OB-Wahl 2026

Nächsten Sonntag, dem 26.4.2026, wird in Freiburg der Oberbürgermeister für die kommenden acht Jahre gewählt. Neben Amtsinhaber Martin Horn stellen sich sieben Kandidaten und eine Kandidatin zur Wahl. Drei Kandidaten wurden nicht zugelassen, eine Kandidatin hat zurückgezogen.

Die meisten Stimmen werden am Sonntag auf Amtsinhaber Martin Horn, der Umfragen zufolge in Führung liegt, Monika Stein (parteilos, von einem linksgrünen Bündnis unterstützt) und Achim Wiehle (ebenfalls parteilos, kann auf Unterstützung der CDU bauen) entfallen. Den anderen Kandidaten werden allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt.

Diesen April haben sich bei uns Monika Stein und Achim Wiehle vorgestellt. Martin Horn hat sich schon vor acht Jahren bei FL vorgestellt.

Auszugsweise nur einige Punkte aus den Wahlprogrammen und den Treffen mit den Kandidaten, die vor allem die Kernbereich von FL – Bau- und Verkehrspolitik, Klima-, Artenschutz – betreffen:

Wohnungsbau allgemein

Bauen auf Teufel komm raus war bisher die Maxime in Freiburg, auch unter Martin Horn hat sich dieser Trend fortgesetzt. Kritischer sehen es die Konkurrenten: Für Frau Stein muss die Schaffung bezahlbaren Wohnraums Vorrang haben. Es müsse eruiert werden, wo nachverdichtet werden kann und wo nicht gebaut werden darf. Auch Achim Wiehle sprach sich gegen bauen, bauen, bauen aus (wobei dies nicht bedeutet, dass er dem Neubau abgeneigt ist). Vieles sei schiefgelaufen in den letzten Jahren. Allerdings sollen Bauprojekte nach Möglichkeit effizient umgesetzt werden. Er verweist auf mehr Holzbau und Moduleinheiten, die idealerweise auch noch ansprechend sind. Auf zu Verfügung stehende Flächen könnten so bis zu 1000 Wohnungen entstehen. Auch Freiburg Lebenswert will bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die bisherige Baupolitik hat dazu allerdings nicht geführt.

Zähringer Höhe

Frau Stein und Herr Wiehle haben sich klar gegen die Bebauung der Zähringer Höhe positioniert. OB Horn war bislang keinesfalls gegen die Bebauung. Im Wahl-O-Mat hat er sich noch neutral positioniert, am Ende konnte er sich zögerlich zu einem „Nein“ durchringen.

Die besonders artenreiche Zähringer Höhe

Dietenbach

Martin Horn und Monika Stein haben Dietenbach befürwortet. Beide wollen das begonnene Projekt vorantreiben (was auch für Kleineschholz gilt). Herr Wiehle weist auf eklatante Finanzierungslücken hin und man könne froh sein, wenn überhaupt was gebaut wird. Auch in Kleineschholz sei überhaupt kein Fortschritt erkennbar.

Dietenbach einst. Im Moment nur eine Baubrache. Die Finanzierung ist nicht gesichert
FL hat 2016 als einzige Gruppierung gegen die Zerstörung der Kleingärten gestimmt. Auch dort geht nichts voran, man findet seit Monaten nur eine Mondlandschaft vor

Flugplatz

Frau Stein ist für die Schließung des Flugplatzes, dort soll ein Gewerbegebiet entstehen, wobei Umweltaspekte beachtet werden sollen. So sollen der Magerrasen als auch die Frischluftschneisen erhalten bleiben. Herr Wiehle war zunächst für die Schließung, hat seine Meinung jedoch geändert. So sieht er den Flugplatz im hoffentlich nie eintretenden Katastrophenfall als wichtigen Bundeswehrstützpunkt und für Verletztenflüge geeignet (nicht für Organspenden!). Freiburg Lebenswert hat sich immer für den Erhalt des Flugplatzes ausgesprochen – als Kaltluftschneise und als Organisationszentrum im Katastrophenfall.

Metzgergrün

Frau Stein und Herr Wiehle halten den Abriss und Neubau des Metzgergrüns für falsch. Sanierung soll vor Abriss gehen. Beide sind zudem der Auffassung, dass zufriedenen Bewohnern nicht von oben herab diktiert werden soll, wie sie zu wohnen haben. OB Horn findet die Maßnahme hingegen positiv. Frau Stein hat sich ungefragt grundsätzlich gegen Abriss und Neubau ausgesprochen, dies sei CO-2-intensiv, zudem müsse die graue Energie berücksichtigt werden. Eine Auffassung, die von FL geteilt wird.

Metzgergrün – gelebter Irrsinn in der „Green City“

Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen

Im Stadtteil Waldsee wurde die 2019 eingeführte Erhaltungs- und Gestaltungssatzung auf Betreiben der Grünen mehrheitlich vom Gemeinderat wieder abgeschafft. Diese würde zu viele Bauprojekte mit unnötiger Bürokratie hemmen. FL hat damals viel dazu beigetragen, um 2018 den Weg zu dieser Art Satzungen frei zu machen und dabei viel Zustimmung von anderen Gemeinderäten bekommen. Um das Stadtbild und die Baukultur ist es leider nicht gut bestellt. OB Horn hat sich dabei enthalten. Seine damals bei uns (und auch im Folgenden immer wieder) getätigte Aussage, er wolle den Charme der Stadt erhalten, steht dieser Haltung entgegen. Auch Herr Wiehle sah in den Satzungen lediglich unnötige Bürokratie bei der Schaffung von Wohnraum. Frau Stein konnte immerhin verstehen, warum es diese Satzungen gibt.

Der nächste Fehlbau kommt bestimmt. Das Stadtbild ist der Mehrheit im Gemeinderat egal

Stadtbild, Denkmalschutz

Hat leider niemand im Wahlprogramm. Frau Stein verwies auf unhaltbare Zustände bei der Stadthalle und beim Lycée Turenne. Letzteres war immer auch ein Anliegen von OB Horn, der zudem auf die erfolgreiche Sanierung der Knöpflehaussiedlung verweist. Keidel, Böhme, Salomon, unter sämtlichen OBs hat es nicht an Abrissen stadtbildprägender Gebäude, dafür umso mehr an guter Baukultur gefehlt. Unter Martin Horn wurde dieser bedauerliche Trend leider nicht gestoppt. Die klare Aussage von Frau Stein gegen Abriss und Neubau könnte eine Verbesserung herbeiführen, sofern dies auch umgesetzt wird. Herr Wiehle hat sich immerhin ebenfalls für Sanierung statt Neubau ausgesprochen und auch die klare Aussage getätigt, am Güterbahnhof sei viel schiefgelaufen.

Mit solchen Bauten wie hier in der Elsässer Straße verliert die Stadt immer mehr ihren Charme
Um den Denkmalschutz ist es seit jeher schlecht bestellt in Freiburg

Verkehrspolitik

Frau Stein will die Fahrrad-Schnellbahnlinie Tuniberg – Freiburg. Herr Wiehle befürwortet den Stadttunnel. Seine Idee, in Freiburg umfassend Seilbahnlinien einzuführen, verdient Beachtung. Immerhin wurde diese Maßnahme in der bolivianischen Stadt La Paz erfolgreich umgesetzt.

Klima- und Artenschutz

Sowohl Frau Stein als auch für Herrn Wiehle wichtige Punkte im Wahlprogramm. So sollen PV-Anlagen auf alle öffentliche Gebäude. Auch soll mehr Fassadenbegrünung stattfinden.

Fazit

Freiburg Lebenswert wird bei dieser Wahl keine Empfehlung aussprechen. 2018 wurde der spätere Wahlsieger Martin Horn unterstützt, wobei es auch darum ging, den Turbo-Baubürgermeister Salomon abzuwählen. Was die Baupolitik anbelangt – für FL nun mal das zentrale Thema – könnte es bei der Bebauung der Zähringer Höhe ein wenig Hoffnung geben. Bei Dietenbach und Kleineschholz gibt es nach wie vor massive Finanzierungsprobleme. Beim Stadtbild dürfte nicht viel Hoffnung bestehen. Mit einer signifikanten Verbesserung im Denkmalschutz und dem Erhalt stadtbildprägender Gebäude ist nicht zu rechnen. Und der kommende Oberbürgermeister oder die kommende Oberbürgermeisterin eine bessere Baukultur anstrebt, die die Belange der jeweiligen Umgebung und nicht nur die Interessen von Bauträgern berücksichtigt, ist eher zweifelhaft. Dieses für FL wichtige Thema findet sich in keinem Wahlprogramm.