Mehr Eigenheime, aber nicht für junge Menschen

Einerseits
gab es in Deutschland nie so viele Käufe von Eigenheimen.
Andererseits fällt die Quote bei jungen Menschen, die sich ein
Eigenheim kaufen; sie mieten lieber bzw. müssen mieten. Das
berichtete die FAZ im August in zwei Beiträgen über Untersuchungen,
über die wir hier kurz berichten möchten.

„Die Bundesbürger
haben 2018 so viele Ein- und Zweifamilienhäuser gekauft wie nie
zuvor. Nach Rückgängen in den Vorjahren stieg die Zahl der
Abschlüsse um 2,1 Prozent auf den Rekord von 248.500, zeigt eine
Auswertung des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und
Wohnforschung (Gewos)“, so die FAZ im ersten Beitrag. Ein Grund
dafür sei das im vergangenen Jahr von der
Bundesregierung eingeführte Baukindergeld, so der Gewos-Fachmann
Sebastian Wunsch gegenüber der Zeitung. Dem entsprechend sei vor
allem der Umsatz mit Ein- und Zweifamilienhäusern gegenüber dem
Vorjahr um fast zehn Prozent auf 66,3 Milliarden Euro gestiegen.
Diese hätten die Eigentumswohnungen als umsatzstärkstes Segment am
Immobilienmarkt abgelöst.

Siehe dazu:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/baukindergeld-kaeufe-von-eigenheimen-steigen-auf-rekord-16355682.html

Fast gleichzeitig steht in einem anderen Beitrag der FAZ, dass die
Zinsen für Immobilienkredite zwar niedrig sind, dass jedoch junge
Menschen davon kaum profitieren könnten, was vor allem an der
höheren Eigenkapitalhürde liege. Das zeige eine Untersuchung des
Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Auftrag der
Bausparkasse Schwäbisch Hall.

„In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen waren es 2017 noch 12
Prozent, in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen 38 Prozent. Das sind
jeweils 5 Prozentpunkte weniger als noch 2010. Gleichzeitig stieg der
Anteil in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen um 2 Prozentpunkte auf
58 Prozent“, so die FAZ. „Faktisch finden junge Haushalte, die
dann auch entsprechend mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Kredite
hätten, kaum noch Zugang zum Wohneigentumsmarkt“, heißt es in der
IW-Untersuchung.

Das Eigenheim – Ziel und/oder Lebenstraum vieler Familien (Zeichnung ©: Mariano Managò)

„Da sich die Erwerbsnebenkosten und der Eigenkapitalbedarf nach
den in den letzten Jahren vielerorts gestiegenen Kaufpreisen
bemessen, müssen Haushalte heute deutlich mehr Kapital gespart haben
als früher, mancherorts mehr als 50 Prozent als noch vor fünf
Jahren“. Das treffe in erster Linie junge Haushalte, die angesichts
der niedrigen Zinsen wenig Geld ansparen konnten. Wer die
Eigenkapitalhürde hingegen einmal überwunden habe, profitiere von
den niedrigen Zinsen für Immobilienkredite.

Siehe dazu:
https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/junge-leute-ziehen-seltener-in-die-eigenen-vier-waende-16325136.html

Schwerwiegend ist dabei auch die Feststellung, dass Deutschland
bei der Eigentumsquote im europaweiten Vergleich auf dem vorletzten
Rang liegt. Nur in der Schweiz leben mehr Haushalte zur Miete. Da
tröstet auch die Tatsache nicht sehr, dass der Anteil der Haushalte
im eigenen Heim in Baden-Württemberg mit 54,4 Prozent innerhalb
Deutschlands besonders hoch ist.