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„Das Ganze hat System!“

Für viel Kritik hat die Fällung  einer großen, alten, zweistämmigen Eiche auf einem Baugrundstück in Zähringen gesorgt. Anwohner, Umweltschützer und Forstexperten werfen dem Baurechtsamt der Stadt schwere Versäumnisse und Fehler vor.  Zunächst konnte die Fällung der Eiche von Anwohnern noch verhindert werden, da dem Bauträger Wobag gar keine Genehmigung dafür vorlag.  Im Gegenteil: Die Baugenehmigung forderte ausdrücklich den Erhalt des Baumes. Die Genehmigung zur Fällung hat die Stadtverwaltung dann aber nachträglich erteilt, da der Baum durch die (unrechtmäßigen) Grabungen des Bauträgers, nun schon zu sehr gelitten habe.

Dass die Stadt ihre eigenen Auflagen zurückzieht und die alte Eiche opfert, damit der Bauträger seine Pläne durchsetzen kann empfinden Anwohner und Umweltschützer zu Recht als einen Skandal. „Das ganze scheint System zu haben“ schreibt Frau Dr. Friederike Zahm in einem Leserbrief an die Badische Zeitung (BZ), den wir hier gerne veröffentlichen:

„Das Ganze scheint System zu haben! Vor zwei Jahren wurden an der Schinziger Steige, in Herdern, 3 Bäume gefällt. Daneben entstanden gerade teure Terrassenhäuser, und die Bäume standen wohl im Weg bzw. hätten den Bewohnern die Aussicht versperrt. Auf Anfrage sagte das GuT, dass ein Bagger das Wurzelwerk dieser Bäume derart beschädigt hätte, dass nur noch eine Fällung übrigblieb. Wohlbemerkt, drei stattliche Bäume wurden angeblich versehentlich beschädigt! Auf meine Frage, ob dafür Ersatz gepflanzt würde, teilte das GuT mit, dass man erst mal die Größe des Baukörpers abwarten müsse, um zu sehen, ob denn noch Platz dafür sei. Man ahnt es schon, bis heute ist nichts passiert! Der Bauträger musste 5000 € Strafe zahlen. Das war weniger als der Quadratmeterpreis der, zum Kauf angebotenen, Wohnungen. Da das Gleiche nun in Zähringen geschieht, fragt man sich, ob Absicht dahinter steckt oder zumindest billigende Inkaufnahme? Dass der Verein „Plan B“ nun ein unabhängiges Gutachten einholen will, um zu klären, ob der Baum noch gerettet werden kann, ist begrüßenswert. Es geht hier nämlich nicht nur um einen Baum, sondern darum dass dieses Vorgehen nicht weiter Schule machen darf!“ (Dr. Friederike Zahm, Freiburg)

Siehe den Leserbrief in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/man-fragt-sich-ob-absicht-dahintersteckt–134907166.html

Siehe auch den Beitrag vom 25.03.2017 in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/heftige-kritik-am-vorgehen-der-stadt–134906246.html

sowie den Kommentar in der BZ von Fabian Vögtle: http://www.badische-zeitung.de/muenstereck-baum-ab-fuers-bauen




Öffentlichkeitsbeteiligung bei Bauprojekten

Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

Rede von Karl-Heinz Krawczyk zu TOP 10 der Sitzung des Gemeinderates am 14.2.17 zum Thema: Öffentlichkeitsbeteiligung bei Bau- und Planungsprojekten (Drucksache G-17/045)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Baubürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die gut aufbereitete Vorlage. In der Tat ist es äußerst begrüßenswert und erfreulich, dass eine praxisorientierte Richtschnur für die Öffentlichkeitsbeteiligung bei Bau- und Planungsprojekten auf den Weg gebracht werden soll. Allerdings darf das nicht nur eine Absichtserklärung sein.

Genauso wie bei einem Qualitätsmanagement muss Öffentlichkeitsbeteiligung, von jedem der damit zu tun hat, gelebt werden, ehrlich und möglichst offen sein. Leider erscheint es bisher so, als wäre dies nicht immer der Fall. Aus eigener Erfahrung, aber auch aus vielen Gesprächen mit Freiburger Bürgerinnen und Bürger wissen wir, dass es hier ein hohes Frustrationspotential gibt. Nicht selten erscheint der Eindruck, der Bürger wird zwar angehört und darf auch Fragen stellen, aber bitte schön nur zielführend und auf keinen Fall gegen die Interessen der Verwaltung.

Zu einer guten Öffentlichkeitsbeteiligung gehört es aber auch Fragen und Vorschläge besorgter oder interessierter Bürgerinnen und Bürger nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern nach Möglichkeit auch ernsthaft zu berücksichtigen und umzusetzen. Es ist wenig hilfreich, wenn sorgfältig, durch die Verwaltung ausgesuchte Moderatoren versuchen die Gehirne der Teilnehmer in Dialogforen weichzuspülen. Und es ist noch weniger hilfreich, wenn Bürgerinnen und Bürger mit einer anderen Meinung als die der Verwaltung im bestmöglichsten Fall nur belächelt oder aber im schlimmeren Fall als Nimbys oder z.B. als Mimoswälder denunziert werden.

Insofern erhofft sich unsere Fraktion hier eine wirklich deutliche Verbesserung der bisherigen Situation.

Missverständnisse, wie von Frau Hehn in Ihrem Beitrag vorgetragen, sehen wir eigentlich nicht. Es gibt einfach Vorgänge in Freiburg, mit denen nicht alle Freiburger Bürgerinnen und Bürger einverstanden sind. Und das muss man dann auch so zur Kenntnis nehmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Karl-Heinz Krawczyk




„Das Alte muss nicht weg!“

„Abreißen? Neu bauen? – Das Alte muss nicht weg um jeden Preis!“ so die Anmoderation in der Kultursendung ttt am 7. Februar 2016 zu einem bemerkenswerten Beitrag über die Gruppe „Assemble„. Die Gruppe aus jungen Architekten, Designern und Künstlern hat im verghangenen Jahr in London den begehrten Turner-Preis erhalten, die „wichtigste Auszeichnung für moderne Kunst“, weil sie alte Bausubstanz in Stadtteilen, die als verschrieen gelten,  hergerichtet und wiederbelebt haben.

Ihr bisher bekanntestes Projekt ist „Granby Four Streets“, bei dem es im Kern im Zusammenwirken mit deren Bewohnern um die Sanierung und Umgestaltung von Reihenhäusern in dem Liverpooler Arbeiterviertel Toxteth geht, die vom Abriss bedroht waren.

Siehe das Video: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videos/kollektiv-assemble-designer-architekten-und-kuenstler-100.html  (es steht noch bis 7.2.2017 in der ttt-Mediathek online).




Redebeiträge im Gemeinderat

Fraktionsgemeinschaft FL/FF: Gerlinde Schrempp, Prof. Klaus-Dieter Rückauer, Karl-Heinz Krawczyk, Dr. Wolf-Dieter Winkler.
Fraktionsgemeinschaft FL/FF: Gerlinde Schrempp, Prof. Klaus-Dieter Rückauer, Karl-Heinz Krawczyk, Dr. Wolf-Dieter Winkler.

Auf der letzten Sitzung des Gemeinderats am 2. Februar 2016 wurden von unseren Gemeinderäten der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF) folgende Reden zu den Themen Breisacher Hof, Stadiongesellschaft und Stubenareal gehalten, die wir hier gerne im Wortlaut dokumentieren und allen Bürgern zur Kenntnis geben möchten:

1.)  Rede von Stadtrat Dr. wolf-Dieter Winkler (FL) zum Thema Breisacher Hof vom 02.02.2016

2.)  Rede von Prof. Klaus-Dieter Rückauer (FF) zum Thema Stadiongesellschaft für Verwaltung und Betrieb des geplanten SC-Stadions vom 02.02.2016

3.)  Rede Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL) zum Thema Stubenareal in St. Georgen am 02.02.2016

 




Gemeinschaftliche Pressemitteilung zur Wintererstraße 28

Pressemitteilung vom 04. 01. 2016

Die unterzeichnenden Vereine und Gruppierungen appellieren gemeinsam an den Eigentümer des Anwesens Wintererstraße 28 in Freiburg sowie an alle beteiligten Ämter (Stadtverwaltung, Denkmalbehörde, Bürgermeister):

Wieder ist ein wertvolles Kulturdenkmal in Gefahr, abgerissen zu werden. Das im Stil eines Schwarzwaldhauses gebaute Anwesen in der Wintererstraße 28 in Herdern, das unter Denkmalschutz steht, sei – so der Eigentümer vor Gericht – wirtschaftlich nicht zu renovieren. Die in der Verhandlung am 16.12.2015 vor dem Verwaltungsgericht vorgetragenen Kostenaufstellung und Argumente, über die auch die Badische Zeitung (BZ) berichtete, sind nicht nachvollziehbar.

Bei den Kostenberechnungen wurden vom Eigentümer Summen angesetzt, die jenseits jeder Realität liegen. So wurde eine Gesamtsumme von 2,6 Mio. Euro für die Renovierung genannt. Davon allein 400.000 Euro für die Instandsetzung des Gartens und 28.000 Euro jährlich für dessen Pflege! Auf der anderen Seite wurde ein Mietpreis von 9,50 Euro pro Quadratmeter angesetzt, und das für einen (dann renovierten) Altbau in dieser Lage; während in der Wintererstraße aber bis zu 20 Euro verlangt und gezahlt werden.

Es ist erstaunlich, dass sich das Gericht durch diese Zahlen und die darauf beruhenden Argumente überzeugen lassen konnte, denn sie erscheinen den Sachkundigen als durchaus unrealistisch. Auch ist zu hinterfragen, warum es in Freiburg Eigentümern und Bauherren offensichtlich leicht gemacht wird, denkmalgeschützte Häuser abzureißen.

Wie wertvoll das Haus nicht nur als Einzeldenkmal, sondern auch für die Stadtgeschichte ist, zeigt ein Blick auf seine Historie:

Es stammt aus den 1920er Jahren und wurde im Stile eines Schwarzwaldhofs von dem jüdischen Architekten Arthur Levi erbaut, von dem nur noch dieses eine Haus in Freiburg erhalten ist. Auftraggeber war damals der Unternehmer Alfred Soeder, dem unter anderem ein Schuhhaus in der Kaiserstraße (das heutige Salamander-Schuhgeschäft) gehörte. Er ließ es 1924 für seine Tochter bauen, die einen indischen Maharadscha geheiratet hatte. Das Haus gilt als seltener (innerhalb Freiburgs gar als einziger!) Repräsentant des süddeutschen Heimatstils und ist deshalb seit 1982 offiziell als Kulturdenkmal eingetragen. Die Experten des Denkmalschutzes des Regierungspräsidiums berichteten im Mai vor Gericht, dass die typischen Elemente wie die verzierten Holzbalkone oder die Wandvertäfelungen im Inneren sehr gut erhalten sind.

Das denkmalgeschützte Haus in der Wintererstraße 28 (Foto: M. Managò)
Das denkmalgeschützte Haus in der Wintererstraße 28 (Foto: M. Managò)

Deshalb fordern wir eine neutrale, den Gegebenheiten entsprechende, realistische Kostenschätzung. Und wir appellieren an den Eigentümer, vor einem Abriss noch anderen Gutachtern bzw. spezialisierten Bauunternehmern die Möglichkeit zu geben, ein Urteil zum Zustand des Hauses und zu dessen Renovierungsmöglichkeiten abgeben zu können. Zugleich bitten wir die zuständigen Denkmalschutzbehörden von ihrem Ermessen Gebrauch zu machen, für dieses besondere, auch und gerade für die Stadtgeschichte wichtige Kulturdenkmal eine außerordentliche Bezuschussung zu ermöglichen.

Lars-Stephan Klein (Stadtbild Deutschland e.V.)
Michael Managò (Freiburg Lebenswert e.V.)
Atai Keller (Kulturliste Freiburg)
Prof. Klaus-Dieter Rückauer (Für Freiburg)

Dazu ist bereits am Tag darauf in der BZ folgender Artikel erschienen:  http://www.badische-zeitung.de/freiburg/zusammenschluss-positioniert-sich-gegen-einen-abriss-der-villa-in-herdern–115836840.html

Siehe auch in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/alte-villa-in-herdern-darf-trotz-denkmalschutz-abgerissen-werden–115278973.html

Sowie: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/schicksal-einer-villa-in-herdern-entscheidet-sich-vor-gericht–84175024.html

Außerdem sind in der BZ dazu zwei Leserbriefe erschienen:

http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/die-gerichtsverhandlung-war-wahrhaftig-ein-lehrstueck–116021245.html

http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/als-eigentuemer-hat-man-eine-verantwortung-fuer-die-nachwelt–116021232.html




Anfrage zur Pferdewiese in Herdern

Logo_Fraktionsgemeinschaft_FL_FFKürzlich hat die Treubau Freiburg AG das Grundstück „Sonnhalde 21“ durch einen Tausch von der Stiftungsverwaltung übernommen. Es ging darum, die potentielle Käufer abschreckende Erbpacht von der Pferdewiese auf eine andere Immobilie in Betzenhausen (Tränkematte) zu übertragen. Vom Bauträger Staufener Bau & Boden erwarb die Treubau Freiburg AG die im Jahr 2011 erteilte Baugenehmigung für die Sonnhalde 21. In dieser ist eindeutig und detailliert im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages definiert, dass bei einer möglichen Bebauung vier Häuser mit insgesamt neun Wohnungen errichtet werden können. Dies war auch das Ergebnis eines mit dem Bürgerverein Herdern ausgehandelten Kompromisses.

Herdermer Bürger sind nun an uns herangetreten und haben uns darüber informiert, dass die Treubau Freiburg AG streng vertraulich mögliche Käufer für die Grundstücke „Sonnhalde 21“ anschreibe und nach ihren Interessen befrage. Nun spricht die Treubau Freiburg AG plötzlich von einem neuen Konzept, so dass von drei Mehrfamilienhäusern mit je drei bzw. vier Wohnungen die Rede ist. Alternativ sei auch schon der Gedanke von jeweils sechs Doppelhaushälften mit den Planern besprochen worden. Ergänzend hierzu stünde noch ein Grundstück für ein Einfamilienhaus zur Verfügung.

Eine solche Planung würde dem im Jahr 2011 ausgehandelten Kompromiss entgegen stehen. Wir erinnern daran, dass es erheblichen Widerstand aus der Freiburger Bevölkerung und des Bürgerverein Herdern gegen die Bebauung des letzten freien Teilstücks der Sonnhalde gab und gibt. Es handelt sich um ein Naherholungsgebiet, das seit der Erschließung der Höhenstraßen vor über 100 Jahren zur Erholung und zur Durchlüftung der tiefer gelegenen Wohngebiete freigehalten wurde. Die Stadt selbst hat bis kurz vor ihrer plötzlichen und unerklärlichen Kehrtwende im Jahr 2011 stets von einer schützenswerten Lage im Außenbereich (§35 BauGB) gesprochen und jahrzehntelang alle Begehrlichkeiten zurückgewiesen. Die Staufener Bau & Boden hat es schließlich mit juristischem Druck (Verweis auf 1991 auf unklarem Weg erhaltene Bauoptionen, ominöse „Baufluchtenpläne“ aus dem Jahr 1934) erreicht, das Baurecht zu erzwingen. Allerdings musste sie nach fast vier Jahren aufgeben, da die neun hochpreisigen Wohnungen plus Erbpacht nicht zu verkaufen waren. Die Treubau AG hat jetzt die Hoffnung, ohne Erbpacht, nach neuer Sondierung des Marktes, das Gelände veräußern zu können.

Die ganze Anfrage mit den sich hierzu ergebenden Fragen dinden Sie hier (PDF): Anfrage zur Pferdewiese vom 10.11.2015

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Starker Protest formierte sich gegen die Bebauung der Pferdewiese. Hier: Freiburger Wochenbericht vom 04.12.2011
Starker Protest formierte sich gegen die Bebauung der Pferdewiese. Hier: Freiburger Wochenbericht vom 04.12.2011




Zum Bauvorhaben der BauUnion im Stühlinger

Blick auf den Stadtteil Stühlinger (Foto: W.-D. Winkler)
Luftbild mit Blick auf Bahnhof und den Stadtteil Stühlinger (Foto: W.-D. Winkler)

Der Stühlinger ist neben der Wiehre der am dichtest besiedelte Stadtteil Freiburgs. Auch wenn viele Bewohner des Stühlinger sich dort trotz oder vielleicht auch gerade wegen der hohen Bevölkerungsdichte sehr wohl fühlen, wird doch der geringe Grünflächenanteil von ihnen als ein ernster Nachteil wahrgenommen. Bis vor wenigen Jahren war der Stühlinger im Bereich der ehemaligen Kreispflegeanstalt, heute Campus des psychologischen Instituts, noch mit viel Grün gestaltet. Dies änderte sich, als vor ca. fünf Jahren eine mit Bäumen bestandene Wiese des Campus mit einem zusätzlichen Studentenwohnheim bebaut wurde – trotz massiver Proteste von Bürgerverein Stühlinger, Studenten und Anwohnern. Inzwischen hat auch die BauUnion direkt neben das neue Studentenwohnheim einen weiteren Neubau auf einer ehemaligen Grünfläche mit Kinderspielplatz platziert.

Das nun geplante Bauvorhaben der BauUnion betrifft das direkt daran angrenzende Gebäude Eschholzstraße 94-96. Dieses soll einem Gebäude weichen, das nahezu doppelte Grundfläche und fast doppelte Höhe im Vergleich zum bisherigen Bestandsgebäude haben soll. Das kann man nur als einen städtebaulichen Affront gegenüber dem Bürgerverein und der Nachbarschaft bezeichnen. Dieses Gebäude würde die Wohnqualität der Nachbarn erheblich beeinträchtigen, die bisher verbliebenen Restgrünflächen würden nochmals abnehmen. Wir teilen daher die ablehnende Haltung des Baurechtsamtes und des Bürgervereins zu dem eingereichten Bauantrag.

Die Fraktion FL/FF verschließt sich nicht dem Neubau von Gebäuden und auch nicht einer Verdichtung der Innenstadtbereiche, da nur so einem Ausweiten der Stadtgrenzen in den Grüngürtel um die Stadt herum Einhalt geboten werden kann. Die meisten Freiburger Bürger sind durchaus ebenfalls für eine maßvolle Nachverdichtung zu haben. Entscheidend ist allerdings, dass die neuen Gebäude eine hohe städtebauliche Qualität haben und sich maßvoll in die Umgebung einfügen. Dies kann durchaus auch bedeuten, dass ein Gebäude mal höher ausfallen kann. Das ist von Fall zu Fall abzuwägen. Unförmige, massige Gebäude, die einzig darauf angelegt sind, Wohnraum „auf Teufel komm raus“ zu generieren, ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft, sind nur dazu angetan den sozialen Frieden in der Stadt zu gefährden.

Ein Einräumen von mehr Baurecht im Tausch von Belegungsrechten ist für die Fraktion FL/FF im Einzelfall vorstellbar, wenn die oben genannten Kriterien eingehalten werden. Was Freiburg braucht ist preisgünstiger Wohnraum. Wir gehen davon aus, dass die jetzigen Wohnungen in dem Bestandsgebäude (4.000 m²) der BauUnion preisgünstige Wohnungen sind. Wird das Gebäude abgerissen, sollen Wohnungen auf 8.000 m² entstehen, von denen Herr Kleiner der Stadt Belegungsrechte auf 2.000 m² einräumen will. Aufgrund der hohen Kostenmiete kann in einem Neubau kein preisgünstiger Wohnraum entstehen. Folglich beinhaltet der Vorschlag von Herrn Kleiner eine Reduzierung von preisgünstigem Wohnraum um 2.000 m². Wo liegt da der Vorteil für die Stadt? Der Vorschlag kann nur dann sinnvoll sein, wenn das Bestandsgebäude mit seinen preisgünstigen Wohnungen erhalten bleibt und durch Anbauten erweitert wird. Eine Veränderung der Wohnungszuschnitte im Bestandsgebäude unter Einbezug der Anbauten kann vorgenommen werden, solange die baulichen Veränderungen nicht zu massiven Mietsteigerungen für die Bestandswohnungen führen. Für die neu hinzukommenden Wohnungen gilt ohnehin der 50%-Beschluss des Gemeinderates bzgl. gefördertem Mietwohnungsbau – ob mit oder ohne Belegungsrecht.

Was oftmals vernachlässigt wird, ist die bei Abbruch und Neubau aufgewendete „graue Energie“. Da ist zum Einen der mit dem Abriss alter Gebäude anfallende Bauschutt, der entsorgt werden muss. Zum Zweiten braucht es zur Erstellung eines neuen Gebäudes zahlreiche verschiedene Baumaterialien, die energieintensiv, oft umweltzerstörend aus Rohstoffen hergestellt und transportiert werden müssen. Viele scheinbar auf neustem energetischem Stand produzierte Gebäude haben unter diesen Betrachtungen eine weit schlechtere Ökobilanz, als gemeinhin angeführt wird. Als Vorbild sehen wir daher die Sanierungen der Freiburger Stadtbau, die die Wohnfläche ihrer Bestandsgebäude, beispielsweise in Weingarten, durch Anbauten erheblich vergrößert, was sich auf die dazu benötigten Grünflächen aber nur marginal auswirkt.

Für FL/FF wäre es daher akzeptabel, wenn unter diesen Gesichtspunkten die BauUnion ihr Bestandsgebäude in der Grundfläche vergrößert und durchaus auch die Höhe an das Gebäude Eschholzstraße 90-92 anpasst, um mehr Wohnraum zu generieren. Mit ausgebauten Dachgeschossen und Erdgeschoss wären dies dann sieben Geschosse. Nicht zum Vergleich kann das Eckgebäude Eschholzstraße 100 dienen, da diesem an dieser exponierten Stelle an der Dreisam eine andere Stellung zukommt.

Unter Berücksichtigung der Umgebungsbebauung halten wir folgendes Zugeständnis an die BauUnion für möglich:  Ausweitung der Grundfläche um maximal ein Drittel bevorzugt Richtung Süden und eine Aufstockung um ein zusätzliches Geschoss unter Erhalt des Bestandsgebäudes und unter Beibehaltung des Satteldaches.

Für die neu hinzukommenden Wohnungen gilt der 50%-Beschluss des Gemeinderates bzgl. gefördertem Mietwohnungsbau.

Dieses Statement ist Teil einer Antwort der Fraktionsgemeinschaft FL/FF auf Fragen der Badischen Zeitung (BZ) an alle Gemeinderatsfraktionen. Hier das ganze Schreiben an die BZ im Wortlaut: Antwort_auf_Fragen_der_BZ_um_Bauvorhaben_BauUnion_Stuehlinger