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Mauereidechsen werden umgesetzt

Sage und schreibe 900.000 Euro kostet eine Umzugsaktion, die derzeit im Kleineschholz vonstattengeht. Jede einzelne Mauereidechse muss von den Kleingärten an einen anderen Ort umgesiedelt werden, denn diese Tiere stehen als streng geschützte Art auf der Roten Liste. Ersatzquartiere sind entlang der Straßenbahnlinie zwischen dem Rathaus im Stühlinger und Runzmattenweg in Form von sieben Stein- und Sandhügeln angelegt.

Grund für die Maßnahme: In Kleineschholz sollen 500 neue Wohnungen entstehen. Dafür müssen die Kleingärten und damit die Lebensräume nicht nur der Eidechsen, sondern auch vieler anderer Arten weichen.

Die Maßnahme ist nicht nur kostspielig, sondern auch mit großem Aufwand verbunden. Wirklich jedes einzelne Exemplar muss umgesetzt werden, auch müssen die Umsetzarbeiten jetzt im Frühjahr ruhen, da die Tiere sich jetzt nach dem Winterschlaf paaren. Die nächsten Eidechsen können also erst im Herbst und die Nachkommen erst 2023 eingesammelt und umgesetzt werden.

Auch wenn diese Maßnahme richtig und wichtig ist und in der BZ am 11.5.2022 auch positiv erwähnt wird, so kaschiert sie doch ein Grundproblem in der Green City: Es wird zu viel gebaut und dadurch erst zu viel Natur zerstört. Auch stellt sich die Frage, ob wirklich sichergestellt werden kann, dass jedes einzelne Exemplar umgesetzt wird. Und was passiert mit den vielen anderen Arten, die durch die Bebauung ihren Lebensraum verlieren? Wieder einmal muss die Frage aufgeworfen werden, ob es eine gute Entscheidung war, diese Natur mit dem Totschlagargument der Wohnraumbeschaffung einer Bebauung zu opfern.

Viele Arten werden im Kleineschholz ihren Lebensraum verlieren (Foto: K. U. Müller).

Das Artensterben hat inzwischen besorgniserregende Ausmaße angenommen. Nicht nur Mauereidechsen, sondern auch viele andere Tierarten sind stark im Rückgang begriffen. Seit 1998 ging laut WWF in Deutschland 76 % der Insektenbiomasse verloren. Wenn auch die Landwirtschaft als Hauptverursacher gilt, so kann der gigantische Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen und die damit verbundene Vernichtung von Biotopen als Mitursache nicht ausgeblendet werden.

Die damalige Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg hat 2016 als einzige Gruppierung im Gemeinderat gegen die Bebauung Kleineschholz gestimmt. Bei keineswegs explodierender Bevölkerungszahl, bei Unmengen an geplanten Baugebieten, bei den gigantischen Umweltproblemen wie Klimawandel oder Artensterben wird es Zeit, umzudenken. Wohnungsbau darf nicht ständig und zwangsweise Vorrang vor dem Naturschutz haben, zumal Bauen auch noch in hohem Maße klimaschädlich ist.

Siehe auch:

Leserbreif zu dem BZ-Artikel

FL-Beitrag vom 19.5.2016: Gärten verbessern die Lebensqualität




Umstrittenes Denkmalschutzgesetz in NRW verabschiedet

Trotz zahlreicher Proteste wurde am 6.4.2022 ein neues Denkmalschutzgesetz für Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Da halfen alle Appelle und Petitionen nichts. Ohne Not sei nach Ansicht der Kritiker das bestehende gut funktionierende Denkmalschutzgesetz geändert worden.

Die Änderungen sind gering, die Auswirkungen möglicherweise gravierend: Künftig sollen nicht mehr unabhängige Denkmal-Experten darüber entscheiden, wie in NRW ein Denkmal saniert, umgebaut oder möglicherweise auch abgerissen wird. Diese Entscheidung liegt nun bei der Gemeinde, deren Angestellte nicht einmal dafür wissenschaftlich qualifiziert sein müssen. Die Denkmalfachbehörde soll künftig nur noch angehört werden. Doch gerade mit dieser Schwächung der Fachleute dürfte eine gravierende Schwächung des Denkmals einhergehen, zumal je nach Gemeinde auch Bürgermeister entscheiden können. Und die haben oft anderes vor. Nicht selten dürfte künftig der Abriss stehen.

Laut Befürworter der Neuregelung sollen die Belange des Wohnungsbaus, des Klimas, des Einsatzes erneuerbarer Energien sowie der Barrierefreiheit mehr berücksichtigt werden. Eine von der Landesregierung 2020 in Auftrag gegebene Evaluation gab jedoch dem 42 Jahre alten Gesetz gute Noten. Seit Monaten warnt auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz davor, Fremdinteressen in ein Denkmalschutzgesetz aufzunehmen. So konnte DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny 24.000 Unterschriften gegen das „Denkmal-NICHT-Schutzgesetz“ an die Landesregierung NRW überreichen. Gebracht hat es am Ende nichts: Mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit von CDU und FDP wurde das neue Denkmalschutzgesetz verabschiedet.

Das denkmalgeschützte Ratsstüble wurde 2016 abgerissen – ein Tiefpunkt im Freiburger Denkmalschutz (Foto: K. U. Müller)

Dass die Sorgen berechtigt sind, zeigt die Erfahrung aus Baden-Württemberg, insbesondere aus Freiburg. Das Denkmalschutz BW zählt zu den Schlechtesten in Deutschland. Das Landesamt für Denkmalpflege mit Sitz in Esslingen am Neckar ist chronisch unterbesetzt und kaum noch durchschlagskräftig. Bauinteressen setzen sich damit häufig gegen den Denkmalschutz durch – gerade in einer Stadt wie Freiburg, wo der Denkmalschutz dem Baubürgermeister und der Mehrheit im Gemeinderat ganz offensichtlich egal ist.

Auch kann nicht überzeugen, dass die Neuerungen beim Denkmalschutzgesetz NRW dem Klima helfen sollen. Bei nur 1,5 % denkmalgeschützter Gebäude in NRW kann hier der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden, zumal auch ein Denkmal in gewissem Rahmen klimatechnisch ertüchtigt werden kann. Weitaus gravierender sind die Emissionen durch den Autoverkehr, der mit Neubebauung weitab von Stadtzentrum zunimmt (siehe dazu unser Webinar vom 1.2.2022). Und die Energiebilanz alter Gebäude ist sogar besser als die von Neubauten, wenn man die Energie für Abriss und Neubau miteinrechnet. „Wenn man abreißt und neu baut, dauert es 125 Jahre, bis sich ein Neubau amortisiert“, wie DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung am 19.4.2022 zitiert wird.

Mit dieser Neuregelung stellt Nordrhein-Westfalen sein kulturelles Erbe zur Disposition. Dabei ist auch zu befürchten, dass dieser Schritt im bevölkerungsmäßig größtem Bundesland Signalwirkung für ganz Deutschland hat und die Abrissbirne hoch häufiger zum Einsatz kommt. Freiburg Lebenswert hat bereits vor fünf Jahren einen Entwurf zur Verbesserung des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg bei der Landesregierung eingereicht. Leider wurden unsere Vorschläge in Stuttgart verschleppt mit der Folge, dass Baden-Württemberg ein Kulturgut nach dem anderen verliert.

Bedauerlich, denn mit dem Abriss eines Altbaus gehen nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern auch Charme und Gesicht einer Stadt oder eines Dorfes verloren. Freiburg Lebenswert wird sich daher weiterhin für Verbesserungen im Denkmalschutz einsetzen. Diese hat Freiburg dringend nötig.

Das Dreikönigshaus, eines der ältesten Häuser in der Schwarzwaldstraße (Foto: K. U. Müller), soll weichen, um für den Stadttunnel Baumaterialien zu lagern. 2015 brannte der Ostteil, der sogleich in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen wurde. Das Foto ist inzwischen historisch, das Haus rechts wurde ebenfalls heimlich, still und leise abgerissen.
Die Villa in der Wintererstraße fiel ebenfalls Partikularinteressen des bauwilligen Eigentümers zum Opfer (Foto: K. U. Müller).

Siehe auch:

Informationen zum neuen DenkmalschutzG NRW auf der Seite Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Beim Denkmalschutz muss sich was ändern

Wenn der Abrissbagger kommt




Immobilienpreise explodieren

Ein neuer Rekord: 1,25 Milliarden Euro wurden 2021 in Freiburg auf dem Immobilienmarkt umgesetzt, so viel wie nie zuvor. Die Preise sind kometenhaft nach oben gegangen. Lag der Quadratmeterpreise 2016 noch bei knapp 5000 Euro, bewegte er sich 2021 bei 6500 bis 8000 Euro. Der Spitzenwert lag nur knapp unter 11000 Euro. 

Offenbar kann nichts diese Preisentwicklung aufhalten, auch der erwartete Coronaknick blieb aus. Bei der bereits bestehenden Materialknappheit und der möglichen Energiekrise besteht kaum Hoffnung auf Umkehr.

Auch Großprojekte wie Vauban und Rieselfeld brachten allenfalls einen Preisknick, wie im BZ-Kommentar vom 8.4.22 ausgeführt.  Neue Stadtteile wie auch Nachverdichtung, die „einzigen Mittel dagegen“, würden aber von den Bürgern abgelehnt.

Wirklich die einzigen Mittel? Das ungezügelte Bauen hat die Preise erst vorangetrieben. Und mehr als einen kurzfristigen Preisknick haben auch die neuen Stadtteile nicht bewirkt. Dabei muss sich auch die Frage stellen, ob wir wirklich alle paar Jahre einen neuen Stadtteil bauen und reihenweise Grünflächen zubetonieren wollen, obwohl alle Umweltaspekte dagegensprechen.

Neubaugebiet Hornbühl-Ost. Der Quadratmeterpreis liegt bei 8000 Euro (Foto: K. U. Müller).

Leerstände besser nutzen, sanieren statt abreißen – es gibt Alternativen zum Neubau. Will man bezahlbaren Wohnraum schaffen, muss man aufhören, diesen abzureißen. Im Metzgergrün wird gerade wieder der völlig falsche Weg eingeschlagen.

Im Metzgergrün wird bezahlbarer Wohnraum abgerissen. Mit ihm gehen Charme und Natur des Quartiers (Foto: K. U. Müller).



FL im Gespräch am 24.3.2022

In unserer Veranstaltungsreihe „FL im Gespräch“ wollen wir am Donnerstag, den 24.3.2022 von 18:30 bis 20:00 Uhr das Thema Baustelle Wiehre: Verdichtung, Abriss, Neubau behandeln. Wo lagen die Fehlentwicklungen im Stadtteil in jüngster Vergangenheit, was lief positiv?

Geplanter Ablauf:

18.30-19.15, Kurzvorträge  (Diskussion nach jedem Beitrag):

  • Joachim Scheck (ARGE, Vistatour), Überblick – Tiefgreifender und beschleunigter Wandel.
  • Klaus-Ulrich Müller (FL),  Brennpunkte (Bildervortrag).
  • Peter Vogt (FL), Bebauung in der Sternwaldstraße 9 a.

Auch haben wir die beiden Bürgervereine des Stadtteils eingeladen, deren Sichtweise uns natürlich interessiert.

19:30 bis 20:00 Uhr: Abschlussdiskussion.

Interessierte können gerne über folgenden Zoom-Link teilnehmen:

https://us06web.zoom.us/j/89138662304?pwd=R1duRW1FU2g1Umpad3NDVDdHQkJtQT09

Abriss der Villa in der Siberbachstr. 25 (Foto: K.-U. Müller)



Rede zu Abwendungsvereinbarung Dietenbach

Nach der Aussage von Baubürgermeister Haag bei der Vorlage zu den Abwendungsvereinbarungen von Dietenbach (Drucksache G-22/001), man sei in Freiburg „freudig erregt“, dass es mit dem Neubaustadtteil jetzt in die Umsetzungsphase gehe, hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spontan folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrte Damen und Herren
!

Ich bin keinesfalls „freudig erregt“ beim Gedanken an diesen Stadtteil Dietenbach, Herr Baubürgermeister, und das gilt sicher auch für die 40 % der Freiburger, die damals gegen den neuen Stadtteil gestimmt haben. Einen neuen Stadtteil mit hohem Verbrauch an grauer Energie und hohem Versiegelungspotential zu bauen, angesichts des Klimawandels und Artensterbens, halten inzwischen viele Menschen für falsch. Sie sind eben nicht der Meinung, dass der Mensch das Recht hat, seine Bedürfnisse über die Bedürfnisse aller anderen Lebewesen, Pflanzen und Tiere, auf diesem Planeten und zu Lasten des Klimas zu stellen. Ich fürchte, dass dieses egoistische Denken der Menschheit uns allen irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft auf die Füße fallen wird. Es wird dann ein Umdenken geben zu einem Zeitpunkt, wenn eine Umkehr nicht mehr möglich sein wird, da die Kipppunkte des Klimawandels überschritten sein werden.

Storch auf dem Dietenbach-Gelände (Foto: K. U. Müller).



Vorbild Merdingen

Die Gemeinde Merdingen hat eine Satzung über die Festlegung des Sanierungsgebietes „Ortskern“ bekanntgegeben. Ziel der Sanierung ist u. a. die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum durch die Nutzung leerstehender Gebäude und Erneuerung vorhandener Wohnhäuser. Auf den Erhalt historischer Bausubstanz wird Wert gelegt. Dabei winken den Eigentümern lukrative Fördergelder, das Interesse ist dementsprechend groß.

Von der veranschlagten Fördersumme von rund 5 Mio Euro sind 1,2 Mio Euro für private Fördervorhaben vorgesehen, darin enthalten ist auch ein Zuschlag für den Denkmalschutz. Nach dem Satzungsbeschluss des Gemeinderats können Hauseigentümer nun Förderanträge stellen.

Dieser Merdinger Weg ist aus Sicht von Freiburg Lebenswert zu begrüßen: Die Sanierung bestehender Gebäude ist unter dem Strich günstiger und klimafreundlicher als Abriss und Neubau. Bestehende Gebäude besser nutzen, Leerstand vermeiden und damit die Ortszentren beleben, kommt nicht nur der Natur, sondern auch den Einwohnern zugute.

Beton in Weinbergidylle in Ebringen (Foto: K. U. Müller).

Andere Gemeinden haben hier leider Nachholbedarf: Zum Beispiel Endingen, wo rücksichtslos große bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen versiegelt werden. Oder Ebringen, wo nicht minder rücksichtslos in schönster Weinberglandschaft betoniert wurde. Oder auch Freiburg, wo immer wieder – aktuell Metzgergrün – abgerissen statt saniert wird. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Die Zukunft stellt neue Anforderungen an den Städtebau. Die Stadt nicht neu bauen, sondern neu denken ist die Devise. In Merdingen wurden dafür die Weichen gestellt.

Intaktes Ortsbild in Merdingen – auch dank Gestaltungssatzung (Foto: K. U. Müller).



1400 Unterschriften für maßvolle Bebauung in Freiburg-Tiengen

Manche Geschichten wiederholen sich in Freiburg leider. Eine Bebauung wird geplant. Die Zahl der Wohneinheiten wird dann im Laufe der Planungen still und leise erhöht. Im Gemeinderat wird das Vorhaben dann mit einer Gegenstimme abgesegnet. So wieder geschehen in FR-Tiengen beim geplanten Baugebiet „Hinter den Gärten“. 

Der dörfliche Charakter Tiengens könnte durch die überdimensionierten Neubauten beeinträchtigt werden (Foto: K. U. Müller).

Schon lange regt sich Kritik an diesem Bauvorhaben. Freiburg Lebenswert hat etliche Zuschriften aus der Anwohnerschaft erhalten: „Die jetzt geplante Bebauung passt absolut nicht zur bisherigen Bebauung des Ortes: Zu hoch, zu dicht. Der Ort ist noch ländlich geprägt, und die jetzt geplante 4-geschossige Bebauung entspricht nicht mehr den Entwürfen, die das Stadtplanungsamt 2017 den Tiengener Bürgern vorgestellt hatte.“ Und tatsächlich, die Anzahl der Wohneinheiten liegt mit 340 bis 360 weit höher als bei Beginn der Planungen 2017. Vor allem wird ein ca. 40 Meter langer Baukörper als völlig überdimensioniert moniert. Die große Mehrheit im Ortschaftsrat lehnte diese überdimensionierte Planung (nicht die Bebauung grundsätzlich) für das Baugebiet ab.

Am 15.6.2021 war der Gemeinderat aufgerufen, über den Bebauungsplan Hinter den Gärten in Freiburg-Tiengen abzustimmen. „Retten Sie Tiengen als ländlich geprägten Ort, machen Sie den Weg frei für Lösungen statt Fehlern in Beton, stimmen Sie dem Plan…bitte nicht zu!“ Dieser Appell aus der Tiengener Bürgerschaft an den Gemeinderat blieb weitgehend ungehört: Bis auf FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler stimmten alle anderen Gemeinderäte für den Bebauungsplan.

Eine Bürgerinitiative hat inzwischen rund 1400 Unterschriften an OB Horn übergeben (die BZ berichtete am 11.2.2022). Dabei stellte auch die Initiative klar, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Bebauung sei. Ein Baugebiet für bis zu 1000 Einwohner „im Stile Güterbahnhof Nord“ sei jedoch für den 3300-Einwohner-Ort nicht angemessen. OB Horn bedankte sich fürs Engagement, verwies aber auf den hohen Wohnungsbedarf.

Bei Amtseinführung plädierte OB Horn noch dafür „das kulturelle Erbe in Freiburg“ zu bewahren (FL berichtete am 3.7.2018). Freiburg dürfe gerade in Zeiten von Wachstum seinen Charme nicht verlieren, so Horn damals. Diese geplante Bebauung (und nicht nur die Bebauung in Tiengen!) kann diesem Anspruch allerdings in keiner Weise genügen.

Zudem muss man sich angesichts keineswegs explodierender Einwohnerzahlen (2020 sogar leicht gesunken) sogar die Frage stellen, ob dieses Baugebiet überhaupt notwendig ist. Wir erinnern uns noch gut an die Debatte beim Dietenbach-Bürgerentscheid. So sei der neue Stadtteil schon deshalb notwendig (und auch noch umweltfreundlich), damit im Umland die Zersiedelung gestoppt werden könne. Man hätte hier Taten folgen lassen können. So aber ist die Glaubwürdigkeit der pro-Dietenbach-Argumentation ausgehöhlt. 




Webinar zum Thema „lebenswerte Stadt“ am 1.2.2022

Am Dienstag, den 1. Februar 2022, findet um 17:30 Uhr ein Zoom-Webinar statt zum Thema „Lebenswerte Stadt“.

In Zeiten der Klimakrise und explodierender Mieten stehen Naturschutz und Wohnungsbau oft im Konflikt. Wie viel, wie und von wem gebaut wird, entscheidet darüber, ob unsere Städte lebenswert sind: Wird das Klima geschützt? Werden Ressourcen nachhaltig geschont? Fördert das Stadtleben die Gesundheit und das soziale Miteinander? Gelingt eine Mobilitätswende?

Zu diesen Themen gibt es einen Einführungsvortag von Andreas Hofer, Intendant Internationale Bauausstellung Region Stuttgart 2027.

Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit Chat-Publikumsbeteiligung statt mit folgenden Gästen:

Carsten Butsch, Universität Köln.
Roland Jerusalem, Stadtplanungsamt Freiburg.
Ingrid Marienthal, Fuß- und Radentscheid.
Stefanie Weidner, Werner Sobek AG, Stuttgart.
Joachim Scheck, ARGE-Stadtbild e.V., Vistatours, Freiburg

Bitte melden Sie sich frühzeitig an:
Entweder per E-Mail: webinar@freiburg-lebenswert.de.
Oder hier auf unserer Homepage:
https://freiburg-lebenswert.de/anmeldung-zum-webinar/

FL-online am 1.2.2022 von 17:30 bis 19:00 Uhr über Zoom.

Kurz vor der Veranstaltung wird Ihnen ein Zoom-Link zugesendet, über den Sie sich einloggen können.

Diese Veranstaltung wird Ihnen präsentiert von Freiburg Lebenswert e. V. in Kooperation mit @IBA_2027.




Stadt will Fällung einer Rotbuche nicht verhindern

Die Bäume haben keine Chance gegen Bauinteressen. Bauherrn können sich auf Unterstützung seitens der Stadt stets verlassen (Foto: K. U. Müller).

Nach einem Schreiben vom Leiter des Baurechtsamts an die Anwohnerschaft der Stefan-Meier-Straße 131 gehen die Hoffnungen, die prächtige Rotbuche im Hinterhof zu erhalten, gegen Null. Nichts kann nun den Bauherrn abhalten, sein Bauvorhaben wie geplant umzusetzen. Dieser zeigte sich nicht gesprächsbereit. Vorschläge für eine geänderte Bauausführung, die den Bauherren in die Lage versetzen würde, die Grünfläche mit der Rotbuche und mehreren Eiben zu erhalten, hatte es genug gegeben. In einer Anfrage an den OB vom 24.11.2021 schlug FL-Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler vor, die geplante Tiefgarage über die Zufahrt der benachbarten Tiefgarage des Finanzamtes zu erschließen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass die Tiefgarage schmaler ausgefallen wäre. So hätte man den gesamten Grünstreifen mit den Bäumen erhalten können.

Es ist schon erstaunlich, wenn das Baurechtsamt in seinem Schreiben vom 3.12.2021 trotz geltender Baumschutzsatzung mitteilt, dass die Stadt vom Investor eine andere Bauausführung nicht verlangen könne. Ebenso erstaunlich ist, dass sich die Stadt die Argumentation des Bauherrn des Zielkonflikts zwischen der Schaffung von Wohnraum und dem Klimaschutz zu eigen macht und dabei wieder einmal leichtfertig ein wertvolles Biotop den Partikularinteressen eines Bauherrn opfert.

Nach § 6 Abs. 2 Nr. 2 der Baumschutzsatzung ist ein Befreiungstatbestand vom Baumschutz gegeben, wenn die Fläche, auf der sich ein Baum befindet, überbaut werden darf. Für Freiburg Lebenswert ist diese Rechtsgestaltung eine Reliquie des vorigen Jahrhunderts, die vollkommen ignoriert, dass die Klimakrise die Menschheit und alle Entscheidungsträger der politischen Institutionen zwingt, eingefahrene Gewohnheiten neu zu überdenken und aktuelles Handeln an die neue Lage anzupassen. Längst ist der Kühleffekt von Bäumen bekannt. Die Stadt Freiburg heftet sich zu Unrecht die verschiedensten Klimaschutz-Etiketten ans Revers, wenn es ihr nicht gelingt, überkommene Verordnungen vor dem Hintergrund des Klimawandels neu auszutarieren. Aktionen, wie das Ausstreuen von Blumensamen auf den noch vorhandenen Grünflächen im Uni-Quartier wirken deshalb nur lächerlich und unglaubwürdig.

Bäume kühlen, bieten Lebensraum und tun der Psyche gut – das Baurecht geht jedoch vor (Foto: K. U. Müller).



Daniel Fuhrhop erzielt Achtungserfolg bei OB-Wahl in Oldenburg

Viel hätte nicht gefehlt und ein radikaler Baukritiker wäre im September 2021 zum OB der Stadt Oldenburg gewählt worden. Daniel Fuhrhop, parteilos, aber von den Grünen unterstützt, ist dann aber doch im 2. Wahlgang mit dem Endergebnis 45,93 % zu 54,07 % dem wieder angetretenen Amtsinhaber Jürgen Krogmann unterlegen. Der Autor des bekannten Buches „Verbietet das Bauen“ ist auch den Freiburgern gut bekannt. Als er auf Einladung von Freiburg Lebenswert zu seinen Thesen referierte, war der Hüttinger Saal voll.

Freiburg Lebenswert hat Herrn Fuhrhop zu diesem tollen Abschneiden gratuliert. Herr Fuhrhop hat sich nun bei uns bedankt und dabei auch ausgeführt, dass ihn die Besuche in Freiburg bei der Entscheidung für eine Kandidatur durchaus motiviert hätten. Das freut uns natürlich sehr.

Zum Thema Stadtbild führte Daniel Fuhrhop in seinem Wahlprogramm aus: „Wir sollten weniger abreißen, sondern alte Häuser wertschätzen und erhalten. In den vergangenen Jahren hat die Stadt zu oft tatenlos zugeschaut, wenn historische Orte zerstört wurden. Als Oberbürgermeister werde ich mich für den Erhalt der gebauten Geschichte einsetzen.“

Das Ratsstüble erfuhr keine Wertschätzung.

Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Leider ja, denn auch in Freiburg hält sich die Wertschätzung für historische Gebäude in überschaubaren Grenzen. Um Neubauten zu realisieren ist eben jedes Mittel recht. So wird in Freiburg nicht nur Baugeschichte zerstört, es werden auch wertvolle Naturräume zubetoniert. In aller Regel ist damit auch eine sehr zweifelhafte Schablonen-Architektur verbunden.

Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!“

Daniel Fuhrhop hat in seinen lesenswerten Büchern wie z. B. „Verbietet das Bauen“ oder „Willkommensstadt“ immer wieder Alternativen aufgezeigt, wie Wohnraum effektiv, klimafreundlich und sozial verträglich geschaffen werden kann – ohne ausufernden Neubau.

Die Villa in der Silberbachstraße wurde durch einen sterilen Neubau ersetzt. Leider kein Einzelfall in Freiburg.

Siehe: https://www.verbietet-das-bauen.de/buch/

https://freiburg-lebenswert.de/ob-kandidat-in-oldenburg-daniel-fuhrhop/

Fotos: Dr. W. Deppert, K. U. Müller