Moderne Architektur, die nicht gut tut

„Gebaute Umwelt beeinflusst die Stimmung. Nicht immer zum Besseren, wenn es sich dabei um moderne Architektur handelt. Psychologen k├Ânnen diese Effekte messen und belegen. Architekten interessiert das anscheinend nicht. Der Weg hin zu einer menschenzentrierten Baukunst ist noch weit.“ So ist es in der „Immobilien-Zeitung, der Fachzeitschrift f├╝r die Immobilienwirtschaft“, unter der ├ťberschrift „Diese Architektur tut nicht gut“ nachzulesen. Was viele von uns schon lange wissen, wurde mittlerweile in einer Vielzahl von wissenschaftlichen, psychologischen Studien untersucht und nachgewiesen.

Die Ergebnisse der Untersuchen sind eindeutig: „Das Unbehagen beim Betrachten der Fassaden von neuen Wohngeb├Ąuden ist deutlich h├Âher als bei H├Ąusern, die vor 100 Jahren gebaut wurden“ schreibt beispielsweise Arnold Wilkins von der Universit├Ąt Essex. Wilkins erkl├Ąrt solche Ergebnisse mit der menschlichen Informationsverarbeitung. „├ťber Jahrzehntausende hinweg hat sich das Gehirn weiterentwickelt, indem es Reize aus der nat├╝rlichen Umwelt verarbeitete. Die Muster des Gro├čstadtdschungels sind f├╝r das Hirn viel schwieriger zu verdauen, da sie sehr viel repetitiver sind.“

Ideologien spielen neben wirtschaftlichen Zw├Ąngen ebenfalls eine Rolle. „Seit dem Beginn der Moderne wird die Ablesbarkeit der inneren Funktion eines Geb├Ąudes an der Au├čenfassade an vielen Architekturfakult├Ąten hochgehalten“, erkl├Ąrt Riklef Rambow, der das Fachgebiet Architekturkommunikation am Karlsruher Institut f├╝r Technologie leitet undin Berlin das Psyplan Institut f├╝r Architektur- und Umweltpsychologie betreibt. Die Architektenzunft hege leider eine gewisse Abneigung gegen „Verh├╝bschungsma├čnahmen“.

Siehe: https://www.immobilien-zeitung.de/147523/architektur-tut-nicht-gut

Monotone, monstr├Âse Neubau-Luxuswohnungen in Herdern, die teilweise von russischen Oligarchen als Geldanlage erworben wurden und die meiste Zeit leer stehen.

Monotone Strukturen seien aber oft auch das Ergebnis st├Ądtebaulicher Vorgaben. Als Beispiel f├╝r eine erstebenswerte Vielfalt in der Architektur, wird von den Experten immer wieder die neue Frankfurter Altstadt genannt. Sie w├╝rde das bieten, was die B├╝rger sch├Ân finden, die in den St├Ądten leben m├╝ssen – oft im Gegensatz zu Architekten und Stadtplanern.

„Monotonie schafft ein beengendes Gef├╝hl“, sagt auch der Vorstandschef des Iwap (Institut f├╝r Wohn- und Architektur-Ppsychologie), Harald Deinsberger. Er hat sich der „menschlichen Qualit├Ąt“ gebauter R├Ąume verschrieben. Empirisch gut belegt ist die Tatsache, dass hohe, monotone Fassaden Menschen eher stressen als kleinteilige und nicht ganz so hohe. Trotzdem werden auch in diesem Jahrhundert monstr├Âse Wohnriegel wie in der Frankfurter Europa-Allee hochgezogen und teuer verkauft. Auf die Frage, wie sich das erkl├Ąrt, meint Deinsberger im Interview: „Die ├Ąsthetische Intention der von Ihnen genannten Geb├Ąude ist sichtlich eine der Repr├Ąsentation. Das hat nat├╝rlich herzlich wenig mit menschlichen Wohnbed├╝rfnissen zu tun.“

Siehe dazu: https://www.immobilien-zeitung.de/147531/monotonie-schafft-beengendes-gefuehl

Ein Monstrum in Beton f├╝r Investoren aus aller Welt: Die Westarkaden