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Daniel Fuhrhop erzielt Achtungserfolg bei OB-Wahl in Oldenburg

Viel hätte nicht gefehlt und ein radikaler Baukritiker wäre im September 2021 zum OB der Stadt Oldenburg gewählt worden. Daniel Fuhrhop, parteilos, aber von den Grünen unterstützt, ist dann aber doch im 2. Wahlgang mit dem Endergebnis 45,93 % zu 54,07 % dem wieder angetretenen Amtsinhaber Jürgen Krogmann unterlegen. Der Autor des bekannten Buches „Verbietet das Bauen“ ist auch den Freiburgern gut bekannt. Als er auf Einladung von Freiburg Lebenswert zu seinen Thesen referierte, war der Hüttinger Saal voll.

Freiburg Lebenswert hat Herrn Fuhrhop zu diesem tollen Abschneiden gratuliert. Herr Fuhrhop hat sich nun bei uns bedankt und dabei auch ausgeführt, dass ihn die Besuche in Freiburg bei der Entscheidung für eine Kandidatur durchaus motiviert hätten. Das freut uns natürlich sehr.

Zum Thema Stadtbild führte Daniel Fuhrhop in seinem Wahlprogramm aus: „Wir sollten weniger abreißen, sondern alte Häuser wertschätzen und erhalten. In den vergangenen Jahren hat die Stadt zu oft tatenlos zugeschaut, wenn historische Orte zerstört wurden. Als Oberbürgermeister werde ich mich für den Erhalt der gebauten Geschichte einsetzen.“

Das Ratsstüble erfuhr keine Wertschätzung.

Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Leider ja, denn auch in Freiburg hält sich die Wertschätzung für historische Gebäude in überschaubaren Grenzen. Um Neubauten zu realisieren ist eben jedes Mittel recht. So wird in Freiburg nicht nur Baugeschichte zerstört, es werden auch wertvolle Naturräume zubetoniert. In aller Regel ist damit auch eine sehr zweifelhafte Schablonen-Architektur verbunden.

Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!“

Daniel Fuhrhop hat in seinen lesenswerten Büchern wie z. B. „Verbietet das Bauen“ oder „Willkommensstadt“ immer wieder Alternativen aufgezeigt, wie Wohnraum effektiv, klimafreundlich und sozial verträglich geschaffen werden kann – ohne ausufernden Neubau.

Die Villa in der Silberbachstraße wurde durch einen sterilen Neubau ersetzt. Leider kein Einzelfall in Freiburg.

Siehe: https://www.verbietet-das-bauen.de/buch/

https://freiburg-lebenswert.de/ob-kandidat-in-oldenburg-daniel-fuhrhop/

Fotos: Dr. W. Deppert, K. U. Müller




Reden zu Stühlinger West

Zu Stühlinger West (Drucksache G-21/164) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 26. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Reden gehalten:

Zur Bebauung und zur Verkehrsplanung:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Mit dem Baugebiet Stühlinger West geht wieder mal eine Kleingarten-Idylle zu Ende. Vielen Kleingärtnern wird ihr grünes Sommer-Wohnzimmer zerstört. Dies betrifft besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund, von denen die meisten ein sehr inniges Verhältnis zu einem Garten haben und den Verlust somit intensiv erleiden. Es ist für mich immer wieder ein unverständlicher Widerspruch, dass sich auf der einen Seite viele hier im Gemeinderat erfreulicherweise für Flüchtlinge engagieren. Aber wenn diese dann anfangen, sich hier ihre kleine Existenz aufzubauen, wozu für viele eben auch die Bewirtschaftung eines Garten gehört, dann haben dieselben Stadträte überhaupt kein Problem damit, die Interessen dieser Menschen zu negieren, wenn es einem vermeintlich besseren Ziel entgegensteht, nämlich Freiburg wachsen oder treffender krankhaft wuchern zu lassen. Diese verquere Logik kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Aber, meine Damen und Herren, das müssen Sie mit Ihrem Gewissen ausmachen.

Jetzt zu dem Neubauvorhaben: Beim Energiekonzept besteht noch erheblicher Abstimmungsbedarf mit Energieexperten und den Projekt -Initiativen von Klein-Eschholz – daher meine Absetzungsforderung dieses Punktes (siehe folgende Rede). Die sonstige Planung hat, was die Gebäude und Freiflächenplanung betrifft, prinzipiell die Zustimmung von Freiburg Lebenswert. Bis auf eine Ausnahme: Es ist erklärtes und längst überfälliges Ziel des Gemeinderates, den privaten motorisierten Verkehr zurückzudrängen, auch um Wohngebiete von Lärm und Autos zu entlasten. Nun ist aber geplant die bisher städtebaulich recht gut angelegte Sundgauallee – wohlgemerkt eine Durchgangsstraße, wenn auch mit relativ geringem Verkehrsaufkommen – durch zwei nahezu rechtwinklige Kurven in dieses neue Wohngebiet hinein und auch wieder hinauszuführen. Statt wie bisher die Sundgauallee auf der bisherigen Diagonale, der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks, an dem Wohngebiet vorbeizuführen, wird der Verkehr nun auf den beiden Katheten dieses Dreiecks mitten durch das Wohngebiet geführt. Das ist nur noch grotesk zu nennen! Ziel muss es doch sein, Verkehre möglichst gerade und zeitsparend zu führen. Offensichtlich sollen mit einer solchen S-Schikane mitten durch ein Wohngebiet Autofahrer zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel animiert werden. Und das unter Inkaufnahme erhöhten Schadstoffausstoßes zum einen beim Bremsen und Beschleunigen in den beiden Kurven und zum andern durch die längere Fahrstrecke, durch den Eintrag erhöhter Lärmimmissionen in das Wohnquartier und durch erhöhte Verkehrsgefährdung der Anwohner. Die Autos fahren direkt am Quartiersplatz vorbei, der doch Aufenthaltsqualität bekommen soll. Aufenthaltsqualität mit durchfahrenden Autos? Meine Damen und Herren, das ist Denken der 1960er Jahre! Mit einer solchen hanebüchenen Verkehrsplanung könnte Freiburg es locker in die Satire-Sendung „extra 3 Spezial“ als Schildbürgerstreich des Jahres schaffen. Herr Verkehrsbürgermeister, wenn Sie nicht schon sitzen würden, würde ich aus meiner Schulzeit den geflügelten und von uns Gymnasiasten gefürchteten Lehrerausruf verwenden: „Setzen! Sechs!“.

Tut mir Leid, aber einer solchen Verkehrsplanung kann ich nicht zustimmen. Ich werde die Vorlage ablehnen!

Stühlinger West Absetzungsantrag:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Von den Projekt-Initiativen Kleineschholz werden zu recht verschiedene Punkte zum Energiekonzept als noch nicht entscheidungsfähig bezeichnet. Die Weltwetterorganisation (WMO) hat erst gestern alarmierende Zahlen genannt. Trotz Corona-Pandemie stieg die CO2-Konzentration 2020 um 2,5 ppm auf nun 413,2 ppm und liegt damit um erschreckende 49 % über dem vorindustriellen Niveau. Es muss dringend gehandelt werden. Neue Wohnquartiere oder gar Stadtteile mit Effizienzhausstandard 55 zu planen ist nicht mehr akzeptabel. Wenn schon mit diesen Quartieren riesige Naturflächen versiegelt werden, dann ist mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforscher Passivhaus- oder Plusenergiestandard ein absolutes Muss!

Mit dem weltweiten Temperaturanstieg verschiebt sich auch das Hauptaugenmerk immer mehr von der winterlichen Heizung weg hin zur sommerlichen Kühlung. Wie den Projekt-Initiativen ist auch mir völlig unklar, wie Sie die sommerliche Kühlung ermöglichen wollen. Ebenso kann ich wie diese die Präferenz der Vorlage für eine zentrale Lösung zum Nachteil dezentraler Lösungen, die über ein Quartiers-Leitungsnetz verbunden werden könnten, zunächst mal nicht nachvollziehen, wenngleich eine solche Lösung wegen der geringen Größe des Quartiers weniger nachteilige Auswirkungen hätte wie in Dietenbach.

Bevor gemäß Ziffer 3 der Vorlage ein Wärmeliefer-Contracting EU-weit ausgeschrieben wird, müssen solche Randbedingungen unbedingt vorher geklärt sein. Wenn schon die Projekt-Initiativen von sich aus höhere Energiestandards fordern, dann sollte man dieses Angebot doch erfreut wahrnehmen. Ich beantrage Ziffer 3 der Beschlussvorlage abzusetzen und sich vor der Ausschreibung mit lokalen Energieexperten an einen Tisch zu setzen und bezüglich der Kritikpunkte einvernehmliche Lösungen zu erarbeiten.




Rede zum Metzgergrün

Zum Metzgergrün (Drucksachen G-21/166 und 167) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 5. Oktober 2021 im Freiburger Gemeinderat folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren!

Das Metzgergrün hat sich seit seinem Bau in den 50er Jahren zu einer grünen und sozialen Idylle entwickelt. Viele Wildtiere wie Füchse, Marder, Vögel, Fledermäuse und zahlreiche Insektenarten sind in den Hausgärten zu finden, sogar eine kleine Schar von Hühnern streift durch die offenen Gärten. Metzgergrün ist eine der wenigen richtigen grünen Oasen, die diese Stadt noch hat. Aber das Metzgergrün ist nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine soziale. Seit Jahrzehnten werden Arbeitslose, Menschen mit psychischen und Suchtproblemen von der Stadt und der Stadtbau in das Metzgergrün abgeschoben. Die Bewohner nahmen all diese problembeladenen Menschen auf und integrierten sie in die Quartiersgesellschaft, so gut es ging. Die Bewohnerschaft trifft sich oft draußen zum Reden, Kaffeetrinken, einfach zum gemütlichen Beisammensein. Da ist eine Gemeinschaft entstanden, wie ich sie mir in anderen Stadtquartieren auch wünschen würde. Anwohnerinnen – es sind in erster Linie Frauen, die sich um ihre Mitbewohner kümmern – berichteten mir, dass sie sich als ehrenamtliche Sozialarbeiterinnen der Stadt Freiburg fühlen. Diese Kümmerinnen haben der Stadt ganz viel Geld gespart, die diese sonst für professionelle Hilfe hätte ausgeben müssen. Und zum Dank wird ihnen nun ihr Quartier platt gemacht, Häuser mit guter Bausubstanz abgerissen und die oftmals liebevoll hergerichteten Gärten zerstört. Damit, meine Damen und Herren, vernichten Sie auch Existenzen, die mit diesem barbarischen Akt der Zerstörung nicht zurechtkommen. Und wofür das Ganze? Damit Freiburg weiter wachsen kann in einer Zeit, wo nicht nur Zukunftsforschern, sondern langsam allen klar wird, dass Wachsen in einem endlichen Lebensraum letztlich zum Untergang der Menschheit führen wird!

Vor dem Bürgerentscheid zu Dietenbach wurde immer wieder behauptet, dass mit dem Bauen auf der Grünen Wiese der Druck zu Nachverdichtung im Innenbereich genommen würde. Bewohner des Metzgergrüns, aber auch die der BIMA-Gebäude in der Colmarer Straße haben sich darauf verlassen und oftmals für Dietenbach gestimmt. Aber sie wurden genauso enttäuscht wie die vielen, die der Aussage „Für Dietenbach wird kein einziger Baum gefällt“ geglaubt hatten. Mit solchen Lügen konnte man 2019 den Bürgerentscheid gewinnen.

Für mich ist es unbegreiflich, dass Sie, Frau Umweltbürgermeisterin, und die Grünen überhaupt kein Problem darin sehen, eine solch grüne Idylle zu zerstören. Dafür sind die Grünen doch 1980 gegründet worden, um für den Erhalt genau solcher Naturräume auch in der Stadt zu kämpfen. Zumindest war das uns Grünen der ersten Stunde, damals, hier in Freiburg, ein oberstes Anliegen. Was ist aus den Grünen in dieser Stadt nur geworden? Und es ist für mich weiter unbegreiflich, dass Sie, Herr Sozialbürgermeister, und die mit Ihnen verbundenen Parteien SPD und ESFA (Eine Stadt für alle) über die Befürchtungen und Existenzängste mehrerer hundert Bewohner letztlich doch einfach mit einem Achselzucken hinweggehen.

Ich werde mich der großen Koalition aus Metzgergrün-Zerstörern nicht anschließen und diese Vorlage ablehnen!

Metzgergrün – ein grünes Idyll (Foto: K. U. Müller).



FL vor Ort im Betzenhausener Obergrün

Freiburg erhielt die Auszeichnung „StadtGrün naturnah“ in Gold, wie die BZ am 6.10.2021 berichtete. Für Baubürgermeister Haag ist das eine verdiente Ehrung: „Freiburg tut viel, um städtisches Grün möglich zu machen“, zitiert ihn eine städtische Pressemitteilung und als Beispiel nannte er u. a. das „Urban Gardening“.

Für Freiburg Lebenswert steht diese Preisverleihung in krassem Widerspruch zur real existierenden Umweltpolitik der Stadt, die sich nicht scheut, riesige Grünflächen durch Bebauung zu versiegeln.

Am Samstag, den 2.10.2021, fand im Gewann Obergrün eine Ortsbegehung statt, zu der Freiburg Lebenswert eingeladen hatte. Cora und Kerstin Geigenbauer vom Verein „Bauernhoftiere für Stadtkinder e. V“ stellten bei einer naturkundlichen Führung die Arbeit des Vereins vor und zeigten die wertvollen Grünflächen mit ihrer biologischen Vielfalt. Für viele Kinder im Stadtteil ist hier auch ein Spielotop. Diese Grünflächen wurden vor längerer Zeit schon von der Bauwirtschaft und der Stadtverwaltung für ein neues Baugebiet ausgewählt, das seither zielstrebig vorangetrieben wird.

Freiburg tut viel, um naturnahes städtisches Grün möglich zu machen, so der Baubürgermeister. Doch im Obergrün wie auch an vielen Orten in Freiburg wird wertvoller Naturraum durch Bebauung vernichtet (Foto: K. U. Müller)

Die ursprüngliche Planung 2015 sah 20 Wohneinheiten vor. Daraus wurden in der Folge 35 und zuletzt 48 Einheiten. Durch diese aktuelle Planungsvariante wird der Kinderbauernhof eine starke Beeinträchtigung erfahren. Durch den Verzicht auf eine der geplanten Häuserreihen direkt neben dem Bauernhof wäre der Konflikt entschärft und den Betroffenen glaubhaft signalisiert worden, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Diesen Vorschlag einer geringeren Bebauung hat Einzelstadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert immer wieder ins Feld geführt, während die anderen Gemeinderatsfraktionen dies ablehnen und das Totschlagargument der Schaffung von Wohnraum bemühen, obwohl die Einwohnerzahl derzeit eher stagniert. Dabei verkennen die Baubefürworter auch völlig, dass sich durch die Brisanz der Klimakrise die Prioritäten beim Bemühen um Nachhaltigkeit verschoben haben. Die Aufgabe des Naturschutzes rangiert ganz oben, weil eine ausreichende Wohnraumversorgung auf einem unbewohnbar gewordenen Planeten Erde zur Absurdität wird.

Fazit: Viel Zerstörung für wenig – wenn überhaupt – bezahlbaren Wohnraum.

Siehe auch: https://freiburg-lebenswert.de/widerstand-im-obergruen/




Widerstand im Obergrün

Seit Jahren sorgt ein großes Bauvorhaben für Unmut in Betzenhausen-Bischofslinde. Anwohner und benachbarte Institutionen wie z.B. die Anne-Frank-Schule, die Kita Fang-die-Maus und der Verein Bauernhoftiere für Stadtkinder e. V. fühlen sich von den städtischen Planungen im Obergrün brüskiert. Konflikte durch Tierlaute und –gerüche sind bei der aktuellen Planungsvariante vorprogrammiert. Das alles hätte mit einer maßvolleren Bebauung, wie ursprünglich geplant, vermieden werden können.

Der Kinderbauernhof erfährt durch die zu nah heranrückende Bebauung eine starke Beeinträchtigung.

Die Anne-Frank-Schule wendet sich mit einem Appell an alle Fraktionen und weist auf den ökologischen und pädagogischen Wert der überplanten Naturfläche hin. Man wolle neben dem Unterricht im Klassenzimmer die Gesundheit der Kinder stärken, indem man mit ihnen hinaus in die Biotopfläche bei der Schule gehe, so Schulleiterin Karoline Schiafino.

Freiburg Lebenswert unterstützt mit Nachdruck die Anliegen der benachbarten Institutionen und weist erneut auf den ökologischen und sozialen Wert der Grünfläche im bevölkerungsreichen Westen hin. So ist die Fläche wertvolles Naherholungsgebiet und von EU-weit geschützten Arten besiedelt. Eidechsen leben hier und ein Brutpaar des Neuntöters ist gerade wieder eingezogen.

Die Stadt Freiburg hat 2018 zur Förderung der biologischen Vielfalt bis 2025 einen Biodiversitäts-Aktionsplan beschlossen, um regional dem Artenverlust zu begegnen. Sehr gut, doch mit der systematischen Bebauung städtischer Naturflächen überhaupt nicht zu erreichen. Und bezahlbarer Wohnraum wird durch Neubau bei derzeit hohem Preisniveau im überhitzten Bausektor nicht geschaffen.

Mit sterilen Baukisten wie im angrenzenden Tränkematten Süd ist Artenschutz nicht zu erreichen.

Die Stadt hätte wenigstens auf die Häuserreihe direkt neben dem Bauernhof verzichten und damit signalisieren können, dass sie die Anliegen der Bürger halbwegs ernst nimmt. Dass dies bei der Baupolitik der Stadt nicht vorgesehen ist, zeigt auch der Umgang mit den Baumbesetzern auf dem Dietenbachgelände. Auch deren Belange werden mit fadenscheinigen Begründungen abgebügelt.

Umwelt- und Naturschützer sind für die Exekutive der GREEN-CITY als Störenfriede offensichtlich nicht gern gesehen.

Wertvoller Naturraum im Gewann Obergrün – in der GREEN CITY ist es damit bald mal wieder vorbei.



„Nie abreißen, nie einen Baum fällen“

Die französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal wurden mit dem Pritzker Architekturpreis, der renommierteste Auszeichnung für Architekten, ausgezeichnet. Das Duo hat in seiner Arbeit vor allem einen Vorsatz: Nichts abreißen!

Auf diese Art und Weise haben die beiden viele bestehende Gebäude in neue, oft auch erschwingliche Wohnanlagen umgebaut. „Nie abreißen, nie einen Baum fällen, nie eine Reihe Blumen herausnehmen“, sagt Vassal. Sondern, so meint er: „Die Erinnerungen an die Dinge, die da waren, bewahren und den Menschen, die dort leben, zuhören.“

Siehe mehr bei:  https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-pritzker-preis-fuer-architektur-duo-lacaton-und-vassal-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210316-99-847515!amp

Jean-Philippe Vassal ist auch Professor für Architektur an der Universität der Künste (UDK) in Berlin. Der Pritzker-Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung der Architektur-Branche (sozusagen „der Nobelpreis“ für Architekten) und ist mit 100 000 Dollar dotiert. Frühere Preisträger waren unter anderen Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster oder Peter Zumthor.

In der Begründung der Jury heißt es: „Indem sie die Verbesserung des menschlichen Lebens durch eine Perspektive der Großzügigkeit und Benutzungsfreiheit priorisieren, sind sie in der Lage dem Individuum sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu nützen und der Entwicklung einer Stadt zu helfen“.

„Nie abreißen, nie einen Baum fällen, nie eine Reihe Blumen herausnehmen. Die Erinnerungen an die Dinge, die da waren, bewahren und den Menschen, die dort leben, zuhören.“

Unserer Stadt helfen, das wünschen wir uns auch für Freiburg: von dem ewig gestrigen, antiquierten Weg, alles abreißen und neu bauen zu wollen, endlich abzurücken. Es wäre an der Zeit, denn meist wird die „graue Energie“, die auch bei Abriss und Neubau entsteht, unterschlagen, wenn der klimafreundliche Neubau beleuchtet werden soll.

So sieht das Gelände in der Sternwaldstraße aus, auf dem ein schweizer Investor auf engstem Raum nachverdichten will: Die Bäume sind allesamt gefällt, obwohl noch keine Baugenehmigung vorliegt (Foto: Peter Vogt).
Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen! (Foto: H. Sigmund)



OB-Kandidat in Oldenburg Daniel Fuhrhop

Als parteiloser Kandidat tritt Daniel Fuhrhop für die Grünen in Oldenburg als Oberbürgermeister an. Sein Leitmotiv lautet „Entspannt nachhaltig“. Der Unternehmer, Autor und Wirtschaftswissenschaftler ist unter anderem Autor des Buches „Verbietet das Bauen“, das uns viele Argumente und konstruktive Alternativen zum „Bauen auf Teufel komm raus“ geboten hat.

So schreibt er auf seiner Homepage: „Manche kritisieren mein erstes Sachbuch „Verbietet das Bauen!“ für dessen radikal übertriebenen Titel. Doch genauso radikal übertrieben ist die Parole „Bauen Bauen Bauen“, die manche Politiker wiederholen: Man sollte Flächenverbrauch vermeiden und nicht um jeden Preis verdichten; zudem verursachen Bau und Betrieb von Gebäuden vierzig Prozent der Treibhausgase. Darum muss man gut überlegen, ob und was man baut.“

Siehe: https://www.daniel-fuhrhop.de/

Als Autor schreibt er über die Klimasünden Zement und Bauschaum, über die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Altbauten, über ökologisches Bauen und vieles mehr. Und er tritt im Wahlkampf für „nachhaltigen Verkehr“ und eine Verkehrswende ein, plädiert für „grüne Flaniermeilen“, das Anpflanzen von Bäumen und kritisiert das ungezügelte, nur vom Profit getriebene Wachstum in den Städten.

All diese Themen entsprechen eins zu eins dem Programm von Freiburg Lebenswert. Und seine Kandidatur als parteiloser Kandidat der Grünen in Oldenburg zeigt, wie weit die Grünen hier in Freiburg von den Zielen anderer grüner Ortsverbände in Deutschland entfernt sind.

Siehe: https://www.verbietet-das-bauen.de/buch/

Vortrag von Daniel Fuhrhop für FL in Freiburg (Bild: Dr. W. Deppert)
Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!“



Beschluss für Erhaltungssatzung in der Wiehre

Der Freiburger Gemeinderat hat am vergangen Dienstag, für einen Teil des Stadtteils Wiehre eine soziale Erhaltungssatzung beschlossen und die Stadtverwaltung damit beauftragt diese zu erarbeiten. Es geht um das Gebiet zwischen Basler Straße, Merzhauser Straße und Bahnlinie, das sogenannte Heldenviertel. Dort hatte schon vor rund zehn Jahren die „Südwestdeutsche Bau-Union“ Mietwohnungen als Eigentumswohnungen verkauft und so – nach Meinung der Mehrheit im Gemeinderat – eine Gentrifizierung des Quartiers eingeleitet.

In der Diskussion im Gemeinderat erinnerten Grüne, SPD, Linke und FL daran, dass es nun seit 2015 das Instrument der Erhaltungssatzung gebe. Dass Investoren darüber klagen und die Bau-Union konkret wegen eines Projekts im Stühlinger die Stadt verklagt, sei ein Zeichen dafür, dass die Satzung notwendig sei. Energetische Sanierungen würden – entgegen anderslautenden Behauptungen – dadurch in keiner Weise behindert.

Für Freiburg Lebenswert (FL) sind soziale Erhaltungssatzungen und bauliche, stadtbilderhaltende Gestaltungssatzungen sehr wichtige politische Ziele. Folglich hat auch Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (FL) mit den linken Fraktionen im Gemeinderat für den Antrag gestimmt. Damit konnte die Aufstellung der Satzung im Gemeinderat beschlossen werden. Dagegen stimmten CDU, FDP/Bürger für Freiburg, Freien Wählern und AfD.

Siehe dazu in der BZ: https://www.badische-zeitung.de/die-westliche-unterwiehre-in-freiburg-soll-geschuetzt-werden




Deutsche Städte sind „überfüllt und überteuert“

Unter dieser Überschrift ist im Handelsblatt am 19.12.2020 ein interessanter Beitrag zur Situation am Immobilienmarkt erschienen. Städte würden ihre Anziehungskraft verlieren. Zwar sei es trotz der Coronakrise für viele sinnvoll ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen statt zu mieten, doch viele Käufer würden sich umorientieren. Denn: Deutsche Städte seien „überfüllt und überteuert“.

„Alle Experten sind sich einig: Die Coronakrise konnte dem deutschen Wohnimmobilienmarkt bislang nichts anhaben. Weder die Mieten noch die Preise sind eingebrochen. Im Gegenteil: Eigenheime, Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser haben sich in den ersten drei Quartalen 2020 stärker verteuert, als im selben Zeitraum des Vorjahres, zeigt der vdp-Immobilienpreisindex“, so das Handelsblatt.

„Seit der Jahrtausendwende beobachten wir einen Trend zum innerstädtischen Wohnen. Corona macht dagegen die suburbanen Lagen wieder interessanter“, beobachtet etwa Volker Eichener, Universitätsprofessor an der Hochschule Düsseldorf. Das bedeutet, dass die Preise im Umland großer Städte seit 2017 stärker zulegen, als in der Kernstadt. Das zeigt eine gemeinsame Studie der Sparda-Banken und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Corona würde auch zu einem Trend zu größeren Wohnungen führen. Da man durch Home-Office im vergangenen Jahr viel mehr Zeit zu Haus verbracht habe, seien auch Paare und Singles vermehrt auf der Suche nach größeren Wohnungen. Und diese findet man zu bezahlbaren Preisen eher auf dem Lande.

Siehe: https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/wohnungsmarkt-ueberfuellt-und-ueberteuert-die-stadt-verliert-ihre-anziehungskraft/26722536.html

Das Gleiche gilt für Bürokomplexe. Corona wird die Nachfrage nach Büroflächen reduzieren, seit sowohl Arbeitnehmer, als auch die Betriebe die Vorzüge der häuslichen Arbeit im Home-Office und deren technischen Möglichkeiten entdeckt haben. So warnte der Wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien: „Das Risiko einer Überbewertung steigt – insbesondere in den Ballungsgebieten“.

Und was macht Freiburg? Hartnäckig ignoriert man hier diesen Trend. Die Verwaltung und eine Mehrheit im Gemeinderat fordern weiter mehr Platz für Büroflächen und bauen hartnäckig einen Stadtteil Dietenbach, der so groß wie eine Kleinstadt ausfallen wird.

Teilweise sehr teure Bodenpreise in zentralen Wohngebieten: Die Bodenrichtwerte der einzelnen Quartiere in Freiburg findet man auf dem offiziellen Stadtplan der Stadt (hier: 2019)



„Ja zur Kurskorrektur“ mit Alternativen zum Neubau

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat am 10. November 2020 dem Konzept „Bezahlbares Wohnen 2030“ zugestimmt. Die Badische Zeitung (BZ) spricht von einer „Kurskorrektur für die Freiburger Wohnungspolitik der nächsten zehn Jahre“ und schreibt weiter: „Der Dampfer nimmt Fahrt auf hin zu mehr ‚Gemeinwohlorientierung‘, wie das Schlagwort der Stunde heißt. Das bedeutet: Nicht mehr „Bauen auf Teufel komm raus“, sondern städtische Grundstücke sichern und gezielt bauen für Menschen, die sich hohe Mieten nicht leisten können.“

Siehe dazu: https://www.badische-zeitung.de/freiburger-gemeinderat-stimmt-fuer-das-konzept-bezahlbares-wohnen-2030

Es ist in erster Linie ein Verdienst von Freiburg Lebenswert (FL), dass ein solches Umdenken in der Stadt stattgefunden hat. Seit unserer Gründung im Dezember 2013 erinnern wir daran, dass das „Bauen auf Teufel komm raus“ nicht die Lösung sein kann. Über Jahre wurden unsere Argumente abgetan. Nun greift die Verwaltung sie selbst (wenigstens teilweise) auf – endlich! Man fragt sich, warum diese Einsicht in den Behörden und manchen Parteien im Gemeinderat so lange benötigt hat, sich durchzusetzen.

Zum Thema „Bezahlbar Wohnen 2030 und Wohnungstauschbörse“ (Drucksache G-20/134 und G-20/123) hat Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) am 10. 11. 2020 im Freiburger Gemeinderat eine Rede gehalten. Er stellt darin andererseits aber auch fest, was die Vorlage der Verwaltung in erschreckender Offenheit leider auch zeigt: „Dass immer noch ein Denken vorherrscht, ein Wachstum wie bisher, gerade beim Bauen, sei ohne gravierende Folgen für unseren Planeten und damit die Menschheit weiterhin möglich. So wird auch in dieser Vorlage „Bezahlbar Wohnen 2030“ die Schaffung neuer Baugebiete als Voraussetzung für die Wirksamkeit all der Maßnahmen gesehen, die hier aufgeführt sind. Und das wird als alternativlos angesehen. Wohlgemerkt bei uns, in einer Stadt, in der mehrheitlich, zumindest prinzipiell, die Problematik der ökologischen Auswirkungen unseres Tuns verinnerlicht ist. Das ist äußerst deprimierend!“

Siehe: https://freiburg-lebenswert.de/bezahlbar-wohnen-mit-alternativen-zum-bauen-auf-der-gruenen-wiese/

Klarstellung: Keine Bebauung des Flugplatzes

Aus zwei Sätzen in dem oben genannten Artikel der BZ könnte man einen (sicher nicht beabsichtigten) Zusammenhang herauslesen, dem wir hier energisch widersprechen möchten. In dem Artikel heißt es bei den Reaktionen der einzelnen Fraktionen und Stadträte im Gemeinderat: „Es gebe nicht nur den einen Ansatz, um gute Wohnungspolitik zu machen, fand Simon Sumbert (Jupi) und nahm perspektivisch die Nutzung des Flugplatzes ins Visier. Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) mahnte, die Umsetzung bedeute mehr Aufwand und rechtliche Hürden: „Aber das lohnt sich.

Der aus dem Zusammenhang herausgelöst zitierte Passus aus Wolf-Dieter Winklers Rede bezog sich natürlich in keiner Weise auf die zuvor genannte „Nutzung des Flugplatzes“ (Zitat von Jupi), sondern ausschließlich auf die in seiner Rede genannten Alternativvorschläge wie Dachgeschossausbau, Überbauung von Parkplätzen, Erstellen eines Leerstandskatasters, Sanktionierung von Zweckentfremdung, Wohnen für Hilfe, Aufbau einer Wohnungstauschbörse etc. Der Mehraufwand – so seine Aussage -, den diese Alternativen erforden, der „lohnt sich“. Eine Bebauung oder andere Nutzung des Flugplatzes kommt für Freiburg Lebenswert dagegen nicht in Frage.

Siehe dazu die Rede von W.-D. Winkler im Gemeinderat: : https://freiburg-lebenswert.de/bezahlbar-wohnen-mit-alternativen-zum-bauen-auf-der-gruenen-wiese/

Durch Dachgeschossausbau in Altbauten kann enorm viel – zu einem großen Teil auch bezahlbarer – Wohnraum geschaffen werden. (Foto: M. Managò)

Zur Wohnungstauschbörse, über die im Gemeinderat abgestimmt wurde, siehe in der BZ: https://www.badische-zeitung.de/freiburger-stadtverwaltung-will-eine-wohnungstauschboerse-einrichten