„Die Krux mit der Schönheit“

„Landshut ist eine der ältesten und auch schönsten
Städte Bayerns. Rund 600 Baudenkmäler gibt es zu bewundern und seitdem in den
beiden Prachtstraßen Fußgängerzonen eingerichtet wurden, wirkt alles noch viel
schöner“, so beginnt der Film über Landshut, den das Fernsehen des Bayerischen
Rundfunks (BR) am 16.06.2019 unter dem Titel „Landshut – Die Krux mit der
Schönheit“ gesendet hat. Er zeigt, wie dennoch auch in Landshut bis heute immer
wieder denkmalgeschützte Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.

Wenn man sich den Film anschaut, fühlt man sich immer
wieder an Freiburg erinnert: Immer wieder wird seitens der
Stadtverantwortlichen mit sogenannten „Sachzwängen“ und von Bauinvestoren von angeblich
„schlechter Bausubstanz“ argumentiert. Es wird gezeigt, wie sich Politik und
Verwaltung gegen den Protest der Bürger allzu oft den Interessen von Neubau-Investoren
beugen. Von „wirtschaftlichen Interessen“, denen man sich nicht „entgegenstellen
könne“ ist einerseits, von „unsäglichen Bausünden“ und von einem „schwachen
Denkmalschutz“ ist in dem Beitrag andererseits die Rede.

Zu Wort kommt auch der bekannte Journalist Dieter
Wieland, der in Landshut aufgewachsen ist. Schon oft haben wir ihn hier zitiert
und Dokumentarfilme von ihm vorgestellt. Mit seinen kritischen
“Topografien” hat sich der Filmautor einen Namen gemacht und viele
Preise gewonnen. Ein Porträt über seine Heimatstadt sorgte in den 1970er-Jahren
für heftige Diskussionen. Seine Filme in der Reihe „Topographien“ sind alle
sehenswert. Sie sollten – genauso wie dieser Film über Landshut –
Pflichtbeiträge der Fortbildung für Freiburger Gemeinderäte, Stadtplaner, Architekten,
Bauträger und Investoren sein.

Eines der ältesten verbliebenen Häuser der Stadt, das Ratsstüble, stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch so lange leer stehen gelassen, bis es angeblich nicht mehr zu retten war.

„Das kulturelle Erbe einer Stadt ist nicht nur ein Schatz aus der Vergangenheit, es bedeutet auch eine große Verantwortung für die Zukunft.“ So der Schlusssatz des Beitrags, den wir empfehlen möchten, sich anzusehen. Möge man sich in Freiburg diesen Satz in Erinnerung rufen, wenn es zum Beispiel um das denkmalgeschützte Dreikönigshaus geht, das wegen der Einrichtung der Baustelle für den Autobahntunnel durch quer durch die Stadt abgerissen werden soll.

Siehe: https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-16062019-landshut-die-krux-mit-der-schoenheit-av:5cd008fd4e109b001340c7bd

Den Denkmalschutz stärken (Foto: M. Managò)

Auszug aus dem grün-schwarzen Koalitionsvertrag 2016

Das Haus in der Wintererstraße 28 stand unter Denkmalschutz, wurde aber dennoch mit fadenscheinigen Beründungen abgerissen!




„Bauscham“ für die Klimasünde Neubau

Anlässlich der Demonstrationen am kommenden Freitag, dem 20. September 2019, an denen in Freiburg auch viele Mitglieder von Freiburg Lebenswert (FL) aus tiefster Überzeugung teilnehmen werden, möchten wir hier einen Text unseres Freundes Daniel Fuhrhop als Diskussionsbeitrag veröffentlichen. Der Autor, Architektur- und Bauexperte plädiert darin für ein Maßhalten beim Bauen – so wie derzeit allseits für ein Maßhalten beim Fleischessen, beim Fliegen oder beim Kreuzfahrtreisen gefordert wird. In seinem Blog „Verbietet das Bauen“ schreibt er:

Wenn ab dem 20. September „fridays for future“ zu
Aktionstagen aufruft und die Bundesregierung über Klimaschutzgesetze
verhandelt, dann wird zweifellos wieder vom Fliegen geredet, von SUVs
und vom Fleischessen. Das spiegelt sich in Begriffen wie Flugscham,
und bei Websuchen findet man auch SUV-Scham und Kreuzfahrtscham.
Bisher fehlte allerdings #Bauscham: Niemand sollte stolz darauf sein,
gebaut zu haben – wegen des Klimas kann man sich dafür ebenso
schämen wie für Autofahren und Fleischessen.

Fridays-for-future-Demo in Freiburg am 24. Mai 2019 (Foto: Michael Managò)

Zum Sündenregister des Bauens zählt:

  • Der Abbau von Sand für die
    Betonherstellung zerstört die Natur, teilweise verschwinden Strände
    und ganze Inseln versinken.

  • Um Kies für Beton zu bekommen,
    werden Wälder abgeholzt, wie
    zum Beispiel nahe bei München
    geplant im Planegger Holz und im
    Forst Kasten.

  • Nicht zuletzt belastet die Betonherstellung das Klima
    durch die energieaufwändige Zementherstellung: Sie verursacht zwei
    Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen und acht Prozent der
    globalen, sagt der WWF in seiner aktuellen Publikation „Klimaschutz
    in der Beton- und Zementindustrie“ (online verfügbar, pdf
    öffnet direkt
    ).

Zwar kann man vermeintliche „Energiesparhäuser“ bauen,
doch sollte man sich von dieser Bezeichnung nicht verwirren lassen:
Energiesparhäuser sparen keine Energie, sie verbrauchen nur weniger
Betriebsenergie (vor allem Heizenergie) als andere Häuser. In einer
ganzheitlichen Lebenszyklusanalyse ergibt sich daraus aber, dass der
größte Energieaufwand und die größte Treibhausgasemission durch
das Bauen selbst entsteht, durch die Erstellung von Gebäuden. Darum
gilt: Massiver Neubau ist massive Klimazerstörung!

Deswegen ist nicht nur #Bauscham
angesagt, sondern #Bauverbot.
Das ist nicht so unrealistisch, wie mancher meinen mag, denn wir
haben bereits genug gebaut: im Jahr 2018 gab es sogar einen
#Bauüberfluss,
es entstanden in Deutschland mehr neue Wohnungen, als für Zuwachs
der Bevölkerung nötig gewesen wäre. Der Platz würde für alle
reichen, wenn wir das Wachstum beenden – auch das Wachstum der
Wohnfläche pro Person. Um Wohnraum zu schaffen, ist es das
klimafreundlichste, den unsichtbaren Wohnraum zu entdecken, etwa
ungenutzte ehemalige Kinderzimmer. Als Teil der Klimaschutzgesetze
brauchen wir darum ein Programm für Umbau, Umzugsmanagement und
Untermiete, um bestehenden Raum besser zu nutzen.“

Siehe:
http://www.verbietet-das-bauen.de/bauscham-klimaschutzgesetze-bauwut/?fbclid=IwAR0mgFKjKSI7knrS_X6StCfpzbZtxB-bNvvaYpYnObzU7_ldCJWyYfP4UY8

Siehe auch den Beitrag bei N-TV dazu: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bauen-schadet-Klima-wie-Autos-und-Fleisch-article21280049.html

Auch der Bund deutscher Architekten (BDA) hat ein radikales Umdenken beim Bauen gefordert und plädiert für eine „Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten Lebenszyklus“. So spricht der Präsident des BDA, Heiner Farwick, ganz deutlich aus, was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die Wachstumsfixierung der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben können.“

Siehe dazu: Bauen im Bestand ist wichtiger als Neubau

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL) spricht bei der Schülerdemo “Friday for future” in Freiburg am 18.01.2019 (Foto: W. Deppert)




„Bauboom ist die falsche Antwort“

Unter dieser Überschrift steht ein Beitrag, den der
Radiosender „Deutschladfunk Kultur“ am 23.07.2019 gesendet hat. Darin weist der
Sachbuchautor und Bauexperte Daniel Fuhrhop, der seit 2019 auch wissenschaftlicher
Mitarbeiter der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ist, wo er den
Forschungsschwerpunkt „Wohnen“ bearbeitet, auf die Widersprüchlichkeiten beim
Wohnungsbau hin: Dem Phänomen von immer weiter boomenden Städten einerseits und
ständig steigendem Leerstand in ländlichen Regionen andererseits.

Bauwahn: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)

Geändert, so der Experte Fuhrhop, habe sich vor allem wo
wir wohnen: „Seit zehn bis 15 Jahren ziehen viele Menschen in die boomenden
Großstädte. Sie verlassen schrumpfende Orte und ländliche Regionen: Dort stehen
in Deutschland seit mehreren Jahren zwei Millionen Wohnungen leer, und die Zahl
steigt. Mit fatalen Folgen: Weil schon so viele Menschen aus diesen ländlichen
Gegenden weggezogen sind, fehlen dort Arbeitskräfte.“ Hinzu kommt, dass die
Preisentwicklung und niedrige Zinsen die Spekulation mit Wohnraum und den
Bauboom weiter anheizen.

“Wir wohnen anders als früher, wir wohnen anderswo, und wir verlieren Wohnraum durch Spekulation.“

Es sei also höchste Zeit, nicht nur in die
vermeintlich hippen Stadtviertel wie Prenzlauer Berg in Berlin zu streben.
Dabei könne die Politik helfen, indem sie mit einer neuen Art der
Wirtschaftsförderung „nicht boomende Städte noch voller, sondern unterschätzte
Orte stärker“ mache. Das größte Potential, um Wohnraum ohne Neubau zu schaffen,
biete aber das „Wie“ des Wohnens: Familien werden kleiner und immer mehr
Menschen wohnen allein. „Über 80 Quadratmeter Wohnraum als Alleinlebende haben
in Deutschland vier Millionen Menschen. Ihre Wohnungen und Häuser sind so groß,
dass ein, zwei oder mehr Personen noch Platz finden könnten“, so Fuhrhop
weiter.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.

„Seit zehn Jahren werden in Deutschland Jahr für Jahr mehr Wohnungen gebaut. Und doch hat man den Eindruck, es fehlten in den Großstädten so viele Wohnungen wie lange nicht. Warum eigentlich? Die Zahl der Einwohner Deutschlands stieg seit 1991 um zwei Millionen. Durchschnittlich leben zwei Personen in einem Haushalt. Das heißt: Eigentlich hätte eine Million neue Wohnungen ausgereicht. Gebaut wurden seit 1991 aber sieben Millionen Wohnungen. Wo sind die sechs Millionen zusätzlichen Wohnungen hin? Die Antwort führt zu sichtbarem Leerstand und zu verstecktem Wohnraum. Und das hat drei Ursachen: Wir wohnen anders als früher, wir wohnen anderswo, und wir verlieren Wohnraum durch Spekulation.“

Siehe (auch als Audio): https://www.deutschlandfunkkultur.de/wohnungsmangel-bauboom-ist-die-falsche-antwort.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=454502&fbclid=IwAR0op1jY-QEAHQvFr6X3aXEErlK7krVJUtr9RBH1sI5aOihd4P_Ue7hPmfc

Das Buch von Daniel Fuhrhop: “Verbietet das Bauen!” – Eine Stretschrift.




Der missbräuchliche “Ablasshandel” mit Ökopunkten

In einem sehr interessanten Beitrag der ARD-Sendung „Report Mainz“ vom 20.08.2019 geht es darum, wie schlecht der rechtlich erforderliche ökologische Ausgleich für bauliche Eingriffe derzeit vom Gesetzgeber geregelt wird. Es werden darin auch Beispiele aus Freiburg gezeigt. Rechtsgrundlagen sind einerseits das Bundesnaturschutzgesetz, als auch die darauf beruhenden Landesnaturschutzgesetze. Die darin geregelte Aufrechnung mit Ökopunktren und deren Proporz ist allerdings „ein großes Ärgernis“, wie der Report-Beitrag zeigt.

Es gibt daran schon länger fundierte Kritik von Experten. Doch nun gerät er – gerade in Freiburg – wieder in den Focus. „Der Ökopunktehandel mag ja gut gedacht sein, aber in der Praxis sehen Umweltschützer darin eher eine Art Ablasshandel, um Baugebiete ganz leicht auszugleichen“, so ein Zitat aus dem Beitrag von “Report Mainz”. Es wird in dem Beitrag auch klar, dass ein paar “Ersatzbäume” nicht wirklich etwas an der naturvernichtenden Wirkung von baulichen Eingriffen ändern.

Auch Freiburg beteiligt sich an diesem „Ablasshandel
für die Bauindustrie“. So werden für das Baugebiet Dietenbach Ökopunkte aus dem
Bau der Fischtreppe in der Dreisam buchstäblich „ins Feld geführt“. Denn damit
lassen sich die Felder im Dietenbach überbauen. Im Grunde ist dies ein Missbrauch,
da Fischtreppen von der EU längst vorgeschrieben sind und eigentlich nicht mehr
als Ökopunkte verwendet werden dürften. Trotzdem wird es getan und den Wählern
werden ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgegaukelt, wo gar keine stattfinden.

Siehe: https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExNDYwNjg/

Der “Missbrauch mit Ökopunkten” findet auch in Freiburg statt: Bau der Fischtreppe in der Dreisam als Ausgleich für den Bau von Dietenbach (Foto: Report Mainz).




„Bauen im Bestand ist wichtiger, als Neubau“

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat ein radikales Umdenken beim Bauen gefordert. In einem Interview mit der FAZ, das dort am 8. August 2019 erschienen ist, äußert sich Heiner Farwick unter der Überschrift „Umbau muss Vorrang vor Neubau haben“ über die Verantwortung der Architekten in Bezug auf ökologisches Bauen und Verringerung des CO2-Ausstoßes. Er plädiert für eine „Gesamtbetrachtung von Bauten und Gebäudegruppen über ihren gesamten Lebenszyklus“ und stellt dazu radikale Forderungen auf.

„Das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ hat angesichts der Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr!“

So spricht der Präsident des BDA ganz deutlich aus,
was Freiburg Lebenswert (FL) schon immer betont hat: „Dass die Wachstumsfixierung
der Wirtschaft und das Mantra ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ angesichts der
Notwendigkeit des Klimaschutzes keine Zukunft mehr haben können.“ Bei
Bauvorhaben sei eine „Gesamtbetrachtung der Energiebilanz erforderlich,
einschließlich der Berücksichtigung der grauen Energie, die im Bestand steckt.“
Der BDA plädiert deshalb für ein „Bauen im Bestand“ und hinterfragt die auch in
Freiburg so oft propagierten „Smart Houses“ oder „Smart Cities“, die zu einem „Übermaß
oftmals ökologisch fragwürdiger Dämmmaterialien“ und zu „nicht langlebigen und nicht
energetisch nachhaltigen Bauten“ führen würden.

„Der CO2-Austoß muss künftig Geld kosten — inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

„In einer Zeit, in der die Qualität unserer gebauten Welt zunehmend von quantitativen und ökonomischen Parametern bestimmt wird, wächst die Verantwortung der Architekten gegenüber der Gesellschaft“, betonte der Architekt Heiner Farwick bereits 2013 bei seiner Wahl zum Präsidenten des BDA. Als zentrale Aufgabe seiner Präsidentschaft erklärte er, sich für die „Wertigkeit der Baukultur als Ganzes zu engagieren.“ Das wiederholt er jetzt gegenüber der FAZ und weitet es aus: Ziel müsse eine „klimagerechte Architektur“ sein. Und er erwartet dabei eine „Unterstützung der Politik für diese Ziele.“ Der CO2-Austoß müsse künftig Geld kosten – „inklusive der Vernichtung von gebundenem CO2 beim Abriss von Gebäuden!“

FAZ-Interview mit dem Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) vom 08.08.2019

Einige Gebäude des Bauvereins am Aschoffplatz aus den Jahren 1922/23 sollen abgerissen werden, um Neubauten Platz zu machen (Foto aus der Zeit um 1930)

Die intakten Häuser der Familienheim-Genossenschaft in der Quäkerstraße, die abgerissen werden sollen, um Neubauten Platz zu machen (Foto: M. Managò)




Freiburg im Focus der Immobilien-Investoren

Im Auftrag der Deutsche Invest Immobilien GmbH (d.i.i.) untersuchte das deutsche Analyse- und Beratungsunternehmen Bulwiengesa in einem Marktreport das Rendite-Risiko-Verhältnis für Wohninvestments in deutschen Städten. Untersucht wurden dabei sogenannte A-, B- und C-Standorte. „Geografisch deckt die Studie damit 43 Städte in allen Teilen Deutschlands mit über 21 Mio. Einwohnern ab. Diese Städte wurden auf das bestehende Marktrisiko und zu erwartender Renditen untersucht und die Ergebnisse gerankt“, so die Beschreibung der Untersuchung.

Inter den „wichtigsten Ergebnissen“ der Studie wurde die Stadt Freiburg explizit als eigener Punkt genannt: „Freiburg (Breisgau) bietet höchste Rendite bei niedrigstem Marktrisiko“, so das Ergebnis im Wortlaut. Angesichts der stark gestiegenen Kapitalwerte von Miet- und Eigentumswohnungen und der knappen Baulandverfügbarkeit in den A-Städten richte sich der Fokus von Bauträgern und Investoren vermehrt auf die sogenannten B- und C-Städte. Augsburg und Offenbach/Main – so ein weiteres Ergebnis der Studie – würden mit 4,5 Prozent insgesamt die höchste Rendite versprechen.

Monotone, monströse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.

Das Institut erstellt auch den sogenannten „Bulwiengesa-Immobilienindex“, der jährlich die Immobilienpreisentwicklung in Deutschland untersucht. „Die Methodik und die lange Reihe, in dem er erhoben wird, machen ihn zu einem wichtigen Gradmesser für nachhaltige Entscheidungen in  Immobilienmarkt, Stadtentwicklung und Geldpolitik. Die Daten fließen unter anderem in die Preisindizes der Deutschen Bundesbank ein“, so Bulwiengesa in ihrer Pressemitteilung anlässlich der Veröffentlichung des Immobilienindex 2019.

Das
wichtigste Ergebnis: Auch wenn sich die Steigerungsrate für 2018 gegenüber dem
Vorjahr etwas abschwächt, stiegen die Immobilienpreise seit 14 Jahren dennoch weiter
an. Der Teilindex Wohnen stieg mit 6,8 Prozent (Vorjahr: 8,3Prozent) erneut
massiv. Ralf-Peter Koschny, Vorstand bei Bulwiengesa, meint dazu: „Niemand
hätte für möglich gehalten, dass die Preise im Segment Wohnen mit solcher
Ausdauer steigen. Auch der aktuelle Immobilienindex zeigt deutliche Zuwächse
bei den Kaufpreisen von Eigentumswohnungen, Reihenhäusern und Grundstücken in
vielen Städten.“

Bauwahn: Spekulationsobjekte HotelOne und Luxusstudentenwohnheim Fizz (Foto: M. Managò)

Wichtig ist aber, wie dem Preisanstieg zu begegnen ist. Bulweingesa macht dazu eine klare Aussage: „Eine kurzfristige Ausweitung des Immobilienangebots wird durch den Mangel an Arbeitskräften, Grundstücken und mittelfristig durch Versorgungsengpässe bei natürlichen Rohstoffen begrenzt.“ Da außerdem „die positivere Bevölkerungsentwicklung der Städte gegenüber dem ländlichen Raum auch künftig für anhaltende Nachfrage nach Wohn-und Arbeitsstätten in den Zentren sorgen“, seien kaum Veränderungen bzw. Besserung in Sicht.

Das
heißt: Solange die Städte auf Kosten der ländlichen Räume (vor allem im Osten)
weiter wachsen, wird keine Besserung bei den Preissteigerungen eintreten. Im
Gegenteil: Ein weiteres Wachsen der Städte wird die Lage noch verschärfen. Das
Ergebnis der Studie, dass Freiburg „höchste Rendite bei niedrigstem Marktrisiko“
biete, ist geradezu eine Einladung an Investoren in unserer Stadt dieses
Anheizen der Preisspirale weiter zu verstärken.

Siehe: https://www.bulwiengesa.de/sites/default/files/pm_immobilienindex_2019.pdf

Luftbild des Dietenbach-Gelände (Foto: W.-D. Winkler). Hier soll auf den letzten landwirtschaftlichen Flächen Freiburgs der Mega-Stadtteil Dietenbach entstehen.




“Als Stadt ständig wachsen zu wollen ist kindisch”

Die in Wien erscheinende links-liberale österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtete am 25. April 2019 über „Bevölkerungswachstum und Pendlerströme“ in Wien. Dabei führte sie ein Interview mit der Stadtplanerin und Soziologin Gerlind Weber, die meint, dass es kindisch sei zu glauben, dass eine Stadt immer weiter wachsen könne. Denn: „Mehr und breitere Straßen für Pendler erzeugen noch mehr Verkehr. Innerstädtische Verdichtung gefährde Nachhaltigkeit und Lebensqualität“, so die Zeitung in ihrem Beitrag. Für die Expertin, Frau Weber, sind die Grenzen des Wachstums deshalb längst erreicht.

Politik und Raumplanung würden so tun, als gebe es
keine Klimakrise, schreibt sie der Politik ins Stammbuch. Und sie sagt
deutlich: „Es ist ein völlig kindisches Ziel, unbedingt die
Zwei-Millionen-Grenze knacken zu wollen. Das kann ja kein Selbstzweck sein,
wenn dabei die Lebensqualität auf der Strecke bleibt. Es ist auf Dauer nicht
gut, dass so viele Menschen in die Stadt ziehen – weder für die Stadt noch für
das Land.“

Eindeutig benennt sie die Grundsatzprobleme, die bei
den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung bestehen: „In der Stadt geht es
derzeit nur ums Verdichten und Verpflastern. Es fehlt der Mumm, die
Grundsatzfrage zu stellen, ob wir die Grenzen des Wachstums nicht erreicht
haben. (…) Das ist nicht nachhaltig. Wir müssen weg von diesem Dogma des
Wachstums – es ist eine zu teure Strategie, die die Lebensqualität vieler Menschen
herabsetzt. Es ist meiner Meinung nach eine Grenze erreicht, wo das Gesamtwohl
der Stadt in Gefahr ist.“

Laut Sudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermöglicht teurer Neubau, angesichts der hohren Kosten, kaum bezahlbaren Wohnraum.

Wenn man ihr Interview liest, fühlt man sich allzu sehr
an Freiburg erinnert. Statt sich mit den Problemen grundsätzlich zu befassen,
wie es die Stadtplanerin fordert, baut man hier in Freiburg immer weiter einem
Bedarf hinterher, den man selbst dadurch verstärkt. Man bedenkt nicht, dass
neuen Bauen, immer weiteren, neuen Zuzug erzeugt – so wie neue und breitere
Straßen immer mehr Verkehr erzeugen. All dies weiß man schon lange, aber
Politik und Verwaltung weigern sich weiter, neue und richtige Antworten zu
finden. Oder, wie Frau Weber sagt: „Die Antworten auf den Druck von außen sind
alt – und sie sind nicht besonders gut!“

Siehe: https://derstandard.at/2000101981710/Raumplanerin-Als-Stadt-staendig-wachsen-zu-wollen-ist-kindisch?utm_source=pocket-newtab

“Plakat” von Freiburg Lebenswert (FL) aus der Anfangszeit 2013/14.




Demo in der Quäkerstr. für den Erhalt aller Gebäude

DEtwa 250 Menschen haben bei einer Demonstration in der Quäkerstraße im Stadtteil Wiehre ein klares Zeichen gesetzt, für den Zusammenhalt und die Zusammengehörigkeit und gegen eine auf unbestimmte Zeit drohende Teilung des Quartiers, das zwischen altem und neuem Wiehre-Bahnhof gelegen ist. Anwesend waren auch einige Stadträte. Von Freiburg Lebenswert haben sich Gerlinde Schrempp und Dr. Wolf-Dieter Winkler sowie von der Liste Für Freiburg Prof. Klaus-Dieter Rückauer für den Erhalt des gesamten Quartiers ausgesprochen. Konkret soll ab der nächsten Woche an einer Lösung gearbeitet werden, wie am 07.05.2019 auch der westlich der Quäkerstraße gelegene Quartiers-Teil unter Schutz gestellt werden kann.

FL-Stadträtin Gerlinde Schrempp spricht zu den Demonstraten in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)

Von Anfang an hat Freiburg Lebenswert die Bewohner im Quartier unterstützt und auf den Erhalt der Häuser gedrängt. Denn es geht hier um den Erhalt von vorhandenem, bezahlbaren Wohnraum, der nicht zu Gunsten von viel teuerern Neubauten geopfert werden darf. Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/forderung-nach-sozialer-erhaltungssatzung-in-der-wiehre/

Dass Erhaltungssatzungen in Freiburg überhaupt möglich
geworden sind, ist der Initiative von Freiburg Lebenswert (FL), speziell von Stadtrat
Dr. Winkler, zu verdanken. Jahrelang hat FL darauf zugearbeitet und dann im
November vergangenen Jahres einen großen Erfolg errungen. Es wurde damit ein
großer Schritt getan, hin zum Schutz des Stadtbildes durch die Verabschiedung von
Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen. Dicke Bretter mussten dazu gebohrt
werden. Aber schließlich wurde FL damit belohnt, dass alle Stadträte bis auf
ein paar wenige Enthaltungen diesen Satzungen zugestimmt haben.

Dr. Wolf-Dieter Winkler fasste das Ergebnis in seiner
Rede damals im Gemeinderat so zusammen: „Mit
den Städtebaulichen Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen und mit der am 27.11.2018
zu verabschiedenden Sozialen Erhaltungssatzung, auch Milieuschutzsatzung
genannt, bekommen wir nun hervorragende Mittel an die Hand. Mit ihnen können
wir die verbliebenen Gebäude, die der Krieg und die Abrisswut vor allem der
60er Jahre übrig gelassen haben, wirksam schützen. Das ist für die Freiburger
Stadtgesellschaft eine wahrlich erfreuliche Botschaft.“
Siehe dazu: https://freiburg-lebenswert.de/ein-grandioser-erfolg-fuer-freiburg-lebenswert/

Nun hoffen wir, dass dies auch für das Quartier der Baugenossenschaft Familienheim in der Wiehre greifen wird – und zwar für das gesamte Areal. Dafür hat die Initiative „Wiehre für alle“ gestern Aktion „Menschenkette“ ein deutliches Zeichen gesetzt: die anwesenden Demonstranten bildeten eine Kette um die betroffenen Gebäude in der Prinz-Eugen-Straße 19-23, am Gerwigplatz 5 und 7 sowie die Quäkerstraße 10 und 12. Diese Gebäude wurden in der Vorlage für die kommende Gemeinderatssitzung am 7. Mai nicht erwähnt, sollten nach Meinung der zahlreichen Demonstranten und anwesenden Gemeinderäte aber in den Schutz mit einbezogen werden.

Menschenkette um die gefährdeten Häuser in der Wiehre (Foto: M. Managò)




Boris Palmer zu Immobilieninvestoren: „Ich brauche Sie nicht!“

BSchon vor ein paar Wochen hatte der Bürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (Die Grünen) für Aufmerksamkeit gesorgt, als er sagte Tübingen könne nicht ewig weiter wachsen und er wolle deshalb das Bauland begrenzen. Jetzt liest er in Berlin der Immobilienwirtschaft die Leviten. Die WELT berichtete darüber: „Am Mittwoch hatte der Grünen-Politiker einen kurzen, aber intensiven Auftritt vor gut 200 Profifinanzierern und Immobilieninvestoren in Berlin. (…)„Ich erwarte keinen Applaus“, stellte er gleich zu Beginn fest. Die Zuhörer ahnten ohnehin schon nichts Gutes angesichts seines 20-minütigen Vortrags mit der These, dass „nur der Staat ausreichend bezahlbaren Wohnraum sichern kann“.

„Sie können nicht das Angebot schaffen, das wir brauchen.“

„Was Sie
betreiben, findet keine Akzeptanz mehr in der Gesellschaft“, so Palmer in
seinem Vortrag. „Das können Sie auf Dauer nicht mehr so machen, und zwar im
eigenen Interesse. (…) Der Markt bietet zurzeit offenbar keine Lösung“, warf
der Oberbürgermeister den erstaunten Teilnehmern des Kongresses ‚Finanzierung
für die Real Estate Industry‘ vor. „Sie können nicht das Angebot schaffen, das
wir brauchen“ sagte Palmer und sprach von überhitzten Märkten und einer
Überforderung der Bürger, aber auch von falscher Baulandvergabe der Gemeinden
und unterbesetzten Bauämtern. Und Palmer spricht gegenüber den Immobilienentwicklern
Klartext: „Ich habe ein Überangebot an Investoren in Tübingen. Ich brauche Sie
nicht. Und wenn, dann zu meinen Bedingungen.“ Eine klare Haltung, die man sich
auch in Freiburg wünschen würde, denn vieles in Freiburg ist mit Tübingen
vergleichbar.

„Was Sie betreiben, findet keine Akzeptanz mehr in der Gesellschaft.“

In Tübingen hat
Palmer bereits die Notbremse gezogen: Neues Bauland wird nur noch an kommunale
oder genossenschaftliche Unternehmen vergeben. Wenn ein privater Entwickler jedoch
zusichert, dass 90 % der entstehenden Wohnflächen festgelegte Mieten haben
werden, kann auch er den Zuschlag erhalten. In Freiburg sind es nur 50 %
sozialer Wohnraum, der gefordert ist, aber schon der ist angesichts der hohen
Erschließungs- und Baukosten in Dietenbach kaum realisierbar. Wir werden also
bald erleben, wie Grüne, CDU und SPD im Gemeinderat umkippen werden und für
Dietenbach (wieder einmal gegen die Stimmen von Freiburg Lebenswert)
Ausnahmeregelungen beschließen werden. Es sei denn, wir erhalten bei der
Kommunalwahl am 26. Mai endlich neue Mehrheiten im nächsten Freiburger
Gemeinderat.

Siehe dazu: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article191308289/Immobilienmarkt-Boris-Palmer-liest-Investoren-die-Leviten.html

Vergleiche auch: https://freiburg-lebenswert.de/tuebingens-ob-palmer-spricht-von-grenzen-des-wachstums/

Die Häuser der Familienheim-Genossenschaft in der Quäkerstraße (Foto: M. Managò)




Mooswald: Vernichtung von Eigentum oder preiswertem Wohnraum

Zum Thema „Städtebauliches Rahmenkonzept im Stadtteil Mooswald“ (Drucksache G-19/038), hat Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL) im Gemeinderat am 26.03.2019 für die Fraktion FL/FF folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

das
vorgestellte Rahmenkonzept soll eine planerische Vertiefung von einem der
insgesamt 14 Entwicklungsbereiche des Perspektivplanes sein. Natürlich ist es
sinnvoll, laufende und geplante Vorhaben zu verzahnen im Sinne der
Weiterentwicklung des Stadtteiles. Es wird in der Vorlage geschildert, dass ein
transparentes Beteiligungsverfahren organisiert wurde. Dem widerspreche ich.
Mir als Stadträtin des Freiburger Westens wurde es verwehrt, an dem
Planungsprozess von Anfang an teilzunehmen. Herr Oberbürgermeister Salomon und
auch Herr Baubürgermeister Haag haben sich zwar bei mir schriftlich
entschuldigt, das Stadtplanungsamt sah das jedoch anders. Das ist nicht nur ein
schlechter Stil, es widerspricht auch der Gemeindeordnung.

Wirklich
wichtig ist für mich aber, dass in dem gesamten Verfahren die Eigentümer der
bestehenden Immobilien völlig zu kurz kamen, manche sagen, überhaupt nicht
gehört wurden. Wie oft habe ich Gespräche bei den Workshops gehört mit dem
Wortlaut „Ist Dein Haus auch nicht mehr vorhanden?“ Um es klar zu sagen: Es ist
sinnvoll und wünschenswert, eine Weiterentwicklung des Stadtteils im Blick zu
haben, im Stadtteil Betzenhausen/Bischofslinde ist das auch gelungen, aber nur
weil man auf die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner eingegangen ist. Das ist
m.E. bei diesem Rahmenkonzept absolut nicht geschehen. 

Auch
Vorgaben, wie sie der RVSO erarbeitet hat, nämlich eine breite Radstrecke, eine
sog. Radautobahn, wie sie beispielsweise im Ruhrgebiet bereits verwirklicht
ist, entlang der Breisgau-S-Bahn in die March bzw. Richtung Breisach in die
Planung einzubeziehen, war allen beteiligten Architekturbüros neu. Auch in den
überarbeiteten Plänen war diese Radstrecke nicht berücksichtigt.

Stadträtin Gerlinde Schrempp (FL)

Was meiner Fraktion aber vollständig fehlt, ist die Überplanung des Gebietes um das Eisstadion, das Gewerbe/Mischgebiet um die Ensisheimer Straße, die Mühlhauser Straße. Diese Umgestaltung, die von den Anwohnern ausdrücklich gewünscht ist – es existiert bereits eine Unterschriftensammlung von 175 Eigentümern – ist im Siegerkonzept von Wick und Partnern auf der Seite 34 lediglich von einer Schülerin unter 4.0 „Wohnen und Arbeiten“ thematisiert worden.

Da fragen wir
uns doch, was ist den Planungsbüros eigentlich als Aufgabe gestellt worden?
Das, was schnellstens auf den Weg gebracht werden könnte, nein müsste, auch
aufgrund der immer wieder beschworenen Wohnungsknappheit, wird überhaupt nicht
behandelt. Nach unserer Sicht durften sich die beteiligten Planungsbüros
austoben, Vernichtung von Eigentum oder preiswertem Wohnraum war in allen
Entwürfen vorhanden, dass wir dies ablehnen, dürfte jedem klar sein.

Der Hinweis
des Siegerbüros auf S. 35 „Die Bestandsbebauung wird in den Entwurfszeichnungen
immer dargestellt. Die Stadtverwaltung ist auf die Mitwirkungsbereitschaft der
betroffenen Eigentümer angewiesen und kann die Entwürfe nur in Abstimmung mit
ihnen umsetzen.“ hat viele der Betroffenen nicht beruhigen können, im
Gegenteil. Ich weiß, dass sich man sich bereits juristisch beraten lässt.

Die Fraktion FL/FF nimmt diese Vorlage zur Kenntnis, lehnt die Umsetzung dieses Rahmenkonzeptes ab.