Den sogenannten Mietendeckel, den der Berliner Senat
jetzt aufgelegt hat, der Mieterhöhungen zunächst für fünf Jahre prinzipiell ausschließt,
hält er nun aber für einen „wirtschaftspolitischen Tabubruch“, der nicht Schule
machen dürfe. Er würde völlig in die Irre führen, was Auswirkungen nicht nur
auf Instandhaltung und Neubau von Wohnraum hätte, sondern auch auf die
regionale Entwicklung in Deutschland insgesamt. „Per Gesetz eingefrorene Mieten
wirken wie eine Subvention für diejenigen, die aus ländlichen Regionen in die
Metropolen übersiedeln. Gegenden, die ohnehin demografisch ausdünnen – und
davon gibt es eine Menge in der Bundesrepublik -, werden umso weniger Chancen
haben, den Schwund an Bevölkerung und Wirtschaftskraft zu bremsen“, so Müller.

Siehe: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mietendeckel-die-staedte-verstopfen-das-land-veroedet-a-1273812.html




Für eine Soziale Erhaltungssatzung in der Quäkerstraße

Zum Thema “Soziale Erhaltungssatzung Quäkerstraße” (Drucksache G-19/107) hat FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler als Fraktionsvorsitzender der Fraktinsgemeinschaft FL/FF am 7. Mai 2019 im Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Zum Thema soziale und bauliche Erhaltungssatzung im Quartier zwischen den Wiehre Bahnhöfen wurde bereits in diversen früheren Sitzungen ausführlich von uns Stellung bezogen, so dass ich mich hier kurz fassen kann.

Wir müssen uns nun seit Monaten mit dem skandalösen Umstand beschäftigen, dass der Vorstand einer Freiburger Genossenschaft ein erhaltenswürdiges, energetisch gutes, baulich intaktes und städtebaulich wertvolles Gebäudeensemble abreißen will – unter Inkaufnahme der Gentrifizierung der jetzigen Bewohner, seiner Genossenschaftsmitglieder.

Das Ensemble ist in seiner jetzigen Form zukunftsfähig, Herr von Kageneck [der CDU-Stadtrat hatte dies in seiner Rede in Abrede gestellt]. Wenn Sie und Ihre Kollegen von der CDU, statt vom grünen Tisch zu entscheiden, sich mal vor Ort bei den Bewohnern informieren würden, dann wüssten Sie zum Beispiel, dass die Bewohner dort extrem niedrige Energiekosten haben.

Die vorhandene Mischung aus Bauwerken und Grünanlagen dieses Ensembles wurde auch vom Gestaltungsbeirat als ideal und vorbildlich dargestellt und sein Erhalt nachdrücklich empfohlen. Es ist unglaublich, dass sich der Vorstand der Genossenschaft zudem jeglichen Gesprächs sowohl gegenüber seinen betroffenen Genossenschaftsmitgliedern als auch gegenüber der Freiburger Stadtspitze verweigert. Und es ist unglaublich, dass man den Gemeinderat der Stadt Freiburg dadurch zwingt, zwei der – gegenüber Wohnungseigentümern – städteplanerisch schärfsten Schwerter einzusetzen, nämlich der sozialen und der baulichen Erhaltungssatzung.

Mit diesem Personal an der Spitze der Genossenschaft sehen wir momentan auch bei künftigen Baugebieten keine Grundlage einer Zusammenarbeit, beispielsweise durch die günstige Überlassung von Grundstücken, als gegeben an. Ich kann dem Vorstand der Familienheim Freiburg nur dringendst empfehlen, seine Außendarstellung entscheidend zu ändern und seine Abrisspolitik zu beenden, um weiteren Schaden von der Familienheim im Speziellen aber auch von den Freiburger Genossenschaften im Allgemeinen abzuhalten.

Protest der Anwohner gegen des Abriss der intakten, schützenswerten Gebäude de Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)

Beim Protest der Anwohner in der Quäkerstraße sprachen die FL-Stadträte Gerlinde Schrempp (im Bild) und Dr. Wolf-Dieter Winkler (Foto: M. Managò).




Demo in der Quäkerstr. für den Erhalt aller Gebäude

DEtwa 250 Menschen haben bei einer Demonstration in der Quäkerstraße im Stadtteil Wiehre ein klares Zeichen gesetzt, für den Zusammenhalt und die Zusammengehörigkeit und gegen eine auf unbestimmte Zeit drohende Teilung des Quartiers, das zwischen altem und neuem Wiehre-Bahnhof gelegen ist. Anwesend waren auch einige Stadträte. Von Freiburg Lebenswert haben sich Gerlinde Schrempp und Dr. Wolf-Dieter Winkler sowie von der Liste Für Freiburg Prof. Klaus-Dieter Rückauer für den Erhalt des gesamten Quartiers ausgesprochen. Konkret soll ab der nächsten Woche an einer Lösung gearbeitet werden, wie am 07.05.2019 auch der westlich der Quäkerstraße gelegene Quartiers-Teil unter Schutz gestellt werden kann.

FL-Stadträtin Gerlinde Schrempp spricht zu den Demonstraten in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)

Von Anfang an hat Freiburg Lebenswert die Bewohner im Quartier unterstützt und auf den Erhalt der Häuser gedrängt. Denn es geht hier um den Erhalt von vorhandenem, bezahlbaren Wohnraum, der nicht zu Gunsten von viel teuerern Neubauten geopfert werden darf. Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/forderung-nach-sozialer-erhaltungssatzung-in-der-wiehre/

Dass Erhaltungssatzungen in Freiburg überhaupt möglich
geworden sind, ist der Initiative von Freiburg Lebenswert (FL), speziell von Stadtrat
Dr. Winkler, zu verdanken. Jahrelang hat FL darauf zugearbeitet und dann im
November vergangenen Jahres einen großen Erfolg errungen. Es wurde damit ein
großer Schritt getan, hin zum Schutz des Stadtbildes durch die Verabschiedung von
Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen. Dicke Bretter mussten dazu gebohrt
werden. Aber schließlich wurde FL damit belohnt, dass alle Stadträte bis auf
ein paar wenige Enthaltungen diesen Satzungen zugestimmt haben.

Dr. Wolf-Dieter Winkler fasste das Ergebnis in seiner
Rede damals im Gemeinderat so zusammen: „Mit
den Städtebaulichen Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen und mit der am 27.11.2018
zu verabschiedenden Sozialen Erhaltungssatzung, auch Milieuschutzsatzung
genannt, bekommen wir nun hervorragende Mittel an die Hand. Mit ihnen können
wir die verbliebenen Gebäude, die der Krieg und die Abrisswut vor allem der
60er Jahre übrig gelassen haben, wirksam schützen. Das ist für die Freiburger
Stadtgesellschaft eine wahrlich erfreuliche Botschaft.“
Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/ein-grandioser-erfolg-fuer-freiburg-lebenswert/

Nun hoffen wir, dass dies auch für das Quartier der Baugenossenschaft Familienheim in der Wiehre greifen wird – und zwar für das gesamte Areal. Dafür hat die Initiative „Wiehre für alle“ gestern Aktion „Menschenkette“ ein deutliches Zeichen gesetzt: die anwesenden Demonstranten bildeten eine Kette um die betroffenen Gebäude in der Prinz-Eugen-Straße 19-23, am Gerwigplatz 5 und 7 sowie die Quäkerstraße 10 und 12. Diese Gebäude wurden in der Vorlage für die kommende Gemeinderatssitzung am 7. Mai nicht erwähnt, sollten nach Meinung der zahlreichen Demonstranten und anwesenden Gemeinderäte aber in den Schutz mit einbezogen werden.

Menschenkette um die gefährdeten Häuser in der Wiehre (Foto: M. Managò)




Boris Palmer zu Immobilieninvestoren: „Ich brauche Sie nicht!“

BSchon vor ein paar Wochen hatte der Bürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (Die Grünen) für Aufmerksamkeit gesorgt, als er sagte Tübingen könne nicht ewig weiter wachsen und er wolle deshalb das Bauland begrenzen. Jetzt liest er in Berlin der Immobilienwirtschaft die Leviten. Die WELT berichtete darüber: „Am Mittwoch hatte der Grünen-Politiker einen kurzen, aber intensiven Auftritt vor gut 200 Profifinanzierern und Immobilieninvestoren in Berlin. (…)„Ich erwarte keinen Applaus“, stellte er gleich zu Beginn fest. Die Zuhörer ahnten ohnehin schon nichts Gutes angesichts seines 20-minütigen Vortrags mit der These, dass „nur der Staat ausreichend bezahlbaren Wohnraum sichern kann“.

„Sie können nicht das Angebot schaffen, das wir brauchen.“

„Was Sie
betreiben, findet keine Akzeptanz mehr in der Gesellschaft“, so Palmer in
seinem Vortrag. „Das können Sie auf Dauer nicht mehr so machen, und zwar im
eigenen Interesse. (…) Der Markt bietet zurzeit offenbar keine Lösung“, warf
der Oberbürgermeister den erstaunten Teilnehmern des Kongresses ‚Finanzierung
für die Real Estate Industry‘ vor. „Sie können nicht das Angebot schaffen, das
wir brauchen“ sagte Palmer und sprach von überhitzten Märkten und einer
Überforderung der Bürger, aber auch von falscher Baulandvergabe der Gemeinden
und unterbesetzten Bauämtern. Und Palmer spricht gegenüber den Immobilienentwicklern
Klartext: „Ich habe ein Überangebot an Investoren in Tübingen. Ich brauche Sie
nicht. Und wenn, dann zu meinen Bedingungen.“ Eine klare Haltung, die man sich
auch in Freiburg wünschen würde, denn vieles in Freiburg ist mit Tübingen
vergleichbar.

„Was Sie betreiben, findet keine Akzeptanz mehr in der Gesellschaft.“

In Tübingen hat
Palmer bereits die Notbremse gezogen: Neues Bauland wird nur noch an kommunale
oder genossenschaftliche Unternehmen vergeben. Wenn ein privater Entwickler jedoch
zusichert, dass 90 % der entstehenden Wohnflächen festgelegte Mieten haben
werden, kann auch er den Zuschlag erhalten. In Freiburg sind es nur 50 %
sozialer Wohnraum, der gefordert ist, aber schon der ist angesichts der hohen
Erschließungs- und Baukosten in Dietenbach kaum realisierbar. Wir werden also
bald erleben, wie Grüne, CDU und SPD im Gemeinderat umkippen werden und für
Dietenbach (wieder einmal gegen die Stimmen von Freiburg Lebenswert)
Ausnahmeregelungen beschließen werden. Es sei denn, wir erhalten bei der
Kommunalwahl am 26. Mai endlich neue Mehrheiten im nächsten Freiburger
Gemeinderat.

Siehe dazu: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article191308289/Immobilienmarkt-Boris-Palmer-liest-Investoren-die-Leviten.html

Vergleiche auch: https://freiburg-lebenswert.de/tuebingens-ob-palmer-spricht-von-grenzen-des-wachstums/

Die Häuser der Familienheim-Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)




Die 50-Prozent-Quote für Dietenbach wackelt bereits

Bereits drei Tage nach dem Bürgerentscheid werden die ersten Stimmen laut, dass die 50%-Quote für sozialen Wohnungsbau vielleicht doch nicht zu halten sei. Während im Wahlkampf – entgegen aller Bedenken der Stadtteil-Gegner – immer gesagt wurde, dass das sicher und aus eigener Kraft zu schaffen sei, rudert OB Martin Horn bereits jetzt zurück und sieht Land und Bund in der Pflicht.

Die Sparkasse und Finanzbürgermeister Breiter, die die
Quote schon immer kritisch sahen, dies vor der Wahl aber nicht laut sagen
durften, sprechen ihre Bedenken nun offen aus. Soviel zu Wahlversprechen vor
der Wahl und was sie nach der Wahl noch wert sind. Dass dies so schnell, nämlich
bereits drei Tage nach der Wahl klar wird, ist aber schon ungewöhnlich. Für Viele
(auch für viele Experten) war die Nicht-Realisierbarkeit der 50%-Quote
angesichts der enorm hohen Kosten, ein Hauptargument gegen den neuen Stadtteil,
speziell an diesem Standort, gewesen.

Siehe dazu den Bericht bei Baden-TV-Süd: https://baden-tv-sued.com/wackelt-die-50-quote-fur-dietenbach/

Stehen die Pläne für den neuen Stadtteil im Überschwemmungsgebiet Dietenbach bereits unter Wasser?




Ein „ganzer Reigen Versprechungen”

In einem sehr lesenswerten Gastbeitrag in der
Badischen Zeitung (BZ) unter dem Titel „Dietenbach ist überall“ schreibt der
Kabarettist Matthias Deutschmann darüber, ob „im Nein beim Bürgerentscheid
wirklich Freiburgs Zukunft liegt“ und stellt verschiedene Fragen. So zum
Beispiel: „Ist Dietenbach-City die Ultima Ratio im Kampf gegen
Wohnungsknappheit und steigende Mieten? Haben das Quartier Vauban oder das
Rieselfeld die Mietpreisentwicklung gedämpft?“ Und er antwortet selbst: „Nein.
Im Gegenteil.“

Und er beschreibt weiter, worum es seiner Meinung nach
tatsächlich geht: „Ob es in Dietenbach-City mit 50 Prozent Sozialwohnungen
gelingen kann (Anm.: die Mietpreisentwicklung zu dämpfen), steht am 24. Februar
nicht zur Abstimmung. Peter Unmüßig, die graue Eminenz der Freiburger
Stadtentwicklung, hält die 50-Prozent-Quote für einen “Schuss ins
Knie” – vermutlich das eigene, denn ließe sich mit sozialem Wohnungsbau
richtig Geld verdienen, dann würde der auch boomen. Dietenbach-City ist kein
Freiburger Nothilfeprojekt, sondern erst einmal die Vermarktung von Baugrund,
schließlich soll sich der neue Stadtteil selbst finanzieren. Seit der
Finanzkrise von 2008 flieht Kapital weltweit in die Sachwerte. Freiburg ist
attraktiv und lässt sich im Regio-Kombipaket mit dem Schwarzwald und dem
Dreiländereck prima vermarkten.“

Und er stellt weiter fest: „Wie sozial, ökologisch,
nachhaltig, plusenergetisch, kinderfreundlich, seniorengerecht, inklusiv und
klimaneutral der neue Stadtteil werden kann, das entscheidet sich nicht am 24.
Februar, sondern erst später. Und zwar am Markt! Wird es dann möglich sein, den
ganzen Reigen der Versprechungen gegenüber den Investoren durchzusetzen? So
gesehen, findet dieser Bürgerentscheid zu früh statt. Hätte man nicht warten
können, bis im Mai der neue Gemeinderat gewählt wird? Das wäre durchaus
sinnvoll gewesen, denn der jetzige Rat der Stadt gibt mit 43 von 48 Stimmen für
Dietenbach-City nicht annähernd das Stimmungsbild in der Bevölkerung wieder.“

Es lohnt sich, diesen Beitrag ganz zu lesen. Siehe: http://www.badische-zeitung.de/liegt-im-nein-beim-buergerentscheid-wirklich-freiburgs-zukunft




Studie: Teurer Neubau ermöglicht keinen bezahlbaren Wohnraum

„In Deutschland wird zwar kräftig gebaut, doch viele Haushalte müssten mehr als 27 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um sich einen Neubau zur Miete leisten zu können. Nicht nur in Großstädten wie Berlin, Dortmund oder Frankfurt ist das ein Problem – auch in mittelgroßen Städten wie Rostock, Jena oder Wilhelmshaven.“ Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die das ARD-Magazin Panorama bei der Immobiliendatenfirma empirica-systeme in Auftrag gegeben hat.

Siehe: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/neubau-mieten-einkommen-101.html

Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass Neubauten und neue Baugebieten in erster Linie teuer sind. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sind neben den Grundstücken die Baupreise seit 2005 um 33 Prozent gestiegen. Außerdem haben sich „seitdem viele Bauvorschriften aus den Bereichen Brandschutz, Schallschutz oder für das Dämmen verschärft“, so der Panorama-Bericht.

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt bald das Münster. Teurer Neubau schafft aber meist keine bezahlbaren Wohnungen. (Foto: U. Glaubitz)




Alternativen zum Bauen auf der “grünen Wiese”

Bauen oder nicht Bauen? Alternativen zum Bauen auf der “grünen Wiese” – das ist der Titel eines Vortrags am Donnerstag 31.1.2019 um 19.30 Uhr in Freiburg i.Br. in der Universität (Hörsaal 1015), Stadtmitte, Platz der Universität, Kollegiengebäude 1. Der Autor und Referent Daniel Fuhrhop, Oldenburg, berichtet mit Lichtbildern über Alternativen zum Bauen auf der „grünen Wiese”. Der Eintritt ist frei. Eine Podiums- und Publikumsdiskussion schließt sich an mit Dr. Ulrich Kriese, siedlungspolitischer Sprecher des NABU e.V. Bundesverband, und Regina Meier, Sprecherin des Mietshäusersyndikats und weiteren Persönlichkeiten.

Daniel Fuhrhop hatte bereits im September 2016 auf Einladung der Fraktion FL/FF in Freiburg einen Vortrag gehalten. Er ist Autor mehrerer aktueller Bücher zum Thema Bauen und Wohnen: 2015 erschien von ihm die viel beachtete Streitschrift “Verbietet das Bauen”, dann 2016 das Buch „Willkommens-Stadt“ und jüngst “Einfach anders Wohnen”. Der gelernte Architekt und bundesweit wie international begehrte Experte zu alternativem Bauen und Wohnen betreibt den Blog www.verbietet-das-bauen.de

Vortrag von Daniel Fuhrhop (Bild: Dr. W. Deppert)

Während die Einwohnerzahl zwischen 1993 und 2013 mehr oder weniger stagnierte, stieg die Zahl der Wohnungen um 6 Millionen. „Und doch reicht es vermeintlich nie aus. Neubau löst nicht die Probleme“ so schreibt Daniel Fuhrhop in seinem Blog „Verbietet das Bauen“. Und dort lesen wir weiter: „Wenn es tatsächlich so wäre, dass Neubau den Anstieg der Mieten aufhebt und für genug Wohnraum sorgt, dann hätten wir schon längst keine Probleme mehr, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In den zwei Jahrzehnten seit 1993 stagnierte die Zahl der Einwohner bei etwa 81 Millionen, aber die Zahl der Wohnungen stieg um 6 Millionen! Das gäbe genug Platz für zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen. (…) Fazit: Neubau löst keine Wohnprobleme, sondern man muss endlich anfangen darüber nachzudenken, wie und wo gewohnt wird, und alle Werkzeuge anwenden, unsere Altbauten besser zu nutzen.“

In seinen Büchern und sicher auch in seinem Vortrag erzählt der Wohnungs- und Bauexperte Daniel Fuhrhop zahlreiche Alternativen auf. Es lohnt sich, am Donnerstag 31.1.2019 um 19.30 Uhr in die Universität zu kommen und seinen Vortrag anzuhören.

Alternative Bauweisen und Wohnmodelle behandelt dieses Buch des Architektur- und Wohnexperten Daniel Fuhrhop.




Soziale Erhaltungssatzung für den Erhalt bezahlbaren Wohnraums

In der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag, dem 27. November 2018, stand auch das wichtige Thema Soziale Erhaltungssatzung (Drucksache G-18/146) auf der Tagesordnung. Dazu hat Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) für die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir begrüßen das Vorhaben der Verwaltung, durch eine städtebauliche Detailuntersuchung im Stühlinger vertiefte Erkenntnisse zu eventuellen Verdrängungsmaßnahmen zu gewinnen.

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

Auch zu dem Sanierungsvorhaben der Hochhäuser in Landwasser kann ich mich recht kurz fassen. Wir haben den interfraktionellen Antrag zur Prüfung der Anwendungsvoraussetzungen für eine soziale Erhaltungssatzung nicht mitgezeichnet, weil schon vorab erkennbar war, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Es geht der Deutsche Invest Immobilien erkennbar nur um eine behutsame Sanierung, um den Werterhalt der Gebäude. Das darf und soll auch nicht verhindert werden. Von „Luxussanierungen“ kann keine Rede sein. Die beabsichtigten Mieterhöhungen sind im Rahmen. Der dortige Bürgerverein ist im Gespräch mit den Eigentümern und unterstützt die Maßnahmen. Er stellt zu Recht fest, dass der Gentrifizierungs-Prozess in Landwasser mit umgekehrten Vorzeichen verläuft. Seine rhetorische Frage: Wie sonst konnte der Anteil der Bewohner mit Migrations-Hintergrund in Landwasser auf fast 50 % ansteigen? Kurzum, unsere Fraktion unterstützt die Sanierungsmaßnahmen der Deutsche Invest Immobilien ebenfalls.

Ganz anders verhält es sich mit den Gebäuden in der Wiehre. Aufgrund der Beschlüsse des 68. Deutschen Kirchentages 1929 in Freiburg, die schlechte Wohnraumversorgung der Bevölkerung, vor allem kinder-reicher Familien, zu beheben, wurde 1930 die Genossenschaft „Familienheim“ gegründet. Laut Satzung war das Ziel, ich zitiere: „Minderbemittelten gesunde und zweckmäßig eingerichtete Kleinwohnungen zu billigen Preisen zu verschaffen“.

Noch im Geschäftsbericht 2014 stellt die Familienheim fest: „Die wachsende Wohnungsnachfrage war auch im Geschäftsjahr 2014 deutlich feststellbar, wodurch die angespannte Wohnungsmarkt-situation zum Ausdruck kommt. Es besteht ein unveränderter Trend zu kleineren Wohneinheiten, da immer mehr Haushalte Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Für viele unserer Mitglieder ist aufgrund ihrer Einkommenssituation die Bezahlbarkeit der Wohnungen vorrangig.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Danach müsste die Genossenschaft eigentlich alles tun, um die mietpreisgünstigen Wohnhäuser in der Wiehre mit ihren Kleinwohnungen zu erhalten. Doch weit gefehlt.

Stattdessen wird die Vorstandsvorsitzende Dziolloß mit folgenden Aussagen zitiert: „Die eigene Wohnung ist ein Stück Heimat und ihr Abriss wäre ein Affront, der Mieter auf die Barrikaden treibt – das hat die Familienheim schon im Voraus gewusst. Und dennoch ist es der richtige Weg, davon ist die Genossenschaft überzeugt.“ Da muss man sich ja mal fragen: Wen meint sie eigentlich mit „die Genossenschaft“? Etwa die „MitgliederInnen“? Kein Scherz: Auf der Familienheim- Homepage steht tatsächlich „MitgliederInnen“! Die Vorsitzende weiter, denn: „Ein Neubau ist zukunftsfähig, ein Altbau nicht.“ Nur nebenbei, ich selbst wohne in einem zukunftsfähigen Altbau aus dem Jahr 1810! Und sie schlussfolgert: „Sicherlich werden sich nicht alle Mieter den Neubau leisten können“.

Die Familienheim-Siedlung in der Quäkerstraße (Bild: 2018 Google Kartendaten, 2018 GeoBasis DE/BKG 2009)

Weiter stellt sie zum Jahresbeginn 2018 fest: „Sicher sei bisher, dass das Gebäude Quäkerstraße 1-9 nicht sanierungsfähig sei. Die Mauern würden nicht mal ein Wärmedämmverbundsystem tragen, geschweige denn ein schwereres, gedämmtes Dach.“ Die Initiative „Wiehre für alle“ hat im Januar 2018 selbst ein Gutachten zur Sanierbarkeit der Häuserzeile Quäkerstr. 1-9 inklusive entsprechen-der Kostenschätzung in Auftrag gegeben. Die zentralen Ergebnisse der Untersuchung lauten in Kurzform: Die Gebäude sind  intakt und lassen sich mit relativ geringem finanziellen Aufwand sanieren.

Aber der Clou kommt noch: Üblicherweise entschließt man sich ja für eine Dämmung oder gar Abriss dann, wenn die Heizkosten hoch sind. Aber laut Vorlage und auch laut Aussagen von Mietern mir gegenüber sind die Heizkosten extrem gering, was auf eine sehr gute Wärme-dämmung der Außenwände und der Fenster hindeutet. Also, warum um alles in der Welt will der Vorstand diese Häuser mit den preisgünstigen Wohnungen platt machen? Vor allem, weil das Quartier nach Aussage des Gestaltungsbeirates ein ideales Verhältnis von Wohn- und grünen Freiflächen aufweist. Die angebliche Familienheim-Philosophie – laut Homepage – Mensch und Umwelt mit einzubeziehen, Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, wird mit Abriss und Neubau gut gedämmter Häuser doch konterkariert. Die Menschen werden eben gegen ihren Willen aus ihren Wohnungen vertrieben, graue Energie und Ressourcen verschwendet!

Offensichtlich schreckt die Vorstandsvorsitzende auch vor Falschaus-sagen nicht zurück, um ihre unverständliche Abrisspolitik durchzudrücken. Angesichts dessen sind wohl auch frühere Behauptungen von ihr zu anderen Bauvorhaben wie z.B., dass das Gebäude Ecke Komturstraße / Rennweg wegen lockeren Untergrundes nicht mehr standfest gewesen sei, in einem anderen Licht zu sehen. Das ebenfalls auf diesem Grundstück stehende Pfarrhaus St. Konrad (Rennweg 47) zeigt jedenfalls bis heute offensichtlich keinerlei Setzungsschäden.

Von dem ursprünglichen Ziel „bezahlbarer Wohnraum für Minder-bemittelte“ hat sich der jetzige Vorstand offensichtlich völlig verabschiedet. Zum Abriss des Studentinnenheims St. Luitgard und des Bruder-Klaus-Heims für Seniorinnen und anschließendem Neubau von mehreren Gebäuden wird die Vorstandsvorsitzende Dziolloß mit den Worten zitiert: „Wir erschließen mit diesen hochwertigen Gebäuden auch neue Mitgliederkreise“. In der Tat wurden nach Recherchen von „Wiehre für alle“ beispielsweise sieben der acht Mietparteien in der Grillparzerstraße 5 erst mit dem Einzug in den Neubau zu Genossenschaftsmitgliedern. Für Alt-Mitglieder, die teils seit vielen Jahren auf der Warteliste standen, waren die geforderten Mietpreise nicht bezahlbar. Dieser Fall ist exemplarisch für die fünf Neubauten im Areal, deren Mietpreise zwischen 11 und 13,50 € pro Quadratmeter liegen.

Die Neuerrichtung führte zu einer Verteuerung um ca. 150 %. Laut Badischer Zeitung wurde in großem Stil bezahlbarer Wohnraum durch „Edelwohnungen“ ersetzt. Mit diesen Erfahrungen von der Straßenseite gegenüber ist es mehr als verständlich, dass eine Reihe der meist finanzschwachen Mieter der Quäkerstraße 1 – 9 schlaflose Nächte und Zukunftsängste haben. Auf dem Areal der ehemaligen beiden Wohnheime leben heute andere und weniger Personen als vor der Neubaumaßnahme. Die Bewohnerschaft wurde komplett gegen eine zahlungskräftigere Klientel ausgetauscht, was von Seiten des Vorstands, wie eben zitiert, bereits bei Beginn der Baumaßnahme als strategische Zielsetzung angekündigt wurde. Gentrifizierung, also der Austausch zahlungsschwacher Genossen durch zahlungskräftigere Klientel, ist also nicht nur ein bedauerlicher Kollateralschaden der Neubebauung, sondern erklärtes Ziel des Genossenschaftsvorstandes.

Das ist eine Ungeheuerlichkeit!

Innenhof eines der Gebäudekomplexe im Klinikviertel die bereits abgerissen und durch teure Neubauten ersetzt worden sind (Foto: N. Armbruster)

Wir versuchen fraktionsübergreifend – mit bisher mäßigem Erfolg – alles zu unternehmen, um der Gentrifizierung Einhalt zu gebieten, und hier torpediert eine Genossenschaft diese Bemühungen mit einer Hartherzigkeit gegenüber ihren Mitgliedern, die ihresgleichen sucht! Die Aussage in der Vorlage, dass die Genossenschaften bemüht sind, bei Sanierungsmaßnahmen oder Abbruch und Neubau sozialverträgliche Lösungen für die Mieter zu finden, können wir im Fall der Familienheim überhaupt nicht nachvollziehen!

Meine Damen und Herren, die Führungspersönlichkeit einer dem sozialen Gedanken verpflichteten Genossenschaft vertritt keine Aktionäre, sondern die Genossenschaftsmitglieder und muss folglich konsequent und engagiert in deren Interesse handeln. Die skandalösen Äußerungen und das Handeln entgegen der eigentlichen Aufgabe der Geschäftsführung einer Wohnbaugenossenschaft offenbaren eine Einstellung, die sich weder mit den Statuten der Genossenschaft noch mit den Anliegen der Bewohner vereinbaren lässt. Bei dieser Haltung sollte man so ehrlich sein und sich eine Stelle bei einem privaten Bauträger suchen.

Wir hatten unseren für die letzte Gemeinderatssitzung gestellten Antrag, für dieses Quartier eine bauliche Erhaltungssatzung aufzustellen, zurückgezogen. Grund war, dass Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Familienheim abgewartet werden sollten. Und wir hatten auch gehofft, dass bereits mit einer Milieuschutzsatzung der Erhalt der Gebäude Quäkerstraße 1-9 gewährleistet sein würde. Die äußerst schwammigen Aussagen in der Drucksache lassen aber den Schluss zu, dass als Ergebnis der Gespräche der Milieuschutz durchaus auch mit einem Abriss der Gebäude erreicht werden könne. Diese Einschätzung teilen wir nach den bisherigen Erfahrungen mit der Familienheim auf gar keinen Fall. Wir stimmen der Vorlage zu. Aber, sollten die Gespräche mit der Familienheim zu keiner für die Bewohner und uns befriedigenden Lösung führen, werden wir erneut den Antrag für eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung stellen. Einem Abriss der Gebäude werden wir auf keinen Fall zustimmen!

Unser Appell an alle drei Freiburger Genossenschaften Familienheim, Bauverein und Heimbau: Engagieren Sie sich bei den neuen Wohnbauflächen und erhalten Sie die Bestandsgebäude mit ihren günstigen Mieten für Ihre Genossen!

FL-Plakat aus dem Jahr 2014 (mit “Modernisierung” ist hier eine umfassende, luxuröse und teuere Grunderneuerung gemeint.)