Freiburg bleibt seiner langjährigen Linie im Denkmalschutz treu und reißt erneut ein historisches Haus ab
Und wieder ist es soweit: Wieder fällt in Freiburg ein historisches Haus den Interessen von Bauträgern zum Opfer, wieder wurde ein altes Fachwerkhaus trotz Bitten von Freiburg Lebenswert und Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild nicht unter Denkmalschutz gestellt. Und das obwohl das Haus aus dem 18. Jahrhundert stammt und als letztes Sichtfachwerkhaus der Straße als eines der wenigen Gebäude noch den historischen Ortskern von Zähringen repräsentiert. Diesmal trifft es das gut erhaltene Fachwerkhaus in der Reutebachgasse 13. Die BZ berichtete am 10.9.2026.
Auf dem Grundstück soll nun ein Neubau entstehen. Bedauerlich ist der Umstand, dass dieses Bauvorhaben problemlos unter Erhalt des Fachwerkhauses hätte entstehen können. Weder Eigentümer noch die Stadt Freiburg hatten an dieser Lösung ein Interesse. In der Habsburgerstraße 91 wurde noch vor wenigen Jahren auf dieselbe Weise verfahren.
Der Denkmalschutz hat in Freiburg keinen Stellenwert. Die Ausführung der denkmalrechtlichen Vorgaben unterliegt in Baden-Württemberg den unteren Denkmalschutzbehörden, die mit den Baurechtsbehörden identisch sind. Akteure in Freiburg sind vor allem Baubürgermeister Haag, dem historische Gebäude ganz offensichtlich egal sind. Hinzu kommt ein wiedergewählter Oberbürgermeister, der bei Amtsantritt 2018 stets betont hat, er wolle den Charme der Stadt erhalten, dieses Ziel aber offensichtlich nicht verfolgt. Das Ganze flankiert von einem Gemeinderat, dem Stadtbild und historische Bausubstanz ebenfalls gleichgültig sind, wie der Umgang mit der alten Bausubstanz am Ganter-Areal und der Abschaffung der Erhaltungs- und Gestaltungssatzung in Waldsee deutlich gezeigt hat.
Freiburg Lebenswert verurteilt diesen neuerlichen Eingriff in die bauliche Geschichte der Stadt und vor allem in das Stadtbild. Die Architektur des Neubaus dürfte wenig Hoffnung machen. Beim letzten Abriss eines historischen Gebäudes, dem alten Kutscherhäuschen in der Wiehre, musste man eben diese Erfahrung machen, dass Stadtgeschichte durch schlechte Architektur ersetzt wird. Es müsste doch allen Akteuren klar sein, dass die Stadt mit dieser Bau- und Abrisspolitik ihr Gesicht verliert.
Im Denkmalschutz muss sich dringend was ändern!