Protest gegen Verkauf der Waldarbeitersiedlung

Ausschreibung bis zum 30. September, bisher ein Bewerber bekannt

Große Sorge bereitet den Anwohnern der beabsichtigte Verkauf der Waldarbeitersiedlung in Günterstal, die im Eigentum der Freiburger Stadtimmobilien GmbH (gehört zur Freiburger Stadtbau) steht. Die Ausschreibungsfrist läuft seit Juli, bis Ende September können sich Interessenten bewerben. Die BZ berichtete am 16.9.2025.

Unmut bereitet vor allem der Umstand, dass bereits vor Jahren der damalige Stadtbau-Chef den Anwohnern versichert hat, die Wohnbaugesellschaft würde das Ensemble selbst sanieren. Außer dass Anwohner selbst teilweise beträchtliche Summen in das Objekt gesteckt haben, ist von Seiten der Eigentümer seither nichts passiert, so dass es um den Zustand nicht zum Besten steht. Und so geht die Stadtbau davon aus, dass nur eine aufwändige Komplettsanierung möglich sei – nicht Kernaufgabe einer städtischen Wohnbaugesellschaft, daher der Verkauf.

In einem Schreiben an die Freiburger Stadtbau und Freiburger Immobilien GmbH sprechen sich die Anwohner für eine „sanfte Sanierung“ aus, was vor allem die Sanierung des Daches, die Abdichtung der Kelleraußenwände und den Austausch von Fenster und Türen beinhaltet. Eine Komplettsanierung sei aus statischen Gründen problematisch, da ohne Zwischendecken und -wände die Häuser ihre Standfestigkeit verlieren könnten.

Freiburg Lebenswert unterstützt die Anwohner in deren Anliegen und fordert eine denkmalgerechte Sanierung des Objekts. Auch besteht die Gefahr, dass ein neuer (privater) Eigentümer möglichst viel Profit aus der Immobilie schlagen möchte, was für die Bewohner zur Folge haben kann, dass diese während einer Kernsiedlung umziehen müssen und danach mit deutlich höheren Mieten konfrontiert werden.

Die schlimmste Befürchtung besteht jedoch darin, dass der neue Eigentümer einen Abriss des Objekts erwirken könnte. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Waldarbeitersiedlung unter Denkmalschutz steht. Ein Gutachter, der das Objekt als nicht mehr sanierbar einstuft, ist schnell gefunden. Widerstand gegen einen Abriss wäre von Seiten der Verantwortlichen in unserer Stadt nicht zu erwarten, wie zahlreiche Erfahrungen in jüngster Vergangenheit – Ratsstüble, Wintererstraße – belegen.

Sollte es zu einem Verkauf kommen, spricht sich Freiburg Lebenswert für den bisher einzig bekannten Bewerber, der Genossenschaft „Bodenständig“ des Freiburger Architekten Willi Sutter, aus. In diesem Fall wäre das Objekt in guten Händen und Freiburg würde davor bewahrt, wieder stadtbildprägende Gebäude zu verlieren. Das alte Schulgebäude in Haslach oder der historische Meierhof in Waldsee sind Gebäude, die mit Achselzucken der Verantwortlichen bereits zum Abriss anstanden. Diese wurden von besagter Genossenschaft gerettet und fachgerecht saniert. Bei der Waldarbeitersiedlung sollte man exakt auf diese Weise verfahren.

Die Waldarbeitersiedlung in Günterstal