Hornbühl Ost: „Zu hoch und zu dicht bebaut“

Am 21. Mai 2019 hat Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL) im Gemeinderat zum Thema „Hornbühl Ost, vorhabenbezogener Bebauungsplan mit örtlichen Bauvorschriften“ in Ebnet (Plan-Nr. 3-86, Drucksache G-19/057) für die Fraktionsgemeinschaft FL/FF folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr
Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

bevor ich zur
eigentlichen Drucksache spreche, erlauben Sie mir, dass ich etwas aushole. Ich
verspreche auch, es kurz zu machen.

Es ist ja kein
Geheimnis, dass unsere Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg eher wachstumskritisch
ist. Warum das so ist, haben wir schon oft erläutert und auf unserer Homepage
detailliert beschrieben.

Tatsächlich spielt es
aber auch nur eine untergeordnete Rolle, welche persönlichen Interessen wir
vier Stadträte haben. Es gibt Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt, die das
ungebremste Wachstum ebenfalls kritisch sehen. Und diesen Menschen muss auch
eine Stimme und eine Vertretung im Gemeinderat gegeben werden. Tatsächlich, wir
haben es bei Dietenbach gesehen, ist das aber eher nicht der Fall.

Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (FL)

Freiburg
Lebenswert/Für Freiburg rekrutiert sich aus Bürgervereinen und Bürgerinitativen
mit jahrzehntelanger Tätigkeit im Ehrenamt. Nah bei den Menschen zu sein, ist
in unserer DNA festgeschrieben. Insofern fühlen wir uns verpflichtet, auch
Menschen zu unterstützen, die eine unbequeme Meinung haben. Auch wenn es für
uns persönlich mitunter unangenehm ist. Wollten wir es einfach haben, würden
wir einfach immer den Vorlagen der Verwaltung zustimmen.

Bürgerinnen und Bürger
werden bei Bautätigkeiten in Ihrer Nachbarschaft gerne als Störenfriede
angesehen. Die Bezeichnung Nimbys, Mimoswälder und vieles mehr verharmlost
dies, ist aber nicht weniger ungehörig. Wer, bitte schön, wenn nicht die
betroffenen Anwohner sollen auf die Barrikade gehen?

Es kann aber in
letzter Zeit festgestellt werden, dass es in der Bürgerschaft auch zunehmend
unzufriedenere Stimmen gibt. Ich denke hier an den Mooswald, St. Georgen,
Munzingen und Ebnet. Aber auch die 40% Wähler gegen Dietenbach sind ein
deutliches Signal.

Hornbühl-Ost ist
wieder mal so ein Beispiel. Einer vorhandenen Bebauung, zudem noch an einem
Ortseingang, werden hohe Gebäude, möglichst dicht aneinander gesetzt,
hinzugefügt. Bürgerbeteiligung wird zwar umgesetzt, wenn dann aber viele
Einwendungen kommen, ist man schnell dabei, diese zu ignorieren oder 100 Gründe
zu finden, warum diese in diesem speziellen Fall nicht zutreffend sind. So kann
es auf Dauer nicht weitergehen. Wir alle sind dem Klima-, Umwelt- und Naturschutz
verpflichtet.

Wir möchten, dass
Freiburg lebenswert bleibt. Dies setzt aber auch voraus, dass man nicht immer
die Maximierung der Anzahl von Wohnungen und die Gewinnmaximierung in den
Vordergrund stellt, sondern vermehrt auch wieder Abkühlflächen und
entsprechende Freiräume auf den Weg bringt.

Wir sind nicht
grundsätzlich gegen die Bebauung, weshalb wir uns bei der Drucksache mit dem
Flächennutzungsplan enthalten haben. Dem aktuellen Bebauungsplan können wir aus
den Gründen, zu hoch und zu dicht bebaut, aber in keinem Fall zustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das Gebiet “Honbühl Ost” in Ebnet (Luftaufnahme: Karl-Heinz Krawczyk und Herbert Bucher)




Alternativen zum Bauen auf der “grünen Wiese”

Bauen oder nicht Bauen? Alternativen zum Bauen auf der “grünen Wiese” – das ist der Titel eines Vortrags am Donnerstag 31.1.2019 um 19.30 Uhr in Freiburg i.Br. in der Universität (Hörsaal 1015), Stadtmitte, Platz der Universität, Kollegiengebäude 1. Der Autor und Referent Daniel Fuhrhop, Oldenburg, berichtet mit Lichtbildern über Alternativen zum Bauen auf der „grünen Wiese”. Der Eintritt ist frei. Eine Podiums- und Publikumsdiskussion schließt sich an mit Dr. Ulrich Kriese, siedlungspolitischer Sprecher des NABU e.V. Bundesverband, und Regina Meier, Sprecherin des Mietshäusersyndikats und weiteren Persönlichkeiten.

Daniel Fuhrhop hatte bereits im September 2016 auf Einladung der Fraktion FL/FF in Freiburg einen Vortrag gehalten. Er ist Autor mehrerer aktueller Bücher zum Thema Bauen und Wohnen: 2015 erschien von ihm die viel beachtete Streitschrift “Verbietet das Bauen”, dann 2016 das Buch „Willkommens-Stadt“ und jüngst “Einfach anders Wohnen”. Der gelernte Architekt und bundesweit wie international begehrte Experte zu alternativem Bauen und Wohnen betreibt den Blog www.verbietet-das-bauen.de

Vortrag von Daniel Fuhrhop (Bild: Dr. W. Deppert)

Während die Einwohnerzahl zwischen 1993 und 2013 mehr oder weniger stagnierte, stieg die Zahl der Wohnungen um 6 Millionen. „Und doch reicht es vermeintlich nie aus. Neubau löst nicht die Probleme“ so schreibt Daniel Fuhrhop in seinem Blog „Verbietet das Bauen“. Und dort lesen wir weiter: „Wenn es tatsächlich so wäre, dass Neubau den Anstieg der Mieten aufhebt und für genug Wohnraum sorgt, dann hätten wir schon längst keine Probleme mehr, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In den zwei Jahrzehnten seit 1993 stagnierte die Zahl der Einwohner bei etwa 81 Millionen, aber die Zahl der Wohnungen stieg um 6 Millionen! Das gäbe genug Platz für zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen. (…) Fazit: Neubau löst keine Wohnprobleme, sondern man muss endlich anfangen darüber nachzudenken, wie und wo gewohnt wird, und alle Werkzeuge anwenden, unsere Altbauten besser zu nutzen.“

In seinen Büchern und sicher auch in seinem Vortrag erzählt der Wohnungs- und Bauexperte Daniel Fuhrhop zahlreiche Alternativen auf. Es lohnt sich, am Donnerstag 31.1.2019 um 19.30 Uhr in die Universität zu kommen und seinen Vortrag anzuhören.

Alternative Bauweisen und Wohnmodelle behandelt dieses Buch des Architektur- und Wohnexperten Daniel Fuhrhop.




Beim Wohnungsbau sind neue Ideen gefragt

In der ARD-Sendung ttt sind in den letzten beiden Sendungen interessante Beiträge zum Städtebau erschienen. Endlich scheint das Thema die breite Öffentlichkeit erreicht zu haben, das von Freiburg Lebenswert (FL) schon lange behandelt wird, aber von den Alt-Parteien (vor allem von der Salomon-Koalition Grünen und CDU) immer wieder belächelt wurde.  Jetzt mahnen renommierte Architekten und Experten sowie einige Bürgermeister zum Handeln.

In einem Beitrag geht es um eine radikale Idee: die Bodenpreise in den Städten zu reformieren. Auch wenn diese Idee in ihrer Radikalität schwer umsetzbar ist, ist ein Nachdenken darüber dennoch angebracht. Denn: Die Wohnungs- und Immobilienpreise steigen in unseren Städten unaufhörlich. Immer mehr normal verdienende Menschen können sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten. Nun regt sich in Deutschland prominenter Widerstand.
Siehe: https://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Bodenlos/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=52200304 (in der Mediathek verfügbar bis 06.05.2019)

In einem weiteren Beitrag wird gezeigt, wie der spanische Fotograf Carlos Hernández die globale Stadtentwicklung beobachtet. Alle Bereiche des Lebens würden kommerzialisiert, sagt er, an der Entwicklung der städtischen Lebensräume könne man sehen, wie.
Siehe: https://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Capital-City/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=52218352 (in der Mediathek verfügbar bis 06.05.2019).

Ein dritter Beitrag behandelt die Idee,  Flachbauten in Gewerbegebieten und bei Supermärkten mit bezahlbarem Wohnraum zu überbauen. Er setzt sich dabei kritisch mit dessen architektonischer Qualität auseinander. So heißt es im Einleitungstext: “In Deutschland fehlen knapp zwei Millionen bezahlbare Wohnungen. Politiker greifen zu unkonventionellen Kooperationen. Aldi plant nun, in München Wohnhäuser zu bauen. Was bedeutet das, wenn Discounter zu Bauträgern werden?”
Siehe: https://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Discounterwohnungen/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=52366686 (in der Mediathek verfügbar bis 13.05.2019)

Doch unabhängig von der Debatte um Qualität und Ästhetik halten wir das Thema für sehr wichtig, da es ein enormes Potential bietet. Denn es geht hier um großflächigen Flächenverbrauch durch einstöckige Lagerhallen und Supermärkte sowie um die Flächenversiegelungen durch Parkplätze in Gewerbegebieten – einen enormen Luxus, den wir uns angesichts mangelnden Wohnraums in unseren Städten (so auch in Freiburg) leisten.

Vergleiche dazu: https://freiburg-lebenswert.de/wohnen-ueber-parkplaetzen-und-supermaerkten/

Großflächiger, einstöckiger Flächenverbrauch in Gewerbegebieten (Foto: W.-D. Winkler)

 




Schon wieder sollen viele Bäume fallen!

Heute steht in der Badischen Zeitung (BZ), dass 89 Bäume für den Neubau der Kinderklinik fallen sollen. Nichts gegen den Neubau der Kinderkinik. Aber müssen deshalb im Umfeld wieder so viele Bäume fallen? Wie schon vor der Volksbank am Bahnhof, was nach Meinung vieler Sachkundiger vermeidbar gewesen wäre? Macht man es sich bei der Planung der Baustellen nicht zu einfach? Und wie steht es mit Ersatzpflanzungen in gleicher Zahl? Und zwar innerhalb des Freiburger Stadtgebiets!

Freiburg wird immer mehr zubetoniert. Für den Schutz von Bäumen und Grünflächen wird nur dann etwas getan, wenn Privatleute in ihrem Garten ein Bäumchen Fällen möchten, um mehr Sonne zu bekommen. Wenn aber ein Bauträger, die Universität oder die Stadt selbst 50 oder 100 Bäume Fällen möchten, dann gibt es plötzlich “leider keine Alternativen”. Mit den Bäumen ‘fällt’ aber langsam aber sicher auch unsere Lebensqualität. Wir möchten aber, dass Freiburg lebenswert bleibt!

Der oft zitierte und als sogenannte “Weissagung der Cree” bekannt gewordene Satz “Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann”, bleibt als ökologische Botschaft aktueller denn je! – leider besonders in der angeblich so “grünen Stadt” Freiburg. “Grün” ist hier aber nur ein potemkinsches Dorf und eine verlogene Attrappe. Denn: Vorgetäuschte grüne Farbe produziert noch keinen Sauerstoff!

Wann werden die Wähler der Grünen endlich erkennen, dass die sogenannten Freiburger Grünen hier in der Stadt die ersten sind, die Grünflächen versiegeln und Bäume fällen lassen möchten?!

Protest gegen den Bauwahn der Grünen in Freiburg (Foto: W. Deppert)




Siedlungsflächen-Entwicklung in der Region

Zum “Kooperationsmodell zur Siedlungsflächenentwicklung in der Region Freiburg” (TOP 14, Drucksache: G-18/015) hat der Vorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert / Für Freiburg (FL/FF), Dr. Wolf-Dieter Winkler, im Gemeinderat am 30. Januar 2018 folgende Rede gehalten:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (FL)

die Vorlage liest sich ja erst mal gut. Da werden als Leitbilder ausgegeben eine Siedlungsflächenentwicklung entlang der ÖPNV-Achsen (vorzugsweise der Schiene), Flächensparen, Vorrang der Innenentwicklung, Schaffung bezahlbaren Wohnraums, kleinteiliges, integriertes und nachhaltiges Bauen. Wer kann da etwas dagegen haben? Zumal wir von Freiburg Lebenswert / Für Freiburg ja schon öfter darauf hingewiesen haben, dass in den Ortsmitten der Kaiserstuhl- und Schwarzwaldgemeinden viele alte Gebäude und Gehöfte verfallen oder zumindest leer stehen. Wenn diese alle saniert und wieder zu Wohn- und Arbeitszwecken hergerichtet werden könnten, wäre es ein willkommener Beitrag zur Wohnraumschaffung, der vor allem den Ortskernen wieder mehr Leben einhauchen könnte. Stadt und Land könnten dann in der Tat im Sinne der Vorlage profitieren.

Doch liest man dann weiter, dann wird ganz schnell klar, dass diese hochklingenden Leitlinien gar nicht umgesetzt werden sollen. Da ist dann plötzlich davon die Rede, dass es sich bei den Entwicklungsflächen voraussichtlich um Flächen außerhalb des bestehenden Siedlungskörpers handeln wird und damit also Freiflächen, häufig landwirtschaftliche Flächen, verloren gehen würden. Das ist ja wohl ein eklatantes Missverhältnis zwischen Anspruch und geplanter Wirklichkeit! Und nicht nur das. Da wird darüber spekuliert, dass mit diesen Kommunen Lösungen zur Bereitstellung von Flächen für die naturschutzrechtlichen Kompensationsmaßnahmen gesucht werden sollen. Auch hier ist klar, dass natürlich nahezu ausschließlich bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen würden. Die Leidtragenden werden – wie in St. Georgen im Zusammenhang mit dem geplanten Stadtteil Dietenbach – wieder mal die Landwirte und Winzer der Ortschaften sein.

Also das Ganze wird keine Gewinn-Gewinn-Situation, sondern wird eine Gewinn-Verlierer-Situation werden zum Nachteil der Kooperationsgemeinden Freiburgs. Welcher halbwegs verantwortungsbewusste Bürgermeister oder Gemeinderat dieser Gemeinden kann einer solchen „Partnerschaft“ zustimmen, bei der die Vorteile bei der Stadt und die Nachteile bei den Winzern und Landwirten der Ortschaften liegen?

Das Bundesbaugesetzbuch verlangt den Vorrang für die Innenentwicklung, also für das auch in der Vorlage aufgeführte Leitbild, das aber nicht zum Zuge kommen soll. Die Vorlage unterstützt somit grundgesetzwidrig die Vernichtung von Landwirtschaft und Natur. Grundgesetzwidrig deshalb, weil Artikel 20a den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen festlegt. Ich zitiere den Grundgesetz-Artikel: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Meine Damen und Herren, das Grundgesetz und damit dieser Artikel sind auch für die Stadtverwaltung und uns Stadträte bindend!

Am Wochenende hat sich das RegioBündnis Pro Landwirtschaft, Wald und ökosoziales Wohnen zu diesem Kooperationsmodell mit folgender klaren Aussage zu Wort gemeldet: „Mit einem erweiterten Siedlungsbrei im Umland würden die Äste weiter abgesägt, auf denen Kommunen und Einwohnerschaft sitzen: Die Region kann sich in Krisen immer weniger selbst ernähren.“ Auch wir haben diesbezüglich schon mehrmals unsere Sorgen geäußert.

Die Botschaft des RegioBündnisses ist daher eindeutig: Es bittet den Gemeinderat das Vorhaben zu beenden. Wir kommen dieser Bitte nach und werden der Vorlage nicht zustimmen.

Das landwirtschaftlich genutzte Dietenbach-Gelände (Foto: M. Falkner)




Neue Wohnbauflächen – Rede von Dr. W.-D. Winkler

18.10.2016

Logo_Fraktion_FL_FF
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich schlage ein Experiment vor. Man setze eine Grundschulklasse vor einen Freiburger Stadtplan, erläutere ihnen kurz die Legende, dass rote und graue geometrische Figuren Wohnhäuser bzw. Gewerbe- und Fabrikgebäude sind, grüne Flächen Wald und gelbe Flächen Wiesen und Äcker darstellen. Und nun sollen sie erarbeiten, wo man ihrer Meinung nach noch Häuser hin bauen könnte. Ich bin mir sicher, dass die Schüler innerhalb einer Schulstunde u.a. auch mindestens vier der fünf Flächen vorschlagen würden, für deren Identifizierung sich die Stadt teuer bezahlte Stadtplaner der sogenannten ProWo leistet.

Meine Damen und Herren, diese fünf Flächen wurden nicht aus dem Perspektivplan entwickelt, sondern sie wurden einzig und allein deswegen ausgewählt, weil sie der Stadt gehören und weil es relativ leicht ist, auf Grünflächen Wohnbau zu planen. Mittlerweile hat sich in der ganzen Stadt herumgesprochen, dass der sogenannte Perspektivplan nur dazu dient, potentielle Wohnflächen ausfindig zu machen und nicht, um eine positive Entwicklung Freiburgs zu fördern. Es wäre daher gegen über der Freiburger Bürgerschaft ehrlicher, man würde diesen Perspektivplan als das bezeichnen, was er ist, nämlich ein Bauflächen-Akquirierungsplan.

Denn was die fünf Flächen mit perspektivischer Stadtplanung – im Sinne von stadtplanerischer Verbesserung für Stadt und Bürger – zu tun haben sollen, bleibt ein Geheimnis der Verantwortlichen im Baudezernat. Wir können jedenfalls nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Kleingärtner im Stühlinger haben soll, wenn man ihnen ihre Gärten zubaut und ihnen – vielleicht – weit entfernte Ersatzflächen irgendwo am Stadtrand anbietet. Wir können nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Bürger im Stadtteil Mooswald haben könnte, dass man den Lärmschutzwall Mooswald an der Paduaallee gegen einen Betonriegel austauscht, in dem finanzschwache Haushalte nun die Funktion des Lärmschutzes übernehmen sollen. Wir können nicht erkennen, was für einen Vorteil es für die Bürger in Littenweiler und Ebnet haben soll, wenn man ihnen eines der meistfrequentierten Naherholungsgebiete der Stadt an den Dreisamauen zubaut. Wir können keinen Sinn darin erkennen, die Wendeschleife im Vauban zu bebauen, da die dortige Staudenvegetation bereits als Ausgleichsmaßnahme für den Stadtbahnbau an der Merzhauser Straße dient. Einzig bei der baulichen Entwicklung in Zähringen-Nord auf dem Gelände von MöMaxx und Real lässt sich eine städtebauliche Verbesserung erahnen. Deren riesige Parkplatzflächen sind in der Tat verschenkter Raum. Allerdings treten wir auch dort für den Erhalt der Grünflächen ein. Denn wenn dort mehrere tausend Leute neuen Wohnraum finden sollen, dann brauchen sie Grünflächen für ihre Naherholung. Außerdem ist es durchaus erstrebenswert, den Grünriegel – wie beispielsweise das Wäldchen nördlich des Real – als Abgrenzung zwischen den Gemeinden Freiburg und Gundelfingen zu erhalten.

Es überrascht, dass in der Vorlage bei einigen Flächen so getan wird, als würden die Bürgervereine hinter den Bebauungswünschen stehen. Wenn eine Bereitschaft zu Zusammenarbeit signalisiert wurde, wie im Stühlinger, in Vauban und Zähringen, dann wird dies in der Vorlage schon als weitgehende Zustimmung zu den Bebauungen umgedeutet. Die Briefe des Bürgerverein Stühlinger vom 4.10. und des Stadtteilverein Vauban vom 16.10. verwahren sich eindeutig gegen eine solche Vereinnahmung.

Am letzten Mittwoch gab es ein Gespräch zwischen den 18 Bürgervereinen und einigen Stadträten, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine eingeladen hatte. Tenor des Abends war, dass die Bürgervereine durchaus die Problematik des Mangels an bezahlbaren Wohnungen sehen und in ihren Stadtteilen bereit sind, weitere Bebauung zu akzeptieren, solange es nicht massiv zu Lasten der Bewohnerschaft geht. Es muss für die Stadtteile verträglich sein. Für großen Verdruss sorgt, dass weitgehend fertige Pläne vorgestellt werden, nur noch wenige Möglichkeiten der Einflussnahme bestehen und Änderungswünsche nicht berücksichtigt werden. Insbesondere verärgert, dass nach jeder neu ins Spiel gekommenen Fläche sofort darauf hingewiesen wird, dass aber auch mit dieser Fläche noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird und selbst wenn von hunderten neu hinzukommenden Wohnungen die Rede ist, auch diese immer nur als ein Tropfen auf dem heißen Stein bezeichnet werden. Wie ein BV-Vorsitzender sagte, es scheint beim Bauen nur eine Aufwärtsspirale ohne absehbares Ende zu geben. Keinerlei Verständnis wurde insbesondere für die Bebauung des Mooswaldes und der Dreisamauen aufgebracht. Offen kritisiert wurde, dass Freiburg aktiv Menschen nach Freiburg zieht und damit andere Städte und landwirtschaftliche Regionen kannibalisiert und damit die Wohnungsprobleme in Freiburg und Leerstände in anderen Gemeinden befeuert. Soweit die Äußerungen der Bürgervereine.

Meine Damen und Herren, angesichts einer übermächtigen Phalanx von Baulobbyisten in Stadtspitze, Bauverwaltung und Gemeinderat stellen sich immer mehr Menschen die bange Frage, was gerade mit ihnen und ihrer Stadt passiert. Es irritiert und ängstigt viele, dass diese gigantische Naturvernichtung in einer weitgehend grün regierten Stadt ermöglicht wird. Und immer mehr Bürger fragen sich, warum ihre Sorgen bezüglich des maßlosen Bauens keinen entsprechenden Widerhall in der Freiburger Presse findet, sondern diese einer dominanten Bauträgergemeinschaft das Wort redet, warum auch die Presse so tut, als wäre es ein unumstößliches Naturgesetz, dass gebaut werden muss.

Mit der Zustimmung unserer Fraktion wurden in den letzten zweieinhalb Jahren tausende Wohnungen neu gebaut oder zumindest auf den Weg gebracht. Für die hier in der Vorlage genannten fünf Flächen können wir nur die in Zähringen Nord in gewissem Maße mittragen. Wir lehnen eine weitere maßlose Zubetonierung Freiburgs und damit die Vorlage ab!

 




FL/FF als Bauverhinderer? Von wegen!

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 wird der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) immer wieder vorgeworfen, sie sei ein „Bauverhinderer“. Aussagen wie „Sie wollen eine Mauer um Freiburg bauen“ oder „Sie wollen eine Käseglocke über Freiburg stülpen“ werden immer wieder in den Raum gestellt. Dabei wird wider besseres Wissen bewusst unterschlagen, dass FL/FF vielen Bauprojekten zugestimmt hat. Diese Pauschalisierungen können durch Fakten leicht widerlegt werden. Die folgende Tabelle zeigt Bauprojekte, die FL/FF unterstützt hat (WE = Wohneinheiten, ungefähre Angaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Baugebiet WE ca.
Belchenstr. 8-10 (+ Sanierung) 110
Binzengrün 34 (+ Sanierung) 120
Breisacher Hof (+ Sanierung) 60
Breisacher Straße (Aldi, Norma) 70
Ebnet-Hornbühl Ost 100
Güterbahnareal 1.300
Innere Elben 50
Kronenmühlebach 70
Röderhof 340
Schildacker 300
Uni-Carré (Friedrich-Ebert-Platz) 140
Zinklern (Lehen) 550
3.210

FL/FF betrachtet Bauprojekte differenziert. Aus diesem Grund sind wir strikt gegen solche, die Naherholungsgebiete, Kleingärten, landwirtschaftliche Nutzflächen oder den Mooswald zerstören. Bei den fünf neuen Wohnbauflächen, die im Dezember vorgestellt wurden, ebenso beim neuen Stadtteil Dietenbach können wir daher einer Bebauung nicht zustimmen. Die vielen Probleme, die bei Dietenbach vorliegen, sind keineswegs ausgeräumt. Hier soll u.a. ein Wall entlang des Zubringers Mitte und der Besanconallee mit einer Höhe von 6 m und einer Länge von etwa 1,5 km gebaut werden, um die Bewohner vor Lärm zu schützen. Wer baut denn nun tatsächlich Mauern um Freiburg? Als geradezu unanständig empfinden wir, wenn eine Mauer aus sozialem Wohnungsbau entlang der Paduaallee anstelle des Mooswaldes als Lärmschutz für einen Stadtteil fungieren soll.

Der Bauwahn in Freiburg verdeckt nicht nur das Münster, sondern ignoriert auch die Gefahren einer Immobilienblase (Foto: U. Glaubitz)
Der Bauwahn in Freiburg verdeckt nicht nur das Münster, sondern ignoriert auch die Gefahren einer Immobilienblase (Foto: U. Glaubitz)




Streit um gute Stadtplanung

Bauplatz auf dem Areal des Heilig-Geist-Stifts im Stadtteil Neuburg.
Bauplatz auf dem Areal des Heiliggeist-Stifts im Stadtteil Neuburg.

Unter der Überschrift “Streit um gute Stadtplanung” beschreibt die Badische Zeitung (BZ), wie der Gestaltungsbeirat die Planungen des Bauunternehmens Treubau auf dem Areal des Heiliggeist-Stifts (zwischen Johanniter- und Deutschorden-Str. im Stadtteil Neuburg kritisiert: “Architekt Tobias Wulf, Mitglied im fünfköpfigen Gestaltungsbeirat, fiel aus allen Wolken, als er in der jüngsten Sitzung die Entwürfe der Treubau – sie hatte in einem Bieterverfahren den Zuschlag bekommen – präsentiert bekam. Denn mit dem Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs von 2013 (der Zufall will es, dass Wulf damals Vorsitzender des Preisgerichts war) hatte der u-förmige Entwurf mit insgesamt 90 Wohnungen in vier Häusern nichts mehr zu tun. “Wenn ich sehe, wie sich das weiterentwickelt hat, muss ich tief durchatmen. Das ist für mich ein Schock”, sagte Wulf und fragte verärgert: “Warum hat man dann überhaupt einen Wettbewerb gemacht?” 14 Entwürfe waren damals eingereicht worden, das Preisgericht hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und zehn Stunden getagt.”

Vorstand der Treubau ist Bernd Rösch, ein früherer enger Mitarbeiter von OB Salomon. Grundstückseigentümerin des innenstadtnahen 11000-Quadratmeter-Geländes ist die Stiftungsverwaltung.  Die BZ bezeichnet das Gelände als “Filetgrundstück Freiburgs”, auf dem die Heiliggeistspitalstiftung ein neues Pflegeheim bauen will. Den Rest des Areals lässt sie von der Treubau mit Wohnungen bebauen – “in Erwartung eines stattlichen Erbpachtzinses”.

Siehe in der BZ: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/warum-hat-die-stiftungsverwaltung-einen-ideenwettbewerb-ausgerufen-aber-den-siegerentwurf-verworfen–122212053.html




“Verbietet das Bauen!”

Buch_Fuhrhop_Verbietet_das_BauenDie Badische Zeitung (BZ) hat das Buch von Daniel Fuhrhop “Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift”  in ihrer Ausgabe vom 23.02.2016 ausführlich und positiv besprochen. Sie schreibt: “Der Titel ist natürlich Provokation. Und doch liest sich die “Streitschrift”, als die das Buch angekündigt wird, über weite Strecken recht vernünftig. Wohltuend gar: In Zeiten, in denen die Nation nicht genug kriegen kann von neuen Häusern, in Zeiten, in denen Zweifel am Neubaubedarf fast schon als unanständig gelten, ist es an der Zeit einmal einen Schritt zurückzutreten und sich nüchtern die Sachlage zu betrachten. Genau das tut Daniel Fuhrhop. Er hat Architektur und anschließend Betriebswirtschaft studiert, ist also durchaus vom Fach. Und auch das Schreiben ist ihm nicht fremd; 15 Jahre lang war er Architekturverleger.”

Und weiter lobt die BZ: “Es ist die kompromisslos pragmatische Herangehensweise, die das Buch lesenswert macht. Manche Fakten sind selbstredend: Binnen 15 Jahren wurden die Verkaufsflächen des Einzelhandels in Deutschland bei stagnierenden Umsätzen um 30 Prozent aufgestockt. Wohin das führen wird, kann man sich denken. Im Wohnungsbau beschreibt Fuhrhop ähnliche Entwicklungen, selbst in schrumpfenden Städten werde noch neu gebaut. Die “Bauwut” in Deutschland, davon ist Fuhrhop überzeugt, sei eben nicht durch den Bedarf getrieben, sondern werde zu großen Teilen durch die Kapitalströme verursacht. Schlicht, weil Immobilien in Deutschland bei Investoren derzeit als attraktiv gelten.”

Man kann dem Buch nur wünschen, dass es auch in Freiburg viele Leser findet – vor allem in der Politik, im Gemeinderat und in der Stadtverwaltung. Es sollte in unserer Stadt zur Pflichtlektüre für Entscheidungsträger gehören!

Siehe in der BZ:  http://www.badische-zeitung.de/literatur-und-vortraege/wer-in-eine-kleinere-wohnung-zieht-sollte-geld-kriegen–118522067.html

Hier der Link zum „Blog gegen die Bauwut“ von Daniel Fuhrhop: http://www.verbietet-das-bauen.de/




Pressemitteilung zur Bauflächendiskussion

Logo_Fraktion_FL_FFPressemitteilung vom 20.11.2015 von der Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg zur Bauflächendiskussion

Fünf von 90 Flächen, die bebaut werden sollen, wurden vorgestellt und schon diese fünf haben es in sich: Kleingärten, Dreisamauen und Mooswald stehen zur Disposition! Und das Ganze wird beschönigend als Vorgriff auf den Perspektivplan bezeichnet. Was für eine Perspektive soll das sein, Kleingärten und Naherholungsgebiete zu bebauen? Die Perspektive, Freiburg für nachkommende Generationen unlebenswert zu machen? Die Flächen wurden willkürlich und einzig deswegen ausgesucht, weil sie der Stadt gehören. Die verantwortliche Stadtplanerin, Babette Köhler, spricht davon, dass es ihr wichtig sei „Freiräume qualitativ weiter zu entwickeln“. Durch den Bau von Landwasser, des Gewerbegebietes Hochdorf, der Westrandstraße wurden schon große Teile des Mooswaldes in den letzten Jahrzehnten geopfert. Jetzt sollen die Restbestände zwischen den Stadtteilen Mooswald und Landwasser auch noch beseitigt werden? Versteht man das bei der Stadt unter qualitativer Weiterentwicklung von Freiräumen?

Einer der wichtigsten Gründe, warum das Dreisamstadion nicht an seinem jetzigen Standort verbleiben kann, war, dass der Stadionkörper nicht um ein paar Meter nach Norden ausgeweitet werden kann, weil er sonst angeblich im Hochwassergefahrenbereich der Dreisam zu liegen komme. Aber es scheint nun völlig unproblematisch zu sein, ein ganzes Baugebiet auf die Dreisamauen nördlich der Kapplerstraße zu setzen. Ganz abgesehen davon, dass der Luftaustausch durch den „Höllentäler“ zwischen der Stadt und den Schwarzwaldbergen durch die Neubauten erheblich beeinträchtigt würde. Das soll eine qualitative Weiterentwicklung eines enorm frequentierten Naherholungsgebietes mit seinen Spazierwegen und Bolzplatz sein? Wieviele unsinnige Sprechblasen müssen wir Freiburger Bürger uns eigentlich noch gefallen lassen? Der Freiburger Oberbürgermeister fordert Mut von der Politik ein. Was ist daran mutig, den Freiburgern ihre Naherholungsgebiete zu zerstören? Das ist nicht mutig, sondern gefährdet massiv den sozialen Frieden in unserer Stadt!

Die Fraktion FL/FF hat viele neue Baugebiete und Nachverdichtungen bis zur politischen Schmerzgrenze mitgetragen. Und wir sind auch weiterhin bereit, Kompromisse einzugehen und den Bau weiterer Wohnungen mitzutragen. Aber es muss eine städtebauliche Verbesserung, zumindest keine Verschlechterung, mit einhergehen. Das Sanierungsgebiet Haslach-Südost ist beispielsweise ein solches Gebiet, das durch die Sanierung eine massive Aufwertung erfahren wird – trotz der damit verbundenen Nachverdichtung.

Eine Bebauung von Kleingärten, Mooswald und Dreisamauen wird durch uns abgelehnt!